DER CHRONIST

Zum Geleit

Am 22. März, dem hundertsten Geburtstag Kaiser Wilhelms I., wurde an der Schloßfreiheit das Nationaldenkmal enthüllt. Am 14. November besetzten Marinetruppen nach der Ermordung zweier Missionare die Bucht von Kiautschau, am 30. November eröffnete der Kaiser den Reichstag mit einer Thronrede, die die Flottenverstärkung ankündigte, und am 6. Dezember forderte der Staatssekretär v. Bülow im Reichstag „unseren Platz an der Sonne". Am 15. November öffnete in der Leipziger Straße das Warenhaus Wertheim, in Charlottenburg und Potsdam machte Professor Slaby die Telegraphie ohne Draht zur Funkentelegraphie, und in Augsburg lief ein neuer Motor, über den die Fachleute von Kassel bis Berlin sprachen. Eine Reichstags- oder preußische Hauptwahl gab es nicht; gewählt wurde in Sachsen, in Baden, in Berlin und in zehn Ersatzwahlen. Wer die Zeitung dieses Jahres liest, findet Festtage, Depeschen aus China und Berliner Vermischtes dicht nebeneinander.

Die Schlagzeilen des Jahres

Hundertjahrfeier: Berlin enthüllt das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I.

Einweihung des Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. an der Schloßfreiheit in Berlin
Einweihung des Nationaldenkmals an der Schloßfreiheit in Berlin, Photographie von Waldemar Titzenthaler, 1897 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am Sonntag, dem 21. März, beginnt die Feier zum hundertsten Geburtstag Kaiser Wilhelms I. mit einem Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche; der Kaiser bringt die Fahnen der Berliner Garnison in das Palais seines Großvaters. Am Montag, dem 22. März, wird an der Schloßfreiheit das Nationaldenkmal enthüllt: Die gesamte Berliner Garnison zieht Unter den Linden auf, das Kaiserzelt steht im Eosanderportal des Schlosses, Generalsuperintendent Faber spricht das Weihegebet, auf das Kommando des Kaisers „Abschlagen" ziehen Matrosen die Hülle herab. Der erste Kanonenschlag verkündet um 11 Uhr 17 Minuten die Enthüllung, so die „Deutsche Tageszeitung". Das Reiterstandbild von Reinhold Begas ist neun Meter hoch, das ganze Denkmal mit der Säulenhalle des Architekten Gustav Halmhuber etwa zwanzig; vier Löwengruppen bewachen es. Die Inschrift vorn lautet „Wilhelm der Große, Deutscher Kaiser, König von Preußen 1861–1888", hinten „In Dankbarkeit und treuer Liebe das Deutsche Volk". Abends strahlen 8.000 elektrische Glühlampen am Schloßportal, Scheinwerfer legen ihr Licht auf das Denkmal.

Am Dienstag, dem 23. März, zieht die Berliner Bürgerschaft in einem Festzug mit einem Germania-Prunkwagen und „Tausenden von alten Kriegern" am Denkmal vorbei. Der Kaiser stiftet die Erinnerungsmedaille aus Bronze eroberter Geschütze am orangefarbenen Band, eine Deutsche Kokarde für das Heer und gibt die „Militärischen Schriften Kaiser Wilhelms des Großen" heraus. „Wilhelm der Große" ist die amtliche, preußische Lesart; im Sprachgebrauch der Blätter bleibt es meist beim ersten Kaiser. Die Berliner Vorgeschichte des Denkmals war nicht friedlich: Der Wettbewerb um Entwurf und Platz blieb ohne Sieger, der Kaiser bevorzugte Begas, und die „National-Zeitung" erinnert am 23. März an die „Unheilsprophezeiungen". Der „Vorwärts" vermisst am 25. März die Amnestie, für die die Staatsanwaltschaften alle Vorbereitungen getroffen hatten; begnadigt werden die Duellanten Kotze und Sprenger. Zugleich legt man am 22. März in Köln, Altona und Lübeck Grundsteine für weitere Wilhelm-Denkmäler, und die deutschen Kolonien in Rom, Paris, Wien, Moskau und Zürich feiern.

Ein Jahr ohne Hauptwahl: Sachsens Sozialdemokraten verlieren, in Berlin wählt die dritte Abteilung vier ins Rathaus

Paul Singer, Sozialdemokrat und Stadtverordneter in Berlin
Paul Singer, Photographie um 1905 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im Jahr 1897 gibt es weder eine Reichstags- noch eine preußische Hauptwahl; der Reichstag stammt von der Wahl vom 15. Juni 1893, das Abgeordnetenhaus wurde im November 1893 gewählt. Die größte Landtagswahl des Jahres findet Anfang Oktober in Sachsen statt, wo ein Drittel der Zweiten Kammer neu bestimmt wird, erstmals nach dem Dreiklassen-Wahlmännerverfahren des Wahlgesetzes von 1896. Die Sozialdemokraten fallen von 15 auf 9 der 82 Sitze zurück; stärkste Gruppe bleiben die Konservativen, zweite die Nationalliberalen. Bei den Wahlmännerwahlen der zweiten Abteilung hatten die Sozialdemokraten nur 17 Wahlmänner gestellt.

In Berlin werden am 8. November die Stadtverordneten der dritten Abteilung gewählt, die Wahlen der zweiten und ersten folgen in den nächsten Tagen. Das „Berliner Tageblatt" meldet am 9. November fünf gewählte Freisinnige und vier Sozialdemokraten: Paul Singer, Stadthagen, Bruns und Wernau; in fünf Bezirken gibt es Stichwahlen, die „Bürgerpartei" bringt keinen Kandidaten durch. Singer wird im Bezirk Luisenstadt jenseits des Kanals gewählt, bleibt aber in der Dorotheenstadt mit nur 95 Stimmen zurück und unterliegt dem Freisinnigen Frick mit 470 gegen 1.315 Stimmen.

Schon im Sommer hat Königsberg einen Sozialdemokraten in den Reichstag geschickt: In der Ersatzwahl vom 10. Juni erhält Hugo Haase 11.917 Stimmen, der Kandidat der Freisinnigen Volkspartei, Papendieck, 5.008; Haase ist im ersten Wahlgang gewählt, die Wahlbeteiligung liegt bei 65,7 Prozent.

Die übrigen Wahlgänge des Jahres:

  • Baden (Zweite Kammer), 27. Oktober — Die Hälfte der Sitze steht zur Wahl; die Nationalliberalen bleiben stärkste Gruppe, verlieren aber ihre Mehrheit: Drei Sitze gehen an die Sozialdemokraten, je einer an die Demokraten und an einen Antisemiten.
  • Sachsen-Meiningen, 28. September — Die Sozialdemokraten steigen von 1 auf 4 der 24 Sitze; die Nationalliberalen bleiben stärkste Gruppe, die Linksliberalen zweite.
  • Hessen — Die Nationalliberalen bleiben die stärkste Gruppe der Zweiten Kammer.
  • Sachsen-Weimar-Eisenach, September — Bürgerliche Mehrheit im Landtag.
  • Elsaß-Lothringen, 1. August — Bei den Bezirkstagswahlen gewinnen Sozialdemokraten und Klerikale den Löwenanteil.
  • Baden 2 (Donaueschingen-Villingen), Stichwahl 11. Februar — Merz (Nationalliberale) 10.262, Schüler (Zentrum) 10.251: elf Stimmen Vorsprung, und der Sitz geht von den Konservativen an die Nationalliberalen.
  • Wiesbaden 2, Stichwahl 23. Juni — Wintermeyer (Freisinnige Volkspartei) 14.011, Graf Fugger (Zentrum) 8.136; die Sozialdemokraten enthalten sich.
  • Nürnberg I, 2. Dezember — Oertel (Sozialdemokratie) 20.173, Barbeck (Freisinnige Volkspartei) 11.550; der Sitz des verstorbenen Grillenberger bleibt bei der Sozialdemokratie.
  • Weitere Ersatzwahlen des Reichstags — Merseburg 1 (8. April, Knörcke, Freisinnige Volkspartei), Schwetz (Anfang April, Saß-Jaworski, Pole), Köln 3 (20. Mai, Breuer, Zentrum), Oberpfalz 5 (14. September, Heim, Zentrum), Westprignitz (Schulz, Freisinnige Volkspartei) und Plön-Oldenburg (24. November, v. Tungeln, Konservative).

Kiautschau: Missionare ermordet, Marinetruppen besetzen die Bucht, Prinz Heinrich fährt nach Ostasien

Besitznahme der Bucht von Kiautschau durch Marinetruppen am 14. November 1897
Besitznahme der Bucht von Kiautschau am 14. November 1897 durch Marinetruppen, Photographie (Bundesarchiv, Bild 134-B1511 / CC-BY-SA 3.0)

In der Nacht zum 2. November überfallen Bewaffnete eine Missionsstation im Süden der Provinz Schantung, nach den Meldungen bei Yentschu; die Steyler Missionare Richard Henle und Franz Xaver Nies werden ermordet. Der Chef der Kreuzerdivision, Contre-Admiral v. Diederichs, besetzt am Sonntag, dem 14. November, mit einem Landungskorps die Bucht von Kiautschau und die chinesischen Lager, kampflos: Nach seinem Telegramm wurden sie „ohne Blutvergießen geräumt", rund 1.200 chinesische Soldaten zogen ab, 14 Kruppsche Geschütze mit Munition wurden beschlagnahmt. Zur Division gehören nach den Blättern die Kreuzer „Kaiser", „Irene", „Prinzeß Wilhelm" und „Kormoran". Die Kölnische Zeitung schreibt am 16. November, sie habe vermutet, die Kreuzerdivision werde die Bucht anlaufen und Truppen landen, „um für die Ermordung von zwei deutschen Missionaren Genugthuung zu fordern"; die „Deutsche Tageszeitung" vom 18. November hofft, die Truppen würden von dort „nicht so bald wieder eingeschifft", und das „Berliner Tageblatt" nennt die Besetzung am 5. Dezember ein „Pfand für die von China geforderte Sühne". Im Vorwärts vom 26. November steht die Meldung, Rußland werde gegen eine dauernde Besetzung keinen Einwand erheben. Durch Kabinettsordre vom 23. November wird Diederichs unter Beförderung zum überzähligen Vizeadmiral Chef des Kreuzergeschwaders in Ostasien, Prinz Heinrich Chef von dessen 2. Division.

Am Mittwoch, dem 15. Dezember, trifft der Kaiser nach 3 Uhr nachmittags in Kiel ein, begleitet von Admiral v. Knorr, Staatssekretär Tirpitz und Staatsminister v. Bülow, inspiziert die Kreuzer „Deutschland" und „Gefion" und gibt im Schloß ein Diner mit ungefähr 60 Gedecken. Prinz Heinrich, Contre-Admiral, wird Chef der 2. Division des Kreuzergeschwaders. Beim Diner sagt der Kaiser nach dem Wortlaut des „Vorwärts": „… dann fahre darein mit gepanzerter Faust!", und der Prinz antwortet: „mich lockt nicht Ruhm, mich lockt nicht Lorbeer, mich zieht nur eines: das Evangelium Eurer Majestät geheiligter Person im Auslande zu künden, zu predigen jedem, der es hören will, und auch denen, die es nicht hören wollen." Am Donnerstag, dem 16. Dezember, begleitet der Kaiser die Schiffe durch den Kanal bis Rendsburg. Die „Berliner Börsen-Zeitung" meint am 17. Dezember, der Ausdruck von der „gepanzerten Faust" könne „sich nur auf eine sehr ferne Eventualität beziehen"; die Kurse an der Börse gaben nach. Die Bonner Zeitung vom 19. Dezember rühmt dagegen den einmütigen Beifall der nationalen Presse, nennt aber die „Berliner Volkszeitung" und das „Tageblatt" als Gegner.

Aus heutiger Sicht

Der Zwischenfall wurde im Januar 1898 beigelegt, Prinz Heinrich erreichte Kiautschau erst am 5. Mai 1898. Der Überfall von Juye gilt als Auslöser der Jagd der Mächte nach Konzessionen in China und mittelbar als Vorgeschichte des Boxeraufstands; Tsingtau wurde zum Stützpunkt ausgebaut.

Neue Männer am Ruder: Tirpitz, Bülow und Posadowsky, die Flottenvorlage und „unser Platz an der Sonne"

Bernhard v. Bülow, Photographie von Johannes Lüpke, 1900
Bernhard v. Bülow, Photographie von Johannes Lüpke, 1900 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im Sommer bekommt die Reichsregierung neue Gesichter. Contre-Admiral Tirpitz, bis zum Frühjahr Chef der Kreuzerdivision in Ostasien, tritt im Juni als stellvertretender Staatssekretär in das Reichsmarineamt ein; der „Reichsanzeiger" meldet seine Ernennung zum Staatssekretär, Admiral Hollmann, sieben Jahre Chef des Amtes, wird auf sein Abschiedsgesuch mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt. Ende Juni wird v. Bülow mit der Leitung des Auswärtigen Amts betraut, Marschall v. Bieberstein scheidet aus; im Oktober ist er Staatssekretär. Am 1. Juli wird Graf Posadowsky Staatssekretär des Innern und Vizekanzler, Boetticher scheidet aus.

Am Dienstag, dem 30. November, eröffnet der Kaiser im Weißen Saal die „letzte Tagung der neunten Legislaturperiode" des Reichstags und verliest die Thronrede selbst. Sie erwähnt Kiautschau — der Kaiser habe sein Geschwader dort einlaufen lassen, „um volle Sühne und Sicherheit gegen Wiederkehr ähnlicher beklagenswerther Ereignisse zu erlangen" — und kündigt die Flottenverstärkung an. Der Gesetzentwurf über den Sollbestand der Flotte nennt in seiner Begründung nur sieben „kriegsbrauchbare" Linienschiffe statt der vierzehn, die der Flottengründungsplan von 1873 forderte; beschafft werden soll in sieben Jahren, die Marine hat vier Aufgaben: Schutz des Seehandels, Küstenverteidigung, Offensivvermögen und Schutz der Kolonien.

In der Flottendebatte am Montag, dem 6. Dezember, sagt Staatssekretär v. Bülow nach der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 7. Dezember: „Mit einem Worte: wir wollen Niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne." Der Wortlaut schwankt von Blatt zu Blatt — die „Deutsche Tageszeitung" und die „Tägliche Rundschau" schreiben „einen Platz an der Sonne", die „National-Zeitung" „Platz in der Sonne" —, der Kern bleibt. Rechts und im Zentrum gibt es Beifall, bei den „wohlwollendsten und freundlichsten Absichten" gegenüber China lacht die Linke; Barth von der Freisinnigen Vereinigung fordert eine „nüchterne Prüfung". Die Münchner „Allgemeine Zeitung" schreibt am 7. Dezember, gelinge es dem neuen Minister, den Satz wahrzumachen, „so wird er mit Recht ein verdienstvoller Staatssekretär genannt werden". Die Handelskammer Hamburg beantragt eine Generalversammlung des Deutschen Handelstages zugunsten der Vorlage, die Berliner Kaufmannsältesten sind dagegen. Wie es mit der Vorlage weitergeht, ist zu Silvester offen.

Aus heutiger Sicht

„Platz an der Sonne" wurde zum Schlagwort der Weltpolitik. Bülow wurde 1899 Graf und 1900 Reichskanzler, Tirpitz wurde erst 1900 geadelt.

Der Türkisch-Griechische Krieg um Kreta

Der griechische Kronprinz Konstantin und sein Gefolge im Phourka-Paß, im Hintergrund das zurückgehende griechische Heer
Der griechische Kronprinz Konstantin und sein Gefolge im Phourka-Paß, Zeichnung von Henry Marriott Paget nach einer Skizze von W. T. Maud, „The Graphic", 5. Juni 1897 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Seit Mai 1896 steht die christliche Mehrheit auf Kreta im Aufstand, die Mächte — Rußland, Frankreich, England, Italien, Österreich und das Reich — blockieren die Insel. Im Februar landen griechische Truppen unter Oberst Vassos auf Kreta. Am Ostersonntag, dem 18. April, erklärt die Türkei den Krieg; „Der griechisch-türkische Krieg ist nunmehr offiziell ausgebrochen", schreibt das „Berliner Tageblatt" am 19. April. Das griechische Heer unter Kronprinz Konstantin weicht vor den Türken unter Edhem Pascha: Am 23. April werden Tyrnavos und Larissa aufgegeben, am 5. Mai Pharsalos, am 8. Mai fällt Volos, am 17. Mai folgt die Schlacht bei Domokos und der Rückzug durch den Phourka-Paß. Das „Tageblatt" schreibt am 25. April, Griechenland wolle „nur einen Gebirgskrieg führen, der allerdings das einzige Mittel ist, die große türkische Übermacht zu paralysiren". Das türkische Heer war von deutschen Militärberatern, unter ihnen v. d. Goltz Pascha, umgebaut worden; in der philhellenischen Legion kämpfen auch deutsche Freiwillige.

Am 20. Mai tritt der Waffenstillstand ein; die Türken waren nach dem „Tageblatt" vom 21. Mai „schon nahe daran", Lamia einzunehmen. Am 4. Dezember wird in Konstantinopel der Friedensvertrag unterzeichnet, wie das „Düsseldorfer Volksblatt" am 6. Dezember meldet; der Sultan ratifiziert am 16. Dezember, am 17. Dezember nimmt die griechische Kammer ihn in erster Lesung an.

Der Hamburger Hafenarbeiterstreik endet mit der Niederlage der Arbeiter

Streikposten im Hamburger Hafenarbeiterstreik, Holzstich
Streikposten im Hamburger Hafenarbeiterstreik, Holzstich von Emil Limmer, 1896 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am 21. November 1896 legen fast alle Schauerleute im Hamburger Hafen die Arbeit nieder, später schließen sich weitere Hafenarbeiter und Seeleute an; auf dem Höhepunkt streiken fast 17.000 Mann. Der Arbeitgeberverband Hamburg-Altona hält dagegen. Der „Vorwärts" nennt am 7. Februar 1897 die Dauer, elf Wochen, und die Unterstützung: Anderthalb Millionen Mark seien „in den elf Wochen des Streikes" aufgebracht worden, fast ganz aus „Arbeitergroschen".

Am Sonnabend, dem 6. Februar, empfehlen die Redner in den Versammlungen der Streikenden, die Arbeit am Montag wieder aufzunehmen; der Kampf sei verloren, die geeignete Zeit zu einer Wiederaufnahme müsse abgewartet werden. „Der Hafenarbeiterstreik beendet!" überschreibt das „Berliner Tageblatt" am 7. Februar seinen Bericht, im „Vorwärts" steht: „Der Hamburger Hafenarbeiter-Ausstand ist beendet."

Der Brand des Wohltätigkeitsbazars in Paris: Mehr als 110 Tote

Titelblatt des „Petit Journal" vom 16. Mai 1897 mit der Brandkatastrophe des Wohltätigkeitsbazars
Brand des Wohltätigkeitsbazars, Titelblatt (Illustration) von „Le Petit Journal, supplément illustré", 16. Mai 1897 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am Dienstag, dem 4. Mai, brennt in der Rue Jean-Goujon in Paris der jährliche Wohltätigkeitsbazar der Damen der Aristokratie nieder. Der Bau besteht „aus Holz und bemalter Leinwand", nach der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" steht er binnen zehn Minuten in Flammen. In 22 Verkaufsständen, an manchen mit 40 bis 50 Damen, verkaufen fast nur Damen der Aristokratie und der Hochfinanz. Die Zahlen der Opfer steigen im Lauf des Abends: Die „National-Zeitung" meldet bis 6 Uhr 30 Tote und 35 Schwerverletzte, später ist von 80 geborgenen Leichen die Rede, und am Mittwoch gilt nach amtlicher Zählung: mehr als 110 Tote. Unter den Toten ist die Herzogin von Alençon, eine Schwester der Kaiserin von Österreich, die Herzogin von Uzès wird verletzt.

Das „Berliner Tageblatt" berichtet am 5. Mai, einzelne Blätter erhöben „scharfe Anklagen gegen die Veranstalter des Bazars und gegen die Polizei". Am 6. Mai bleiben die Große Oper, die Komische Oper und das Théâtre Français geschlossen.

Der „rationelle Wärmemotor": Rudolf Diesel in Kassel und Augsburg

Dieselmotor der Maschinenfabrik Augsburg von 1897, stationärer Prototyp im Deutschen Museum
Dieselmotor der Maschinenfabrik Augsburg von 1897, Museumsaufnahme von 2023 im Deutschen Museum München (Frank Schulenburg, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Am 16. Juni hält Rudolf Diesel auf der Jahresversammlung des Vereins deutscher Ingenieure bei Kassel seinen Vortrag über den „rationellen Wärmemotor"; er „erweckte bei den anwesenden Fachmännern … das berechtigtste Aufsehen", schreibt „Der Beobachter" am 17. Juli. Entwickelt wird der Motor in der Maschinenfabrik Augsburg zusammen mit ihrem Direktor Heinrich Buz, die Patente laufen seit den frühen neunziger Jahren. Im November druckt die Presse, unter anderem die „Berliner Neuesten Nachrichten" am 5. November, ein Feuilleton über den „Diesel-Motor": Dampfmaschinen verlören „85 pCt." der Energie, kleine Motoren nutzten „kaum 10 pCt.", der neue Motor erziele „einen Nutzeffekt, der denjenigen der besten Dampfmaschine verdoppelt". Er arbeitet mit einem Druck von 40 Atmosphären, brennt vorläufig Petroleum und braucht „pro Stunde und Pferdekraft nur ½ Kilogramm"; der Vortrag von Kassel sei, so die „Neuesten Nachrichten", „als das größte technische Ereigniß dieses Jahres begrüßt" worden.

Die „Allgemeine Zeitung" schreibt am 2. Dezember, ein einpferdiger und ein fünfzigpferdiger Diesel-Motor blieben „in ihrem Gütegrad hinsichtlich der Brennstoffausnutzung nahezu gleich"; der Erfinder hoffe auf die vielen Gebiete, die bisher die Dampfmaschine festhält. Nicht alle glauben ihm: Am 30. Dezember druckt die Wilhelmsburger Gemeindezeitung eine Meldung der „Berl. Ger.-Ztg." unter dem Titel „Ein Motor ohne Speisung", die beginnt: „Wie ein Aprilscherz liest sich …".

Aus heutiger Sicht

Der Diesel-Motor machte später als Dieselmotor weltweit Karriere. Rudolf Diesel starb 1913 im Ärmelkanal.

Telegraphie ohne Draht: Slaby und Graf Arco in Sacrow und in Charlottenburg

Professor Adolf Slaby
Professor Adolf Slaby, Photographie von 1902 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im Frühjahr nimmt Geheimrat Adolf Slaby, Professor an der Technischen Hochschule in Charlottenburg, in England an den Versuchen mit der italienischen Erfindung Marconis teil, wie die „Berliner Neuesten Nachrichten" am 3. November berichten. Im Winter hatte er mit Dr. Dietz auf den Korridoren der Hochschule versucht, Funken zu senden, nicht über 50 Meter hinaus. Dann stellt der Hof die Königlichen Gärten bei Potsdam zur Verfügung: Der Empfänger steht auf der Matrosenstation Kongsnaes, der Sender zuerst auf der Pfaueninsel, dann in der Säulenhalle der Sackrower Heilandskirche, an deren Turm der Draht emporgeführt ist. In Gegenwart des Kaisers arbeitet die Anlage „ganz vortrefflich", die Reichweite beträgt wenig über drei Kilometer. Als Empfänger dient eine Frittröhre mit Nickelkörnern, entscheidend ist die Länge des Drahtes: 65 Meter an Sender und Empfänger. Auf Anregung des Kaisers kommt eine Luftschiffer-Abteilung mit Fesselballons hinzu, und zwischen Schöneberg und Rangsdorf gelingt die Übertragung über 21 Kilometer mit 0,4 Millimeter starkem Kupferdraht.

Am Montag, dem 1. November, erstattet Slaby in der Technischen Hochschule vor Regierungsvertretern, Offizieren und Mitgliedern des Vereins für Gewerbfleiß seinen Bericht. Nach der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 2. November erstattete er „eingehenden Bericht über seine bisherigen Versuche mit der ‚Telegraphie ohne Draht', oder wie er sie richtiger genannt wissen will, der ‚Funkentelegraphie'". Abends führt er vor: Ein Apparat im Keller des Hauses Berlinerstraße 25 in Charlottenburg sendet, der Empfänger im Vortragssaal der Hochschule nimmt „vortrefflich" auf. Neu ist, dass zwei verschiedene Telegramme gleichzeitig über einen Draht gehen; mitgearbeitet haben Dr. Dietz und Graf Arco.

Aus heutiger Sicht

Die AEG, die das System Slaby-Arco übernahm, und Siemens & Halske mit dem System Braun gründeten 1903 auf Drängen des Kaisers eine gemeinsame Gesellschaft für drahtlose Telegraphie. Ferdinand Braun in Straßburg, der 1897 seine Kathodenstrahlröhre gebaut hatte, folgte 1898 mit einem eigenen Sender.

Die Getreidehändler ziehen aus der Börse aus: Der „Feenpalast"

Die Berliner Börse an der Burgstraße, vom Spreeufer aus gesehen
Die Berliner Börse an der Burgstraße, vom Spreeufer aus gesehen; Stereophotographie von J. F. Stiehm und Sophus Williams, zwischen 1878 und 1900 (Rijksmuseum Amsterdam / Wikimedia Commons, CC0)

Mit dem Reichsbörsengesetz vom 22. Juni 1896, das am 1. Januar 1897 in Kraft tritt, wird der Terminhandel in Getreide verboten; nach der neuen Berliner Börsenordnung sollen zudem „eine größere Zahl von Landwirthen" in den Vorstand der Produktenbörse. Die Mitglieder der Produktenbörse beschließen „einstimmig", die Börsenräume zu verlassen und ihre Geschäfte in einem anderen Lokal zu machen; sie wählen den in der Nähe des Börsengebäudes liegenden „Feenpalast", wo die Zusammenkünfte am 2. Januar beginnen. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" melden, im alten Raum „fehlten … die Besucher", im Feenpalast aber werde „in Weizen Roggen und Hafer recht flott gehandelt"; die „National-Zeitung" schreibt am 4. Januar: „In der ‚freien Vereinigung' im Feenpalast war die geschäftliche Thätigkeit außerordentlich rege." Die Provinzblätter drucken: „Die Sache bleibt, die äußere Form und der Name hat sich geändert." Die Wiener Börse wünscht den Berlinern telegraphisch „Kampf gegen die Reaktion"; die Telegraphenbehörde soll diesen Ausdruck gestrichen haben, meldet der „Reichsbote" am 8. Januar.

Am 12. Juni untersagt der Polizeipräsident v. Windheim die Versammlungen als „nicht genehmigte Börsenversammlungen" unter Androhung „unmittelbaren Zwanges"; danach wollen die Händler nur noch „von Contor zu Contor" handeln. Am 19. November verhandelt der Berliner Bezirksausschuss, und am Sonnabend, dem 20. November, hebt er die Verfügung des Polizeipräsidenten auf und legt die Kosten der Staatskasse auf. Ihre Räume in der Heiligengeiststraße wollen die Händler trotzdem nicht mit dem Feenpalast tauschen, schreibt die „National-Zeitung" am 21. November.

Das Riesenwarenhaus Wertheim eröffnet in der Leipziger Straße

Das Warenhaus Wertheim in der Leipziger Straße, Seite aus der „Berliner Architekturwelt"
Das Warenhaus Wertheim in der Leipziger Straße, Seite aus der „Berliner Architekturwelt", 1898, Heft 1 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am Montag, dem 15. November, nachmittags um 5 Uhr, öffnet das Warenhaus Wertheim in der Leipziger Straße 132/133, dem alten Reichstagsgebäude gegenüber. Der Bau auf dem Grundstück des früheren Leipziger Gartens ist vierstöckig, die Front 60 Meter breit, das Haus 75 Meter tief, das Hinterhaus reicht bis zur Voßstraße; gebaut wurde in der „außerordentlich knapp bemessenen Zeit von ungefähr 10 Monaten". Die „Staatsbürger-Zeitung" berichtet am 16. November, trotz des „scheußlichen stürmischen Regenwetters" sei „eine unglaubliche Menschenmenge" gekommen. Der Architekt Alfred Messel wird, so die „Tägliche Rundschau" am 27. November, „mit einem Schlage" in die „Reihe der ersten Architekten" gestellt.

Die kleinen Läden fürchten den Wettbewerb: Das „Hamburger Fremdenblatt" schreibt am 14. November nach einer Berliner Korrespondenz, die Eröffnung bedeute für die Geschäfte der Nachbargegend „den sicheren Untergang", und vergleicht das Haus mit Zolas „Au bonheur des Dames". Vor Weihnachten beschreibt der „Reichsbote" am 14. Dezember das Gedränge vor dem Kaufhaus und den Omnibus „Arche Noah".

Das Aluminium-Luftschiff des David Schwarz zerschellt zwischen Schöneberg und Wilmersdorf

Das Aluminium-Luftschiff von David Schwarz, Stich
Das Aluminium-Luftschiff von David Schwarz, Stich aus Joseph Lecornu, „La navigation aérienne", Paris 1903 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am Mittwoch, dem 3. November, gegen 3 Uhr nachmittags, soll auf dem Tempelhofer Feld das Luftschiff des im Januar in Wien gestorbenen David Schwarz aufsteigen. Es ist aus Aluminium gebaut, rund 41 Meter lang und 14 Meter dick, mit Daimler-Motor; das Aluminium hatte Carl Berg geliefert, Schwarz' Witwe Melanie führt das Werk weiter, die Preußische Luftschiffer-Abteilung hilft seit 1895 beim Bau. Im Jahr zuvor war die Füllung nicht gelungen. Diesmal sind 3.500 Kubikmeter Wasserstoff eingefüllt, Offiziere aller Waffengattungen sind gekommen. Der junge Luftschiffer Jägels soll in 150 bis 200 Meter Höhe eine Rundfahrt machen. Bei Ostwind von 7,5 Metern in der Sekunde weht es erst den Treibriemen der rechten, dann der linken Windschnecke herunter, das Schiff wird steuerlos; Jägels öffnet das Ventil und stellt den Motor ab, es stürzt „in fast vertikaler Richtung auf den Grund".

„Das neue Luftschiff … liegt zerschmettert auf dem Ackerfelde zwischen Schöneberg und Wilmersdorf", schreibt die „National-Zeitung" am 4. November. Jägels rettet sich „durch einen kühnen Sprung" und erleidet nur eine leichte Verletzung am rechten Ohr. Den Materialwert beziffert das Blatt auf „bloß 200 000 Mark".

Aus heutiger Sicht

Es hielt sich später die Behauptung, Graf Zeppelin habe 1898 das Patent der Witwe erworben; Eckener bestritt das. Zeppelins erster Aufstieg folgte 1900, das Tempelhofer Feld wurde später zum Flughafen.

Das „Mehlhaus" auf der Museumsinsel fällt

Das Mehlhaus mit der Mehlbrücke über dem Kupfergraben
Das Mehlhaus mit der Mehlbrücke über dem Kupfergraben, Photographie von F. Albert Schwartz, zwischen 1886 und 1892, vor dem Abbruch (Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Auf der Museumsinsel beginnt der Abbruch für die geplanten Museumsbauten. „Zunächst fällt das den älteren Berlinern wohlbekannte, an der Cantianbrücke gelegene ‚Mehlhaus', dessen Dach und oberes Stockwerk bereits abgerissen worden sind", meldet das „Berliner Tageblatt" am 14. Oktober. Über dem mittleren Eingangstor steht noch „Mehlverkauf en gros et en détail", über den Fenstern des ersten Stockwerks „Mehlhaus" in schwarzen Metallbuchstaben.

Das Haus war „bis in die siebziger Jahre hinein bei dem besseren Berliner Bürgerthum das beliebteste und gesuchteste Festlokal der Stadt, in welchem vor allem zahllose Hochzeiten gefeiert worden sind". Im Keller an der Wasserseite lag „eine der ältesten und eigenartigsten Schifferkneipen Berlins, die ihrer versteckten Lage wegen nur den Eingeweihten bekannt war", mit alten Bildern zum Lob der Schifffahrt an den Wänden.

Hochwasser in Schlesien, im Riesengebirge und in Sachsen

Hochwasser auf dem Niedermarkt in Döbeln (Sachsen), 31. Juli 1897
Hochwasser auf dem Niedermarkt in Döbeln (Sachsen), 31. Juli 1897, Photographie (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In der Nacht zum Sonnabend, dem 31. Juli, gehen im Hirschberger Tal Wolkenbrüche nieder; die Eglitz bei Schmiedeberg im Riesengebirge reißt Häuser nieder, der Eisenbahnverkehr ist tagelang gestört, der Telegraph zerrissen. Ein Bericht des „Hirschberger Tageblatts", den die Kölnische Zeitung am 3. August druckt, lautet: „Durch das Hochwasser der Eglitz ist unsere Stadt in manchen Teilen förmlich zur Ruine geworden. Es sind einige 30 Häuser zerstört worden, am Markt sind noch mehrere Häuser dem Einsturz nahe." Fast sämtliche Brücken sind fortgeschwemmt, der Bahndamm am Ruhberge ist auf 30 Meter durchbrochen. Im Kreis Rothenburg in der Oberlausitz stehen viele Dörfer unter Wasser, in Marklissa ertrinken fünf Menschen; die Strecken Lauban–Marklissa, Lauban–Löwenberg und Löwenberg–Greiffenberg sind unterspült. In Sachsen leiden das Müglitz- und das Weißeritztal: In Weesenstein an der Müglitz reißt das Wasser fünf Häuser teils hinweg, und die Schmalspurbahn durch das Weißeritztal nach Kipsdorf ist nach dem „Dresdner Journal" vom 3. August „fast vollständig verschwunden".

Der „Reichsbote" meldet am 4. August: Aus dem Riesengebirge werden von deutscher Seite 38 Tote gemeldet, im Weißeritztal sind 60 Menschen umgekommen; auch auf böhmischer Seite gibt es viele Tote. Der Schaden allein in Schlesien beträgt „über zwölf Millionen Mark". Die Zahlen sind vorläufig, Vermisste sind nicht eingerechnet.

Der Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große" holt den Rekord über den Ozean

Der Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große" auf See
Der Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große", Photographie von August Loeffler, Tompkinsville bei New York, um 1897 (Library of Congress / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der Doppelschrauben-Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd in Bremen, bei der AG Vulcan in Stettin gebaut, hat vier Schornsteine und 18 wasserdichte Schotten. Am 4. Mai läuft er vom Stapel, am 19. September beginnt seine Jungfernfahrt von Bremerhaven nach New York. Das „Wittgensteiner Kreisblatt" rechnet am 13. November nach Lloyd-Angaben vor, das Schiff habe die in derselben Woche abgegangenen fremden Schnelldampfer geschlagen: die „Majestic" um 22 Stunden 2 Minuten, die „Lucania" um 13 Stunden 48 Minuten, die „St. Paul" um 21 Stunden 36 Minuten.

Am 29. November meldet Bremen: „Der Schnelldampfer ‚Kaiser Wilhelm der Große' ist heute 9 Uhr Morgens nach einer Durchschnittsfahrt von 22,10 Seemeilen Lizard passirt. Der Dampfer hat damit die schnellste über den Ozean gemachte Fahrt und den Rekord sämmtlicher Schnelldampfer …", so der „General-Anzeiger" in Halle am 1. Dezember. Die besten Fahrten hatte bis dahin nach der Presse die „Lucania" gemacht, mit 22,01 Seemeilen westwärts und 21,82 ostwärts, und das im Sommer; der „Kaiser Wilhelm der Große" fuhr in der ungünstigsten Jahreszeit.

Der Prozeß Tausch–Lützow: Die „politische Polizei" vor den Geschworenen

Vom 24. Mai bis zum 4. Juni stehen vor dem Berliner Schwurgericht der Kriminalkommissar v. Tausch, Leiter der politischen Polizei (wissentlicher Meineid, Verbrechen im Amt), und sein früherer Agent, der Schriftsteller v. Lützow (Betrug, Urkundenfälschung), im Anschluss an die Leckert-Lützow-Affäre vom Dezember 1896. Die Geschworenen sprechen Tausch frei und befinden Lützow für schuldig; der Staatsanwalt hatte für Tausch Freisprechung, für Lützow sechs Monate Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust beantragt, das Gericht verurteilt Lützow zu einer Zusatzstrafe von zwei Monaten Gefängnis zu den achtzehn Monaten vom Dezember, ohne Ehrverlust. Oberstaatsanwalt Drescher sagt in seiner Erwiderung, beide Verteidiger hätten den Prozess die Bankrotterklärung der politischen Polizei genannt.

Das „Berliner Tageblatt" schreibt am 5. Juni: „Die Freisprechung des Herrn v. Tausch, die Verurtheilung des Herrn v. Lützow wird bei den Einen ungeheuchelte Genugthuung, bei den Anderen gemischte Empfindungen hervorgerufen haben." Es fragt, was „diese sogenannte ‚politische' Polizei jemals und irgendwo im günstigsten Falle geleistet" habe, „als Gespenster heraufzubeschwören, um durch deren Erscheinen schreckhafte Gemüther einzuschüchtern".

Erfindungen des Jahres
Die Turbinia bei voller Fahrt, Photographie von Alfred J. West
Die „Turbinia" bei voller Fahrt während der Flottenschau, Photographie von Alfred J. West, 1897 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
Flottenschau bei Spithead am 26. Juni 1897, Gemälde von Eduardo de Martino
Die Flottenschau bei Spithead am 26. Juni 1897, Gemälde von Eduardo de Martino (Royal Collection / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Das Turbinenboot „Turbinia" (26. Juni 1897, Spithead). Bei der Flottenschau zum sechzigjährigen Regierungsjubiläum der Königin Victoria, an der über 160 britische Schiffe in langen Reihen teilnehmen, erscheint am Sonnabend unangemeldet ein kleines Boot des Ingenieurs Charles Parsons. Die „Turbinia" ist rund 30 Meter lang, nur gut 2,7 Meter breit und wiegt etwa 44 Tonnen. Sie wird nicht von einer Kolbenmaschine getrieben, sondern von drei hintereinander geschalteten Dampfturbinen, die auf drei Wellen mit je drei Schrauben wirken; zu dieser Anordnung ist Parsons gekommen, nachdem er festgestellt hatte, dass sich um die Schrauben des ersten Versuchs luftleere Hohlräume bildeten und die Leistung begrenzten. Vor den Augen des Prinzen von Wales, der Lords der Admiralität und ausländischer Gäste läuft das Boot zwischen den Reihen der Kriegsschiffe hindurch und hin und her; ein Beiboot der Marine, das es anhalten soll, kann es nicht einholen und wird beinahe von der Heckwelle überspült. Mit mehr als 34 Knoten, nach anderen Angaben beinahe 35 Knoten (rund 63 Stundenkilometer), ist sie schneller als alles, was an diesem Tag auf dem Wasser fährt; die schnellsten Schiffe der königlichen Marine laufen nach den vorliegenden Angaben etwa 27 Knoten. Der Auftritt macht großes Aufsehen: Die einen halten ihn für einen Scherz, die anderen für die Vorführung eines neuen Antriebs; einzelne Stimmen wollen den Eigner wegen unvorsichtigen Fahrens bestraft sehen, andere loben die Leistung.

Aus heutiger Sicht

Die Admiralität ließ nach dem Auftritt die Zerstörer „Viper" und „Cobra" mit Parsons-Turbinen ausrüsten, und 1905 beschloss sie, künftig alle Schiffe der Royal Navy mit Turbinen anzutreiben. Die Kolbenmaschine verschwand damit aus den großen Kriegsschiffen.

Die Braunsche Röhre auf ihrem Gestell
Die Braunsche Kathodenstrahlröhre auf ihrem Gestell (Abbildung aus Eugen Nesper, „Handbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie", 1921; Wikimedia Commons, gemeinfrei)
Professor Ferdinand Braun
Professor Ferdinand Braun (Photographie um 1910, George Grantham Bain Collection, Library of Congress / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Die Braunsche Röhre (15. Februar 1897, Straßburg). In den „Annalen der Physik und Chemie" (Neue Folge, Band 60, Seite 552 bis 559) beschreibt Professor Ferdinand Braun, seit 1895 Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Straßburg, „ein Verfahren zur Demonstration und zum Studium des zeitlichen Verlaufes variabler Ströme". Gemeint ist ein Apparat, mit dem sich der Verlauf schnell wechselnder elektrischer Ströme mit bloßem Auge verfolgen lässt: eine luftleer gepumpte Glasröhre mit Kathode und Anode, in der die Kathodenstrahlen auf einen leuchtenden Schirm gerichtet werden. Eine Spule am Hals der Röhre lenkt den Strahl im Takt des zu untersuchenden Stromes ab, so dass auf dem Schirm eine Kurve entsteht, die dem Verlauf des Stromes entspricht. Die Röhre arbeitet mit kalter Kathode und mäßigem Vakuum und braucht dafür eine Spannung von etwa 100 000 Volt; der Strahl wird nur in einer Richtung magnetisch abgelenkt, die zweite Richtung liefert ein rasch gedrehter Spiegel. Der Aufsatz erscheint mit sechs Textabbildungen.

Aus heutiger Sicht

Braun erhielt 1909 den Nobelpreis für Physik, zusammen mit Guglielmo Marconi, allerdings für seine Beiträge zur drahtlosen Telegraphie und nicht für die Röhre. Sein Assistent Jonathan Zenneck verbesserte die Ablenkung 1899, und 1930 setzte Manfred von Ardenne die Röhre bei der ersten vollelektronischen Fernsehübertragung als Bildröhre ein, obwohl Braun sie dafür für ungeeignet hielt. In Deutschland heißt sie bis heute Braunsche Röhre.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • 27. März — Am Rand des Grunewalds in Halensee wird die „Deutsche Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen" gebaut: 3,5 Hektar, die der Forstfiskus „auf besonderen Wunsch des Kaisers" hergegeben hat; geschossen wird von früh bis spät, und Passanten sagen schlicht „ein Schießstand".
  • 12. Juni — Aus Kalkutta wird ein Erdbeben gemeldet, das in Kalkutta und Haurah Schäden anrichtet.
  • 22. Juni — In London wird das sechzigjährige Regierungsjubiläum der Königin Victoria gefeiert; Kaiserin Friedrich begleitet ihre Mutter bei der Ankunft, Prinz und Prinzessin Heinrich vertreten den Kaiser, und die „National-Zeitung" schreibt, der Haupttag sei „ohne jeden Mißton" verlaufen.
  • 11. Juli — Der Schwede Andrée startet mit Strindberg und Frænkel von der Däneninsel an der Nordwestecke Spitzbergens im Ballon zum Nordpol. Am 12. Oktober trifft bei „Aftonbladet" in Stockholm eine Brieftaubenmeldung ein, die am 13. Juli abgesandt wurde; zu Silvester gilt die Expedition als verschollen.
  • 8. August — In Santa Águeda wird der spanische Ministerpräsident Cánovas del Castillo von einem Anarchisten erschossen.
  • 29.–31. August — In Basel tagt der von Theodor Herzl und Max Nordau einberufene Zionistenkongreß; er fordert für das jüdische Volk eine rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina.
  • 31. August — In Coblenz wird in Gegenwart des Kaisers das Denkmal der Rheinprovinz für Wilhelm I. auf dem Deutschen Eck enthüllt, ein Werk des Architekten Bruno Schmitz.
  • September — Im Passage-Panoptikum steht ein „indisch-birmanisches Dorf", und vor der Hütte des Birmanen, der tätowiert, „wird es niemals leer": Damen und Herren der Berliner Gesellschaft lassen sich Monogramme und Herzen einritzen, wie es zuvor aus Paris und London berichtet worden war.
  • 28. November — In Wien fällt das Kabinett Badeni nach den Krawallen im Reichsrat um die Sprachenverordnungen: „Das Ministerium Badeni ist gefallen", schreibt das „Berliner Tageblatt" am 29. November.
  • 8. Dezember — Drei „Reklame-Gigerl", ausstaffiert mit grauem Zylinder, knöchellangem modefarbenem Rock, aufgekrempten Hosen, Gigerlstock und silbernen Buchstaben auf dem Rücken, die für einen Kleiderhändler der Friedrichstraße für eine Mark die Stunde durch die Straßen ziehen, marschieren mit „großer theatralischer Grandezza" ins Schöffengericht; der Arbeitgeber, so das „Tageblatt", hatte vorher beim Polizeirevier angefragt.

WIRTSCHAFT · 1897

Die Lage der Wirtschaft bleibt gut, aber die Stimmen mahnen. Die Reichsbank setzt im Februar den Diskont herab, am 11. Oktober erhöht sie ihn wieder auf 5 Prozent: „Genau vor einem Jahr hat die Reichsbank, wie heute, ihren Discont auf 5 % erhöht", schreibt das „Hamburger Fremdenblatt" am 12. Oktober, und diesmal sei nicht der Goldabfluss nach den Vereinigten Staaten der Anlass. Am 1. Januar tritt das Börsengesetz in Kraft und treibt die Getreidehändler in den „Feenpalast"; im Februar endet der Hamburger Hafenarbeiterstreik mit der Niederlage der Arbeiter. Der „Vorwärts" blickt am 31. Dezember zurück: Die elektrotechnische Industrie, die Schienenwerke, das chemische Gewerbe und der Waggonbau florierten, die Textilindustrie habe 1896 ihren Höhepunkt erreicht, in Europa habe es schlechte Ernten gegeben. „Drei Jahre des Aufschwungs sind vorüber. Wir bezweifeln, daß wir beim nächsten Rückblick noch ein viertes Jahr der Prosperität zu verzeichnen haben werden."

Der Preisspiegel:

  • Roggenbrot (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 0,22 Mark
  • Weizenbrot (Schrippen, 1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 0,38 Mark
  • Butter (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 2,28 Mark
  • Rindfleisch (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 1,24 Mark
  • Schweinefleisch (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 1,30 Mark
  • Kartoffeln (100 kg, Berlin, Jahresmittel) — 4,05 Mark
  • Omnibusfahrt (Linie Schöneberg–Brunnenstraße, im Wageninnern, Stand Juni) — 15 Pfennig, auf den Decksitzen 10 Pfennig
  • Zeitungsabonnement (Berliner Tageblatt, zweimal täglich ins Haus, Berlin, Stand Januar) — 6 Mark im Vierteljahr

STIMMEN DER PRESSE · 1897

Die Hundertjahrfeier für Kaiser Wilhelm I. beschäftigt am 23. März die Blätter aller Richtungen, und mit ihr die Frage, ob der Name „Wilhelm der Große" sich eingebürgert hat. Zuerst der „Vorwärts":

„Der Name Wilhelms des Großen scheint sich, abgesehen von preußischen amtlichen Kundgebungen, noch nicht recht eingebürgert zu haben." — Vorwärts, 23. März 1897

Dann die nationalliberale „National-Zeitung" in ihrer Morgenausgabe zum Denkmal:

„Um so größer darf heute die Freude und Genugthuung darüber sein, daß das Denkmal des kaiserlichen Wiederherstellers des Reiches als ein herrliches, mächtig zu jedem empfänglichen Gemüthe redendes Werk deutscher zeitgenössischer Kunst emporragt." — National-Zeitung, 23. März 1897

Zuletzt die „Tägliche Rundschau", die in den Dank eine Frage mischt:

„Ist die Ehrenpflicht gegen unsere Veteranen und Invaliden wirklich erfüllt? Niemand wird auf diese Frage mit einem recht ehrlichen und frischen Ja antworten können …" — Tägliche Rundschau, 23. März 1897

SPORT · 1897

Das Rad ist 1897 das Fahrzeug der Stunde, auch für Frauen: Radfahrerinnen gehören zum Berliner Straßen- und Ausflugsbild, wie die „Nachrichten für Stadt und Land" am 3. August festhalten. Der Bischof von Mainz, Haffner, verbietet den Geistlichen seiner Diözese das Radfahren, meldet das „Berliner Tageblatt" am 12. September.

MODE · 1897

Die „Tägliche Rundschau" stellt in ihrem Modenbericht vom 14. März fest: „In den Zeiten, wo sich in der Mode eine vollständige Umwandlung vollzieht, — und wir befinden uns in einer solchen, — wird die Frage: ‚was dürfen wir tragen?' reiflicher denn je in Erwägung gezogen." „Wir gehen dem engen Aermel entgegen oder besitzen ihn schon", heißt es weiter, doch mache die Mode denen Zugeständnisse, die von der Weite nicht lassen wollen; der verengten Rockform stehe der unten stark erweiterte Rock gegenüber, gewarnt wird vor flatternden Volants, Querbändern und Überladenheit, und dem „einfachen englischen Kleide" stehe eine „verschwenderische Ueberladenheit" gegenüber. Im Herbst werden Kostüme reich garniert: „Leibchen, Aermel und Rock reich garnirt getragen", mit Tressen und schmalen Besätzen, schreibt die „Emscher Zeitung" am 9. Oktober. Bei den Herren hat die Gigerl-Mode mit grauem Zylinder, knöchellangem Rock und Gigerlstock in Berlin ihre Reklame-Vorführer gefunden.

KULTUR · 1897

Am 22. und 23. März gibt es zur Hundertjahrfeier Berliner Festtage: eine Galavorstellung im Königlichen Opernhaus nur für geladenes Publikum, das Festspiel „Willehalm" von Ernst v. Wildenbruch und im Deutschen Theater einen Festprolog von Moritz Ehrlich, gesprochen von Kainz; bei einem Festmahl in Gegenwart des Kaiserpaares erklingt das Preislied „Wilhelm der Große" von Th. Krause. Am 23. Januar werden im Münchner Hoftheater „Königskinder", „ein deutsches Märchen" von Ernst Rosmer mit Musik von Engelbert Humperdinck, uraufgeführt. Am 26. Oktober wird das neue Rathaus in Hamburg eingeweiht.

KINO & FUNK · 1897

Der Kinematograph kommt in Berlin in die Urania: Die alte Urania in der Invalidenstraße tritt mit dem 1. Mai in ihr Sommer-Semester mit einem Mondpanorama, einem zwölf Meter langen Modell der Gotthardbahn und einem „Röntgen-Strahlenkabinett", dazu gibt es stündliche Vorführungen des Kinematographen im Theatersaal, der Eintritt kostet 50 Pfennig (Berliner Tageblatt, 25. April). Am Sonntag, dem 28. November, zeigt der Circus Busch den Kindern „lebende Photographien": „Als absolut neu für die Kinder dürfte die Vorführung von ‚lebenden Photographien' durch den Kinematographen sein, Bilder, welche bisher nur in den Variététheatern gezeigt wurden." Auf der Naturforscherversammlung im September spricht Dr. Braun aus Wien über die Anwendung des Kinematographen für die Darstellung der Herzbewegung. Der Phonograph ist ebenfalls im Gespräch: Das „Tageblatt" druckt am 3. September einen Beitrag „Der Phonograph als Sprachlehrer", und am 9. März steht eine Anzeige für „Kinetograph und Concert-Phonograph".

Die Funkentelegraphie hat am 1. November in Charlottenburg ihren großen Abend, als Professor Slaby seinen Bericht erstattet; im Alltag bleibt es beim Draht: Am 3. Oktober melden die „Berliner Neuesten Nachrichten", dass der Fernsprechverkehr mit Mörs eröffnet worden ist, die Gebühr beträgt 1 Mark für drei Minuten.

GESTORBEN · 1897

  • Karl Weierstraß (81), Mathematiker, Professor an der Berliner Universität — 19. Februar, Berlin.
  • Johannes Brahms (63), Komponist — 3. April, Wien.
  • Heinrich v. Stephan (66), Staatssekretär des Reichspostamts — 8. April, Berlin.
  • Sebastian Kneipp (76), Pfarrer und Hydrotherapeut — 17. Juni, Wörishofen.
  • Jacob Burckhardt (79), Basler Kulturhistoriker — 8. August, Basel.
  • Alphonse Daudet (57), französischer Schriftsteller — 16. Dezember, Paris.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1897

  • Der Charitasverband für das katholische Deutschland (9. November, Köln). Im Gartensaal des Hotels „Fränkischer Hof" konstituiert sich vormittags der Verband mit Sitz in Freiburg; Vizepräsident der Versammlung ist Kaplan Werthmann aus Freiburg, Weihbischof Dr. Schmitz führt das Ehrenpräsidium. Der Verband soll jährliche „Charitastage" abhalten und Lokal- und Diözesanverbände anregen; die Köln-Bergheimer Zeitung schreibt: „Darum soll jetzt ein Charitasverband für das kath. Deutschland geschaffen werden."
  • Hilfe nach dem Hochwasser (Anfang August, Schmiedeberg). Die Erbprinzessin von Meiningen besucht den zerstörten Ort und übergibt eine Spende; der Vaterländische Frauen-Verein Sachsen-Meiningen ruft zu Spenden auf.
  • Ein Geschenk für ein altes Ehepaar (3. August, Friedenau). Für das greise Ehepaar P. im Friedenauer Ortsteil von Schöneberg, das seine diamantene Hochzeit feiern konnte und in bedrängter Lage ist, bewilligt der Kaiser einen Betrag aus seiner Privatschatulle.
  • Eine Rettungsmedaille (8. Oktober, Königsberg). Der Tischlergeselle S. erhält die Rettungsmedaille am Bande: Im Juni 1896 holte er „nach siebenmaligem Untertauchen" einen ertrunkenen Arbeiter aus dem Pregel.
  • Die Blumenausstellung der Schulkinder (Anfang Oktober, Weißensee). Im Mai hatte man Topfgewächse an alle Schüler ausgegeben; im Oktober stehen 1.500 Pflanzen im Saal des Schlosses Weißensee, 300 Prämien werden vergeben.

DAS WETTER · 1897 in Berlin

Am 13. Juli erreichte das Thermometer in Berlin ein Tagesmaximum von 24,9 °C, das Minimum lag bei 12,6 °C; das Mittel aus beiden Werten ergibt rund 18,8 °C (ein amtliches Tagesmittel liegt für diesen Tag nicht vor). Es blieb trocken (0,0 mm).

Das Jahr über: Der heißeste Tag des Jahres war der 24. Juni mit 33,3 °C, der kälteste (Tagesminimum) der 1. Februar mit −14,1 °C. Nach der Berliner Messreihe zählte das Jahr 70 Frosttage und 29 Eistage, dazu 35 Sommertage mit mindestens 25 °C, davon 6 heiße Tage von mindestens 30 °C. Der Jahresniederschlag summierte sich auf 586 mm.

(Tageswerte der Messreihe Berlin-Dahlem. Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1897

Charts gibt es nicht; die Liste stützt sich auf Spielplan-, Anzeigen- und Kritikbelege in Berliner Zeitungen des Jahres 1897: die Berliner Erstaufführung der „Geisha" am 1. Mai, die Apollo-Novität „Venus auf Erden" und die Ausstattungsstücke des Central-Theaters; von zwanzig vorgesehenen Plätzen sind 5 belegt, eine Rangfolge ist damit nicht verbunden.

  1. Die Geisha (Operette in 3 Akten, „oder: Eine japanische Theehausgeschichte") — Text: Owen Hall, Gesangstexte: Harry Greenbank, Musik: Sidney Jones, deutsch von C. M. Röhr und Julius Freund; Uraufführung 25. April 1896, Daly's Theatre London; Berliner Erstaufführung 1. Mai 1897, Lessing-Theater (Gastspiel des Ensembles Ferenczy aus Hamburg) (Staatsbürger-Zeitung, 2. Mai 1897: „der wiedererstandene Mikado"; Berliner Börsen-Zeitung, 2. Mai 1897: „Erfolg, der nach den beiden ersten Acten völlig durchschlagend"; Deutsche Tageszeitung, 2. Mai 1897; Norddeutsche Allgemeine Zeitung und Deutscher Reichsanzeiger, 3. Mai 1897)
  2. Venus auf Erden (burlesk-phantastische Operette in 1 Akt) — Text: Heinrich Bolten-Baeckers, Musik: Paul Lincke; Uraufführung 12. Mai 1897, Apollo-Theater Berlin (Vorwärts, 12. Mai 1897; National-Zeitung, 12. und 14. Mai 1897; Staatsbürger-Zeitung, 12. und 13. Mai 1897; Staatsbürger-Zeitung, 20. Juni 1897: „täglich vor ausverkauftem Hause", die 50. Aufführung nahe, und 15. Juli 1897: die 75. Aufführung nahe)
  3. Berliner Fahrten (Berliner Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern) — Text: W. Mannstädt und Julius Freund, Musik: Julius Einödshofer; Uraufführung 4. September 1897, Central-Theater Berlin (Tägliche Rundschau, 4. September 1897: „Zum ersten Male: Novität!"; National-Zeitung, 5. September 1897: „lebhaften Heiterkeitserfolg"; Norddeutsche Allgemeine Zeitung, 6. September 1897; Staatsbürger-Zeitung, 22. Dezember 1897: „Zum 109. Male", „Zugstück")
  4. Ein fideler Abend (burleske dramatische Revue in 1 Vorspiel und 3 Bildern) — Text: Julius Freund und W. Mannstädt, Musik: „von verschiedenen Meistern, arrangiert von Julius Einödshofer"; Uraufführung 7. Februar 1897, Central-Theater Berlin (Deutscher Reichsanzeiger, 6. Februar 1897; Berliner Börsen-Zeitung, 7. Februar 1897; National-Zeitung, 7. Februar 1897; Berliner Tageblatt, 8. Februar 1897)
  5. Eine wilde Sache (burleske Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern) — Text: W. Mannstädt und Julius Freund, Musik: Julius Einödshofer; Uraufführung 20. September 1896, Central-Theater Berlin; „Zum 104. Male" (Norddeutsche Allgemeine Zeitung, 2. Januar 1897), „Zum 111. Male" (9. Januar 1897), „Zum 126. Male", „Letzte Woche" (3. Februar 1897)
Lokalteil Kiel / Schleswig-Holstein

„Fürst Bismarck" läuft auf der Kaiserlichen Werft vom Stapel

Der Stapellauf des Panzerkreuzers „Fürst Bismarck" in Kiel, nach einer Photographie von Hans Breuer
Der Stapellauf des Panzerkreuzers „Fürst Bismarck", nach einer Photographie von Hans Breuer in Hamburg, Die Gartenlaube 1897, S. 724 (gemeinfrei)

Am Sonnabend, dem 25. September, mittags um 12 Uhr, lief auf der Kaiserlichen Werft in Kiel der Panzerkreuzer I. Klasse „Fürst Bismarck" vom Stapel, der erste Panzerkreuzer der deutschen Flotte. Auf dem Bauplan führte er bisher den Namen „Ersatz Leipzig"; den Taufnamen hat der Kaiser selbst befohlen. Die Taufe vollzog Gräfin Wilhelm Bismarck, die Schwiegertochter des Altreichskanzlers, mit den Worten „Auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers taufe ich dich ‚Fürst Bismarck'"; am Bug zerschellte eine Flasche „Rheingold" der Firma Söhnlein in Schierstein, die seit 25 Jahren alle Kaiserlichen Werften mit dem Taufwein beliefert. Die Taufrede hielt auf Befehl des Kaisers Staatssekretär Tirpitz.

Zu den Ehrengästen zählten Prinz Heinrich von Preußen, Finanzminister v. Miquel, Oberpräsident v. Köller, Admiral v. Knorr, Staatssekretär v. Thielmann sowie die Grafen Herbert und Wilhelm Bismarck und Graf Rantzau. Die Familie war um 9 Uhr mit einem Sonderzug aus Friedrichsruh abgeholt worden. Der Fürst selbst blieb zu Hause, sein Gesundheitszustand erlaubte die Reise nicht. Am Morgen regnete es noch, gegen 11 Uhr klarte der Himmel auf, und zum Festakt schien die Sonne; Ehrenkompanie, Seebataillon und Musik standen vor den Tribünen.

Der Kaiser, der sich in Rominten aufhielt, telegraphierte an den Fürsten Bismarck, er freue sich, „für alle Zeiten" dessen Namen mit seiner Flotte „in engster Beziehung" zu wissen; es sei „der erste große Panzerkreuzer, welcher bei uns gebaut ist". Am Nachmittag meldete Tirpitz dem Altreichskanzler in Friedrichsruh den glatten Ablauf und überreichte im Namen des Kaisers ein vier Meter großes Schiffsmodell. Am selben Tage wurde dem Grafen Herbert Bismarck in Schönhausen der erste Sohn geboren, der Stammhalter.

Kieler Woche: Der Kaiser segelt auf der „Meteor", der König der Belgier ist an Bord

Der Blumenkorso der Kieler Woche am Abend des 28. Juni 1894, Zeichnung von Fritz Stoltenberg
Der Blumenkorso der Kieler Regattawoche am Abend des 28. Juni 1894, Zeichnung von Fritz Stoltenberg, Die Gartenlaube 1894, S. 531 (gemeinfrei)

Die Kieler Woche ist in diesem Jahr am Sonnabend, dem 26. Juni, eröffnet worden. Für die Regatten des Kaiserlichen Yacht-Clubs waren insgesamt 265 Fahrzeuge gemeldet. Die Kaiserin traf an diesem Tage um 3½ Uhr nachmittags in Kiel ein.

Am 27. Juni segelte der Kaiser auf der „Meteor" persönlich bei der Seeregatta des Yacht-Clubs mit; etwa 70 Yachten gingen in sieben Klassen an den Start, bei Nordostwind und ohne Unfall, und die „Meteor" gewann die Klasse Ia und mit ihr den Koscielski-Pokal. Abends lud er zum Diner: Kaiserpaar, König Leopold II. der Belgier, Reichskanzler Fürst Hohenlohe, der englische Botschafter und die Besitzer der angereisten englischen Yachten saßen an der Tafel. Im Trinkspruch kündigte der Kaiser an, daß der König der Belgier à la suite der deutschen Marine gestellt sei, und brachte ein dreifaches Hurra auf Königin Viktoria aus, zu deren Jubiläum die Kriegsflotte salutierte; neben der Kaiserstandarte wehte die belgische Flagge.

Am 28. Juni ging es von Kitzeberg über das Stollergrund-Feuerschiff und die Breitgrund-Südboje bei Alsen zur Schleimünde-Boje und nach Eckernförde. Der Kaiser und der König der Belgier waren an Bord der „Meteor", mit ihnen „verschiedene englische Lords", die Kaiserin folgte auf der „Hohenzollern". Es starteten 39 Yachten, darunter acht englische Seeyachten, die vorher die Jubiläumsregatta von Dover nach Helgoland gesegelt waren. Abends gab der Kaiser in Eckernförde ein Galadiner, am 29. Juni segelte man im Handicap nach Kiel zurück. Weil der Kaiser so spät heimkehrte, fand die Preisverteilung des Yacht-Clubs am 1. Juli erst um 9 Uhr abends statt.

Mit der Kleinbahn nach Schönberg: Feierliche Eröffnung der Strecke

Am Dienstag, dem 6. Juli, wurde die Kleinbahn von Kiel nach Schönberg in der Probstei feierlich eröffnet. Gebaut hat sie und betreiben wird sie auf 15 Jahre die Firma Lenz & Co. in Stettin; die Baukosten betragen 1 100 000 Mark. Die Kleinbahn-Aktiengesellschaft Kiel–Schönberg war nach der Genehmigung durch das Kieler Stadtkollegium und die Kreistage im Herbst 1895 gegründet worden, den Ausschuß leitete Oberbürgermeister Fuß.

Damit findet eine der fruchtbarsten Landschaften der Provinz Anschluß an das schleswig-holsteinische Eisenbahnnetz: Die Probstei versendet ihr Saatgetreide weit über die Grenzen der Herzogtümer und bezieht Kunstdünger, und auch die Molkereien im Kreise Plön und im Landkreise Kiel bekommen ihre Bahn.

Der Festzug fuhr um 11¼ Uhr vormittags bei Regenwetter aus der Kieler Bahnhofshalle ab, über Ellerbek und Schönkirchen. Die Tenderlokomotive trug eine Girlande aus Laub, Blumen und Probsteier Getreideähren. In Schönberg traf der Zug um 1 Uhr ein. An Bord waren Eisenbahndirektionspräsident Jungnickel aus Altona, der Oberbürgermeister und der Bürgermeister Kiels, der Stadtverordnetenvorsteher, frühere Landräte der Kreise Plön und Landkreis Kiel, Landrat Baron v. Heintze-Bordesholm und Vertreter von Handelskammer und Oberpostdirektion. In Schönberg spielte die Kapelle den Radetzkymarsch, junge Frauen, teils in Probsteier Tracht, waren zum Empfang erschienen, Wanderlehrer Dr. Plönnies hieß die Gäste willkommen, und im Gasthof „Stadt Hamburg" folgte das Festmahl. Präsident Jungnickel brachte den Trinkspruch auf den Kaiser und die Kleinbahn aus, Oberbürgermeister Fuß auf das „Zusammenhalten von Stadt und Land", Geheimrat Sartori auf Lenz & Co. Jungnickel bemerkte, selten sei eine größere Bahn am Tage der Eröffnung so fertig wie diese Kleinbahn. Zurück ging es um 6¾ Uhr abends; unterwegs besichtigte man die Schwentinebrücke.

Die Hundeleine und das Universitätsstatut von 1666

Zwei Rechtshändel Kieler Professoren kamen im Oktober zur Entscheidung, der eine vor dem Oberverwaltungsgericht in Berlin, der andere vor der Kieler Strafkammer, und beide Male war Geheimrat Professor H. beteiligt.

Das Statut der Universität vom 2. April 1666 befreite die Professoren von allen Lasten und Abgaben. Als der Magistrat mehrere Professoren zu den Gemeindeabgaben heranzog, klagten diese. Der Bezirksausschuß entschied, sie seien nur von den Personalsteuern befreit, von den Realsteuern aber nicht mehr, so will es das Kommunalabgabengesetz. Am 2. Oktober erklärte das Oberverwaltungsgericht diese Entscheidung für zutreffend und verwarf beide Revisionen.

Der zweite Fall ist kleiner im Betrage, aber nicht im Aufwand. Nach der Polizeiverordnung vom 17. Mai sind in den öffentlichen Anlagen mitgebrachte Hunde an der Leine zu führen. Geheimrat Professor H. stand wegen Übertretung vor Gericht und verteidigte sich damit, die Verordnung sei nur einmal in der „Kieler Zeitung" bekanntgemacht worden, und diese sei nicht amtlich bestellt. Das Schöffengericht sprach ihn frei. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, und am 28. Oktober hob die Strafkammer das Urteil auf: Die frühere Eigenschaft des „Neumünster'schen Kreisblatts" als amtliches Organ sei stillschweigend auf die „Kieler Zeitung" übergegangen, und die Regierung zu Schleswig habe das durch Schweigen anerkannt. Der Professor wurde zu 2 Mark Geldstrafe und den Kosten verurteilt. Zwei Mark Strafe also, und gestritten wurde um die Gültigkeit sämtlicher Kieler Polizeiverordnungen seit dem Ausscheiden der Stadt aus dem Landkreise.

KURZ NOTIERT · Kiel 1897

  • 9. März — Die städtischen Kollegien stellten vorläufig 100 000 Mark im Extraordinarium für einen Theater-Neubau ein.
  • 22. März — Zur Hundertjahrfeier für Kaiser Wilhelm I. läuteten von 7 Uhr früh eine Stunde lang alle Türme der Stadt. Um 9½ Uhr hielt Oberbürgermeister Fuß am Kaiserdenkmal im Schloßgarten die Festrede, danach wurde ein Lorbeerkranz niedergelegt; um 11½ Uhr nahm Vizeadmiral Köster die Parade ab, und die Schiffe der Förde flaggten über alle Toppen.
  • 10. Juni — Bei Friedrichsort befestigte die Luftschifferabteilung das Fesselseil ihres Ballons an einem Torpedoboot, das mit großer Geschwindigkeit gegen den ziemlich starken Wind fuhr; die Panzer „Sachsen" und „Württemberg" gingen in See, um vom Ballon aus beobachtet zu werden.
  • 9. bis 16. Juli — Streit um die königliche Polizei: Die Regierung will die Sicherheitspolizei in Kiel übernehmen. Das Stadtverordnetenkollegium lehnte am 9. Juli mit 11 gegen 8 Stimmen den Antrag des Magistrats ab, an der Haltung von 1892 festzuhalten. Stadtverordnetenvorsteher Niepa legte daraufhin sein Amt nieder, am 16. Juli wählte das Kollegium Rechtsanwalt Dr. Thomsen mit 11 von 19 Stimmen zum Nachfolger. Die Polizei kostet die Stadt im Haushalt allein eine viertel Million.
  • 3. Oktober — Die Kanal-Dankeskirche in Holtenau wurde in Anwesenheit des Prinzen und der Prinzessin Heinrich eingeweiht, die das Kaiserpaar vertraten. Etwa 300 Gäste waren geladen, die Kirche war „bis auf den letzten Platz besetzt"; die Weihrede hielt Generalsuperintendent D. Kaftan, der Nicolaichor sang den 24. Psalm.
  • 25. Oktober — Auf Howaldts Werken lief ein für Rußland gebauter großer Eisbrecher vom Stapel, bestimmt für das Schwarze Meer.
  • 10. November — In den Anlagen vor dem Gymnasium am Kleinen Kiel wurde das Bismarck-Denkmal enthüllt, eine Bronzefigur des Bildhauers Harro Magnussen. Die Stadt hatte 10 000 Mark zum Komitee unter Geheimrat Dr. Neuber beigesteuert und übernahm das Denkmal; die Kapelle der Ersten Matrosendivision spielte „Ein' feste Burg".
  • Herbst — Stadtverordnetenwahl: Von den Kieler Zensiten erreichten 10 950 den Wahlcensus von 1200 Mark nicht, 6627 sind wahlberechtigt. Bei der Ersatzwahl am 19. November erhielt Landesrat Wennecker 744 Stimmen gegen 700 für Professor Weber, für sechs Jahre; Rentner Kähler erhielt 807 gegen 577 für Rechtsanwalt Bokelmann, für drei Jahre.

SPORT AN DER FÖRDE · 1897

  • Rudern — Der Erste Kieler Ruderclub beschloß Anfang März, in diesem Jahr keine Regatta abzuhalten, sondern erst 1898 und von da ab nur alle zwei Jahre.
  • Ansegeln — Der Kaiserliche Yacht-Club eröffnete am 15. Mai die Saison mit der Fahrt von der Wieker Bucht nach Eckernförde bei frischer Nordostbrise. An der Spitze lag „Komet", die frühere Kaiseryacht, der letzte Segler lief um 5½ Uhr nachmittags in Eckernförde ein.
  • Kieler Woche — Die Binnenwettfahrt des Norddeutschen Regatta-Vereins am 26. Juni sah 32 Yachten am Start: In Klasse Va gewann „Karen Johanne" (Christensen, Kopenhagen) vor „Swanhild" (Bichel, Hamburg) und „Marina". „Gutruda" Prinz Heinrichs ging zuerst über die Linie, siegte aber nach Zeitvergütung nicht. Beim Kaiserlichen Yacht-Club siegte am 27. Juni bei den Rennyachten „Edda" (Richard Krogmann, Hamburg).
  • Radfahren — Beim Sommer-Radwettfahren am 11. Juli mit Fahrern aus allen drei Hansestädten gewann Schroeter (Hamburg) das Große Niederradfahren über 1000 m, das Doppelsitz-Hauptfahren die Gebrüder Kuhlmann (Lübeck) in 3:06, das 20-km-Dauerfahren Erichsen (Kopenhagen).

DAS WETTER · 1897 in Kiel

Von der Ostseeküste meldete die Wetterwarte in Lübeck für den 13. Juli ein Tagesmaximum von 21,4 °C, das Minimum lag bei 12,2 °C, das Tagesmittel bei 17,5 °C.

Das Jahr über verzeichnete Lübeck ein Mittel von 8,0 °C. Der wärmste Tag des Jahres war der 29. Juni mit 29,9 °C, der kälteste Tiefstwert fiel auf den 31. Januar mit −12,2 °C. Heiße Tage von mindestens 30 °C gab es keine, Sommertage mit mindestens 25 °C deren 16; dagegen zählte man 73 Frosttage und 28 Eistage, an denen es auch tagsüber nicht über den Gefrierpunkt stieg.

(Messwerte der DWD-Station Lübeck-Werft. Quelle: DWD Climate Data Center.)