DER CHRONIST

Ein Jahr der Fanfaren und der Feldzeichen: Das Reich zeigt sich der Welt mit der Rheinlandbesetzung und den Berliner Olympischen Spielen von seiner kühnsten und glänzendsten Seite, während es mit Vierjahresplan und verlängerter Wehrdienstzeit zugleich unübersehbar für kommende Konflikte rüstet. In Spanien bricht der Bürgerkrieg aus, in den sich Berlin erstmals offen an der Seite Roms einmischt, das kurz zuvor mit der Eroberung Abessiniens sein eigenes Kaiserreich ausgerufen hat — die Achse der Diktaturen ist geboren. Anderswo behauptet sich die Demokratie: Roosevelt gewinnt in Amerika die Wiederwahl mit historischer Mehrheit, in Frankreich übernimmt mit Léon Blum erstmals ein sozialistischer Ministerpräsident die Regierung, während Moskau eine neue Verfassung feiert und zugleich den Großen Terror entfesselt. In der Mark Brandenburg schließlich spürt auch das beschauliche Luckenwalde den Olympia-Boom des Sommers — und schweigt, wie das ganze Reich, zur stillen Entrechtung seiner jüdischen Bürger.

Die Schlagzeilen des Jahres

Deutsche Truppen besetzen das Rheinland

Deutsche Truppen marschieren im März 1936 ins entmilitarisierte Rheinland ein — hier in Köln
Deutsche Truppen marschieren im März 1936 ins entmilitarisierte Rheinland ein — hier in Köln (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Vorausgegangen war der Bruch zweier Verträge: Der Versailler Vertrag von 1919 hatte das Rheinland entmilitarisiert, das Locarno-Abkommen von 1925 hatte diesen Status auch von deutscher Seite freiwillig bekräftigt. Als Vorwand dient Hitler die Ratifizierung des französisch-sowjetischen Beistandspakts durch die französische Nationalversammlung am 27. Februar, die er als Bruch von Locarno durch Frankreich selbst umdeutet. Am Morgen des 7. März überschreiten 19 Infanteriebataillone und 13 Artillerieabteilungen der Wehrmacht — rund 30.000 Soldaten — begleitet von ebenso vielen Landespolizisten die Rheinbrücken; nur drei Bataillone mit knapp 3.000 Mann rücken bis nach Aachen, Trier und Saarbrücken vor, dicht an die französische Grenze heran. Der Schritt bricht offen Versailles und Locarno. Frankreich und Großbritannien protestieren, greifen aber nicht ein — Paris scheut, mitten in eigener innenpolitischer Krise, den militärischen Ernstfall. Für Hitler ist der Einmarsch ein gewagtes Pokerspiel, das aufgeht und ein außenpolitischer Triumph. Das industrielle Ruhrgebiet — Herzkammer der Rüstung — steht damit wieder unter voller militärischer Kontrolle. Der Coup verändert das Kräftegleichgewicht in Europa und ermutigt Hitler zu weiteren einseitigen Schritten.

Wenige Wochen später, am 29. März, lässt sich Hitler die Tat nachträglich bestätigen: Der Reichstag wird neu „gewählt", doch zur Wahl steht einzig die Einheitsliste der NSDAP — eine echte Alternative gibt es nicht. Die Propaganda gibt den Wahlgang zugleich als „Volksabstimmung über die Rheinlandbesetzung" aus, ein eigener Stimmzettel oder eine gesonderte Abstimmungsfrage dazu existiert jedoch nicht; wer die Liste ankreuzt, gilt zugleich als Ja-Stimme zum Rheinland-Einmarsch. Amtlich entfallen 98,8 Prozent der gültigen Stimmen auf die Liste, die Wahlbeteiligung wird mit 99,0 Prozent angegeben. Beide Zahlen taugen wenig als Stimmungsbild: Der Urnengang gilt unter dem Druck von Partei, Betrieb und Nachbarschaft faktisch als Pflicht, in vielen Wahllokalen wird die Stimme unter den Augen von Blockwarten und Wahlhelfern abgegeben statt in einer verschlossenen Kabine, und die Stimmzettel selbst sind so gestaltet, dass ein vorgedrucktes „Ja" den bequemeren Weg weist. Aus mehreren Wahlkreisen sind überdies gefälschte Auszählungen dokumentiert. Von einer Wahl im überkommenen Sinn — mit konkurrierenden Parteien und echter Wahlfreiheit — bleibt nach diesem 29. März nichts.

Aus heutiger Sicht

Der Rheinland-Einmarsch ist der erste von mehreren einseitigen Vertragsbrüchen, mit denen Hitler bis 1939 ungestraft durchkommt — nach demselben Muster folgen 1938 der „Anschluss“ Österreichs und die Besetzung des Sudetenlandes, 1939 die „Zerschlagung der Resttschechei“. Historiker sehen im ausbleibenden Eingreifen Frankreichs und Großbritanniens im März 1936 einen entscheidenden Wendepunkt: Ein energisches Vorgehen der Westmächte hätte den hochriskanten Bluff nach späteren Aussagen deutscher Generäle vermutlich beendet und den Weg zum Zweiten Weltkrieg möglicherweise verändert.

Berlin richtet die Olympischen Spiele aus

Jesse Owens bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin
Jesse Owens bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Das Ereignis des Jahres vor der eigenen Haustür: Vor rund 100.000 Zuschauern eröffnet Hitler am 1. August im neuen Olympiastadion die XI. Olympischen Sommerspiele. Mit 49 teilnehmenden Nationen — darunter Debütanten wie Afghanistan, Bolivien, Costa Rica und Liechtenstein — und 3.961 Athletinnen und Athleten (3.633 Männer, 328 Frauen) stellen die Spiele einen neuen Teilnehmerrekord auf; in 129 Wettbewerben aus 19 Sportarten sowie 15 Kunstwettbewerben werden Medaillen vergeben. Erstmals in der olympischen Geschichte trägt ein Fackellauf die Flamme auf dem Landweg von Olympia bis Berlin — eine von Carl Diem ersonnene Zeremonie, die bis heute zu jeden Spielen gehört. Die Nationalsozialisten inszenieren das Ereignis mit gewaltigem Aufwand als Schaufenster des Regimes: geglättete Straßen, verschwundene Hetzschilder gegen jüdische Bürger, modernste Technik und weltweite Rundfunkübertragung, dazu die Regisseurin Leni Riefenstahl, die im Auftrag des Regimes den zweiteiligen Film „Olympia" dreht. Zum überragenden Held der Spiele aber wird der amerikanische Läufer Jesse Owens, der mit Siegen über 100 und 200 Meter, im Weitsprung und mit der 4×100-Meter-Staffel vier Goldmedaillen gewinnt und die Rassenideologie der Gastgeber vor aller Welt widerlegt. Zuvor hatte bereits Garmisch-Partenkirchen im Februar die Winterspiele als Generalprobe für die propagandistische Inszenierung ausgerichtet.

Aus heutiger Sicht

Die Spiele gelten bis heute als eines der wirkungsmächtigsten Propagandaunternehmen des NS-Regimes: Die für die Dauer der Spiele demontierte antisemitische Beschilderung kehrt wenige Wochen später zurück, die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung geht ungebrochen weiter. Ausländische Berichterstatter loben in ihren Reportagen vielfach die perfekte Organisation und Gastfreundschaft — nur wenige, etwa aus der Exilpresse und den Sopade-Deutschland-Berichten der SPD im Exil, weisen zeitgleich auf die Kulissenhaftigkeit der Inszenierung hin. Owens' vier Goldmedaillen werden erst mit Abstand zu dem Symbol, das sie heute sind — bei seiner Rückkehr in die USA erwarten ihn dort weiterhin Rassentrennung und Diskriminierung.

Bürgerkrieg in Spanien — und deutsche Einmischung

General Francisco Franco, Wortführer des Aufstands in Spanien
General Francisco Franco, Wortführer des Aufstands in Spanien (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Vorausgegangen war die scharfe Polarisierung Spaniens seit dem Wahlsieg der Volksfront im Februar 1936; die Ermordung des Monarchisten José Calvo Sotelo am 13. Juli durch regierungsnahe Polizisten liefert den unmittelbaren Anlass. Nach den Plänen des Generals Emilio Mola sollte der Aufstand erst am 18. Juli losbrechen, wird aber, nachdem die Verschwörung in Melilla vorzeitig auffliegt, bereits am 17. Juli in Spanisch-Marokko ausgelöst; tags darauf ruft Franco per Rundfunk zum Losschlagen auf dem Festland auf. Nominell führt zunächst der aus dem Exil zurückkehrende General José Sanjurjo, der am 20. Juli bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt — die Führung übernimmt ein Triumvirat aus Mola, Franco und Queipo de Llano, das am 24. Juli in Burgos eine Gegenregierung ausruft. Rasch greift das Deutsche Reich zugunsten Francos ein: Nach einer ersten Bitte um Transportflugzeuge am 22. Juli entscheidet Hitler binnen weniger Tage für die Unterstützung; bereits am 1. August verlässt ein erstes Kontingent von 86 Mann mit Jagdflugzeugen das Reich. Im November wird daraus unter General Hugo Sperrle offiziell die „Legion Condor" mit rund 100 Flugzeugen und 5.000 Mann — sie wird zum Testfeld für Waffen und Luftkrieg. Spanien wird zum Vorboten der großen europäischen Konfrontation und zum Bündnisstifter der Diktaturen.

Görings Vierjahresplan — das Reich rüstet

Hermann Göring, Beauftragter des Vierjahresplans
Hermann Göring, Beauftragter des Vierjahresplans (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Grundlage ist eine geheime Denkschrift, die Hitler im August eigenhändig verfasst — nur drei Exemplare existieren, für ihn selbst, für Göring und für Kriegsminister Werner von Blomberg. Am 2. September übergibt er sein Exemplar Göring auf dem Obersalzberg, am 4. September trägt dieser die Kernthesen einer Kabinettssitzung vor, an der neben Blomberg auch Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk und der preußische Finanzminister Popitz teilnehmen. Öffentlich verkündet wird der Plan wenig später auf dem Nürnberger „Reichsparteitag der Ehre", im Herbst tritt er in Kraft: der Vierjahresplan unter Hermann Göring. Die Denkschrift geht von der Prämisse aus, ein Krieg mit der Sowjetunion sei unausweichlich, und formuliert zwei Kernforderungen: „Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein" und „die deutsche Wirtschaft muss in vier Jahren kriegsfähig sein." Damit setzt sich diese Linie gegen den vorsichtigeren Schacht durch, der auf außenhandelsfinanzierte Devisenpolitik gesetzt hatte. Ziel ist es, Deutschland binnen vier Jahren von ausländischen Rohstoffen unabhängig zu machen — durch Autarkie, künstliche Ersatzstoffe wie Buna-Kautschuk und synthetisches Benzin sowie den forcierten Ausbau der Schwerindustrie. Hinter dem olympischen Glanz zeigt sich damit die eigentliche Richtung des Jahres: die systematische Vorbereitung auf den Krieg.

Aus heutiger Sicht

Die im Vierjahresplan formulierte Frist wird beinahe auf den Tag eingehalten: Am 1. September 1939, gut drei Jahre nach der geheimen Denkschrift, beginnt Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Die erzwungene Autarkiepolitik verschärft bis dahin die Rohstoff- und Devisenknappheit im Reich erheblich und treibt die Rüstungsausgaben auf Kosten des Konsums immer weiter nach oben.

Die Achse Berlin–Rom und der Pakt mit Japan

Benito Mussolini — mit ihm schließt Hitler die Achse Berlin–Rom
Benito Mussolini — mit ihm schließt Hitler die „Achse Berlin–Rom“ (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Die außenpolitische Wende festigt sich in zwei Schritten. Bereits am 25. Oktober unterzeichnen Außenminister Ciano und von Neurath in Rom ein geheimes Kooperationsprotokoll, das gemeinsame Interessensphären absteckt — Italien signalisiert stillschweigendes Verständnis für deutsche Ambitionen in Österreich, das Reich lässt Italien im Mittelmeerraum freie Hand. Öffentlich macht Mussolini das Bündnis erst am 1. November in einer Rede in Mailand, in der er erstmals von der „Achse Berlin–Rom" spricht: Deutschland und Italien rücken zusammen, geeint durch das gemeinsame Eingreifen in Spanien und die vorangegangene diplomatische Isolation beider Regime. Wenige Wochen später, am 25. November, unterzeichnen in Berlin Joachim von Ribbentrop für das Reich und der außerordentliche Botschafter Kintomo Mushakoji für Japan den Antikominternpakt — offiziell ein Abkommen zur Bekämpfung der Kommunistischen Internationale, in einem geheimen Zusatzprotokoll aber auch eine Neutralitätszusage für den Fall eines sowjetischen Angriffs auf einen der Vertragspartner. Die Blöcke des kommenden Weltkriegs beginnen sich zu formen.

Ende des Abessinienkriegs — Mussolini ruft das italienische Kaiserreich aus

Kaiser Haile Selassie hält im Juni 1936 seine Rede vor dem Völkerbund in Genf
Kaiser Haile Selassie hält im Juni 1936 seine Rede vor dem Völkerbund in Genf (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der am 3. Oktober 1935 begonnene Angriff Italiens auf das ostafrikanische Kaiserreich Abessinien erreicht im Frühjahr 1936 sein Ziel. Unter Marschall Pietro Badoglio, der den glücklosen General De Bono im Winter abgelöst hatte, brechen italienische Verbände unter offenem Einsatz von Giftgas — entgegen dem Genfer Protokoll von 1925 — den letzten organisierten Widerstand. Kaiser Haile Selassie verlässt am 2. Mai die Hauptstadt und geht ins englische Exil; am 5. Mai ziehen italienische Truppen in Addis Abeba ein. Vier Tage später, am 9. Mai, verkündet Benito Mussolini von einem Balkon des Palazzo Venezia in Rom die Gründung des „Italienischen Kaiserreichs": König Viktor Emanuel III. wird zugleich Kaiser von Äthiopien, das Land wird der neuen Kolonie Italienisch-Ostafrika einverleibt.

Der Völkerbund, der Italien zuvor halbherzige Wirtschaftssanktionen auferlegt hatte — ein Ölembargo blieb aus —, erweist sich als machtlos; die Genfer Organisation verliert entscheidend an Ansehen. Noch im Juni tritt Haile Selassie selbst vor die Völkerbundsversammlung und warnt eindringlich vor der Bedrohung durch die Diktaturen — vergeblich. Für Mussolini ist der „Sieg" der Auftakt zur engeren Anlehnung an Hitlerdeutschland, die im Herbst in der Achse Berlin–Rom mündet.

Volksfront-Sieg in Frankreich — Léon Blum wird Ministerpräsident

Léon Blum, 1936 erster sozialistischer Ministerpräsident Frankreichs
Léon Blum, 1936 erster sozialistischer Ministerpräsident Frankreichs (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Nach dem klaren Sieg der „Front populaire" — dem Wahlbündnis aus Sozialisten, Radikalsozialisten und von den Kommunisten unterstützt — in der Stichwahl vom 3. Mai übernimmt der Sozialist Léon Blum am 4. Juni als erster jüdischer und erster sozialistischer Ministerpräsident Frankreichs die Regierung. Sein Amtsantritt löst eine beispiellose Streikwelle aus: Rund zwei Millionen Arbeiter besetzen landesweit Fabriken, um sozialen Fortschritt einzufordern. Die Regierung reagiert rasch: In den Matignon-Abkommen vom 7./8. Juni einigen sich Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften auf Lohnerhöhungen von 7 bis 15 Prozent sowie erstmals verbindliche Kollektivverträge; ein Gesetz vom 20. Juni führt die 40-Stunden-Woche und den bezahlten Jahresurlaub von zwei Wochen — die „congés payés" — ein, die zu einem bleibenden Symbol sozialer Errungenschaften werden.

Politisch markiert der Wahlsieg eine tiefe Spaltung Europas: Während sich Berlin und Rom zur Achse zusammenschließen und gemeinsam in den spanischen Bürgerkrieg eingreifen, hält Blums Regierung trotz ideologischer Sympathie für die spanische Republik offiziell an einer Politik der Nichteinmischung fest — aus Furcht, den Konflikt zu einem europäischen Krieg auszuweiten.

Die Wehrdienstzeit wird auf zwei Jahre verlängert

Kriegsminister Werner von Blomberg, der den Erlass zur Verlängerung der Wehrdienstzeit begründet
Kriegsminister Werner von Blomberg, der den Erlass zur Verlängerung der Wehrdienstzeit begründet (Bundesarchiv / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Mit einem Erlass vom 24. August verlängert Adolf Hitler die aktive Dienstzeit in Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe einheitlich von einem auf zwei Jahre. Der Schritt folgt weniger als anderthalb Jahre nach der offenen Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 und nur wenige Monate nach der Rheinlandbesetzung — und fügt sich nahtlos in die im Herbst mit dem Vierjahresplan verkündete Linie, Armee und Wirtschaft binnen kürzester Frist kriegsfähig zu machen. Kriegsminister Werner von Blomberg begründet die Maßnahme mit der wachsenden Zahl junger Jahrgänge, die eingezogen werden müssen, sowie mit dem Bedarf an länger ausgebildeten, kampferprobten Soldaten für eine rasch wachsende Wehrmacht.

Für die betroffenen Jahrgänge bedeutet der Erlass ein weiteres Jahr fern der zivilen Arbeitswelt — für Rüstungsindustrie und Generalstab hingegen einen wichtigen Baustein auf dem Weg zu jener Angriffsarmee, die schon zwei Jahre später in Österreich und im Sudetenland aufmarschieren wird.

Der Jarrow-Marsch — Protest gegen die Arbeitslosigkeit in England

Die Jarrow-Marschierer auf dem Weg nach London, Oktober 1936
Die Jarrow-Marschierer auf dem Weg nach London, Oktober 1936 (Wikimedia Commons, No restrictions)

Während sich das Deutsche Reich olympisch feiert, marschieren im Nordosten Englands rund 200 arbeitslose Männer aus der Werftstadt Jarrow — sie selbst nennen sich „Crusaders" — vom 5. bis 31. Oktober die 282 Meilen (rund 450 Kilometer) bis nach London. Angeführt von Ratsvorsitzendem David Riley und der Unterhausabgeordneten Ellen Wilkinson protestieren sie gegen die katastrophale Arbeitslosigkeit ihrer Heimatstadt: Seit der Schließung der Werft Palmer's im Jahr 1934 sind dort rund 70 Prozent der Erwerbsfähigen ohne Arbeit. Eine von 12.000 Einwohnern unterzeichnete Petition, die um die Ansiedlung neuer Industrie bittet, wird dem Unterhaus übergeben — dort aber nicht einmal debattiert, und die Regierung lehnt eine Sonderförderung ab.

Der „Jarrow-Marsch" bleibt damit zunächst folgenlos, wird aber rückblickend zum bekanntesten Symbol des sozialen Elends der britischen Zwischenkriegszeit und trägt zu einem langsamen Umdenken bei, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg in den Aufbau des Sozialstaats mündet.

Roosevelt mit historischer Mehrheit wiedergewählt

US-Präsident Franklin D. Roosevelt im Juni 1936
US-Präsident Franklin D. Roosevelt im Juni 1936 (Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Am 3. November wird US-Präsident Franklin D. Roosevelt mit der bis dahin höchsten Mehrheit der amerikanischen Wahlgeschichte im Amt bestätigt. Gegen den republikanischen Herausforderer Alf Landon gewinnt er 46 der 48 Bundesstaaten — nur Maine und Vermont votieren für Landon — und siegt mit 523 zu 8 Wahlmännerstimmen sowie rund 60,8 Prozent der Stimmen (27,5 gegenüber 16,7 Millionen). Besonders blamiert sich dabei die Zeitschrift „Literary Digest", die nach einer breit angelegten, aber methodisch verzerrten Umfrage einen klaren Sieg Landons vorhergesagt hatte.

Für Roosevelt ist das Ergebnis ein überwältigendes Votum für seinen New Deal und dessen Sozial- und Konjunkturprogramme im achten Jahr der Weltwirtschaftskrise; für die europäischen Diktaturen bleibt die überzeugte Erneuerung des demokratischen Mandats in Washington ein Kontrastbild zur eigenen gleichgeschalteten Politik.

Neue sowjetische Verfassung — die „Stalin-Verfassung"

Stalin, Molotow und Woroschilow beim VIII. Außerordentlichen Sowjetkongress, der die Verfassung annimmt
Stalin, Molotow und Woroschilow beim VIII. Außerordentlichen Sowjetkongress, der die Verfassung annimmt (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Auf dem VIII. außerordentlichen Sowjetkongress verkündet Josef Stalin persönlich am 5. Dezember die neue Verfassung der Sowjetunion, rasch als „Stalin-Verfassung" bekannt. Ausgearbeitet hatte sie über Monate eine Kommission unter maßgeblicher Mitwirkung von Nikolai Bucharin und Karl Radek — beide werden wenig später selbst Opfer der Schauprozesse, die Stalin zeitgleich gegen die alte bolschewistische Garde führt. Auf dem Papier garantiert die neue Verfassung erstmals allgemeine, gleiche und geheime Wahlen sowie eine Reihe bürgerlicher Grundrechte und wird von der sowjetischen Propaganda als „demokratischste der Welt" gefeiert — ein Prestigeobjekt auch mit Blick auf den Westen, das die UdSSR als möglichen Partner eines antifaschistischen Bündnisses präsentabel machen soll.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Freie Wahlen finden unter dieser Verfassung nie statt, die reale Macht bleibt vollständig bei der kommunistischen Partei und ihrem Generalsekretär gebündelt, während der „Große Terror" gegen tatsächliche und vermeintliche Gegner unvermindert weitergeht.

Aus heutiger Sicht

Die als „demokratischste der Welt“ gefeierte Verfassung bleibt bis zu Stalins Tod 1953 vollständig Fassade: Parallel zu ihrer Verkündung und in den beiden folgenden Jahren erreicht der „Große Terror“ seinen Höhepunkt, dem 1937/38 hunderttausende Menschen durch Hinrichtung oder in Lagern zum Opfer fallen — unter ihnen später auch mehrere der Verfassungsautoren selbst, etwa Bucharin, der 1938 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und erschossen wird.

Der Zwischenfall von Xi'an — Chiang Kai-shek als Geisel

Zhang Xueliang, Yang Hucheng und Chiang Kai-shek, die Hauptakteure des Zwischenfalls von Xi'an
Zhang Xueliang, Yang Hucheng und Chiang Kai-shek, die Hauptakteure des Zwischenfalls von Xi'an (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In der nordchinesischen Stadt Xi'an lassen die mandschurischen Generäle Zhang Xueliang und Yang Hucheng am 12. Dezember ihren eigenen Oberbefehlshaber, Generalissimus Chiang Kai-shek, in seinem Quartier an den heißen Quellen von Huaqing festsetzen. Die beiden Militärs, deren Truppen im Nordwesten gegen die Kommunisten kämpfen sollen, wollen Chiang zwingen, den Bürgerkrieg gegen Mao Zedongs Kommunistische Partei zu beenden und stattdessen eine gemeinsame Front gegen das seit 1931 in der Mandschurei und seither immer weiter vordringende Japan zu bilden. Nach zähen, von Zhou Enlai mitverhandelten Gesprächen und dreizehn Tagen Gefangenschaft lenkt Chiang ein; am 25./26. Dezember fliegt er mit seiner Frau Song Meiling nach Nanking zurück, wo er als unangefochtener Führer empfangen wird.

Aus der Geiselnahme geht die zweite Einheitsfront zwischen Kuomintang und Kommunisten hervor, die den fortan gemeinsamen Widerstand gegen Japan trägt und den Boden für den ein Jahr später ausbrechenden offenen Krieg zwischen China und Japan bereitet.

Weltrekord für eine Dampflokomotive

Die Stromlinienlokomotive 05 001, Schwestermaschine der rekordfahrenden 05 002
Die Stromlinienlokomotive 05 001, Schwestermaschine der rekordfahrenden 05 002 (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Auf der freien Strecke zwischen Hamburg und Berlin, in Höhe von Friesack, stellt die stromlinienverkleidete Schnellzuglokomotive 05 002 der Deutschen Reichsbahn am 11. Mai einen Weltrekord auf: Mit einem regulär besetzten Sonderzug erreicht sie 200,4 Stundenkilometer — die höchste je gemessene Geschwindigkeit einer Dampflokomotive. Die drei Maschinen der Baureihe 05, mit ihrer glatten Stromlinienverkleidung ein Prestigeprojekt der Reichsbahn, sollen die Leistungsfähigkeit der deutschen Eisenbahntechnik unter Beweis stellen. Der Rekord macht die 05 002 zur schnellsten Dampflokomotive der Welt.

Erster gesteuerter Hubschrauberflug der Welt

Die Focke-Wulf Fw 61 im Flug — hier bei einer späteren Vorführung mit Pilotin Hanna Reitsch
Die Focke-Wulf Fw 61 im Flug — hier bei einer späteren Vorführung mit Pilotin Hanna Reitsch (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Auf dem Flugplatz Neuenlander Feld bei Bremen hebt Testpilot Ewald Rohlfs am 26. Juni mit der Focke-Wulf Fw 61 zum ersten echten Hubschrauberflug der Welt ab — 28 Sekunden in der Luft, doch ein technischer Durchbruch: Erstmals lässt sich ein Senkrechtstarter mit zwei gegenläufigen Rotoren wirklich beherrscht steuern, schweben, seitwärts und rückwärts fliegen. Konstrukteur ist Professor Henrich Focke, der nach seinem Ausscheiden aus der Focke-Wulf-Geschäftsführung die eigene Firma Focke-Achgelis gegründet hat, um den Hubschrauber zu bauen. Fachleute im Ausland reagieren zunächst ungläubig auf die Berichte aus Bremen.

Fairness im Olympiastadion — Luz Long hilft seinem Rivalen

Luz Long und Jesse Owens nach dem Weitsprung-Finale der Olympischen Spiele 1936
Luz Long und Jesse Owens nach dem Weitsprung-Finale der Olympischen Spiele 1936 (Wikimedia Commons, CC0)

Im Weitsprung-Wettbewerb der Olympischen Spiele droht dem favorisierten Amerikaner Jesse Owens nach zwei ungültigen Sprüngen in der Qualifikation das vorzeitige Ausscheiden. Sein deutscher Konkurrent Luz Long rät ihm, den Absprung deutlich vor dem Balken zu setzen, um einen dritten Fehlversuch zu vermeiden — Owens qualifiziert sich und gewinnt am 4. August das Finale mit 8,06 Metern vor Long, der mit 7,87 Metern Silber holt. Nach dem Sieg gratuliert Long dem Amerikaner als Erster, die beiden gehen Arm in Arm durch das Olympiastadion — vor den Augen der versammelten Reichsführung und der eigens inszenierten Rassenideologie der Gastgeber ein Bild ungeschminkter sportlicher Fairness. Owens selbst wird später sagen, die Freundschaft mit Long sei ihm mehr wert gewesen als jede Medaille.

Caracciola fährt Autobahn-Weltrekord

Rudolf Caracciola mit dem Mercedes-Benz-Rekordwagen W 25 auf der Autobahn
Rudolf Caracciola mit dem Mercedes-Benz-Rekordwagen W 25 auf der Autobahn (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Auf der neuen Reichsautobahn zwischen Frankfurt und Heidelberg erzielt Rudolf Caracciola am 26. Oktober mit einem auf dem Silberpfeil-Fahrgestell des Mercedes-Benz W 25 aufgebauten Stromlinien-Rekordwagen — ein neuer Zwölfzylinder-Kompressormotor mit 453 kW (616 PS) treibt ihn an — eine Geschwindigkeit von 372,102 Stundenkilometern mit fliegendem Start und verbessert damit fünf internationale Klassenrekorde zugleich. Zwei Wochen später, am 11. November, stellt Caracciola auf derselben Strecke mit 333,489 km/h über zehn Meilen einen weiteren Weltrekord auf. Die glatte, kaum befahrene Autobahn wird damit zur Rennstrecke für die Rekordjagden der deutschen Automobilindustrie.

Friedensnobelpreis für einen Gefangenen des eigenen Regimes

Carl von Ossietzky, Publizist und Friedensnobelpreisträger
Carl von Ossietzky, Publizist und Friedensnobelpreisträger (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Das norwegische Nobelkomitee verleiht im November den Friedensnobelpreis für 1935 rückwirkend dem deutschen Publizisten und Pazifisten Carl von Ossietzky — für dessen 1929 in seiner Zeitschrift „Die Weltbühne“ veröffentlichte Enthüllungen über die heimliche Wiederaufrüstung der Reichswehr unter Bruch des Versailler Vertrags. Ossietzky sitzt seit 1933 in Konzentrationslagern des Regimes; das Auswärtige Amt hatte über diplomatische Kanäle massiv gegen die Verleihung interveniert, das Regime verweigert ihm nun die Ausreise nach Oslo zur Entgegennahme des Preises. International gilt die Auszeichnung als offene Kampfansage des Nobelkomitees an Hitler-Deutschland.

Aus heutiger Sicht

Ossietzky bleibt bis zu seinem Tod 1938 in Haft beziehungsweise Polizeiüberwachung; an den Haftfolgen — er erkrankt in den Lagern an Tuberkulose — stirbt er, ohne den Preis je in Oslo entgegengenommen zu haben. Hitler reagiert auf die Verleihung mit einem Erlass, der es Deutschen fortan verbietet, überhaupt einen Nobelpreis anzunehmen. Ossietzky gilt bis heute als einer der prominentesten Fälle, in denen internationale Anerkennung und die reale Verfolgung durch ein Regime unmittelbar aufeinandertrafen.

Chemie-Nobelpreis für Peter Debye

Peter Debye, Träger des Chemie-Nobelpreises 1936
Peter Debye, Träger des Chemie-Nobelpreises 1936 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der aus den Niederlanden stammende Peter Debye, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik in Berlin, erhält im November den Chemie-Nobelpreis 1936 für seine Arbeiten zu Dipolmomenten und zur Beugung von Röntgenstrahlen und Elektronen in Gasen — Methoden, mit denen sich die Struktur von Molekülen erstmals genau bestimmen lässt. Die Auszeichnung fällt in eine Zeit, in der das Regime jüdische und politisch unerwünschte Wissenschaftler serienweise aus den deutschen Hochschulen und Instituten vertreibt — Debyes Preis zeigt, dass an einzelnen Häusern noch international konkurrenzfähige Forschung stattfindet, während anderswo im Land die Substanz der deutschen Wissenschaft bereits massiv beschädigt wird.

Erfindungen des Jahres
Fernseh-Empfänger von Telefunken für das 180-Zeilen-Bild
Ein Fernseh-Empfänger für das 180-Zeilen-Bild, wie ihn Telefunken für den Berliner Fernsehbetrieb baut (Wikimedia Commons, Eirik Newth, CC BY 2.0)

Fernsehsprechen Berlin–Leipzig (1. März, Berlin und Leipzig). Zur Eröffnung der Leipziger Frühjahrsmesse hat die Deutsche Reichspost am 1. März den ersten Fernsehsprechverkehr zwischen zwei Städten aufgenommen: Man hört den Gesprächspartner nicht nur, man sieht ihn auch. Das erste Gespräch führten Reichspostminister Freiherr von Eltz-Rübenach in Berlin und Oberbürgermeister Dr. Goerdeler in Leipzig. Die Bilder laufen über ein rund 160 Kilometer langes Breitbandkabel, das mit Verstärkerstellen etwa alle 35 Kilometer ausgerüstet ist; übertragen wird mit 180 Zeilen und 25 Bildern in der Sekunde, wie im Berliner Fernsehprogramm. In der Kabine sitzt der Teilnehmer vor einer Braunschen Röhre von etwa 50 Zentimetern Durchmesser und spricht in einen gewöhnlichen Fernsprecher.

Die Sprechstellen stehen für jedermann offen: in Berlin an der Ecke Hardenbergstraße und Kantstraße in Charlottenburg, in Leipzig im Postamt am Augustusplatz. Geöffnet ist täglich von 8 bis 20 Uhr; ein Gespräch von drei Minuten Dauer zwischen Berlin und Leipzig kostet 3 Reichsmark, ein Ortsgespräch innerhalb Berlins 1,50 Reichsmark. Weil der Gesprächspartner ebenfalls in einer Fernsehsprechstelle sitzen muss, wird er zuvor von der Post verständigt und zu einer vereinbarten Zeit in die Kabine gebeten. Wer die Verbindung nur ausprobieren will und niemanden in Leipzig kennt, kann sich einen Postbeamten als Gesprächspartner vermitteln lassen. Während der Olympischen Spiele richtete die Post in Berlin weitere Stellen ein, unter anderem im Columbushaus am Potsdamer Platz und in der Ausstellung „Deutschland"; dort kostete ein Ortsgespräch bis zu drei Minuten 2 Reichsmark. Die Fachzeitschrift „Funkschau" brachte die Eröffnung mit Bildern beider Kabinen auf ihrer Titelseite.

Aus heutiger Sicht

Die Reichspost baute das Netz noch aus – 1938 kamen Kabinen auf dem Berliner Messegelände, Anfang 1939 im Haus der Technik hinzu, außerdem Verbindungen nach Nürnberg, München und Hamburg –, doch der Zuspruch blieb gering; als Gründe gelten die hohen Gebühren und die umständliche Voranmeldung. Anfang 1940 wurden die Kabinen stillgelegt, nach dem Krieg wurde das Kabelnetz nicht wieder aufgebaut. Das Bildtelefon blieb danach jahrzehntelang eine Randerscheinung, bis Videoanrufe über das Internet im Alltag selbstverständlich wurden, besonders seit der Corona-Pandemie 2020 – der Dienst von 1936 war schlicht um Jahrzehnte zu früh.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • Großbritannien erlebt ein Dreikönigsjahr: König Georg V. stirbt im Januar, Eduard VIII. dankt im Dezember der Liebe wegen ab, Georg VI. folgt nach.
  • In Luckenwalde und überall im Reich schreitet derweil die Entrechtung der jüdischen Bürger still voran — die unerzählte Schlagzeile des Jahres.
  • Im August lässt Stalin in Moskau die frühere Führungsriege der Bolschewiki im ersten der großen Schauprozesse aburteilen und hinrichten — der Auftakt zum „Großen Terror" in der Sowjetunion.
  • Der Eisenbahnknoten Luckenwalde spürt den Olympia-Boom: Sonderzüge nach Berlin machen auf der Strecke Station, und die heimische Hut- und Tuchindustrie beliefert die anreisenden Gäste mit Sommerhüten und leichten Stoffen.
  • Am 1. August brennt auf dem Luckenwalder Marktplatz eine Weihestunde zum olympischen Feuer — auch die Kleinstadt in der Mark reiht sich in die reichsweite Inszenierung der Berliner Spiele ein.
  • Der Physiker Hans von Ohain, seit April bei Heinkel angestellt, meldet im Laufe des Jahres ein Patent auf ein „Verfahren zur Herstellung von Luftströmungen zum Antrieb von Flugzeugen“ an — die ersten Schritte zum Strahltriebwerk.
  • Der Bauingenieur Konrad Zuse kündigt seine Stelle bei den Henschel-Flugzeugwerken und beginnt im Wohnzimmer seiner Eltern in Berlin mit dem Bau einer mechanischen Rechenmaschine — der spätere „Z1“.

WIRTSCHAFT · 1936

Die Arbeitslosigkeit sinkt im Jahresdurchschnitt auf rund 1,6 Millionen — nach 4,8 Millionen im Krisenjahr 1933 ein weiterer deutlicher Rückgang, den die Reichsregierung vor allem der Aufrüstung und den Arbeitsbeschaffungsprogrammen zuschreibt; öffentlich unerwähnt bleibt, dass ein wachsender Teil davon in Wehrdienst, Arbeitsdienst und der boomenden Rüstungsindustrie aufgeht. Ein Industriearbeiter verdient im Schnitt gut 60 Reichspfennig die Stunde; die Lebenshaltungskosten steigen trotz staatlicher Preisstopps für Grundnahrungsmittel spürbar, weil Butter, Fleisch und Fette wegen der Autarkiepolitik knapp bleiben.

Der Preisspiegel:

  • Brot, Graubrot (1 kg) — 0,31 RM
  • Butter (1 kg) — 3,10 RM
  • Speck (1 kg) — 2,14 RM
  • Milch (1 l) — 0,23 RM
  • Bier (1 l) — 0,88 RM
  • Miete (Monat, durchschnittlich) — ca. 24 RM

SPORT · 1936

Die Olympischen Sommerspiele in Berlin sind bereits die Schlagzeile des Jahres (siehe oben) — doch schon im Februar hatte Garmisch-Partenkirchen den Auftakt gemacht: Bei den IV. Olympischen Winterspielen (6.–16. Februar) gehen mit 755 Athletinnen und Athleten aus 28 Ländern so viele Sportler wie nie zuvor bei Winterspielen an den Start, ausgetragen werden 17 Wettbewerbe. Erstmals ging eine alpine Kombination aus Abfahrt und Slalom ins olympische Programm — bei Männern wie Frauen gewinnen mit Franz Pfnür und Christl Cranz deutsche Skiläufer Gold. Die norwegische Eiskunstläuferin Sonja Henie sichert sich mit ihrem dritten Olympiasieg in Folge (nach 1928 und 1932) einen Platz in der Sportgeschichte. In der Nationenwertung dominiert Norwegen mit 7 Gold-, 5 Silber- und 3 Bronzemedaillen vor Deutschland (3-3-0) und Schweden. Für das Reich waren die Winterspiele die Generalprobe für die propagandistische Inszenierung, die im August in Berlin ihren Höhepunkt fand — an beiden Schauplätzen sorgt das Regime für geglättete Straßen, freundliche Gastgeberkulisse und internationale Aufmerksamkeit für die „neue" deutsche Sportnation.

MODE · 1936

Auf den Straßen dominiert weiterhin das von den Machthabern verordnete Ideal: Dirndl und Tracht gelten als „deutsche" Gegenentwürfe zur verpönten Pariser Mode. Das Deutsche Modeamt, bereits 1933 mit Magda Goebbels als Ehrenvorsitzender gegründet, wirbt weiter für heimische Stoffe und eine „unabhängige deutsche Mode" ohne jüdische und französische Einflüsse — ein Anspruch, an dem die Institution seit dem Eklat um jüdische Aussteller bei der ersten Stoffschau 1933 krankt und den die Regimeelite selbst unterläuft: Magda Goebbels trägt weiterhin Pariser Schnitte und maßgefertigte Schuhe. Zugleich lässt sich der Glanz Hollywoods nicht aussperren — mit den Olympiagästen aus aller Welt hält im August auch international geschnittene Eleganz kurzzeitig Einzug in Berlin, ehe die Straße rasch wieder zu Dirndl, Trachtenjanker und den vom Regime bevorzugten schlichten, hochgeschlossenen Silhouetten zurückkehrt.

KINO & FUNK · 1936

Größter Kinoerfolg des Jahres ist die Screwball-Komödie „Glückskinder“ mit Lilian Harvey und Willy Fritsch, die am 19. September in die Kinos kommt und von der Filmprüfstelle das Prädikat „künstlerisch wertvoll“ erhält; die von Peter Kreuder komponierte Filmmusik liefert mit „Ich wollt', ich wär ein Huhn“ gleich einen der Gassenhauer des Jahres. Im Rundfunk dominiert der reichsweit ausgestrahlte Countdown zu den Olympischen Spielen: Die Reichsrundfunkgesellschaft überträgt die Wettkämpfe im August live in rund 40 Länder, das eigens errichtete Übertragungszentrum liegt direkt unter der Ehrentribüne im Olympiastadion. Der billige Volksempfänger — für 76 Reichsmark zu haben — sorgt dafür, dass immer mehr Haushalte auch außerhalb der großen Städte am Rundfunk teilnehmen, während in eigens eingerichteten „Fernsehstuben“ (siehe LICHTBLICKE) erste Zuschauer die Spiele sogar auf dem Bildschirm verfolgen können.

GESTORBEN · 1936

  • Georg V. (70), König von Großbritannien und Irland, Kaiser von Indien — 20. Januar, Sandringham.
  • José Calvo Sotelo (43), spanischer Politiker und Wortführer der Rechten — 13. Juli, Madrid.
  • Maxim Gorki (68), russisch-sowjetischer Schriftsteller — 18. Juni, Gorki bei Moskau.
  • Federico García Lorca (38), spanischer Dichter und Dramatiker — 19. August, bei Granada.
  • Louis Blériot (64), französischer Flugpionier, erster Kanalüberflieger 1909 — 1. August, Paris.
  • Miguel de Unamuno (72), spanischer Philosoph und Schriftsteller — 31. Dezember, Salamanca.

LICHTBLICKE · Menschlichkeit, Mut und Wissenschaft

  • Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung der chemischen Nervenreizübertragung (Oktober 1936). Sir Henry Dale und Otto Loewi werden gemeinsam ausgezeichnet für den Nachweis, dass Nervenimpulse chemisch — durch Acetylcholin — von Zelle zu Zelle weitergegeben werden.
  • Literaturnobelpreis für Eugene O'Neill (November 1936). Der US-amerikanische Dramatiker wird für sein eindringliches, tragödienhaftes Bühnenwerk geehrt — ein Lichtblick für die internationale Theaterwelt.
  • Erste Fernsehübertragung Olympischer Spiele (1.–16. August 1936). Über den Sender „Paul Nipkow" verfolgen Zuschauer in eigens eingerichteten Fernsehstuben in Berlin und Potsdam die Wettkämpfe erstmals nahezu live auf dem Bildschirm — eine Weltpremiere des Fernsehens.

DAS WETTER · 1936 in der Mark

An diesem 13. Juli war es in der Mark ein kühler, unbeständiger Sommertag: Höchstwert 22,1 °C, in der Nacht 11,1 °C, im Mittel 15,8 °C; ein knapper Schauer brachte 0,8 mm Regen, die Sonne zeigte sich gut 7 Stunden.

Das Jahr über: Im Mittel 8,9 °C — knapp über dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 34,7 °C am 18. Juli, kältester −13,7 °C am 11. Februar. 6 Hitzetage (≥30 °C), 30 Sommertage (≥25 °C), 10 Eistage (Dauerfrost) und 93 Frostnächte; Jahresniederschlag rund 541 mm.

(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1936

Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.

  1. Sag beim Abschied leise Servus — Willi Forst
  2. Ich wollt' ich wär ein Huhn — Lilian Harvey & Willy Fritsch
  3. Das Fräulein Niemand — Lilian Harvey
  4. Auf der Reeperbahn nachts um halb eins — Hans Albers
  5. Wozu ist die Straße da — Heinz Rühmann
  6. Du paßt so gut zu mir — Comedian Harmonists
  7. In meinem Herzen, Schatz — Hans Albers
  8. An der schönen blauen Donau — Marta Eggerth
  9. Herz, du kennst meine Sehnsucht — Marta Eggerth
  10. Ach, ich hab' ja soviel Rhythmus — Marika Rökk
  11. Früchte, die verboten sind — Marika Rökk & Hans Söhnker
  12. Frauen sind so schön, wenn sie lieben — Herbert Ernst Groh
  13. (Komm spiel mit mir) Blindekuh — Hilde Hildebrand
  14. Ein bißchen Talent muß man haben — Grethe Weiser
  15. Wenn ich vergnügt bin, muß ich singen — Peter Igelhoff
  16. Die Musik spielt ganz leise — Die Metropol Vokalisten
  17. Gebundene Hände — Zarah Leander
  18. Eine Frau von heut' — Zarah Leander
  19. Du sollst mein Glücksstern sein — Hans Emmé Schuhardt
  20. Auf Wiedersehn mein Fräulein, auf Wiedersehn mein Herr — Comedian Harmonists

Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.

Lokalteil Kiel / Schleswig-Holstein

Olympische Segelwettbewerbe vor Kiel: Hansekogge, Sturm und Gold im Starboot

Hansekogge für das olympische Feuer am Olympiahafen, im Hintergrund der Aviso Grille
Hansekogge für das olympische Feuer, im Hintergrund der Aviso „Grille“, August 1936 (Stadtarchiv Kiel 43.109, Urheber unbekannt, CC BY-SA 3.0 de)

Am Hindenburgufer in Düsternbrook liegt der neugebaute Olympiahafen, ausgelegt für 200 Yachten und mit einem Olympiaheim an Land. Über den Bau war 1934 entschieden worden; Hauptkonkurrent als Austragungsort war Lübeck. Hier und auf der Außenförde werden Anfang August die olympischen Segelwettbewerbe in vier Klassen ausgetragen: O-Jolle, Star, 6-m und 8-m. 172 Segler aus 26 Nationen sind am Start, darunter drei Frauen.

Am Abend des 3. August eröffnet der Seglerverbandsführer, Oberstleutnant a. D. Kewisch, die Regatten: „Wir eröffnen die VII. Segelolympiade! Heißt Flagge!“ Das olympische Feuer brennt im Mast einer nachgebauten Hansekogge. Zehntausende stehen am Ufer oder liegen auf Booten und Dampfern.

Am 4. August hat ein Sturm das Wasser aus dem Hafen getrieben. Die Kriegsmarine schleppt die Yachten hinaus in die Außenförde, der erste Startschuss fällt statt um 10.30 erst um 11.30 Uhr.

Im Starboot gewinnen Peter Bischoff und Hans-Joachim Weise mit „Wannsee“ nach dem sechsten Wettfahrttag die erste deutsche Goldmedaille im olympischen Segeln.

Aus heutiger Sicht

Die Spiele waren auch in Kiel Teil der nationalsozialistischen Propaganda, die ihren Zweck geschickt verbarg; zur Eröffnung gehörten das Scheinwerferspiel der Kriegsschiffe und ein pompöses Militärzeremoniell. Augenzeugen erlebten die Wettfahrten dennoch als eindrucksvoll.

Ferdinand Tönnies stirbt in Kiel

Ferdinand Tönnies
Ferdinand Tönnies, Aufnahme um 1915 (Ferdinand Urbahns, gemeinfrei)

Der Soziologe Ferdinand Tönnies stirbt am 9. April im Alter von 80 Jahren in Kiel. Geboren 1855 bei Oldenswort, hatte er 1887 „Gemeinschaft und Gesellschaft“ veröffentlicht, das Buch, das die deutsche Soziologie begründete. Seit 1921 lebte er als Emeritus mit einem Lehrauftrag für Soziologie in Kiel.

Im Februar 1933 nahm er in Berlin am Kongress „Das Freie Wort“ teil. Im August wurde er satzungswidrig als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Soziologie abgelöst, am 26. September nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem Staatsdienst entlassen, ohne Einkommen. Erst 1934 erhielt er eine Minimalpension.

Bis in dieses Jahr gab Tönnies in seinem Studierzimmer soziologische Privatkurse. Sein Verleger Hans Buske hatte 1935 „Geist der Neuzeit“ herausgebracht; die Festschrift zum 80. Geburtstag, „Reine und angewandte Soziologie“, schickte er ihm per Eilboten, sie erreichte ihn am 7. April, zwei Tage vor seinem Tod. Vier seiner fünf Kinder hatten Deutschland verlassen. Das Grab liegt auf dem Kieler Eichhof.

65 Kieler Straßen an einem Tag umbenannt

Am dritten Jahrestag der „Machtergreifung“, so die Selbstbezeichnung des Regimes, ordnet der Kieler Polizeipräsident per Verordnung die Umbenennung oder Neubenennung von 65 Straßen an. Aus der Gasstraße wird die Rathausstraße, der Gaardener Rathausplatz heißt nun Oldesloer Platz, die Holtenauer Bismarckstraße Gravensteiner Straße.

Eine Hipperstraße und eine Tirpitzstraße entstehen, die Tirpitzstraße aus einem Teil der Feldstraße. Am 31. Januar folgt die Graf-Spee-Straße, benannt nach Admiral Maximilian von Spee. Das Hindenburgufer wird bis zur Feldstraße verlängert. Der Werfterholungspark heißt künftig „Horst-Wessel-Park“, ein weiterer Park „Schlageterpark“. Andere Straßen sollen die „Blutopfer der Bewegung“ ehren, darunter eine Richard-Menzel-, eine Martin-Martens-, eine Karl-Radtke- und eine Otto-Streibel-Straße.

Aus heutiger Sicht

Die Straßennamen, mit denen „Blutopfer der Bewegung“ geehrt werden sollten, wurden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg getilgt; der Horst-Wessel-Park wurde zum Volkspark, der Schlageterpark zum Stadtrat-Hahn-Park.

Das Marine-Ehrenmal in Laboe wird eingeweiht

Am 30. Mai wird in Laboe an der Außenförde das Marine-Ehrenmal eingeweiht, in Anwesenheit Reichskanzler Hitlers. Zur Einweihung gehört eine große Flottenparade mit Ehrensalut, die Hitler auf dem Aviso „Grille“ abnimmt. Am Ende erweist das Schulschiff „Gorch Fock“ mit in den Rahen angetretener Besatzung eine Ehrenbezeugung. Der Tag steht im Zeichen des Skagerrak-Gedenkens.

Schon am Vortag hatte die Kriegsmarine für Ehrengäste und Presse eine Flottenvorführung vor Schleimünde veranstaltet. Am Abend lief die gesamte Flotte am Ehrenmal vorbei in den Kieler Hafen ein.

Die Anregung zum Denkmal gab 1925 der frühere Obermaat Wilhelm Lammertz beim Deutschen Marinebund. 1927 folgten ein Architektenwettbewerb und am 8. August die Grundsteinlegung durch Admiral a. D. Reinhard Scheer; das Gelände ist das des gesprengten Panzerturms Laboe. 1929 stoppte die Wirtschaftskrise den Bau, im Juni 1933 wurde er wieder aufgenommen. Die Kosten von rund 700 000 Reichsmark stammen aus Spenden und von der Stadt Kiel. Der Turm ist 72 Meter hoch und hat 341 Stufen.

Aus heutiger Sicht

Die Grundsteinlegung 1927 stand noch ganz unter dem Eindruck von Niederlage und Versailles; der „Geist der Revanche“ wurde von den Nationalsozialisten für ihre Ideologie vereinnahmt. Eingeweiht wurde das Denkmal ein Jahr nach Wiedereinführung der Wehrpflicht und Gründung der Kriegsmarine. Am 30. Mai 1954 ging es an den Deutschen Marinebund zurück, mit einer neuen Widmung der Versöhnung, und wurde 1996 zur Gedenkstätte umgewidmet.

Plön feiert 700 Jahre Stadtrecht

Plön begeht die 700. Wiederkehr der Verleihung des Lübschen Stadtrechts durch Graf Adolf IV. von Schauenburg im Jahr 1236.

Am Sonnabend wird eine Gedächtnistafel für den verstorbenen Bürgermeister Kinder eingeweiht. Im „Holsteinischen Haus“ folgt der Festakt mit Bürgermeister Dostal, dazu ein Fackelzug. Glückwunschtelegramme treffen ein, darunter eines des Reichskanzlers. Landrat Werther überreicht im Auftrag des Deutschen Gemeindetages die Freiherr-vom-Stein-Porträtplakette und gibt bekannt, dass Kreis und Kreissparkasse 2500 Reichsmark für eine neue Turnhalle bereitstellen; Dr. Hans Friedrich Blunck spricht für die Reichskulturkammer. Für die Nationalpolitische Erziehungsanstalt Plön gratuliert ihr kommissarischer Leiter, Oberstfeldmeister Weltsgot.

Am Sonntag kommen viele Tausende Besucher. Ein historischer Festzug erinnert an den wendischen Ursprung der Stadt und an die „kleinen Kadetten von einst“. Auf der Festwiese hinter dem Prinzenhaus im Schlosspark steht eine Budenstadt, es gibt ein Festspiel und ein Fußballturnier, das die Nationalpolitische Erziehungsanstalt gewinnt. Auf dem Plöner See werden die Kanu-Gaumeisterschaften des Gaus 7 im Deutschen Kanu-Verband ausgetragen.

KURZ NOTIERT · Kiel 1936

  • 29. März — Bei der Reichstags-„Wahl“ mit der Einheitsliste zählt die Stadt Kiel amtlich 160 683 Stimmen „für die Liste und damit für den Führer“ und 2935 Stimmen gegen die Liste oder ungültig; wahlberechtigt sind 166 782 Kieler.
  • 31. März — Der spanische Cellist Gaspar Cassadó wird als Sommerlehrer an die neu eingerichtete Nordmarkschule für Musik in Kiel verpflichtet, an der auch Professor Wührer, zuvor in Mannheim, unterrichtet.
  • 8. Mai — Die Stadt gründet die Kieler Wohnungsbaugesellschaft mbH. Geschäftsführer ist Obermagistratsrat Thomsen, Prokurist Stadtinspektor Titz. Am 7. August erkennt der Regierungspräsident in Schleswig sie rückwirkend zum 1. Juli als gemeinnützig an.
  • 19. Juni — Oberbürgermeister Walter Behrens eröffnet die Seebadeanstalt Düsternbrook nach kurzer Bauzeit, Entwurf von Rudolf Schroeder. Sie liegt am Hindenburgufer neben dem Olympiahafen und soll „der Gesundheit und körperlichen Kräftigung aller Volksgenossen dienen“.
  • 16.–22. August — Die Kieler Woche ist in diesem Jahr aus der letzten Juniwoche in den August verlegt und schließt als „nacholympische Veranstaltung“ unter Leitung des Reichssportführers an die olympische Regatta an. Die Wettfahrttage richten Kieler, Hamburger und Berliner Vereine aus; schon Mitte Juli liegen weit über 300 Meldungen vor.
  • 13. Oktober — Großfeuer in der Holzhandlung und Holzbearbeitungsfabrik Chr. Ahrens am Knooper Weg 99–103.
  • 16. Oktober — Wilhelm Buschfeld stirbt, von 1910 bis 1926 kaufmännischer Direktor der Germaniawerft.
  • 8. Dezember — Bei den Deutschen Werken läuft in Anwesenheit Hitlers das Schlachtschiff „Gneisenau“ vom Stapel, amtlich mit 26 000 Tonnen angegeben. Die Taufe vollzieht Frau Maerker, Witwe des Kommandanten des 1914 bei den Falklandinseln gesunkenen Panzerkreuzers „Gneisenau“; die Taufrede hält Generaloberst Freiherr von Fritsch.

RUND UM DIE FÖRDE · 1936

  • 30. Juni, Heikendorf-Möltenort — Der Maler Georg Burmester stirbt in Möltenort. Der gebürtige Barmer (geboren 1864) gehörte zu den Gründern der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft und zur Künstlerkolonie Heikendorf.
  • 4. August, Laboe — Abordnungen der ausländischen Mannschaften der olympischen Segelwettbewerbe legen in der Weihehalle des Marine-Ehrenmals Kränze für die Gefallenen des Weltkriegs nieder; ein Musikkorps der Kriegsmarine spielt Schuberts „Sanctus“.

SPORT AN DER FÖRDE · 1936

  • Holstein Kiel — Die Gauliga Nordmark 1935/36 beendet der Verein auf Platz 4: 9 Siege, 1 Remis, 8 Niederlagen, 55:53 Tore, 19:17 Punkte. Meister wird der Eimsbütteler TV vor dem SC Victoria Hamburg und dem Hamburger SV.
  • Holstein Kiel — Die Mannschaft reist 1936 nach Polen, wo sie gegen ŁKS Łódź und Warta Posen spielt, und nach Ungarn, wo sie vor 40 000 Zuschauern gegen MTK Budapest antritt.
  • Segeln — Bei den olympischen Wettbewerben vor Kiel gewinnt Großbritannien mit „Lalage“ in der 6-m-Klasse. In der O-Jolle holt der Hamburger Werner Krogmann Silber hinter dem Niederländer Daan Kagchelland. In der 8-m-Klasse gewinnt „Germania III“ mit Hans Howaldt und Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Bronze, nachdem sie das Stechen gegen die norwegische „Silja“ verloren hat.

DAS WETTER · 1936 in Kiel

An diesem 13. Juli meldete die Wetterstation Neumünster, rund 28 Kilometer südsüdwestlich von Kiel im Binnenland gelegen, eine Höchsttemperatur von 18,6 °C und eine Tiefsttemperatur von 9,2 °C bei einem Tagesmittel von 16,0 °C. Es fielen 5,4 mm Niederschlag.

Das Jahr über: Das Jahresmittel lag bei 8,7 °C. Der wärmste Tag brachte 29,4 °C am 20. Juni, der kälteste Tiefstwert lag bei −8,9 °C am 11. Februar. Hitzetage mit mindestens 30 °C gab es keine, dafür 19 Sommertage mit mindestens 25 °C, 8 Eistage und 75 Frosttage. Das Jahr brachte 760 mm Niederschlag.

(Messwerte der DWD-Station Neumünster. Quelle: DWD Climate Data Center.)