DER CHRONIST

Zum Geleit

Kaum war das neue Jahr angebrochen, da stand München im Zeichen des Hitler-Ludendorff-Prozesses; kaum war er zu Ende, begann das Ringen um zwei Reichstage in einem einzigen Jahr. Zwischen Wahlurnen und Gerichtssaal fand das Reich mit der Reichsmark und dem Dawes-Plan zu neuer wirtschaftlicher Festigkeit, während sich die Zahl der beim Rundfunk gemeldeten Teilnehmer von 1.580 zu Jahresbeginn auf 548.749 zum Jahresende steigerte — ein Zeichen, wie sehr sich die Hauptstadt nach den Krisenjahren neuen Zerstreuungen zuwendet.

Die Schlagzeilen des Jahres

Ein Jahr, zwei Reichstage — die Wahlen von 1924

Wahlwerbung der Völkischen am Brandenburger Tor in Berlin, Mai 1924
Wahlwerbung der Völkischen am Brandenburger Tor in Berlin, Mai 1924 (Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 102-00394, CC BY-SA 3.0 DE)

Zum ersten Mal seit Bestehen der Republik musste das Wahlvolk in einem einzigen Jahr zweimal an die Urne treten. Am 4. Mai wählte das Reich einen neuen Reichstag: Die SPD blieb mit 20,5 % (100 Sitze) stärkste Kraft, dicht gefolgt von der DNVP mit 19,5 % (95 Sitze). Das Zentrum kam auf 13,4 % (65 Sitze), die KPD verdoppelte sich auf 12,6 % (62 Sitze) und wurde damit erstmals eine Massenpartei — 1920 hatte sie noch bei 2,1 % gelegen. Die DVP erreichte 9,2 % (45 Sitze), eine völkisch-national­ sozialistische Listenverbindung 6,6 % (32 Sitze) und die DDP 5,7 % (28 Sitze); die Wahlbeteiligung lag bei 77,4 % von 38,4 Millionen Wahlberechtigten. Die im November 1923 verbotene NSDAP trat unter dem Namen der Deutschvölkischen Freiheitspartei an.

Der neue Reichstag erwies sich als kaum regierungsfähiger als der alte. Am 20. Oktober wurde er wieder aufgelöst, am 7. Dezember ging das Reich abermals zur Wahl — mit spürbar anderem Ausgang. Die SPD gewann auf 26,0 % (131 Sitze), ihr bestes Ergebnis seit 1919, die DNVP auf 20,5 % (103 Sitze). Zentrum und Bayerische Volkspartei kamen zusammen auf 17,3 % (69 bzw. 19 Sitze), die DVP auf 10,1 % (51 Sitze). Die KPD fiel auf 8,9 % (45 Sitze) zurück, die völkisch-nationalsozialistische Liste sogar auf 3,0 % (14 Sitze) — ein Rückgang, den man sich in der Hauptstadt mit dem beginnenden wirtschaftlichen Aufschwung erklärt: Die Arbeitslosigkeit unter organisierten Gewerkschaftsmitgliedern war von über 12 % im Juli auf 7,2 % im November gefallen, nachdem im August der Dawes-Plan unterzeichnet worden war.

Am selben 7. Dezember wählte auch Preußen, der Wohnsitz dieser Zeitung, einen neuen Landtag. Die SPD wurde mit 24,9 % (114 Sitze) stärkste Fraktion vor der DNVP mit 23,7 % (109 Sitze), dem Zentrum mit 17,6 % (81 Sitze), der DVP mit 9,8 % und der KPD mit 9,6 %; die Beteiligung erreichte 78,6 %. Misstrauensanträge von DVP, DNVP und KPD gegen Ministerpräsident Otto Braun scheiterten nur knapp mit 221 zu 221 Stimmen — die Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und DDP bleibt damit im Amt.

Die übrigen Wahlgänge des Jahres:

  • Thüringen, 10. Februar — Der bürgerliche „Thüringer Ordnungsbund" (DVP, DNVP, DDP u. a.) erhält 48,0 % vor der SPD mit 23,1 % und der KPD mit 18,4 %; die völkische Liste kommt auf 9,3 %. Ministerpräsident wird Richard Leutheußer (DVP), die bisherige SPD-Regierung wird abgelöst.
  • Mecklenburg-Schwerin, 17. Februar — Die DNVP-Einheitsliste siegt mit 28,9 % vor der SPD (22,8 %) und der völkischen DVFB (19,3 %); Ministerpräsident wird Joachim Freiherr von Brandenstein (DNVP).
  • Bayern, 6. April — Die BVP bleibt mit 32,8 % (46 Sitze) klar stärkste Kraft vor SPD (17,2 %) und dem Völkischen Block (17,1 %, NSDAP-Nachfolgeliste — Hitler sitzt zu dieser Zeit in Landsberg). Die Bürgerblock-Regierung unter Ministerpräsident Heinrich Held wird fortgesetzt.
  • Württemberg, 4. Mai — Das Zentrum wird mit 20,9 % knapp stärkste Kraft vor dem Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbund (20,2 %) und der SPD (16,0 %); den Ministerpräsidenten stellt dennoch die DNVP mit Wilhelm Bazille.
  • Anhalt, 22. Juni und 9. November — Nach der ersten Wahl (SPD 37,0 %) löst sich der neue Landtag bereits im Juli wieder auf; bei der Neuwahl im November gewinnt die SPD erneut mit 40,9 %, und Heinrich Deist (SPD) kehrt als Ministerpräsident zurück.
  • Hamburg, 26. Oktober — Die SPD siegt mit 32,4 % vor DNVP (17,0 %) und KPD (14,7 %); der Senat unter Bürgermeister Carl Petersen (DDP) bleibt unverändert im Amt.
  • Braunschweig, 7. Dezember — Trotz erneutem SPD-Sieg (37,4 %) löst zum Jahresende eine bürgerliche Koalition aus DNVP, DVP und Wirtschaftlicher Einheitsliste unter dem parteilosen Gerhard Marquordt die bisherige SPD-Regierung ab.
  • Hessen, 7. Dezember — Die SPD gewinnt 35,2 % vor dem Zentrum (16,1 %); das Ministerium Ulrich (SPD) regiert unverändert weiter.
  • Bremen, 7. Dezember — Die SPD siegt mit 36,3 % vor der DVP (15,7 %); der Senat unter Bürgermeister Donandt bleibt im Amt.
  • Lübeck, 10. Februar — Die SPD wird mit 34,4 % stärkste Kraft, Zweiter wird die „Wirtschaftsgemeinschaft" mit 26,5 %; Senatspräsident Johannes Neumann bleibt im Amt.
  • Oldenburg, 4. Mai — keine reguläre Landtagswahl, sondern lediglich eine Nachwahl im französisch besetzten Landesteil Birkenfeld zur Vervollständigung derselben Wahlperiode.
Aus heutiger Sicht

Zwei Reichstagswahlen binnen acht Monaten und ein Dutzend Landtagswahlen zeigen, wie unruhig die Weimarer Republik selbst in ihrem Stabilisierungsjahr blieb — und wie schnell wirtschaftliche Erholung an der Wahlurne sichtbar wurde: Der Rückgang der äußersten Ränder zwischen Mai und Dezember 1924 fiel mit dem beginnenden Aufschwung nach dem Dawes-Plan zusammen.

Der Prozess gegen Hitler und Ludendorff

Die Angeklagten nach dem Hitler-Ludendorff-Prozess, München, 1. April 1924
Die Angeklagten nach dem Hitler-Ludendorff-Prozess, München, 1. April 1924 (Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 102-00344A, Urheber Heinrich Hoffmann, CC BY-SA 3.0 DE)

Vor dem Volksgericht München I stand von Ende Februar bis Anfang April, was der Öffentlichkeit als Abrechnung mit dem Hochverrat vom 8./9. November 1923 erschien: Adolf Hitler, General Erich Ludendorff und acht weitere Angeklagte mussten sich wegen des Münchener Putschversuchs verantworten. Am 1. April verkündete das Gericht sein Urteil: Alle Angeklagten außer Ludendorff, der freigesprochen wurde, wurden schuldig gesprochen. Hitler erhielt mit fünf Jahren Festungshaft und 200 Goldmark Buße die gesetzliche Mindeststrafe für Hochverrat.

Hitler verbüßt seine Haft in der Festung Landsberg am Lech, wo er mit der Niederschrift seines Buches „Mein Kampf" beginnt. Bereits am 20. Dezember, nach nur neun Monaten, wird er auf Bewährung entlassen.

Aus heutiger Sicht

Ein General wird freigesprochen, der Anführer des Umsturzes kommt mit der Mindeststrafe davon und sitzt nicht einmal ein Jahr — was 1924 vielen als mildes Urteil gegen einen politisch Verwirrten erschien, gilt heute als eines der folgenreichsten Fehlurteile der Weimarer Justiz: Es verschaffte Hitler ein Forum für seine Propagandaschrift und eine vorzeitige Rückkehr in die Politik.

London besiegelt den Dawes-Plan

Charles G. Dawes, Namensgeber des Reparationsplans
Charles G. Dawes, der amerikanische Bankier und Namensgeber des Reparationsplans, Aufnahme von 1925 (Wikimedia Commons, Bain News Service / Library of Congress, gemeinfrei)

Vom 16. Juli bis 16. August verhandelten die Regierungen der Siegermächte und des Reiches in London über die deutschen Reparationen. Reichskanzler Wilhelm Marx, Außenminister Gustav Stresemann und Finanzminister Hans Luther reisten eigens an die Themse. Am 16. August wurde der nach dem amerikanischen Bankier Charles G. Dawes benannte Plan unterzeichnet, der zum 1. September in Kraft trat und dem Reich einen Auslandskredit von 800 Millionen Goldmark zur wirtschaftlichen Stabilisierung sicherte.

Während die Deutschnationalen den Plan als „zweites Versailles" geißeln und die Kommunisten von der „Versklavung des deutschen Proletariats" sprechen, verbucht die Regierung ihn als Grundstein einer neuen wirtschaftlichen Ordnung.

Aus heutiger Sicht

Der Dawes-Plan legt die wirtschaftliche Basis für jene ruhigeren Jahre, die dem Reich nach 1924 noch bevorstehen — freilich um den Preis einer neuen Abhängigkeit von ausländischem Kapital.

Die Reichsmark löst die Rentenmark ab

50-Rentenmark-Schein, Vorgängerwährung der Reichsmark
50-Rentenmark-Schein, ausgegeben am 1. November 1923 als Vorgängerwährung der Reichsmark (Wikimedia Commons, Deutsche Rentenbank, gemeinfrei)

Mit dem Münzgesetz vom 30. August erhielt das Reich zum 11. Oktober ein neues gesetzliches Zahlungsmittel: die Reichsmark zu 100 Reichspfennig, im Kurs 1:1 zur bisherigen Rentenmark. Anders als diese, die durch Grundschulden gedeckt war, steht hinter der Reichsmark die Deckung der Reichsbank durch Gold und Devisen. Die Rentenmark bleibt vorerst als zweites Zahlungsmittel im Umlauf.

Aus heutiger Sicht

Mit der Reichsmark endet endgültig, was die Hyperinflation der Jahre 1914 bis 1923 begonnen hatte — sie wird zur Grundlage jener wirtschaftlichen Erholung, die man später die „Goldenen Zwanziger" nennen wird.

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold formiert sich

Umzug des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Berlin, August 1924
Umzug des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Berlin, 11. August 1924 — nicht die Gründungsveranstaltung im Februar in Magdeburg (Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 102-00610, CC BY-SA 3.0 DE)

In Magdeburg gründeten Republikaner aus SPD, Zentrum und DDP, unter ihnen Otto Hörsing und Karl Höltermann, den „Bund deutscher Kriegsteilnehmer und Republikaner" — bekannt als Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Ziel des überparteilichen Zusammenschlusses ist die Verteidigung der Republik gegen ihre Feinde von rechts wie links. Binnen weniger Monate wächst er zur größten republiktreuen Wehrorganisation der Weimarer Republik.

Der Zeppelin überquert den Atlantik

Das Luftschiff LZ 126 bei der Landung in Lakehurst, New Jersey
Das Luftschiff LZ 126 bei der Landung in Lakehurst, New Jersey, 15. Oktober 1924 (Wikimedia Commons, US Navy, gemeinfrei)

Um 6:35 Uhr startete das Luftschiff LZ 126 unter Kommandant Hugo Eckener mit 27 Mann Besatzung in Friedrichshafen zu seiner Überführung an die Vereinigten Staaten. Nach 81 Stunden und 17 Minuten Flugzeit und rund 7.800 Kilometern landete es am 15. Oktober in Lakehurst, New Jersey. Das Schiff wird als Reparationsleistung an die USA übergeben und dort als „USS Los Angeles" weiterbetrieben. An der amerikanischen Ostküste, in Cape Charles, Virginia, wird die Besatzung begeistert empfangen.

Der Flug gilt als Versöhnungsgeste zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten nach dem Krieg — und als Beweis deutscher Ingenieurskunst, der im ganzen Reich mit Stolz vermeldet wird.

„Die Nibelungen" erobern die Leinwand

Werbegrafik zu Fritz Langs „Die Nibelungen", 1924
Werbegrafik von Theo Matejko zu Fritz Langs Film „Die Nibelungen", 1924 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im Ufa-Palast am Zoo feierte zunächst der erste Teil, „Siegfried", am 14. Februar Premiere, es folgte am 26. April der zweite Teil, „Kriemhilds Rache". Regie führte Fritz Lang nach einem Drehbuch von Thea von Harbou, produziert von der Decla-Ufa. Das monumentale Zweiteiler-Werk gilt schon jetzt als Meilenstein der deutschen Filmkunst.

Lenins Tod erschüttert Moskau

Porträt Wladimir Iljitsch Lenins, Aufnahme von 1920
Porträt Wladimir Iljitsch Lenins, Aufnahme von Juli 1920 (Wikimedia Commons, Pavel Zhukov, gemeinfrei)

Um 4:23 Uhr starb Wladimir Iljitsch Lenin, der Führer der Oktoberrevolution und Regierungschef der Sowjetunion, im Alter von 53 Jahren in Gorki bei Moskau — Folge mehrerer Schlaganfälle, die ihn seit Mai 1922 zunehmend lähmten. Am 27. Januar wurde er im eigens errichteten Mausoleum am Roten Platz beigesetzt. In der Sowjetführung entbrennt bereits der Machtkampf zwischen Stalin und der Linken Opposition um Trotzki.

Die Türkei schafft das Kalifat ab

Der letzte Kalif Abdülmecid II., Aufnahme von 1923
Der letzte Kalif Abdülmecid II., Aufnahme von 1923 (Wikimedia Commons, Jean Pascal Sébah, gemeinfrei)

Die Große Nationalversammlung der Türkei beschloss die endgültige Abschaffung des Kalifats. Der letzte Kalif, Abdülmecid II., muss zusammen mit allen Angehörigen des Hauses Osman das Land verlassen. Nachdem bereits im November 1922 das Sultanat abgeschafft worden war, zieht die Republik damit den endgültigen Schlussstrich unter das Osmanische Reich.

Ein Jenaer Psychiater misst die Ströme des Gehirns

Der Jenaer Psychiater Hans Berger
Der Jenaer Psychiater Hans Berger, Aufnahme von etwa 1930 (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE)

Am Jenaer Universitätsklinikum gelang dem Psychiater Hans Berger ein Novum: Er zeichnete erstmals die elektrischen Ströme eines menschlichen Gehirns auf, die er „Elektrenkephalogramm" nennt. In seinem Tagebuch vermerkte er selbst zurückhaltend: „Heute Versuche (…) mit Rindenströmen zweifelhaft, bei intellektuellen Leistungen wohl positive Ergebnisse, aber Galvanometer nicht empfindlich genug!" Berger selbst bleibt seinen eigenen Messungen gegenüber so skeptisch, dass er die Ergebnisse erst nach jahrelanger Prüfung veröffentlichen will.

Aus heutiger Sicht

Was Berger an diesem Julitag in Jena skeptisch notierte, gilt heute als Geburtsstunde der klinischen Neurophysiologie — aus dem Elektrenkephalogramm wurde das EEG, ein Grundpfeiler der modernen Medizin.

Ohne das Reich — Olympische Spiele in Paris

Einmarsch der britischen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier im Stade de Colombes, 20. Juli 1924
Einmarsch der britischen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier im Stade de Colombes, 20. Juli 1924 (Wikimedia Commons, The New York Times / Agentur International, gemeinfrei)

Wie schon 1920 blieb das Deutsche Reich von den Olympischen Sommerspielen ausgeschlossen — Nachwirkung der Kriegsschuld. Andere 1920 ausgeschlossene Verliererstaaten, Österreich, Ungarn, Bulgarien und die Türkei, waren diesmal wieder zugelassen. Es ist der zweite und letzte Ausschluss des Reiches von Olympischen Spielen.

Calvin Coolidge im Amt bestätigt

Porträtfoto Calvin Coolidges, 1924
Porträtfoto des amerikanischen Präsidenten Calvin Coolidge, Aufnahme von etwa 1924 (Wikimedia Commons, Harris & Ewing, gemeinfrei)

Der Republikaner Calvin Coolidge, seit dem Tod Hardings 1923 bereits im Amt, gewann die Präsidentschaftswahl klar mit 382 Wahlmännerstimmen und rund 15,7 Millionen Wählerstimmen gegen den Demokraten John W. Davis (136 Wahlmänner, 8,4 Millionen Stimmen) und den Fortschrittlichen Robert La Follette (13 Wahlmänner, 4,8 Millionen Stimmen). Erstmals setzte ein Kandidat den Rundfunk in großem Umfang für seinen Wahlkampf ein.

Berlin zeigt die erste Große Deutsche Funkausstellung

Eröffnung der Funkausstellung in Berlin, Dezember 1924
Eröffnung der Funkausstellung in Berlin, Dezember 1924 (Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 102-00876, CC BY-SA 3.0 DE)

Im eigens errichteten „Haus der Funkindustrie" am Messedamm in Berlin-Westend eröffneten Oberbürgermeister Böss und Staatssekretär Hans Bredow die erste Große Deutsche Funkausstellung, in Anwesenheit von Reichspräsident Ebert. Auf 7.000 Quadratmetern zeigten 242 Aussteller Detektorgeräte und Röhrenempfänger, dazu die erste Autoradio-Vorführung Europas. Über 170.000 Besucher strömten in den zehn Tagen durch die Hallen.

Murnaus „Der letzte Mann" ohne ein Wort

Szenenfoto aus „Der letzte Mann" mit Emil Jannings
Szenenfoto aus „Der letzte Mann" mit Emil Jannings als Hotelportier (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im Ufa-Palast am Zoo feierte F. W. Murnaus neuer Film Premiere, mit Emil Jannings in der Hauptrolle eines Hotelportiers. Kameramann Karl Freund löst die Kamera aus ihrer starren Position — die „entfesselte Kamera" begleitet die Handlung frei durch Raum und Zeit. Bemerkenswert ist zudem, dass der Film fast vollständig auf erklärende Zwischentitel verzichtet.

Der erste Verkehrsturm regelt den Potsdamer Platz

Der Verkehrsturm auf dem Potsdamer Platz, Berlin, November 1924
Der Verkehrsturm auf dem Potsdamer Platz, Berlin, November 1924 (Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 102-00843, CC BY-SA 3.0 DE)

Auf der Mittelinsel des Potsdamer Platzes, nach Ansicht vieler des dichtesten Verkehrsplatzes Europas, nahm ein fünfeckiger, 8,50 Meter hoher Turm seinen Betrieb auf — Deutschlands erste Lichtsignalanlage. Ein Schutzmann schaltet die von der Eisenbahn übernommenen Signalfarben Rot, Weiß und Grün von Hand per Hebel. Aufgestellt wurde der Turm bereits im Oktober, die eigentliche Betriebsaufnahme erfolgte am 15. Dezember.

Ein Streckenrekord und ein Schwein im Sportpalast

Teilnehmer des Berliner Sechstagerennens im Sportpalast, 1922
Teilnehmer des Berliner Sechstagerennens im Sportpalast, darunter Richard Huschke, Aufnahme von 1922 — zwei Jahre vor dem Rekordrennen (Wikimedia Commons, Nationaal Archief/Spaarnestad Photo, gemeinfrei)

Beim 12. Berliner Sechstagerennen im Sportpalast stellten Richard Huschke und Franz Krupkat mit 4.544,2 Kilometern einen Streckenrekord auf. Unter den Sprintprämien, mit denen die Veranstalter das Publikum bei Laune halten, befand sich neben 100.000 Zigaretten und 48 Bratenten auch ein lebendes Schwein. Nach der Währungsreform erlebt das Sechstagerennen, das Radsport mit Unterhaltung und Musik verbindet, in der Hauptstadt einen spürbaren Popularitätsschub.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • 5. Februar — Die britische BBC sendet im Programm erstmals ihr amtliches Zeitzeichen.
  • 4. März — Die Wiener Philharmoniker geben im Haus des Musikvereins ihren ersten Ball.
  • 10. April — Nach dem Tod des Industriellen Hugo Stinnes beginnt dessen weitverzweigtes Montan- und Handelsimperium binnen weniger Monate zu zerfallen, da seine Nachfolger den Konzern nicht zusammenhalten können.
  • 17. Juni — In Iserlohn-Grüne ereignet sich mit 26 Toten und mindestens 43 Verletzten das bis dahin schwerste Straßenbahnunglück im Deutschen Reich.
  • 24. Oktober — In Frankfurt am Main sendet der SÜWRAG mit Hans Fleschs „Zauberei auf dem Sender" das erste deutsche Hörspiel; ein Kritiker urteilt, der Sender sei „verrückt geworden".
  • 19. Dezember — Das Schwurgericht Hannover verurteilt Fritz Haarmann, den „Werwolf von Hannover", wegen mindestens 24 nachgewiesener Morde zum Tode; sein Mitangeklagter Hans Grans wird ebenfalls zum Tode, später zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt, verurteilt.
  • 31. Dezember — Noch am Silvestertag verhaftet die Berliner Kriminalpolizei den Kaufmann Julius Barmat, dessen Amexima-Konzern mit rund 39 Millionen Reichsmark Verlust zusammenbricht — nach der Festnahme des Heereswarenhändlers Iwan Baruch Kutisker am 10. Dezember der zweite Akt des größten Berliner Finanzskandals des Jahres.

WIRTSCHAFT · 1924

Das Jahr 1924 markiert den Beginn der wirtschaftlichen Stabilisierung nach der Hyperinflation: Mit der Rentenmark-Reform des Vorjahres und den Krediten aus dem Dawes-Plan fasst die Wirtschaft neues Vertrauen. Im Januar bezogen noch 1.588.939 Personen Arbeitslosenunterstützung; unter organisierten Gewerkschaftsmitgliedern fiel die Arbeitslosenquote von über 12 % im Juli auf 7,2 % im November. Trotz geschwächter Gewerkschaften ziehen die Reallöhne im Jahresverlauf an, wenn auch Tarifkonflikte an Schärfe zunehmen.

Der Preisspiegel (Berlin, Stand Oktober 1924):

  • Roggenbrot (1 kg) — 0,38 Reichsmark
  • Butter (1 kg) — 4,60 Reichsmark
  • Kartoffeln (1 kg) — 0,08 Reichsmark
  • Vollmilch (1 l) — 0,35 Reichsmark
  • Ei (1 Stück) — 0,20 Reichsmark
  • Straßenbahnfahrt — 15 Reichspfennig
  • Standardbrief (bis 20 g) — 10 Reichspfennig
  • Bier (0,5 l) — laut Marktübersicht 0,35 Reichsmark

SPORT · 1924

Im Fußball gewann der 1. FC Nürnberg vor rund 40.000 Zuschauern in Berlin die Wiederholung des unentschieden gebliebenen Finales von 1922 gegen den VfB Leipzig und sicherte sich damit seinen dritten deutschen Meistertitel. Im Sportpalast blieb das Sechstagerennen der Publikumsmagnet der Saison (siehe Story 16), während die Olympischen Spiele in Paris ohne deutsche Beteiligung stattfanden (siehe Story 11).

MODE · 1924

Der Bubikopf setzt sich 1924 im Straßenbild durch — der kurze, an Männerfrisuren orientierte Damenhaarschnitt, mit Seitenscheitel oder Pony getragen. Die Rocklänge rückt aufs Knie oder darüber, der Schnitt wird gerade und die Taille tief angesetzt — man spricht von der „burschikosen Linie". Die Herrenmode bleibt konservativer, wird für den Sport aber zunehmend lockerer: Pullover und Sakko verdrängen dort den Gehrock.

KULTUR · 1924

Bei S. Fischer erschien Thomas Manns zweibändiger Roman „Der Zauberberg" — 578 und 629 Seiten stark, wird er binnen vier Jahren eine Auflage von 100.000 Exemplaren erreichen. Am 1. Dezember gründeten die Schauspieler Paul Morgan, Kurt Robitschek und Max Hansen in Berlin das „Kabarett der Komiker", ein neues, kommerziell ausgerichtetes Unterhaltungsformat zwischen Kabarett und Varieté.

KINO & FUNK · 1924

Im Ufa-Palast am Zoo feiern gleich zwei Filme von Weltrang Premiere: Fritz Langs „Die Nibelungen" (siehe Story 7) und Murnaus „Der letzte Mann" (siehe Story 14). Der Rundfunk verzeichnet unterdessen ein beispielloses Wachstum: Die Zahl der bei der Reichspost gemeldeten Teilnehmer steigt von 1.580 am 1. Januar auf 548.749 zum Jahresende — eine gut 347-fache Steigerung binnen zwölf Monaten, begünstigt durch die Senkung der Rundfunkgebühr von 60 auf 24 Rentenmark im Jahr zum 1. April. Die erste Große Deutsche Funkausstellung im Dezember (siehe Story 13) bestätigt diesen Boom eindrücklich.

GESTORBEN · 1924

  • Woodrow Wilson (67), 28. Präsident der Vereinigten Staaten, Friedensnobelpreisträger 1919 — 3. Februar, Washington D.C.
  • Hugo Stinnes (54), deutscher Industrieller und Montankonzern-Gründer — 10. April, Berlin, Folgen einer Gallenblasen-Operation.
  • Eleonora Duse (65), italienische Schauspielerin — 21. April, Pittsburgh (USA).
  • Franz Kafka (40), deutschsprachiger Schriftsteller aus Prag — 3. Juni, Sanatorium Kierling bei Klosterneuburg, Kehlkopftuberkulose.
  • Anatole France (80), französischer Schriftsteller, Literaturnobelpreis 1921 — 12. Oktober, La Béchellerie bei Tours.
  • Giacomo Puccini (65), italienischer Opernkomponist — 29. November, Brüssel, Folgen einer Kehlkopfkrebs-Behandlung.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1924

  • Wiedereröffnung der Krolloper (1. Januar, Berlin). Die zweite Spielstätte der Staatsoper Unter den Linden öffnet mit Wagners „Meistersingern" unter Dirigent Erich Kleiber wieder ihre Pforten.
  • Gründung der GEHAG (14. April, Berlin). Stadtbaurat Martin Wagner und der Gewerkschafter August Ellinger gründen die gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft als Antwort auf die Berliner Wohnungsnot — mit Bruno Taut als Chefarchitekt der ersten Siedlungen.
  • Sinkende Arbeitslosigkeit (zweite Jahreshälfte). Unter organisierten Gewerkschaftsmitgliedern fällt die Quote von über 12 % im Juli auf 7,2 % im November — ein handfestes Zeichen des beginnenden Aufschwungs.
  • Die Fichtelberg-Schwebebahn nimmt den Betrieb auf (28. Dezember, Erzgebirge). Kurz vor Jahresende geht im Erzgebirge eine neue Bergbahn in Betrieb.

DAS WETTER · 1924 in Berlin

Am 13. Juli erreichte das Thermometer an der Station Berlin-Dahlem mit 31,6 °C den höchsten Wert des Jahres, das Tiefstwert lag bei 13,0 °C; Niederschlag fiel an diesem Tag keiner (am Folgetag, dem 14. Juli, wurden bei 25,4 °C noch 3,0 mm Niederschlag gemessen). Ein amtliches Tagesmittel liegt für den 13. Juli nicht vor.

Über das Jahr gesehen war der 16. Januar mit −13,4 °C der kälteste Tag. Berlin verzeichnete 120 Frosttage und 39 Eistage mit Dauerfrost, dazu 28 Sommertage mit mindestens 25 °C, davon zwei heiße Tage über 30 °C. Der Jahresniederschlag summierte sich auf 479 mm. Im Mittel erreichte das Tagesmaximum 12,3 °C, das Tagesminimum 4,0 °C.

(Messwerte der Station Berlin-Dahlem. Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1924

Amtliche Verkaufscharts gibt es in Deutschland noch nicht; die folgende Liste stützt sich auf Bühnenpremieren, dokumentierte Ersteinspielungen der Berliner Plattenhäuser und den Widerhall in Operette, Kabarett und internationaler Tanzmusik des Jahres. Nach sorgfältiger Prüfung der Jahresangaben führt die Redaktion für 1924 nur 15 statt 20 Titel, deren Entstehungsjahr sich zweifelsfrei belegen ließ.

  1. Warte, warte nur ein Weilchen — Musik: Walter & Willi Kollo, aus der Operette „Marietta"
  2. Oh Katharina! — Musik: Richard Fall, Text: Fritz Löhner-Beda
  3. Madonna, du bist schöner als der Sonnenschein — Musik & Text: Robert Katscher, aus der Revue „Küsse um Mitternacht"
  4. Die Blanka, ja die Blanka — Musik: Jara Beneš, Text: Fritz Löhner-Beda
  5. Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien (aus „Gräfin Mariza") — Musik: Emmerich Kálmán
  6. Komm, Zigány, komm, Zigány, spiel mir was vor (aus „Gräfin Mariza") — Musik: Emmerich Kálmán
  7. Sag ja, mein Lieb, sag ja (aus „Gräfin Mariza") — Musik: Emmerich Kálmán
  8. Ausgerechnet Bananen! — Interpretin: Claire Waldoff
  9. Rhapsody in Blue — George Gershwin
  10. Oh, Lady Be Good! — Musik: George Gershwin, Text: Ira Gershwin
  11. Tea for Two (aus „No, No, Nanette") — Musik: Vincent Youmans, Text: Irving Caesar
  12. It Had to Be You — Musik: Isham Jones, Text: Gus Kahn
  13. I Wonder What's Become of Sally — Musik: Milton Ager, Text: Jack Yellen, Erstinterpret Al Jolson
  14. The Prisoner's Song — Musik & Text: Guy Massey
  15. Dorogoi dlinnoju — Musik: Boris Fomin, Text: Konstantin Podrevsky, russische Romanze
Lokalteil Kiel / Schleswig-Holstein

Kiels Stadtverordnetenwahl: Die SPD verliert Sitze

Am 4. Mai wählen die Kieler ihre Stadtverordneten, am selben Tag stimmt das Reich über den Reichstag ab. Es sind die preußischen Gemeindewahlen, und für die Sozialdemokraten fallen sie bitter aus: Die SPD, die bei der Kommunalwahl am 2. März 1919 auf 44,8 Prozent und 32 Sitze gekommen war, büßt in der Stadtverordnetenversammlung deutlich ein. Auch die KPD und die USPD, für die Otto Heider einzieht, sind in der Versammlung vertreten. Die übrigen Mandate gehen an die bürgerlichen Parteien.

Eine Besonderheit bringt die Wahl durch die jüngsten Eingemeindungen: Holtenau, Pries, Friedrichsort und Neumühlen-Dietrichsdorf bilden jeweils einen eigenen Wahlkreis mit zwei Mandaten.

Trotz des Verlustes stellt die SPD weiter den Vorsteher der Versammlung: Heinrich Jacobs wird Stadtverordnetenvorsteher und löst Wilhelm Spiegel ab, der das Amt seit 1919 geführt hat. Oberbürgermeister bleibt Emil Lueken.

Aus heutiger Sicht

Die SPD erholte sich von dem Rückschlag: Bei der Kommunalwahl 1929 gewann sie in Kiel wieder 27 Sitze.

Neumühlen-Dietrichsdorf wird Kieler Stadtteil

Zum 1. Mai gehört die Gemeinde Neumühlen-Dietrichsdorf zur Stadt Kiel. Rund 7800 Einwohner wechseln aus dem Kreis Bordesholm in das Stadtgebiet, am Ostufer der Förde, dort, wo die Schwentine mündet. Die Eingemeindung ist der vorerst letzte Schritt einer Reihe: 1922 kamen Holtenau, Pries und Friedrichsort zu Kiel, 1923 Kronsburg.

Der Ort ist jung und rasch gewachsen. Neumühlen und Dietrichsdorf, bis dahin getrennte Gemeinden, hatten sich erst am 26. April 1907 zusammengeschlossen. Um 1871 lebten dort etwa 700 Menschen, um 1900 knapp 3000. Den Sprung brachte die Schiffswerft, die Georg Howaldt 1876 an der Schwentine begründete. Neu-Dietrichsdorf entstand als Viertel der Werftarbeiter. Seit 1909 sitzt auch die Firma Anschütz im Ort, die Kreiselkompasse herstellt.

Germaniawerft liefert zwei Fahrgastmotorschiffe nach Flensburg

Blick auf die Kieler Germaniawerft
Die Germaniawerft in Kiel, Aufnahme aus Kurt Hielschers Bildband „Deutschland. Baukunst und Landschaft“ (Berlin 1924) (Kurt Hielscher, Public domain)

Auf der Germaniawerft der Fried. Krupp AG stehen 1924 zwei Passagier-Motorschiffe für die Flensburger Dampfer-Compagnie auf dem Programm. Am 6. Januar läuft die „Rio Bravo“ vom Stapel, am 18. Juni folgt die „Rio Panuco“. Die Übergabe an die Reederei erfolgt am 14. August für die „Rio Bravo“ und am 2. Oktober für die „Rio Panuco“. Die „Rio Bravo“ misst 5.952 BRT und ist 119,8 Meter lang; sie ist für den Passagier- und Frachtdienst nach Südamerika gebaut.

Die Germaniawerft beschäftigt 1924 rund 8.000 Mitarbeiter. Bei den Howaldtswerken laufen 1924 die staatlichen Beihilfen für im Bau befindliche Schiffe aus, die seit 1920 zugesichert waren. Im selben Jahr verkauft Brown, Boveri & Cie. die Aktienmehrheit der Howaldtswerke an die Rombacher Hüttenwerke, und die Werft übernimmt zu Festpreisen den Bau von fünf Tankschiffen zu je 12.000 Tonnen für die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft in Hamburg.

Kiel wirbt um Reisende

Im Juli bekommt Kiel Besuch aus dem Süden: Rund 800 Württemberger reisen mit der Bodenseegesellschaft „Schwaben“ an die Förde. Solche Fahrten aus Süddeutschland an die Förde veranstaltet eine Einrichtung, die 1924 neu geschaffen worden ist. Die „Reise- und Verkehrsbüro G.m.b.H.“ wird unter städtischer Leitung gegründet. Sie soll die Unterbringung der Gäste planmäßig regeln. Der Kieler Verkehrsverein beteiligt sich an dem Unternehmen.

Seit es wieder eine feste Währung gibt, setzt die Stadt alles daran, möglichst viele Fremde nach Kiel zu ziehen, und das Büro ist ihr Werkzeug dafür. Auf der Kieler Woche, die seit 1920 wieder gesegelt wird, fehlen ausländische Teilnehmer 1924 aber noch ganz.

KURZ NOTIERT · Kiel 1924

  • 2. Januar — Die Güterstrecke Kiel-Hassee–Kiel West wird eröffnet, 4,39 Kilometer lang. Sie war als Zubringer zum Holtenauer Hafen geplant; der Bahnhof Kiel West ist so angelegt, dass sie dorthin verlängert werden kann.
  • 29. Februar — Aus dem Kadow Skulpturenwerk geht durch Geschäftsumwandlung die Kieler Kunstkeramik hervor.
  • 15. Mai — Paul Lindemann, Oberbürgermeister von Kiel vom 3. Dezember 1912 bis zum 14. Oktober 1919, stirbt in Wandsbek.
  • Mai/Juni — Der Worpsweder Gartenarchitekt Leberecht Migge gestaltet Bepflanzung und Terrassierung der „Ruhestätte der Opfer der Revolution“ auf dem Eichhof-Friedhof an der Stadtgrenze zu Kronshagen. Die höher gelegene Grabanlage wird von der Versammlungsfläche getrennt. In der Anlage ruhen 41 Menschen, Opfer des Matrosenaufstands 1918, der Februartage 1919 und des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920.
  • 12. August — Die Städtischen Collegien benennen neue Straßen: Fahrenkuhl, Fettberg, Hopfenlandsberg, Kieler Kamp, Kronsburger Straße, Kuhlacker, Quersack, Schlüsbeker Weg und Reesenberg. Am 28. Oktober folgt der Eichkamp.
  • 1. Oktober — Die Fördedampfer fahren wieder. Die Hafenrundfahrt AG nimmt die Passagierfahrt ab Bahnhof nach Friedrichsort auf, die seit dem 17. Dezember 1922 wegen der Kohlepreise ruhte. Die Gaarden-Fähre zwischen Gaarden und Schumachertor hat sie seit Februar 1923 betrieben.
  • 1924 — Erstmals dürfen Mädchen die Kieler Gelehrtenschule besuchen; zuvor konnten sie das Abitur dort nur als Externe ablegen.

RUND UM DIE FÖRDE · 1924

  • 1924, Heikendorf — Wilhelm Ivens, Bürovorsteher, wird Gemeindevorsteher von Heikendorf im Kreis Plön.
  • 1. Oktober, Mönkeberg — Die wieder fahrenden Dampfer der Hafenrundfahrt AG dürfen die Brücken in Mönkeberg und Kitzeberg nicht anlaufen. Die Orte schützen so die neue Motorschiffsgesellschaft Mönkeberg.

SPORT AN DER FÖRDE · 1924

  • Holstein Kiel — In der Saison 1923/24 der Bezirksliga Schleswig-Holstein wird der Spielbetrieb nicht zu Ende geführt; der Verband erklärt Holstein zum Bezirksmeister. Kilia Kiel wird Zweiter.
  • Holstein Kiel — Am 16. März schlägt Holstein in der Qualifikation zur Norddeutschen Endrunde den VfR Lübeck 5:1. In der Endrunde belegt die Mannschaft den vierten von fünf Plätzen, hinter dem Hamburger SV als Sieger, Eintracht Braunschweig und Union 03 Altona.
  • Handball — Holstein Kiel gründet am 15. Januar eine Handballabteilung für Männer.

DAS WETTER · 1924 in Kiel

An diesem 13. Juli meldete die Wetterstation Neumünster eine Höchsttemperatur von 30,8 °C und eine Tiefsttemperatur von 13,8 °C, das Tagesmittel lag bei 21,7 °C. Es fielen 7,1 mm Niederschlag. Neumünster liegt rund 28 Kilometer südsüdwestlich von Kiel im Binnenland.

Das Jahr über: Das Jahresmittel betrug 7,7 °C. Der wärmste Tag war der 13. Juli mit 30,8 °C, der kälteste der 4. Januar mit einem Tiefstwert von −15,6 °C. Gezählt wurden 1 Hitzetag (Höchsttemperatur ab 30 °C), 9 Sommertage (ab 25 °C), 31 Eistage (Höchsttemperatur unter 0 °C) und 117 Frosttage (Tiefsttemperatur unter 0 °C). Im Jahr fielen 769 mm Niederschlag.

(Messwerte der DWD-Station Neumünster. Quelle: DWD Climate Data Center.)