DER CHRONIST

Zum Geleit

Der Volksentscheid über die entschädigungslose Fürstenenteignung am 20. Juni bleibt das innenpolitische Schlüsselereignis des Jahres — eine überwältigende Mehrheit der Abstimmenden votiert für die Enteignung, doch am verschärften Quorum für verfassungsändernde Gesetze scheitert das Volksbegehren formal. Kaum zwei Wochen zuvor stürzt der Flaggenstreit um Hans Luthers Erlass zur Doppelbeflaggung deutscher Auslandsvertretungen dessen Kabinett, Wilhelm Marx übernimmt zum dritten Mal die Kanzlerschaft. Außenpolitisch sichert sich das Reich mit dem Berliner Vertrag vom April die Neutralität der Sowjetunion, ehe es im September mit großer Geste und einer vielbeachteten Rede Gustav Stresemanns in den Völkerbund aufgenommen wird und einen ständigen Ratssitz erhält. Berlin selbst feiert im September die Eröffnung des neuen Funkturms zur Großen Funkausstellung, während die Reichshauptstadt im Januar schon mit der Gründung der Deutschen Luft Hansa und der Weltrekord-Fusion zu den Vereinigten Stahlwerken wirtschaftliche Ausrufezeichen setzt. Aus dem Ausland dringen unterdessen der neuntägige Generalstreik der britischen Gewerkschaften, Gertrude Ederles Rekord- Durchquerung des Ärmelkanals und der plötzliche Tod des Filmstars Rudolph Valentino nach Berlin, während in Weimar die noch kleine NSDAP ihre Reihen hinter Adolf Hitler schließt.

Die Schlagzeilen des Jahres

Volksentscheid über die Fürstenenteignung scheitert am Quorum

Plakat zum Volksbegehren gegen die Fürstenabfindung, 1926
Werbung für das Volksbegehren zur Fürstenenteignung, 1926 (Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 102-00685, CC BY-SA 3.0 DE)

Was die KPD am 25. November 1925 anstieß und die SPD erst nach Druck aus der eigenen Basis mittrug, ist zum größten innenpolitischen Kraftakt des Jahres geworden. Vom 4. bis 17. März unterschrieben 12,5 Millionen Wahlberechtigte — 31,8 Prozent aller Stimmberechtigten und mehr als das Dreifache des nötigen Zehntel-Quorums — das Volksbegehren zur entschädigungslosen Enteignung der ehemals regierenden Fürstenhäuser. Der Reichstag lehnte ein entsprechendes Gesetz ab, damit war der Weg zum Volksentscheid frei.

Am 20. Juni stimmten von 39,7 Millionen Wahlberechtigten 15,6 Millionen ab (39,2 Prozent), rund 14,5 Millionen — 36,3 Prozent aller Stimmberechtigten — votierten für die Enteignung, nur 590.000 dagegen. Ein überwältigendes Ergebnis unter den Abstimmenden, und doch zu wenig: Weil Reichspräsident von Hindenburg das Vorhaben als verfassungsändernd einstufte, hätte die Hälfte aller rund 40 Millionen Wahlberechtigten zustimmen müssen — knapp 20 Millionen Stimmen. Nur in Berlin, Hamburg und Leipzig wurde diese Hürde unter den 35 Wahlkreisen des Reichs erreicht. Das Volksbegehren gilt damit als formal gescheitert, obwohl die Mehrheit der Abstimmenden für die Enteignung votierte — ein Ergebnis, das in bürgerlichen wie in Arbeiterkreisen gleichermaßen diskutiert wird.

Die übrigen Wahlgänge des Jahres:

  • Mecklenburg-Schwerin, 6. Juni — SPD 39,9 %, DNVP 22,6 % (50 Sitze: SPD 20, DNVP 12). Die Sozialdemokratie bleibt mit Abstand stärkste Kraft im Landtag.
  • Sachsen, 31. Oktober — SPD 32,1 %, KPD und DNVP je 14,5 %. Das bürgerlich gestützte Kabinett Heldt bleibt trotz sozialdemokratischer Stärke im Amt.
  • Lübeck, 14. November — Hanseatischer Volksbund 44,4 % (36 Sitze) knapp vor der SPD mit 42,9 % (35 Sitze); die bürgerliche Mehrheit in der Bürgerschaft bleibt hauchdünn.

Vertrag von Berlin sichert Neutralität mit der Sowjetunion

Deutsch-sowjetische Verhandlungen in Berlin, 1926
Deutsch-sowjetische Verhandlungen in Berlin, Ende 1926 — thematisch verwandte Aufnahme, nicht die Unterzeichnung selbst (Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 102-08486, CC BY-SA 3.0 DE)

Reichsaußenminister Gustav Stresemann und der sowjetische Botschafter Nikolai Krestinski haben in Berlin einen Neutralitätsvertrag unterzeichnet, der die seit dem Rapallo-Vertrag von 1922 bestehenden deutsch-sowjetischen Beziehungen auf eine neue Grundlage stellt. Beide Seiten verpflichten sich zur Neutralität, sollte der jeweils andere Vertragspartner Ziel eines Angriffs durch eine dritte Macht werden, und sagen zu, sich an keiner wirtschaftlichen oder finanziellen Boykottmaßnahme gegen den anderen zu beteiligen.

Der Vertrag beantwortet vor allem eine Sorge Moskaus: Nach den Verträgen von Locarno im Oktober 1925 und dem nun laufenden Bemühen um den Beitritt zum Völkerbund hatte man in der Sowjetunion eine einseitige Westorientierung des Reichs befürchtet. Berlin demonstriert mit dem neuen Vertrag, dass die Ostpolitik neben der Locarno-Politik fortbesteht — eine doppelte Absicherung, die im Auswärtigen Amt als diplomatischer Balanceakt gilt.

Flaggenstreit stürzt Kabinett Luther, Wilhelm Marx wird zum dritten Mal Kanzler

Reichskanzler Wilhelm Marx
Reichskanzler Wilhelm Marx, Porträtaufnahme (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Ein Erlass über die Beflaggung deutscher Auslandsvertretungen hat Reichskanzler Hans Luther das Kabinett gekostet. Luther hatte angeordnet, dass Gesandtschaften und Konsulate im Ausland künftig neben der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge des Kaiserreichs zeigen sollen — offiziell aus Rücksicht auf im Ausland lebende Deutsche, die der Reichsfarben überdrüssig seien. Für die Republikaner in SPD, Zentrum und DDP war das ein unerträgliches Zugeständnis an die Monarchisten.

Der Reichstag versagte Luther daraufhin das Vertrauen; am 12. Mai trat er zurück. Fünf Tage später übernahm Wilhelm Marx zum dritten Mal die Reichskanzlerschaft, gestützt auf eine bürgerliche Koalition aus Zentrum, DVP, BVP und DDP. Der Flaggenstreit zeigt einmal mehr, wie tief der Symbolstreit um die Farben der Republik in die Tagespolitik hineinreicht.

Deutschland wird Mitglied des Völkerbunds

Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund, Genf 1926
Genf: Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, September 1926 (Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 102-13209, CC BY-SA 3.0 DE)

Ein erster Anlauf im März war noch an Streitigkeiten um Ratssitze zwischen Polen, Spanien und Brasilien gescheitert. Nun, auf der Herbsttagung der Völkerbundversammlung in Genf, ist die Aufnahme des Deutschen Reichs gelungen: Am 8. September wurde Deutschland als Mitglied aufgenommen und erhielt zugleich einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat — der erste besiegte Staat des Weltkriegs, dem dieser Rang zuteil wird.

Reichsaußenminister Stresemann hielt vor der Versammlung eine vielbeachtete Rede, in der er den Beitritt als Fortsetzung des in Locarno eingeschlagenen Weges der Verständigung beschrieb. Der französische Außenminister Aristide Briand begrüßte die deutsche Delegation mit auffälliger Herzlichkeit; Beobachter sprechen bereits vom „Geist von Locarno", der in Genf sichtbare Gestalt angenommen habe. Für das Auswärtige Amt ist der Beitritt der bislang größte außenpolitische Erfolg der Regierung Marx.

Neuntägiger Generalstreik legt Großbritannien lahm

Freiwillige entladen ein Schiff während des Generalstreiks, London 1926
Freiwillige löschen während des Generalstreiks ein Schiff in den Londoner Docks, Mai 1926 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der britische Gewerkschaftsdachverband Trades Union Congress hat am 3. Mai einen Generalstreik ausgerufen, um die ausgesperrten Kohlebergarbeiter zu unterstützen, denen die Zechenbesitzer längere Schichten bei gekürztem Lohn aufzwingen wollen. Neun Tage lang standen Eisenbahnen, Druckereien, Docks und weite Teile der Schwerindustrie still; die Regierung mobilisierte Freiwillige und Militär, um Lebensmittel- und Energieversorgung aufrechtzuerhalten.

Am 12. Mai brach der TUC den Streik ohne Zugeständnis der Regierung ab — ein Rückschlag für die britische Arbeiterbewegung, den Kommentatoren in Berlin als Warnung vor den Grenzen gewerkschaftlicher Solidarität deuten. Die Bergarbeiter selbst blieben über den Streikabbruch hinaus monatelang allein im Ausstand.

Deutsche Luft Hansa gegründet — Linienbetrieb ab dem Frühjahr

Junkers-Verkehrsflugzeug der Berlin-Paris-Linie, Le Bourget 1926
Junkers-Verkehrsflugzeug der Berlin-Paris-Linie in Le Bourget, 25. Mai 1926 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Aus dem Zusammenschluss von Deutscher Aero Lloyd und der Junkers Luftverkehr AG ist mit Reichsförderung die Deutsche Luft Hansa AG entstanden, mit Sitz in Berlin. Ziel ist es, den bislang zersplitterten deutschen Luftverkehr unter einem Dach zu bündeln und international konkurrenzfähig zu machen.

Am 6. April nahm die Gesellschaft den planmäßigen Linienbetrieb auf; im Laufe des Frühjahrs kam die Strecke Berlin–Paris hinzu, und Ende Mai landete eines ihrer Junkers-Verkehrsflugzeuge erstmals auf dem Pariser Flughafen Le Bourget. Die Luftfahrt gilt in Berlin als eines der wenigen Felder, auf denen das Reich noch ungebremst mit den Siegermächten mithalten kann.

Berliner Funkturm zur Großen Funkausstellung eingeweiht

Einweihungsfeier des Berliner Funkturms
Festakt zur Einweihung des Berliner Funkturms, 3. September 1926 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Zur dritten Großen Deutschen Funkausstellung auf dem Ausstellungsgelände am Kaiserdamm ist der neue Funkturm feierlich eingeweiht worden — ein rund 150 Meter hoher Stahlfachwerkturm mit Restaurant und Aussichtsplattform, den die Berliner schon jetzt nur noch den „langen Lulatsch" nennen. Er dient zugleich als Sendeanlage für den noch jungen Rundfunk, der seit seiner Einführung 1923 rasant an Hörern gewinnt.

Die Funkausstellung selbst zieht in diesem Jahr so viele Besucher an wie nie zuvor — ein Zeichen dafür, wie sehr das Radio binnen weniger Jahre vom technischen Kuriosum zum Massenmedium geworden ist.

Gertrude Ederle durchschwimmt als erste Frau den Ärmelkanal

Gertrude Ederle nach ihrer Durchquerung des Ärmelkanals, August 1926
Gertrude Ederle nach ihrer Kanaldurchquerung, August 1926 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Die neunzehnjährige Amerikanerin Gertrude Ederle hat als erste Frau den Ärmelkanal durchschwommen — von Cap Gris-Nez in Frankreich bis Kingsdown an der englischen Küste. Ihre Zeit unterbietet zugleich jeden bisherigen, von Männern aufgestellten Rekord über diese Strecke deutlich.

Die Nachricht löst diesseits und jenseits des Atlantiks Begeisterung aus; in New York wird bereits ein Empfang mit Konfettiparade vorbereitet. Für die noch junge Bewegung des Frauensports gilt Ederles Leistung als einer der eindrücklichsten Beweise, dass sportliche Höchstleistungen keine Frage des Geschlechts sind.

Filmstar Rudolph Valentino stirbt in New York

Rudolph Valentino, letzte Aufnahme, 1926
Rudolph Valentino, eine der letzten Aufnahmen vor seinem Tod, 1926 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der italienisch-amerikanische Filmschauspieler Rudolph Valentino, dessen Auftritte als „Scheich" und lateinischer Liebhaber ihn zum meistverehrten Leinwandstar der Gegenwart gemacht haben, ist im Alter von nur 31 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus gestorben — Folge eines Magengeschwürs und einer Bauchfellentzündung, an der er wenige Tage zuvor erkrankt war.

In New York stürmen Trauernde das Bestattungsinstitut, aus mehreren amerikanischen Städten werden Ohnmachtsanfälle und sogar Selbsttötungen verzweifelter Verehrerinnen gemeldet. Auch in Berliner Lichtspielhäusern, in denen seine Filme laufen, ist die Erschütterung groß — ein Beleg dafür, wie global die neue Starkultur des Kinos inzwischen wirkt.

NSDAP hält ersten Reichsparteitag seit dem Verbot in Weimar ab

NSDAP-Kundgebung in Weimar, 1926
Kundgebung der Nationalsozialisten in Weimar, 1926 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In Weimar hat die seit ihrem Verbot nach dem Münchener Putsch von 1923 neu gegründete NSDAP ihren ersten Reichsparteitag abgehalten. Mehrere tausend Anhänger und SA-Männer zogen durch die Stadt; Redner der Partei, unter ihnen Adolf Hitler, bekräftigten den Führungsanspruch der Münchener Parteizentrale gegenüber dem national-revolutionären Flügel um die Brüder Strasser, dessen Sonderstellung erst im Februar auf einer Führertagung in Bamberg beigelegt worden war.

Landesweite Bedeutung hat die NSDAP bislang nicht erlangt; in den diesjährigen Landtagswahlen spielte sie nirgends eine Rolle. Der Parteitag zeigt jedoch, dass sich die Organisation nach den Wirren der Jahre 1923/24 wieder gefestigt hat.

Josephine Baker erobert Berlin

Josephine Baker, Porträtaufnahme von Walery, 1926
Josephine Baker, Porträtaufnahme von Stanislaus Julian Walery, 1926 (Wikimedia Commons, CC0)

Mit der Revuetruppe „La Revue Nègre" ist die amerikanische Tänzerin Josephine Baker im Januar erstmals in Berlin aufgetreten, im Nelson-Theater am Kurfürstendamm. Ihr von Jazz und Charleston geprägter Auftritt spaltet das Publikum: Während konservative Blätter von einem Sittenverfall der Bühnenkunst sprechen, feiern Kreise um Gräfin Fritzi Massary und den Grafen Harry Kessler Baker als Verkörperung einer neuen, unverkrampften Körperlichkeit.

Innerhalb weniger Wochen ist sie zum Stadtgespräch geworden; Einladungen und Presseanfragen überschlagen sich. Berlin, das sich gern als Hauptstadt der Moderne versteht, hat in Baker eine seiner auffälligsten Attraktionen des Jahres gefunden.

Dreharbeiten zu „Metropolis" in Babelsberg abgeschlossen

Brigitte Helm als Maschinenmensch am Set von Metropolis, 1926
Brigitte Helm als tanzender Maschinenmensch am Set von „Metropolis", 1926 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Nach mehr als anderthalb Jahren Drehzeit sind die Aufnahmen zu Fritz Langs Zukunftsfilm „Metropolis" in den Ufa-Ateliers von Babelsberg abgeschlossen worden. Kaum ein Film hat je einen solchen Aufwand getrieben: Tausende Statisten, aufwendige Modellbauten und ein eigens entwickeltes Trickverfahren zur Verschmelzung von Miniaturkulissen mit Live-Aufnahmen sollen eine Großstadt der Zukunft auf die Leinwand bringen. In den Hauptrollen sind Brigitte Helm — in der Doppelrolle der Maria und ihres mechanischen Ebenbilds —, Gustav Fröhlich und Alfred Abel zu sehen.

Über die enormen Kosten der Produktion wird in der Branche bereits offen spekuliert. Wann der Film in die Kinos kommen soll, ist noch nicht bekanntgegeben.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • 16. März — Robert Goddard startet in Auburn (Massachusetts) die erste Rakete mit Flüssigtreibstoff.
  • 6. April — Fusion zu den Vereinigten Stahlwerken (Thyssen, Phoenix, Rheinische Stahlwerke, Rhein-Elbe-Union) lässt Europas größten Stahlkonzern entstehen.
  • Frühjahr — Erwin Schrödinger veröffentlicht seine wellenmechanische Fassung der Quantentheorie.
  • 4. Juli — Die Vereinigten Staaten begehen mit einer Sesquicentennial-Ausstellung in Philadelphia den 150. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung.
  • Sommer — Das Parufamet-Abkommen bindet die Ufa enger an die amerikanischen Verleihfirmen Paramount und Metro-Goldwyn-Mayer.
  • 6. August — Warner Bros. präsentiert in New York das Tonfilmverfahren Vitaphone.
  • Das Jahr über — Die Zahl der Rundfunkteilnehmer im Reich wächst auf weit über eine Million.
  • Dezember — Adolf Hitler veröffentlicht den zweiten Band von „Mein Kampf".

SPORT · 1926

Der Belgier Lucien Buysse gewinnt die Tour de France, nachdem er sich in den Pyrenäen bei strömendem Regen vom Feld absetzte. In Philadelphia entthront Gene Tunney am 23. September den bis dahin als unbezwingbar geltenden Jack Dempsey und übernimmt die Schwergewichtskrone im Boxsport — eine Sensation, die auch in deutschen Sportspalten ausführlich besprochen wird.

Im deutschen Fußball setzt sich die SpVgg Fürth in einem torreichen Endspiel gegen Hertha BSC durch und wird Deutscher Meister. Im Tennis sorgt Suzanne Lenglen für Aufsehen, als sie sich vom Amateurstatus löst und als eine der ersten Spielerinnen überhaupt ins Profilager wechselt.

MODE · 1926

Der Bubikopf ist endgültig salonfähig geworden, kurze, gerade geschnittene Röcke und die tänzerische Beweglichkeit des Charleston prägen das Straßenbild der Großstädte. Aus Paris meldet man das kleine schwarze Kleid der Modistin Coco Chanel als neue Uniform der eleganten Frau — schlicht, knielang, für jeden Anlass tragbar.

Bei den Herren setzen sich aus England die weit geschnittenen „Oxford bags" durch, extrem weite Flanellhosen, wie sie zuerst Studenten in Oxford trugen und die nun auch in Berlin ihre Anhänger finden.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1926

  • Nobelpreis für Physik (Stockholm). Der Franzose Jean Perrin erhält die Auszeichnung für den experimentellen Nachweis der Existenz der Atome.
  • 26. Januar (London). John Logie Baird führt die erste funktionierende Fernsehübertragung vor — noch ein technisches Kuriosum, aber ein Fingerzeig.
  • 12. Mai. Das Luftschiff „Norge" überquert unter Roald Amundsen, Lincoln Ellsworth und Umberto Nobile erstmals den Nordpol.
  • 6. August (Ärmelkanal). Gertrude Ederle durchschwimmt als erste Frau den Kanal und unterbietet dabei jeden bisherigen Männerrekord.

DAS WETTER · 1926 in Berlin

An diesem 13. Juli zeigte sich in Berlin-Dahlem ein trockener Sommertag: Höchstwert 28,3 °C, nachts 17,6 °C — im Mittel aus beiden Werten rund 23 °C (ein amtliches Tagesmittel liegt für diesen Tag nicht vor) —, dabei fiel kein Niederschlag (0,0 mm).

Das Jahr über: Wärmster Tag war der 19. Juli mit 30,9 °C, kältester der 13. Januar mit −11,6 °C. Die Station zählte 61 Frosttage und 24 Sommertage (≥ 25 °C); der Jahresniederschlag lag bei 805 mm. Im Mittel erreichte das Tagesmaximum 13,3 °C, das Tagesminimum 5,7 °C.

(Messwerte der Station Berlin-Dahlem. Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1926

Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager, Tanzplatten und Bühnenlieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Schallplattenverkauf und Bühnenerfolg, keine offizielle Rangfolge.

  1. Valencia — Dajos Béla Tanz-Orchester
  2. Zwei Märchenaugen (aus der Operette „Die Zirkusprinzessin", Uraufführung Theater an der Wien, 26. März 1926) — Hubert Marischka
  3. Someone to Watch Over Me (aus dem Musical „Oh, Kay!") — Gertrude Lawrence
  4. Alles weg'n de Leut' — Otto Reutter
  5. Bye Bye Blackbird — Gene Austin
  6. Black Bottom (aus „George White's Scandals of 1926") — Ann Pennington
  7. Baby Face — Jan Garber und sein Orchester
  8. Heebie Jeebies — Louis Armstrong and his Hot Five
  9. Blue Skies (aus dem Musical „Betsy") — Belle Baker
  10. O wie praktisch (ist die Berlinerin) — Claire Waldoff
  11. Das Lied vom Angeln (aus der Revue „An und aus") — Marek Weber und sein Orchester
  12. Was machst du mit dem Knie, lieber Hans (Musik: Richard Fall, 1925) — Homocord-Tanz-Orchester
  13. Nur Du (Operette von Walter Kollo, Uraufführung Berliner Theater, 23. Dezember 1926) — Berliner Erfolgsoperette
  14. East St. Louis Toodle-Oo — Duke Ellington and his Orchestra
  15. Lady Hamilton (Operette von Eduard Künneke, Uraufführung Schauspielhaus Breslau, 25. September 1926) — Erfolgsoperette der Saison
  16. When the Red, Red Robin (Comes Bob, Bob, Bobbin' Along) — Al Jolson
  17. Gern hab' ich die Frau'n geküßt (aus der Operette „Paganini", Berliner Erstaufführung 30. Januar 1926 am Deutschen Künstlertheater) — Richard Tauber
  18. Adrienne (Operette von Walter Wilhelm Goetze, Uraufführung Carl-Schultze-Theater Hamburg, 24. April 1926) — Hamburger Erfolgsoperette
  19. In der Johannisnacht (Operette von Jean Gilbert, Uraufführung Hamburg, 1926) — Hamburger Erfolgsoperette
  20. Der Mitternachtswalzer (Operette von Robert Stolz, Uraufführung Bürgertheater Wien, 30. Oktober 1926) — Wiener Erfolgsoperette