DER CHRONIST
Kaum war der Friedensvertrag von Versailles in Kraft getreten, da stand die Republik im März schon vor dem nächsten Abgrund: dem Marsch der Marinebrigade Ehrhardt auf Berlin. Ein Generalstreik warf die Putschisten nieder, doch das Jahr blieb unruhig — zwischen Groß-Berlins Geburt als Millionenstadt, einer verlorenen Regierungsmehrheit und den ersten Tönen aus dem Äther.
Der Kapp-Lüttwitz-Putsch

In der Nacht auf den 13. März marschiert die Marinebrigade Ehrhardt, viele ihrer Soldaten mit weiß gemaltem Hakenkreuz auf dem Stahlhelm, nach Berlin. Angeführt wird der Putschversuch von Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp, der sich selbst zum Reichskanzler ernennt, und General Walther von Lüttwitz. Auslöser ist der Auflösungsbefehl von Reichswehrminister Gustav Noske gegen die Marinebrigade vom 29. Februar, der aus der im Versailler Vertrag vorgeschriebenen Heeresreduzierung auf 100.000 Mann folgt.
Die Reichsregierung um Reichspräsident Friedrich Ebert und Noske flieht um 6:15 Uhr aus Berlin, zunächst Richtung Dresden, dann weiter nach Stuttgart. Zehn Minuten später marschiert die Brigade Ehrhardt singend durchs Brandenburger Tor. Die sozialdemokratischen Regierungsmitglieder, der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und der Allgemeine freie Angestelltenbund rufen zum Generalstreik auf — dem größten der deutschen Geschichte. Er lähmt Berlin und das Reich und gibt am Ende den Ausschlag: Nach rund 100 Stunden, am 17. März, bricht der Putsch zusammen.
Als unmittelbare Folge des Putsches bricht im Ruhrgebiet ein bewaffneter Aufstand aus; auch in Teilen Sachsens und Thüringens kommt es zu Unruhen.
Aus heutiger Sicht
Der Putsch gilt als Menetekel für die militärische Schwäche der jungen Republik gegenüber rechten Umsturzversuchen. Die Weigerung großer Teile der Reichswehrführung, gegen die Putschisten vorzugehen, prägte deren zurückhaltende Haltung in den folgenden Krisenjahren der Weimarer Republik.
Blutbad vor dem Reichstag

Bei einer von USPD und KPD organisierten Massendemonstration gegen das Betriebsrätegesetz vor dem Reichstag eröffnet die Sicherheitspolizei das Feuer. Zwischen rund 20 und 42 Menschen werden getötet, etwa 100 bis 105 verletzt — die blutigste Demonstration der deutschen Geschichte. USPD und KPD hatten gemeinsam in ihren Parteizeitungen zur Arbeitsniederlegung ab 12 Uhr und zur Protestversammlung aufgerufen:
„Heraus zum Kampf gegen das Betriebsrätegesetz, für das revolutionäre Rätesystem!" — Freiheit (USPD) / Rote Fahne (KPD), 13. Januar 1920
Als Folge des Blutbads verbietet die Regierung 46 Oppositionszeitungen, darunter Rote Fahne und Freiheit selbst.
Das Groß-Berlin-Gesetz

Die Preußische Landesversammlung beschließt am 27. April mit 164 zu 148 Stimmen bei fünf Enthaltungen das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin — treibende Kraft ist Oberbürgermeister Adolf Wermuth. Zum 1. Oktober werden sieben Städte (Lichtenberg, Schöneberg, Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln, Spandau und Cöpenick), 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke eingemeindet.
Das Stadtgebiet wächst von 66 auf 878 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl von 1,9 auf 3,8 Millionen. Groß-Berlin wird damit nach London und New York die drittgrößte Stadt der Welt und erhält 20 neue Verwaltungsbezirke.
Reichstagswahl und Kabinett Fehrenbach

Bei der ersten regulären Reichstagswahl der Weimarer Republik am 6. Juni verliert die Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und DDP ihre Mehrheit. Nach dem Stand unmittelbar nach der Wahl entfallen auf die SPD 21,7 %, auf die USPD 18,8 %, auf die DNVP 14,4 %, auf die DVP 13,9 %, auf das Zentrum 13,6 %, auf die DDP 8,5 %, auf die BVP 4,5 % und auf die KPD 1,7 %. Die Wahlbeteiligung liegt bei rund 79 %. Dem neuen Reichstag gehören 38 Frauen an.
Die SPD lehnt eine Regierungsbeteiligung ab. Reichspräsident Ebert ernennt Constantin Fehrenbach vom Zentrum zum Reichskanzler eines bürgerlichen Minderheitskabinetts aus Zentrum, DDP und DVP, das von der SPD toleriert wird.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Groß-Berlin (Stadtverordnetenversammlung), 20. Juni — USPD 38,4 % (86 Sitze) stärkste Kraft vor SPD 17,2 % (39) und DVP 16,9 % (38), dahinter DNVP 11,4 % (26) und DDP 7,1 % (16); Wahlbeteiligung 64,7 %. Ohne eine tragfähige Mehrheit trat Oberbürgermeister Adolf Wermuth im November zurück.
- Bayern, 6. Juni — BVP 39,4 % (65 Sitze) klar stärkste Kraft vor SPD 16,3 % (25) und der Bayerischen Mittelpartei/DVP 13,5 % (19); Ministerpräsident bleibt Gustav Ritter von Kahr, nun an der Spitze einer Koalition aus BVP, Bauernbund, DDP und Mittelpartei.
- Württemberg, 6. Juni — Zentrum 22,5 % (23 Sitze) vor dem Bauern- und Weingärtnerbund mit 17,6 % (18); die SPD stürzt von 34,4 % auf 16,1 % (17) und scheidet aus der Regierung aus.
- Bremen, 6. Juni — USPD 30,8 % (37 Sitze) stärkste Kraft vor DVP 20,1 % (25) und SPD 18,3 % (22); Wahlbeteiligung 84,5 %.
- Anhalt, 6. Juni — SPD 35,8 % (13 Sitze) stärkste Kraft vor USPD 18,3 % (6) und DNVP/Landbund 16,9 % (6); Wahlbeteiligung 84,9 %.
- Oldenburg, 6. Juni — Zentrum 20,2 %, DDP 14,6 %, USPD 11,0 %; Wahlbeteiligung 79,8 %.
- Mecklenburg-Strelitz, 16. Mai — SPD 42,9 % (16 Sitze) klar stärkste Kraft vor der Wirtschaftlichen Vereinigung mit 36,1 % (14); Wahlbeteiligung 85,9 %.
- Mecklenburg-Schwerin, 13. Juni — SPD 39,9 % (26 Sitze) stärkste Kraft vor DNVP 22,1 % (14) und DVP 15,4 % (10); Wahlbeteiligung 83,7 %.
- Braunschweig, 16. Juni — Landeswahlverband (DVP-Liste) und USPD praktisch gleichauf mit je 37,3 % (23 Sitze), SPD mit 14,8 % (9) deutlich dahinter; Wahlbeteiligung 76,6 %.
- Thüringen, 20. Juni — USPD 27,9 % (15 Sitze) stärkste Kraft vor dem Thüringer Landbund mit 20,6 % (11) und der SPD mit 20,4 % (11); die Regierungsbildung erweist sich angesichts des zersplitterten Ergebnisses als schwierig.
- Sachsen, 14. November — SPD 28,3 % (27 Sitze) stärkste Kraft vor DNVP 21,0 % (20) und DVP 18,6 % (18); Wahlbeteiligung 70,4 %. Ministerpräsident bleibt Wilhelm Buck an der Spitze eines von SPD und USPD getragenen Kabinetts.
Aus heutiger Sicht
Der Verlust der Mehrheit erwies sich als dauerhaft: SPD, Zentrum und DDP gewannen bei keiner späteren Reichstagswahl der Weimarer Republik noch einmal eine gemeinsame Mehrheit.
Versailler Vertrag tritt in Kraft

Nach Ratifizierung und Urkundenaustausch tritt der im Vorjahr unterzeichnete Friedensvertrag von Versailles am 10. Januar in Kraft — zugleich der Gründungsakt des Völkerbunds. Der Vertrag verpflichtet Deutschland zu Gebietsabtretungen, zur Abrüstung von Heer (100.000 Mann) und Marine (15.000 Mann) sowie zu Reparationen. Der US-Senat verweigert die Ratifikation; die Vereinigten Staaten treten dem Völkerbund nicht bei.
Das Hultschiner Ländchen fällt am 4. Februar ohne Abstimmung an die Tschechoslowakei. Im Jahresverlauf folgen mehrere Volksabstimmungen über weitere deutsche Gebiete: In Nordschleswig stimmen am 10. Februar 74,9 % für Dänemark, 25,1 % für Deutschland — das Gebiet fällt an Dänemark; Mittelschleswig votiert am 14. März dagegen mehrheitlich für den Verbleib beim Reich. In Ost- und Westpreußen stimmen am 11. Juli die Abstimmungsgebiete Allenstein (97,8 %) und Marienwerder (92,4 %) mit deutlicher Mehrheit für Deutschland. In Eupen-Malmedy, wo statt einer geheimen Abstimmung nur eine Einspruchsliste ausliegt, tragen sich von 33.726 Stimmberechtigten lediglich 270 für den Verbleib beim Reich ein — das Gebiet fällt an Belgien.
Der Ruhraufstand

Als Reaktion auf den Kapp-Putsch bricht im Ruhrgebiet ein bewaffneter Aufstand aus. Die „Rote Ruhrarmee" wächst binnen kurzer Zeit auf mehr als 50.000 Bewaffnete an, getragen von Arbeitern aus Freien Gewerkschaften, USPD, KPD und Syndikalisten, die die Erhebung — parallel zu Bewegungen in Thüringen und Sachsen — in eine „zweite Revolution" zu führen versuchen. Am 2. April marschieren Reichswehreinheiten ins Ruhrgebiet ein, um den Aufstand niederzuschlagen.
Fräulein Unbekannt aus dem Landwehrkanal

Nach einem Suizidversuch wird eine junge Frau, die zu ihrer Person keine Angaben macht, aus dem Berliner Landwehrkanal gezogen und in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. In der Heil- und Pflegeanstalt Dalldorf wird sie als „Fräulein Unbekannt" geführt; wer sie ist, bleibt ungeklärt.
Aus heutiger Sicht
Die 1920 namenlose Patientin wurde ab 1922 unter der Behauptung bekannt, die totgeglaubte Zarentochter Anastasia zu sein, und trat später als „Anna Anderson" auf. Erst eine DNA-Untersuchung klärte 1994, zehn Jahre nach ihrem Tod, zweifelsfrei, dass keine Verwandtschaft mit den Romanows bestand.
Erste Internationale Dada-Messe

In der Galerie Dr. Otto Burchard eröffnen die Berliner Dadaisten — darunter George Grosz, John Heartfield und Raoul Hausmann — am 30. Juni ihre Erste Internationale Dada-Messe, die bis zum 25. August zu sehen ist. Zu den Exponaten zählen Grosz' Mappe „Gott mit uns" sowie ein von Schlichter und Heartfield geschaffener ausgestopfter Soldat mit Schweinekopf und ein ausgestopfter Frauenrumpf mit Eisernem Kreuz. Die Schau ist eine bewusste Absage an die bürgerliche Kultur.
Aus heutiger Sicht
Das Reichswehrministerium klagte wegen Beleidigung der Reichswehr. Im Prozess im April 1921 wertete das Gericht die Soldatenpuppe straffrei als „Bierulk" und verhängte Geldstrafen von 300 Mark gegen George Grosz und 600 Mark gegen Verleger Wieland Herzfelde.
Erstes Weihnachtskonzert im Rundfunk

Vom Sender Königs Wusterhausen der Reichspost aus wird am 22. Dezember erstmals in Deutschland ein Weihnachtskonzert per Funk übertragen. Einen öffentlichen Unterhaltungsrundfunk gibt es 1920 noch nicht.
Frauenwahlrecht in den USA

Mit der Ratifizierung durch Tennessee als 36. Bundesstaat wird der 19. Zusatzartikel zur US-Verfassung, der das Frauenwahlrecht garantiert, am 18. August komplett; am 26. August verkündet Außenminister Colby ihn offiziell. Der Kongress hatte den Zusatzartikel bereits am 4. Juni 1919 vorgeschlagen — Endpunkt einer jahrzehntelangen Frauenwahlrechtsbewegung.
Prohibition tritt landesweit in Kraft

Ein Jahr nach seiner Ratifizierung tritt der 18. Zusatzartikel zur US-Verfassung landesweit in Kraft: Herstellung, Transport und Verkauf von Alkohol sind in den Vereinigten Staaten von nun an verboten.
Olympische Spiele ohne Deutschland

Bei den VII. Olympischen Spielen in Antwerpen sind Deutschland, Österreich, Bulgarien, Ungarn und das Osmanische Reich als Kriegsverlierer nicht zugelassen. 29 Mannschaften mit 2.591 Athletinnen und Athleten treten an; erstmals leistet ein Sportler, der belgische Fechter Victor Boin, den olympischen Eid, und erstmals stehen die Olympischen Ringe als Symbol über den Spielen. Finnland tritt erstmals unter eigener Flagge an.
Uraufführung „Das Cabinet des Dr. Caligari"

Im Berliner Filmtheater „Marmorhaus" hat der expressionistische Stummfilm von Robert Wiene Premiere. Die Bauten von Walter Reimann, Hermann Warm und Walter Röhrig, entstanden in einem Atelier in Berlin-Weißensee, machen den Film zum Musterbeispiel des expressionistischen „Caligarismus".
Attentat auf Erzberger und Ehrbeleidigungsprozess

Reichsfinanzminister Matthias Erzberger verklagt den ehemaligen Staatssekretär Karl Helfferich wegen übler Nachrede in Korruptionsvorwürfen; der Prozess beginnt am 19. Januar. Während des laufenden Verfahrens wird am 26. Januar ein Schussattentat auf Erzberger verübt. Am 12. März verurteilt das Gericht Helfferich nur zu einer geringen Geldstrafe, gibt ihm aber inhaltlich weitgehend recht — Erzberger tritt daraufhin unmittelbar als Minister zurück.
Aus heutiger Sicht
Erzberger, der 1918 als Zentrumspolitiker den Waffenstillstand unterzeichnet hatte, wurde im August 1921 von Rechtsextremisten ermordet — einer der ersten und folgenreichsten politischen Morde der Weimarer Republik.
Der „Reigen"-Theaterskandal

Arthur Schnitzlers 1903 erschienenes, wegen angeblicher Unsittlichkeit lange indiziertes Drama „Reigen" erlebt im Kleinen Schauspielhaus Berlin unter der Leitung von Theaterprinzipalin Gertrud Eysoldt, inszeniert von Hubert Reusch, seine autorisierte Uraufführung. Wenige Stunden zuvor hatte das preußische Kultusministerium ein Aufführungsverbot verhängt und den Theaterleitern mit sechs Wochen Gefängnis gedroht — Eysoldt tritt dennoch vor das Publikum und lässt die Aufführung wie geplant stattfinden. Zur Besetzung gehören unter anderem Else Bäck, Fritz Kampers, Victor Schwanneke und Curt Goetz.
AM RANDE NOTIERT
- 24. Februar — Im Münchner Hofbräuhaus wird die Umbenennung der Deutschen Arbeiterpartei in NSDAP bekanntgegeben; Adolf Hitler präsentiert das 25-Punkte- Programm — eine unbedeutende Münchner Splitterpartei.
- 9. März — Der Chemiker Erik Liebreich meldet ein Verfahren zur elektrolytischen Verchromung zum Patent an.
- 25. März — Bei Mechterstädt in Thüringen ermorden Marburger Verbindungsstudenten 15 verhaftete Arbeiter „wegen Widerstands gegen den Kapp-Putsch"; die Täter werden noch im Jahr freigesprochen.
- 23. Juni — Ein preußisches Gesetz hebt die Standesvorrechte des Adels auf: Erstgeburtstitel entfallen, Adelstitel gelten nur noch als Namensbestandteil.
- 1. Juli — Der Freistaat Coburg vereinigt sich mit dem Freistaat Bayern.
- 6. Oktober — In Bayern wird das Dienstmädchen Maria Sandmayr Opfer eines Fememords, nachdem sie ein illegales Waffenlager der Einwohnerwehr angezeigt hatte.
- 12.–17. Oktober — Ein Sonderparteitag der USPD in Halle stimmt am 16. Oktober über die 21 Bedingungen der Komintern ab und führt zur Spaltung der Partei.
- 13. Dezember — Die Berliner Straßenbahnbetriebe (Große Berliner Straßenbahn, Städtische Straßenbahn, BESTAG) fusionieren zur einheitlichen Berliner Straßenbahn.
- 13. Dezember — Der Bonbonkocher Hans Riegel lässt in Bonn seine Firma „Haribo" ins Handelsregister eintragen.
WIRTSCHAFT · 1920
Zum Jahresbeginn treten massive Kohlepreiserhöhungen in Kraft. Ende Januar kostet der US-Dollar in Berlin mehr als das Zehnfache seines Vorkriegspreises von 4,20 Mark — die Mark hat damit weniger als ein Zehntel ihres Wertes vom Juli 1914. Am 29. März führt die Erzbergersche Steuerreform eine einheitliche Reichseinkommensteuer ein.
Der Preisspiegel:
- Brot (1 kg) — 1,88 Mark (1919: 1,72 Mark)
- Milch (1 l) — 2,16 Mark (1919: 0,49 Mark)
- Ei (1 Stück) — 0,23 Mark (unverändert gegenüber 1919)
- Kartoffeln (1 kg) — 0,70 Mark (1919: 0,33 Mark)
- Zucker (1 kg) — 1,40 Mark (1919: 0,90 Mark)
- Butter (1 kg) — 19,60 Mark (1919: 9,91 Mark)
- Porto, Inlandsbrief bis 20 g — 20 Pfennig (bis 5. Mai) → 40 Pfennig (ab 6. Mai)
- Straßenbahn Berlin, Einzelfahrschein — 30 Pfennig (1. Jan.) → 50 Pfennig (1. April) → 70 Pfennig (21. Mai) → 80 Pfennig (1. Dez.)
SPORT · 1920
Der 1. FC Nürnberg wird am Ende der Saison 1919/20 zum ersten Mal Deutscher Fußballmeister — das Finale findet vor 35.000 Zuschauern in Frankfurt am Main statt. Erster Meister im Arbeiter-Turn- und Sportbund wird der TSV Fürth. Am 14. Juli erscheint in Konstanz die erste Ausgabe der von Walther Bensemann gegründeten Sportzeitschrift „Der Kicker". Bei den Olympischen Spielen in Antwerpen ist Deutschland nicht dabei. In Canton, Ohio, gründet sich am 20. August die American Professional Football Association.
MODE · 1920
Röcke fallen 1920 noch wadenlang mit leichter Schwingung um die Hüfte. Das strenge Korsett der Vorkriegszeit weicht zunehmend dem lockeren, kaum noch versteiften Corselet; Seide bleibt wegen Rohstoffknappheit teuer, günstigere Kunstseiden-Strümpfe kommen auf. Die Herrenmode ist deutlich vom Militär geprägt: kurze, taillierte, oft gegürtete Sakko-Jacken lösen die langen Gehröcke ab, dazu schmale, kurz geschnittene Hosen mit Aufschlag. Berlin ist bereits Zentrum der deutschen Konfektionsindustrie: rund 2.700 jüdische Modeherstellerinnen und -hersteller arbeiten in der Stadt, Zentrum ist der Hausvogteiplatz, mit Häusern wie Hermann Gerson und Valentin Manheimer — der Berliner Damenkonfektionsstil wird international als „Berliner Chic" bekannt.
KINO & FUNK · 1920
Das Jahr beginnt am 3. Januar mit der Uraufführung des Stummfilmdramas „Sklaven fremden Willens" in der Berliner Schauburg, mit Bela Lugosi in einer frühen Rolle. Am 26. Februar hat „Das Cabinet des Dr. Caligari" Premiere. Am 9. März folgt Ernst Lubitschs Komödie „Kohlhiesels Töchter" mit Henny Porten in Doppelrolle. Zum Jahresschluss überträgt der Sender Königs Wusterhausen das erste deutsche Rundfunk-Weihnachtskonzert.
GESTORBEN · 1920
- Amedeo Modigliani (35), italienischer Maler und Bildhauer — 24. Januar, Paris.
- Srinivasa Ramanujan (32), indischer Mathematiker — 26. April.
- Venustiano Carranza (60), Präsident von Mexiko, gewaltsamer Tod — 21. Mai.
- Max Weber (56), deutscher Soziologe, Lungenentzündung — 14. Juni, München.
- Ludwig Ganghofer (65), deutscher Schriftsteller — 24. Juli.
- Carl Legien (59), deutscher Gewerkschaftsführer und SPD-Politiker — 26. Dezember, Berlin.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1920
- Höhenrekord über 10.000 Meter (27. Feb., USA). US-Major Rudolph „Shorty" Schroeder erreicht als erster Mensch eine Flughöhe von über 10.000 Metern.
- Erste dreifarbige Verkehrsampeln (1920, Detroit/New York). In beiden Städten gehen die ersten dreifarbigen Lichtsignalanlagen für den Straßenverkehr in Betrieb.
- Firmengründung Haribo (13. Dez., Bonn). Der Bonbonkocher Hans Riegel lässt seine Firma ins Handelsregister eintragen — der kleine Anfang eines später weltbekannten Unternehmens.
DAS WETTER · 1920 in Berlin
Am 13. Juli erreichte das Thermometer an der Station Berlin-Dahlem ein Tagesmaximum von 22,8 °C, das Minimum lag bei 14,4 °C; das Mittel aus beiden Werten ergibt 18,6 °C (ein amtliches Tagesmittel liegt für diesen Tag nicht vor). Niederschlag fiel an diesem Tag keiner, während es tags darauf, am 14. Juli, mit 15,3 mm noch kräftig regnete.
Der heißeste Tag des Jahres war der 18. Juli mit 32,1 °C, der kälteste der 20. Dezember mit −10,0 °C. Berlin zählte 91 Frosttage und 22 Eistage, dazu 23 Sommertage mit mindestens 25 °C, davon fünf heiße Tage über 30 °C. Der Jahresniederschlag summierte sich auf 539,5 mm. Im Mittel erreichte das Tagesmaximum 13,5 °C, das Tagesminimum 5,1 °C.
(Messwerte der Station Berlin-Dahlem. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1920
Amtliche Verkaufscharts gibt es in Deutschland noch nicht; die Liste stützt sich auf Berliner Operettenpremieren und auf die von Tanzkapellen und im Notenhandel verbreiteten amerikanischen Foxtrotts des Jahres. Von zwanzig vorgesehenen Plätzen ließen sich zehn Titel belegen, die bis einschließlich 1920 entstanden und in diesem Jahr verbreitet waren.
- Der letzte Walzer — Musik: Oscar Straus, Operette (Berliner Theater, Uraufführung 12. Februar 1920, mit Fritzi Massary)
- Der Tanz ins Glück — Musik: Robert Stolz, Operette (Komödienhaus Wien, Uraufführung 18. Oktober 1920)
- Das lila Lied — Musik: Mischa Spoliansky, Text: Kurt Schwabach, Verlag Karl Schultz
- Whispering — Musik: Vincent Rose/John Schonberger, Text: Richard Coburn, US-Foxtrott
- Dardanella — Musik: Felix Bernard/Johnny S. Black, Text: Fred Fisher, seit 1919 meistverkaufte Instrumental-Aufnahme der USA, Foxtrott-Welthit bis weit in 1920
- Margie — Musik: Con Conrad/J. Russel Robinson
- Avalon — Musik: Vincent Rose, Text: Al Jolson/B. G. DeSylva
- The Japanese Sandman — Musik: Richard A. Whiting, Text: Raymond B. Egan
- Swanee — Musik: George Gershwin, Text: Irving Caesar, durch Al Jolson (Revue „Sinbad") zum US-Nr.-1-Hit
- Wang Wang Blues — Musik: Henry Busse/Gus Mueller/Buster Johnson, Text: Leo Wood
Generalstreik und „blutiger Donnerstag“: Kiel im Kapp-Putsch

Am 13. März stellt sich Konteradmiral Magnus von Levetzow, Chef der Marinestation der Ostsee, hinter die Regierung Kapp. Kommen Ebert und Noske nach Kiel, sollen sie verhaftet werden. Mittags treten die Arbeiter der Großbetriebe in den Generalstreik, noch ehe sich Partei- und Gewerkschaftsleitungen geäußert haben. Auf einer Versammlung auf dem Wilhelmplatz ruft der Kartellvorsitzende Gustav Garbe die Arbeiter auf, sich bereitzuhalten; am Abend kommt es bei der Reichswerft zu Gefechten, als etwa 2000 Arbeiter Waffen aus dem Depot holen wollen.
Garbe wird noch am Abend des 13. März auf einer Vertrauensleuteversammlung im Gewerkschaftshaus verhaftet. Am 14. März setzt Levetzow Oberpräsident Kürbis und Polizeipräsident Poller ab und verbietet sämtliche Zeitungen. Die Schiffs-Maschinenbauschule in der Fährstraße wird besetzt, um das gegenüberliegende Polizeipräsidium und das Gewerkschaftshaus zu kontrollieren. Als der Putsch am 17. März in Berlin zusammenbricht, gehen die Kämpfe in Kiel weiter.
Am Donnerstag, dem 18. März, beginnt ab 9 Uhr ein Handgemenge vor der Maschinenbauschule, dann toben Straßenkämpfe zwischen Dreiecksplatz und Kleinem Kiel: Sicherheitspolizei und Arbeiterwehr gegen die Marinebrigade Loewenfeld und Zeitfreiwillige. Mittags wird Levetzow abgesetzt, sein Nachfolger Ewers befiehlt gegen 13 Uhr den Rückzug, doch die Loewenfelder kämpfen bis zum Abend. Garbe wird als Gouverneur anerkannt. Die Kämpfe fordern mehrere Dutzend Tote. Am 24. März geben rund 15 000 Kieler den Opfern auf dem Eichhof-Friedhof und dem Nordfriedhof das Geleit; Professor Gustav Radbruch hält eine der Trauerreden. Am 25. März endet der Streik, nachdem neun Forderungen angenommen sind, darunter die Entwaffnung gegenrevolutionärer Formationen.
Aus heutiger Sicht
Spätere Zählungen kamen auf 68 und auf 76 Tote, dazu etwa 200 Verletzte. Nach der Darstellung des Historikers Klaus Kuhl trug die Kieler Gegenwehr aus Streik, Sicherheitspolizei und Arbeiterwehr zum Scheitern des Putsches bei.
Kiel wählt seinen Oberbürgermeister
Nach dem Rücktritt von Oberbürgermeister Lindemann bewerben sich rund 50 Personen um das Amt. In die engere Wahl kommen drei: Oberbürgermeister Dr. Emil Lueken aus Rüstringen, Stadtrat Dr. Weiß aus Nürnberg und Oberbürgermeister Dr. Glücksmann aus Guben. Am Sonnabend, dem 10. April, entscheiden die Wahlberechtigten selbst.
Abgegeben werden 20 511 Stimmen. Lueken erhält 14 401, Weiß 6 095, Glücksmann 15. Damit ist der parteilose Lueken gewählt, geboren 1879 in Oldenburg und bislang Oberbürgermeister von Rüstringen am Jadebusen, wo ihn 1907 die Gemeinde Heppens zum Bürgermeister gewählt hatte. Er verabschiedet sich Ende Mai aus Rüstringen und tritt am 15. Juni sein Amt in Kiel an.
Die erste Kieler Herbstwoche und ein Vortrag Albert Einsteins

Die Idee stammt von Bernhard Harms, dem Leiter des Instituts für Seeverkehr und Weltwirtschaft: Kiel soll den Charakter der „gewesenen Marinestadt“ ablegen und sich als Kulturzentrum Schleswig-Holsteins zeigen. Besucher aus ganz Deutschland sollen der Stadt zugleich wirtschaftlichen Nutzen bringen. Die Marine ist auf 15 000 Berufssoldaten begrenzt, im Schiffbau und bei den Zulieferern sinkt die Beschäftigung, die Einwohnerzahl geht zurück.
Eröffnet wird die Woche am Abend des 11. September mit einem Empfang im Hotel Bellevue; Oberbürgermeister Lueken begrüßt die Gäste, für die preußische Staatsregierung spricht Kultusminister Haenisch. Auf dem Programm stehen Opern von Franz Schreker und Richard Wagner, Schauspiele von Schiller, Hebbel, Hauptmann, Ibsen und Wildgans, mehrere niederdeutsche Stücke und Konzerte von Beethoven bis Reger. In der Kunsthalle zeigen Ausstellungen Emil Nolde, Christian Rohlfs und Ernst Barlach.
Am 15. September spricht Albert Einstein im Riesensaal des Gewerkschaftshauses in der Fährstraße über „Raum und Zeit im Lichte der Relativitätstheorie“. Der Vortrag ist auf das Volkstümliche angelegt, sodass auch Laien folgen können. In denselben Tagen sprechen unter anderem Professor Köster aus Leipzig über das Meistersingerdrama, Professor Zitelmann aus Bonn über Recht und Wirklichkeit und der Rektor der Universität Christiania, Axel Holst, über Ernährungskrankheiten.
Nicht alle Kieler sind einverstanden: Einige Erwerbslose demonstrieren auf der Straße, weil sie die gefüllten Schaufenster „als eine Verhöhnung ihrer unverschuldet elenden Lage“ ansehen.
Ein Leutnant zur See führt die Marinestation

Am 21. März verlangen Emil Alboldt, der Vorsitzende des Deckoffizierbundes, und Vertrauensleute der Berufssoldaten die Beurlaubung der Offiziere der schwimmenden Streitkräfte und die Neuwahl der Vorgesetzten durch die Mannschaften. Gouverneur Garbe stimmt zu. Zwei Tage später fordern Marineangehörige, unterstützt von Arbeiterwehr und Republikanischem Führerbund, die Offiziere des Stationskommandos müssten das Gebäude verlassen; alle Offiziere des Stabes räumen es. Konteradmiral Ernst Ewers legt am 25. März sein Amt nieder.
Als Chef der Marinestation wird der Leutnant zur See Carl von Seydlitz eingesetzt, geboren 1881 in Kiel, früher Oberdeckoffizier, Sohn eines Werftbetriebssekretärs und gelernter Maschinenbauer. Zuvor hat man vergeblich versucht, einen Seeoffizier, Konteradmiral Lüdecke, zu gewinnen. Das Reichswehrministerium bestätigt Seydlitz am 6. April.
Im April läuft eine reichsweite Pressekampagne gegen die Kieler Deckoffiziere. Am 16. April beschuldigt der im März zurückgetretene Reichswehrminister Noske im Haushaltsausschuss der Nationalversammlung die Marine, besonders in Kiel, der Disziplinlosigkeit. Am 26. Mai kommt der neue Reichswehrminister Otto Geßler nach Kiel und setzt die Offiziere wieder ein. Seydlitz erklärt seinen Rücktritt zum 31. Mai. Ihm folgt Ernst von Gagern.
Die Marinebrigade zieht ab: Schüsse an den Hochbrücken

Am Freitag, dem 19. März, rückt das Detachement unter Korvettenkapitän Franz Claassen, das Rückgrat der Putschtruppe in Kiel, von der Neuen Marinestation in die Kaserne Wik und verlässt am Abend ohne Befehl die Stadt über die Holtenauer Hochbrücke. Die Friedrichsorter Arbeiterwehr will den Übergang verhindern, die Truppe schießt sich den Weg über den Kanal frei. Nachts um 2 Uhr folgen Einheiten der Küstenwehrabteilung.
Am Sonnabend queren weitere Gruppen der Loewenfelder und Zeitfreiwillige die Levensauer Hochbrücke; auch dort fallen Schüsse. Zusammen sind es etwa 1500 Mann, nun als „Detachement Kiel“. In Gettorf verweigert eine Arbeiterwehr den Durchzug, die Truppe umgeht den Ort. Der Schleswiger SPD-Politiker Karl Meitmann stellt Arbeiterwehren aus Schleswig, Eckernförde und Rendsburg zu einer einkreisenden Stellung auf und vereinbart zusammen mit Generalmajor Hammerstein mit Claassen einen Abmarsch nach Südwesten, an den sich die Truppe zunächst nicht hält.
Die Truppe erreicht am 21. März Holtsee, setzt am 22. März bei Sehestedt mit der Fähre über den Kanal und zieht über Nortorf weiter. Am 25. März rückt sie ins Lockstedter Lager ein, nach der Meldung der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung „mit wehenden Fahnen und unter den Klängen von ‚Heil dir im Siegerkranz‘“. Ihre Führer erklären, sie stünden „auf dem Boden der Regierung Ebert-Bauer“ und seien „infolge von Täuschung in die Kieler Kämpfe hineingeraten“.
Aus heutiger Sicht
Der Historiker Klaus Kuhl wertete die Erklärung der Führer als Versuch, Entwaffnung und Anklage zu entgehen; trotz der zugesagten Auflösung wurde das Bataillon wenige Wochen später gegen den Aufstand im Ruhrgebiet eingesetzt. Sein Kommandeur Franz Claassen machte im NS-Staat Karriere in der SS.
Der Landrat von Bordesholm und die Telegramme der Putschisten
Am 15. März gibt Landrat Adolf Freiherr von Heintze amtliche Bekanntmachungen der Putschisten an die Amts- und Gemeindevorsteher des Kreises Bordesholm weiter, darunter ein Telegramm des Regierungspräsidenten Pauli aus Schleswig: Alle Kundgebungen der Regierung Ebert-Bauer seien „unter allen Umständen“ zu verhindern, Drucksachen zu beschlagnahmen, Zettelverteiler zu verhaften, Druckereien zu schließen.
Um den 20. März erhält Heintze per Telegramm die Nachricht, dass er vorläufig seines Amtes enthoben ist; am 8. April beantragt er seine Versetzung in den Ruhestand und zieht bald darauf nach Flehm bei Kletkamp. Seine Vertretung übernimmt der Sozialdemokrat Arthur Zabel aus Heikendorf. Der Kreistag stimmt am 22. Juni mit 11 zu 8 für ihn; ernannt wird er zum 1. Oktober.
Gegen Heintze wird zunächst wegen Beihilfe zum Hochverrat ermittelt, der Oberreichsanwalt in Leipzig stellt das Verfahren am 15. Juni ein. Innenminister Carl Severing verhängt am 13. August eine Geldbuße von 300 Mark und versetzt ihn zum 1. Oktober in den Ruhestand. Heintze legt Widerspruch ein, er habe „als Beamter der alten Schule“ gehandelt; Severing lehnt am 6. September ab. Von den 19 Landräten der Provinz stehen im März elf unter Verdacht, zwei werden entlassen: Friedrich Werner Nasse in Husum und Hans Freiherr von Schröder in Eckernförde.
Die Amnestie vom 2. August beendet die meisten Verfahren gegen die Putschteilnehmer.
KURZ NOTIERT · Kiel 1920
- 13. Januar — Mit dem Ausnahmezustand im Reich geht die vollziehende Gewalt in Kiel auf den Chef der Marinestation, Konteradmiral Levetzow, über; Polizeipräsident Wilhelm Poller wird Zivilgouverneur.
- 17. Februar — Admiral Eduard von Knorr, nach dem die Knorrstraße benannt ist, stirbt mit 79 Jahren in Berlin.
- 9. März — Die Kieler Zeitung dementiert Gerüchte über eine geplante Schließung der Werft.
- 19. März — Levetzow, abgesetzt, erklärt sich am Abend in der Wik noch einmal zum Gouverneur; niemand wagt, ihn zu verhaften. Kurz darauf fährt er getarnt Richtung Berlin, doch ein Posten in Lütjenburg erkennt ihn und nimmt ihn fest.
- 6. Juni — Reichstagswahl, aber nicht in Schleswig-Holstein: Wegen der Volksabstimmungen wird sie hier verschoben, bis dahin sitzen elf ernannte Abgeordnete für den Wahlkreis in Berlin.
- 2. August — Amnestie für die Putschteilnehmer außer „Urhebern“ und „Führern“; auch Levetzow wird amnestiert und scheidet im Oktober aus der Marine aus.
- 17. August — Der schwedische Erzbischof Nathan Söderblom weiht die Schwedische Kirche am Eisenbahndamm und das Toraheim, ein schwedisches Altersheim in der Kirchenstraße, ein; die Gemeinde hat damit ein eigenes Haus mit der Aufschrift „Svenska Kyrkan“.
- 26. Dezember — Carl Legien stirbt in Berlin. Der Sozialdemokrat und Gewerkschaftsführer zog 1893 für den Wahlkreis Kiel-Rendsburg erstmals in den Reichstag ein, gehörte ihm von 1903 an wieder an und wurde 1919 für Schleswig-Holstein in die Nationalversammlung gewählt; im März organisierte er den Generalstreik gegen Kapp mit.
RUND UM DIE FÖRDE · 1920
- 29. Januar, Pries — Neun Straßen erhalten ihre Namen: Buschblick, Hebbelstraße, Fehrsstraße, Johann-Meier-Straße, Klaus-Groth-Straße, Liliencronstraße, Redinskamp, Theodor-Storm-Straße und Frenssenstraße.
- 23. März, Eckernförde — Prinz Heinrich von Preußen, Bruder des früheren Kaisers, wird wegen des Verdachts der Verschwörung mit Kapp einige Tage bei Eckernförde festgehalten und dann auf sein Gut Hemmelmark entlassen; der Verdacht scheint sich nicht bestätigt zu haben.
SPORT AN DER FÖRDE · 1920
- Holstein Kiel — Als Bezirksmeister 1919/20 (51:12 Tore, 24:4 Punkte) nimmt Holstein an der Norddeutschen Meisterschaft teil: Vorrunde am 18. April 6:3 gegen die Lübecker Turnerschaft, Halbfinale am 25. April 0:1 gegen Borussia Harburg.
- Leichtathletik — Georg „Bazi“ Scheer von Holstein Kiel wird bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Dresden am 14./15. August Zweiter über 800 m; es siegt Georg Amberger vom Karlsruher FV in 2:00,2 Minuten.
- Segeln — Im Juni findet zum ersten Mal seit 1914 wieder eine Kieler Woche statt, ausgerichtet vom Kaiserlichen Yacht-Club; mit 54 Yachten kommt die Regatta wieder langsam in Fahrt.
DAS WETTER · 1920 in Kiel
An diesem 13. Juli meldete die Wetterstation Neumünster, rund 28 km südsüdwestlich von Kiel im Binnenland gelegen, eine Höchsttemperatur von 22,9 °C und einen Tiefstwert von 15,6 °C bei einem Mittel von 16,8 °C; es fielen 4,2 mm Niederschlag. Das Jahr über: Das Jahresmittel lag bei 8,6 °C. Der wärmste Tag war der 17. Juli mit 29,4 °C, der kälteste der 14. Dezember mit einem Tiefstwert von −8,8 °C. Hitzetage mit mindestens 30 °C gab es keine, dafür 11 Sommertage (mindestens 25 °C), 12 Eistage (Höchstwert unter 0 °C) und 82 Frosttage (Tiefstwert unter 0 °C). Insgesamt fielen 714 mm Niederschlag.
(Messwerte der DWD-Station Neumünster. Quelle: DWD Climate Data Center.)