DER CHRONIST
Im Februar fiel in Lissabon der König von Portugal einem Anschlag zum Opfer, im Juli gab der Sultan seinem Reich die Verfassung zurück, im August verlor Graf Zeppelin vor den Augen der Zuschauer sein Luftschiff, und im Oktober geriet der Balkan in Bewegung. Im November rang der Reichstag mit dem Kaiser um das Wort, und in den letzten Tagen des Jahres wurden zwei Städte Siziliens und Kalabriens zerstört. Wer die Zeitung dieses Jahres liest, liest den Stoff für viele Bände.
Das Kaiser-Interview im „Daily Telegraph" und der Sturm im Reichstag

Am 28. Oktober veröffentlicht der Londoner „Daily Telegraph" ein Gespräch Kaiser Wilhelms II. mit Oberst Edward Montagu-Stuart-Wortley, geführt in Highcliffe Castle in Südengland. Der Kaiser lässt darin wissen, er gehöre in Deutschland einer englandfreundlichen Minderheit an, er habe 1899/1900 ein russisch-französisches Vorgehen gegen England abgelehnt und Königin Victoria einen Feldzugsplan für den Burenkrieg geschickt, und die deutsche Flotte richte sich nicht gegen England, sondern gegen Fernost. Am 29. Oktober druckt die halbamtliche „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" die deutsche Fassung ohne Kommentar. Zuvor hatte der Kaiser das Manuskript zur Prüfung an Reichskanzler von Bülow geschickt, der auf Norderney im Urlaub weilte und es einem Referenten im Auswärtigen Amt übergeben haben soll, der es freigab; ob der Kanzler es selbst gelesen hat, ist umstritten.
Am 10. und 11. November kritisieren im Reichstag alle Parteien den Kaiser; Paul Singer (SPD) verlangt, die Entscheidung über Krieg und Frieden dem Parlament zu übertragen. Bülow bietet seinen Rücktritt an, der Kaiser lehnt ab; auf dem Höhepunkt der Aufregung weilt Wilhelm II. zur Jagd in Donaueschingen. Am 17. November gesteht der Kaiser zu, künftig die verfassungsmäßigen Verantwortlichkeiten wahren zu wollen. Das Reich hat in diesen Wochen das ungewohnte Schauspiel erlebt, dass Parlament und Presse den Monarchen offen zur Rede stellen.
Aus heutiger Sicht
1909 trat Bülow zurück; den unmittelbaren Anlass bot das Scheitern seiner Reichsfinanzreform im Reichstag. Das Rücktrittsangebot vom November kam damit nur aufgeschoben zum Zug.
Kampf um das preußische Wahlrecht — erstmals sieben Sozialdemokraten im Abgeordnetenhaus

Das Jahr beginnt in Berlin mit der Straße. Am 10. Januar ziehen Zehntausende vor das Abgeordnetenhaus und fordern ein allgemeines Wahlrecht für Preußen; die Sozialdemokratie hat zur Kundgebung gerufen. Mitte Januar finden etliche Zehntausend in den überfüllten Versammlungssälen — Pharussäle, Germiasäle, Brauerei Friedrichshain, Neue Welt an der Hasenheide — keinen Platz und ziehen bei Frost in die Innenstadt; die Polizei sperrt „Unter den Linden", Berittene ziehen blank, viele werden festgenommen, viele verwundet. Der „Vorwärts" spricht von einem „Massaker", und auch die liberale Presse verurteilt die Säbelhiebe. Am 1. Mai demonstrieren in Berlin 33.000 Menschen gegen das Dreiklassenwahlrecht.
Die Antwort gibt die Urne, soweit sie reicht. Das Dreiklassenwahlrecht teilt die Männer ab 24 Jahren je Urwahlbezirk nach ihrer Steuerleistung in drei Abteilungen, die jeweils ein Drittel der Wahlmänner wählen, und diese bestimmen die Abgeordneten. Bei der Urwahl am 3. Juni und der Wahl der Abgeordneten am 16. Juni gehören 3,8 Prozent der Wahlberechtigten zur ersten und 82,3 Prozent zur dritten Abteilung; es beteiligen sich insgesamt 32,9 Prozent. Die Sozialdemokraten erreichen rund 23,9 Prozent der Urwählerstimmen — mehr als jede andere Partei — und ziehen dennoch zum ersten Mal überhaupt in das Haus ein, mit sieben von 443 Sitzen, wo sie 1903 bei 18,8 Prozent keinen einzigen erhielten. Sechs der Gewählten kommen aus Berlin: Hermann Borgmann, der sofort den Fraktionsvorsitz übernimmt, Hugo Heimann, Paul Hirsch, Adolph Hoffmann, Heinrich Ströbel und Karl Liebknecht, der noch in der Festung Glatz einsitzt; der siebte, Robert Leinert, vertritt Hannover. Die Konservativen stellen 155 Abgeordnete, das Zentrum 103, die Nationalliberalen 65, die Freikonservativen 60, die Linksliberalen 37, die Polen 14; Bülow bleibt preußischer Ministerpräsident.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Hessen (Zweite Kammer), 1908 — Sitze von 50: Nationalliberale 20, Bauernbund 11, Zentrum 8, SPD 5, Freisinn 3, Fraktionslose 3. Teilerneuerung der Kammer; das Wahlrecht bleibt unverändert.
- Sachsen-Coburg (Landtag), Juni — Sitze von 11: Nationalliberale 4, Agrarier 4, Freisinn 2, SPD 1.
- Bremen (Bürgerschaft), 1908 — Sitze von 150: SPD 16. Teilwahl nach dem Achtklassenwahlrecht; die SPD ist die einzige Partei, die in eigenem Namen antritt.
- Oldenburg (Landtag), 17. September — Sitze von 44: Agrarier 18, Liberale 14, Zentrum 8, SPD 4.
- Anhalt (Landtag), 14. November — Sitze von 36: Nationalliberale 14, Konservative 14, Freisinnige 5, SPD 1, Handwerker 1, ein Wilder. Die SPD hatte 1902 noch vier Sitze.
- Schwarzburg-Rudolstadt (Landtag), 26. November — Sitze von 16: SPD 6, Konservative und Bund der Landwirte 5, Nationalliberale 3, Freisinn 2. Die SPD verliert ein Mandat.
- Lippe (Landtag), Dezember (Stichwahlen 18. Dezember) — Sitze von 21, je sieben in drei Klassen: Liberale 10, Konservative 8, SPD 1, zwei ohne Parteizuordnung. Die SPD gewinnt ihren Sitz in der dritten Klasse in der Stichwahl.
- Waldeck (Landtag), 1908 — Neuwahl des Landtags.
Bei den Ersatzwahlen zum Reichstag gewinnt im April im Wahlkreis Emden-Norden-Weener Jan Fegter, der sich der Freisinnigen Vereinigung als Hospitant anschließt, am 12. Dezember im Wahlkreis Meseritz-Bomst nach dem Tod des Abgeordneten von Gersdorff der Deutschkonservative Kuno von Westarp.
Zeppelin: Schweizfahrt, 24-Stunden-Fahrt und der Untergang bei Echterdingen

Das Reich hatte dem Grafen Zeppelin für sein Luftschiff LZ 4 500.000 Mark zugesagt, unter der Bedingung einer 24-Stunden-Fahrt. Das Schiff, 149 Meter lang, mit 17 Gaszellen zu 17.300 Kubikmetern Wasserstoff und zwei Daimler-Motoren zu je 105 PS, steigt am 20. Juni zum ersten Mal auf. Am 1. Juli fährt es von Friedrichshafen nach Luzern und zurück — zwölf Stunden, 386 Kilometer — und findet in der Presse aller Länder Anerkennung. Mitte Juli muss ein erster Versuch der Dauerfahrt nach einem Propellerausfall abgebrochen werden.
Am 4. August startet der Graf um 6.22 Uhr in Friedrichshafen mit zwölf Personen und fährt rheinabwärts über Konstanz, Basel und Straßburg bis Mainz, das um Mitternacht erreicht wird. Auf dem Rückweg zwingt ein Motorschaden, die Kurbelwellenlager, zur Landung am Morgen des 5. August bei Echterdingen vor Stuttgart. Während Daimler-Leute aus Untertürkheim reparieren, reißt am Nachmittag eine Gewitterböe das Schiff los; der Anker verfängt sich in einer Baumreihe, die Gaszellen reißen, und LZ 4 verbrennt vollständig. Menschen kommen dabei nicht um, zwei Luftschiffer und ein Soldat werden leicht verletzt; mehrere Zehntausend Schaulustige sind Zeugen.
Aus dem Volk fließen Spenden für den Grafen, die Zeppelinspende des deutschen Volkes übersteigt sechs Millionen Mark. Im November erhält der Graf den Schwarzen Adlerorden. Otto Reutter singt bereits von der Sammlung im Couplet vom Zippel und Zappel.
Bosnien annektiert, Bulgarien unabhängig, Kreta ruft den Anschluss aus — die Balkankrise bleibt offen

Die Revolution der Jungtürken hat das Osmanische Reich geschwächt, und der Balkan nutzt es. Anfang Oktober verfügt Kaiser Franz Joseph per Handschreiben die Ausdehnung seiner Souveränitätsrechte auf Bosnien und die Herzegowina, vollzogen am 5. Oktober, zugleich sollen beiden Ländern verfassungsmäßige Einrichtungen gewährt werden. Am selben 5. Oktober proklamiert Fürst Ferdinand in Tarnowo die volle Unabhängigkeit Bulgariens und nimmt den Titel „Zar" an. Am 6. Oktober erklärt Kreta den Anschluss an Griechenland.
Die Mächte antworten ungleich. Serbien protestiert, Russland erkennt die Annexion nicht an, und im Osmanischen Reich wird der Boykott österreichischer Waren zur Mode, über die das Satireblatt „Karagöz" im Dezember die „Boykottkrankheit" des Kaisers Franz Joseph zeichnet. Am Silvestertag steht fest: Die Krise ist offen, ein Ausgleich nicht in Sicht.
Aus heutiger Sicht
Die Krise wurde im März 1909 beigelegt; die Annexion Bosniens und der Herzegowina blieb bestehen.
Hochbahnunglück am Gleisdreieck

Am 26. September fährt am Gleisdreieck ein Zug der Berliner Hochbahn einem anderen auf der Verbindungsweiche in die Flanke. Der erste Wagen des getroffenen Zuges stürzt vom Viadukt; 16 Menschen sind sofort tot, zwei weitere sterben in den folgenden Tagen, 18 werden verletzt.
Der Betrieb geht weiter: Am 1. Oktober eröffnet die Hochbahngesellschaft ihre Untergrundstrecke vom Leipziger Platz zum Spittelmarkt mit vier neuen Bahnhöfen: Kaiserhof, Friedrichstraße, Hausvogteiplatz und Spittelmarkt.
Grubenunglück auf Zeche Radbod bei Hamm

Am 12. November gegen 4.20 Uhr erschüttert eine Schlagwetterexplosion auf der dritten Sohle der Zeche Radbod in Hövel bei Hamm die Nachtschicht. 348 Bergleute sterben — es ist das schwerste Unglück, das der deutsche Steinkohlenbergbau je erlebt hat. Ein Brand verhindert die Rettung; die Direktion beschließt nur 15 Stunden nach der Explosion, die Brandtore zu schließen und die Grube zu fluten. Am 17. Dezember beginnt das Sümpfen.
Im Reichstag meldet der Präsident das Unglück noch am selben Tag in der 160. Sitzung; die Anteilnahme ist europaweit, eine Welle der Spendenbereitschaft für die Hinterbliebenen setzt ein. Die Ursache ist offen: eine defekte Wetterlampe oder eine Sprengung. Die Debatte über ein Arbeitsschutzgesetz hat neuen Stoff.
Erdbeben von Messina und Reggio

Am 28. Dezember um 5.21 Uhr zerstört ein Beben von 37 Sekunden Dauer Messina, Reggio di Calabria und Palmi nahezu völlig; danach läuft eine Flutwelle über die Küste. In Messina ist fast kein Haus unbeschädigt, Dom und die Palazzata an der Hafenpromenade liegen in Trümmern. Die Zahl der Toten ist noch nicht abzusehen.
Russische Marineverbände aus Augusta und kurz danach britische Kriegsschiffe sind zuerst am Ort, auch das Rote Kreuz hilft; russische Matrosen gehen in den Ruinen gegen Plünderer vor.
Aus heutiger Sicht
Das Beben hatte eine Stärke von 7,2 Mw. Nach heutigen Schätzungen kamen zwischen 72.000 und 110.000 Menschen ums Leben.
Königsmord in Lissabon

Am 1. Februar fallen auf der Praça do Comércio in Lissabon Schüsse auf die offene Kutsche des Königs Karl I. und des Kronprinzen Ludwig Philipp. Der König, 44 Jahre alt und seit 1889 auf dem Thron, stirbt sofort, der Kronprinz, 20 Jahre alt, zwanzig Minuten später. Die Täter, der Lehrer Manuel Buíça und der Angestellte Alfredo Luís da Costa, gehören dem republikanischen Lager an.
Der Anschlag fällt in eine Zeit der Zensur: Ministerpräsident João Franco regiert mit Pressezwang und lässt Republikaner in die Kolonien deportieren. Der zweite Sohn des Königs besteigt als Manuel II. mit 18 Jahren den Thron und verlangt am 2. Februar den Rücktritt Francos und eine Koalitionsregierung.
Jungtürkische Revolution: Verfassung und Parlament

Am 3. Juli beginnt Major Ahmed Niyazi mit einem Überfall auf das Waffenlager der Garnison Resne und 160 Freiwilligen die Erhebung; Enver Bey und andere Offiziere schließen sich an, Rückhalt ist die Dritte Armee in Saloniki. In der Nacht zum 24. Juli stellt Sultan Abdülhamid II. unter dem Druck der Offiziere die Verfassung von 1876 wieder her und schreibt Wahlen aus. Politische Gefangene werden freigelassen, die Zensur wird aufgehoben, die Geheimpolizei abgeschafft.
Am 17. Dezember tritt das Parlament des Osmanischen Reiches zum ersten Mal seit über dreißig Jahren zusammen. Dass die Jungtürken damit auch den Balkan in Unruhe versetzt haben, zeigt der Oktober.
Frauen dürfen studieren und politischen Vereinen beitreten

Preußen öffnet seine Universitäten. Ein Erlass des Kultusministers Ludwig Holle vom 18. August lässt Frauen zum Wintersemester 1908/09 regulär zur Immatrikulation zu; am 7. Oktober öffnen die preußischen Universitäten ihre Tore. Zuvor waren Frauen in Preußen seit 1896 nur als Gasthörerinnen zugelassen; Baden hatte sich schon 1900 geöffnet, Bayern und Württemberg 1903 und 1904.
Das Reichsvereinsgesetz vom 19. April, in Kraft seit dem 15. Mai, erlaubt Frauen erstmals die Mitgliedschaft in politischen Vereinen. Die Schattenseiten sind deutlich: Jugendliche unter 18 Jahren dürfen politischen Vereinen nicht beitreten, und der Sprachenparagraph (§ 12) schreibt für öffentliche Versammlungen die deutsche Sprache vor, mit zeitlich begrenzten Ausnahmen für Kreise mit mehr als 60 Prozent alteingesessener fremdsprachiger Bevölkerung; Polen und Dänen protestieren heftig. Im September schließen sich die sozialdemokratischen Jugendvereine in Berlin zum „Verband der arbeitenden Jugend Deutschlands" zusammen.
Der „Hauptmann von Köpenick" kommt frei

Am 16. August wird Wilhelm Voigt, der am 16. Oktober 1906 als Hauptmann verkleidet das Rathaus der Stadt Köpenick bei Berlin besetzt hat, aus der Haftanstalt Tegel entlassen. Er war zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden und wird, so heißt es, vom Kaiser begnadigt; nach anderer Darstellung wird er wegen guter Führung vorzeitig entlassen.
Noch am selben Tag nimmt Voigt eine Grammophonplatte auf und erhält 200 Mark Honorar. In den Tagen darauf kommt es bei seinem Auftreten in Rixdorf zu tumultartigen Menschenaufläufen, bei denen die Ordnungskräfte einschreiten müssen. Voigt zieht danach durch Deutschland — am 26. November ist er in Bonn — und lebt vom Verkauf von Postkarten, die ihn in Uniform und in Zivil zeigen.
Aus heutiger Sicht
1909 erschien sein Buch, und 1931 machte Carl Zuckmayer aus dem Schuster das Bühnenstück „Der Hauptmann von Köpenick".
Das erste Länderspiel: 3:5 in Basel

Der Deutsche Fußball-Bund hatte erst im Februar beschlossen, Länderspiele auszutragen, der Spielort Basel wurde nur zwei Wochen vorher festgelegt. Am 5. April tritt auf dem Landhof bei Regen und Hagel die erste deutsche Auswahl an und unterliegt der Schweiz mit 3:5; für die Schweiz ist es der erste Sieg. Sieben designierte Spieler fehlen, weil sie in Berliner Stadtauswahlspielen gegen Wien und Leipzig antreten; manche Spieler erfahren ihre Nominierung aus der Zeitung, reisen einzeln auf eigene Kosten an und lernen sich erst auf der Bahnfahrt kennen. Der Bund gibt 20 Mark Spesen, einen Trainer gibt es nicht.
Kapitän ist Arthur Hiller; Fritz Becker schießt in der 6. Minute das erste Tor einer deutschen Auswahl. Die Mannschaft trägt schwarze Jerseys mit weißen Ärmeln und dem Reichsadler. Die Abwehr, so urteilen Beobachter, ließ zu viele Tore zu. Eine Schweizer Schokoladenfabrik hat eine Extratribüne für 700 Zuschauer bezahlt.
Diamanten im Wüstensand von Deutsch-Südwestafrika

Am 10. April findet der Arbeiter Zacharias Lewala, der früher in den Diamantgruben von Kimberley gearbeitet hat, beim Freischaufeln der Bahnstrecke bei Grasplatz nahe Kolmannskuppe, etwa zehn Kilometer östlich von Lüderitzbucht, Steine, die er für Diamanten hält; „mooi klip", schöner Stein, soll er gesagt haben. Er übergibt sie dem Bahnmeister August Stauch, der sich mit seinem Freund, dem Bergwerksingenieur Sönke Nissen, an die Prüfung macht; die Analyse in Swakopmund bestätigt den Verdacht. Stauch sichert sich einen Claim.
Es folgt ein Diamantenrausch. Kolonialstaatssekretär Bernhard Dernburg erklärt das gesamte Gebiet zum Sperrgebiet, deutsche Gesellschaften parzellieren es, und bei Kolmannskuppe entsteht eine Siedlung.
Aus heutiger Sicht
Von 1908 bis 1913 wurden 4.693.321 Karat im Wert von 151.926.000 Mark gefördert, und das Reich nahm rund 60 Millionen Mark Diamantensteuer ein. Kolmannskuppe ist heute eine Geisterstadt.
Die Brüder Wright: Triumph in Le Mans, Absturz in Fort Myer

Wilbur Wright kommt im Mai nach Frankreich, lässt in den Werken von Léon Bollée in Le Mans ein Flugzeug montieren und erntet zehn Wochen lang den Spott französischer Zeitungen, die ihn einen „bluffeur" nennen. Am 8. August fliegt er auf der Pferderennbahn Hunaudières bei Le Mans eine Minute und 45 Sekunden — doch die mühelosen Kurven verblüffen Louis Blériot und andere; Archdeacon räumt sein Unrecht ein. Im September setzt er seine Flüge im Lager Auvours fort.
In Amerika führt sein Bruder Orville der Armee in Fort Myer in Virginia seine Maschine vor. Am 9. September fliegt er über eine Stunde, 62 Minuten und 15 Sekunden. Am 17. September stürzt er ab: Der Passagier, Leutnant Thomas Selfridge, kommt ums Leben und ist das erste Todesopfer eines Flugzeugunglücks, Orville wird schwer verletzt.
Wettfahrt New York–Paris: der Protos zuerst am Ziel

Am 12. Februar um 11.15 Uhr starten am Times Square in New York sechs Kraftwagen aus vier Nationen zu einer Wettfahrt um die Erde nach Paris, veranstaltet von der „New York Times" und dem „Matin": der Thomas Flyer (USA, George Schuster), der deutsche Protos (Oberleutnant Hans Koeppen), je ein De Dion-Bouton, Motobloc und Sizaire-Naudin aus Frankreich und ein Züst aus Italien. Der Thomas erreicht San Francisco als erster nach 41 Tagen 8 Stunden und 15 Minuten. Wegen des Wetters führt die Route nicht über die Beringstraße, sondern per Schiff nach Japan und Wladiwostok; nur Protos, Züst und Thomas passieren Wladiwostok.
Am 24. Juli trifft der Protos in Berlin ein und am 26. Juli als erster in Paris; der Thomas folgt am 30. Juli. Den Sieg erhält dennoch der Amerikaner: Der Protos wird für den Verzicht auf die Japan-Überfahrt und den Bahntransport bestraft, und die Wertung nach Strafe fällt an den Thomas. Der Züst kommt im September in Paris an.
Nobelpreise für Paul Ehrlich und Rudolf Eucken

Zwei Deutsche stehen unter den Geehrten der Nobelstiftung. Den Preis für Medizin teilen sich Paul Ehrlich vom Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt am Main und der Russe Ilja Metschnikow für ihre Beiträge zur Immunologie. Den Literaturpreis erhält der Jenaer Philosoph Rudolf Eucken, den die Schwedische Akademie für sein ernsthaftes Suchen nach Wahrheit und seine idealistische Lebensphilosophie ehrt.
Die weiteren Preise gehen an Gabriel Lippmann (Physik, Farbenphotographie), Ernest Rutherford (Chemie) und, für den Frieden, an den Schweden Klas Pontus Arnoldson und den Dänen Fredrik Bajer. Die Verleihung findet am 10. Dezember statt.
Das Märkische Museum öffnet

Am 10. Juni wird der Neubau des Märkischen Museums am Köllnischen Park offiziell eröffnet. Stadtbaurat Ludwig Hoffmann hat ihn ab 1896 geplant und ab 1899 gebaut; es ist das erste Gebäude der Welt, das eigens als Stadtmuseum entworfen wurde. Hoffmann hat den Bau als Komplex verschiedener Gebäudeteile nach märkischen Vorbildern angelegt, mit etwa fünfzig Ausstellungsräumen. Kaiser Wilhelm II. und Auguste Viktoria haben es schon am 3. Juni zwei Stunden lang besichtigt.
Das Haus geht auf das Märkische Provinzialmuseum zurück, das Ernst Friedel am 9. Oktober 1874 im Palais Podewils gegründet hat.

Der Kreiselkompass von Anschütz & Co. (März 1908, Kiel). Seit Jahren kämpfen die Schiffe mit einem Übel, das der Eisenbau mit sich gebracht hat: Stahlrumpf, Panzer und elektrische Leitungen lenken die Magnetnadel ab. Der Kieler Erfinder Dr. Hermann Anschütz-Kaempfe setzt dem einen Kompass entgegen, der den Erdmagnetismus gar nicht braucht, sondern von einem elektrisch angetriebenen, schnell kreisenden Kreisel nach der Drehung der Erde in die Nordrichtung gewiesen wird. Sein Kreiselapparat ist seit dem 27. März 1904 zum Patent angemeldet, das Patent wurde 1907 erteilt. Seit dem 1. September 1905 arbeitet er mit zwei Werkstatträumen in der Kieler Dammstraße 20, wo die Firma Anschütz & Co. entstanden ist; sein Vetter, der Ingenieur Max Schuler, half ihm, das Gerät bordtauglich zu machen. 1907 stellte Anschütz den fertigen Kompass vor, und im März dieses Jahres ist er an Bord des Linienschiffs „Deutschland“ der Kaiserlichen Marine erprobt worden. Die Marine hatte sich dem Gerät gegenüber lange abwartend verhalten, nun kommen die ersten Aufträge; auch dem Kaiser und seinem Bruder, Prinz Heinrich, ist die Erfindung in Wilhelmshaven vorgeführt worden.
Aus heutiger Sicht
Die Marine nahm den Kompass in den Folgejahren in Dienst, und bis zum Ersten Weltkrieg trug der größte Teil der deutschen Flotte Kreiselkompasse von Anschütz; 1915 gewann die Firma den Patentstreit gegen den Amerikaner Elmer Sperry, in dem Albert Einstein als Gutachter wirkte. Aus den zwei Werkstatträumen in der Dammstraße (heute Lorentzendamm) zog die Firma im Dezember 1909 in eine eigene Fabrik an der Schwentinemündung in Neumühlen (Heikendorfer Weg 9–27); das Areal wird heute von der Schmerzklinik Kiel genutzt. Die Firma besteht in Kiel fort und heißt seit 2023 wieder Anschütz GmbH, nach Jahren als Raytheon Anschütz.


Ford „Modell T“ (1. Oktober 1908, Detroit). Die Ford Motor Company in Detroit bringt zum 1. Oktober ein neues Automobil heraus, das sie „Model T“ nennt: einen Vierzylinderwagen von etwa 20 Pferdestärken, der bei guter Straße rund 40 englische Meilen in der Stunde (etwa 65 Kilometer) laufen soll. Der Preis des viersitzigen Tourenwagens beträgt 850 Dollar, und damit zielt Ford auf eine Kundschaft, die sich bisher mit Pferd und Wagen begnügen musste. Neuartig sind der in einem Stück gegossene Zylinderblock mit abnehmbarem Zylinderkopf, das Fahrgestell aus Vanadiumstahl, das Planetengetriebe und die hohe Bodenfreiheit für schlechte Wege; die Zündung liefert ein in das Schwungrad eingebauter Magnet. Gebaut wird der Wagen in Detroit in der Fabrik an der Piquette Avenue. Seit Januar hatte Ford in amerikanischen Zeitungen für sein neues Modell geworben. Wie aus Detroit verlautet, liegen den Händlern bereits 15.000 Bestellungen vor, fast doppelt so viele Wagen, wie das Haus im Vorjahr überhaupt verkauft hat; einer der Händler schrieb an Henry Ford, dies sei „ohne Zweifel die größte Schöpfung im Automobilbau, die je einem Volk vorgelegt wurde“ (aus dem Englischen übertragen).
Aus heutiger Sicht
Am 7. Oktober 1913 lief bei Ford das Fließband an, das den Preis drückte: von 850 Dollar (1908) auf 290 Dollar im Jahr 1924. Am 26. Mai 1927 sah Henry Ford den 15-millionsten Model T vom Band rollen; das Modell gilt als das erste für den Mittelstand erschwingliche Massenautomobil.
AM RANDE NOTIERT
- 3. Januar — Maximilian Harden, der Herausgeber der „Zukunft", wird wegen Beleidigung des früheren Berliner Stadtkommandanten Kuno Graf von Moltke zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.
- 4. Juni — In Paris wird Émile Zola ins Panthéon überführt; ein Militarist verübt dabei ein Attentat auf Major Alfred Dreyfus, der nur leicht verletzt wird.
- 21. Juni — Im Londoner Hyde Park findet die bislang größte Frauenstimmrechtsdemonstration mit 250.000 Teilnehmern statt.
- 28. Juni — Der Däne Jacob Ellehammer erhebt sich in Kiel mit seinem Flugapparat rund 50 Meter weit in die Luft.
- 30. Juni — In dieser und den folgenden Nächten leuchten silbrige Wolken am Himmel Mitteleuropas; die Ursache kennt niemand.
- 5. August — Am selben Tag, an dem bei Echterdingen das Luftschiff verbrennt, brennt in Donaueschingen die halbe Stadt: 270 Gebäude werden zerstört, über 1500 Menschen sind obdachlos.
- September — In Laibach kommt es zu Ausschreitungen gegen die deutschsprachige Bevölkerung, zahlreiche Geschäfte und Gaststätten werden zerstört; am 20. September schießt Militär in die Menge, zwei junge Slowenen sterben.
- 28. Oktober — Hans Grade steigt in Magdeburg auf dem Cracauer Anger mit seinem Dreidecker erstmals in die Luft.
- 13.–15. November — In Peking lässt die Kaiserinwitwe Cixi am 13. November den zweijährigen Puyi von Soldaten in die Verbotene Stadt bringen und zum Nachfolger bestimmen; am 14. stirbt der kinderlose Kaiser Guangxu, am 15. Cixi selbst, seit 47 Jahren die eigentliche Herrscherin.
- Dezember — Auf dem Berliner Weihnachtsmarkt erscheinen „Künstlerpfefferkuchen", bisher ein Münchner Monopol: Ludwig Stutz modelliert ein Giraffen-Baby, Paul Kraemer ein Diabolo spielendes „Berlin-W-Mädel", Heinrich Zille eine derb-komische Kindergruppe. Die „Berliner Illustrirte" findet sie „ein wenig süßlich".
WIRTSCHAFT · 1908
Nach der Krise von 1907, in der es im Oktober 1907 in New York zu einem Ansturm auf die Banken kam, bleibt das Wirtschaftsleben im Jahr 1908 flau. Am 22. Januar gründen die Zechenunternehmer des Ruhrgebiets in Essen den „Zechenverband", der vor allem die Aussperrung streikender Arbeiter wirksamer durchsetzen will. Die vom Reich aufgenommenen Anleihen belaufen sich Anfang April auf 850 Millionen Mark, und die Steuerreformen zur Senkung des Defizits bleiben wirkungslos; am 19. November beginnt in Berlin die erste Beratung der Reichsfinanzreform, deren Ausgang offen ist. In der Kolonie weiht Staatssekretär Dernburg am 21. Juli die Bahn von Lüderitzbucht nach Keetmanshoop ein.
Der Preisspiegel:
- Roggenbrot (1 kg, Berlin) — 0,32 Mark
- Butter (1 kg, Berlin) — 2,64 Mark
- Kartoffeln (1 kg, Berliner Markthallen, Kleinhandel) — 0,08 Mark
- Rindfleisch, Keule (1 kg, Berliner Markthallen) — rund 1,78 Mark
- Hühnerei (1 Stück, Berliner Markthallen) — 0,07 Mark
- Fernbrief (bis 20 g, Reich) — 10 Pfennig
- Straßenbahnfahrt Berlin (Einheitstarif) — 10 Pfennig
SPORT · 1908
Die IV. Olympischen Spiele in London dauern vom 27. April bis zum 31. Oktober, ihre offizielle Eröffnungsfeier findet erst am 13. Juli statt. Der Marathonlauf am 24. Juli, vom Schloss Windsor in das Stadion von White City über „26 Meilen 385 Yards", wird zum Drama: Der Italiener Dorando Pietri erreicht erschöpft das Stadion, fällt mehrmals, und Kampfrichter helfen ihm auf; auf Protest der Vereinigten Staaten wird er disqualifiziert, Sieger ist Johnny Hayes (USA), Zweiter Charles Hefferon (Südafrika). Königin Alexandra überreicht Pietri am nächsten Tag einen vergoldeten silbernen Pokal. Die deutschen Erfolge liegen im Kunstspringen, wo Deutsche die drei ersten Plätze belegen und Albert Zürner aus Hamburg siegt, und im Eiskunstlauf, wo Anna Hübler und Heinrich Burger im Paarlauf gewinnen.
Deutscher Fußballmeister wird am 7. Juni in Tempelhof bei Berlin Viktoria 89 Berlin mit einem 3:1 gegen die Stuttgarter Kickers. Beim Großen Preis von Frankreich in Dieppe siegt am 7. Juli Christian Lautenschlager auf Mercedes in 6:55:44 Stunden, mit einem Schnitt von 111,107 Kilometern in der Stunde; Zweiter und Dritter, Victor Hémery und René Hanriot, fahren Benz — die Zahl der deutschen Teilnehmer ist von drei auf neun gestiegen. Am 15. Mai gründen Frankreich, Belgien, England und die Schweiz in Paris die Internationale Eishockey-Liga, und am 22. Mai behauptet die „Lusitania" das Blaue Band mit einer Atlantiküberquerung in vier Tagen, 20 Stunden und 22 Minuten.
MODE · 1908
Das Spiel des Jahres ist das Diabolo: 1908 ist es überall in Mode, auch in Deutschland. Die „Berliner Illustrirte Zeitung" führt im Mai und Juni eine Heftrubrik „Diabolo, das neue Spiel", und selbst auf dem Weihnachtsmarkt steht es als Pfefferkuchenfigur.
KULTUR · 1908
Am 29. Januar eröffnet nach dreimonatiger Bauzeit das Hebbel-Theater an der Königgrätzer Straße am Halleschen Tor, ein Privattheater mit etwa 800 Sitzplätzen im Jugendstil, errichtet von Oskar Kaufmann, dem dies als Theaterbaumeister sein erstes Werk ist. Gründer und erster Direktor ist Eugen Robert; die erste Premiere ist Hebbels „Maria Magdalene". Am 31. Juli werden in Jena zur 350-Jahr-Feier der Universität das neue Universitätsgebäude und das von Ernst Haeckel gegründete Phylogenetische Museum eingeweiht, am 1. September eröffnet die „Brücke" in Dresden eine neue Ausstellung, und im April hält Sigmund Freud in Salzburg auf dem ersten „Kongress für Freudsche Psychologie" einen Vortrag.
Auf den Bühnen und in den Buchläden erscheinen Strindbergs „Gespenstersonate", Ludwig Thomas Komödie „Moral" und Leo Blechs Oper „Versiegelt"; Arnold Schönberg schreibt sein zweites Streichquartett, Clara Viebig „Das Kreuz im Venn", Robert Walser „Der Gehülfe" und Jakob Wassermann seinen „Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens".
KINO & FUNK · 1908
Am 17. August führt Émile Cohl in Paris „Fantasmagorie" vor, den ersten Zeichentrickfilm, rund zwei Minuten lang, gezeichnet auf etwa 700 Blättern. In Berlin betreibt Oskar Messter seit 1896 in der Friedrichstraße das erste deutsche Kunstlichtatelier, und bereits 1903 führte er seine Tonbilder vor, bei denen ein Projektor mit einem Grammophon verbunden ist. In der Funkentelegraphie führt Telefunken Löschfunkensender ein, deren Reichweite etwa dreimal so groß ist wie die der alten Knallfunkensender.
GESTORBEN · 1908
- Wilhelm Busch (75), Dichter und Zeichner („Max und Moritz") — 9. Januar, Mechtshausen.
- Walter Leistikow (42), Maler und Grafiker — 24. Juli, Zehlendorf bei Berlin.
- Grover Cleveland (71), 22. und 24. Präsident der Vereinigten Staaten — 24. Juni, Princeton (New Jersey).
- Henri Becquerel (55), Physiker, Entdecker der Radioaktivität — 25. August, Le Croisic.
- Pablo de Sarasate (64), spanischer Geiger und Komponist — 20. September, Biarritz.
- Dietrich Graf von Hülsen-Haeseler (56), preußischer General der Infanterie, Chef des Militärkabinetts — 14. November, Donaueschingen.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1908
- Flüssiges Helium (10. Juli, Leiden). Heike Kamerlingh Onnes verflüssigt als Erster Helium, bei 4,22 Kelvin oder minus 268,93 Grad; an diesem Tag ist Leiden der kälteste Ort der Erde.
- Kommunales Wahlrecht für Frauen (14. April, Dänemark). Das dänische Parlament beschließt das allgemeine kommunale Wahlrecht für alle steuerzahlenden Männer und Frauen über 25 Jahre sowie für die Frauen steuerzahlender Männer.
- Phylogenetisches Museum (31. Juli, Jena). Das von Ernst Haeckel gegründete Phylogenetische Museum wird eingeweiht.
- Heimkehr aus Asien (15. September, Simla). Sven Hedin trifft nach seiner dritten Asien-Expedition in Simla ein.
- Eishockey wird international (15. Mai, Paris). Die Internationale Eishockey-Liga wird gegründet.
DAS WETTER · 1908 in Berlin
Am 13. Juli erreichte das Thermometer an der Station Dahlem bei Berlin ein Tagesmaximum von 28,7 °C, das Minimum lag bei 18,4 °C; das Mittel aus beiden Werten ergibt 23,6 °C (ein amtliches Tagesmittel liegt für diesen Tag nicht vor). Niederschlag fiel nicht — ein heißer, trockener Hochsommertag, einen Tag nach dem heißesten Tag des Jahres.
Der heißeste Tag des Jahres war der 12. Juli mit 33,7 °C, der kälteste (Tagesminimum) der 29. Dezember mit −16,1 °C. Berlin zählte 90 Frosttage und 19 Eistage, dazu 33 Sommertage mit mindestens 25 °C, davon 6 heiße Tage über 30 °C. Der Jahresniederschlag summierte sich auf 526,7 mm. Im Mittel erreichte das Tagesmaximum 12,4 °C, das Tagesminimum 4,6 °C.
(Messwerte der Station Berlin-Dahlem. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1908
Amtliche Verkaufscharts gibt es im Kaiserreich noch nicht; die Liste stützt sich auf Operetten- und Revue-Aufführungen, Berliner Jahresrevuen des Metropol-Theaters, Couplets und frühe Schallplattenaufnahmen. Von zwanzig vorgesehenen Plätzen ließen sich 7 Titel belegen, die bis einschließlich 1908 entstanden und in diesem Jahr nachweislich aufgeführt oder aufgenommen wurden. Eine Rangfolge ist damit nicht verbunden.
- Donnerwetter – tadellos! (Marsch und Lied „Der Gardeleutnant"; auch das „Schutzmann-Lied") — Musik: Paul Lincke, Text: Julius Freund; Metropol-Jahresrevue, Metropol-Theater Berlin 1908; das Schutzmann-Lied nahm Henry Bender im Jahr der Aufführung auf Schellack auf
- Mit dem Zippel, mit dem Zappel, mit dem Zeppelin (Couplet) — Otto Reutter; entstanden nach dem Unglück des LZ 4 bei Echterdingen (5. August 1908), der Text spricht von der Spendensammlung; Schellackaufnahme 1908
- Die geschiedene Frau (Operette) — Musik: Leo Fall, Libretto: Victor Léon; Uraufführung 23. Dezember 1908, Carltheater Wien
- Der tapfere Soldat (Operette) — Musik: Oscar Straus, Libretto: Rudolf Bernauer und Leopold Jacobson; Uraufführung 14. November 1908, Theater an der Wien
- Die Dollarprinzessin (Operette) — Musik: Leo Fall; Uraufführung 2. November 1907, Theater an der Wien; 200. Aufführung im Neuen Operetten-Theater Berlin am 15. Dezember 1908
- Ein Walzertraum (Walzerlied) — Musik: Oscar Straus; Uraufführung 2. März 1907, Carltheater Wien; Aufnahme „Walzerlied" mit Franz Gruber am 16. März 1908
- Die lustige Witwe (Operette) — Musik: Franz Lehár; Uraufführung 30. Dezember 1905, Theater an der Wien; „Reminiszenzen aus ‚Die lustige Witwe'" (Emmy Wehlen, Henry Bender u. a.), aufgenommen im Mai 1908