DER CHRONIST
Am 1. Januar 1900 feierte das Reich den Beginn des neuen Jahrhunderts mit einer Fahnenweihe im Zeughaus, und am selben Tag trat das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft; die Astronomen und viele Gelehrte rechnen das Jahrhundert erst vom 1. Januar 1901 an. Im Juni fiel in Peking der Gesandte Freiherr von Ketteler, und seit Oktober führt Generalfeldmarschall Graf Waldersee von Peking aus die verbündeten Truppen in China. Am 2. Juli stieg das Zeppelinsche Luftschiff über dem Bodensee auf, und im Dezember wurde Berlin gezählt. Wer die Zeitung dieses Jahres liest, findet Gesandtenmord, Flottengesetz und Berliner Vermischtes dicht nebeneinander.
China: Der Gesandte von Ketteler ermordet, Peking entsetzt, Waldersee Oberbefehlshaber der Verbündeten

Der deutsche Gesandte in Peking, Clemens Freiherr von Ketteler, wird auf dem Weg zum Tsungli-Yamen, dem chinesischen Amt für die auswärtigen Angelegenheiten, von einem Mandschu-Soldaten erschossen; sein Dolmetscher Cordes wird verwundet und rettet sich in eine Gesandtschaft. Die ersten Meldungen nannten den 18. Juni; nach dem im November veröffentlichten Bericht des Dolmetschers fiel der Gesandte am Morgen des 20. Juni, einen Tag nachdem das Tsungli-Yamen alle Vertreter aufgefordert hatte, binnen 24 Stunden abzureisen. In Berlin ist die Gewissheit erst am 2. Juli da: „Es läßt sich leider nicht mehr bezweifeln, … daß der deutsche Gesandte in Peking, Freiherr v. Ketteler, dem chinesischen Fanatismus zum Opfer gefallen ist", schreibt das „Berliner Tageblatt" in seiner Abendausgabe. Graf Bülow, damals Staatssekretär des Auswärtigen Amts, reist sofort zum Kaiser nach Wilhelmshaven.
Am 17. Juni hatten die Mächte die Taku-Forts bei Tientsin genommen; vom 20. Juni an ist das Gesandtschaftsviertel in Peking belagert. Die Expedition des Vizeadmirals Seymour mit rund 2.000 Mann kehrt am 26. Juni nach Tientsin zurück, Tientsin selbst wird am 14. Juli genommen. Acht Mächte stehen im Feld, Amerika, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan und Russland. Am 6. August, einem Montagabend, fragt der Kaiser bei Generalfeldmarschall Graf Waldersee telegraphisch an, am Dienstag früh sagt dieser zu; das „Berliner Tageblatt" meldet am 8. August seine Ernennung zum Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen und berichtet am 9. August, strittig sei noch, ob er nur die deutschen oder alle Truppen führen solle. Am 14. August wird Peking durch die verbündeten Truppen entsetzt, ohne Waldersee, der noch unterwegs ist. Berlin erfährt es am 17. August: „Die Einnahme von Peking durch die alliirten Truppen ist nun nahezu zur Gewißheit geworden", meldet das „Berliner Tageblatt"; zuvor hatte ein Telegramm der Belagerten gemeldet, Reis, Mehl und Pferdefleisch reichten „höchstens noch für 14 Tage". Waldersee selbst trifft am 17. Oktober in Peking ein.
Am Sonntag, dem 16. Dezember, hält Berlin einen Festtag für die aus China zurückgekehrten Abteilungen des Kreuzergeschwaders und der Marineinfanterie, rund tausend Mann. Magistrat und Stadtverordnete wirken bei der Begrüßung mit; durch die „Via triumphalis" der Linden geht der Einmarsch, Tausende stehen hinter den Schutzmannsketten, gegen drei Uhr zieht die Truppe vorbei, trotz des kühlen, stürmischen Wetters, nachdem der Regen kurz nach ein Uhr aufgehört hat. Im Zeughaus hält der Kaiser eine Ansprache; eine volle Stunde, bis nach vier Uhr, bleiben die Truppen dort. Sein Schlusswort soll gelautet haben: „Wo ich meine blauen Jungen hinsetze, da soll sich kein Anderer weiter hinsetzen." „Gestern hatte Berlin einen improvisirten Festtag", schreibt das „Berliner Tageblatt" am 17. Dezember.
Aus heutiger Sicht
Das Boxerprotokoll vom 7. September 1901 beendete die Verwicklungen. Waldersee hatte am 23. Oktober und am 1. November Dörfer beschießen lassen, dabei starben nach heutigen Angaben rund 450 Menschen; Plünderungen und Strafexpeditionen gehören ebenfalls zur Geschichte des Feldzugs.
Die Ansprache von Bremerhaven und der Streit um ihren Wortlaut

Am 27. Juli verabschiedet Wilhelm II. in Bremerhaven Teile des Ostasiatischen Expeditionskorps unter Generalleutnant von Lessel. Nach einem Frühstück an Bord der „Hohenzollern" geht der Kaiser mit den Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert und mit Fürst Hohenlohe um 1 Uhr an Land; am Nachmittag laufen die Dampfer „Batavia", „Halle" und „Dresden" aus. Schon am 28. Juli kursieren vier Lesarten der Ansprache, von der ersten Privatmeldung über zwei Fassungen des W.T.B. bis zum Bericht der „Nordwestdeutschen Zeitung" in Bremerhaven. Die W.T.B.-Fassung, die „National-Zeitung" und „Deutsche Tageszeitung" am 28. Juli drucken, lautet: „Kommt Ihr an ihn, so wißt: Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht, führt Eure Waffen so, daß auf tausend Jahre hinaus kein Chinese mehr es wagt, einen Deutschen scheel anzusehen." Nach dem Bericht der „Nordwestdeutschen Zeitung", den „Vorwärts" und „Berliner Morgenpost" am 29. Juli bringen, sagte der Kaiser außerdem: „Wie vor 1000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, … so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch Euch in einer Weise bethätigt werden …".
Die Blätter streiten, was gesagt und was gemeint war. Das „Berliner Tageblatt" schreibt am Abend des 28. Juli: „Darum sei von vornherein daran erinnert, daß unsere deutschen Truppen nun und nimmer wie die Hunnen in China hausen werden." Die „Deutsche Tageszeitung" stellt am selben Abend fest: „Das lautet doch ganz anders als die gestrige Darstellung." Der „Vorwärts" überschreibt am 29. Juli „Der Hauptsatz der Kaiserrede von Bremerhaven" und folgert am 31. Juli, nachdem die schärfste Lesart auch über die Bremer Filiale des W.T.B. verbreitet worden ist: „So ist also auch die schärfste Lesart authentisch!" Die „Kreuzzeitung" deutet den Satz nach der „Berliner Morgenpost" als Erläuterung der chinesischen Grausamkeit. Im englischen Unterhaus fragt man, ob englische Soldaten unter deutschem Oberbefehl fechten könnten, nachdem der Kaiser „Ordre gegeben, keinen Pardon zu gewähren"; der Regierungsvertreter weiß nicht, ob die Zeitungen die Rede zutreffend wiedergeben. Auf den Wagen der Ausreisezüge nach Bremerhaven stehen Inschriften wie „Pardon wird nicht gegeben!", „Rache ist süß!" und „Auf nach China!".
Aus heutiger Sicht
In der Rückschau heißt die Ansprache „Hunnenrede". Ihr genauer Wortlaut wurde erst später aus den Mitschriften anwesender Journalisten rekonstruiert, und Bülow ließ eine entschärfte Fassung als amtlichen Text autorisieren. Im Krieg ab 1914 diente „Hunnen" der Propaganda der Gegner als Spottname für die Deutschen.
Das Jahrhundert beginnt: Fahnenweihe im Zeughaus, Streit der Gelehrten und das Bürgerliche Gesetzbuch

Das Reich begeht den Eintritt ins neue Jahrhundert in der Nacht zum 1. Januar 1900. Der Bundesrat hatte am 14. Dezember 1899 beschlossen, dass der 1. Januar 1900 amtlich als Beginn des neuen Jahrhunderts gelten solle; eine Kabinettsordre des Kaisers vom 11. Dezember betraf nur die Feiern der Schulen und der wissenschaftlichen und Kunstanstalten. Die „Kölnische Zeitung" bemerkte am 16. Dezember, man könne „zwar nicht behaupten, daß der Bundesrat eine zur Entscheidung chronologischer Streitfragen geeignete Behörde sei"; das „Berliner Tageblatt" hielt am 23. Dezember dagegen: „Zu einem Jahrhundert gehören eben hundert Jahre und nicht bloß neunundneunzig." Es verwies auf die Volkszählung, die erst für den 1. Dezember 1900 anstehe, und manche Blätter schlugen vor, den Beginn des Jahrhunderts zweimal zu feiern. Wer mit den Astronomen rechnet, feiert ihn erst am 1. Januar 1901.
In der Silvesternacht stehen in Berlin Hunderttausende auf den Straßen, an den Linden bei Kranzler und Café Bauer, auf dem Schlossplatz, wo Scheinwerfer von den Schlosszinnen das Denkmal Kaiser Wilhelms I. anstrahlen und eine Batterie der Gardeartillerie im Lustgarten Salut schießt, und am Rathaus, wo die Stadtkapelle im Erker Fanfaren bläst. Das Wetter ist mild, der Himmel voller Sterne, nur der Straßenschmutz liegt „centimeterhoch". Um 11½ Uhr abends hält der Hof in der Schlosskapelle Gottesdienst, danach folgt im Weißen Saal die Cour; auf Befehl des Kaisers spielt der „Bläserbund" mit 100 Bläsern unter Professor Julius Kosleck Choräle und Fanfaren. Zur Mitternacht ruft man sich vom Brandenburger Tor bis zum Rathaus „Prosit Neujahr!" zu; „in dem Augenblick war von dem Gedanken an die Bedeutung des abgelaufenen Jahrhunderts nicht mehr die Rede, jetzt trat die Sylvesterstimmung in ihre Rechte", schreibt das „Berliner Tageblatt" am 2. Januar.
Am Neujahrsmorgen fährt die Kaiserin um 11¾ Uhr am Zeughaus vor, der Kaiser trifft kurz vor 12 Uhr zu Fuß ein. Im Lichthof weiht der evangelische Feldpropst der Armee, D. Richter, die neuen Fahnen und Standarten, die Leibbatterie im Lustgarten feuert 33 Schuss Salut, das Trompeterkorps spielt ein Tedeum. Dann spricht der Kaiser zu den Offizieren der Garnison: „Der erste Tag des neuen Jahrhunderts sieht unsere Armee, das heißt unser Volk in Waffen …". Er schildert, wie das vergangene Jahrhundert das Heer vorgefunden habe, auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen eingeschlafen, wie die allgemeine Dienstpflicht ihm Form gegeben habe und wie Kaiser Wilhelm I. sie zur Bedeutung gebracht habe; im neuen Jahrhundert solle das Heer die alten Eigenschaften bewähren. Er gibt die Parole „Königsberg–Berlin" aus und lässt den Erlass an das Heer verlesen; danach marschieren die Truppen Unter den Linden am Palais der Kaiserin Friedrich vorbei. Der „Vorwärts" nennt die Ansprache eine „Säkularrede"; die Londoner „Times" meint nach der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", das deutsche Heer habe Deutschland nicht in dem Maße geschaffen, wie man nach der Rede des Kaisers annehmen könne.
Am selben 1. Januar tritt das Bürgerliche Gesetzbuch zusammen mit dem Handelsgesetzbuch in Kraft. „Damit erhält die Jahreswende thatsächlich eine Bedeutung, schwerwiegender als die formelle Frage, ob ein neues Jahrhundert korrekter vom 1. Januar 1901, statt vom 1. Januar 1900 zu berechnen ist", schreibt die „Bürger-Zeitung" in Düsseldorf am 3. Januar. Das „Hamburger Echo" weist am 31. Dezember darauf hin, dass das neue Recht für alle nach dem 31. Dezember 1899 geborenen unehelichen Kinder das Erbrecht am Nachlass des Vaters ausschließe; der Berliner Verlag W. Herlet lobt 3.000 Mark für eine volkstümliche Darstellung des Bürgerlichen Gesetzbuchs aus und 2.000 Mark für eine zum Handelsgesetzbuch.
Wilhelm Liebknecht stirbt, Berlin folgt dem Sarg, Ledebour gewinnt die Ersatzwahl

Am 7. August stirbt in Charlottenburg, Kantstraße 160, Wilhelm Liebknecht, Mitbegründer der Sozialdemokratie und Reichstagsabgeordneter, im Alter von 74 Jahren nach einem Schlaganfall. Am Sonntag, dem 12. August, folgen mehr als hunderttausend Menschen dem Sarg nach Friedrichsfelde: „Das Leichenbegängnis Liebknechts fand gestern unter überaus starker Theilnahme des sozialdemokratischen Theils der Bevölkerung Berlins und der Vororte statt. Die Zahl der Theilnehmer wird auf mehr als hunderttausend geschätzt", schreibt das „Berliner Tageblatt" am 13. August. Die Spitze des Zuges ist schon auf dem Kirchhof in Friedrichsfelde, das Ende steht noch auf der Gitschiner Straße; am Grab sprechen die Abgeordneten Bebel und Singer, und alles verläuft „in größter Ordnung", ohne Störungen oder Unfälle.
Im 6. Berliner Wahlkreis wird eine Ersatzwahl nötig. Sie findet am 30. Oktober statt: Georg Ledebour (Sozialdemokratie) erhält 53.896 Stimmen, Ulrich (Konservative und Antisemiten) 10.490; nur gut vier von zehn Wählern gehen hin.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Potsdam 8 (Brandenburg–Westhavelland, Reichstag), 26. Oktober — Peus (SPD) rund 10.900, von Loebell (Konservative) rund 10.300. Stichwahl; der Sitz geht von den Konservativen an die SPD.
- Württemberg, 5. Dezember — Volkspartei 26, Zentrum 20. Stichwahlen am 17. und 18. Dezember; Sozialdemokraten von 1 auf 5 Sitze, Deutsche Partei 11; dazu 23 Privilegierte.
- Sachsen-Gotha, Ende Oktober — SPD 9 von 19 Sitzen, Agrarier 6. Knapp unter der Mehrheit; im gemeinsamen Landtag mit Coburg ein Drittel der 30 Sitze.
- Lippe, 12. Dezember — SPD 4 von 21 Sitzen. Dreiklassenwahl, Stichwahlen bis zum 31. Dezember.
- Preußen (Abgeordnetenhaus), 29. Oktober — Freisinn gewinnt die drei Breslauer Mandate zurück. Nachwahl nach der Kassation wegen Wahlbestechung; keine Sozialdemokraten.
- Berlin (Stadtverordnete, 4. Bezirk), 27. November — Kuhlmann 247, Kampfmeyer 198. Stichwahl der 2. Abteilung.
Das zweite Flottengesetz: Die Schlachtflotte wird verdoppelt

Rückenwind gibt der Burenkrieg: Britische Kreuzer bringen um den Jahreswechsel die deutschen Postdampfer „Bundesrath", „General" und „Herzog" als Prisen auf. Die Schiffe werden nach dem Einspruch der Reichsregierung freigegeben und die Reedereien entschädigt, doch die Aufbringungen tragen wesentlich dazu bei, dass der Reichstag dem neuen Gesetz zustimmt. Das erste Flottengesetz vom 10. April 1898 sah zwei Geschwader zu je acht Linienschiffen vor; das zweite verdoppelt sie auf vier Geschwader zu je acht Linienschiffen, dazu zwei Flottenflaggschiffe, vier Reserveschiffe, 14 Große und 38 Kleine Kreuzer. Sechs Große Kreuzer werden gestrichen, sonst hätte der Reichstag nicht zugestimmt.
Der Preis ist politisch: Das Zentrum, so das „Berliner Tageblatt" am 20. Mai, „macht sein Votum in der Flottenfrage ganz brutal von der vorherigen Erfüllung seiner Heinze-Wünsche abhängig". In der dritten Lesung am 12. Juni wird die Flottenvorlage in namentlicher Gesamtabstimmung mit 201 gegen 103 Stimmen angenommen; danach schließt der Reichskanzler die Session. Der Kanzler habe betont, „daß das deutsche Reich keine unruhige, abenteuerliche oder aggressive Politik treibe", berichtet das „Berliner Tageblatt" am 13. Juni. Das Gesetz trägt das Datum des 14. Juni und wird am 20. Juni verkündet; Staatssekretär Tirpitz leitet das Reichsmarineamt.
Aus heutiger Sicht
In den folgenden Jahren entwickelte sich ein Wettrüsten mit Großbritannien; 1906 erschien die „Dreadnought", und weitere Flottennovellen folgten.
Lex Heinze: Obstruktion im Reichstag, Streit um die Kunst, ein Kompromiss ohne Kunst- und Theaterparagraphen

Das „Gesetz betreffend Änderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuchs", im Volksmund Lex Heinze nach einem Berliner Zuhälterprozess von 1887, geht auf einen Entwurf von 1892 zurück. Es verschärft die Sittlichkeitsparagraphen und stellt die Zuhälterei unter Strafe; umstritten sind der „Kunst- und Schaufensterparagraph" (§ 184a) und der „Theaterparagraph" (§ 184b), die die Linke als Zensur bekämpft. Aus der Künstlerschaft kommt der Protest: Im März entsteht der „Goethebund zum Schutz freier Kunst und Wissenschaft" mit Paul Heyse als Ehrenpräsident, und der „Simplicissimus" bringt am 27. Februar die Karikatur von Ferdinand von Reznicek, ein Schwein vor der Venus von Milo. Die Sozialdemokraten und der Freisinn halten die dritte Lesung wochenlang durch Obstruktion auf.
Am Dienstag, dem 22. Mai, in der 200. Sitzung der Legislaturperiode, kommt der Friede: Reichstagspräsident Graf Ballestrem beruft den Seniorenkonvent, die dritte Lesung wird abgesetzt, und ein Initiativantrag Hompesch ohne die Paragraphen 184a und 184b wird noch am selben Tag in drei Lesungen angenommen; das ganze dauert nur wenig über eine halbe Stunde. Dagegen stimmen die Sozialdemokraten, die süddeutsche Volkspartei und kleine Teile der beiden freisinnigen Parteien; eine namentliche Abstimmung wird nicht beantragt. Das Schutzalter für Bilder wird von 18 auf 16 Jahre gesenkt. „Die heutige 200. Sitzung des Reichstags brachte den Friedensschluß nach heißen Kämpfen", schreibt die „National-Zeitung" am 22. Mai; der „Vorwärts" ruft am 23. Mai: „So endigte die lex Heinze — geboren im Zuchthaus und erstickt an dem freien Zorngelächter der gebildeten Menschheit!" Das Gesetz trägt das Datum des 25. Juni und wird am 30. Juni verkündet.
Graf Bülow wird Reichskanzler, Fürst Hohenlohe geht

Am 17. Oktober gewährt der Kaiser dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst die nachgesuchte Entlassung und verleiht ihm den Hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Brillanten; zum Nachfolger ernennt er den bisherigen Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Grafen von Bülow, zum Reichskanzler, Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswärtigen Angelegenheiten. Der „Reichsanzeiger" meldet es in einer Extraausgabe. Bülow, seit 1897 Staatssekretär und seit 1899 Graf, übernimmt wie sein Vorgänger das dreifache Amt, im „Berliner Tageblatt" „eine dreifache Arbeitslast".
Das linksliberale Blatt urteilt am Abend des 18. Oktober unter der Überschrift „Der neue Kanzler" zurückhaltend: „Aber Graf Bülow wird es sich nicht verhehlen, daß alle diese erfreulichen Eigenschaften nicht ausreichen, um das Amt würdig auszufüllen, das für die Riesengestalt eines Bismarck eingerichtet worden war." Und weiter: „In den letzten Zeiten galt allerdings die Reichskanzlei in weiten Kreisen als eine Art fünftes Rad am Staatswagen."
Das Zeppelinsche Luftschiff steigt über dem Bodensee auf

Graf Zeppelins Luftschiff, 128 Meter lang und 11,65 Meter dick, mit einem Aluminiumgerippe und einer Bespannung, ist ein Jahr lang in einer schwimmenden Halle bei Manzell in der Bucht von Friedrichshafen montiert worden. Der erste Aufstieg ist für Sonnabend, den 30. Juni, 5 Uhr nachmittags, angekündigt, unterbleibt aber; die Meldungen über den Grund gehen auseinander. Schon am Sonnabend sind nach der Presse weit über 10.000 Zuschauer da, bis zu zwölf Sonderdampfer aus allen Uferstaaten des Bodensees bringen Gäste, unter ihnen den Fürsten und den Grafen von Urach und Kriegsminister Schott von Schottenstein. Der Bottwartal-Bote schreibt am 4. Juli, der Aufschub habe „die Erwartungen der Menschheit nach Lösung eines großartigen Problems in unsichere Ferne gerückt". Am Sonntag wird wieder verschoben.
Am Montag, dem 2. Juli, gegen 8 Uhr abends, steigt das Zeppelinsche Luftschiff auf und geht nach kurzer Fahrt bei Immenstaad auf den See nieder. Bei den Wendungen machte es nach der „Kölnischen Zeitung" vom 4. Juli „einen gewissen" Eindruck der Lenkbarkeit: „Schon hörte man allgemeine Ausbrüche des freudigsten Staunens." Die Fachwelt streitet, was der Versuch wert ist.
Aus heutiger Sicht
Das Fahrzeug trägt in der Literatur die Bezeichnung LZ 1, und der 2. Juli 1900 gilt als Beginn der Zeppelin-Luftschifffahrt.
Weltausstellung Paris: „Bilanz eines Jahrhunderts", das Deutsche Haus und ein Dieselmotor mit Erdnussöl

Am 14. April wird die Pariser Weltausstellung offiziell eröffnet, für die Besucher ist sie vom 15. April bis zum 12. November geöffnet; über 48 Millionen Menschen kommen, ihr Leitwort heißt „Bilanz eines Jahrhunderts". Zu den Anziehungspunkten zählen die Großprojektionen der Brüder Lumière, die „Rue de l'avenir", ein hölzerner Fahrsteig für 50 Centimes, ein Riesenrad von fast hundert Metern Höhe, die am 19. Juli eröffnete erste Linie der Pariser Stadtbahn und die neuen Bauten des Petit Palais und des Grand Palais. Das Deutsche Haus an der Rue des Nations entwarf der Architekt Johannes Radke.
Eine Kuriosität mit deutscher Beteiligung: Auf der Ausstellung wird ein Dieselmotor vorgeführt, der auf Wunsch der französischen Regierung mit Erdnussöl läuft; sein Erfinder ist Rudolf Diesel. Daneben laufen von Mai bis Oktober im Rahmen der Ausstellung sportliche Wettkämpfe.
Der Schnelldampfer „Deutschland": Stapellauf mit dem Kaiser, Jungfernfahrt nach New York

Am 10. Januar läuft bei der AG Vulcan in Bredow bei Stettin in Anwesenheit des Kaisers der Schnelldampfer „Deutschland" der Hamburg-Amerika-Linie vom Stapel; die Taufrede hält der Staatssekretär des Auswärtigen, Graf Bülow. Mit 16.502 Registertonnen ist er das größte, stärkste und schnellste Schiff des Reiches, 208,5 Meter lang und 20,42 Meter breit, wie der „Schwäbische Merkur" am 7. Juli meldet. Den Speisesaal mit seinem kuppelartigen Überbau entwarf der Hamburger Architekt Georg Thielen. Am Abend des 4. Juli gibt die Reederei ein Einweihungsfest mit rund 370 Gästen; Generaldirektor Ballin begrüßt sie, und General von Massow bringt das Hoch auf den Kaiser aus, der wie der Dampfer „sicher seinen Weg übers Meer" antrete.
Am 5. Juli stellt die Hamburg-Amerika-Linie nach dem „Hamburgischen Correspondenten" ihr „neuestes, größtes und schnellstes Schiff … in den regelmäßigen Schnelldampferdienst Hamburg–New York" ein. Am Donnerstag, dem 12. Juli, vormittags, liegt es in New York. Der Durchschnitt beträgt 22,42 Knoten bei vertraglich 22; nach den Berliner Blättern ist es die schnellste Fahrt, die je nach New York ausgeführt wurde, mehr als einen Knoten schneller als der „Kaiser Wilhelm der Große". Nebel und kleine Maschinenstörungen verursachten Aufenthalte.
Präsident Krüger in Europa: Paris jubelt, Köln jubelt, Berlin empfängt ihn nicht

Die Briten besetzen am 13. März Bloemfontein, am 31. Mai Johannesburg und am 5. Juni Pretoria, sie erklären den Oranje-Freistaat am 28. Mai zur Kolonie und teilen am 1. September die Annexion Transvaals mit. Im September gilt der Krieg dem britischen Oberkommando unter Feldmarschall Roberts als „der Hauptsache nach" beendet, doch er geht weiter. Präsident Krüger verlässt Afrika an Bord des niederländischen Kreuzers „Gelderland" und trifft am 22. November in Marseille ein, wo Senatoren und Deputierte ihn feierlich empfangen; in Paris empfängt ihn am 24. November Präsident Loubet.
Der Zug mit dem Salonwagen des Präsidenten läuft am Sonnabend, dem 1. Dezember, gegen 11½ Uhr abends in den Kölner Hauptbahnhof ein, wo ihm eine vieltausendköpfige Menge einen überaus warmen Empfang bereitet. In Berlin dagegen herrscht, wie der „Vorwärts" am 2. Dezember schreibt, „ein kühles, reserviertes Schweigen" der offiziösen Organe; auch das jetzt so eng mit England liierte Deutschland werde es natürlich ablehnen, eine aussichtslose Mittlerrolle zu spielen. Am Sonntag, dem 2. Dezember, teilt der kaiserliche Gesandte von Tschirschky und Bögendorff, aus Luxemburg eingetroffen, Krüger mit, dass der Kaiser „zu seinem Bedauern nach seinen bereits getroffenen Dispositionen jetzt nicht in der Lage sei, ihn zu empfangen". Die „National-Zeitung" nennt den Hinweis auf die „Dispositionen" „nur eine höfliche Form für die Ablehnung des Empfangs", der „Vorwärts" überschreibt am 4. Dezember „Er kommt nicht!". Krüger verzichtet auf den Besuch in Berlin; am Montagabend huldigen ihm Tausende vor dem Domhotel, die verbotene Serenade findet nicht statt. Am 6. Dezember reist er nach dem Haag ab.
Friedrich Nietzsche stirbt in Weimar

Der Philosoph Friedrich Nietzsche, geboren am 15. Oktober 1844 in Röcken, stirbt am 25. August vormittags um 11 Uhr in Weimar, 55 Jahre alt, nach einem Schlaganfall, wie das W.T.B. aus Weimar meldet. Er starb nach langer geistiger Umnachtung. Die Beerdigung findet in Röcken statt, seinem Geburtsort.
Das „Berliner Tageblatt" widmet ihm am 26. August einen Nachruf: „Der große Kämpfer gegen seine Zeit ist zur Ruhe gekommen. Nachdem die Schwingen des Geistes längst gebrochen, die er zu so gewaltigem Fluge sonnenwärts gehoben …".
Volkszählung vom 1. Dezember: Berlin zählt vorläufig 1.884.345 Einwohner, die Vororte wachsen schneller

Am 1. Dezember wird im Reich gezählt. Für die Stadt Berlin wird am Freitag, dem 7. Dezember, das vorläufige Ergebnis bekannt: 1.884.345 Einwohner, 115.655 fehlen zur zweiten Million. „Wächst der Riese noch?", fragt das „Berliner Tageblatt" am 10. Dezember und antwortet selbst: „Ein Mehr von 207,000 in den letzten Jahren — das ist die beste Antwort." Berlin hat gegenüber der Zählung von 1895 rund 207.000 Einwohner gewonnen; im Reich werden gegenwärtig 56½ Millionen geschätzt, und die Städte über 100.000 Einwohner fassen zusammen 9,05 Millionen, 16 Prozent der Bevölkerung. München steht an dritter, Leipzig an vierter Stelle; Breslau, zwanzig Jahre lang Dritter, ist schon seit der vorigen Zählung auf den fünften Platz gerückt.
Schneller als die Hauptstadt wachsen ihre Nachbarn. Berlin samt den Vororten zählt nach vorläufigen Angaben rund 2,47 Millionen Einwohner gegenüber rund 2,08 Millionen 1895. Die selbständige Stadt Charlottenburg kommt auf 189.300, 43 Prozent mehr als 1895, nach 19.518 im Jahre 1871, Schöneberg auf 95.939 (62.695) und Rixdorf auf 90.514 (59.937). Dazu kommen die Gemeinden Lichtenberg mit 42.770, Weißensee mit 32.883, Deutsch-Wilmersdorf mit 30.982 und Pankow mit 21.504 (11.932) Einwohnern. Die größte Zunahme in Prozenten hat die Kolonie Grunewald mit 3.230 gegen 1.064, ein Plus von 203 Prozent.
Kaiser Franz Joseph in Berlin zur Mündigkeitsfeier des Kronprinzen

Kaiser und König Franz Joseph I. reist am Donnerstag, dem 3. Mai, um 6.40 Uhr abends mit einem Sonderzug der Nordbahn von Wien ab, begleitet vom Außenminister Grafen Goluchowski und dem Generalstabschef Freiherrn von Beck. Am Freitag, dem 4. Mai, zieht er in Berlin ein, über den Potsdamer Bahnhof, die Bellevuestraße und die Siegesallee, durch die Linden zum Schloss; schon um 7 Uhr früh stehen die Straßen dicht gefüllt. Anlass ist die Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen Wilhelm, der am Sonntag, dem 6. Mai, 18 Jahre alt wird; zahlreiche fürstliche Gäste sind gekommen, darunter der Prinz von Neapel, der italienische Thronfolger, und Prinz Albert von Belgien, dessen Zug am Potsdamer Bahnhof 50 Minuten Verspätung hat.
Gegenüber dem Brandenburger Tor ist zu Ehren des Einzugs ein prunkvolles Forum mit einer gewaltigen Pforte errichtet; die Berliner üben an dem Bau, wie das „Berliner Tageblatt" am 6. Mai schreibt, ihre Kritik ungehemmt. Der „Hofballmusikdirektor" Kaiser Franz Josephs, Eduard Strauß, gibt mit seiner Kapelle ein erstes Konzert in der Brauerei Friedrichshain. Das Blatt nennt den Monarchen unter den fürstlichen Gästen „obenan" und als Freund des Kaiserhauses und des Landes.
Konitz: Der Tod eines Gymnasiasten, die Hetze der Antisemiten und Militär in der Stadt
Am Sonntag, dem 11. März, verschwindet in Konitz in Westpreußen ein 18-jähriger Gymnasiast, E. W.; zwei Tage später findet sein Vater die Leiche auf einem noch gefrorenen See. Die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" und andere Blätter schüren den Verdacht eines „jüdischen Ritualmords", für den, wie die „National-Zeitung" schreibt, „auch nicht der leiseste thatsächliche Anhalt" vorliegt; der Verdacht fällt zugleich auf einen christlichen Fleischermeister und auf eine jüdische Schächterfamilie. Der preußische Innenminister erhöht die Belohnung für die Ergreifung des Täters auf 20.000 Mark.
Am Sonntag, dem 10. Juni, schlägt die Hetze in Gewalt um: Eine Menge, großenteils vom Lande hereingekommen, demoliert die Synagoge, ein Kriminalkommissar wird tätlich angegriffen; abends rückt eine Kompagnie aus Graudenz ein und säubert die Straßen, am nächsten Morgen folgt ein ganzes Bataillon. Die Kosten sollen dem Vernehmen nach die Stadtgemeinde tragen. „In den verschiedensten Blättern wird angegeben, daß die täglichen Kosten sich auf 3300 Mark belaufen", schreibt das „Berliner Tageblatt" am 14. Juni, bei einem Monat Einsatz „nahezu 100,000 Mark".
Aus heutiger Sicht
Die Tat wurde nie aufgeklärt. Das Medizinalkollegium Danzig und die Gutachter Virchow und Bergmann stellten Tod durch Erstickung fest; Meineidsprozesse gegen Zeugen liefen schon seit dem Herbst 1900, und im Februar 1901 befassten sich Reichstag und Abgeordnetenhaus mit dem Fall. Der Ritualmord-Vorwurf gilt heute als Teil einer antisemitischen Hetzkampagne, die in Konitz und Umgebung zu monatelangen Ausschreitungen gegen Juden führte.
Das Ende der Berliner Privatpost: Die Packetfahrt-Gesellschaft stellt die Briefbeförderung ein

Zum 1. April wird die Beförderung von Briefen am Ort Monopol der Reichspost; private Beförderung ist verboten. Damit endet die Briefbeförderung der „Berliner Packetfahrt-Aktien-Gesellschaft", die 1884 begründet wurde und ein Jahr später den Briefbetrieb aufnahm. Ihr erster Auftrag im erweiterten Bestellungsbetrieb war der Jahresbericht der Ältesten der Berliner Kaufmannschaft; das Personal wuchs von 25 auf „die jetzige Höhe von 1000". Die Privatpost nahm 3 Pfennig für den Brief und 2 Pfennig für die Karte, die Reichspost im Ortsverkehr bisher 10 und 5; vom 1. April an verlangt sie am Ort 5 Pfennig für den Brief und 2 für die Karte.
Das „Berliner Tageblatt" blickt am 31. März zurück: Die Reichspost, der „blaue Moloch", habe ihre Alleinherrschaft „weidlich zur Erleichterung unseres Portemonnaies ausgenutzt"; „der rothe Konkurrent war billiger und gerechter; für Reich, Mittelstand und Arm hatte er gleiche Preise, und so wurde er für Viele zur Sparbüchse".
Wer Strom stiehlt, kommt ins Gefängnis: das Gesetz gegen die Entziehung elektrischer Arbeit

Das „Gesetz, betreffend die Bestrafung der Entziehung elektrischer Arbeit" trägt das Datum des 9. April und wird am 23. April im „Reichsanzeiger" bekannt gemacht; der Entwurf war am 14. Dezember 1899 dem Bundesrat zugegangen. Nach § 1 wird bestraft, wer fremde elektrische Arbeit „mittels eines Leiters entzieht, der zur ordnungsmäßigen Entnahme … nicht bestimmt ist", wenn er sie sich rechtswidrig aneignen will, mit Gefängnis und Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit einer dieser Strafen; auch der Verlust der Ehrenrechte ist möglich, und schon der Versuch ist strafbar. § 2 trifft den, der einen anderen schädigen will, mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark oder Gefängnis bis zu zwei Jahren, jedoch nur auf Antrag.
Am 24. April eröffnet Reichstagspräsident Graf Ballestrem die erste Sitzung nach der vierwöchigen Osterpause mit den Worten: „Nach beendeter Osterpause erlaube ich mir, die Herren Kollegen, die hier anwesend sind (große Heiterkeit), auf das herzlichste zu begrüßen."
Untergang des Schulschiffs „Gneisenau" vor Málaga

Das Segelschulschiff „Gneisenau" unter Kapitän zur See Kretschmann liegt seit dem 13. November in Málaga, verlässt am 10. Dezember den Hafen zu Schießübungen und macht danach vor der Mole fest. Am Sonntag, dem 16. Dezember, gegen 10½ bis 11 Uhr bricht ein Sturm los, das Schiff wird gegen die Mole gedrückt und geht verloren. Die Berliner Blätter melden es am Montag, dem 17. Dezember, in derselben Ausgabe, die vom Einzug der Chinakrieger berichtet. Die Zahl der Toten wandelt sich von Tag zu Tag. „Man rechnet, daß 100 Mann ertrunken sind", telegraphiert der Präfekt von Málaga; der deutsche Konsul befürchtet „zahlreiche Unfälle, darunter Kommandant Kretschmann". Am 19. Dezember spricht die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" von 36 Toten, die „National-Zeitung" von 38; nach einer Nachmeldung des Kapitänleutnants Werner sind es ab dem 20. Dezember 41. Am 30. Dezember schreibt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" von „… 41 braven Seeleuten, darunter dem Kommandanten, dem 1. Offizier und dem leitenden Ingenieur ein nasses Grab bereitete".
AM RANDE NOTIERT
- 1. März — In Apia hisst Gouverneur Solf die Reichsflagge auf Samoa; er verliest dabei den Erlass des Kaisers vom 17. Februar, nachdem die Mächte die Inseln durch das Samoa-Abkommen geteilt haben.
- 4. April — Auf dem Brüsseler Nordbahnhof schießt ein 16-jähriger Klempner aus Protest gegen den Burenkrieg auf den Prinzen von Wales, Albert Eduard; er wird am 5. Juli wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen.
- 20. Juni — Auf der elektrischen Hochbahn zwischen Kottbusser Tor und Alexandrinenstraße findet abends die erste Probefahrt mit einem Transportwagen von Siemens & Halske statt, ohne jede Störung, nur ein neugieriger Arbeiter in der Gitschiner Straße bricht sich beim Hinlaufen den Fuß.
- 30. Juni — Im Hafen von Hoboken bei New York verbrennen drei Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, „Saale", „Bremen" und „Main", mit den hölzernen Piers; nach den letzten Meldungen kommen gegen 200 Menschen ums Leben, der „Kaiser Wilhelm der Große" wird von Schleppern aus dem Feuer gezogen.
- 10. Juli — Ein Hochstapler im Leutnantsrock, angeblich „Leutnant v. W.", prellt in Potsdam einen Hofjuwelier um Uhr, Panzerkette und Ring, bezahlt die Droschke erster Klasse mit einem Taler und taucht in der Wohnung eines beurlaubten Garde-Leutnants unter.
- 29. Juli — In Monza wird König Umberto I. von Italien nach einer Preisverteilung in seinem geschlossenen Wagen durch vier Revolverschüsse getötet; als Täter gilt ein Anarchist, der Kaiser kondoliert.
- Ende Juli — Eine „Modistin" in der Rumfordstraße entpuppt sich als Wahrsagerin: Kartenschlagen und „Hellsehen" für 5 bis 10 Mark, ein Hausaltar mit ewigem Licht, frei im Zimmer flatternde Tauben, und die Kundschaft fährt im Wagen vor.
- 2. August — In Paris misslingt ein Attentat auf den Schah von Persien, Mozaffar ed-Din.
- 8. September — Ein Sturm und eine Sturmflut zerstören Galveston in Texas; die Zahl der Toten sei „auf 10,000 zu schätzen", meldet das „Berliner Tageblatt" am 12. September, allein vom Militär seien 120 Mann umgekommen.
- 16. November — In Breslau wirft eine geistesgestörte Frau, S., ein kurzes Handbeil nach dem Wagen des Kaisers; es fällt hinter dem Wagen zu Boden, niemand wird verletzt, und ein Breslauer Kaufmann hatte den Wagen zufällig gerade photographiert, was nach dem „Vorwärts" bei einem Attentat noch nicht vorgekommen sei.
WIRTSCHAFT · 1900
Das Jahr bringt den Umschlag der Konjunktur. Nach den Diskonterhöhungen von 4 auf 7 Prozent, mit denen die Reichsbank 1899 vom Juni an der Überspannung des Kredits begegnen musste, zeigt die „Hochkonjunktur der Industrie" nach der „National-Zeitung" „eine tiefe Senkung". Die Reichsbank ändert ihren Satz nur dreimal: Am 12. Januar sinkt der Diskont von 7 auf 6 Prozent, am 27. Januar auf 5½ und am 13. Juli auf 5 Prozent; danach drängt sie sich, wie die „National-Zeitung" am 31. Dezember bemerkt, „nicht zu weiteren Diskontermäßigungen". Das Rechnungsjahr 1899 schloss laut „Reichsanzeiger" mit rund 76 Millionen Mark Mehreinnahmen gegen den Voranschlag ab, davon brachten Zölle und Tabaksteuer 19,4 Millionen, die Branntweinverbrauchsabgabe 7,3 Millionen und die Stempelabgabe 4,2 Millionen mehr. Der Eisenverbrauch stieg 1899 auf 6.934.000 Tonnen, je Kopf 128,4 Kilogramm gegen 71,9 im Jahre 1895.
Das Jahresende überschatten die Spielhagen-Banken. Am 20. Oktober fällt der Kurs der Pfandbriefe der Deutschen Grundschuldbank um 10 Prozent; in einem Schreiben vom 1. Dezember teilt der Polizeipräsident der Direktion mit, von 663 geprüften Grundstücken, die mit gut 98 Millionen Mark beliehen seien, habe die Revisionskommission nur rund 53,6 Millionen als Deckung anerkannt. Am 20. Dezember werden die Direktoren der Deutschen Grundschuldbank und der Preußischen Hypotheken-Aktienbank verhaftet, dem Vernehmen nach wegen falscher Vermögensübersichten; nach den Revisionsberichten sind etwa 52 Millionen Mark festgelegt. Das „Berliner Tageblatt" nennt die Geschäftsgebarung am 20. Dezember „unsolide, ja … verbrecherisch" und schreibt, die über den Pfandbriefmarkt hereingebrochene Krise datiere von den Enthüllungen, die über die Lage und mehr noch über die Praxis dieser Banken gemacht worden seien. Die „National-Zeitung" nennt in ihrem Rückblick „im November und in höherem Grade im Dezember die Katastrophe mit den Spielhagen-Banken" als Grund für die Enge des Börsengeschäfts. Viele Kleinbürger, besonders in Potsdam, wo die beiden leitenden Direktoren wohnten, haben Verluste erlitten.
Der Preisspiegel:
- Roggenbrot (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 0,24 Mark
- Weizenbrot (Schrippen, 1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 0,42 Mark
- Weizenmehl (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 0,35 Mark
- Butter (1 kg, Berlin, Marktpreis, Jahresmittel) — 2,33 Mark
- Rindfleisch (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 1,26 Mark
- Schweinefleisch (1 kg, Berlin, Jahresmittel) — 1,34 Mark
- Kartoffeln (100 kg, Berlin, Jahresmittel) — 4,94 Mark
STIMMEN DER PRESSE · 1900
Die Ansprache des Kaisers in Bremerhaven beschäftigt Ende Juli die Blätter aller Richtungen. Zuerst das linksliberale „Berliner Tageblatt" am Abend des 28. Juli:
„Darum sei von vornherein daran erinnert, daß unsere deutschen Truppen nun und nimmer wie die Hunnen in China hausen werden." — Berliner Tageblatt, Abendausgabe, 28. Juli 1900
Dann die nationalliberale „National-Zeitung" am selben Tag:
„Wohl, unsere Soldaten in China haben es mit einem übermäßig grausamen, verrätherischen und verschlagenen Feinde zu thun. Das entbindet uns aber natürlich nicht von der Pflicht, die nicht nur die Pflicht des Kulturmenschen, sondern auch die des Christen ist, Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten." — National-Zeitung, 28. Juli 1900
Zuletzt der „Vorwärts", das Zentralorgan der Sozialdemokratie, drei Tage später:
„So ist also auch die schärfste Lesart authentisch!" — Vorwärts, 31. Juli 1900
SPORT · 1900
Am Sonntag, dem 28. Januar, wird in Leipzig, in der Gaststätte „Zum Mariengarten" in der Büttnerstraße, der Deutsche Fußball-Bund gegründet. „Der erste deutsche Fußballtag, der im Anschluß an die Wahlversammlung der Deutschen Sportbehörde zu Leipzig stattfand, beschloß mit 64:22 die Gründung eines Allgemeinen Deutschen Fußball-Bundes. Gegen diesen Antrag waren in erster Linie die Stimmen der Berliner Vereine", meldet die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" am 31. Januar. Das „Leipziger Tageblatt" zählt am 29. Januar die Vertretung von 85 Vereinen auf und nennt eine Kommission für gemeinsame Regeln, die Verdeutschung der englischen Kunstausdrücke und eine Schiedsrichterordnung; der nächste Fußballtag soll im Juni stattfinden. Erster Präsident des Bundes wird Ferdinand Hueppe vom Deutschen Fußball-Club Prag. Am selben Wochenende tagt in Leipzig die dritte Wahlversammlung der Deutschen Sportbehörde für Athletik, mit 76 vertretenen Vereinen, davon 21 aus Berlin.
In Berlin streitet man im Februar um die Radrennbahn im Sportpark Friedenau, die statt 500 nur etwa 490 Meter messen soll; die Direktion lehnt die Nachmessung durch eine Kommission ab, die der Pariser „Vélo" anregt. Vom 30. August bis 2. September läuft die erste große deutsche Etappenfahrt für Motorwagen von Berlin über Magdeburg, Hannover und Münster nach Aachen, mit 34 Fahrzeugen am Berliner Start. In Paris finden vom 14. Mai bis 28. Oktober im Rahmen der Weltausstellung Wettkämpfe statt; einen Marathon-Fußwettlauf bei Paris gewinnt der Engländer Len Hurst die 40 Kilometer in 2 Stunden 26 Minuten und 47⅘ Sekunden, wie das „Berliner Tageblatt" am 12. Juli meldet.
MODE · 1900
Der „Modebericht" der „Berliner Morgenpost" zu Ostern, am 15. April, schildert, was ein großes Hutmagazin zeigt: manilaartige Geflechte und als Neuheit Rosshaargewebe, vorherrschend „große Rembrandts", flachrandige Hüte mit höheren Köpfen als bisher, daneben große, vorn aufgeschlagene Toques. An englischen Originalhüten ersetzen die seitwärts aufgeschlagenen „Burenhüte" die Matrosenform, dazu kommen breitkrempige Amazonen-Hüte; als Farben gelten matte Pastelltöne in Blau, Rosa und Lila. Unter den Kundinnen ist die Schauspielerin Agnes Sorma. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" nennt am 12. Mai silberne Trinkbecher als Neuheit der Pretiosen-Mode, und auf der Pariser Weltausstellung sieht man erstmals in größerem Umfang Pelze mit dem Haar nach außen als Jacken und Pelzmäntel.
KULTUR · 1900
Am 17. Februar wird im Königlichen Opernhaus Eugen d'Alberts Oper „Kain" uraufgeführt, nach dem Text von Heinrich Bulthaupt. Am 9. Mai eröffnet Max Liebermann die zweite Kunstausstellung der Secession; nach dem „Berliner Tageblatt" vom 5. Mai sind die Werke der französischen Abteilung, unter anderen von Pissarro, eingetroffen. Das Residenz-Theater zeigt am Sonntag, dem 13. Mai, in einer Strindberg-Matinee die drei bisher unaufgeführten Einakter „Paria", „Mutterliebe" und „Soll und Haben", und ab 9. Mai gastiert das Wiener Deutsche Volkstheater. Am 15. September wird in Hamburg das Deutsche Schauspielhaus unter Direktor Alfred von Berger feierlich eröffnet. Am 21. Dezember bringt das Deutsche Theater Gerhart Hauptmanns „Michael Kramer" zur Uraufführung; das „Berliner Tageblatt" lobt am 22. Dezember Hauptmanns Beobachtungsgabe. Am 19. Oktober legte Max Planck der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Berlin eine neue Strahlungsformel vor, am 14. Dezember sprach er dort „Zur Theorie des Gesetzes der Energieverteilung im Normalspectrum".
KINO & FUNK · 1900
Der Kinematograph hat in Berlin längst seinen Platz. Der Kosmograph von Oskar Messter im Apollo-Theater zeigt den Einzug der Chinakrieger vom 16. Dezember, der gegen 3 Uhr nachmittags stattfand, schon am selben Abend „in mehreren trefflich gelungenen Aufnahmen"; „die Erfindung der lebenden Photographie feiert von Neuem Triumphe", schreibt das „Berliner Tageblatt" am 20. Dezember. Bei einem Kinderfest in der Barbarossastraße wird im Juni ein Kinematograph als Attraktion gewonnen, in London plant das „Biograph- und Mutoskopsyndikat" ein Atelier für „lebende Photographien" von Privatleuten.
Von der Telegraphie ohne Draht handelt am 2. Februar Marconi in London: Er spricht über seine Erfahrungen im Südafrikanischen Krieg und versetzt Deutschland, wie das „Berliner Tageblatt" am 5. Februar schreibt, „einige boshafte Seitenhiebe". Die deutsche Marine erprobt die Lichtferntelegraphie vom Kreuzer „Greif" mit Hilfe eines Fesselballons; ob das System Marconi auf den deutschen Schiffen in China verwendet wird, ist unbekannt, bei den Manövern an der vorpommerschen Küste soll es zum Einsatz kommen. Am 15. Mai eröffnet der Norddeutsche Lloyd auf der Insel Borkum und auf dem Borkum-Feuerschiff Stationen für drahtlose Telegraphie nach Marconis System, und seit dem 1. September besteht ein unmittelbarer Seekabelverkehr zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten über Borkum, Fayal und New York.
GESTORBEN · 1900
- Gottlieb Daimler (65), Ingenieur und Industrieller (Motor, Automobil) — 6. März, Cannstatt bei Stuttgart.
- Alfred (55), regierender Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, zugleich Herzog von Edinburgh — 30. Juli, Schloss Rosenau bei Coburg.
- Friedrich Max Müller (76), Sprachforscher — 28. Oktober, Oxford.
- Arthur Sullivan (58), englischer Komponist — 22. November, London.
- Oscar Wilde (46), irischer Schriftsteller — 30. November, Paris.
- Wilhelm Leibl (56), Maler — 4. Dezember, Würzburg.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1900
- Málaga nimmt die Überlebenden der „Gneisenau" auf (16./17. Dezember, Málaga). Behörden und Einwohner stellen Quartier für 120 Verletzte bereit, im Hospital sind mehr als 100 Betten frei, und über 100 Personen kommen in Privatwohnungen unter; die Theatervorstellungen der Stadt werden abgesagt.
- Berlin spricht mit Paris (6./7. August, Berlin). Die Fernsprechlinie Berlin–Paris wird eröffnet. „Aus Paris wurden wir heute von unserem dortigen Korrespondenten auf der soeben eröffneten Fernsprechlinie gegrüßt. Die Verständigung ist noch nicht völlig tadellos", meldet das „Berliner Tageblatt" am 7. August.
- Die Unterpflasterbahn wird gebaut (Anfang August, Berlin). Der Bau der Strecke vom Nollendorfplatz zum Zoologischen Garten soll nach dem „Berliner Tageblatt" vom 8. August im Lauf der nächsten Woche am Wittenbergplatz beginnen.
- Berliner Geld für Indien (3. Mai, Berlin). Berliner Bank- und Industrieherren bringen unter dem Vorsitz des Reichsbankpräsidenten Koch mit Genehmigung des Kaisers über eine halbe Million Mark für die Hungernden in Britisch-Indien auf; am 3. Mai meldet der Kaiser die Summe telegraphisch dem Vizekönig.
DAS WETTER · 1900 in Berlin
Am 13. Juli erreichte das Thermometer in Berlin ein Tagesmaximum von 28,9 °C, das Minimum lag bei 14,3 °C; das Mittel aus beiden Werten ergibt rund 21,6 °C (ein amtliches Tagesmittel liegt für diesen Tag nicht vor). Es blieb trocken (0,0 mm).
Das Jahr über: Der heißeste Tag des Jahres war der 21. Juli mit 34,9 °C, der kälteste (Tagesminimum) der 15. Januar mit −11,7 °C. Nach der Berliner Messreihe zählte das Jahr 69 Frosttage und 17 Eistage, dazu 37 Sommertage mit mindestens 25 °C, davon 8 heiße Tage von mindestens 30 °C. Der Jahresniederschlag summierte sich auf 520 mm.
(Tageswerte der Messreihe Berlin-Dahlem. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1900
Amtliche Verkaufscharts gibt es im Deutschen Reich noch nicht; die Liste stützt sich auf Operetten und Berliner Revuen, die 1900 aufgeführt wurden. „Erfolg" heißt hier Bühnenerfolg in Berlin und Wien. Von zwanzig vorgesehenen Plätzen ließen sich 10 Titel belegen, die bis einschließlich 1900 entstanden und für die auch eine Aufführung im Jahr 1900 nachweisbar ist. Eine Rangfolge ist damit nicht verbunden.
- Die Geisha (Operette, Repertoire) — Text: Owen Hall, Gesangstexte: Harry Greenbank, Musik: Sidney Jones (Zusatznummern: Lionel Monckton und James Philp); Uraufführung 25. April 1896, Daly's Theatre London; Central-Theater Berlin, „Zum 524. Male" (Berliner Morgenpost, 1. November 1900)
- Eine tolle Nacht (Berliner Ausstattungsposse in 5 Bildern) — Text: Julius Freund und W. Mannstädt, Musik: Julius Einödshofer; Uraufführung 1. Dezember 1900, Metropol-Theater Berlin (Berliner Morgenpost, 6. Dezember 1900; National-Zeitung, 2., 5. und 6. Dezember 1900)
- Im Reiche des Indra (Operette) — Text: Leopold Ely und Heinrich Bolten-Baeckers, Musik: Paul Lincke; Uraufführung 18. Dezember 1899, Apollo-Theater Berlin; 100. Aufführung im Apollo-Theater als Festvorstellung (Berliner Morgenpost, 28. März 1900)
- Fräulein Loreley (Burleske Ausstattungs-Operette in 3 Akten, 6 Bildern) — Text: Bolten-Bäckers, Musik: Paul Lincke; Uraufführung 15. Oktober 1900, Apollo-Theater Berlin (Berliner Morgenpost, 16. Oktober 1900: Kritik „gestern Abend" und „Zum 2. Male")
- Der griechische Sklave (Operette) — Text: Owen Hall, Gesangstexte: Harry Greenbank und Adrian Ross, Musik: Sidney Jones (Zusatznummern: Lionel Monckton); Uraufführung 8. Juni 1898, Daly's Theatre London; Central-Theater Berlin, „Heute und täglich" (Staatsbürger-Zeitung und Berliner Morgenpost, 22. September 1900)
- Die Fledermaus (Operette, Repertoire) — Text: Karl Haffner und Richard Genée, Musik: Johann Strauss (Sohn); Uraufführung 5. April 1874, Theater an der Wien; Kroll Berlin, mehrfach im Spielplan (Berliner Morgenpost, 9. September 1900), Sommerrepertoire (Berliner Neueste Nachrichten, 11. Juni 1900)
- Der Mikado (Burleske Operette in 2 Akten) — Text: W. S. Gilbert, Musik: Arthur Sullivan; Uraufführung 14. März 1885, Savoy Theatre London; Sommerrepertoire (Berliner Neueste Nachrichten, 11. Juni 1900), Kroll Berlin, mehrfach (Berliner Morgenpost, 9. September 1900), Wohltätigkeitsaufführung im Königlichen Opernhaus unter Sullivans Leitung (Berliner Tageblatt, 11. Juni 1900)
- Der Bettelstudent (Operette, Repertoire) — Text: F. Zell (Camillo Walzel) und Richard Genée, Musik: Carl Millöcker; Uraufführung 6. Dezember 1882, Theater an der Wien; Theater des Westens Berlin (Berliner Morgenpost, 8. April 1900), Central-Theater (Reichsanzeiger, 22. September 1900)
- Der Vogelhändler (Operette, Repertoire) — Text: Moritz West und Ludwig Held, Musik: Carl Zeller; Uraufführung 10. Januar 1891, Theater an der Wien; Wiederaufnahme im Operntheater des Westens Berlin (Berliner Morgenpost, 6. Juli 1900)
- Der Obersteiger (Operette, Repertoire) — Text: Moritz West und Ludwig Held, Musik: Carl Zeller; Uraufführung 5. Januar 1894, Theater an der Wien; Berlin (Reichsanzeiger, 26. Mai 1900; Berliner Neueste Nachrichten, 22. Juli 1900: Theater des Westens, Montag, Mittwoch und Sonnabend)