DER CHRONIST

Ein Jahr der Teilung und der Zäsuren: Aus dem einen Deutschland werden zwei Währungen, zwei Wirtschaftsordnungen, zwei Blöcke — und Berlin wird zum Prüfstein des beginnenden Kalten Krieges. Die Provinz Mark Brandenburg, die die geteilte Stadt umschließt, spürt die Folgen unmittelbar. Auch anderswo bricht die alte Ordnung auf: In Prag übernehmen die Kommunisten die Macht, in Belgrad bricht Marschall Tito mit Stalin, und in Washington gewinnt Harry Truman gegen alle Prognosen die Wiederwahl. Im Nahen Osten wird der Staat Israel ausgerufen und sogleich von seinen Nachbarn angegriffen, in Südafrika ebnet ein Wahlsieg der Nationalen Partei den Weg in die Apartheid, und in Asien entlassen die Briten Birma und Ceylon in die Unabhängigkeit. Ein Attentat beendet in Neu-Delhi das Leben Mahatma Gandhis, ein anderes stürzt Bogotá ins Chaos — während die Vereinten Nationen zum Jahresende die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkünden.

Die Schlagzeilen des Jahres

Mahatma Gandhi wird in Neu-Delhi ermordet

Mahatma Gandhi
Mahatma Gandhi (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Auf dem Weg zu einem Gebetstreffen im Garten des Birla House erschießt der hinduistische Nationalist Nathuram Godse den 78-jährigen Mahatma Gandhi mit drei Schüssen aus nächster Nähe. Es ist bereits der zweite Anschlag binnen zehn Tagen: Am 20. Januar war eine erste Bombe während einer Gebetsversammlung gezündet worden, ohne Gandhi zu treffen. Godse, Mitglied der hindunationalistischen Hindu Mahasabha und zeitweise auch der paramilitärischen Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), wirft dem „Mahatma" Verrat an der Sache der Hindus vor — Gandhi hatte sich unermüdlich für den Ausgleich mit den Muslimen eingesetzt und zuletzt sogar gefordert, Indien solle dem verarmten Pakistan die vereinbarten 550 Millionen Rupien aus der gemeinsamen Kolonialkasse auszahlen. Der Anführer der gewaltlosen indischen Unabhängigkeitsbewegung fällt damit einem Attentäter zum Opfer, kaum ein halbes Jahr nachdem die Teilung des Subkontinents in Indien und Pakistan im August 1947 Millionen Menschen auf der Flucht und Hunderttausende das Leben gekostet hatte. Millionen Trauernde geleiten den Leichnam an den Scheiterhaufen am Ufer des Flusses Yamuna in Neu-Delhi; Radio-Übertragungen lassen die Anteilnahme rund um den Globus miterleben. Godse und sein Mitverschwörer Narayan Apte werden in einem zwei Jahre dauernden Prozess zum Tode verurteilt, die RSS wird vorübergehend verboten. Die Nachricht vom Tod des „Mahatma" erschüttert die ganze Welt — sein Ideal des gewaltlosen Widerstands, des Satyagraha, wirkt weit über Indien hinaus fort.

Ben Gurion proklamiert den Staat Israel

David Ben-Gurion verkündet die Gründung des Staates Israel, 14. Mai 1948
David Ben-Gurion verkündet die Gründung des Staates Israel, 14. Mai 1948 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Grundlage ist der UN-Teilungsplan vom 29. November 1947: Mit 33 zu 13 Stimmen bei zehn Enthaltungen hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen, das britische Mandatsgebiet Palästina — rund 1,3 Millionen arabische und 608.000 jüdische Einwohner — in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen, Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung kommen. Die arabische Seite lehnt den Plan ab, Kämpfe zwischen jüdischen und arabischen Milizen beginnen bereits in den Monaten davor. Wenige Stunden vor Ablauf des britischen Mandats verkündet David Ben Gurion am Nachmittag des 14. Mai im Kunstmuseum von Tel Aviv, unter einem Porträt Theodor Herzls, die Unabhängigkeitserklärung und die Gründung des Staates Israel. Die USA und die Sowjetunion erkennen den neuen Staat noch in der gleichen Nacht bzw. wenige Tage später an. Doch der Jubel währt kurz: In der Nacht zum 15. Mai marschieren die Armeen Ägyptens, Transjordaniens, Syriens, des Irak und Libanons ein, um die Staatsgründung rückgängig zu machen. Der erste arabisch-israelische Krieg — von israelischer Seite als Unabhängigkeitskrieg, von arabischer Seite als Nakba („Katastrophe") erinnert — dauert bis in den Sommer 1949 und fordert nach Schätzungen über 6.000 israelische und mehrere Tausend arabische Todesopfer; rund 750.000 arabische Palästinenser fliehen oder werden vertrieben. Ein Friedensvertrag kommt nicht zustande, nur Waffenstillstandslinien — ein Konflikt, dessen Ende bis heute nicht abzusehen ist.

Die Währungsreform spaltet Deutschland

Die neue Deutsche Mark der Währungsreform von 1948
Die neue Deutsche Mark der Währungsreform von 1948 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Vorausgegangen war monatelange Beratung der drei Westalliierten: Die im Frühjahr in London vereinbarten Frankfurter Dokumente hatten den westdeutschen Ländern bereits den Weg zu einem eigenen Weststaat gewiesen, die Währungsreform ist ihr wirtschaftliches Fundament. Am 20. Juni tritt in den drei westlichen Besatzungszonen die Währungsreform in Kraft: Gegen 60 Reichsmark erhält jeder Bürger an den Lebensmittelkartenstellen zunächst 40 Reichsmark in neuen D-Mark, wenig später folgt eine zweite Rate von 20 D-Mark; ab dem 21. Juni ist die neue Währung alleiniges Zahlungsmittel. Ersparnisse und Bankguthaben dagegen werden nur zu einem Bruchteil — im Schnitt weniger als 1:10 — umgestellt, wer gespart hatte, verliert. Zeitgleich lockert Ludwig Erhard, Direktor der Verwaltung für Wirtschaft in der Bizone, mit dem „Leitsätzegesetz" vom 24. Juni die Bewirtschaftung und gibt einen Großteil der Preise frei — gegen den Widerstand der Alliierten, die eine kontrollierte Reform bevorzugt hätten. Schaufenster füllen sich über Nacht, der Schwarzmarkt verschwindet fast schlagartig, die „Fresswelle" wird zum geflügelten Wort der Stunde. Der sowjetische Stadtkommandant Marschall Sokolowski wertet den Alleingang als Bruch der gemeinsamen Vier-Mächte-Verwaltung Deutschlands und zieht am 23./24. Juni mit einer eigenen Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone nach: Zunächst werden alte Reichsmarkscheine mit aufgeklebten Kupons versehen, ab Ende Juli löst die neue „Deutsche Mark der Deutschen Notenbank" sie endgültig ab — auch in Brandenburg wird fortan mit diesen Kupon-Scheinen, später den neu gedruckten Noten bezahlt. Aus der einen Reichsmark sind zwei deutsche Währungen geworden; die staatliche Teilung Deutschlands ist damit wirtschaftlich vorgezeichnet, noch bevor im kommenden Jahr die beiden deutschen Staaten gegründet werden.

Aus heutiger Sicht

Die Bundesbank und mit ihr die meisten Wirtschaftshistoriker sehen im 20. Juni 1948 bis heute die eigentliche Geburtsstunde der westdeutschen Marktwirtschaft — noch vor der Staatsgründung der Bundesrepublik im Mai 1949. Zugleich gilt der Umtauschsatz für Ersparnisse rückblickend als eine der größten Vermögensumverteilungen der deutschen Geschichte: Wer Sachwerte besaß, kam fast unbeschadet davon, wer sein Geld gespart hatte, verlor binnen Tagen den Großteil seines Vermögens — eine Erfahrung, die das Misstrauen ganzer Generationen gegenüber Papiergeld und staatlichen Garantien nachhaltig prägte.

Stalin riegelt Berlin ab — Luftbrücke und Spaltung der Stadt

Ein Rosinenbomber (C-47) auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof, 1948
Ein „Rosinenbomber“ (C-47) auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof, 1948 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Als Antwort auf die Währungsreform sperrt die Sowjetunion am 24. Juni alle Straßen-, Schienen- und Wasserwege zwischen den Westzonen und West-Berlin, kurz darauf wird auch die Stromversorgung aus dem Umland gekappt. Rund zwei Millionen Menschen in den Westsektoren sollen von der Versorgung abgeschnitten und zur Aufgabe der ungeliebten Vier-Mächte-Stadt gezwungen werden. Die Westmächte, allen voran der amerikanische Militärgouverneur Lucius D. Clay, antworten mit der Luftbrücke („Operation Vittles"): Ab dem 26. Juni fliegen amerikanische und britische Maschinen — von den Berliner Kindern bald „Rosinenbomber" genannt, seit US- Pilot Gail Halvorsen eigenmächtig kleine Fallschirmchen mit Süßigkeiten abwirft — Kohle, Mehl, Medikamente und Baumaterial in die eingeschlossene Stadt. Landeten anfangs täglich rund 40 bis 50 Maschinen mit zusammen etwa 90 Tonnen Fracht über Tempelhof und Gatow, steigert sich die Luftbrücke bis zum Jahresende auf mehrere Tausend Tonnen täglich; im Winter 1948 beginnt eigens für die Versorgung im Herbst der Bau eines dritten Flughafens, Tegel im französischen Sektor, binnen weniger Monate. Rund um die Uhr, im Abstand oft weniger Minuten, setzen die viermotorigen Transportmaschinen zur Landung an. Die Provinz Mark Brandenburg, die Berlin vollständig umschließt, liegt buchstäblich im Zentrum der ersten großen Krise des Kalten Krieges; über brandenburgischem Gebiet ziehen fortan täglich Hunderte Transportflugzeuge ihre Bahnen zu den Berliner Flughäfen, während am Boden die sowjetische Blockade jeden Handel zwischen West-Berlin und seinem brandenburgischen Umland zum Erliegen bringt.

Mitten in die Luftbrücke hinein vollzieht sich zugleich die politische Spaltung der Stadtverwaltung. Weil der von der Sowjetunion eingesetzte Ost-Polizeipräsident Paul Markgraf das Neue Stadthaus im sowjetischen Sektor abriegeln lässt und Abgeordneten wie Magistratsmitgliedern den Zutritt verwehrt, tagt die gewählte Stadtverordnetenversammlung ab dem 6. September nur noch im Britischen Sektor. Am 30. November erklärt eine von der SED einberufene Versammlung im Ostsektor den bisherigen Magistrat für abgesetzt und setzt unter Friedrich Ebert jun. einen eigenen „provisorischen demokratischen Magistrat" ein, den die sowjetische Besatzungsmacht umgehend als einzig rechtmäßige Stadtverwaltung anerkennt. SPD, CDU und LDP ziehen daraus die Konsequenz und lassen die Stadtverordnetenversammlung am 5. Dezember in den drei Westsektoren neu wählen — die SED erklärt die Wahl für illegitim und tritt gar nicht erst an. Trotz Kälte und laufender Blockade strömen 86,3 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen; die SPD siegt klar mit 64,5 Prozent vor der CDU (19,4 %) und der liberalen LDP (16,1 %). Am 7. Dezember wählt die neue Stadtverordnetenversammlung Ernst Reuter zum Oberbürgermeister der Westsektoren. Mit zwei Magistraten, zwei Oberbürgermeistern und einer Wahl, die nur noch in der halben Stadt stattfinden konnte, ist die Spaltung Berlins politisch vollzogen — ob die Blockade den Westmächten am Ende auch die Versorgung der Stadt entreißen kann, ist zum Jahreswechsel dagegen noch offen.

Aus heutiger Sicht

Historiker weisen heute darauf hin, dass das Bild der Luftbrücke als reiner humanitärer Kraftakt der Westmächte die politische Kalkulation auf beiden Seiten ausblendet: Für Washington und London war die Versorgung West-Berlins ebenso ein Test der eigenen Entschlossenheit im beginnenden Kalten Krieg wie ein Akt der Nächstenliebe, während geheime sowjetische und westalliierte Lageberichte aus dem Herbst 1948 zeigten, dass beide Seiten die Kosten einer militärischen Eskalation scheuten und über inoffizielle Kanäle nach einem Ausweg aus der selbstverschuldeten Sackgasse suchten. Die im Rückblick oft romantisierte „Rosinenbomber"-Erzählung überdeckt zudem, dass die Blockade rund 750.000 West-Berliner monatelang an den Rand der Versorgungskrise brachte und über 100 Menschen — darunter etliche Besatzungsflieger — bei Flugunfällen der Luftbrücke ums Leben kamen.

Der Zweijahrplan — die SBZ rüstet die Planwirtschaft

Walter Ulbricht, führende Figur der SED
Walter Ulbricht, führende Figur der SED (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Während im Westen der amerikanische Marshallplan anläuft und die Wirtschaft der Bizone auf Marktwirtschaft umstellt, schlägt die Sowjetische Besatzungszone den entgegengesetzten Weg ein. Die bereits im Juni 1947 gegründete Deutsche Wirtschaftskommission (DWK), mit weitreichenden Weisungsbefugnissen gegenüber den Ländern der SBZ ausgestattet, bereitet unter ihrem Vorsitzenden Walter Ulbricht — der zugleich als starker Mann der SED gilt — im Sommer und Herbst den Zweijahrplan für 1949/50 vor: die erste zentrale Planwirtschaft auf deutschem Boden, mit verbindlichen Produktionszielen für die inzwischen enteigneten und in „volkseigene Betriebe" überführten Industriebetriebe. Ziel ist, bis 1950 wieder 81 Prozent der Industrieproduktion des Jahres 1936 zu erreichen — eine Zielmarke, die am Ende sogar deutlich übertroffen wird, wenn auch um den Preis eines auf Schwerindustrie und Reparationen verzerrten Wirtschaftsgefüges. Auch in den Industriestädten der Mark Brandenburg, darunter Luckenwalde mit seinen Textil- und Metallbetrieben, stellt sich die Wirtschaft auf staatliche Planvorgaben statt auf freien Markt ein; erste Aktivisten-Initiativen zur Übererfüllung der Normen — Vorboten der im Oktober folgenden Hennecke-Bewegung — werden bereits in diesem Sommer angestoßen. Der Kurs zur sozialistischen Ordnung ist damit vorgezeichnet, noch bevor im kommenden Jahr die beiden deutschen Staaten gegründet werden.

Kommunistischer Umsturz in Prag

Klement Gottwald, Ministerpräsident und KPTsch-Chef
Klement Gottwald, Ministerpräsident und Chef der Kommunistischen Partei, Anführer des Prager Umsturzes (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am 20. Februar reichen zwölf nichtkommunistische Minister der tschechoslowakischen Regierung ihren Rücktritt ein — aus Protest gegen die eigenmächtige Absetzung acht nichtkommunistischer Prager Polizeipräsidenten durch den kommunistischen Innenminister Václav Nosek. Sie hoffen, Staatspräsident Edvard Beneš werde Neuwahlen ausschreiben und damit den wachsenden Einfluss der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ) zurückdrängen. Doch Parteichef Klement Gottwald, bereits seit 1946 Ministerpräsident einer Koalitionsregierung, mobilisiert bewaffnete „Volksmilizen", organisiert Massendemonstrationen und droht mit einem Generalstreik der kommunistisch dominierten Gewerkschaften — im Hintergrund steht unübersehbar die Drohkulisse eines möglichen sowjetischen Eingreifens. Aus Furcht vor einem Bürgerkrieg gibt der greise, gesundheitlich bereits angeschlagene Beneš am 25. Februar nach: Er akzeptiert die Rücktritte und beruft eine neue, von der KSČ dominierte Regierung. Der „siegreiche Februar", wie ihn die Kommunisten fortan nennen, besiegelt binnen weniger Tage das Ende der 1945 wiederhergestellten tschechoslowakischen Demokratie. Wenige Wochen später, am 10. März, wird Außenminister Jan Masaryk, Sohn des Staatsgründers, tot unter seinem Fenster im Prager Außenministerium gefunden — Selbstmord oder Mord bleibt bis heute umstritten. Der Umsturz schockiert den Westen und beschleunigt die Bildung eines westeuropäischen Verteidigungsbündnisses, das im Jahr darauf in der NATO münden wird; die Tschechoslowakei bleibt bis 1989 fest im sowjetischen Machtbereich.

Aus heutiger Sicht

Ob Jan Masaryk tatsächlich Suizid beging oder von kommunistischen Sicherheitsorganen aus dem Fenster gestoßen wurde, ist bis heute nicht abschließend geklärt — mehrere nach 1989 eingeleitete Ermittlungsverfahren der tschechischen Justiz kamen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Der „siegreiche Februar" gilt Historikern heute als Blaupause für die kommunistische Machtübernahme, wie sie wenig später auch in der Sowjetischen Besatzungszone vollzogen wird — nur dass dort, anders als in der Tschechoslowakei, nie eine vergleichbar lebendige Nachkriegsdemokratie bestand, die hätte gestürzt werden müssen.

Wahlsieg der Nationalen Partei in Südafrika — Beginn der Apartheid

Daniel François Malan, 1948
Daniel François Malan, neuer Premierminister der Südafrikanischen Union, 1948 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Bei der Parlamentswahl in der Südafrikanischen Union erhält die oppositionelle Nasionale Party unter Daniel François Malan nur rund 42 Prozent der Stimmen — doch das Wahlrecht begünstigt dünn besiedelte, mehrheitlich von weißen Buren bewohnte ländliche Wahlkreise gegenüber den Städten so stark, dass die Partei dennoch die Mehrheit der Sitze gewinnt. Der bisherige Premierminister Jan Christiaan Smuts, der das Land seit 1939 an der Seite Großbritanniens durch den Weltkrieg geführt hatte, muss Malan das Amt überlassen. Die neue Regierung macht sich unverzüglich daran, ihr Wahlprogramm der „Apartheid" — wörtlich „Getrenntheit" — in Gesetze zu gießen: Ehen und selbst sexuelle Beziehungen zwischen den Bevölkerungsgruppen sollen verboten, Wohngebiete, Schulen, Verkehrsmittel und Arbeitsmärkte streng nach Hautfarbe getrennt werden. Was 1948 als Wahlkampfparole begonnen hatte, wird binnen weniger Jahre zu einem lückenlosen System der Rassentrennung ausgebaut, das die schwarze Mehrheit, „Coloureds" und Menschen asiatischer Herkunft systematisch von politischen Rechten und wirtschaftlichen Chancen ausschließt. Erst 1994, nach jahrzehntelangem internationalem Boykott und dem Widerstand des African National Congress, wird das Apartheidsystem mit der ersten freien Wahl und dem Amtsantritt Nelson Mandelas beendet.

Bruch zwischen Tito und Stalin — Jugoslawien fliegt aus dem Kominform

Josip Broz Tito, 1948
Josip Broz Tito, jugoslawischer Partei- und Staatschef, im Jahr des Bruchs mit Stalin (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Mit einer knappen Mitteilung in einer tschechoslowakischen Parteizeitung erfährt die Weltöffentlichkeit am 28. Juni von einem Beschluss, der den Ostblock erschüttert: Das Kommunistische Informationsbüro (Kominform), im Vorjahr zur Koordinierung der kommunistischen Parteien gegründet, schließt die jugoslawische Partei unter Josip Broz Tito aus. Anlass ist ein seit Monaten schwelender Machtkonflikt, an dem sich vor allem Titos Ambitionen auf eine eigenständige Balkanföderation und sein Vorgehen in Albanien entzünden — Moskau wirft Belgrad „nationalistische Abweichung" von der sowjetischen Linie vor. Anders als von Stalin erwartet, beugt sich Tito nicht: Er lässt moskautreue Funktionäre in der eigenen Partei verhaften und behauptet seine Macht. Die Sowjetunion zieht sämtliche Militär- und Wirtschaftsberater aus Jugoslawien ab und verhängt zusammen mit den übrigen „Volksdemokratien" eine faktische Wirtschaftsblockade gegen das Land. Zum ersten Mal seit der Oktoberrevolution zerbricht damit der Anschein monolithischer Geschlossenheit des kommunistischen Lagers — Jugoslawien schlägt in den Folgejahren mit der „Arbeiterselbstverwaltung" einen eigenen, blockfreien Weg zwischen Ost und West ein. Für die junge SED-Führung in der Sowjetischen Besatzungszone ist der Konflikt Anlass zu scharfer Abgrenzung von jedem Verdacht „titoistischer" Eigenständigkeit.

Trumans überraschende Wiederwahl

Harry S. Truman hält die Chicago Tribune mit der Fehlschlagzeile „Dewey Defeats Truman", 4. November 1948
Harry S. Truman hält die Chicago Tribune mit der Fehlschlagzeile „Dewey Defeats Truman" in die Kamera, St. Louis, 4. November 1948 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Bei der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten gilt der Amtsinhaber Harry S. Truman praktisch als abgeschrieben: Meinungsforscher wie Gallup und Roper sehen seinen republikanischen Herausforderer Thomas E. Dewey, Gouverneur von New York, so klar vorn, dass Roper die Umfragen im September ganz einstellt — die Sache scheine entschieden. Trumans eigene Demokratische Partei ist zudem gespalten: Der Linksaußen Henry A. Wallace tritt für die Progressive Party an, die Südstaaten-„Dixiecrats" um Strom Thurmond spalten sich aus Protest gegen Trumans Bürgerrechtspolitik ab. Unbeirrt zieht Truman mit einer energischen „Whistle-Stop"-Kampagne quer durchs Land, hält an Bahnhöfen improvisierte Reden vom Zugende aus und geißelt den „Do-nothing Congress" der Republikaner. Am Wahlabend ist die Überraschung perfekt: Die Chicago Tribune druckt in ihrer Frühausgabe bereits die Schlagzeile „Dewey Defeats Truman" — und muss sie Stunden später als einen der größten Irrtümer der amerikanischen Pressegeschichte zurücknehmen. Truman gewinnt mit 303 zu 189 Wahlmännerstimmen und rund 50 zu 45 Prozent der Stimmen. Für die weitere Cold-War-Politik, von der Fortführung des Marshallplans bis zur harten Haltung in der laufenden Berlin-Blockade, bedeutet der Sieg Kontinuität statt eines von vielen erwarteten Kurswechsels in Washington.

Birma und Ceylon werden unabhängig

Unabhängigkeitserklärung Birmas, Rangun, 4. Januar 1948
Feierlichkeiten zur Unabhängigkeitserklärung Birmas, Rangun, 4. Januar 1948 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am 4. Januar endet die britische Kolonialherrschaft über Birma (das heutige Myanmar): Anders als Indien tritt das Land nicht dem Commonwealth bei, sondern wird vollständig souveräne Republik — Ergebnis zäher Verhandlungen, die der charismatische Unabhängigkeitsführer Aung San noch 1947 mit London ausgehandelt hatte, bevor er im Juli desselben Jahres einem politischen Attentat zum Opfer fiel; sein Weggefährte U Nu übernimmt als erster Premierminister die Regierung eines Landes, das von Anfang an mit ethnischen Aufständen der Karen, Shan und kommunistischer Gruppen ringt. Einen Monat später, am 4. Februar, folgt Ceylon (das heutige Sri Lanka): Als Dominion verbleibt die Insel zunächst im Commonwealth, britisches Staatsoberhaupt bleibt formal König Georg VI., während Don Stephen Senanayake erster Regierungschef eines nun selbstverwalteten Ceylon wird. Beide Unabhängigkeiten reihen sich in die rasche Auflösung des britischen Empire in Asien ein, die im Jahr zuvor mit Indien und Pakistan begonnen hatte — binnen weniger Jahre verliert London den größten Teil seines südasiatischen Kolonialbesitzes.

Bogotazo und Gründung der Organisation Amerikanischer Staaten

Jorge Eliécer Gaitán, kolumbianischer Oppositionsführer
Jorge Eliécer Gaitán, dessen Ermordung am 9. April 1948 den Bogotazo auslöste (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Während in Bogotá die Neunte Panamerikanische Konferenz tagt — mit dem amerikanischen Außenminister George C. Marshall als prominentestem Gast —, wird am 9. April der populäre liberale Oppositionsführer Jorge Eliécer Gaitán auf offener Straße von drei Schüssen niedergestreckt; der mutmaßliche Attentäter Juan Roa Sierra wird noch am Tatort von einem aufgebrachten Mob erschlagen. Die Nachricht von Gaitáns Tod löst in Kolumbiens Hauptstadt sofort einen Aufstand aus, der als „Bogotazo" in die Geschichte eingeht: Innerhalb weniger Stunden brennen Regierungsgebäude, Kirchen und Geschäfte, Plünderungen und Straßenkämpfe fordern allein in Bogotá mehrere Hundert Tote, landesweit schätzen Historiker die Opferzahl der folgenden Wochen auf bis zu 3.000. Der Gewaltausbruch markiert den Auftakt zur „La Violencia" genannten, rund ein Jahrzehnt währenden Bürgerkriegsperiode zwischen Liberalen und Konservativen. Die überfallene Konferenz selbst geht trotz der Unruhen weiter und erreicht am 30. April ihr eigentliches Ziel: 21 amerikanische Staaten unterzeichnen die Charta der neuen Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) — ein Bündnis, das die westliche Hemisphäre gegen kommunistische Einflussnahme absichern und friedliche Streitschlichtung zwischen den Mitgliedsstaaten institutionalisieren soll.

Das Saarland bekommt eine eigene Währung: den Saar-Franken

20-Saar-Franken-Schein
20-Saar-Franken-Schein, Ausgabe der Jahre 1947/48 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Während die übrigen Deutschen noch bis zum Sommer auf eine neue Währung warten müssen, ist im französisch verwalteten Saarland die Sache bereits entschieden: Am 15. Januar verlieren die erst im Sommer 1947 eingeführten Saar-Mark-Scheine und die alten Reichsmark-Pfennigmünzen ihre Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel. An ihre Stelle tritt der an den französischen Franc gekoppelte Saar-Franken — bis Juni bleiben die alten Scheine bei der Banque de France noch umtauschbar, danach ist die Trennung vollzogen. Das seit 1947 als autonomes, wirtschaftlich und währungspolitisch eng an Frankreich angebundenes Protektorat verwaltete Saargebiet hat damit ein knappes halbes Jahr vor der Währungsreform in den Westzonen bereits eine eigene, dritte deutsche Währung — von der die meisten Landsleute in Brandenburg und im übrigen Deutschland kaum Notiz nehmen. Zoll- und Währungsunion mit Frankreich rücken die Saarländer wirtschaftlich näher an Paris als an Frankfurt oder Berlin; ob das Saarland dauerhaft bei Frankreich bleibt oder eines Tages wieder zu Deutschland zurückkehrt, ist zum Jahresende offene politische Frage.

Die Max-Planck-Gesellschaft wird gegründet

Otto Hahn
Otto Hahn, Chemie-Nobelpreisträger und erster Präsident der neuen Max-Planck-Gesellschaft (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Im Kameradschaftshaus der ehemaligen Aerodynamischen Versuchsanstalt in Göttingen gründen Wissenschaftler und Verwaltungsleute aus den Trümmern der 1945 aufgelösten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft eine Nachfolgeorganisation: die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, benannt nach dem im Vorjahr verstorbenen Physiker. Zum ersten Präsidenten wählen die Gründer den Chemiker Otto Hahn, der 1938 gemeinsam mit Fritz Straßmann die Kernspaltung entdeckt hatte und dafür 1944 rückwirkend den Nobelpreis erhielt. Die neue Gesellschaft übernimmt die noch bestehenden Kaiser-Wilhelm-Institute in den Westzonen und soll die deutsche Grundlagenforschung, durch Krieg, Vertreibung jüdischer und politisch verfolgter Wissenschaftler sowie alliierte Kontrollauflagen schwer angeschlagen, wieder auf internationales Niveau heben. Sitz wird zunächst Göttingen in der britischen Zone; in der Sowjetischen Besatzungszone, wo die Kaiser-Wilhelm-Institute enteignet oder demontiert wurden, bleibt die Gesellschaft ohne Wirkungskreis. Ein bescheidener Anfang, aus dem in den kommenden Jahrzehnten Westdeutschlands wichtigste außeruniversitäre Forschungsorganisation erwachsen wird.

Der Marshallplan tritt in Kraft

George C. Marshall
George C. Marshall, amerikanischer Außenminister und Namensgeber des Wiederaufbauprogramms (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 NL)

Mit seiner Unterschrift setzt Präsident Harry S. Truman in Washington den Economic Cooperation Act in Kraft, das gesetzliche Fundament des schon im Vorjahr von Außenminister George C. Marshall vorgeschlagenen europäischen Wiederaufbauprogramms. Über vier Jahre stellen die USA den Teilnehmerstaaten — darunter auch die drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands — Kredite und Warenlieferungen im Gesamtwert von rund 13 Milliarden Dollar zur Verfügung, offiziell als „Europäische Wiederaufbauhilfe" (European Recovery Program, ERP), im Volksmund bald schlicht „Marshallplan" genannt. Ziel ist nicht nur der wirtschaftliche Wiederaufbau, sondern ausdrücklich auch die politische Stabilisierung Westeuropas gegen den wachsenden Einfluss kommunistischer Parteien. Die Sowjetunion und mit ihr die Staaten in ihrem Machtbereich lehnen eine Teilnahme ab und verhindern sie auch für die Tschechoslowakei, die zunächst Interesse gezeigt hatte; für die Sowjetische Besatzungszone bleibt der Marshallplan von vornherein außer Reichweite — dort tritt wenige Monate später mit dem Zweijahrplan ein gegenläufiges, staatlich gelenktes Wiederaufbaumodell an seine Stelle. In den Westzonen dagegen wird das amerikanische Kapital, zusammen mit der Währungsreform vom Juni, zu einem der beiden Fundamente des beginnenden westdeutschen Wiederaufschwungs.

Ersatzwährungen brechen zusammen — das Ende der Zigarettenwährung

Schwarzmarkt mit Zigarettenhandel
Zigaretten-Verkaufsstand auf einem Berliner Schwarzmarkt der Nachkriegsjahre (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE / Bundesarchiv)

Drei Jahre lang war die Reichsmark im Alltag kaum mehr wert als das Papier, auf dem sie gedruckt war — wer etwas kaufen wollte, das nicht auf Bezugschein zugeteilt war, zahlte in Naturalien: Für eine einzelne amerikanische Zigarette der Marken Camel oder Lucky Strike wurden auf dem Schwarzmarkt zwischen 5 und 40 Reichsmark aufgerufen, ein deutsches Fabrikat brachte immerhin noch 3 bis 12 Reichsmark. Ganze Existenzen gründeten sich auf den Handel mit „Kippen" und Päckchen, „Kompensationsgeschäfte" zwischen Stadt und Land — Speck und Eier gegen Möbel oder Kleidung — hielten die Versorgung notdürftig am Laufen, während die eigentliche Währung in den Regalen der Geschäfte kaum eine Rolle spielte. Mit der Währungsreform vom 20./23. Juni und der Freigabe der Preise verschwindet dieser inoffizielle Wirtschaftskreislauf binnen weniger Tage nahezu vollständig: In den Westzonen kostet die Zigarette im Laden fortan 16 bis 20 Pfennig, geschmuggelte amerikanische Ware bleibt mit rund 12 Pfennig sogar noch darunter. Wer plötzlich echtes Geld in der Tasche hat und in gut gefüllten Schaufenstern einkaufen kann, braucht keine Stange Zigaretten mehr als Zahlungsmittel. Auch in der Sowjetischen Besatzungszone, wo Tauschhandel und Schwarzmarkt die Mangelwirtschaft ebenso begleitet hatten, lässt die eigene Währungsreform Ende Juni den Ersatzwährungs-Alltag rasch abklingen — wenn auch, anders als im Westen, ohne vergleichbare Warenfülle in den Läden.

Aus heutiger Sicht

Wirtschaftshistoriker werten das schlagartige Verschwinden der Zigarettenwährung nach dem 20. Juni oft als eindrücklichsten Beleg dafür, wie sehr das westdeutsche „Wirtschaftswunder" tatsächlich mit einem einzigen Stichtag begann — ein natürliches Experiment, wie es sich Ökonomen kaum plastischer wünschen könnten. Zugleich verweisen neuere Studien darauf, dass Schwarzmarkt und Tauschhandel keineswegs sofort verschwanden, sondern in ländlichen Regionen und bei knappen Importwaren noch bis weit in die frühen 1950er Jahre eine Rolle spielten.

Die Freie Universität Berlin wird gegründet

Siegel der Freien Universität Berlin
Siegel der Freien Universität Berlin, 1948 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Vorausgegangen waren monatelange Konflikte an der traditionsreichen Berliner Universität Unter den Linden im sowjetischen Sektor: Studierende, die sich öffentlich kritisch zur SED-Politik äußern, werden im Frühjahr exmatrikuliert, Wahlen zur Studentenvertretung von der sowjetischen Besatzungsmacht annulliert. Aus Protest gegen die politische Gängelung der Universität konstituiert sich im Juni ein studentischer Gründungsausschuss, der öffentlich zur Gründung einer „Freien Universität" aufruft. Mit Unterstützung der amerikanischen Besatzungsmacht, des Berliner Magistrats und zahlreicher Professoren, die die Universität Unter den Linden verlassen, wird die neue Hochschule im Dahlem genannten Ortsteil des amerikanischen Sektors aus dem Boden gestampft — mitten in der laufenden Berlin-Blockade, ohne eigene Gebäude, mit provisorischen Hörsälen in requirierten Villen. Am 4. Dezember findet im Titania-Palast in Steglitz die feierliche Eröffnung statt; rund 2.000 Studierende schreiben sich im ersten Semester ein. Der Name ist Programm: „Veritas, Iustitia, Libertas" — Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit — wird zum Wahlspruch der jungen Universität, ein akademisches Gegenstück zur politischen Spaltung der Stadt, die sich in diesem Winter auch in der Kommunalverwaltung vollzieht.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • Am 10. Dezember verkündet die Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte — 48 Staaten stimmen zu, acht enthalten sich, darunter die Sowjetunion.
  • In Brandenburg füllen sich die Städte weiterhin mit Vertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten — die stille, aber prägendste Nachkriegsgeschichte der Region.
  • Am 7. April nimmt die neu gegründete Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Sitz in Genf ihre Arbeit auf — ein Vorhaben, das Gesundheitsversorgung erstmals als globale Gemeinschaftsaufgabe begreift.
  • Am 13. Oktober fördert der Bergmann Adolf Hennecke im sächsischen Oelsnitz das Dreieinhalbfache seines Solls und löst damit die Aktivistenbewegung aus — auch in den Luckenwalder Tuch- und Metallbetrieben wird die Erfüllung und Übererfüllung der Planvorgaben fortan zum Leitbild erhoben.
  • Am 1. Juli werden mehrere enteignete Betriebe zum VEB Landmaschinen- und Gerätebau Luckenwalde zusammengeschlossen — der Grundstein des späteren Metallwarenwerks LUMET.
  • An der belgisch-deutschen Grenze in der Eifel floriert seit Kriegsende die sogenannte Aachener Kaffeefront: Schmuggler kaufen das Pfund Bohnenkaffee jenseits der Grenze für 3,75 Mark und verkaufen es nach nächtlicher Überquerung der „grünen Grenze" diesseits für 10 Mark — hohe deutsche Kaffeesteuern machen den Bohnenkaffee sonst zum unbezahlbaren Luxus, geschätzte 1.000 Tonnen wandern in diesen Jahren illegal über die Grenze.
  • Vor rund 60.000 Zuschauern im Kölner Müngersdorfer Stadion gewinnt der 1. FC Nürnberg am 8. August mit 2:1 gegen den favorisierten 1. FC Kaiserslautern die erste Deutsche Fußballmeisterschaft seit 1944 — die Frankenstadt bejubelt ihren siebten Meistertitel.

WIRTSCHAFT · 1948

Die Wirtschaft der Sowjetischen Besatzungszone steht 1948 ganz im Zeichen von Enteignung, Planvorgaben und Mangel. Mit der Gründung der Handelsorganisation (HO) im November — die Deutsche Wirtschaftskommission ordnet sie an, das erste Geschäft öffnet am 15. November in Berlin-Friedrichshain — schafft die SBZ einen zweiten, offiziellen Verkaufsweg neben den Lebensmittelkarten: Wer keine Bezugscheine hat oder mehr will, als die Marken hergeben, kann in den HO-Läden ohne Marken einkaufen — allerdings zu Preisen, die ein Vielfaches der regulären Kartenpreise betragen. Offizieller Zweck ist die Bekämpfung des Schwarzmarkts und das Abschöpfen überschüssiger Kaufkraft; für die Beschäftigten in den Luckenwalder Tuch- und Metallbetrieben, deren Monatslohn im Schnitt bei rund 200 Mark liegt, bleiben die HO-Preise damit ein knapp erreichbarer Luxus.

Der Preisspiegel:

  • Zigarette, US-Marke (Schwarzmarkt, vor der Reform) — 5–40 Reichsmark je Stück
  • Zigarette, deutsches Fabrikat (Schwarzmarkt, vor der Reform) — 3–12 Reichsmark je Stück
  • Lizenzzeitung (Einzelverkauf) — rund 0,40 Mark
  • Paar Schuhe ohne Bezugschein (HO, SBZ) — 120–300 Mark
  • Herrenanzug ohne Bezugschein (HO, SBZ) — bis zu 630 Mark
  • Durchschnittslohn eines Industriearbeiters (SBZ, Monat) — rund 200 Mark

(Zum Vergleich, Westzonen nach der Reform: Brot 1 kg 41 Pfennig, Milch 1 Liter rund 36 Pfennig, durchschnittlicher Nettolohn 117 D-Mark im Monat.)

SPORT · 1948

Vom 29. Juli bis 14. August finden in London die ersten Olympischen Spiele seit 1936 statt — bewusst schlicht ausgerichtet im vom Krieg gezeichneten Nachkriegsbritannien, weshalb sie als „Austerity Games" (Sparspiele) in die Geschichte eingehen: kein neues Stadion (Wettkämpfe finden überwiegend im alten Wembley-Stadion statt), kein eigenes Olympisches Dorf, Athleten werden in Kasernen und Schulen untergebracht und bringen teils eigene Lebensmittelmarken mit. Dennoch melden 59 Nationen rund 4.100 Athletinnen und Athleten, ein Teilnehmerrekord. Deutschland und Japan werden als Aggressorstaaten des Weltkriegs nicht eingeladen, die Sowjetunion sagt ab und schickt nur Beobachter — auch aus der SBZ und der Mark Brandenburg schaut man nur von außen zu. Zu den Stars der Spiele zählen die niederländische Sprinterin Fanny Blankers-Koen, die als 30-jährige Mutter zweier Kinder viermal Gold gewinnt, und der erst 17-jährige Amerikaner Bob Mathias, der jüngste Olympiasieger im Zehnkampf der Geschichte. Zeitgleich finden im Februar die Winterspiele in St. Moritz statt. Für deutsche Sportler bleibt der Weg zurück in die internationale Sportgemeinschaft vorerst verschlossen.

MODE · 1948

Im Westen setzt sich der von Christian Dior bereits 1947 in Paris vorgestellte New Look nun endgültig durch: schmale Taille, gepolsterte Hüften, wadenlange, stoffreiche Röcke — ein bewusster Bruch mit der knappen, schulterbetonten Kriegssilhouette. Bezugscheine für Kleidung werden in den Westzonen nach und nach abgeschafft, die Textilindustrie erholt sich mit der Währungsreform sichtbar. In der Sowjetischen Besatzungszone, wo die Währungsreform vom Juni die Schaufenster zwar wieder füllt, bleibt Stoff für weite Röcke und aufwendige Schnitte Mangelware — man behilft sich weiterhin mit Umgearbeitetem, gewendeten Uniformstoffen und einfachen, praktischen Schnitten, wie sie auch die Luckenwalder Textilbetriebe unter den neuen Planvorgaben fertigen. Der Pariser Glanz bleibt vorerst ein Bild aus Zeitschriften, kein Kleiderschrank-Alltag.

KINO & FUNK · 1948

Mit „…und über uns der Himmel" feiert am 27. Februar in Hamburg offiziell der erste deutsche Nachkriegsfilm mit amerikanischer Lizenz aus der Westzone Premiere: Hans Albers spielt einen Heimkehrer, der sich im Schwarzmarktgeschäft verstrickt — ein Stoff, der dem Kinopublikum unmittelbar aus dem eigenen Alltag vertraut ist. Im Radio dagegen sorgt mitten in der Blockade ein neues Format für Aufsehen: Am Weihnachtstag startet der amerikanische Sender RIAS die Kabarettsendung „Die Insulaner" des Autors Günter Neumann — der Titel spielt auf die von Land- und Wasserwegen abgeschnittene „Insel" West-Berlin an, Wahlspruch der Sendung wird „Der Insulaner verliert die Ruhe nicht". Mit bissigem Spott gegen SED und Besatzungsmacht wird die Sendung binnen Wochen zum Publikumsmagneten weit über West-Berlin hinaus — gehört auch drüben in der Mark Brandenburg, wo der Empfang von RIAS zwar nicht verboten, aber unerwünscht ist. Fernsehen spielt für das Kulturleben des Jahres noch keine Rolle — die ersten regulären Sendungen in Deutschland liegen noch Jahre entfernt.

GESTORBEN · 1948

  • Kurt Schwitters (60), Maler und Dadaist — 8. Januar, Kendal (England).
  • Orville Wright (76), Flugpionier — 30. Januar, Dayton (Ohio).
  • Sergei Eisenstein (50), Filmregisseur — 11. Februar, Moskau.
  • Wilhelm von Opel (76), Industrieller, Mitinhaber der Adam Opel AG — 2. Mai, Wiesbaden.
  • Babe Ruth (53), amerikanischer Baseballspieler — 16. August, New York.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1948

  • Nobelpreis für Medizin an Paul Hermann Müller (10. Dezember, Stockholm). Der Schweizer Chemiker wird für die Entdeckung der insektiziden Wirkung von DDT ausgezeichnet, das im Kampf gegen Malaria und Typhus weltweit als medizinischer Durchbruch gilt.
  • DEFA-Filmpremiere „Affaire Blum" in Babelsberg (3. Dezember). Nahe Potsdam entsteht mit dem Justizdrama nach einem authentischen Magdeburger Fall einer der ersten deutschen Nachkriegsfilme, der offen antisemitische Vorurteile der Weimarer Zeit anklagt.

DAS WETTER · 1948 in der Mark

An diesem 13. Juli war es in der Mark ein milder Sommertag: Höchstwert 18,7 °C, in der Nacht 11,8 °C; kräftiger Regen brachte 9,1 mm, die Sonne zeigte sich rund 4,4 Stunden.

Das Jahr über: Im Mittel 9,8 °C — gut 1,0 Grad über dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 34 °C am 2. August, kältester −14 °C am 21. Februar. 13 Hitzetage (≥30 °C), 14 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 633 mm.

Der mildeste Winter dieser Jahre (nur 14 Eistage) leitete ein warmes, sonniges Jahr ein.

(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1948

Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.

  1. Der Theodor im Fußballtor — Theo Lingen
  2. Trizonesien-Song (Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien) — Karl Berbuer
  3. Du bist die Rose vom Wörthersee — Andergast & Lang
  4. Skandal im Harem — Comedian Quartett
  5. Cement Mixer — Fred Kinglee und die King-Kols
  6. Buttons and Bows — Dinah Shore & Her Happy Valley Boys
  7. Mañana (Is Soon Enough for Me) — Peggy Lee
  8. Wunschballade — Bully Buhlan
  9. Räuberballade — Bully Buhlan
  10. Capri-Fischer — Rudi Schuricke
  11. Hein Mück — Hans Albers
  12. Mariandl — Maria Andergast und Hans Lang
  13. Kötzschenbroda-Express — Bully Buhlan
  14. Wochenend und Sonnenschein — Hans Bardeleben und die Cherokees
  15. Gisela (Hallo, kleines Fräulein) — Drei Travellers
  16. Lili Marleen — Lale Andersen
  17. The Calloway Boogie — Cab Calloway And His Orchestra
  18. South America, Take It Away — Bing Crosby & Andrews Sisters
  19. Drei kleine Geschichten — Evelyn Künneke
  20. Das Lied vom Leierkastenmann — Willi Kollo

Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.

Lokalteil Kiel / Schleswig-Holstein

Demontageplan für die Werften: Kiel marschiert stumm

Stummer Protestmarsch gegen die Demontage der Kieler Werften
Stummer Protestmarsch gegen Demontage und Sprengung der Werften auf dem Ostufer, 7. Dezember 1948; in der ersten Reihe von links Peter Jeschke, Karl Ratz und Andreas Gayk (Rudolf Schenck, Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0)

Am 5. November gibt die britische Militärregierung den Zerstörungs- und Demontageplan für die Kieler Werften auf dem Ostufer bekannt. Von den noch vorhandenen 264 beschädigten Gebäuden sollen 152 dem Erdboden gleichgemacht werden. Ziel ist es, das Rüstungspotenzial dauerhaft zu vernichten.

Oberbürgermeister Andreas Gayk erklärt, die Absichten hätten katastrophale Folgen für die Stadt; das Vorhandene müsse für eine Friedensindustrie genutzt werden. Er ruft zu großen öffentlichen Kundgebungen auf. Im Dezember ziehen Demonstrationszüge durch die Stadt, an ihrer Spitze Landtagspräsident Karl Ratz, Gayk und Bürgermeister Dr. Peter Jeschke.

Am 7. Dezember bewegt sich ein „stummer Protestmarsch“ vom Rathausplatz durch die Kehdenstraße und die Dänische Straße zum Düsternbrooker Weg und am Hindenburgufer entlang bis zum Somerset House am Niemannsweg 220, dem Sitz des britischen Militärgouverneurs für Schleswig-Holstein.

Aus heutiger Sicht

Die Proteste konnten nur wenig bewirken. 18 Gebäude wurden aus dem Plan genommen, und von 3.700 Metern unzerstörter Kaimauer blieben 915 Meter erhalten. Die ersten Sprengungen folgten am 28. Februar 1949, sie wurden am 5. Mai 1950 eingestellt, und am 20. September 1950 wurde das Ostufer freigegeben. Gayk sprach 1953 davon, Krieg, Demontage und Entmilitarisierung hätten insgesamt 60.000 Arbeitsplätze zerstört.

Volle Schaufenster, leere Taschen: Kiel nach dem 20. Juni

Als am Sonntag, 20. Juni, die ersten 40 DM Kopfbetrag in den Kieler Ausgabestellen abgeholt werden, geht es ruhig und geordnet zu. Am Tag davor, so wird berichtet, hat noch einmal ein letzter Ansturm auf den Schwarzmarkt am Bahnhof eingesetzt, doch es gibt nur noch Ladenhüter: Regenschirme, alte Schuhe, Tischdecken. In den Geschäften wird das alte Geld ausgegeben: Einem Mann zerfällt das eben für 175 Reichsmark gekaufte Parfümfläschchen in Scherben, er schiebt sie mit dem Fuß beiseite und sagt: „Dann geben Sie mir noch eine!“ Ein Sparkassenangestellter deckt sich mit Hühneraugenpflaster für sein Leben ein, und in Gaarden bestellt ein Ehemann vorsorglich einen Sarg.

Über Nacht füllen sich die Schaufenster: Schreibhefte bei Reese, Mäntel, Wäsche und Stoffe bei Rolfs, Meislahn und Jacobsen; auf dem Wochenmarkt am Exerzierplatz gibt es Fisch, Gemüse und Erdbeeren. Der Antiquar Harald Eschenburg schreibt: „Nur ein einziger Gang über den Markt hätte die ganze Kopfquote kosten können.“ Rosen für 20 Pfennig finden am 24. Juni wenig Absatz.

Die Stadt selbst steht schlechter da. Gayk erklärt im August vor der Stadtvertretung, die Reform stürze Kiel in eine finanzielle und soziale Krise: Sämtliche Rücklagen seien erloschen, die Einnahmen aus Steuern und Gebühren würden um 1,4 Millionen DM sinken, und das Haushaltsjahr 1948/49 werde mit einem Fehlbetrag von mehr als 6 Millionen DM abschließen. Die Zahl der Arbeitslosen steigt von 2.046 im Juni auf 9.349 im November. Das Neue Stadttheater an der Holtenauer Straße ist im Juni zu 93 Prozent ausgelastet, im November nur noch zu 66 Prozent; die Kieler Filmtheater fallen von 78 auf 40 Prozent. Im August beteiligen sich auch Kieler am Käuferstreik der Gewerkschaften, und am 12. November wird in der Bizone und damit auch in Kiel 24 Stunden lang gegen die hohen Preise gestreikt.

„Kiel im Aufbau“: Septemberwoche mit Platzkonzert

Platzkonzert auf dem Rathausplatz zur Septemberwoche
Platzkonzert auf dem Rathausplatz zur Septemberwoche 1948, im Hintergrund das teilweise zerstörte Stadttheater (Hermann Nafzger, Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 de)

Vom 1. bis 5. September veranstaltet die Stadt zum zweiten Mal die Festwoche „Kiel im Aufbau“, die Kieler nennen sie Septemberwoche. Die erste fand im September 1947 statt. Die Stadtvertretung organisiert sie, die Anregung kam von Oberbürgermeister Andreas Gayk. Sie soll der Bevölkerung nach den Kriegsjahren Lebensmut geben, mit Ausstellungen, Vorträgen und Kundgebungen über die Aufbauarbeiten. Das Motto der Ausstellung lautet „Kiel stellt sich um“; eine Schautafel zeigt den geplanten Seefischmarkt.

Auf dem Rathausplatz findet ein Platzkonzert statt. Gespielt wird unter freiem Himmel vor dem teilweise zerstörten Stadttheater.

Der Spielerpass vom 17. September 1947: Holstein Kiel verliert die Oberliga

Den Anstoß gibt die Kieler Presse mit der Meldung, Holstein habe sich mit dem Spieler Willi Hamann aus Weiden verstärkt; Hannover 96 legt Protest ein. Sein Beauftragter Harry Burmeister fährt nach Weiden in der Oberpfalz, holt Hamann aus dessen Friseurladen und fährt ihn zum Notar. Hamann erklärt an Eides Statt, er habe bis Anfang Dezember für die SpVgg Weiden gespielt und sich erst im Januar bei Holstein Kiel angemeldet. Ein vordatiertes Anmeldeformular sei zwei Tage vor dem Spiel gegen den VfB Lübeck unterschrieben worden. Nach der Satzung des Landessportverbands Schleswig-Holstein gilt eine Sperrfrist von drei Monaten, Hamann wäre erst Ende April spielberechtigt gewesen. Holstein war in der Oberliga Nord als Zehnter einen Punkt vor Hannover geblieben, das mit Victoria Hamburg abstieg.

„Wer den Paß hat, hat den Mann“, sagt Verbandsführer Grimm bei der ersten Verhandlung in Celle. Holsteins Spielerpass trägt als Druckdatum Dezember 1947, ist aber auf den 17. September 1947 datiert. Es folgen Verhandlungen in Hamburg, ein Sonderausschuss in Kiel am 22. Oktober und am 2. November der Norddeutsche Fußball-Ausschuss. Im November fällt das Urteil: Holstein wird aus der Oberliga genommen, Hannover 96 soll 1949 in die Oberliga zurückkehren. Ligaleiter Karl Friese und Spartenleiter Gustav Scharlemann werden für Jahre ausgeschlossen.

Burmeister zieht Bilanz: 17.000 Fahrkilometer, 65 Zeugen, 49 Stunden Verhandlung und 6.000 DM Kosten.

KURZ NOTIERT · Kiel 1948

  • 1. Januar — Die Zeiss Ikon AG nimmt in Kiel die Produktion wieder auf.
  • 27. Mai — Der Abbruch des kriegszerstörten Thaulow-Museums am Sophienblatt beginnt; am 27. Juni fällt die Ruine. Bleiben sollen wohl nur die beiden Kanonen am Portal, die einst nach 150 Jahren aus der Ostsee geholt wurden; sie hätten, so die Volkszeitung, „alle Entwaffnungs- und Verschrottungsbestrebungen siegreich überstanden“.
  • 1. Juni — Rasierklingen und Nägel sind in Kiel bezugsscheinfrei zu haben.
  • 7. August — Die Seebadeanstalt Düsternbrook wird mit einem Schwimmfest wiedereröffnet.
  • 27. September — Auf dem Gelände der früheren Werft Stocks & Kolbe an der Schwentine nimmt der Kieler Seefischmarkt in Wellingdorf den Betrieb auf; die Betreibergesellschaft, an der die Stadt 52 und das Land 48 Prozent halten, wurde am 6. März gegründet. Gayk spricht von der ersten Bresche in den Sperrring um das Ostufer. Die Anlandungen betrugen 1947 5.865 Tonnen, im ersten Halbjahr 1948 bereits 6.065 Tonnen.
  • 24. Oktober — Kommunalwahl: In der 44 Sitze zählenden Ratsversammlung erhalten SPD und CDU je 22 Sitze, obwohl die CDU mehr Stimmen bekommen hat. Die Ratsversammlung wählt anschließend wiederum Andreas Gayk zum Oberbürgermeister.
  • 5. November — Die Kieler Stadtmission eröffnet in einer Baracke auf dem St.-Jürgen-Friedhof den ersten Kindergarten nach dem Krieg in Kiel.
  • 1948 — Der Kaiser-Wilhelm-Kanal wird auf Wunsch der Alliierten in Nord-Ostsee-Kanal umbenannt.

RUND UM DIE FÖRDE · 1948

  • 1948, Lütjenburg — An der Lütjenburger Schule wird bei über 1.000 Schülern im Schichtbetrieb unterrichtet, vormittags und nachmittags.
  • 1948, Eckernförde — Die Landesfeuerwehrschule Schleswig-Holstein zieht aus Harrislee in die Kaserne Carlshöhe in Eckernförde.

SPORT AN DER FÖRDE · 1948

  • THW Kiel — Der THW Kiel (TV Hassee-Winterbek) wird im Juni Deutscher Feldhandball-Meister. Im Endspiel der Interzonenmeisterschaft in Oberhausen schlägt er den SV Waldhof Mannheim 10:8 (Halbzeit 2:3) vor 18.000 Zuschauern. Zuvor besiegte er die SG Wilmersdorf 12:4 und die SG Dietzenbach 12:7. Zur Mannschaft gehören Spielertrainer Fritz Westheider, Helmut Wriedt, Heinrich Dahlinger, Karl Heinrich Fedder, Rolf Krabbenhöft, Kurt Ochs, Herbert Podolske, Herbert Rohwer, Theo Schwedler, Heinz-Georg Sievers und Fritz Weßling.
  • Holstein Kiel — In der ersten Oberliga-Nord-Saison 1947/48 belegt der Verein Platz 10 von 12: 6 Siege, 2 Unentschieden, 14 Niederlagen, Tore 35:65, Punkte 14:30. In der Saison 1948/49 bestreitet er acht Spiele (drei Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen, Punkte 9:7), ehe er ausgeschlossen wird.
  • Leichtathletik — Bei den Deutschen Meisterschaften am 14. und 15. August in Nürnberg wird Karl Kohlhoff (Holstein Kiel) Zweiter über 400 m Hürden. Die 4×400-m-Staffel von Holstein Kiel (Sommer, Herbert Sonntag, Hoffmeister, Kohlhoff) wird in 3:24,6 Minuten Zweite hinter Rot-Weiß Oberhausen; Hermann Nacke (Polizei SV Kiel) wird Zweiter im Hochsprung mit 1,88 m. Am 5. September treffen sich die Leichtathleten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen auf dem Holstein-Platz zum Norddeutschen Drei-Länderkampf.
  • Segeln — Im Juni richtet der Kieler Yacht-Club eine Segelregatta aus.

DAS WETTER · 1948 in Kiel

An diesem 13. Juli war es an der Förde ein kühler Julitag: Höchstwert 17,9 °C, Tiefstwert 12,6 °C, Tagesmittel 14,6 °C. Es fielen 2,1 mm Regen.

Das Jahr über: Im Mittel 9,3 °C. Wärmster Tag 31,9 °C am 31. Juli, kältester Tiefstwert −7,5 °C am 20. Februar. 3 Hitzetage (≥30 °C), 10 Sommertage (≥25 °C), 10 Eistage (Dauerfrost) und 53 Frosttage. Jahresniederschlag 754 mm.

(Messwerte der DWD-Station Kiel-Kronshagen. Quelle: DWD Climate Data Center.)