DER CHRONIST
Ein Jahr des Hungerns und des Hoffens: Aus der Not eines eisigen Winters wächst der Kalte Krieg heran, und Deutschland, kaum noch ein Staat, zerfällt weiter in zwei Hälften. Zwischen Hungerwinter und Dürresommer ordnet sich die Welt neu: Truman verkündet die Eindämmung, Marshall bietet den Wiederaufbau an, und Moskau antwortet im Herbst mit der Gründung des Kominform. Preußen wird aufgelöst, während in Berlin die Volkskongressbewegung für die deutsche Einheit wirbt. Weit über Europa hinaus werden Indien und Pakistan unabhängig, ringt die Welt um die Zukunft Palästinas, und in einem amerikanischen Forschungslabor wie in einer judäischen Wüstenhöhle entstehen unbemerkt die Grundlagen kommender Zeitalter — vom Transistor bis zu den Schriftrollen von Qumran. Und selbst die Hochzeit einer britischen Prinzessin wird zum kurzen Lichtblick in einem Jahr, das vor allem von Mangel, Teilung und dem Beginn des Kalten Krieges geprägt bleibt.
Der Hungerwinter treibt Deutschland an den Rand

Der Winter 1946/47 ist einer der kältesten des Jahrhunderts — und trifft ein Land, das ohnehin am Ende seiner Kräfte ist. Schon die schwache Ernte des Sommers 1946 hatte die Vorräte knapp werden lassen, und in die zerbombten Städte wie in die brandenburgischen Landkreise drängen weiterhin Hunderttausende Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten — Menschen ohne Wohnung, ohne Arbeit, oft ohne mehr als das Nötigste. Von Dezember an sinken die Temperaturen tagelang weit unter den Gefrierpunkt, Flüsse und Kanäle frieren zu und sind für die Kohlekähne unpassierbar, während die Ruhrzechen ohnehin unter Arbeitskräftemangel leiden und ein Teil der geförderten Kohle als Reparation abtransportiert wird. Kohle fehlt, Kartoffeln erfrieren in der Erde, die Rationen in der Sowjetischen Besatzungszone werden im Herbst zuvor bereits gekürzt: Das fünfstufige Kartensystem der SBZ reicht von der „Schwerarbeiterkarte" bis zur berüchtigten Kategorie V, im Volksmund „Friedhofskarte" genannt, die kaum 900 Kilokalorien am Tag sichert. In den Städten stehen die Menschen stundenlang für ein paar Zentner Braunkohle an, auch in Luckenwalde und den brandenburgischen Landgemeinden wird jeder Ofen, jeder Baumstumpf, jedes Stück Bauholz aus den Trümmern zur Überlebensfrage, während der Schwarzmarkt zur zweiten Währung des Alltags wird. Mehrere hunderttausend Menschen sterben reichsweit an den Folgen von Hunger, Kälte und den Krankheiten der Unterernährung. Der Winter wird zur bitteren Ouvertüre eines Jahres, in dem die Not zur politischen Waffe wird — und in dem, wie das Wetterbild des Jahres zeigt, dem Kälterekord im Januar noch ein Dürresommer folgen sollte.
Preußen wird aufgelöst — das Ende eines Staates

Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 46 erklärt der Alliierte Kontrollrat den Staat Preußen für aufgelöst — er sei „von jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland" gewesen und „tatsächlich" nicht mehr existent. Unterzeichnet ist das Gesetz von den vier Oberbefehlshabern der Besatzungsmächte, General Pierre Koenig (Frankreich), Marschall Wassili Sokolowski (Sowjetunion), General Lucius D. Clay (USA) und General Brian Robertson (Großbritannien) — ein seltener Akt gemeinsamen Handelns der längst zerstrittenen Siegermächte. Rechtlich ist der Schritt kaum mehr als eine Formalität: Preußens Regierung war bereits 1934 der nationalsozialistischen Gleichschaltung zum Opfer gefallen, ein eigenständiges preußisches Staatsleben hatte seit Kriegsende nicht mehr bestanden. Das Gesetz zieht damit nur den Schlussstrich unter ein Gebilde, das 1701 als Königreich entstanden, 1871 zum Kern des deutschen Kaiserreichs geworden und in der Weimarer Republik deren größter Freistaat gewesen war — und das durch die Gebietsabtretungen an Polen und die Sowjetunion nach der Potsdamer Konferenz 1945 ohnehin schon rund ein Viertel seines Territoriums verloren hatte (Ostpreußen, Schlesien, Teile Pommerns). Für die Mark Brandenburg, jahrhundertelang seit den Hohenzollern-Kurfürsten Kernland und Wiege Preußens, ist das mehr als ein Verwaltungsakt: Die Provinz war bereits 1945 unter sowjetischer Verwaltung zum eigenständigen Land Brandenburg geworden und hatte sich seit dem 6. Februar 1947 sogar eine eigene Landesverfassung gegeben (siehe „Am Rande notiert") — nun verschwindet auch der übergeordnete Staat, in dessen Namen Luckenwalde Jahrhunderte lang regiert wurde, endgültig von der Landkarte.
Landtagswahlen im Westen: Eine neue Parteienlandschaft entsteht — im Osten wird nicht mehr gewählt

Am 20. April wählen die Bürger der britischen Besatzungszone gleich drei neue Landesparlamente — und mit Nordrhein-Westfalen das mit Abstand bevölkerungsreichste Land der Westzonen. Von 7,9 Millionen Wahlberechtigten machen 67,3 Prozent von ihrem Stimmrecht Gebrauch und wählen mit knappem Vorsprung die CDU (37,6 Prozent) vor der SPD (32,0 Prozent), gefolgt von KPD (14,0 Prozent) und Zentrum (9,8 Prozent). Am 16. Juni wird der Kölner Gewerkschafter Karl Arnold (CDU) zum Ministerpräsidenten gewählt und bildet eine ungewöhnlich breite Koalition aus CDU, SPD, Zentrum und KPD — ein Bündnis, das die parteipolitische Zerklüftung dieser frühen Nachkriegsjahre ebenso zeigt wie den Willen, den Wiederaufbau des Landes an Rhein und Ruhr über Parteigrenzen hinweg zu tragen. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein gewinnt am selben Tag klar die SPD; in Kiel regiert Hermann Lüdemann sogar mit einer Alleinregierung. Damit ist binnen eines Jahres in allen drei Ländern der britischen Zone eine gewählte Landesregierung im Amt — ein Kontrast, der in Luckenwalde genau registriert wird: Während im Westen Landtag um Landtag entsteht und sich in acht Landesparlamenten eine Parteienlandschaft aus CDU, SPD, FDP und KPD festigt, findet in der Sowjetischen Zone in diesem ganzen Jahr keine einzige Wahl statt — nicht einmal eine der gelenkten Abstimmungen, wie sie die SED im Vorjahr noch zuließ. Nach der Verschmelzung von SPD und KPD zur SED und der Auflösung Preußens im Februar ist 1947 damit das erste Jahr, in dem Ost und West nicht nur staatsrechtlich, sondern auch demokratisch sichtbar auseinanderdriften.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Schleswig-Holstein, 20. April — SPD 43,8 %, CDU 34,0 %. Hermann Lüdemann (SPD) bildet eine sozialdemokratische Alleinregierung.
- Niedersachsen, 20. April — SPD 43,4 %, CDU 19,9 %. Hinrich Kopf (SPD) wird Ministerpräsident einer Koalitionsregierung.
- Baden (Südbaden), 18. Mai — Badische Christlich-Soziale Volkspartei (BCSV) 55,9 %, SPD 22,4 %. Die BCSV regiert mit absoluter Mehrheit unter Leo Wohleb.
- Württemberg-Hohenzollern, 18. Mai — CDU 54,2 %, SPD 20,8 %. Die CDU stellt mit deutlicher Mehrheit die Regierung.
- Rheinland-Pfalz, 18. Mai — CDU 47,2 %, SPD 34,3 %. Peter Altmeier (CDU) bildet eine Allparteienregierung; zugleich billigen die Wähler knapp die neue Landesverfassung.
- Saarland, 5. Oktober — Christliche Volkspartei (CVP) 51,2 %, Sozialdemokratische Partei des Saarlandes (SPS) 32,8 %, bei außergewöhnlichen 95,7 Prozent Wahlbeteiligung. Unter französischer Verwaltung bilden CVP und SPS eine Regierung unter Johannes Hoffmann — das Saarland bleibt damit staatsrechtlich vom übrigen Deutschland getrennt.
- Bremen, 12. Oktober — SPD 41,7 %, CDU 22,0 %. Wilhelm Kaisen (SPD) setzt seine Koalition mit der BDV fort.
Truman verkündet die Politik der „Eindämmung"

Vor dem amerikanischen Kongress fordert Präsident Harry S. Truman 400 Millionen Dollar an Militär- und Wirtschaftshilfe für Griechenland und die Türkei — und verkündet damit die Truman-Doktrin. Vorausgegangen war eine Note der britischen Regierung vom 21. Februar: London, selbst wirtschaftlich am Ende, könne seine bisherige Schutzmacht-Rolle in beiden Ländern nicht mehr finanzieren. In Griechenland tobt seit 1946 ein Bürgerkrieg zwischen der royalistischen Regierung und kommunistisch geführten Aufständischen, die Türkei sieht sich sowjetischen Gebiets- und Kontrollforderungen an den Meerengen ausgesetzt. Truman begründet sein Ansinnen mit einem weltanschaulichen Grundsatz, der zum Programm einer ganzen Epoche wird: Die USA wollen fortan „freie Völker" gegen kommunistische Umsturzversuche und äußeren Druck unterstützen, wo immer diese bedroht sind. Der Kongress bewilligt die Mittel im Mai mit großer Mehrheit. Die Rede markiert den endgültigen Bruch der Kriegskoalition zwischen Washington und Moskau und den Beginn der Politik des „Containment" (Eindämmung), die der amerikanische Diplomat George F. Kennan wenige Monate später öffentlich untermauert. Der Kalte Krieg hat, noch ohne diesen Namen, begonnen — und mit ihm die Systemkonkurrenz, die auch über Deutschlands weitere Teilung entscheiden wird.
Marshall bietet Europa den Wiederaufbau an

An der Harvard-Universität skizziert US-Außenminister George C. Marshall am 5. Juni ein „Aufbauprogramm" für das notleidende Europa — Hunger, Armut und Chaos sollten gelindert werden, sonst drohe dem Kontinent der wirtschaftliche und politische Zerfall. Bewusst überlässt Marshall es den Europäern selbst, den Bedarf zu ermitteln: Vom 12. Juli bis 22. September tagt in Paris das Komitee für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Vertretern von 16 west- und südeuropäischen Staaten unter Vorsitz der Außenminister Ernest Bevin (Großbritannien) und Georges Bidault (Frankreich). Die Sowjetunion schickt ihren Außenminister Wjatscheslaw Molotow zu ersten Gesprächen, lässt die Konferenz aber bereits am 2. Juli platzen — Moskau lehnt die mit dem Programm verbundene Offenlegung eigener Wirtschaftsdaten und westliche Mitsprache als Angriff auf die Souveränität ab. Auch Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei, die zunächst Interesse zeigen, müssen ihre Teilnahme auf sowjetischen Druck zurückziehen. Aus der Rede erwächst der Marshallplan, der ab 1948 rund 13 Milliarden Dollar in die Westzonen und Westeuropa lenken wird. Wenige Wochen nach Marshalls Rede, am 25. Juni, konstituiert sich in Frankfurt am Main der Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes — die Bizone erhält mit aus den Länderparlamenten entsandten Abgeordneten ein eigenes, wenn auch noch weithin machtloses Parlament. Die SBZ lehnt die Teilnahme am Marshallplan auf sowjetischen Druck ab; die wirtschaftliche Spaltung Deutschlands, die sich seit der Auflösung Preußens und der Truman-Doktrin bereits abzeichnet, vertieft sich damit weiter.
Die Volkskongressbewegung beginnt in Berlin

Als die Außenministerkonferenz der vier Siegermächte in London im November und Dezember ergebnislos auseinandergeht und eine westliche Teillösung der deutschen Frage erkennen lässt, ruft die SED zum „Deutschen Volkskongress für Einheit und gerechten Frieden" auf. Rund 2.000 Delegierte, die meisten aus der SBZ und Berlin, tagen am 6. und 7. Dezember im Ost-Berliner Admiralspalast. Formal sollen alle Parteien und Massenorganisationen vertreten sein, tatsächlich bestimmt die SED die Auswahl maßgeblich mit; CDU und Liberaldemokraten in der SBZ ebenso wie die Parteien der Westzonen boykottieren den Kongress weitgehend als durchsichtiges Instrument sowjetischer Deutschlandpolitik. Die Versammlung wählt einen ständigen Volksrat, fordert die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Ostgrenze Deutschlands beziehungsweise Westgrenze Polens, eine gesamtdeutsche Volksabstimmung über die staatliche Einheit sowie den raschen Abschluss eines Friedensvertrags. Der Kongress ist der Auftakt einer Bewegung: Ein zweiter Volkskongress folgt im März 1948, ein dritter wählt im Mai 1949 den Deutschen Volksrat, der sich noch im selben Jahr zur provisorischen Volkskammer erklärt und die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik verabschiedet — zwei Jahre nach diesem ersten Berliner Auftakt.
Moskau gründet das Kominform

In Szklarska Poręba, einem niederschlesischen Kurort im heutigen Polen, tagen vom 22. bis 27. September Vertreter von neun kommunistischen Parteien: aus der Sowjetunion, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien sowie den Kommunistischen Parteien Frankreichs und Italiens. Am 30. September wird die Gründung des Kommunistischen Informationsbüros, kurz Kominform, offiziell verkündet — als eine Art Nachfolgeorganisation der 1943 aufgelösten Komintern. Auf der Konferenz hält der sowjetische Parteiideologe Andrei Schdanow eine richtungsweisende Rede zur „Zwei-Lager-Theorie": Die Welt zerfalle in ein imperialistisches, von den USA geführtes Lager und ein antiimperialistisch-demokratisches Lager unter Führung Moskaus — wer dazwischenstehe, müsse sich entscheiden.
Die Gründung ist eine unmittelbare Reaktion auf Marshalls Rede vom Juni und den westeuropäischen Zusammenschluss zur Annahme des Wiederaufbauprogramms: Die Sowjetunion organisiert nun ihrerseits die ideologische und politische Koordination der Bruderparteien, um deren Kurs stärker an Moskau zu binden. Für die Kommunistische Partei der Sowjetunion dient das Kominform zugleich als Disziplinierungsinstrument — schon im Jahr darauf wird es zur Bühne für den Bruch mit dem jugoslawischen Parteichef Josip Broz Tito. Für die SED in der SBZ, die selbst keinen Sitz im Kominform erhält, ist die Gründung dennoch ein deutliches Signal: Der Ost-West-Gegensatz, der sich seit der Truman-Doktrin und dem Scheitern der Marshallplan-Gespräche in Paris abgezeichnet hatte, ist nun auch organisatorisch besiegelt.
Der Transistor wird erfunden

In den Bell Telephone Laboratories in Murray Hill, New Jersey, präsentieren die Physiker John Bardeen, Walter Brattain und ihr Gruppenleiter William Shockley firmenintern einen funktionsfähigen Halbleiterverstärker aus Germanium — den ersten funktionstüchtigen Transistor der Geschichte. Das fingernagelgroße Bauteil kann, ähnlich einer Elektronenröhre, elektrische Signale verstärken und schalten, benötigt dafür aber nur einen Bruchteil des Stroms, der Größe und der Wärme einer Röhre und fällt zudem nicht durch einen ausbrennenden Glühfaden aus.
Der Öffentlichkeit wird die Erfindung erst im folgenden Jahr vorgestellt; 1956 erhalten Bardeen, Brattain und Shockley für die Entdeckung des Transistoreffekts den Nobelpreis für Physik. Noch ahnt kaum jemand in diesem von Hunger, Kälte und Besatzungspolitik geprägten Jahr, welche Tragweite die Erfindung besitzen wird: Der Transistor macht binnen weniger Jahrzehnte die sperrige Röhrentechnik in Radios, Telefonanlagen und schließlich Computern überflüssig und wird zum Grundbaustein der modernen Elektronik — vom Taschenradio bis zum Mikrochip. Während in Luckenwalde und der übrigen SBZ noch das nackte Überleben und der mühsame Wiederaufbau der Betriebe im Vordergrund stehen, wird in einem amerikanischen Forschungslabor unbemerkt die technische Grundlage für das folgende, elektronische Zeitalter gelegt.
Anne Franks Tagebuch erscheint

Beim Amsterdamer Verlag Contact erscheint unter dem Titel „Het Achterhuis" (Das Hinterhaus) die erste Ausgabe der Tagebuchaufzeichnungen der 1945 im KZ Bergen-Belsen umgekommenen Anne Frank — mit einem Vorwort der Historikerin Annie Romein-Verschoor und in einer ersten Auflage von gerade einmal 3.036 Exemplaren. Ihr Vater Otto Frank, der als einziges Familienmitglied das Versteck im Amsterdamer Hinterhaus und die Konzentrationslager überlebt hatte, war es, der die von einer Helferin gerettete Handschrift seiner Tochter zur Veröffentlichung vorbereitete und redigierte.
Schon im Dezember folgt eine zweite, deutlich größere Auflage von rund 6.800 Exemplaren — der Anfang eines Welterfolgs, der sich erst in den folgenden Jahren mit Übersetzungen ins Französische, Englische und, ab 1950, auch ins Deutsche voll entfaltet. Was 1947 als bescheidene niederländische Buchausgabe beginnt, wird zu einem der meistgelesenen Zeugnisse des Holocaust überhaupt: Die Aufzeichnungen eines jüdischen Mädchens, das zwei Jahre lang versteckt vor der Deportation lebte, bevor es doch noch entdeckt und ermordet wurde, geben dem industriellen Massenmord an sechs Millionen europäischen Juden ein unverwechselbares, sehr persönliches Gesicht.
Prinzessin Elizabeth heiratet Philip Mountbatten

In der Westminster Abbey in London heiratet die 21-jährige Thronfolgerin Prinzessin Elizabeth den griechisch-dänischen Prinzen Philip Mountbatten, der kurz vor der Hochzeit die britische Staatsbürgerschaft annimmt und von König Georg VI. zum Duke of Edinburgh erhoben wird. Die Zeremonie wird per Radio in alle Welt übertragen und gilt inmitten der grauen Nachkriegsjahre als seltener Farbtupfer: Selbst die künftige Königin muss für den von Norman Hartnell entworfenen Brautkleid-Stoff eigene Kleiderkarten einlösen, da auch im Vereinigten Königreich noch die Rationierung gilt.
Aus Rücksicht auf die kriegsgeplagte Bevölkerung werden Philips deutsche Verwandte — darunter seine drei Schwestern, die allesamt deutsche Adlige geheiratet hatten — ebenso wenig eingeladen wie der einstige König Eduard VIII., der als Herzog von Windsor 1936 abgedankt hatte. Für viele Briten und, über die Radioübertragung, auch für ein europäisches Publikum bietet die Hochzeit einen kurzen Anlass zum Feiern in einer Zeit, die von Rationierung, Wiederaufbau und den ersten Frostlinien des Kalten Krieges geprägt ist. Fünf Jahre später, 1952, wird Elizabeth als Elizabeth II. den britischen Thron besteigen.
Beduinen entdecken die Schriftrollen vom Toten Meer

Auf der Suche nach einer entlaufenen Ziege stößt der junge Beduine Mohammed edh-Dhib vom Stamm der Ta'amireh in einer Höhle bei Khirbet Qumran am Nordwestufer des Toten Meeres, damals britisches Mandatsgebiet Palästina, auf mehrere Tonkrüge mit uralten, in Leinen gehüllten Schriftrollen. Zusammen mit einem Verwandten birgt er acht Rollen, darunter die später als Große Jesajarolle bekannte, fast vollständig erhaltene Abschrift des biblischen Propheten Jesaja sowie die Gemeinderegel und den Habakuk-Kommentar einer jüdischen Sekte. Über Zwischenhändler gelangen die Rollen in den folgenden Monaten nach Jerusalem und Bethlehem, wo sie Gelehrte wie John C. Trever und der syrisch-orthodoxe Metropolit Athanasius Yeshue Samuel erstmals fachkundig begutachten.
Erst in den folgenden Jahren wird das volle Ausmaß des Fundes deutlich: In insgesamt elf Höhlen rund um Qumran werden bis in die 1950er Jahre hinein Tausende Fragmente von rund 900 Handschriften geborgen, die meisten über 2.000 Jahre alt und damit die ältesten bekannten Abschriften hebräischer Bibeltexte. Die Schriftrollen vom Toten Meer gelten seither als einer der bedeutendsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts — sie werfen ein einzigartiges Licht auf die religiöse Vielfalt des antiken Judentums und die Textgeschichte der Hebräischen Bibel, lange bevor Krieg und Teilung die Region 1948 erneut erschüttern.
Das GATT-Abkommen wird unterzeichnet

In Genf unterzeichnen Vertreter von 23 Staaten — darunter die USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Australien, die Benelux-Länder, Brasilien und Indien — das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen, besser bekannt unter seinem englischen Kürzel GATT (General Agreement on Tariffs and Trade). Ursprünglich als vorläufige Übergangslösung gedacht, wird das Abkommen zum eigentlichen Ergebnis monatelanger Verhandlungen, die seit April in Genf parallel zu den Plänen für eine umfassende Internationale Handelsorganisation liefen: Deren Gründungsvertrag, die Havanna-Charta, wird zwar 1948 noch unterzeichnet, tritt aber mangels amerikanischer Ratifizierung nie in Kraft. Das GATT hingegen tritt zum 1. Januar 1948 in Kraft und übernimmt faktisch die Rolle, die eigentlich der gescheiterten Organisation zugedacht war.
Das Abkommen setzt sich zum Ziel, Zölle und andere Handelshemmnisse schrittweise abzubauen und den Grundsatz der Meistbegünstigung durchzusetzen: Vergünstigungen, die ein Mitgliedstaat einem anderen einräumt, sollen automatisch für alle Vertragspartner gelten. Damit knüpft das GATT an die 1944 in Bretton Woods gegründeten Institutionen, den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank, an und vervollständigt das Nachkriegsgerüst einer liberalen Weltwirtschaftsordnung unter westlicher, vor allem amerikanischer Führung — ein Ordnungsrahmen, an dem die Sowjetunion und ihr Einflussbereich, anders als am Marshallplan zunächst noch erwogen, von vornherein nicht teilnehmen.
AM RANDE NOTIERT
- Indien und Pakistan werden am 14./15. August unabhängig — das britische Empire verliert seine wichtigste Kolonie, und die Teilung des Subkontinents kostet hunderttausende Menschenleben.
- Auch der Wirtschaftsrat der Bizone in Frankfurt bleibt vorerst ein Torso ohne echte Souveränität — doch er ist der erste Keim westdeutscher Staatlichkeit.
- Am 6. Februar tritt die neue Verfassung des Landes Brandenburg in Kraft — für die Mark Brandenburg, zu der auch Luckenwalde gehört, ist es die erste eigene Landesverfassung nach dem Ende Preußens.
- Die UN-Generalversammlung beschließt am 29. November den Teilungsplan für Palästina — die Aufteilung des britischen Mandatsgebiets in einen jüdischen und einen arabischen Staat, Vorbote des nahenden Nahostkonflikts.
- Aus dem 1926 stillgelegten Werk der Vereinigten Märkischen Tuchfabriken entsteht in Luckenwalde der VEB Volltuch — die traditionsreiche Tuchmacherei geht damit in Volkseigentum über.
SPORT · 1947
In den drei Westzonen wie in der Sowjetischen Besatzungszone nimmt der Ligabetrieb nach den Kriegsjahren erstmals wieder geregelte Formen an. Die Besatzungsmächte hatten 1945 zunächst sämtliche NS-durchsetzten Vereine und Verbände verboten; erst nach und nach erlauben sie die Neugründung des Sportlebens unter neuen Namen — in den Westzonen entstehen 1945/46 regionale Oberligen wie Süd, West und Nord, in der SBZ bilden sich orts- und betriebsgebundene „Sportgemeinschaften" als Vorläufer der späteren Betriebssportgemeinschaften. Vereine melden sich zurück, Kreis- und Bezirksmeisterschaften werden neu ausgespielt, wenn auch unter ärmlichen Bedingungen: Bälle sind Mangelware, Sportplätze liegen vielerorts brach oder dienen noch der Selbstversorgung mit Kartoffeln und Gemüse. Auch rund um Luckenwalde treffen sich wieder erste Mannschaften zum Punktspielbetrieb. Von einer gesamtdeutschen Meisterschaft oder gar internationalen Wettkämpfen ist man noch weit entfernt — einen bundesdeutschen Fußballverband gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht neu, er wird erst 1949/50 wiedergegründet; auch die Olympischen Spiele 1948 in London werden ohne deutsche Beteiligung stattfinden.
MODE · 1947
Am 12. Februar zeigt Christian Dior in seinem erst im Vorjahr gegründeten Modehaus in der Avenue Montaigne 30 in Paris seine erste Kollektion, finanziell ermöglicht durch den Textilmagnaten Marcel Boussac. Dior selbst nennt seine beiden Linien „Corolle" und „Huit", doch die Presse — allen voran Carmel Snow, Chefredakteurin der „Harper's Bazaar" — tauft den Auftritt sofort „New Look": Wespentaille, gepolsterte Hüften, ein weit schwingender, wadenlanger Rock, der bis zu 20 Meter Stoff verschlingt. Nach Jahren der Uniformität und des Stoffsparens, als Stoff in ganz Europa streng rationiert war, wirkt die üppige Silhouette wie ein Aufbruchssignal — in Paris und London ist sie binnen Monaten Stadtgespräch, wenn auch nicht unumstritten: Kritiker empfinden den demonstrativen Stoffverbrauch angesichts fortdauernder Kleiderrationierung in Großbritannien als Provokation. In Luckenwalde und der übrigen SBZ, wo Kleiderkarten und Rohstoffmangel den Alltag bestimmen und Schneiderinnen alte Uniformstoffe und Vorhänge zu tragbarer Kleidung umarbeiten, bleibt der New Look vorerst ferner Glanz aus Illustrierten — echte Wespentaillen-Roben sind hier noch auf Jahre hinaus Utopie.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1947
- Gründung der Gruppe 47 (September). Aus einem Autorentreffen um Hans Werner Richter entsteht die einflussreichste deutsche Nachkriegs-Schriftstellervereinigung — sie sollte Jahrzehnte später Namen wie Böll, Grass und Bachmann hervorbringen.
- Furtwängler kehrt ans Pult der Berliner Philharmoniker zurück (25. Mai). Nach seinem Entnazifizierungs-Freispruch dirigiert der Stardirigent wieder in Berlin — ein umjubeltes Konzert und ein Zeichen wiederkehrenden Kulturlebens.
- Erste Ausgabe des „Spiegel" (4. Januar, Hannover). Rudolf Augstein wird Chefredakteur des neu gegründeten Nachrichtenmagazins — Grundstein für das später wichtigste deutsche Nachrichtenmagazin.
- Jackie Robinson durchbricht die Farbgrenze im Baseball (15. April). Als erster Schwarzer der Neuzeit spielt er für die Brooklyn Dodgers in der Major League — ein Hoffnungszeichen weit über den Sport hinaus.
- DEFA-Film „Ehe im Schatten" wird zum Kinoerfolg (3. Oktober). Die im nahen Studio Babelsberg bei Potsdam produzierte Geschichte um den Schauspieler Joachim Gottschalk feiert Premiere in allen vier Berliner Sektoren zugleich und wird mit über 12 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten deutschen Nachkriegsfilm.
- Chuck Yeager durchbricht als Erster die Schallmauer (14. Oktober). Mit dem Raketenflugzeug Bell X-1 erreicht der US-Testpilot über der Mojave-Wüste erstmals Überschallgeschwindigkeit — ein technischer Meilenstein, der inmitten der Nachkriegsnot neue Zuversicht in den Fortschritt weckt.
DAS WETTER · 1947 in der Mark
An diesem 13. Juli war es in der Mark ein milder Sommertag: Höchstwert 22,3 °C, in der Nacht 10,6 °C; kein Tropfen Regen fiel, die Sonne zeigte sich rund 15,0 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 8,7 °C — nahe dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 36 °C am 29. Juni, kältester −20 °C am 6. Januar. 26 Hitzetage (≥30 °C), 57 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 587 mm.
Das Extremjahr 1947: Auf einen der härtesten Winter der Messreihe (bis −20 °C, 57 Eistage, 40 Tage strengen Frostes) folgte der legendäre Dürre- und Hitzesommer 1947 mit 26 Hitzetagen und wolkenlos-sonnigen Tagen — eine Missernte war die Folge.
(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1947
Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.
- Wunschballade (Ich hab' so Sehnsucht nach Würstchen mit Salat) — Bully Buhlan
- Räuberballade — Bully Buhlan
- Gisela (Hallo, kleines Fräulein) — Drei Travellers
- Hein Mück — Hans Albers
- Mariandl — Maria Andergast und Hans Lang
- The Calloway Boogie — Cab Calloway And His Orchestra
- Liebe war es nie — Bully Buhlan
- Gib mir 'nen Kuß durchs Telefon — Ingrid Lutz & Bully Buhlan
- Du bist zwar nicht Clark Gable — Ingrid Lutz & Bully Buhlan
- Capri-Fischer — Rudi Schuricke
- Wochenend und Sonnenschein — Hans Bardeleben und die Cherokees
- Drei kleine Geschichten — Evelyn Künneke
- Lili Marleen — Lale Andersen
- Mondnacht auf Cuba — Hans Bardeleben und die Cherokees
- Das Lied vom Leierkastenmann — Willi Kollo
- The Gypsy — Ink Spots
- South America, Take It Away — Bing Crosby & Andrews Sisters
- Mach' dir nichts daraus — Marika Rökk & Walter Müller
- Symphonie — Marlene Dietrich
- Sentimental Journey — Doris Day
Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.