DER CHRONIST
Ein Jahr der Teilung und der Zäsuren: Aus dem einen Deutschland werden zwei Währungen, zwei Wirtschaftsordnungen, zwei Blöcke — und Berlin wird zum Prüfstein des beginnenden Kalten Krieges. Die Provinz Mark Brandenburg, die die geteilte Stadt umschließt, spürt die Folgen unmittelbar. Auch anderswo bricht die alte Ordnung auf: In Prag übernehmen die Kommunisten die Macht, in Belgrad bricht Marschall Tito mit Stalin, und in Washington gewinnt Harry Truman gegen alle Prognosen die Wiederwahl. Im Nahen Osten wird der Staat Israel ausgerufen und sogleich von seinen Nachbarn angegriffen, in Südafrika ebnet ein Wahlsieg der Nationalen Partei den Weg in die Apartheid, und in Asien entlassen die Briten Birma und Ceylon in die Unabhängigkeit. Ein Attentat beendet in Neu-Delhi das Leben Mahatma Gandhis, ein anderes stürzt Bogotá ins Chaos — während die Vereinten Nationen zum Jahresende die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkünden.
Mahatma Gandhi wird in Neu-Delhi ermordet

Auf dem Weg zu einem Gebetstreffen im Garten des Birla House erschießt der hinduistische Nationalist Nathuram Godse den 78-jährigen Mahatma Gandhi mit drei Schüssen aus nächster Nähe. Es ist bereits der zweite Anschlag binnen zehn Tagen: Am 20. Januar war eine erste Bombe während einer Gebetsversammlung gezündet worden, ohne Gandhi zu treffen. Godse, Mitglied der hindunationalistischen Hindu Mahasabha und zeitweise auch der paramilitärischen Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), wirft dem „Mahatma" Verrat an der Sache der Hindus vor — Gandhi hatte sich unermüdlich für den Ausgleich mit den Muslimen eingesetzt und zuletzt sogar gefordert, Indien solle dem verarmten Pakistan die vereinbarten 550 Millionen Rupien aus der gemeinsamen Kolonialkasse auszahlen. Der Anführer der gewaltlosen indischen Unabhängigkeitsbewegung fällt damit einem Attentäter zum Opfer, kaum ein halbes Jahr nachdem die Teilung des Subkontinents in Indien und Pakistan im August 1947 Millionen Menschen auf der Flucht und Hunderttausende das Leben gekostet hatte. Millionen Trauernde geleiten den Leichnam an den Scheiterhaufen am Ufer des Flusses Yamuna in Neu-Delhi; Radio-Übertragungen lassen die Anteilnahme rund um den Globus miterleben. Godse und sein Mitverschwörer Narayan Apte werden in einem zwei Jahre dauernden Prozess zum Tode verurteilt, die RSS wird vorübergehend verboten. Die Nachricht vom Tod des „Mahatma" erschüttert die ganze Welt — sein Ideal des gewaltlosen Widerstands, des Satyagraha, wirkt weit über Indien hinaus fort.
Ben Gurion proklamiert den Staat Israel

Grundlage ist der UN-Teilungsplan vom 29. November 1947: Mit 33 zu 13 Stimmen bei zehn Enthaltungen hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen, das britische Mandatsgebiet Palästina — rund 1,3 Millionen arabische und 608.000 jüdische Einwohner — in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen, Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung kommen. Die arabische Seite lehnt den Plan ab, Kämpfe zwischen jüdischen und arabischen Milizen beginnen bereits in den Monaten davor. Wenige Stunden vor Ablauf des britischen Mandats verkündet David Ben Gurion am Nachmittag des 14. Mai im Kunstmuseum von Tel Aviv, unter einem Porträt Theodor Herzls, die Unabhängigkeitserklärung und die Gründung des Staates Israel. Die USA und die Sowjetunion erkennen den neuen Staat noch in der gleichen Nacht bzw. wenige Tage später an. Doch der Jubel währt kurz: In der Nacht zum 15. Mai marschieren die Armeen Ägyptens, Transjordaniens, Syriens, des Irak und Libanons ein, um die Staatsgründung rückgängig zu machen. Der erste arabisch-israelische Krieg — von israelischer Seite als Unabhängigkeitskrieg, von arabischer Seite als Nakba („Katastrophe") erinnert — dauert bis in den Sommer 1949 und fordert nach Schätzungen über 6.000 israelische und mehrere Tausend arabische Todesopfer; rund 750.000 arabische Palästinenser fliehen oder werden vertrieben. Ein Friedensvertrag kommt nicht zustande, nur Waffenstillstandslinien — ein Konflikt, dessen Ende bis heute nicht abzusehen ist.
Die Währungsreform spaltet Deutschland

Vorausgegangen war monatelange Beratung der drei Westalliierten: Die im Frühjahr in London vereinbarten Frankfurter Dokumente hatten den westdeutschen Ländern bereits den Weg zu einem eigenen Weststaat gewiesen, die Währungsreform ist ihr wirtschaftliches Fundament. Am 20. Juni tritt in den drei westlichen Besatzungszonen die Währungsreform in Kraft: Gegen 60 Reichsmark erhält jeder Bürger an den Lebensmittelkartenstellen zunächst 40 Reichsmark in neuen D-Mark, wenig später folgt eine zweite Rate von 20 D-Mark; ab dem 21. Juni ist die neue Währung alleiniges Zahlungsmittel. Ersparnisse und Bankguthaben dagegen werden nur zu einem Bruchteil — im Schnitt weniger als 1:10 — umgestellt, wer gespart hatte, verliert. Zeitgleich lockert Ludwig Erhard, Direktor der Verwaltung für Wirtschaft in der Bizone, mit dem „Leitsätzegesetz" vom 24. Juni die Bewirtschaftung und gibt einen Großteil der Preise frei — gegen den Widerstand der Alliierten, die eine kontrollierte Reform bevorzugt hätten. Schaufenster füllen sich über Nacht, der Schwarzmarkt verschwindet fast schlagartig, die „Fresswelle" wird zum geflügelten Wort der Stunde. Der sowjetische Stadtkommandant Marschall Sokolowski wertet den Alleingang als Bruch der gemeinsamen Vier-Mächte-Verwaltung Deutschlands und zieht am 23./24. Juni mit einer eigenen Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone nach: Zunächst werden alte Reichsmarkscheine mit aufgeklebten Kupons versehen, ab Ende Juli löst die neue „Deutsche Mark der Deutschen Notenbank" sie endgültig ab — auch in Brandenburg wird fortan mit diesen Kupon-Scheinen, später den neu gedruckten Noten bezahlt. Aus der einen Reichsmark sind zwei deutsche Währungen geworden; die staatliche Teilung Deutschlands ist damit wirtschaftlich vorgezeichnet, noch bevor im kommenden Jahr die beiden deutschen Staaten gegründet werden.
Stalin riegelt Berlin ab — Luftbrücke und Spaltung der Stadt

Als Antwort auf die Währungsreform sperrt die Sowjetunion am 24. Juni alle Straßen-, Schienen- und Wasserwege zwischen den Westzonen und West-Berlin, kurz darauf wird auch die Stromversorgung aus dem Umland gekappt. Rund zwei Millionen Menschen in den Westsektoren sollen von der Versorgung abgeschnitten und zur Aufgabe der ungeliebten Vier-Mächte-Stadt gezwungen werden. Die Westmächte, allen voran der amerikanische Militärgouverneur Lucius D. Clay, antworten mit der Luftbrücke („Operation Vittles"): Ab dem 26. Juni fliegen amerikanische und britische Maschinen — von den Berliner Kindern bald „Rosinenbomber" genannt, seit US- Pilot Gail Halvorsen eigenmächtig kleine Fallschirmchen mit Süßigkeiten abwirft — Kohle, Mehl, Medikamente und Baumaterial in die eingeschlossene Stadt. Landeten anfangs täglich rund 40 bis 50 Maschinen mit zusammen etwa 90 Tonnen Fracht über Tempelhof und Gatow, steigert sich die Luftbrücke bis zum Jahresende auf mehrere Tausend Tonnen täglich; im Winter 1948 beginnt eigens für die Versorgung im Herbst der Bau eines dritten Flughafens, Tegel im französischen Sektor, binnen weniger Monate. Rund um die Uhr, im Abstand oft weniger Minuten, setzen die viermotorigen Transportmaschinen zur Landung an. Die Provinz Mark Brandenburg, die Berlin vollständig umschließt, liegt buchstäblich im Zentrum der ersten großen Krise des Kalten Krieges; über brandenburgischem Gebiet ziehen fortan täglich Hunderte Transportflugzeuge ihre Bahnen zu den Berliner Flughäfen, während am Boden die sowjetische Blockade jeden Handel zwischen West-Berlin und seinem brandenburgischen Umland zum Erliegen bringt.
Mitten in die Luftbrücke hinein vollzieht sich zugleich die politische Spaltung der Stadtverwaltung. Weil der von der Sowjetunion eingesetzte Ost-Polizeipräsident Paul Markgraf das Neue Stadthaus im sowjetischen Sektor abriegeln lässt und Abgeordneten wie Magistratsmitgliedern den Zutritt verwehrt, tagt die gewählte Stadtverordnetenversammlung ab dem 6. September nur noch im Britischen Sektor. Am 30. November erklärt eine von der SED einberufene Versammlung im Ostsektor den bisherigen Magistrat für abgesetzt und setzt unter Friedrich Ebert jun. einen eigenen „provisorischen demokratischen Magistrat" ein, den die sowjetische Besatzungsmacht umgehend als einzig rechtmäßige Stadtverwaltung anerkennt. SPD, CDU und LDP ziehen daraus die Konsequenz und lassen die Stadtverordnetenversammlung am 5. Dezember in den drei Westsektoren neu wählen — die SED erklärt die Wahl für illegitim und tritt gar nicht erst an. Trotz Kälte und laufender Blockade strömen 86,3 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen; die SPD siegt klar mit 64,5 Prozent vor der CDU (19,4 %) und der liberalen LDP (16,1 %). Am 7. Dezember wählt die neue Stadtverordnetenversammlung Ernst Reuter zum Oberbürgermeister der Westsektoren. Mit zwei Magistraten, zwei Oberbürgermeistern und einer Wahl, die nur noch in der halben Stadt stattfinden konnte, ist die Spaltung Berlins politisch vollzogen — ob die Blockade den Westmächten am Ende auch die Versorgung der Stadt entreißen kann, ist zum Jahreswechsel dagegen noch offen.
Der Zweijahrplan — die SBZ rüstet die Planwirtschaft

Während im Westen der amerikanische Marshallplan anläuft und die Wirtschaft der Bizone auf Marktwirtschaft umstellt, schlägt die Sowjetische Besatzungszone den entgegengesetzten Weg ein. Die bereits im Juni 1947 gegründete Deutsche Wirtschaftskommission (DWK), mit weitreichenden Weisungsbefugnissen gegenüber den Ländern der SBZ ausgestattet, bereitet unter ihrem Vorsitzenden Walter Ulbricht — der zugleich als starker Mann der SED gilt — im Sommer und Herbst den Zweijahrplan für 1949/50 vor: die erste zentrale Planwirtschaft auf deutschem Boden, mit verbindlichen Produktionszielen für die inzwischen enteigneten und in „volkseigene Betriebe" überführten Industriebetriebe. Ziel ist, bis 1950 wieder 81 Prozent der Industrieproduktion des Jahres 1936 zu erreichen — eine Zielmarke, die am Ende sogar deutlich übertroffen wird, wenn auch um den Preis eines auf Schwerindustrie und Reparationen verzerrten Wirtschaftsgefüges. Auch in den Industriestädten der Mark Brandenburg, darunter Luckenwalde mit seinen Textil- und Metallbetrieben, stellt sich die Wirtschaft auf staatliche Planvorgaben statt auf freien Markt ein; erste Aktivisten-Initiativen zur Übererfüllung der Normen — Vorboten der im Oktober folgenden Hennecke-Bewegung — werden bereits in diesem Sommer angestoßen. Der Kurs zur sozialistischen Ordnung ist damit vorgezeichnet, noch bevor im kommenden Jahr die beiden deutschen Staaten gegründet werden.
Kommunistischer Umsturz in Prag

Am 20. Februar reichen zwölf nichtkommunistische Minister der tschechoslowakischen Regierung ihren Rücktritt ein — aus Protest gegen die eigenmächtige Absetzung acht nichtkommunistischer Prager Polizeipräsidenten durch den kommunistischen Innenminister Václav Nosek. Sie hoffen, Staatspräsident Edvard Beneš werde Neuwahlen ausschreiben und damit den wachsenden Einfluss der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ) zurückdrängen. Doch Parteichef Klement Gottwald, bereits seit 1946 Ministerpräsident einer Koalitionsregierung, mobilisiert bewaffnete „Volksmilizen", organisiert Massendemonstrationen und droht mit einem Generalstreik der kommunistisch dominierten Gewerkschaften — im Hintergrund steht unübersehbar die Drohkulisse eines möglichen sowjetischen Eingreifens. Aus Furcht vor einem Bürgerkrieg gibt der greise, gesundheitlich bereits angeschlagene Beneš am 25. Februar nach: Er akzeptiert die Rücktritte und beruft eine neue, von der KSČ dominierte Regierung. Der „siegreiche Februar", wie ihn die Kommunisten fortan nennen, besiegelt binnen weniger Tage das Ende der 1945 wiederhergestellten tschechoslowakischen Demokratie. Wenige Wochen später, am 10. März, wird Außenminister Jan Masaryk, Sohn des Staatsgründers, tot unter seinem Fenster im Prager Außenministerium gefunden — Selbstmord oder Mord bleibt bis heute umstritten. Der Umsturz schockiert den Westen und beschleunigt die Bildung eines westeuropäischen Verteidigungsbündnisses, das im Jahr darauf in der NATO münden wird; die Tschechoslowakei bleibt bis 1989 fest im sowjetischen Machtbereich.
Wahlsieg der Nationalen Partei in Südafrika — Beginn der Apartheid

Bei der Parlamentswahl in der Südafrikanischen Union erhält die oppositionelle Nasionale Party unter Daniel François Malan nur rund 42 Prozent der Stimmen — doch das Wahlrecht begünstigt dünn besiedelte, mehrheitlich von weißen Buren bewohnte ländliche Wahlkreise gegenüber den Städten so stark, dass die Partei dennoch die Mehrheit der Sitze gewinnt. Der bisherige Premierminister Jan Christiaan Smuts, der das Land seit 1939 an der Seite Großbritanniens durch den Weltkrieg geführt hatte, muss Malan das Amt überlassen. Die neue Regierung macht sich unverzüglich daran, ihr Wahlprogramm der „Apartheid" — wörtlich „Getrenntheit" — in Gesetze zu gießen: Ehen und selbst sexuelle Beziehungen zwischen den Bevölkerungsgruppen sollen verboten, Wohngebiete, Schulen, Verkehrsmittel und Arbeitsmärkte streng nach Hautfarbe getrennt werden. Was 1948 als Wahlkampfparole begonnen hatte, wird binnen weniger Jahre zu einem lückenlosen System der Rassentrennung ausgebaut, das die schwarze Mehrheit, „Coloureds" und Menschen asiatischer Herkunft systematisch von politischen Rechten und wirtschaftlichen Chancen ausschließt. Erst 1994, nach jahrzehntelangem internationalem Boykott und dem Widerstand des African National Congress, wird das Apartheidsystem mit der ersten freien Wahl und dem Amtsantritt Nelson Mandelas beendet.
Bruch zwischen Tito und Stalin — Jugoslawien fliegt aus dem Kominform

Mit einer knappen Mitteilung in einer tschechoslowakischen Parteizeitung erfährt die Weltöffentlichkeit am 28. Juni von einem Beschluss, der den Ostblock erschüttert: Das Kommunistische Informationsbüro (Kominform), im Vorjahr zur Koordinierung der kommunistischen Parteien gegründet, schließt die jugoslawische Partei unter Josip Broz Tito aus. Anlass ist ein seit Monaten schwelender Machtkonflikt, an dem sich vor allem Titos Ambitionen auf eine eigenständige Balkanföderation und sein Vorgehen in Albanien entzünden — Moskau wirft Belgrad „nationalistische Abweichung" von der sowjetischen Linie vor. Anders als von Stalin erwartet, beugt sich Tito nicht: Er lässt moskautreue Funktionäre in der eigenen Partei verhaften und behauptet seine Macht. Die Sowjetunion zieht sämtliche Militär- und Wirtschaftsberater aus Jugoslawien ab und verhängt zusammen mit den übrigen „Volksdemokratien" eine faktische Wirtschaftsblockade gegen das Land. Zum ersten Mal seit der Oktoberrevolution zerbricht damit der Anschein monolithischer Geschlossenheit des kommunistischen Lagers — Jugoslawien schlägt in den Folgejahren mit der „Arbeiterselbstverwaltung" einen eigenen, blockfreien Weg zwischen Ost und West ein. Für die junge SED-Führung in der Sowjetischen Besatzungszone ist der Konflikt Anlass zu scharfer Abgrenzung von jedem Verdacht „titoistischer" Eigenständigkeit.
Trumans überraschende Wiederwahl

Bei der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten gilt der Amtsinhaber Harry S. Truman praktisch als abgeschrieben: Meinungsforscher wie Gallup und Roper sehen seinen republikanischen Herausforderer Thomas E. Dewey, Gouverneur von New York, so klar vorn, dass Roper die Umfragen im September ganz einstellt — die Sache scheine entschieden. Trumans eigene Demokratische Partei ist zudem gespalten: Der Linksaußen Henry A. Wallace tritt für die Progressive Party an, die Südstaaten-„Dixiecrats" um Strom Thurmond spalten sich aus Protest gegen Trumans Bürgerrechtspolitik ab. Unbeirrt zieht Truman mit einer energischen „Whistle-Stop"-Kampagne quer durchs Land, hält an Bahnhöfen improvisierte Reden vom Zugende aus und geißelt den „Do-nothing Congress" der Republikaner. Am Wahlabend ist die Überraschung perfekt: Die Chicago Tribune druckt in ihrer Frühausgabe bereits die Schlagzeile „Dewey Defeats Truman" — und muss sie Stunden später als einen der größten Irrtümer der amerikanischen Pressegeschichte zurücknehmen. Truman gewinnt mit 303 zu 189 Wahlmännerstimmen und rund 50 zu 45 Prozent der Stimmen. Für die weitere Cold-War-Politik, von der Fortführung des Marshallplans bis zur harten Haltung in der laufenden Berlin-Blockade, bedeutet der Sieg Kontinuität statt eines von vielen erwarteten Kurswechsels in Washington.
Birma und Ceylon werden unabhängig

Am 4. Januar endet die britische Kolonialherrschaft über Birma (das heutige Myanmar): Anders als Indien tritt das Land nicht dem Commonwealth bei, sondern wird vollständig souveräne Republik — Ergebnis zäher Verhandlungen, die der charismatische Unabhängigkeitsführer Aung San noch 1947 mit London ausgehandelt hatte, bevor er im Juli desselben Jahres einem politischen Attentat zum Opfer fiel; sein Weggefährte U Nu übernimmt als erster Premierminister die Regierung eines Landes, das von Anfang an mit ethnischen Aufständen der Karen, Shan und kommunistischer Gruppen ringt. Einen Monat später, am 4. Februar, folgt Ceylon (das heutige Sri Lanka): Als Dominion verbleibt die Insel zunächst im Commonwealth, britisches Staatsoberhaupt bleibt formal König Georg VI., während Don Stephen Senanayake erster Regierungschef eines nun selbstverwalteten Ceylon wird. Beide Unabhängigkeiten reihen sich in die rasche Auflösung des britischen Empire in Asien ein, die im Jahr zuvor mit Indien und Pakistan begonnen hatte — binnen weniger Jahre verliert London den größten Teil seines südasiatischen Kolonialbesitzes.
Bogotazo und Gründung der Organisation Amerikanischer Staaten

Während in Bogotá die Neunte Panamerikanische Konferenz tagt — mit dem amerikanischen Außenminister George C. Marshall als prominentestem Gast —, wird am 9. April der populäre liberale Oppositionsführer Jorge Eliécer Gaitán auf offener Straße von drei Schüssen niedergestreckt; der mutmaßliche Attentäter Juan Roa Sierra wird noch am Tatort von einem aufgebrachten Mob erschlagen. Die Nachricht von Gaitáns Tod löst in Kolumbiens Hauptstadt sofort einen Aufstand aus, der als „Bogotazo" in die Geschichte eingeht: Innerhalb weniger Stunden brennen Regierungsgebäude, Kirchen und Geschäfte, Plünderungen und Straßenkämpfe fordern allein in Bogotá mehrere Hundert Tote, landesweit schätzen Historiker die Opferzahl der folgenden Wochen auf bis zu 3.000. Der Gewaltausbruch markiert den Auftakt zur „La Violencia" genannten, rund ein Jahrzehnt währenden Bürgerkriegsperiode zwischen Liberalen und Konservativen. Die überfallene Konferenz selbst geht trotz der Unruhen weiter und erreicht am 30. April ihr eigentliches Ziel: 21 amerikanische Staaten unterzeichnen die Charta der neuen Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) — ein Bündnis, das die westliche Hemisphäre gegen kommunistische Einflussnahme absichern und friedliche Streitschlichtung zwischen den Mitgliedsstaaten institutionalisieren soll.
AM RANDE NOTIERT
- Am 10. Dezember verkündet die Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte — 48 Staaten stimmen zu, acht enthalten sich, darunter die Sowjetunion.
- In Brandenburg füllen sich die Städte weiterhin mit Vertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten — die stille, aber prägendste Nachkriegsgeschichte der Region.
- Am 7. April nimmt die neu gegründete Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Sitz in Genf ihre Arbeit auf — ein Vorhaben, das Gesundheitsversorgung erstmals als globale Gemeinschaftsaufgabe begreift.
- Am 13. Oktober fördert der Bergmann Adolf Hennecke im sächsischen Oelsnitz das Dreieinhalbfache seines Solls und löst damit die Aktivistenbewegung aus — auch in den Luckenwalder Tuch- und Metallbetrieben wird die Erfüllung und Übererfüllung der Planvorgaben fortan zum Leitbild erhoben.
- Am 1. Juli werden mehrere enteignete Betriebe zum VEB Landmaschinen- und Gerätebau Luckenwalde zusammengeschlossen — der Grundstein des späteren Metallwarenwerks LUMET.
SPORT · 1948
Vom 29. Juli bis 14. August finden in London die ersten Olympischen Spiele seit 1936 statt — bewusst schlicht ausgerichtet im vom Krieg gezeichneten Nachkriegsbritannien, weshalb sie als „Austerity Games" (Sparspiele) in die Geschichte eingehen: kein neues Stadion (Wettkämpfe finden überwiegend im alten Wembley-Stadion statt), kein eigenes Olympisches Dorf, Athleten werden in Kasernen und Schulen untergebracht und bringen teils eigene Lebensmittelmarken mit. Dennoch melden 59 Nationen rund 4.100 Athletinnen und Athleten, ein Teilnehmerrekord. Deutschland und Japan werden als Aggressorstaaten des Weltkriegs nicht eingeladen, die Sowjetunion sagt ab und schickt nur Beobachter — auch aus der SBZ und der Mark Brandenburg schaut man nur von außen zu. Zu den Stars der Spiele zählen die niederländische Sprinterin Fanny Blankers-Koen, die als 30-jährige Mutter zweier Kinder viermal Gold gewinnt, und der erst 17-jährige Amerikaner Bob Mathias, der jüngste Olympiasieger im Zehnkampf der Geschichte. Zeitgleich finden im Februar die Winterspiele in St. Moritz statt. Für deutsche Sportler bleibt der Weg zurück in die internationale Sportgemeinschaft vorerst verschlossen.
MODE · 1948
Im Westen setzt sich der von Christian Dior bereits 1947 in Paris vorgestellte New Look nun endgültig durch: schmale Taille, gepolsterte Hüften, wadenlange, stoffreiche Röcke — ein bewusster Bruch mit der knappen, schulterbetonten Kriegssilhouette. Bezugscheine für Kleidung werden in den Westzonen nach und nach abgeschafft, die Textilindustrie erholt sich mit der Währungsreform sichtbar. In der Sowjetischen Besatzungszone, wo die Währungsreform vom Juni die Schaufenster zwar wieder füllt, bleibt Stoff für weite Röcke und aufwendige Schnitte Mangelware — man behilft sich weiterhin mit Umgearbeitetem, gewendeten Uniformstoffen und einfachen, praktischen Schnitten, wie sie auch die Luckenwalder Textilbetriebe unter den neuen Planvorgaben fertigen. Der Pariser Glanz bleibt vorerst ein Bild aus Zeitschriften, kein Kleiderschrank-Alltag.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1948
- Gründung der Max-Planck-Gesellschaft (26. Februar, Göttingen). Als Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft entsteht unter ihrem ersten Präsidenten, dem Nobelpreisträger Otto Hahn, Deutschlands bis heute führende Forschungsorganisation.
- Gründung der Freien Universität Berlin (4. Dezember). Studierende und Wissenschaftler gründen mit amerikanischer Unterstützung eine unabhängige Universität im Westteil der geteilten Stadt — akademische Selbstbehauptung mitten in der Berlin-Blockade.
- Nobelpreis für Medizin an Paul Hermann Müller (10. Dezember, Stockholm). Der Schweizer Chemiker wird für die Entdeckung der insektiziden Wirkung von DDT ausgezeichnet, das im Kampf gegen Malaria und Typhus weltweit als medizinischer Durchbruch gilt.
- DEFA-Filmpremiere „Affaire Blum" in Babelsberg (3. Dezember). Nahe Potsdam entsteht mit dem Justizdrama nach einem authentischen Magdeburger Fall einer der ersten deutschen Nachkriegsfilme, der offen antisemitische Vorurteile der Weimarer Zeit anklagt.
DAS WETTER · 1948 in der Mark
An diesem 13. Juli war es in der Mark ein milder Sommertag: Höchstwert 18,7 °C, in der Nacht 11,8 °C; kräftiger Regen brachte 9,1 mm, die Sonne zeigte sich rund 4,4 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 9,8 °C — gut 1,0 Grad über dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 34 °C am 2. August, kältester −14 °C am 21. Februar. 13 Hitzetage (≥30 °C), 14 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 633 mm.
Der mildeste Winter dieser Jahre (nur 14 Eistage) leitete ein warmes, sonniges Jahr ein.
(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1948
Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.
- Der Theodor im Fußballtor — Theo Lingen
- Trizonesien-Song (Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien) — Karl Berbuer
- Du bist die Rose vom Wörthersee — Andergast & Lang
- Skandal im Harem — Comedian Quartett
- Cement Mixer — Fred Kinglee und die King-Kols
- Buttons and Bows — Dinah Shore & Her Happy Valley Boys
- Mañana (Is Soon Enough for Me) — Peggy Lee
- Wunschballade — Bully Buhlan
- Räuberballade — Bully Buhlan
- Capri-Fischer — Rudi Schuricke
- Hein Mück — Hans Albers
- Mariandl — Maria Andergast und Hans Lang
- Kötzschenbroda-Express — Bully Buhlan
- Wochenend und Sonnenschein — Hans Bardeleben und die Cherokees
- Gisela (Hallo, kleines Fräulein) — Drei Travellers
- Lili Marleen — Lale Andersen
- The Calloway Boogie — Cab Calloway And His Orchestra
- South America, Take It Away — Bing Crosby & Andrews Sisters
- Drei kleine Geschichten — Evelyn Künneke
- Das Lied vom Leierkastenmann — Willi Kollo
Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.