DER CHRONIST
Ein Jahr, in dem der Krieg zum Weltkrieg wird: Nach dem Sieg auf dem Balkan und über Kreta wirft Hitler die Wehrmacht im „Unternehmen Barbarossa" gegen die Sowjetunion, wo sie vor Moskau erstmals ins Stocken gerät, während vor Leningrad eine der grausamsten Belagerungen der Geschichte beginnt und bei Kiew Tausende Juden in der Schlucht von Babyn Jar erschossen werden. In Nordafrika liefern sich Rommels Afrikakorps und die Verteidiger von Tobruk einen zähen Belagerungskrieg, im Nordatlantik jagt die Royal Navy tagelang das deutsche Schlachtschiff „Bismarck", und in Persien sichern sich Briten und Sowjets mit einer gemeinsamen Invasion die Ölfelder und eine Nachschubroute. Schon im März hatte Washington mit dem Lend-Lease-Gesetz die eigene Neutralität aufgeweicht, ehe der japanische Angriff auf Pearl Harbor im Dezember die USA endgültig in den Krieg zieht und binnen Tagen auch Hongkong sowie zwei britische Großkampfschiffe zum Opfer des japanischen Vormarschs werden. Im Reich selbst müssen Juden ab September den gelben Stern tragen, während die ersten Deportationszüge nach Osten rollen — und mitten in Luckenwalde wächst hinter Stacheldraht ein Ort des Sterbens, von dem die Lokalpresse schweigt.
Wehrmacht erobert Griechenland und Kreta

Vorausgegangen war Mussolinis unglücklich verlaufener Angriff auf Griechenland vom 28. Oktober 1940, der im griechischen Gegenstoß steckenblieb und britische Verbände ins Land holte. Um seine Südflanke vor dem längst geplanten Ostfeldzug zu sichern, lässt Hitler am 6. April die Wehrmacht, unterstützt von Italien, Bulgarien und Ungarn, gleichzeitig in Jugoslawien und Griechenland einmarschieren. Jugoslawien kapituliert bereits am 17. April, Griechenland folgt am 23. April; ein Großteil der britischen und Commonwealth-Truppen wird in überstürzter Evakuierung über See gerettet. Die zurückweichenden britischen, australischen, neuseeländischen und griechischen Verbände verschanzen sich auf der Insel Kreta, doch am 20. Mai springen im „Unternehmen Merkur" rund 13.000 deutsche Fallschirmjäger unter General Kurt Student über der Insel ab — der erste große Luftlandeangriff der Kriegsgeschichte. Unter ihnen befindet sich auch der amtierende Boxweltmeister Max Schmeling, der sich bei der Landung Knie und Rücken verletzt und wenig später mit Ruhr und Hitzschlag ins Feldlazarett muss. Die Eroberung wird zum Pyrrhussieg: Von den eingesetzten Fallschirmjägern fallen rund 3.000, insgesamt beklagt die Wehrmacht knapp 4.000 Tote und Vermisste, von den 493 eingesetzten Transportmaschinen vom Typ Ju 52 geht mehr als die Hälfte verloren. Nach verlustreichen Kämpfen ist Kreta bis zum 1. Juni dennoch in deutscher Hand. Der Balkanfeldzug sichert Hitler die Südflanke — verzögert aber, so meinen manche Militärs, den bereits geplanten Angriff im Osten um mehrere Wochen; die hohen Verluste unter den Fallschirmjägern lassen Hitler von weiteren großen Luftlandeunternehmen fortan Abstand nehmen.
„Unternehmen Barbarossa" — der Überfall auf die Sowjetunion

Vorausgegangen war der Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939, der die beiden Diktaturen zwei Jahre lang als Partner erscheinen ließ und Osteuropa unter sich aufteilte. Bereits am 18. Dezember 1940 hatte Hitler mit der „Weisung Nr. 21" den Angriffsplan unter dem Decknamen „Barbarossa" befohlen. In den frühen Morgenstunden des 22. Juni — ausgerechnet dem Tag des deutschen Fußball-Endspiels in Berlin — überschreiten rund drei Millionen deutsche Soldaten und ihre rumänischen, finnischen, ungarischen und slowakischen Verbündeten, zusammen über 3,6 Millionen Mann, entlang einer gut 2.100 Kilometer breiten Front von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer die Grenze zur Sowjetunion. Drei Heeresgruppen — Nord, Mitte und Süd —, unterstützt von vier Panzergruppen, rund 600.000 Fahrzeugen, 3.500 Panzern, 3.000 Flugzeugen und 7.100 Geschützen, stoßen ohne Kriegserklärung in das Land vor und eröffnen den größten Feldzug der Geschichte — von Beginn an, flankiert vom „Kommissarbefehl" zur Erschießung gefangener sowjetischer Politoffiziere, als Vernichtungskrieg gegen Land und Bevölkerung gleichermaßen geplant. Die Wehrmacht meldet spektakuläre Kesselschlachten — bei Białystok und Minsk, bei Smolensk und im September bei Kiew, wo mehr als 600.000 Rotarmisten in Gefangenschaft geraten —, doch die Erfolge täuschen: Vor Moskau gerät der Vormarsch im scharfen Frost des Winters ins Stocken, am 5. Dezember tritt die Rote Armee unter General Schukow zur Gegenoffensive an. Bis Jahresende zählt die Wehrmacht bereits weit über 800.000 eigene Tote, Verwundete und Vermisste. Der Krieg im Osten, das zeigt sich schon in diesem ersten halben Jahr, wird zum blutigsten Kapitel des ganzen Krieges — und zur Quelle des Elends, das mit den Hunderttausenden sowjetischen Gefangenen bald auch bis nach Luckenwalde reicht.
Der „Judenstern" wird Pflicht im ganzen Reich

Der Kennzeichnung war die schrittweise Entrechtung der jüdischen Bevölkerung seit 1933 vorausgegangen: Ausschluss aus Berufen, Verbot des Besuchs von Kinos, Parks und Bädern, gesonderte und stark eingeschränkte Lebensmittel- und Kleiderkarten. Am 1. September unterzeichnet Reinhard Heydrich im Namen des Reichsinnenministers die „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden". Ab dem 19. September müssen alle im Reich verbliebenen jüdischen Bürger über sechs Jahren — rund 200.000 Menschen — sichtbar auf der linken Brustseite einen handtellergroßen, gelben, sechszackigen Stern tragen, fest aufgenäht und aus eigener Tasche über Bezugscheine erworben; er zeigt die Aufschrift „Jude" in geschwungenen, pseudohebräischen Buchstaben, die die hebräische Schrift verhöhnen sollen. Die Kennzeichnung macht die längst Entrechteten auch äußerlich zur Zielscheibe von Hohn und Gewalt auf offener Straße. Am 23. Oktober verbietet das Reichssicherheitshauptamt im Auftrag Heinrich Himmlers zusätzlich jede weitere Auswanderung von Juden aus dem Reichsgebiet — die letzte legale Fluchtmöglichkeit ist damit versperrt. Zugleich beginnen in diesen Herbstmonaten die ersten systematischen Deportationen aus dem Reich nach Osten: Ab dem 16. Oktober rollen die ersten Züge mit rund 20.000 Juden aus Luxemburg sowie aus Berlin, Frankfurt am Main, Köln und weiteren Städten des „Altreichs" in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź); im November und Dezember folgen Transporte in die Ghettos von Minsk, Kaunas und Riga, wo viele der Deportierten binnen weniger Tage nach Ankunft von Einsatzgruppen erschossen werden. Der Weg in die systematische Vernichtung zeichnet sich damit noch vor Jahresende ab.
4 · AUS DER REGION · Sowjetische Kriegsgefangene im Stalag III A
Das ehemalige Kommandanturgebäude des Stalag III A bei Luckenwalde (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)
Errichtet wurde das Lager bereits im August 1939: Ab Mitte September 1939 treffen die ersten polnischen Kriegsgefangenen ein, zunächst in Zeltlagern untergebracht, ehe bis zum Winter feste Baracken für rechnerisch 10.000 Mann entstehen — das Stalag III A gilt als eines der größten Kriegsgefangenenlager im Wehrkreis III Berlin-Brandenburg. Zuvor waren dort auch französische und belgische Gefangene des Westfeldzugs von 1940 untergebracht, die im Gegensatz zu den späteren sowjetischen Ankömmlingen unter dem Schutz der Genfer Konvention standen. Im Jahr 1941 treffen zunächst jugoslawische und serbische Gefangene aus dem gerade beendeten Balkanfeldzug ein. Seit dem Sommer 1941 treffen im Kriegsgefangenenlager Stalag III A vor den Toren Luckenwaldes zudem sowjetische Soldaten in großer Zahl ein — Gefangene des gerade begonnenen Ostfeldzugs, unter ihnen viele der bei Białystok, Minsk und Smolensk eingekesselten Rotarmisten. Anders als westalliierte Kriegsgefangene, die nach der Genfer Konvention behandelt und mit Rot-Kreuz-Paketen versorgt werden, sind die sowjetischen Männer schutzlos: Die Sowjetunion hatte das Abkommen nie unterzeichnet, und das Reich verweigert seinerseits jede Rücksicht — sowjetische Gefangene werden ausdrücklich von Inspektionen und Hilfssendungen des Internationalen Roten Kreuzes ausgeschlossen. Untergebracht in notdürftigen Erdlagern, unterernährt und ohne ausreichende medizinische Versorgung, sterben allein im Winter 1941/42 rund 2.000 bis 2.500 sowjetische Gefangene an einer Typhus-Epidemie, an Hunger und Kälte. Das Hauptlager selbst fasst zwischen 4.000 und 8.000 Männer, dem Lagerbereich unterstehen zeitweise bis zu 40.000 Gefangene, viele in Arbeitskommandos in Landwirtschaft und Industrie der Mark verstreut. Was sich hinter dem Stacheldraht bei Luckenwalde abspielt, findet in der gleichgeschalteten Presse keine Erwähnung — es ist die verschwiegene, grausamste Schlagzeile des Jahres vor der eigenen Haustür.
Pearl Harbor und der Kriegseintritt der USA

Vorausgegangen war eine sich seit Jahren zuspitzende Konfrontation: Nach dem japanischen Vormarsch in China und Indochina verhängen die USA im Sommer 1941 ein Öl- und Stahlembargo gegen Japan und frieren japanische Guthaben ein — ohne amerikanisches Öl droht der japanischen Kriegsmaschine binnen Monaten der Stillstand. Als Verhandlungen scheitern und Washington am 26. November in der „Hull-Note" den vollständigen Rückzug Japans aus China fordert, entscheidet sich Tokio für den Krieg. Admiral Isoroku Yamamoto plant den überraschenden Schlag gegen die US-Pazifikflotte, den ein Verband aus sechs Flugzeugträgern unter Vizeadmiral Chūichi Nagumo ausführt. Am Morgen des 7. Dezember, um 7.48 Uhr Ortszeit, bombardiert die japanische Marine in zwei Angriffswellen mit 353 Flugzeugen ohne Vorwarnung den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii. Von acht dort liegenden Schlachtschiffen werden alle beschädigt, vier sinken, darunter die USS Arizona, auf der von 1.512 Mann Besatzung 1.177 sterben — mehr als die Hälfte aller amerikanischen Gefallenen dieses Tages. Über 2.300 amerikanische Soldaten sterben, rund 1.180 werden verwundet; Japan verliert 29 Flugzeuge, fünf Kleinst-U-Boote und rund 130 Mann. Bereits am folgenden Tag erklärt der US-Kongress, nach Präsident Roosevelts berühmter „Day of Infamy"-Rede, Japan den Krieg. Am 11. Dezember zieht Hitler in einer Reichstagsrede nach: Ohne vertragliche Verpflichtung aus dem Dreimächtepakt erklärt das Deutsche Reich den Vereinigten Staaten den Krieg — Italien folgt am selben Tag. Aus dem europäischen und dem pazifischen Krieg wird endgültig ein Weltkrieg. Historiker sehen in diesem Tag, mehr noch als in Pearl Harbor selbst, die Geburtsstunde der neuen globalen Frontstellung, die fortan auch die amerikanische Rüstungsindustrie und Landstreitkräfte voll in den Kampf gegen das Deutsche Reich einbindet.
Lend-Lease-Gesetz: USA werden „Arsenal der Demokratie"

Vorausgegangen war Londons wachsende Finanznot: Nach anderthalb Kriegsjahren kann Großbritannien seine bislang nach dem Prinzip „Cash and Carry" bar bezahlten Rüstungskäufe in den USA kaum noch finanzieren, während Präsident Franklin D. Roosevelt trotz starker isolationistischer Stimmung im eigenen Land entschlossen ist, den Verbündeten nicht fallen zu lassen. Am 11. März unterzeichnet Roosevelt das vom Kongress verabschiedete „Leih- und Pachtgesetz" (Lend-Lease Act) — offiziell ein „Gesetz zur Förderung der Verteidigung der Vereinigten Staaten". Es erlaubt der Regierung, Kriegsgerät, Nahrungsmittel und Rohstoffe an Staaten zu verleihen oder zu verpachten, deren Verteidigung als lebenswichtig für die USA gilt, ohne dass diese sofort bezahlen müssen. Nutznießer sind zunächst vor allem Großbritannien, ab dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni auch Moskau, später ebenso China. Bis Kriegsende summieren sich die Lieferungen auf rund 50 Milliarden Dollar — Panzer, Flugzeuge, Schiffe, Lastwagen, Lebensmittel und Rohstoffe, ohne die weder das britische Empire noch die Rote Armee ihren Kampf in dieser Form hätten fortsetzen können. Für Washington markiert das Gesetz den endgültigen Abschied von der strikten Neutralität der Vorkriegsjahre, Monate bevor Pearl Harbor die USA selbst in den Krieg treibt.
Rommel schließt die Festung Tobruk ein

Vorausgegangen war die vernichtende britische Offensive „Compass", die die italienischen Truppen im Winter 1940/41 aus der Cyrenaika vertrieben hatte; um den Verbündeten zu stützen, entsendet Hitler im Februar das neu aufgestellte Deutsche Afrikakorps unter General Erwin Rommel nach Libyen. Kaum eingetroffen, geht Rommel bereits Ende März zum Angriff über und wirft die geschwächten britischen Verbände binnen weniger Tage aus fast der gesamten Cyrenaika zurück. Nur die Hafenfestung Tobruk, verteidigt von der australischen 9. Division unter General Leslie Morshead sowie britischen und indischen Einheiten, hält den ersten deutschen Sturmangriffen ab dem 10. April stand — Hitler hatte Rommel am 13. April ausdrücklich befohlen, die Stadt vor dem Weitermarsch nach Ägypten einzunehmen. Es beginnt eine Belagerung, die sich über Monate hinzieht: Deutsche Rundfunkpropaganda verspottet die Eingeschlossenen als in der Falle sitzende „Ratten", ein Spitzname, den die australischen Verteidiger stolz als „Rats of Tobruk" für sich annehmen. Die Garnison hält, mit Nachschub über See, bis zur Entsatzoffensive im Winter durch — die erste Niederlage deutscher Landstreitkräfte in diesem Krieg und ein Stachel im Fleisch von Rommels Ägypten-Plänen.
Das Schlachtschiff „Bismarck" versenkt

Vorausgegangen war der Ausbruch des neuen deutschen Schlachtschiffs Bismarck, zusammen mit dem Schweren Kreuzer Prinz Eugen, aus der Ostsee in den Nordatlantik — „Unternehmen Rheinübung" sollte alliierte Nachschubkonvois bedrohen. In der Dänemarkstraße stellen sich ihr am 24. Mai der britische Schlachtkreuzer HMS Hood und das Schlachtschiff HMS Prince of Wales entgegen; die Hood explodiert nach wenigen Minuten Beschuss und sinkt mit 1.418 Mann Besatzung, nur drei Männer überleben — der schwerste Einzelverlust der Royal Navy in diesem Krieg. Die gesamte britische Home Fleet nimmt daraufhin die Jagd auf die Bismarck auf. Torpedoflugzeuge vom Typ Swordfish, gestartet vom Flugzeugträger HMS Ark Royal, treffen am 26. Mai das Ruder des deutschen Schiffs und machen es manövrierunfähig. Am Morgen des 27. Mai, rund 400 Seemeilen westlich von Brest, stellen die britischen Schlachtschiffe King George V und Rodney die Bismarck und schießen sie binnen weniger Stunden in Brand; von den rund 2.200 Mann Besatzung überleben nur 115. Der Untergang beendet die letzte große Ausbruchsfahrt eines deutschen Großkampfschiffs in den Atlantik und markiert für die Kriegsmarine das Ende ihrer Ambitionen auf der offenen See.
Briten und Sowjets besetzen den Iran

Vorausgegangen war die Sorge der Alliierten, der neutrale, aber mit dem Deutschen Reich sympathisierende Schah Reza Pahlavi könnte den Iran und seine Ölfelder faktisch der Achse öffnen — zugleich brauchen die Briten nach Beginn des deutschen Ostfeldzugs dringend eine sichere Nachschubroute für Waffenlieferungen an die bedrängte Sowjetunion. Am 25. August marschieren britische und indische Truppen von Irak und dem Persischen Golf sowie sowjetische Verbände aus dem Norden gleichzeitig in den Iran ein, von britischer Seite unter dem Decknamen „Operation Countenance". Die iranische Armee leistet nur wenige Tage Widerstand, ehe die Regierung Ende August um einen Waffenstillstand bittet; die Besetzung des Landes ist bis zum 17. September vollzogen. Reza Schah muss abdanken und geht ins südafrikanische Exil, sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi besteigt unter alliierter Aufsicht den Thron. Mit der transiranischen Eisenbahn steht den Westalliierten fortan der „Persische Korridor" offen, über den in den kommenden Kriegsjahren Millionen Tonnen Rüstungsgüter und Lend-Lease-Material in die Sowjetunion gelangen.
Leningrad wird eingeschlossen

Vorausgegangen war der rasche Vorstoß der Heeresgruppe Nord im Zuge des „Unternehmens Barbarossa", die sich zusammen mit finnischen Verbänden von Norden und Westen der Stadt näherte. Am 8. September erreichen deutsche Truppen den Ladogasee bei Schlüsselburg und durchtrennen damit die letzte Straßen- und Eisenbahnverbindung Leningrads zum sowjetischen Hinterland — die Millionenstadt ist eingeschlossen. Statt sie im Sturm zu nehmen und dabei hohe eigene Verluste zu riskieren, entscheidet sich Hitler, Leningrad systematisch aushungern zu lassen. Die Bevölkerung errichtet unter Mühen Panzergräben und Befestigungen, rund 200.000 Rotarmisten verteidigen die Stadt, doch Lebensmittel-, Brennstoff- und Munitionsvorräte schwinden rasch; einzige Verbindung zur Außenwelt bleibt bald nur noch die im Winter zugefrorene „Straße des Lebens" über den Ladogasee. Schon in den ersten Monaten der Blockade sterben Zehntausende an Hunger und Kälte — der Auftakt zu einer der längsten und opferreichsten Belagerungen der Kriegsgeschichte, die sich bis 1944 hinziehen und schätzungsweise 1,1 Millionen Zivilisten das Leben kosten wird.
Massaker von Babyn Jar bei Kiew

Vorausgegangen war die Eroberung Kiews durch die Wehrmacht am 19. September, bei der mehr als 600.000 sowjetische Soldaten in Gefangenschaft gerieten; wenige Tage später explodieren von zurückweichenden sowjetischen Pionieren gelegte Sprengfallen in der Innenstadt und töten mehrere deutsche Soldaten — ein Vorwand, den die Besatzer sofort zur Vergeltung an der jüdischen Bevölkerung nutzen. Das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C unter Paul Blobel befiehlt, unterstützt von Polizeieinheiten und mit logistischer Hilfe der Wehrmacht, allen Juden Kiews, sich am 29. September mit Gepäck, Papieren und Wertsachen zum angeblichen „Umsiedlungstransport" einzufinden. Statt dessen werden die Menschen zur Schlucht Babyn Jar am Stadtrand getrieben, müssen sich entkleiden und werden gruppenweise am Rand der Schlucht erschossen. Nach dem eigenen Bericht der Einsatzgruppe an die Berliner Zentrale werden binnen 36 Stunden 33.771 Menschen ermordet — das größte einzelne Massaker an Juden während des gesamten Zweiten Weltkriegs. Babyn Jar wird in den folgenden Monaten und Jahren zur Hinrichtungsstätte auch für Roma, sowjetische Kriegsgefangene und Patienten psychiatrischer Anstalten; die Gesamtzahl der dort Ermordeten wird später auf weit über 100.000 geschätzt.
Japans Vormarsch fordert Hongkong und zwei britische Großkampfschiffe

Vorausgegangen war der japanische Angriff auf Pearl Harbor, der binnen Stunden von einer Offensive gegen praktisch alle westlichen Kolonialbesitzungen in Südostasien begleitet wird. Bereits am 8. Dezember greifen japanische Truppen die britische Kronkolonie Hongkong an; die Garnison aus britischen, kanadischen und indischen Soldaten unter Gouverneur Sir Mark Young leistet 18 Tage erbitterten Widerstand, ehe Young die Kolonie am 25. Dezember — von der Bevölkerung fortan „Black Christmas" genannt — im Peninsula Hotel in Kowloon kampflos übergibt; Japan verzeichnet rund 2.754, die Verteidiger rund 11.848 Verluste, etwa 7.000 Soldaten und Beamte geraten in Gefangenschaft. Bereits zwei Wochen zuvor, am 10. Dezember, hatte die japanische Marineluftwaffe vor der Küste Malayas ohne eigenen Flugzeugträgerschutz entsandte britische Großkampfschiffe gestellt: 34 Torpedo- und 51 Bombenflugzeuge versenken binnen zwei Stunden das Schlachtschiff HMS Prince of Wales und den Schlachtkreuzer HMS Repulse; über 840 Seeleute sterben, darunter Flottenkommandeur Admiral Tom Phillips. Es ist das erste Mal in der Kriegsgeschichte, dass voll einsatzfähige Großkampfschiffe auf offener See allein durch Luftangriffe versenkt werden — ein Menetekel für das Ende der Schlachtschiff-Ära und für die Wehrlosigkeit der Kolonialmächte gegenüber Japans raschem Vormarsch in Asien.
AM RANDE NOTIERT
- 10. Mai: Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß startet allein mit einer Me 110 nach Schottland, um dort — ohne Wissen Hitlers — einen Separatfrieden mit Großbritannien zu suchen. Die Briten nehmen ihn gefangen; die Aktion bleibt folgenlos für den Kriegsverlauf.
- In Luckenwalde selbst ist für 1941 kein einzelnes belegtes Lokalereignis überliefert außer dem Kriegsgefangenenlager — der Alltag der Industriestadt wird von Rüstungsproduktion, Rationierung und der immer spürbareren Kriegswirtschaft bestimmt.
- 14. August: Auf einem Kriegsschiff vor Neufundland unterzeichnen US-Präsident Roosevelt und der britische Premier Churchill die „Atlantik-Charta" — eine gemeinsame Erklärung über die Kriegsziele der Alliierten und die Neuordnung nach dem Krieg, lange bevor die USA selbst in den Krieg eintreten.
- Als Kreuzungspunkt der Bahnstrecken südlich Berlins rollen durch den Eisenbahnknoten Luckenwalde 1941 in wachsender Zahl Wehrmachtstransporte gen Osten — Soldaten und Material Richtung Front, in umgekehrter Richtung Lazarettzüge mit Verwundeten von den Kämpfen in der Sowjetunion.
- Am 5. September übernimmt die Volkswagenwerk GmbH die zuvor „arisierte" Luckenwalder Feintuchfabrik (vormals Tannenbaum, Pariser & Co.) — produzieren darf der Textilbetrieb im Krieg jedoch kaum noch, die Hallen werden vermietet.
- Der Luckenwalder Arbeiter Arno Ertner wird am 6. Dezember von der Gestapo verhaftet, weil er kirchliche Protestpredigten gegen die NS-„Euthanasie" verbreitet hat; über Sachsenhausen und Dachau stirbt er 1943 an Typhus.
SPORT · 1941
Der Sportbetrieb im Reich läuft weiter eingeschränkt: Die Gauliga-Meisterschaften im Fußball werden trotz Krieg fortgeführt, doch immer mehr Vereinsspieler fehlen an der Front oder treten nur auf Fronturlaub an. Die deutsche Fußballmeisterschaft 1941 wird ausgerechnet am 22. Juni ausgetragen — dem Tag des Überfalls auf die Sowjetunion: Vor rund 95.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion dreht Rapid Wien einen 0:3-Rückstand gegen den favorisierten FC Schalke 04 noch in einen 4:3-Sieg und wird als bislang einziger österreichischer Verein Deutscher Meister. Unter den prominentesten Soldaten-Sportlern des Jahres springt der frühere Boxweltmeister Max Schmeling als Fallschirmjäger bei der Luftlandeschlacht um Kreta ab und wird dabei verletzt. Die Olympischen Spiele, die bereits 1940 ausgefallen waren, bleiben weiterhin ausgesetzt. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion und dem nahenden Kriegseintritt der USA rückt der Sport im öffentlichen Bewusstsein weiter in den Hintergrund.
MODE · 1941
Die Rationierung verschärft sich weiter: Bereits seit November 1939 regelt die Reichskleiderkarte mit einem Punktesystem — anfangs 100 Punkte im Jahr, ein Kleid etwa 45, ein Paar Strümpfe rund 4 Punkte —, was an Bezugscheinen und Spinnstoffen überhaupt noch erhältlich ist; jüdische Bürger sind vom Bezug bereits seit Februar 1940 ausgeschlossen. Neuanschaffungen werden zur Ausnahme, Kleidung wird gewendet, geflickt und aus alten Stoffen umgearbeitet, eine schlichtere „Kriegsmode" mit knapperen Schnitten, kürzeren Röcken und Kopftüchern statt Hüten prägt das Straßenbild, während Sammlungen abgetragener Wollsachen für die Ostfront laufen. Im gegnerischen Großbritannien führt man zeitgleich, zum 1. Juni, mit der „Utility Clothing"-Regelung (CC41) ein ähnliches System der Kleiderrationierung ein: Das vom Board of Trade verordnete Punktesystem mit Kleiderkarten soll knappe Rohstoffe wie Wolle, Baumwolle und Leder sparen, das charakteristische „CC41"-Zeichen kennzeichnet fortan konforme Kleidungsstücke. Beiderseits der Front bestimmt nun der Krieg den Kleiderschrank.
LICHTBLICKE · Menschlichkeit, Mut und Wissenschaft
- Konrad Zuse stellt den Z3 vor (12. Mai 1941). In Berlin präsentiert der Ingenieur den ersten funktionsfähigen, frei programmierbaren, binären und Turing-vollständigen Computer der Welt — Geburtsstunde der modernen Computertechnik, mitten im Krieg entwickelt.
- Bischof von Galen predigt gegen die „Euthanasie" (Juli/August 1941). In drei öffentlichen Predigten klagt der Münsteraner Bischof die geheime NS-Krankenmordaktion an; Hitler stoppt daraufhin das offizielle „T4"-Programm — ein seltener Fall, in dem öffentlicher Protest das Regime zum Einlenken zwingt.
- Joe DiMaggios Rekordserie endet (17. Juli 1941). In New York schließt der Yankees-Star seine Serie von 56 aufeinanderfolgenden Spielen mit mindestens einem Hit ab — bis heute unerreichter Rekord im amerikanischen Baseball und ein seltener Lichtblick fernab der Kriegsschlagzeilen.
- Stille Menschlichkeit am Stalag III A (1941). Trotz strengem Verbot reichen einzelne Bewohner der Luckenwalder Umgebung den zu Arbeitseinsätzen geführten sowjetischen Gefangenen heimlich Brot und Lebensmittel zu — kleine, unter Strafandrohung riskierte Gesten der Menschlichkeit hinter dem Stacheldraht.
DAS WETTER · 1941 in der Mark
An diesem 13. Juli war es in der Mark ein heißer Hochsommertag: Höchstwert 32,2 °C, in der Nacht 18,7 °C; ein kurzer Schauer brachte 1,7 mm, die Sonne zeigte sich rund 11,9 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 7,2 °C — rund 1,6 Grad unter dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 32 °C am 9. Juli, kältester −22 °C am 30. Januar. 8 Hitzetage (≥30 °C), 42 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 662 mm.
Auch der Jahresbeginn 1941 war eisig (bis −22 °C, 42 Eistage) — dann folgte einer der heißesten Geburtstage dieser Reihe.
(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1941
Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.
- Lili Marleen — Lale Andersen
- Man müßte Klavier spielen können — Johannes Heesters
- Die Reblaus — Hans Moser
- Heimat, deine Sterne — Wilhelm Strienz
- Liebling, was wird nun aus uns beiden — Johannes Heesters
- Ich sag nicht „ja" – ich sag nicht „nein" — Zarah Leander
- Ich will nicht vergessen — Zarah Leander
- Frühling in Wien — Marika Rökk
- So schön wie heut' — Marika Rökk / Heinz Müller
- Jeder Spatz pfeift es vom Dach — Ilse Werner
- Du und ich im Mondenschein — Ilse Werner
- Einen Walzer für dich und für mich — Herbert Ernst Groh
- Einmal wirst du wieder bei mir sein — Rudi Schuricke
- Unter der roten Laterne von St. Pauli — Sven Olof Sandberg
- Ich bin heute ja so verliebt — Willi Forst
- Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix — Hans Moser
- Liebe kleine Schaffnerin — Rudolf Carl
- Das ist die Berliner Luft — Lizzi Waldmüller
- Star Dust — Artie Shaw & his Orchestra
- Amapola — Lecuona Cuban Boys
Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.