DER CHRONIST

Zum Geleit

Am 20. November lehnte der Reichstag die Zuchthausvorlage ab, am 11. und 12. Oktober begann in Südafrika der Krieg zwischen England und den Burenrepubliken, und im November und Dezember fielen nach dem Abkommen mit England und den Vereinigten Staaten die Samoa-Inseln Upolu und Sawaii an das Reich, nachdem das Reich schon im Sommer die Karolinen von Spanien gekauft hatte. In Berlin wuchs die Stadt unter die Spree, in Rixdorf schritten Schutzleute an die Stelle der Gendarmen, und in Charlottenburg bekamen die Technischen Hochschulen das Recht, Doktoren zu machen. Der Bundesrat hat am 14. Dezember festgestellt, dass der 1. Januar 1900 als Anfang des neuen Jahrhunderts gelten solle; die Astronomen rechnen anders. Wer die Zeitung dieses Jahres liest, findet Reichstagsschlachten, Kriegsdepeschen und Berliner Vermischtes dicht nebeneinander.

Die Schlagzeilen des Jahres

Die Zuchthausvorlage fällt: Der Reichstag lehnt das „Gesetz zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses" ab

Staatssekretär des Innern v. Posadowsky-Wehner, Bildnis von Nicola Perscheid
Staatssekretär des Innern v. Posadowsky-Wehner, Bildnis von Nicola Perscheid (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der Volksmund nennt es die Zuchthausvorlage, amtlich heißt es „Gesetz zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses". Der Staatssekretär des Innern, v. Posadowsky, bringt den Entwurf auf Anregung des Kaisers ein, nach dem „Hamburger Echo" war er schon im September 1898 angekündigt worden. Wer Arbeitswillige zum Streik oder zum Beitritt zu einer Gewerkschaft zwingt, soll mit Gefängnis oder Zuchthaus bestraft werden. Am 3. Februar spricht das Schwurgericht in Dresden sein Urteil im Löbtauer Bauarbeiterprozess: sieben Bauarbeiter erhalten sechs bis zehn Jahre Zuchthaus, zusammen dreiundfünfzig Jahre, zwei je vier Jahre Gefängnis, zwei werden freigesprochen. Der „Vorwärts" überschreibt seinen Bericht „Dreiundfünfzig Jahre Zuchthaus wegen einer Lappalie!"; am 22. Februar kommt das Urteil im Reichstag zur Sprache, wo die Abgeordneten Stumm, Singer und Stadthagen sprechen. Am 7. Juni versammeln sich in Berlin nach Berichten rund 70.000 Menschen zu Protestversammlungen gegen die Vorlage, in Hamburg und Altona rund 20.000.

Am 20. November lehnt der Reichstag in zweiter Lesung schon die Kommissionsberatung ab und stimmt dann „paragraphenweise" die ganze Vorlage nieder, so berichtet die „Tägliche Rundschau" am 21. November. Dafür stimmen nur die beiden konservativen Fraktionen mit ihrem antisemitischen Anhang und, so der „Vorwärts", die „scharfmacherische Hälfte" der Nationalliberalen; das Zentrum stimmt geschlossen dagegen. Das Staatsministerium unter Fürst Hohenlohe tritt am Dienstag, dem 21. November, zusammen; die Reichsregierung „wird die erlittene Niederlage ruhig einstecken", schreibt „Der Wächter" in Bielefeld am 23. November. Zuvor hatte der „Vorwärts" gemeldet, man habe in Regierungskreisen erwogen, den Reichstag zu schließen; nach dem „Wächter" ist dieser Plan fallengelassen. Der „Reichsbote" sieht jetzt den Weg für die Flottenvorlage frei, der Offiziöse des „Hamburgischen Correspondenten" spricht von „freigemacht".

Aus heutiger Sicht

Fürst Hohenlohe trat im Oktober 1900 als Reichskanzler zurück, sein Nachfolger wurde am 17. Oktober 1900 Graf Bülow. Die Zuchthausvorlage kehrte nicht wieder.

Krieg in Südafrika: Krügers Ultimatum, belagerte Städte, drei britische Niederlagen im Dezember, und der Kaiser zu Gast in Windsor

Paul Krüger, Präsident der Südafrikanischen Republik, mit Zylinder
Präsident Paul Krüger, Foto aus einem südafrikanischen Reisealbum, um 1899–1902 (Rijksmuseum / Wikimedia Commons, CC0)

Am 11. Oktober meldet das „Berliner Tageblatt" unter der Überschrift „Der Casus belli": England lehnt das Ultimatum der Südafrikanischen Republik ab, der Ausbruch des Krieges „ist unabwendbar geworden". Die Kampfhandlungen beginnen am 11. und 12. Oktober. Die Presse spricht von „Transvaal" und vom „Krieg in Südafrika"; die Burentruppen schließen Ladysmith, Kimberley und Mafeking ein. Am 12. Oktober druckt das Tageblatt ein Stimmungsbild der amerikanischen Presse: Die „New Yorker Tribune" ist burenfeindlich, die „New York Times" findet das Ultimatum entschuldbar.

Im Dezember häufen sich die britischen Niederlagen: am 10. Dezember bei Stormberg, am 11. Dezember bei Magersfontein, am 15. Dezember bei Colenso. Das Tageblatt schildert am 18. Dezember die Taktik des Generals Buller bei Colenso, wo zwölf Bataillone in den Brigaden Hart, Hildyard und Lyttelton angriffen; am 19. Dezember meldet es, dass Lord Roberts zum „Generalissimus" ernannt wurde, als er vom Tod seines einzigen Sohnes erfuhr, der bei Colenso schwer verwundet worden war. Freiwillige überschwemmen die Stabsquartiere, Australien schickt tausend Berittene und eine Batterie. Der „Vorwärts" glaubt am 28. Dezember, die Engländer würden nicht wieder angreifen, ehe die neuen Oberbefehlshaber eingetroffen sind; die Missstimmung der Kapholländer sei gewachsen.

Mitten in diesen Krieg fällt der Besuch des Kaiserpaares in England. Die Yacht „Hohenzollern" läuft am 20. November in Portsmouth ein, die Landung erfolgt zwischen 9 und 10 Uhr, um 11 Uhr geht die Fahrt nach Windsor weiter; der Prinz von Wales empfängt die Gäste, beim Staatsbankett in der St. Georgshalle ersetzt elektrische Beleuchtung das Öllicht. Das Gefolge führt der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Graf Bülow; seine Verhandlungen mit Lord Salisbury über die Chinapolitik sind durch den Tod der Gemahlin des Premiers vertagt, aber nach dem Tageblatt „doch nicht aufgegeben". Danach geht es nach Sandringham. Am 30. November spricht Chamberlain in Leicester über eine englisch-amerikanisch-deutsche Verständigung, „das Bündniß oder, wenn man lieber wolle, das Einverständniß" zwischen den großen Mächten, wie das Tageblatt am 1. Dezember berichtet.

Die erste Haager Friedenskonferenz: Ein Schiedshof, aber keine Abrüstung

Karikatur von Moloch zur ersten Haager Friedenskonferenz
Karikatur von Hector Moloch zur ersten Haager Friedenskonferenz, 1899 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Auf die Anregung des Zaren Nikolaus II. aus dem Jahr 1898 und die Einladung der Königin Wilhelmina der Niederlande tritt am 18. Mai in Den Haag, im Huis ten Bosch, eine Friedenskonferenz zusammen; 26 Staaten sind vertreten, von den europäischen Mächten bis zu den Vereinigten Staaten, Japan und China. Bis zum 29. Juli verhandelt sie über die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs, die Anwendung der Genfer Konvention auf den Seekrieg und über ein Schiedsgericht für Streitfälle der Staaten. Eine Begrenzung der Rüstungen beschließt sie nicht; die Schlussakte erklärt sie nur für höchst wünschenswert.

In der öffentlichen Schlusssitzung wird die Schlussakte von allen Staaten unterzeichnet. Die Konvention über die Schiedsgerichte, aus der der Ständige Schiedshof hervorgeht, tragen am Schlusstag 16 Staaten, die Konventionen über Landkrieg und Seekrieg je 15; die drei Erklärungen, die Sprengkörper aus Ballons, Gasgeschosse und Dum-Dum-Geschosse verbieten, zeichnen 15 bis 17 Staaten. Deutschland, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Italien, Japan, China und andere haben nach der Reuter-Meldung im „Berliner Tageblatt" vom 31. Juli am Schlusstag keine der drei Konventionen unterzeichnet; der „Westfälische Merkur" bemerkt am 6. August, das bedeute noch nicht, dass sie den Beschlüssen nicht beitreten. Deutschland wandte sich gegen ein obligatorisches Schiedsgericht und gegen eine Begrenzung der Rüstungen, der Schiedshof bleibt freiwillig. Der russische Vertreter, Baron v. Staal, nennt das Werk nicht vollkommen, aber aufrichtig, praktisch und weise. Bertha v. Suttner, die in Den Haag war, reist am 30. Juli durch Berlin und meint, größere Resultate habe man nicht erwarten können.

Aus heutiger Sicht

Der Ständige Schiedshof nahm 1902 seine Arbeit auf. 1907 trat in Den Haag eine zweite Friedenskonferenz zusammen, die auch die Landkriegsordnung neu fasste; die Rüstung der Mächte stieg unterdessen weiter.

Ein Jahr ohne Hauptwahl: Berlin II geht an die Sozialdemokratie, das Zentrum gewinnt Bayern

Der sozialdemokratische Abgeordnete Richard Fischer
Der sozialdemokratische Abgeordnete Richard Fischer, Foto von 1907 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im Jahr 1899 gibt es weder eine Reichstags- noch eine preußische Hauptwahl; der Reichstag wurde am 16. Juni 1898 gewählt. Die Wahl, die Berlin am meisten beschäftigt, ist die Ersatzwahl im 2. Berliner Wahlkreis am 11. April. Im Vorjahr hatte der Freisinnige Kreitling den Sozialdemokraten Richard Fischer in der Stichwahl mit 28.562 gegen 28.547 Stimmen geschlagen, nur 15 Stimmen entschieden; die Wahlprüfung ergab, dass mehrere Zettel für Fischer zu Unrecht für ungültig erklärt worden waren, und Kreitling legte das Mandat nieder. Jetzt erhält Fischer (Sozialdemokratie) 24.319 Stimmen, Kreitling (Freisinnige Volkspartei) 17.443, Witorsky (Konservative) 5.266 und Graf Pückler (Antisemit) 120. Fischer hat damit 1.490 Stimmen mehr als seine drei Gegner zusammen, eine Stichwahl ist nicht nötig; insgesamt werden 47.260 Stimmen abgegeben, im Vorjahr waren es 54.786. Der Sitz geht vom Freisinn an die Sozialdemokratie.

Im November wählt Berlin seine Stadtverordneten: am Montag, dem 6. November, die dritte Abteilung, am 7. die zweite, am 8. die erste. Die Versammlung wird von 126 auf 144 Mitglieder vergrößert, allein in der dritten Abteilung sind 21 Sitze zu vergeben, darunter sechs für neue Bezirke im Wedding, an der Landsberger Allee und in Moabit. Die Beteiligung steigt auf 34 Prozent. In der dritten Abteilung erhalten die Sozialdemokraten rund 26.900 Stimmen (1893 waren es 12.111), die Liberalen gut 15.000; in der zweiten und ersten Abteilung werden nur Liberale gewählt. In den Stichwahlen vom 27. November unterliegen alle drei sozialdemokratischen Kandidaten. Am Ende zählt die Stadtverordnetenversammlung 121 Liberale, 21 Sozialdemokraten (vorher 15 von 126) und 2 Antisemiten.

Die übrigen Wahlgänge des Jahres:

  • Bayern (Abgeordnetenwahl), 17. Juli — Zentrum 83 von 159 Sitzen (absolute Mehrheit), Liberale 45, Bauernbund 13, SPD 11, Konservative 4. Zentrum und SPD haben bei den Wahlmännern Absprachen getroffen.
  • Sachsen, 10. Oktober — Konservative 51 von 82 Sitzen, Nationalliberale 22, SPD nur noch 4 (vorher 8). Ergänzungswahlen im Dreiklassenverfahren.
  • Baden, November — Nationalliberale vor dem Zentrum stärkste Gruppe, SPD 7 von 63 Sitzen (vorher 5). Die Opposition verfehlt die Zweidrittelmehrheit.
  • Württemberg (Reichstag, Esslingen), 7. November — Schlegel (SPD) 11.585, Geß (Deutsche Partei) 11.021. Stichwahl; der Sitz geht von der Volkspartei an die SPD.
  • Hessen, November — Nationalliberale bleiben die stärkste Gruppe; SPD und Antisemiten gewinnen Wahlkreise (Groß-Gerau).
  • Oldenburg, 17. Oktober — erster Sozialdemokrat im Landtag (Hug, Bant) bei 37 Sitzen.
  • Bremen, Dezember — SPD von 2 auf 11 Sitze in der Bürgerschaft.
  • Braunschweig, 5. Dezember — SPD und Welfen unterliegen überall; bürgerliche Mehrheit.
  • Schwarzburg-Rudolstadt, 27. Oktober — SPD gewinnt Frankenhausen (Winter 423 : 324).
  • Niederbayern (Reichstag, Straubing), 25. Mai — Echinger (Zentrum) 6.068, Wieland (Bauernbund) 5.975. Hauchdünner Sieg.
  • Emden-Norden (Reichstag), 8. Juni — Graf Knyphausen (Konservative) 8.302 gegen Agena (Nationalliberale) 7.202. Der Sitz geht an die Konservativen.

Kanalvorlage: Der Kaiser eröffnet den Dortmund-Ems-Kanal, acht Tage später lehnt das Abgeordnetenhaus den Mittellandkanal ab

Das Schiffshebewerk Henrichenburg, Postkarte
Das Schiffshebewerk Henrichenburg am Dortmund-Ems-Kanal, Postkarte um 1900–1905 (Historisches Bildarchiv der Bundeswasserstraßen, Bundesanstalt für Wasserbau / Wikimedia Commons, CC BY 4.0)

Am 11. August eröffnet Kaiser Wilhelm II. in Dortmund den Dortmund-Ems-Kanal: von Dortmund bis Emden rund 270 Kilometer lang, nach sieben Jahren Bauzeit fertig, der erste der großen Binnenschifffahrtskanäle des Reiches. Der Verkehr hatte schon im Frühjahr begonnen, Ende April lief der erste Dampfer von 1.200 Tonnen in Emden ein; das Schiffshebewerk Henrichenburg mit 14 Metern Hub geht 1899 in Betrieb. In seinen Dortmunder Reden besteht der Kaiser nach der „Saale-Zeitung" „fest und unverbrüchlich" auf dem Mittellandkanal, der Verbindung vom Rhein zur Elbe.

Im preußischen Abgeordnetenhaus fällt die Vorlage am Sonnabend, dem 19. August, in der 92. Sitzung. Der Antrag der Nationalliberalen, die ganze Regierungsvorlage mit dem Dortmund-Rhein- und dem Mittellandkanal wiederherzustellen, wird mit 235 gegen 147 Stimmen bei 32 Enthaltungen abgelehnt; der Antrag Albers vom Zentrum auf den Dortmund-Rhein-Kanal allein fällt mit 275 gegen 134 Stimmen, danach lehnt das Haus die ganze Vorlage ab. Am Regierungstisch sitzen Fürst Hohenlohe, der Vizepräsident des Staatsministeriums, Finanzminister Dr. v. Miquel, und Minister Thielen. Miquel erklärt, die Staatsregierung halte „unbedingt" am ganzen Mittellandkanal fest. Die Gegner des Kanals kommen vor allem aus dem Bund der Landwirte und den ostelbischen Agrariern; unter den Nein-Stimmen waren auch Landräte und höhere Beamte, die „Kanalrebellen", gegen die die Regierung danach vorgeht; eine Reihe von Landräten wird gemaßregelt. Der „Hannoversche Kurier" zitiert am 21. August ein Berliner Blatt: Mit der Abstimmung sei „das letzte Wort keineswegs gesprochen"; der Mittellandkanal werde „trotz einer faktiösen Opposition" zustande kommen.

Das Reich greift in die Südsee aus: Karolinen gekauft, Samoa geteilt

Apia auf Upolu, Samoa
Apia auf Upolu, Foto von G. D. Valentine, 1887 (Archives New Zealand / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)

Am 12. Februar vereinbart das Reich mit Spanien in Madrid den Kauf der Karolinen, der Palau-Inseln und der nördlichen Marianen, ausgenommen Guam, für 25 Millionen Peseten, rund 16,6 Millionen Mark. Am 21. Juni verteidigt Staatssekretär v. Bülow im Reichstag das Abkommen: Die Amerikaner hätten den Wert der Karolinen allein auf 10 Millionen Dollar geschätzt, in Paris sei für eine einzige Insel 5 Millionen Peseten geboten worden. Die Linke, Freisinnige Volkspartei und Sozialdemokraten, hält den Erwerb für „unnütz und überflüssig", der Zentrumsabgeordnete Lieber spricht von „Abrundung". Der Reichstag stimmt zu, der Vertrag wird am 30. Juni unterzeichnet. Schon unmittelbar nach der Reichstagsdebatte heißt der Staatssekretär in den Zeitungen Graf Bülow: Er ist in den Grafenstand erhoben worden, als Anlass nennt die „National-Zeitung" den Erwerb der Südsee-Inseln.

Auf Samoa gibt es im Frühjahr Wirren. Mitte März beschießen englische und amerikanische Kriegsschiffe Apia; Präsident McKinley lässt nach dem „Berliner Tageblatt" vom 4. April durch seinen Botschafter White sein Bedauern aussprechen, England nicht. Das Reich schlägt eine gemischte Kommission vor. Am 14. November schließen Deutschland und England ein Abkommen unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Vereinigten Staaten: Upolu und Sawaii mit den Nebeninseln fallen als „freies Eigenthum" an das Reich, Tutuila an Amerika, England verzichtet auf Samoa. Deutschland verzichtet auf Tonga und auf Savage Island, tritt die östlichen Salomonen Choiseul und Isabel ab, und im Hinterland von Togo wird die neutrale Zone gegen die Goldküste geteilt. Die Vereinigten Staaten treten dem Abkommen am 2. Dezember bei. Der „Sieg-Bote" schreibt am 18. November, England habe „gesiegt", weil das Reich den Kaufleuten dreier Nationen gleiche Handelsrechte auf Upolu und Sawaii zugestanden habe.

Dreyfus in Rennes: Zum zweiten Mal verurteilt, vom Präsidenten begnadigt

Eröffnung der Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Rennes am 7. August 1899
Eröffnung des Kriegsgerichts in Rennes am 7. August 1899, Aufnahme von Valerian Gribayedoff (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am Montag, dem 7. August, beginnt im Lyzeum von Rennes vor dem Kriegsgericht der Revisionsprozess gegen Hauptmann Alfred Dreyfus, „vor dem Parterre aller civilisirten Völker der Welt", wie das „Berliner Tageblatt" am 7. August schreibt. Der erste aufgerufene Zeuge ist Casimir-Perier; verlesen wird das Urteil des Kassationshofs. Die Blätter des Reichs verfolgen den Prozess tagelang auf der ersten Seite.

Am 9. September erklärt das Kriegsgericht Dreyfus mit fünf gegen zwei Stimmen für schuldig, mit Mehrheit billigt es ihm mildernde Umstände zu und verurteilt ihn zu zehn Jahren Haft. „Verurtheilung mit fünf gegen zwei Stimmen" überschreibt das Tageblatt am 11. September seinen Bericht. Präsident Loubet begnadigt Dreyfus am 19. September; die römische „Tribuna" beglückwünscht ihn nach dem Tageblatt vom 21. September zu seinem Mut.

Aus heutiger Sicht

Die Begnadigung von 1899 war keine Rehabilitierung. Alfred Dreyfus wurde erst 1906 rehabilitiert.

Aspirin: Bayer lässt den Namen schützen, Dreser stellt das Mittel vor

Titelblatt von Heinrich Dresers Abhandlung über Aspirin in Pflügers Archiv
Titelblatt von Heinrich Dresers Abhandlung „Pharmakologisches über Aspirin (Acetylsalicylsäure)" in Pflügers Archiv, 1899 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am 6. März wird für die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld das Warenzeichen „Aspirin" eingetragen, Nr. 36 433; die Anmeldung war am 1. Februar erfolgt, der „Reichsanzeiger" verzeichnet die Eintragung am 28. März. Der Name leitet sich von der Spiraea, dem Mädesüß, ab. Die Acetylsalicylsäure selbst stellt das Bayer-Werk in Elberfeld ohne störende Nebenprodukte her.

Ihr Fürsprecher wird der Pharmakologe der Bayer-Werke, Heinrich Dreser. Seine Abhandlung „Pharmakologisches über Aspirin (Acetylsalicylsäure)" erscheint 1899 im 76. Band von „Pflügers Archiv für die gesammte Physiologie", Seite 306 bis 318, und stellt das Mittel, das als Pulver in den Handel kommt, den Ärzten vor.

Die erste Tunnelbahn unter der Spree: Stralau–Treptow

Triebwagen der Berliner Ostbahnen auf der Stralauer Seite vor dem Spreetunnel
Triebwagen 4 der Berliner Ostbahnen auf der Stralauer Seite vor dem Spreetunnel, Aufnahme von 1899 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Vier Jahre lang, von 1895 an, bauen die Ingenieure der „Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen", an der unter anderen die AEG, die Deutsche Bank und die Firma Ph. Holzmann beteiligt sind, im Schildvortrieb den Spreetunnel zwischen den Landgemeinden Stralau und Treptow. Er ist 454 Meter lang, mit den Rampen 582 Meter, 3,76 Meter breit und liegt im Scheitel 12 Meter unter der 195 Meter breiten Spree; er kostet 1,7 Millionen Mark, die Durchfahrt dauert etwa zwei Minuten. Betreiberin ist die Straßenbahn der Berliner Ostbahnen auf ihrer Linie vom Schlesischen Bahnhof nach Treptow.

Am Sonnabend, dem 16. September, um 3 Uhr nachmittags, laden die Bauherren die städtische Bau- und Verkehrsdeputation zur Besichtigung: Geheimrat Friedel und Stadtbaurat Krause fahren mit dem Dampfer von der Jannowitzbrücke, der „Akkumulatoren-Boot" genannt wird, nach Stralau, und im elektrischen Licht des Tunnels erläutert Regierungs- und Baurat Schnebel den Bau; es ist, so die „Deutsche Tageszeitung" am 17. September, „der erste elektrische Tunnelzug". Am Montag, dem 18. Dezember, wird der Betrieb „programmgemäß" eröffnet, wie die „Tägliche Rundschau" am 19. Dezember schreibt: Um 5 Uhr 37 Minuten fährt der erste Wagen vom Depot Stralau zum Schlesischen Bahnhof, um 6 Uhr 12 Minuten der erste öffentliche Wagen durch den Tunnel nach Treptow; zahlreiche Neugierige sind gekommen.

Die Technische Hochschule darf promovieren: Das Bauakademie-Jubiläum bringt den „Doktor-Ingenieur"

Professor Adolf Slaby
Professor Adolf Slaby, Foto von 1902 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Die Berliner Bauakademie wird 1799 gegründet, die Technische Hochschule in Charlottenburg besteht seit 1879 als ihre Nachfolgerin. Zur Hundertjahrfeier am 18. und 19. Oktober hat der Kaiser durch Erlass vom 11. Oktober den Technischen Hochschulen Preußens drei Rechte verliehen: den Grad „Diplom-Ingenieur" zu erteilen, Diplom-Ingenieure nach weiterer Prüfung zu „Doktor-Ingenieuren" zu promovieren und die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber zu verleihen. Zu denen, die das Promotionsrecht betrieben hatten, zählt Professor Adolf Slaby. Bei der Feier in Charlottenburg verliest der Kultusminister Studt den Erlass.

Die Universitäten, besonders die philosophischen Fakultäten, hatten sich einmütig gegen den „technischen Doktor" ausgesprochen, so die „Berliner Neuesten Nachrichten" am 22. Oktober; die „Deutsche Tageszeitung" nimmt an der Mischung des lateinischen und des französischen Wortes in „Dr.-Ing." Anstoß. Zur Feier stiften die Stadt Berlin 100.000 Mark für Studienreisen und die Stadt Charlottenburg unter Oberbürgermeister Schustehrus 20.000 Mark; auch die Industrie zeichnet eine „Jubiläumsstiftung".

„Weltuntergang" am 13. November: Falbs kritischer Tag, ein Komet und die ausgebliebenen Sternschnuppen

Der Astronom Rudolf Falb
Professor Rudolf Falb, Holzstich nach einer Photographie (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im November geht das Gerücht, die Erde werde am 13. November mit dem Biela'schen Kometen zusammenstoßen. Die „Berliner Morgenpost" führt es am 7. November auf einen „mißverstandenen Ausspruch" von Professor Rudolf Falb zurück, dessen Kalender der „kritischen Tage" bekannt ist: Falb habe in einem Vortrag über „Weltentstehung und Weltuntergang" erwähnt, dass die Bahn eines Kometen die Erdbahn dort schneide, wo die Erde am 13. November stehe, und auf einen Reichtum an Sternschnuppen hingewiesen; aus der „Schnuppe" sei der „Zusammenstoß" und der „Weltuntergang" geworden. Aus Valparaíso meldet eine Depesche, dort sei der Komet sichtbar geworden, und die Bevölkerung gerate nach den „Hamburger Neuesten Nachrichten" vom 9. November in Angst.

In Berlin beruhigt der Direktor der Königlichen Sternwarte, Professor Wilhelm Foerster, mit einer Abhandlung „Die Fabel vom Weltuntergang und die Sternschnuppen am 15. November 1899": Der Komet sei in kleinere Meteorschwärme zerfallen, die Leoniden seien „diesmal eventuell in der Nacht vom 15. zum 16. November" nach 11 Uhr am östlichen Himmel zu erwarten, der fast volle Mond überstrahle freilich die lichtschwächeren Erscheinungen. Das „Berliner Tageblatt" macht am 12. November ein Feuilleton daraus, „Die letzte Woche!": „Wenn Falb Recht und Förster Unrecht hätte!" und „Man weiß ja nie". Die Sternschnuppenpracht bleibt aus. „Die ausgebliebenen Sternschnuppen" überschreibt die „Heidelberger Zeitung" am 17. November ihren Bericht, im „Aachener Anzeiger" heißt es am 18. November: „Mit der Beobachtung des Leoniden-Sternschnuppenschwarms war es diesmal nichts"; der Beobachter Palisa auf dem Hochschneeberg zählt in sechs Stunden 140 Sternschnuppen, im Riesengebirge sind es 134 bei bedecktem Himmel. Die Erde stand am 13. November, wo sie stehen sollte, und ging nicht unter.

Motorwagen-Ausstellung im Exerzierhaus: Das Automobil tritt aus dem „Reich der Kuriosität"

Bildseite der Motorwagen-Ausstellung Berlin 1899 aus „Berliner Leben"
Bildseite „Motorwagen-Ausstellung Berlin 1899" aus der Zeitschrift „Berliner Leben", 1899, Heft 8, Fotografien von Jul. Kricheldorf und Ludwig Schuster (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am Sonntag, dem 3. September, um 1 Uhr mittags, eröffnet der Staatssekretär des Reichspostamts, v. Podbielski, im Exerzierhaus des II. Garde-Regiments zu Fuß in der Karlstraße die Internationale Motorwagen-Ausstellung, vor mehr als 5.000 Eingeladenen. Veranstalter ist der Mitteleuropäische Motorwagen-Verein, der 1897 im Hotel Bristol gegründet wurde; bis zum 28. September zeigen über 100 Aussteller etwa 150 angemeldete Motorwagen, Anmeldungen kommen aus Deutschland 81, aus Frankreich 14. Die Wagen ähneln im Aufbau noch den Pferdekutschen.

Im Mittelpunkt steht ein gelb lackierter Postwagen mit Reichsadler und Posthorn, „berufen, auch auf postalischem Gebiet eine Rolle zu spielen", wie die „Berliner Börsen-Zeitung" am 4. September schreibt; das Fachblatt „Draisena" hebt am 24. September den „eleganten Postwagen" hervor, der die Aufmerksamkeit sämtlicher Besucher auf sich gelenkt habe, und nennt Fahrleistungen von 20 bis 25 Kilometern in der Stunde. Schon am 23. Juli hatte das „Berliner Tageblatt" in einem Feuilleton „Das Automobil kommt!" geschrieben: „aus dem Reich der Kuriosität tritt es in den Alltagsverkehr."

Cabarz im Thüringer Wald: Die Schule wird um vier Meter zurückversetzt

Versetzung der Schule in Cabarz am 4. Oktober 1899
Versetzung der Schule in Cabarz am 4. Oktober 1899, Aufnahme vom 4. Oktober 1899 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im thüringischen Cabarz im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha muss die „alte Schule", deren Wetterfahne die Jahreszahl 1784 trägt, einer Straßenverbreiterung weichen. Man versetzt sie um etwa vier Meter, ohne sie abzubrechen. Das Haus wird unterschwellt, gestützt, mit Streben gesichert und auf Holzrollen gebracht; zehn Schrauben mit Bolzen sind in der Straße fest eingesetzt, fünf heben das Gebäude durch schräge Bolzen, fünf schieben es mit waagrechten.

Am Montag, dem 2. Oktober, rückt die Schule am Nachmittag um etwa 60 Zentimeter, am Dienstag im Beisein zahlreicher Zuschauer um 2,50 Meter, am Mittwoch, dem 4. Oktober, um den Rest. Die Bauleitung hat der Architekt Clarus aus Gotha, das „Merseburger Kreisblatt" druckt den Bericht am 12. Oktober. Die Straße ist nun breiter, die Schule steht, wo sie stand, nur vier Meter weiter hinten.

„Frau Luna": Paul Lincke schickt die Berliner im Luftschiff zum Mond

Eingang des Apollo-Theaters in der Berliner Friedrichstraße
Eingang des Apollo-Theaters in der Friedrichstraße, Aufnahme von 1900 von C. Schütte (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am Montag, dem 1. Mai, wird im Apollo-Theater in der Friedrichstraße 218 die „burlesk-phantastische Ausstattungsoperette" „Frau Luna" uraufgeführt. Den Text schrieb Heinrich Bolten-Baeckers, in den Zeitungen „Bolten-Bäckers", die Musik Paul Lincke, der Kapellmeister des Hauses, der selbst dirigiert. Drei lustige Berliner, ein „Erfinderkleeblatt", besuchen in einem lenkbaren Luftschiff den Mond, auf dem eine „reizende und lebenslustige Witwe", Frau Luna, regiert: „keinen Mann im Mond, sondern eine Frau im Mond", wie „Das deutsche Blatt" am 4. Mai schreibt. Der Berliner Steppke bleibt bei Frau Luna und sehnt sich nach seiner Braut.

Die „Staatsbürger-Zeitung" meldet am 3. Mai einen „durchschlagenden Erfolg": Das ausverkaufte Haus sei „fast aus dem Häuschen" gewesen, der Vorhang habe immer wieder hochgehen müssen. Lincke, so die „Neuesten Nachrichten" am 9. Mai, sei „jetzt wohl der populärste" Komponist in Berlin; „Herr Paul Lincke, den wir nun glücklich wieder haben", hatte „Das deutsche Blatt" begrüßt. Am 3. Dezember kündigt die „Berliner Morgenpost" den „Letzten Sonntag mit Frau Luna" an.

Rixdorf wird Stadtkreis: Das größte Dorf Preußens bekommt Schutzleute

Die Bergstraße in Rixdorf, Ansichtskarte
Die Bergstraße in Rixdorf, Ansichtskarte um 1900 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Rixdorf, das mit rund 80.000 Einwohnern „größte Dorf Preußens", wird im Frühjahr zur Stadt erhoben; im „Vorwärts" ist am 15. März bereits von dem „kürzlich zur Stadt erhobenen Nachbarort" die Rede, und am 15. März wählen die Abteilungen ihre Stadtverordneten. Am 1. Mai scheidet Rixdorf aus dem Kreis Teltow aus und bildet einen eigenen Stadtkreis, so teilt der Stadtverordnetenvorsteher Sander am 27. April in der Sitzung nach einem Erlass des Ministers mit; Schöneberg war schon am 1. April aus dem Kreis ausgeschieden. Die Stadtverordneten hatten am 1. April einstimmig den eigenen Kreisverband und eine Anleihe von 1.075.000 Mark zur Abfindung des Kreises Teltow beschlossen. Am Donnerstag, dem 4. Mai, abends führt der Regierungspräsident in Potsdam, Graf Hue de Grais, den ersten Oberbürgermeister, Boddin, in gemeinsamer Sitzung von Magistrat und Stadtverordneten in sein Amt ein.

Auch das Straßenbild ändert sich. Schon im Januar hatten Bürger gegen den Wegfall der Gendarmerie petitioniert. In der Nacht zum 31. Oktober, um Mitternacht, lösen Schutzleute, die den Berliner Schutzleuten ähneln, die Gendarmen ab; die Uniform ist die gleiche wie in Berlin, nur trägt sie unter der Nummer auf den Achselklappen ein großes lateinisches „R". Am Montag zuvor hat man die Gendarmen im Rathaussaal verabschiedet.

Aus heutiger Sicht

1912 erhielt Rixdorf den Namen Neukölln. 1920 ging die Stadt in Groß-Berlin auf.

Hochwasser in Südbayern: München verliert zwei Isarbrücken

Die eingestürzte Bogenhauser Brücke in München
Die durch das Hochwasser am 13. September 1899 eingestürzte Bogenhauser Brücke in München (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Von Freitag, dem 8. September, an regnet es in Südbayern anhaltend und heftig. Ab dem 12. September richtet das Hochwasser in München schwere Schäden an Ufern, Wehren und in den Maximiliansanlagen an; am 13. September stürzt die Max-Joseph-Brücke bei Bogenhausen ein, am folgenden Tag die Luitpoldbrücke. Das „Berliner Tageblatt" meldet am 14. September aus München in einem Privat-Telegramm vom 13.: „Die Isar ist noch im Steigen. Im Isargebiet sind fast sämmtliche Brücken weggerissen; zwei Brücken und viele Gebäude hierselbst sind gefährdet. … Der Schaden ist unübersehbar."

Im Gebirge trifft es die Orte am Fluss: In Tölz stürzt die große Brücke zwischen Tölz und Krankenheil-Tölz ein, in Tegernsee und Schliersee müssen bedrohte Häuser geräumt werden. Auch an Oder und Neiße, bei Görlitz, und in Österreich an Mur und Enns steigt das Wasser. In München schlägt das Militär aus München und Ingolstadt Pontonbrücken.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • 16. März — In Friedrichsruh werden Fürst Bismarck und Fürstin Johanna „in dem neuerbauten Mausoleum endgiltig beigesetzt"; der Kaiser schreitet hinter dem Sarg des Fürsten.
  • 30. März — Der Southampton-Dampfer „Stella" mit rund 190 Menschen an Bord sinkt im Nebel bei den Casquets binnen zehn Minuten; nach den Meldungen vom 1. April sind rund 100 Menschen gerettet.
  • 23.–30. Juni — In Herne streiken polnische Bergleute, Polizei und Gendarmerie schießen, ab dem 29. Juni liegt Militär auf den Zechen; nach den letzten Meldungen gibt es zwei Tote und rund 18 Verwundete.
  • 29. Juli — Ein Berliner Gastwirt, Z., versäumt die Rückfahrt aus Bernau; seine Stammgäste steigen durchs Küchenfenster ein, öffnen das Lokal, stechen mit Hilfe eines Nachbarwirts ein frisches Fass an und führen den Laden auf eigene Faust, bis er nachts zurückkehrt und in die Fröhlichkeit einstimmt.
  • 29. Juli — Die Pferde eines Kohlenwagens rasen in eine Kreuzung an der Invalidenstraße; zwei Passanten stürzen in den mit Kirschen gefüllten Handwagen eines Obsthändlers und werden „in höchst sonderbarer Weise … vor dem Schicksal des Ueberfahrenwerdens gerettet".
  • 26. August — Der Kaiser enthüllt zwei weitere Denkmalgruppen der Siegesallee.
  • Anfang September — Die Polizei in Glatz verbietet wegen der „Rücksichtslosigkeit vieler Radfahrer" das Radfahren in der ganzen Stadt; in den Sportkreisen herrscht großer Unwillen.
  • 18. Oktober — In Hamburg läuft in Gegenwart des Kaisers das Linienschiff „Karl der Große" vom Stapel; seine Rede zur Flotte kündigt nach dem „Vorwärts" „gewaltige Marineforderungen" an.
  • Mitte Oktober — Landrat Stubenrauch gibt den Radfahrern die Fußwege der Teltower Kreischausseen frei; auf der Potsdamer Chaussee lassen Gendarmen sie trotzdem absitzen und erteilen Strafmandate über „ein güldenes Geldstück … zum Besten ihrer Heimathsprovinz".
  • 14. Dezember — Der Bundesrat stellt fest, dass der 1. Januar 1900 als Anfang des neuen Jahrhunderts gelten solle; die Astronomen rechnen anders.

WIRTSCHAFT · 1899

Das Jahr steht im Zeichen der guten Lage der Industrie und des teuren Geldes. Nach einer Reichstagsrede im März „könne" der hohe Reichsbankdiskont nicht künstlich reguliert werden, „er sei beeinflußt durch die gute Lage der Industrie"; der Reichstag berät die Novelle des Bankgesetzes, die das Kapital der Reichsbank erhöht. Die im Februar aufgelegte Anleihe des Reichs und Preußens über zusammen 200 Millionen Mark, 75 Millionen Reichsanleihe und 125 Millionen preußische Staatsanleihe, wird vielfach überzeichnet. Im Frühjahr steht der Diskont bei 4 Prozent; am 19. Juni erhöht ihn die Reichsbank auf 4½ Prozent, die „Berliner Abendpost" schreibt am 20. Juni: „Wir bedauern, daß die Erhöhung nicht gleich um ein volles Prozent erfolgt ist". Am 7. August folgen 5 Prozent, am 3. Oktober 6 Prozent: „Sechs Prozent Reichsbankdiskont um diese Jahreszeit, das ist bisher überhaupt noch nicht dagewesen", schreibt die „National-Zeitung" am 10. Oktober. Am 19. Dezember steigt er auf 7 Prozent, bei einem Lombardsatz von 8; ein Satz von 7 Prozent, so die „National-Zeitung" am 19. Dezember, sei „seit dem Kriege mit Frankreich nicht dagewesen". Von den Arbeitskämpfen des Jahres bleibt der Herner Bergarbeiterstreik, der nur eine Woche dauert.

Der Preisspiegel:

  • Roggenbrot (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 0,24 Mark
  • Weizenbrot (Schrippen, 1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 0,42 Mark
  • Butter (1 kg, Berlin, Marktpreis, Jahresmittel) — 2,30 Mark
  • Rindfleisch (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 1,25 Mark
  • Schweinefleisch (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 1,36 Mark
  • Kartoffeln (100 kg, Berlin, Jahresmittel) — 4,51 Mark
  • Straßenbahnfahrt (Große Berliner Straßenbahn, Strecken bis rund 3 Kilometer, Stand April) — 10 Pfennig
  • Zeitungsabonnement (Berliner Tageblatt, zweimal täglich ins Haus, Berlin, Stand Januar) — 2 Mark im Monat

STIMMEN DER PRESSE · 1899

Die Ablehnung der Zuchthausvorlage am 20. November beschäftigt die Blätter aller Richtungen. Zuerst die „Tägliche Rundschau" am Tag darauf:

„Das Regierungssystem, welches auf die Systemlosigkeit aufgebaut war, hat eine so schwere Niederlage erlitten, wie sie in der Geschichte des deutschen Parlaments unseres Erinnerns noch nicht erlebt wurde." — Tägliche Rundschau, 21. November 1899

Dann das Zentralorgan der Sozialdemokratie, der „Vorwärts", am 22. November unter dem Titel „Regierungsstarre":

„Gesetzentwürfe von der Art der Zuchthausvorlage sollten überhaupt nicht mehr diskussionsfähig sein, und gerade die Abenteurer solcher Rückwärtsereien sind es, die an den Grundlagen des Staates rütteln, es sind Barbaren, die in den allgemeinen Kulturbestand einbrechen." — Vorwärts, 22. November 1899

Zuletzt das evangelisch-konservative Blatt, der „Reichsbote", am selben Tag:

„Nur auf dem Wege der Reform und nicht der Scharfmacherei wird die Regierung vorwärts kommen." — Der Reichsbote, 22. November 1899

SPORT · 1899

Am Donnerstag, dem 23. November, und am Freitag, dem 24. November, spielt auf dem Athletik-Sportplatz am Kurfürstendamm in Charlottenburg eine deutsche Auswahl gegen eine englische; die „Internationalen Fußballwettspiele England gegen Deutschland in Berlin" enden 2:13 und 2:10, eine dritte Partie am 28. November auf dem Großen Exerzierplatz in Karlsruhe 0:7. Das „Hamburger Fremdenblatt" berichtet am 26. November von „einem Sieg der Engländer von 10:2": wegen der Weiterreise nach Prag wurde nur 2 mal 35 statt 2 mal 45 Minuten gespielt, der Platz misst 102 mal 65 Meter, in der Nacht hatte es geregnet, ein scharfer Westwind wehte; fünf der zehn englischen Tore schoss Rogers, zwei Taylor, eines der beiden deutschen Tore schoss Gruschwitz. Die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften des Jahres wurden wegen des milden Winters nach Davos verlegt, die nächsten sind für den 28. Januar 1900 in Wien angesetzt. Der Frankfurter Ruderverein vollendet im November seine 1.300. Fahrt des Jahres.

Die Radfahrer beschäftigen auch die Gerichte: Im März liegt dem Berliner Kammergericht der Fall eines Berliner Kaufmanns vor, den die Polizei in Breslau bestraft hatte, weil sein Zweirad keine Breslauer Fahrradnummer trug; das Schöffengericht hatte ihn freigesprochen, die Strafkammer verurteilt.

MODE · 1899

Am 26. April entscheidet der Verein für Verbesserung der Frauenkleidung in Berlin, Potsdamer Straße 128g, seinen Wettbewerb um Reformkleider: Er vergibt vier silberne Medaillen und eine „ehrende Erwähnung", die goldene Medaille bleibt ungenutzt, weil an allen Stücken „Kleinigkeiten zu beanstanden" waren. Als das stilvollste Kleid gilt ein lila-grünes leichtes Sommerkleid mit Band, eingesandt von Fräulein G. aus Elbing, so die „Berliner Neuesten Nachrichten" nach der „Vossischen Zeitung". Die „Badische Landes-Zeitung" stellt am 5. April fest, dass das Reformkleid der Radlerin und die Volkstrachten einander immer ähnlicher werden.

KULTUR · 1899

Am Freitag, dem 19. Mai, eröffnet Max Liebermann als Vorsitzender vor geladenen Gästen die Ausstellung der Berliner Secession an der Kantstraße 12 in Charlottenburg, einem Haus nach Plänen von Hans Grisebach; Geschäftsführer der Secession sind die Kunsthändler Bruno und Paul Cassirer; öffentlich ist sie vom Pfingstsonntag, dem 21. Mai, an zugänglich. Liebermann spricht von den „friedlichen Zielen der Secession", der Oberbürgermeister von Charlottenburg, Schustehrus, begrüßt die Gäste. Am Eröffnungstag entbrennt ein Streit mit Menzel: Seine Exzellenz hatte erklärt, die ausgestellten Bilder von seiner Hand könnten nur ohne sein Wissen dorthin gelangt sein; der Vorstand antwortet öffentlich, man habe am 25. April um sechs Werke aus Privatbesitz gebeten und am 27. April Menzels handschriftliche Zusage erhalten: „Gegen etwaige Bewilligungen seitens Besitzer wende ich nichts ein. Menzel." Am 28. August jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag Goethes; gefeiert wird er, so das „Berliner Tageblatt" am 29. August, „in Frankfurt vor dem Volke, im übrigen Deutschland vor einem zerstreuten Publikum nur vom Feuilleton und vom Theater"; das Königliche Schauspielhaus in Berlin gibt „Iphigenie auf Tauris" mit einem Prolog von Ernst Scherenberg. Ernst Haeckels „Welträthsel" sind im Oktober „soeben erschienen" (Verlag Emil Strauß, Bonn).

Am 26. März beginnt der Architekt Robert Koldewey im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft die Ausgrabung Babylons, zunächst auf fünf Jahre geplant; am 7. April hält Professor Friedrich Delitzsch in Berlin vor dem Kaiser einen Vortrag über Babylon, der Kaiser behält die Anwesenden bis Mitternacht bei sich. Am 26. Oktober wird am Wiener Carltheater die Operette „Wiener Blut" uraufgeführt, nach dem Tod von Johann Strauß; am 18. Dezember bringt das Apollo-Theater Paul Linckes „Im Reiche des Indra".

KINO & FUNK · 1899

Die „Lebenden Photographien" haben im Varieté ihren Platz als Schlussnummer des Programms. Die Bilder von Oskar Messter schneiden im „Volksblatt" in Halle am 19. März nicht gut ab: „Meßters Lebende Photographien sind noch nicht klar genug und noch viel zu unruhig, um einen vollen Genuß fürs Auge zu bieten. Das Flimmern ist noch so stark, daß es die Augen auf die Dauer nicht vertragen." Im Juli steht auf dem Düsseldorfer Schützenplatz ein „Bioskop", „eine Verbesserung des Kinematograph"; der „Vorwärts" meldet am 30. Mai die Explosion in einer Kinematographen-Bude auf einem Schützenplatz, wo Brennspiritus heruntergelaufen war und die Filmbilder Feuer fingen. Der französische Chirurg Doyen zeigt am 1. Juli in Kiel vor geladener Gesellschaft Operationen im Kinematographen, und das „Berliner Tageblatt" handelt am 27. November von der ärztlichen Anwendung des Phonographen.

Die Telegraphie ohne Draht macht Fortschritte. Am 27. März geht ein Marconi-Telegramm über den Kanal, die „Times" meldet es aus Wimereux; der französische Kriegsminister Freycinet stellt Versuche zwischen Boulogne und Dover als erfolgreich fest. Am 4. Dezember hält der Geheime Regierungsrat Professor Adolf Slaby im Hörsaal der Elektrotechnik der Technischen Hochschule Charlottenburg vor dem Kaiser den Vortrag „Ueber die Anwendung der Funkentelegraphie in der Marine"; er dankt dem Kaiser für die „besondere Förderung seiner Studien". Das Hauptergebnis seiner Versuche: Die bisher nach Marconi gesuchte „Wellenabtönung" sei nicht erreichbar, es liege eine „Stoßwirkung" vor.

GESTORBEN · 1899

  • Leo Graf von Caprivi (67), Reichskanzler a. D. — 6. Februar, Gut Skyren bei Crossen an der Oder.
  • Félix Faure (58), Präsident der Französischen Republik — 16. Februar, Paris.
  • Eduard von Simson (88), Reichsgerichtspräsident a. D. — 2. Mai, Berlin.
  • Klaus Groth (80), plattdeutscher Dichter — 1. Juni, Kiel.
  • Johann Strauß (Sohn) (73), Komponist — 3. Juni, Wien.
  • Robert Bunsen (88), Chemiker — 16. August, Heidelberg.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1899

  • Die „Valdivia" kehrt heim (Ende April, Hamburg). Am 29. April erreicht der Dampfer der deutschen Tiefsee-Expedition unter Professor Carl Chun auf der Heimreise die Elbemündung; am 30. April fahren der Staatssekretär v. Posadowsky und die Geheimräte mit dem Dampfer „Blankenese" der „Valdivia" entgegen, unter ihnen Professor von Drygalski, „der Führer der künftigen Südpolarexpedition".
  • Frauen dürfen Ärztin, Zahnärztin und Apothekerin werden (20. April, Berlin). Der Bundesrat lässt Frauen im Reich zu den ärztlichen, zahnärztlichen und pharmazeutischen Prüfungen zu, wenn sie die Reifeprüfung eines Gymnasiums und ein ordnungsmäßiges Studium nachweisen; die „Neuesten Nachrichten" in Dresden nennen es „Ein Sieg der deutschen Frauen". Schon am 18. Februar hatte Fräulein Elsa Neumann in der Aula der Berliner Universität als erste Frau in der Physik den Doktor der Philosophie cum laude erworben.
  • Kongress gegen die Tuberkulose (24.–27. Mai, Berlin). Im Reichstagsgebäude tagt der „Congreß zur Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit", den der Staatssekretär v. Posadowsky im Namen der Reichsregierung eröffnet. Sein Präsident, der Herzog von Ratibor, betont, der Kongress verfolge hauptsächlich praktische Ziele und nicht wissenschaftliche Forschungen.
  • Der Große Refraktor von Potsdam (26. August, Potsdam). Der Kaiser weiht auf dem Telegraphenberg den neuen Kuppelbau des Astrophysikalischen Observatoriums und den Großen Refraktor ein, einen Doppelrefraktor mit einem fotografischen Fernrohr von 80 Zentimetern und einem optischen von 50 Zentimetern Öffnung unter einer Kuppel von 21 Metern Durchmesser.

DAS WETTER · 1899 in Berlin

Am 13. Juli erreichte das Thermometer in Berlin ein Tagesmaximum von 29,9 °C, das Minimum lag bei 16,7 °C; das Mittel aus beiden Werten ergibt rund 23,3 °C (ein amtliches Tagesmittel liegt für diesen Tag nicht vor). Es blieb trocken (0,0 mm).

Das Jahr über: Der heißeste Tag des Jahres war der 5. August mit 30,3 °C, der kälteste (Tagesminimum) der 15. Dezember mit −17,1 °C. Nach der Berliner Messreihe zählte das Jahr 61 Frosttage und 21 Eistage, dazu 35 Sommertage mit mindestens 25 °C, davon 3 heiße Tage von mindestens 30 °C. Der Jahresniederschlag summierte sich auf 553 mm.

(Tageswerte der Messreihe Berlin-Dahlem. Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1899

Charts gibt es nicht; die Liste stützt sich auf Spielplan- und Kritikbelege in Berliner Zeitungen des Jahres 1899, auf die Gedenkaufführungen nach dem Tod von Johann Strauss am 3. Juni und auf die Uraufführungen im Apollo- und Metropol-Theater. Von zwanzig vorgesehenen Plätzen sind 8 belegt; eine Rangfolge ist damit nicht verbunden.

  1. Frau Luna (burlesk-phantastische Ausstattungsoperette in einem Akt) — Musik: Paul Lincke, Text: Heinrich Bolten-Baeckers; Uraufführung 1. Mai 1899, Apollo-Theater Berlin (Staatsbürger-Zeitung, 3. Mai 1899; Berliner Börsen-Zeitung, 3. Mai 1899; Berliner Morgenpost, 3. Dezember 1899: „Letzter Sonntag mit Frau Luna")
  2. Rund um Berlin (Berliner Lokal-Revue in 2 Bildern) — Musik: Julius Einödshofer, Text: Julius Freund; Erstaufführung 1. Oktober 1899, Metropol-Theater Berlin (Berliner Neueste Nachrichten, 30. September und 3. Oktober 1899; National-Zeitung, 3. Oktober 1899)
  3. Im Reiche des Indra (Ausstattungsoperette in 1 Akt, 3 Bildern) — Musik: Paul Lincke, Text: Leopold Ely und Heinrich Bolten-Baeckers; Uraufführung 18. Dezember 1899, Apollo-Theater Berlin; „Heute zum 4. Male" (National-Zeitung, 20. Dezember 1899), „nicht ganz unbestrittener Erfolg" (Tägliche Rundschau, 20. Dezember 1899; Das deutsche Blatt, 20. Dezember 1899)
  4. Die Fledermaus (Operette, Repertoire) — Musik: Johann Strauss (Sohn), Text: Karl Haffner und Richard Genée; Uraufführung 5. April 1874, Theater an der Wien; Neues Königliches Opernhaus „Kroll", fünf Vorstellungen der Woche (Berliner Morgenpost, 11. Juni 1899); Gedenkaufführung im Königlichen Opernhaus nach Strauss' Tod am 3. Juni (Berliner Morgenpost, 9. Juni 1899)
  5. An der schönen blauen Donau (Walzer, op. 314) — Musik: Johann Strauss (Sohn); komponiert im Winter 1866/67, Uraufführung der Chorfassung 15. Februar 1867 durch den Wiener Männergesang-Verein, Konzertfassung 10. März 1867, Wien (Volksgarten); im Zwischenakt der Fledermaus-Gedenkvorstellung im Königlichen Opernhaus unter Richard Strauss (Staatsbürger-Zeitung und Tägliche Rundschau, 8. Juni 1899), Strauss-Gedenkkonzert in der Flora in Charlottenburg (Berliner Morgenpost, 10. Juni 1899)
  6. Wein, Weib und Gesang (Walzer, op. 333) — Musik: Johann Strauss (Sohn); Uraufführung 2. Februar 1869, Dianabad-Saal Wien (Chorwalzer für den Wiener Männergesang-Verein); im Zwischenakt der Fledermaus-Gedenkvorstellung im Königlichen Opernhaus unter Richard Strauss (Staatsbürger-Zeitung, Deutscher Reichsanzeiger und Tägliche Rundschau, 8. Juni 1899; Berliner Morgenpost, 9. Juni 1899)
  7. Der Zigeunerbaron (Operette, Repertoire) — Musik: Johann Strauss (Sohn), Text: Ignaz Schnitzer; Uraufführung 24. Oktober 1885, Theater an der Wien; Central-Theater Berlin, Sonntagnachmittag mit Laura Wallerstein als Saffi (Berliner Morgenpost, 4. Oktober 1899); Großes Konzert in der Flora in Charlottenburg (Berliner Morgenpost, 10. Juni 1899)
  8. Ein Abenteuer im Harem (Burleske in 1 Akt, Wiederaufnahme) — Musik: Paul Lincke, Text: Wilhelm Mannstädt; Uraufführung 1896, Apollo-Theater Berlin; Wiederaufnahme am 1. April 1899 für kurze Zeit (Berliner Neueste Nachrichten, 26. März 1899; Berliner Morgenpost, 7. April 1899)