DER CHRONIST
Das Jahr, in dem der Friede endgültig zerbricht: Aus der Zerschlagung der Rest-Tschechei im März wird über den Pakt zwischen Hitler und Stalin im August der Überfall auf Polen im September — und mit ihm der Zweite Weltkrieg. Fast im Wochentakt überschlagen sich die Ereignisse: Francos Sieg in Spanien und Mussolinis Griff nach Albanien im Frühjahr, ein misslungenes Attentat auf Hitler im November, Stalins Überfall auf Finnland kurz vor Jahresende. Auf See versinken die Athenia und die Admiral Graf Spee als frühe Menetekel eines Krieges, der längst kein europäischer mehr ist. Und mitten in der Mark Brandenburg, vor den Toren Luckenwaldes, entsteht ein Kriegsgefangenenlager, das die Stadt die nächsten sechs Jahre prägen wird.
Deutsche Truppen besetzen die „Rest-Tschechei"

Die Vorgeschichte reicht bis zum Münchener Abkommen vom 29./30. September 1938 zurück, in dem Großbritannien, Frankreich und Italien die Abtretung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich hinnahmen — in der trügerischen Hoffnung, mit diesem Zugeständnis den Frieden in Europa zu sichern. In den folgenden Monaten schürt Hitler gezielt die inneren Spannungen zwischen Tschechen und Slowaken. Am 14. März 1939 erklärt der slowakische Landtag unter massivem deutschem Druck die Unabhängigkeit der Slowakei; noch am selben Abend bestellt Hitler den greisen Staatspräsidenten Emil Hácha und dessen Außenminister František Chvalkovský in die Reichskanzlei nach Berlin. Unter der Drohung, die Luftwaffe werde Prag in Schutt legen, wird Hácha in nächtlichen Verhandlungen so zermürbt, dass er gesundheitlich zusammenbricht und nur mit Injektionen wach gehalten wird — gegen vier Uhr morgens unterschreibt er das Papier, das sein Land „dem Schutz des Deutschen Reiches" unterstellt.
Um sechs Uhr früh überschreiten Wehrmacht- und SS-Verbände die Grenze zu den verbliebenen böhmisch-mährischen Landesteilen; SD-Einsatzgruppen beginnen sofort mit der Verhaftung tschechischer Widerstandskreise. Gegen Mittag steht Hitler selbst auf dem Prager Hradschin und proklamiert das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren unter dem neuen Reichsprotektor Konstantin Freiherr von Neurath; die Slowakei war bereits am Vortag in die formale Unabhängigkeit unter Jozef Tiso gedrängt worden, faktisch ein deutscher Satellitenstaat. Der Bruch des Münchener Abkommens ist offenkundig — erstmals hat sich Hitler ein Gebiet einverleibt, das keine deutsche Bevölkerungsmehrheit aufweist. Premierminister Neville Chamberlain, bislang Symbolfigur der Beschwichtigungspolitik, vollzieht in London eine sichtbare Kehrtwende: Am 31. März garantieren Großbritannien und Frankreich die Grenzen Polens gegen jeden Angriff — eine Zusage, die im September ihre Feuerprobe bestehen muss.
Der Pakt der Todfeinde: Hitler und Stalin

Vorausgegangen sind monatelange, parallel geführte Sondierungen: Im Sommer 1939 verhandelt eine britisch-französische Militärmission in Moskau über ein Bündnis gegen Deutschland — sie scheitert unter anderem daran, dass Polen der Roten Armee keinen Durchmarsch durch sein Territorium gestatten will. Gleichzeitig laufen seit Monaten deutsch-sowjetische Wirtschaftsgespräche, die sich zunehmend politisch aufladen. Ein Signal an Berlin ist schon der Austausch des jüdischstämmigen, westlich orientierten Außenkommissars Maxim Litwinow durch Wjatscheslaw Molotow im Mai 1939. In der Nacht vom 23. zum 24. August unterzeichnen Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und Molotow in Moskau, in Gegenwart Stalins, den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt — auf zehn Jahre befristet und der Öffentlichkeit als bloßes Nichtangriffsabkommen präsentiert.
Tatsächlich regelt ein geheimes Zusatzprotokoll die Aufteilung Ostmitteleuropas in Interessenszonen: Polen wird entlang der Flüsse Narew, Weichsel und San geteilt, Estland, Lettland und Finnland fallen in die sowjetische, Litauen zunächst in die deutsche Einflusssphäre, ebenso wird Bessarabien der Sowjetunion zugestanden. Für Hitler ist der Pakt die Voraussetzung für den seit Frühjahr geplanten Überfall auf Polen, ohne im Osten einen zweiten Gegner fürchten zu müssen — ein Bündnis zweier Weltanschauungen, die sich eigentlich als Todfeinde verstehen und die Kommunisten in aller Welt, auch in Deutschland, fassungslos zurücklässt. Nach der Teilung Polens besiegeln beide Mächte am 28. September in einem „Grenz- und Freundschaftsvertrag" die endgültige Demarkationslinie samt weiteren geheimen Zusatzabsprachen — über Umsiedlung Volksdeutscher und gemeinsames Vorgehen gegen polnische Widerstandskämpfer. Der Pakt hält, bis Hitler ihn am 22. Juni 1941 mit dem Überfall auf die Sowjetunion bricht.
Überfall auf Polen — der Krieg beginnt

Seit dem Frühjahr eskaliert der deutsch-polnische Streit um Danzig und den polnischen Korridor; im April erteilt Hitler der Wehrmacht mit der Weisung „Fall Weiß" den Auftrag, einen Feldzug gegen Polen vorzubereiten, während die NS-Propaganda mit Berichten über angebliche Übergriffe an der deutschen Minderheit in Polen Stimmung macht. Den Vorwand für den Angriff liefert in der Nacht zum 31. August ein von der SS inszenierter Überfall: Ein Kommando unter Alfred Naujocks täuscht am Sender Gleiwitz einen polnischen Anschlag vor und hinterlässt in Häftlingskleidung ermordete KZ-Häftlinge als vermeintliche Angreifer.
Am 1. September um 4:45 Uhr eröffnet das Linienschiff „Schleswig-Holstein" das Feuer auf die polnische Garnison der Westerplatte bei Danzig — der deutsche Überfall auf Polen beginnt, mit ihm der Zweite Weltkrieg. Hitler rechtfertigt den Angriff vor dem Reichstag mit dem vorgetäuschten Zwischenfall von Gleiwitz. 57 deutsche Divisionen greifen an: Die Heeresgruppe Nord unter Generaloberst Fedor von Bock (rund 630.000 Mann) stößt aus Pommern und Ostpreußen vor, die Heeresgruppe Süd unter Generaloberst Gerd von Rundstedt (rund 886.000 Mann) aus Schlesien; über 1.100 Flugzeuge der Luftwaffe unterstützen den Vormarsch. Im Zusammenspiel von Panzerverbänden, motorisierter Infanterie und Luftwaffe erweist sich eine neue Form der Kriegführung, die bald als „Blitzkrieg" bekannt wird.
Zwei Tage später, am 3. September, erklären Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg, nachdem ihr Ultimatum zum Rückzug verstrichen ist. Was als Feldzug im Osten begann, ist nun ein europäischer Krieg. Am 17. September fällt der Sowjetunion gemäß dem geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts der Ostteil Polens zu — die Rote Armee überschreitet die polnische Grenze, Polen verliert damit endgültig seine staatliche Existenz. Warschau, tagelang belagert und bombardiert, kapituliert am 27. September nach schweren Verlusten unter der Zivilbevölkerung; die Festung Modlin folgt am 28. September, letzte polnische Verbände legen erst am 6. Oktober bei Kock die Waffen nieder. Der Feldzug kostet die Wehrmacht rund 10.600 Gefallene, 30.000 Verwundete und 3.400 Vermisste; auf polnischer Seite fallen rund 120.000 Soldaten, weitere 917.000 geraten in Kriegsgefangenschaft. Das Land wird geteilt: Die Gebiete „Danzig-Westpreußen" und „Wartheland" werden dem Reich einverleibt, der Rest als „Generalgouvernement" der deutschen Verwaltung unterstellt.
Aus heutiger Sicht
Was hier als „Vergeltung" für angebliche polnische Provokationen dargestellt wird, ist ein von langer Hand geplanter Angriffskrieg — der Gleiwitz-Zwischenfall eine von der SS inszenierte Lüge, wie nach 1945 unter anderem im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zweifelsfrei belegt wird. Von den mehr als 70 Millionen Toten, die der Zweite Weltkrieg weltweit fordern wird, ahnt an diesem 1. September noch niemand etwas.
4 · Aus der Region: Ein Kriegsgefangenenlager entsteht vor der Stadt
Das ehemalige Kommandanturgebäude des Stalag III A bei Luckenwalde (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)
Luckenwalde. Noch vor dem Angriff auf Polen hatte das Wehrkreiskommando III (Berlin) am Stadtrand Luckenwaldes ein großes Kriegsgefangenenlager geplant — ausgelegt für 10.000 Mann, als Musterlager für den gesamten Wehrkreis. Erster Kommandant wird im August 1939 Oberst Bruno von Westernhagen, der das Lager bis Oktober 1941 leitet. Mit Kriegsbeginn füllt sich das Stalag III A: Mitte September 1939 treffen die ersten polnischen Kriegsgefangenen ein und hausen zunächst in Zelten von 12 mal 35 Metern; bis zum Winter entstehen die ersten Baracken. Am Ende umfasst die Anlage rund 100 Gebäude und 50 Zelte — das größte Lager seiner Art im Wehrkreis, in dem zu jedem Zeitpunkt einige tausend Gefangene untergebracht sind.
Was hier 1939 beginnt, wird sich in den Kriegsjahren zu einem Ort massenhaften Leidens auswachsen: Bereits im Sommer 1940 treffen rund 40.000 französische Kriegsgefangene ein, später folgen Belgier, Niederländer, Jugoslawen, Italiener, Rumänen sowie sowjetische, britische und amerikanische Gefangene. Von den insgesamt rund 200.000 Männern, die im Laufe des Krieges durch das Stalag III A gehen, ist der überwiegende Teil nicht im Hauptlager selbst, sondern auf rund 1.000 Außenkommandos verteilt, die in Berlin und der Mark Brandenburg als Zwangsarbeiter eingesetzt werden — auch das chronisch überbelegte Hauptlager bleibt jedoch, besonders für die sowjetischen Gefangenen ab 1941, ein Ort des Massensterbens. Für Luckenwalde beginnt damit ein Kapitel, das die Stadt bis zur Befreiung des Lagers durch die Rote Armee am 22. April 1945 begleiten wird.
Francos Sieg: Das Ende des Spanischen Bürgerkriegs

Nach fast drei Jahren Bürgerkrieg bricht die Republik im Frühjahr 1939 endgültig zusammen. Im März stürzt der republikanische Oberst Segismundo Casado in Madrid die Regierung von Ministerpräsident Juan Negrín, um mit den Franquisten über eine Kapitulation zu verhandeln — kommunistische Offiziere werden verhaftet, sowjetische Berater und Negrín selbst fliehen aus der Stadt. Am 26. März befiehlt General Francisco Franco den letzten Sturm auf Madrid, am 27. März bricht die republikanische Front vollständig zusammen; am 28. März ziehen nationalspanische Truppen kampflos in die Hauptstadt ein. Am 1. April verkündet Franco per Wehrmachtsbericht das Kriegsende und beansprucht die alleinige Herrschaft über Spanien.
Für das Deutsche Reich, das mit der Legion Condor seit 1936 auf Seiten Francos gekämpft und neue Waffen und Taktiken der Luftkriegführung erprobt hatte, ist der Sieg auch ein außenpolitischer Erfolg: Ein weiterer Diktator tritt an die Seite der Achsenmächte. Für Spanien beginnt mit Francos Diktatur eine fast vierzig Jahre währende Herrschaft; Hunderttausende Republikaner fliehen ins Exil oder geraten in Lager, die Verfolgung Andersdenkender setzt sich fort. Der Krieg hatte insgesamt bis zu einer Million Menschenleben gefordert — die verheerendste Auseinandersetzung der spanischen Geschichte und zugleich, mit deutscher und italienischer Waffenhilfe auf der einen, sowjetischer und internationaler Brigaden auf der anderen Seite, ein Vorspiel des großen Krieges, der wenige Monate später beginnt.
Mussolini schlägt zu: Italiens Besetzung Albaniens

Nach Jahren wirtschaftlicher und militärischer Bevormundung durch Rom stellt Benito Mussolini im Frühjahr 1939 König Ahmet Zogu ein Ultimatum: die faktische Unterwerfung Albaniens unter italienische Kontrolle. Als Zogu ablehnt, landen am 7. April italienische Truppen unter General Alfredo Guzzoni gleichzeitig in den Hafenstädten Durrës, Vlora, Saranda und Shëngjin; rund 22.000 Soldaten, unterstützt von 400 Flugzeugen, 300 Panzern und zwölf Kriegsschiffen, überwinden den geringen albanischen Widerstand binnen weniger Tage. Noch am selben Tag flieht Zogu mit seiner Familie und rund 2.000 Regierungsbeamten, Beratern und Offizieren ins Exil; am 12. April ist das Land vollständig besetzt.
Der albanische Reichstag bietet daraufhin König Viktor Emanuel III. von Italien die Krone an, der fortan in Personalunion auch Albanien regiert, vertreten durch einen italienischen Statthalter vor Ort. Für die europäischen Großmächte ist die Besetzung ein weiteres Alarmsignal faschistischer Expansion nach dem deutschen Einmarsch in Prag drei Wochen zuvor — Großbritannien und Frankreich reagieren mit Garantieerklärungen für Griechenland und Rumänien, ändern an der Sache selbst aber nichts. Für Mussolini, der stets auf Augenhöhe mit Hitlers Gebietsgewinnen bleiben will, ist Albanien ein billiger Prestigeerfolg — der jedoch, anders als von ihm erhofft, die italienische Armee kaum auf die kommenden Kriegsjahre vorbereitet.
Die Athenia sinkt: Erstes Schiffsopfer des Krieges

Nur Stunden nach der britischen Kriegserklärung torpediert das deutsche U-Boot U-30 unter Kapitänleutnant Fritz-Julius Lemp am Abend des 3. September rund 60 Seemeilen südwestlich von Rockall den britischen Passagierdampfer Athenia, der mit über 1.100 Passagieren, viele davon Kanadier und US-Amerikaner auf der Flucht vor dem Krieg, von Glasgow nach Montreal unterwegs ist. Lemp hält das ohne Licht und im Zickzackkurs fahrende Schiff für einen bewaffneten Hilfskreuzer und schießt, ohne es zuvor anzuhalten oder zu kontrollieren — ein klarer Verstoß gegen das Prisenrecht, das den Angriff auf unbewaffnete Passagierschiffe ohne Vorwarnung untersagt. Das Schiff sinkt am folgenden Tag; 112 Menschen kommen ums Leben.
Die Reichsregierung bestreitet umgehend jede deutsche Beteiligung und behauptet stattdessen, Winston Churchill selbst habe eine Bombe an Bord schmuggeln lassen, um die Vereinigten Staaten gegen Deutschland aufzubringen — eine Propagandalüge, die erst nach Kriegsende durch das Kriegstagebuch von U-30 widerlegt wird. Für die Alliierten ist die Versenkung eine schmerzhafte Erinnerung an den uneingeschränkten U-Boot-Krieg des Ersten Weltkriegs und ein früher Beleg, dass Hitlers Kriegführung von Anfang an auch die Zivilbevölkerung auf See treffen wird.
Aus heutiger Sicht
Die deutsche Presse übernimmt die Version vom „Bombenanschlag Churchills" ungeprüft und wiederholt sie wochenlang als gesicherte Tatsache — ein Musterbeispiel für die Sprache der gleichgeschalteten Berichterstattung, die nicht recherchiert, sondern nach den Vorgaben des Propagandaministeriums formuliert. Erst das nach Kriegsende ausgewertete Kriegstagebuch von U-30 belegt zweifelsfrei die deutsche Täterschaft.
Georg Elsers Attentat im Bürgerbräukeller

Im Münchner Bürgerbräukeller, wo Hitler alljährlich am Jahrestag des Putsches von 1923 vor alten Kämpfern spricht, explodiert am Abend des 8. November eine Bombe genau hinter dem Rednerpult — 13 Minuten nachdem Hitler den Saal bereits verlassen hat, um wegen kriegsbedingt eingeschränkter Bahnverbindungen früher als sonst nach Berlin zurückzureisen. Acht Menschen sterben, 57 werden verletzt. Urheber des Anschlags ist der Schreiner Georg Elser, ein Handwerker ohne Parteibindung, der aus eigenem Entschluss handelte: Über mehr als 30 Nächte hinweg hatte er heimlich einen Hohlraum in die tragende Säule hinter dem Podium gefräst und dort einen selbstgebauten Zeitzünder mit 105 Sprengladungen versteckt.
Elser wird bereits rund 35 Minuten vor der Explosion bei einem Fluchtversuch in die Schweiz an der Grenze bei Konstanz festgenommen — noch bevor die Bombe hochgeht, gerät er unter Verdacht, weil Zangen und Konstruktionsskizzen in seinen Taschen gefunden werden. Die Gestapo, die zunächst an eine Verschwörung des britischen Geheimdienstes glaubt, verhört ihn wochenlang, kann ihm aber nur den Alleingang nachweisen. Als „Sonderhäftling" überlebt Elser zunächst in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau, wird dort aber am 9. April 1945, kurz vor Kriegsende, auf Befehl noch erschossen — sein mutiger Alleingang bleibt der einzige ernsthafte Anschlagsversuch auf Hitler in dessen ersten Kriegsjahren.
Der Venlo-Zwischenfall: Britischer Geheimdienst in der Falle

Nur einen Tag nach dem Bürgerbräukeller-Attentat gelingt dem SS-Sicherheitsdienst (SD) ein spektakulärer Coup an der niederländisch-deutschen Grenze bei Venlo: Ein von Reinhard Heydrich gelenktes und von Walter Schellenberg sowie Alfred Naujocks geführtes Kommando lockt die britischen Geheimdienstoffiziere Sigismund Payne Best und Richard Henry Stevens in vermeintlichen Verhandlungen mit angeblich oppositionellen Wehrmachtskreisen an ein Grenzcafé — tatsächlich haben die Briten monatelang mit als Regimegegner getarnten SD-Agenten verhandelt. Ein SS-Kommando überwältigt beide Offiziere gewaltsam auf niederländischem Boden und verschleppt sie über die Grenze; der niederländische Verbindungsoffizier Dirk Klop wird dabei erschossen.
Die NS-Propaganda behauptet umgehend, die entführten Briten hätten hinter dem Anschlag Georg Elsers gesteckt — eine Verknüpfung, die bis heute als Konstruktion gilt. Für den britischen Secret Intelligence Service ist der „Venlo-Zwischenfall" eine Katastrophe: Ganze Agentennetze auf dem europäischen Kontinent gelten fortan als kompromittiert, das Vertrauen in Kontakte zur deutschen Opposition ist auf Jahre erschüttert. Hitler nutzt den Vorfall zugleich als Vorwand, den Niederlanden Komplizenschaft mit dem britischen Geheimdienst vorzuwerfen — ein Argument, das im folgenden Frühjahr in den deutschen Überfall auf die neutralen Niederlande münden wird. Best und Stevens überleben als Sonderhäftlinge bis zur Befreiung im April 1945.
Rückdatiert auf den Kriegsbeginn: Hitlers Mordbefehl gegen Kranke

Im Oktober 1939 lässt Hitler ein knappes, auf seinem persönlichen Briefbogen verfasstes Ermächtigungsschreiben ausfertigen — rückdatiert auf den 1. September, den Tag des Kriegsbeginns, um den Anschein einer Kriegsnotwendigkeit zu erwecken. Es beauftragt seinen Kanzleichef Philipp Bouhler und seinen Begleitarzt Karl Brandt, unheilbar kranken Menschen den „Gnadentod" zu gewähren. Hinter der beschönigenden Formel verbirgt sich der Beginn der organisierten Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen im gesamten Reichsgebiet, geplant und koordiniert von einer eigens eingerichteten Tarnorganisation in der Berliner Tiergartenstraße 4 — nach ihrer Adresse wird das Mordprogramm später als „Aktion T4" bekannt.
Noch während des Winters 1939 laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Ärzte und Anstaltsleiter werden zur Meldung ihrer Patienten verpflichtet, „Gutachter" entscheiden am Schreibtisch über Leben und Tod, erste Tötungsanstalten werden eingerichtet. Um die Jahreswende 1939/40 beginnen in Anstalten wie Grafeneck auf der Schwäbischen Alb die systematischen Tötungen durch Kohlenmonoxidgas — lange bevor die Vernichtungslager im Osten entstehen, erproben Ärzte und Verwaltungsbeamte hier bereits die bürokratische Organisation des Massenmords. Was 1939 im Verborgenen beginnt, wird bis zum offiziellen Stopp der Aktion 1941 mehr als 70.000 Menschenleben fordern — und darüber hinaus in dezentraler Form bis Kriegsende fortgesetzt.
Aus heutiger Sicht
Die „Aktion T4" ist der erste industriell organisierte Massenmord des NS-Regimes und ein Vorläufermodell für die späteren Vernichtungslager — dieselben Ärzte, Techniker und Verwaltungsroutinen tauchen ab 1941/42 im „Osten" wieder auf. Bekannt wird sie den Zeitgenossen erst durch öffentliche Proteste wie die Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen 1941, die Hitler zum offiziellen Stopp des Programms zwingen, ohne dass die Morde tatsächlich enden.
Stalins zweiter Krieg: Der Überfall auf Finnland

Kaum ist Polen aufgeteilt, sichert sich Josef Stalin die im Hitler-Stalin-Pakt zugesprochene Einflusszone weiter ab: Nach gescheiterten Verhandlungen über Gebietsabtretungen und Militärstützpunkte inszeniert die Rote Armee am 26. November einen Grenzzwischenfall bei Mainila, bei dem angeblich finnische Artillerie sowjetische Soldaten beschossen habe — von Finnland bis heute bestritten. Als Vorwand genügt es: Molotow kündigt den sowjetisch-finnischen Nichtangriffspakt auf, und in den frühen Morgenstunden des 30. November überschreitet die Rote Armee ohne Kriegserklärung die finnische Grenze auf breiter Front, während sowjetische Bomber Helsinki angreifen.
Die Kräfteverhältnisse scheinen erdrückend: Rund 250.000 finnischen Verteidigern unter Oberbefehlshaber Carl Gustaf Emil Mannerheim steht eine dreifache Übermacht an Soldaten, fünffache an Artillerie und achtzigfache an Panzern gegenüber. Doch die finnische Armee leistet in Wäldern und klirrender Kälte erbitterten Widerstand und fügt der Roten Armee schwere Verluste zu. Am 14. Dezember schließt der Völkerbund die Sowjetunion wegen des Angriffs aus — eine seiner letzten Amtshandlungen vor der eigenen Bedeutungslosigkeit, ohne praktische Folgen für Moskau. Der „Winterkrieg" tobt bis März 1940 weiter und zeigt der Welt, auch den Planern in Berlin, erstmals die tatsächlichen Schwächen der sowjetischen Streitkräfte.
Das Ende der Admiral Graf Spee vor Montevideo

Monatelang hatte das deutsche Panzerschiff Admiral Graf Spee unter Kapitän zur See Hans Langsdorff als Handelsstörer im Südatlantik alliierte Frachter aufgebracht und versenkt, ohne dabei ein Menschenleben zu fordern. Am 13. Dezember stellen ihn vor der Mündung des Río de la Plata drei britische Kreuzer — „Exeter", „Ajax" und „Achilles" — zum Gefecht; nach knapp einstündigem Feuerwechsel, in dem alle vier Schiffe Treffer und Schäden erleiden, zieht sich Langsdorff mit seinem beschädigten Schiff in den Hafen von Montevideo im neutralen Uruguay zurück, wo internationales Recht nur eine 72-stündige Frist zur Reparatur erlaubt.
Da ein Durchbruch angesichts knapper Munition und Treibstoffs sowie einer vermeintlich überlegenen britischen Blockade aussichtslos erscheint, lässt Langsdorff Besatzung und wichtige Ausrüstung von Bord bringen und am Abend des 17. Dezember vor den Augen tausender Schaulustiger am Ufer die Sprengladungen zünden — die Admiral Graf Spee sinkt brennend auf der Reede vor Montevideo. Zwei Tage später, am 19. Dezember, erschießt sich Langsdorff in einem Hotelzimmer in Buenos Aires, liegend auf der Kriegsflagge seines Schiffes. Für die britische Admiralität ist die Selbstversenkung ein früher propagandistischer Erfolg; für das Deutsche Reich der Verlust eines seiner modernsten Kriegsschiffe noch im ersten Kriegsjahr.
Ein Brite rettet 669 Kinder aus Prag

Wenige Wochen nach der deutschen Besetzung der Rest-Tschechei reist der Londoner Börsenmakler Nicholas Winton im Dezember 1938 auf eigene Faust nach Prag, wo Zehntausende Flüchtlinge, viele davon Juden und politisch Verfolgte aus dem Sudetenland, unter erbärmlichen Bedingungen ausharren. Zurück in London organisiert er, ohne jeden offiziellen Auftrag, an seinem Küchentisch in Feierabendstunden eine Rettungsaktion für die Kinder dieser Familien: Er beschafft britische Bürgen, Pflegefamilien und die nötigen Einreisepapiere, während seine Prager Mitstreiterin Doreen Warriner die Kinder vor Ort auswählt und zu den Zügen bringt.
Zwischen dem 14. März und dem 2. August 1939 verlassen acht Kindertransporte Prag in Richtung Hoek van Holland und von dort per Fähre nach England — insgesamt 669 Kinder werden auf diesem Weg gerettet. Ein neunter Transport mit 250 Kindern, für den 1. September vorgesehen, kommt nicht mehr zustande: An diesem Tag schließt das Deutsche Reich mit dem Überfall auf Polen die Grenzen, der Zug fällt aus, die meisten der für ihn vorgesehenen Kinder werden später Opfer der deutschen Besatzung.
Aus heutiger Sicht
Winton spricht nach dem Krieg jahrzehntelang mit niemandem über die Rettungsaktion — erst 1988, als seine Frau auf dem Dachboden ein Album mit Namenslisten und Fotos der geretteten Kinder findet und die BBC daraus eine Sendung macht, wird seine Tat öffentlich bekannt und er 2003 von der britischen Königin zum Ritter geschlagen.
Berliner Physiker entdecken die Kernspaltung

Am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin-Dahlem beschießen die Chemiker Otto Hahn und Fritz Straßmann im Dezember 1938 Uran mit Neutronen und weisen dabei überraschend das leichte Element Barium nach — ein Befund, den sich zunächst niemand erklären kann. Hahn schickt die Messwerte an seine langjährige, erst wenige Monate zuvor als „nichtarische" Wissenschaftlerin aus Deutschland ins schwedische Exil vertriebene Kollegin Lise Meitner. Sie und ihr Neffe Otto Frisch, ebenfalls Emigrant, liefern in Schweden die physikalische Erklärung: Der Urankern zerplatzt in zwei leichtere Kerne und setzt dabei enorme Energie frei — sie prägen dafür den Begriff „Kernspaltung".
Hahn und Straßmann reichen ihre experimentelle Arbeit am 22. Dezember 1938 ein; am 6. Januar 1939 erscheint sie in der Fachzeitschrift „Die Naturwissenschaften", während Meitners und Frischs theoretische Deutung wenige Wochen später in „Nature" folgt. Innerhalb der internationalen Physik-Gemeinde verbreitet sich die Nachricht binnen Wochen und löst weltweit fieberhafte Nachfolgeexperimente aus.
Aus heutiger Sicht
Die Entdeckung, an der eine aus rassistischen Gründen vertriebene Wissenschaftlerin maßgeblich beteiligt war, legt zugleich den physikalischen Grundstein für die Atombombe — nur sechs Jahre später zerstören die Bomben von Hiroshima und Nagasaki auf ebendiesem Prinzip zwei Städte. Lise Meitner selbst wird zeitlebens nie mit dem Nobelpreis geehrt, den 1944 allein Otto Hahn erhält.
Der Zeppelin als Spion: Geheimflug vor der britischen Küste

Wenige Wochen vor Kriegsbeginn unternimmt das Luftschiff LZ 130 „Graf Zeppelin", Schwesterschiff der 1937 verbrannten „Hindenburg", einen ungewöhnlichen Auftrag: Am 2. August fliegt es, offiziell als harmlose Ausflugsfahrt getarnt, mit 45 Mann Besatzung und 28 zusätzlichen Funktechnikern an Bord die englische Ostküste entlang bis zu den Shetlandinseln und zurück — eine 48-stündige, gut 4.200 Kilometer lange Fahrt. An Bord versuchen deutsche Techniker, Funksignale der neuartigen britischen Radaranlagen bei Bawdsey und anderswo zu belauschen; um Verdacht zu vermeiden, meldet die Besatzung wiederholt vorgetäuschte Motorpannen und lässt das Schiff antriebslos vor der Küste treiben.
Die Mission schlägt technisch fehl: Die deutschen Empfänger sind auf die falsche Frequenz eingestellt und liefern keine brauchbaren Daten über das britische „Chain Home"-Warnsystem. Die Briten selbst verfolgen das Luftschiff derweil lückenlos per Radar bis zu den Shetlands und zurück, ohne dass die Besatzung an Bord etwas davon ahnt. Am 20. August absolviert die „Graf Zeppelin" ihre letzte Fahrt überhaupt; mit Kriegsbeginn wird das Schiff endgültig außer Dienst gestellt.
Die Flucht der „Bremen": Ein Schnelldampfer entkommt der Royal Navy

Als der Nordatlantik-Schnelldampfer „Bremen" des Norddeutschen Lloyd, seit 1929 der Stolz der deutschen Handelsflotte, am 28. August im New Yorker Hafen anlegt, steht Kapitän Adolf Ahrens vor einer folgenreichen Entscheidung: Bleibt das Schiff, drohen bei Kriegsausbruch die Beschlagnahme im neutralen Amerika oder die Kaperung durch die britische Flotte, die den Nordatlantik beherrscht. Ahrens entscheidet sich für die Flucht nach vorn: Am 30. August legt die „Bremen" ohne die übliche Passagierabfertigung ab und nimmt Kurs auf die offene See — verdunkelt, ohne Lichter, in stetiger Sorge vor britischen Kreuzern.
Als am 1. September der deutsche Überfall auf Polen beginnt, erhält das Schiff per Funk den Befehl, nicht den Heimathafen, sondern den sowjetischen Nordhafen Murmansk anzulaufen — eine erste Frucht des Hitler-Stalin-Pakts. Dort liegt die „Bremen" rund drei Monate lang, bevor sie am 10. Dezember, begünstigt durch dichten Nebel und eine graue Tarnbemalung, unentdeckt an der britischen Flotte vorbei nach Bremerhaven durchbricht.
AM RANDE NOTIERT
- Am 22./23. März wird das Memelland durch Vertrag mit Litauen „heim ins Reich" geholt — der letzte gewaltfreie Gebietsgewinn vor dem Krieg.
- Mit Kriegsbeginn verschärft sich die Verfolgung: Lebensmittelkarten, Verdunkelung, „Feindsender"-Verbot bestimmen fortan den Alltag auch in der Mark Brandenburg — während die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung im Reich unvermindert weitergeht.
- Am 22. Mai besiegeln Deutschland und Italien den „Stahlpakt", ein Bündnis mit automatischer Beistandspflicht im Kriegsfall — ein weiterer Baustein auf dem Weg zum Krieg.
- Mit der Mobilmachung stellt die Luckenwalder Tuchindustrie ihre Produktion zunehmend auf Uniformstoffe für die Wehrmacht um — Zivilware tritt in den Auftragsbüchern der Fabriken in den Hintergrund.
- Zur Eröffnung der New Yorker Weltausstellung „Die Welt von morgen" am 30. April hält US-Präsident Roosevelt die erste je im Fernsehen übertragene Rede eines amtierenden Präsidenten; die Schaulustigen auf dem Gelände staunen unterdessen über „Elektro", einen sieben Fuß hohen rauchenden und sprechenden Roboter der Westinghouse-Werke.
- Der finnische Läufer Taisto Mäki unterläuft im September in Helsinki als erster Mensch überhaupt die 30-Minuten-Grenze über 10.000 Meter — 29:52,6 Minuten, ein Weltrekord, der noch während der laufenden Kriegsmobilmachung in ganz Europa Beachtung findet.
WIRTSCHAFT · 1939
Die Rüstungskonjunktur beherrscht das Wirtschaftsjahr: Seit 1936/37 gilt im Reich praktisch Vollbeschäftigung — die Arbeitslosenzahl, 1932 noch bei über 5,5 Millionen, sinkt bis 1939 auf rund 119.000. Ein Facharbeiter verdient im Monatsdurchschnitt etwa 167 Reichsmark, doch der Preis für diesen Aufschwung ist eine explodierende Staatsverschuldung, die von 11,4 Milliarden Reichsmark (1932) auf rund 30,7 Milliarden anwächst — allein für Wehrmacht und Rüstung fließen 1939/40 rund 32 % aller Reichsausgaben. Mit Kriegsbeginn im September greift zusätzlich die Lebensmittelkartenbewirtschaftung: Brot, Fleisch, Fett, Zucker und Seife sind fortan nur noch gegen Bezugsmarken erhältlich, wenig später folgt mit der Reichskleiderkarte die Rationierung von Textilien.
Der Preisspiegel:
- Brot (1 kg) — 0,37 RM
- Butter (1 kg) — 7,20 RM
- Milch (1 l) — 0,30 RM
- Bier (1 l) — 0,40 RM
- Eier (1 Stück) — 0,11 RM
- Kaffee (1 kg) — 5,39 RM
- Zeitung (Der Chronist) — 10 Reichspfennig
STIMMEN DER PRESSE · 1939
Die deutsche Presse ist gleichgeschaltet: Tägliche Presseanweisungen aus dem Propagandaministerium bestimmen Ton und Inhalt jeder Zeitung, eine kritische Stimme zum Kriegsbeginn ist im Reich nicht zu finden. Was den Zeitungsspalten verschwiegen bleibt, dokumentieren die geheimen Sopade-Deutschland-Berichte der Exil-SPD, die über ein Netz von Vertrauensleuten heimlich die tatsächliche Stimmung im Reich sammeln:
„Wir haben auf Grund unserer Berichte bis in die letzte Zeit hinein immer wieder feststellen können, daß das deutsche Volk in seiner überwältigenden Mehrheit keinen Krieg wollte." — Sopade-Deutschland-Berichte, September/Oktober 1939
„Deshalb auch die weitverbreitete naive Vorstellung, daß es nach dem polnischen Feldzug schnell wieder Frieden geben könnte." — Sopade- Deutschland-Berichte, September/Oktober 1939
Von der johlenden Kriegsbegeisterung des Jahres 1914 ist im September 1939, so übereinstimmend die Vertrauensleute in allen Landesteilen, nichts zu spüren — Betroffenheit, Angst und stille Hoffnung auf einen schnellen Frieden bestimmen die Stimmung an Stammtischen und in Wohnküchen.
SPORT · 1939
Noch einmal dominieren die deutschen „Silberpfeile" von Mercedes-Benz und Auto Union die europäischen Grand-Prix-Rennen — es ist, wie sich erst rückblickend zeigt, ihre letzte Saison vor dem Krieg. Ihren surrealen Schlusspunkt findet die Saison ausgerechnet am 3. September beim Großen Preis von Belgrad: Zwei Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen treten die deutschen Werksteams unbeirrt an, während französische und ungarische Fahrer abreisen. Tazio Nuvolari fährt für Auto Union seinen 150. und letzten Sieg seiner Karriere ein — zugleich der letzte Erfolg der Marke überhaupt. Kurz nach dem Zieleinlauf erreicht die Nachricht von der britischen und französischen Kriegserklärung die Rennstrecke.
Im Fußball krönt sich Schalke 04 am 18. Juni vor 100.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit einem 9:0 gegen den österreichischen Vertreter Admira Wien — Torschütze Ernst Kalwitzki allein erzielt fünf Treffer — zum vierten Mal zur deutschen Fußballmeisterschaft; es ist, mit dem höchsten Endspielergebnis der Geschichte, zugleich die letzte deutsche Meisterschaft vor dem Krieg. Mit dem Überfall auf Polen im September kommt der reguläre Sportbetrieb im Reich weitgehend zum Erliegen; Meisterschaften werden abgebrochen oder nur notdürftig unter Kriegsbedingungen fortgeführt.
MODE · 1939
Auch in der Mode zeigt sich die Kriegsvorbereitung: Rohstofflenkung verknappt Wolle und Baumwolle weiter, Ersatzstoffe wie Kunstseide und Zellwolle bestimmen zunehmend die Kleiderschränke. Mit Kriegsbeginn im September werden die Weichen für eine geregelte Rationierung gestellt, die das kommende Jahrzehnt prägen wird: Am 14. November führt der zuständige Ministerialbeamte Hans Kehrl die Reichskleiderkarte ein, mit der Textilien nur noch gegen Punkte zu erwerben sind — 100 Punkte stehen pro Karte zur Verfügung, ein Paar Socken kostet 4, ein Pullover 25, ein neues Kleid schon 45 Punkte. Wer seinen Kleiderschrank auffüllen will, muss von nun an rechnen und sparen; freie Wahl bei Stoff und Schnitt wird zur Ausnahme.
KINO & FUNK · 1939
In den Kinos dominieren weiterhin die aufwendigen Ufa-Produktionen aus den Babelsberger Studios vor den Toren Berlins: Neben dem Abenteuerfilm „Kongo-Express" mit Marianne Hoppe und Willy Birgel, der bis zur Premiere am 15. Dezember über zwei Millionen Reichsmark einspielt, laufen mit „Bel Ami" (Willi Forst) und „Es war eine rauschende Ballnacht" mit Zarah Leander weitere Publikumserfolge des Jahres an. Der Rundfunk, mit mittlerweile rund 12 Millionen angemeldeten Empfängern im Reich das mit Abstand reichweitenstärkste Medium, wird mit Kriegsbeginn zum Propagandainstrument ersten Ranges: Die am 1. September erlassene und am 7. September veröffentlichte „Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen" stellt das Abhören ausländischer Sender unter Strafe — im Höchstfall droht die Todesstrafe wegen „Feindbegünstigung", die Überwachung der Bevölkerung stützt sich dabei maßgeblich auf Denunziation.
GESTORBEN · 1939
- Papst Pius XI. (81), Oberhaupt der katholischen Kirche — 10. Februar, Vatikanstadt.
- Ernst Toller (45), deutscher Schriftsteller und Dramatiker im Exil — 22. Mai, New York (Suizid).
- Sigmund Freud (83), österreichischer Begründer der Psychoanalyse, aus Wien vertrieben — 23. September, London.
- Douglas Fairbanks (56), US-amerikanischer Schauspieler — 12. Dezember, Santa Monica.
LICHTBLICKE · Menschlichkeit, Mut und Wissenschaft
- Kindertransporte retten rund 10.000 Kinder (bis 2. September 1939). Zwischen der Pogromnacht und Kriegsbeginn bringen die Transporte jüdische Kinder aus dem Reich nach England in Sicherheit; der letzte erreicht die Insel zwei Tage vor Kriegsausbruch.
- Gerhard Domagk erhält den Medizin-Nobelpreis (1939). Geehrt für die antibakterielle Wirkung von Prontosil, dem ersten Sulfonamid; die Gestapo zwingt ihn zur Ablehnung, den Preis erhält er erst 1947 nachträglich.
- Hans Bethe erklärt die Energieerzeugung der Sterne (1939). Der aus Deutschland vertriebene Physiker veröffentlicht im amerikanischen Exil seine bahnbrechende Arbeit über die Kernfusionsprozesse, die Sterne antreiben.
- Ernest Lawrence erhält den Physik-Nobelpreis (1939). Der US-Physiker wird für die Erfindung und Entwicklung des Zyklotrons geehrt, das fortan als zentrales Werkzeug der Kern- und Teilchenphysik dient.
- Adolf Butenandt erhält den Chemie-Nobelpreis (1939). Gemeinsam mit Leopold Ružička für die Erforschung der Sexualhormone ausgezeichnet, wird auch er von der Gestapo zur Ablehnung gedrängt — wie Domagk erhält er die Urkunde erst nach dem Krieg.
- Die Ufa dreht in Babelsberg bei Potsdam „Robert Koch, der Bekämpfer des Todes" (29. März 1939). Emil Jannings verkörpert den Entdecker des Tuberkulose-Erregers — der Film feiert seine Premiere in den Studios nur wenige Kilometer von Luckenwalde entfernt.
DAS WETTER · 1939 in der Mark
An diesem 13. Juli war es in der Mark ein milder Sommertag: Höchstwert 21,0 °C, in der Nacht 9,7 °C; kein Tropfen Regen fiel, die Sonne zeigte sich rund 9,0 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 8,9 °C — nahe dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 32 °C am 30. Juli, kältester −14 °C am 28. Dezember. 5 Hitzetage (≥30 °C), 20 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 721 mm.
Ein ausgeglichenes Jahr ohne große Ausschläge; der heißeste Tag verfehlte knapp die 33-Grad-Marke.
(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1939
Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.
- Musik, Musik, Musik (Ich brauche keine Millionen) — Marika Rökk
- Lili Marleen — Lale Andersen
- Guten Tag, liebes Glück — Lilian Harvey
- Nur nicht aus Liebe weinen — Zarah Leander
- Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern — Heinz Rühmann / Hans Brausewetter / Josef Sieber
- In The Mood — Glenn Miller & his Orchestra
- Auf dem Dach der Welt — Marika Rökk
- Man kann sein Herz nur einmal verschenken — Rudi Schuricke
- Penny-Serenade — Rudi Schuricke
- Eine Insel aus Träumen geboren — Marika Rökk
- Du hast Glück bei den Frau'n, Bel Ami — Lizzi Waldmüller
- Goodbye, Johnny — Hans Albers
- Ein Paar Tränen werd' ich um dich weinen — Zarah Leander
- Einen Walzer für dich und für mich — Marika Rökk
- Fatme, erzähl mir ein Märchen — Zarah Leander
- Jede Frau hat ein süßes Geheimnis — Johannes Heesters
- Schön ist die Nacht — Herbert Ernst Groh
- Drei rote Rosen (Gedenken) — Lale Andersen
- Der Junge an der Reling — Lale Andersen
- Wenn ein junger Mann kommt — Marika Rökk
Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.
Synagogenruine verkauft, Kieler Juden ausgewiesen

Die Synagoge an der Humboldtstraße, im Novemberpogrom 1938 geplündert, verwüstet und in Brand gesteckt, darf seither nicht mehr betreten werden. Die Stadt Kiel kauft Ruine und Grundstück von der Jüdischen Gemeinde für knapp 20 000 Reichsmark; das Gebäude wird abgebrochen.
Die Verfolgung der Kieler Juden geht weiter. Am 19. Januar stirbt Adolf Feybusch an den Folgen der Haft im Konzentrationslager Sachsenhausen, in das ihn die Kieler Polizei nach dem Pogrom in „Schutzhaft“ gebracht hatte und aus dem er Mitte Dezember entlassen worden war; am 25. Januar kommt Mendel Czapnik im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben, wohin er Ende 1938 verschleppt worden war. Im Juli werden aus Polen stammende Kieler Juden nach Polen ausgewiesen: die Familie Wilkenfeld am 10. Juli, Isaak Metzger am 15. Juli, die Familie Schlumper am 29. Juli.
Zwei Wochen nach Kriegsbeginn werden 22 ursprünglich aus Polen stammende Frauen und Kinder aus Kiel über Frankfurt nach Leipzig gebracht. Die in Kiel verbliebenen Juden werden in „Judenhäuser“ eingewiesen, unter anderem Kleiner Kuhberg 25, Feuergang 2 und Flämische Straße 22a. Von 1933 bis 1938 hatten rund 390 Menschen die Stadt verlassen, nach dem Pogrom bis Kriegsbeginn noch rund 190.
Aus heutiger Sicht
Der Abbruch der Synagoge zog sich bis November 1940 hin. Von den 22 nach Leipzig gebrachten Frauen und Kindern kamen mindestens 16 ums Leben. Für mehrere der Genannten wurden von 2008 an Stolpersteine in Kiel verlegt.
Kiel wächst nach Südosten: Elmschenhagen wird Stadtteil
Zum 1. April kommt Elmschenhagen vom Kreis Plön zur Stadt Kiel; der Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein hat die Eingemeindung am 22. Dezember 1938 verfügt. Der Ort liegt südöstlich von Gaarden, durch einen Grüngürtel von ihm getrennt. Die Bemühungen von Oberbürgermeister Behrens reichen etwa 15 Monate zurück; die Kriegsmarine hat daran nach Angaben der Presse ein erhebliches Verdienst. Ziel ist Wohnraum für Marine und Werften: Für die nächsten fünf Jahre wird der Bedarf in Kiel auf 30 000 Wohnungen geschätzt, mehr als 10 000 sind in den letzten Jahren gebaut worden.
Mitte April treffen annähernd 500 tschechische Arbeiter aus der Umgebung Prags in Kiel ein. Sie werden in Baracken in Elmschenhagen untergebracht und sollen als Bauarbeiter beim Ausbau der „Kriegsmarinestadt Kiel“ eingesetzt werden.
Am 7. Dezember feiert die Hamburger Siedlungsbaugesellschaft Hermann und Paul Frank Richtfest für die ersten rund 1000 Wohnungen der „Gartenstadt Kiel-Elmschenhagen-Nord“. Der Bauabschnitt umfasst fast 2000 Wohnungen und ist ausschließlich für Beschäftigte der Kriegsmarinewerft Kiel bestimmt. Fünf Musterhäuser lassen sich besichtigen, der Einzug ist für das kommende Frühjahr vorgesehen. Eine zweite Gartenstadt, Elmschenhagen-Süd, ist geplant.
Aus heutiger Sicht
Die Gartenstädte in Elmschenhagen entstanden als Teil der Aufrüstung der Marinestadt; die Wohnungen waren ausdrücklich Werft- und Marineangehörigen vorbehalten. Die tschechischen Arbeiter kamen wenige Wochen nach der Besetzung Böhmens und Mährens im März 1939; dass sie „freiwillig“ gekommen seien, behauptete die gelenkte Presse.
Kieler Woche: Rund 300 Yachten am Start
Mit rund 300 Yachten und mehr als 1000 Seglern beginnt am Sonnabend, dem 17. Juni, die Kieler Woche. Veranstalter ist der Yacht-Club von Deutschland. Gemeldet sind Boote unter anderem aus Schweden, Italien, Dänemark, Holland und Norwegen.
Die erste Wettfahrt um die Großen Preise gewinnt in der 6mR-Klasse die Kieler „Gustel“ (Thomsen) vor „Michel III“ (Dr. Collignon, Berlin). Am Donnerstag, dem 22. Juni, führt eine Wettfahrt von Kiel nach Eckernförde, am Freitag eine zurück. Die Marineyacht „Helgoland“ gewinnt den Preis der Stadt Eckernförde.
Am Schlusstag, dem 24. Juni, gewinnt die italienische „Vega III“ (Oberleutnant Straulino) knapp vor „Michel III“ und der norwegischen „Rani II“. Danach folgen ab Montag, dem 26. Juni, die Deutschen Meisterschaften.
Aus heutiger Sicht
Die Segelveranstaltungen bis zum Kriegsbeginn fanden deutlich vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Propaganda statt. Die gleichgeschaltete Presse stellte Kiel dabei als „Kriegsmarine-Stadt“ vor. Die Kieler Woche fiel von 1940 bis 1944 aus.
Starboot-Weltmeisterschaft: Von Hütschler verteidigt den Titel
Die Weltmeisterschaft der Starboote wird vom 21. bis 25. August auf der Kieler Förde gesegelt. Kiel ist Austragungsort, weil der Hamburger Walter von Hütschler 1938 in San Diego als erster Europäer den Titel gewonnen hat.
Am ersten Tag setzen sich Dr. Hansohm aus Kiel und Titelverteidiger von Hütschler vom Feld ab. Hansohm muss nach einer Havarie am Start dauernd Wasser schöpfen; von Hütschler gewinnt mit 34 Sekunden Vorsprung.
Eine Wettfahrt über 10 Seemeilen wird abgebrochen, wenn nach dreieinhalb Stunden noch niemand im Ziel ist. Bei Flaute trifft das am Dienstag, dem 22., und am Mittwoch, dem 23. August, zu; beide Rennen kommen nicht in die Wertung. Am Donnerstag, dem eigentlich freien Tag, werden sie nachgeholt, am Freitag, dem 25. August, bei günstigem Wind die beiden letzten Wettfahrten gesegelt, und der Wettbewerb ist zwei Tage früher als geplant entschieden.
Endstand: 1. von Hütschler (Hamburg) mit seinem Boot „Pimm“ und Vorschotmann Egon Beyn 99 Punkte, 2. Straulino (Italien) 89, 3. Dr. Hansohm (Kiel) 75, 4. Wegeforth (USA) 74. Am 26. August empfängt Oberbürgermeister Behrens den Weltmeister und überreicht ihm einen Kompass als Ehrengabe.
KURZ NOTIERT · Kiel 1939
- 15. Februar — Berlin kündigt an, den Kaiser-Wilhelm-Kanal auf etwa das Doppelte seines Querschnitts zu erweitern; die Schleusen in Holtenau und Brunsbüttel sollen durch je eine Großschleuse ersetzt werden. 1937 zählte der Kanal 53 400 Schiffe.
- März — Am Ostufer beginnt der Bau einer neuen Schwentinebrücke: 224 m zwischen den Lagern, 21 m breit. Der Entwurf stammt von Dr.-Ing. e. h. Voß, dem Erbauer der Prinz-Heinrich-Brücke über den Kanal.
- 30. März — Oberbürgermeister Behrens gibt die Haushaltssatzung bekannt: 41 424 707 RM im ordentlichen, 8 900 053 RM im außerordentlichen Haushalt; mit Stadtwerken und Hafenbetrieben sind es rund 64 Millionen RM.
- 6. April — Der Polizeipräsident genehmigt neue Straßennamen, darunter Carl-Peters-, Lüderitz-, Nachtigal-, Wißmann-, Woermann- und Ritter-von-Epp-Straße; die Hertzstraße heißt künftig Röntgenstraße.
- 6.–10. Juli — Das jugoslawische Segelschulschiff „Jadran“ mit 142 Mann liegt in Kiel; die Besatzung fährt frei auf Straßenbahn und Fördedampfern.
- 19. August — Der Sprachforscher Otto Mensing stirbt in Kiel, geboren 1868 in Lütjenburg.
- 20. September — Die Kriegsmarine stellt den bei den Deutschen Werken in Kiel gebauten schweren Kreuzer „Blücher“ in Dienst, Kommandant ist Kapitän zur See Heinrich Woldag.
- 16. Dezember — Im Kieler Arbeitsamt erläutert der Kommandant des Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlagers X Landräten, Kreisleitern, Bürgermeistern und Kreisbauernführern den „Arbeitseinsatz“ polnischer Kriegsgefangener: Arbeitslager ab 20 Mann hinter Draht oder Gitter, je zehn Gefangene ein Wachmann, 0,45 RM Lohn für den neunstündigen Arbeitstag, zu zahlen an das Stammlager.
RUND UM DIE FÖRDE · 1939
- 17. Februar, Strande — An der Kieler Außenförde bei Strande entsteht ein neuer Fischereihafen, der im Mai in Betrieb genommen werden soll. Die Fischer aus Kiel-Wellingdorf sollen wegen der Erweiterung der Industrieanlagen nach Heikendorf umziehen, wo an der östlichen Innenförde eine Siedlung im Bau ist.
- 1. November, Laboe — Die Kriegsmarine hält am Marine-Ehrenmal eine Gedenkfeier zum 25. Jahrestag der Seeschlacht bei Coronel ab.
SPORT AN DER FÖRDE · 1939
- Holstein Kiel — Die Gauliga Nordmark 1938/39 beendet der Verein auf Platz 3 von 11: 9 Siege, 7 Unentschieden, 4 Niederlagen, Tore 69:49, Punkte 25:15. Meister wird der Hamburger SV.
- Tschammerpokal — In der 3. Hauptrunde am 21. Mai scheidet Holstein Kiel mit 2:3 bei Göttingen 05 aus.
- THW Kiel — Der Turnverein Hassee-Winterbek Kiel wird in der Feldhandball-Gauliga Nordmark 1938/39 Zweiter hinter Oberalster VfW: 16 Spiele, Tore 166:90, Punkte 27:5.
- VfB Kiel — In der Aufstiegsrunde zur Gauliga wird der VfB als Bezirksmeister Schleswig-Holstein Nord Zweiter seiner Gruppe hinter SC Sperber Hamburg und verpasst den Aufstieg.
- Gauliga 1939/40 — Die Gauliga-Saison 1939/40 wird mit Kriegsbeginn abgebrochen; zwei Spiele sind bis dahin ausgetragen.
DAS WETTER · 1939 in Kiel
An diesem 13. Juli meldete die Wetterstation Neumünster, rund 28 km südsüdwestlich von Kiel im Binnenland gelegen, eine Höchsttemperatur von 22,0 °C, eine Tiefsttemperatur von 7,0 °C und ein Tagesmittel von 16,9 °C. Niederschlag fiel nicht (0,0 mm).
Das Jahr über: Das Jahresmittel lag bei 9,0 °C. Der wärmste Tag war der 7. Juni mit 32,0 °C, der kälteste Tiefstwert wurde am 7. Januar mit −15,6 °C gemessen. Es gab 4 Hitzetage (Höchstwert mindestens 30 °C), 36 Sommertage (mindestens 25 °C), 15 Eistage (Höchstwert unter 0 °C) und 77 Frosttage (Tiefstwert unter 0 °C). Im Jahr fielen 709 mm Niederschlag.
(Messwerte der DWD-Station Neumünster. Quelle: DWD Climate Data Center.)