DER CHRONIST

Das Jahr der doppelten Staatsgründung: Aus einem besetzten Deutschland werden zwei deutsche Staaten — und die Mark Brandenburg, in der Luckenwalde liegt, findet sich fortan in der DDR wieder. Doch 1949 ist mehr als deutsche Geschichte: Mit dem Ende der Berlin-Blockade, der Gründung der NATO und der Ausrufung der Volksrepublik China verhärten sich die Fronten des beginnenden Kalten Krieges, während Moskaus erste Atombombe das amerikanische Nuklearmonopol bricht. Zugleich ordnet sich Europa neu — mit der Gründung des Europarats im Westen und des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe im Osten, mit Irlands endgültigem Bruch mit der britischen Krone und mit den neu gefassten Genfer Konventionen, die die Lehren des Weltkriegs in Recht gießen. In Asien erkämpft sich Indonesien seine Unabhängigkeit von den Niederlanden, während George Orwells Roman „1984" der Nachkriegswelt einen Spiegel des totalitären Schreckens vorhält. Ein Jahr, das die Landkarte der Welt neu ordnet — und die Mark Brandenburg mitten hineinstellt in einen Staat, dessen Weg gerade erst beginnt.

Die Schlagzeilen des Jahres

Erster Bundestag gewählt, Adenauer Kanzler — Brandenburg wird Teil der DDR

Der Parlamentarische Rat, der 1949 das Grundgesetz beschließt (Nachbildung, Haus der Geschichte)
Der Parlamentarische Rat, der 1949 das Grundgesetz beschließt (Nachbildung, Haus der Geschichte) (Wikimedia Commons, CC BY 3.0)

Das Jahr besiegelt die deutsche Teilung, die sich seit der Zuspitzung des Ost-West-Konflikts abgezeichnet hatte. Bereits vom 10. bis 23. August 1948 hatte auf der Insel Herrenchiemsee ein Verfassungskonvent aus Rechtsgelehrten und Verwaltungsfachleuten einen Verfassungsentwurf vorbereitet; am 1. September 1948 trat in Bonn der Parlamentarische Rat zusammen — 65 von den westlichen Landtagen entsandte, stimmberechtigte Abgeordnete unter dem Vorsitz Konrad Adenauers, dazu fünf nicht stimmberechtigte Vertreter Berlins. Nach monatelangen Beratungen beschließt das Gremium in der Nacht zum 8. Mai 1949 mit 53 gegen 12 Stimmen den Verfassungstext; Zentrum, Deutsche Partei, KPD und ein Teil der CSU stimmen dagegen. Die westlichen Militärgouverneure genehmigen das Werk am 12. Mai, die Länderparlamente stimmen zu — nur der Bayerische Landtag lehnt es formal ab, erklärt aber zugleich seine Bindung, sollten zwei Drittel der übrigen Länder zustimmen. Am 23. Mai verkündet der Parlamentarische Rat in Bonn das Grundgesetz, tags darauf tritt es in Kraft — die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland in den Westzonen. Am 14. August wählen die Bürger der drei Westzonen erstmals den Deutschen Bundestag: Bei einer Wahlbeteiligung von 78,5 Prozent wird die Union aus CDU und CSU mit 31,0 Prozent stärkste Kraft, knapp vor der SPD mit 29,2 Prozent; die FDP kommt auf 11,9 Prozent. Da keine der Parteien auf eine eigene Mehrheit kommt, entscheidet sich Konrad Adenauer gegen eine Große Koalition mit der SPD und schmiedet stattdessen mit FDP und Deutscher Partei eine bürgerliche Koalition. Am 15. September wählt das Parlament Konrad Adenauer mit genau den nötigen 202 von 402 Stimmen zum ersten Bundeskanzler — die Mehrheit, die er nach allgemeiner Lesart nur mit seiner eigenen Stimme erreicht. Drei Tage zuvor, am 12. September, hatte die erste Bundesversammlung bereits Theodor Heuss zum Bundespräsidenten gekürt. Als Antwort ruft die Sowjetische Besatzungszone am 7. Oktober die Deutsche Demokratische Republik aus: Der von der SED dominierte Deutsche Volksrat konstituiert sich zur provisorischen Volkskammer und gibt sich eine Verfassung; Otto Grotewohl wird Ministerpräsident, Wilhelm Pieck am 11. Oktober von Volkskammer und Länderkammer zum Präsidenten gewählt, während Walter Ulbricht als starker Mann der SED im Hintergrund die Fäden zieht. Für Luckenwalde und die gesamte Mark Brandenburg ist das mehr als eine Randnotiz: Das Land Brandenburg mit Landeshauptstadt Potsdam, seit 1945 als Provinz und seit 1947 als Land verfasst, wird eines der fünf Länder der neuen DDR — und die Kreisstadt Luckenwalde liegt fortan im anderen, dem östlichen deutschen Staat, dessen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung sich in den kommenden Jahren grundlegend von der des westlichen Nachbarn unterscheiden wird. Während die Bürger der drei Westzonen im August frei über die Zusammensetzung ihres Bundestags entscheiden konnten, bleibt den Bewohnern der Sowjetischen Besatzungszone — und damit auch Luckenwalde — eine vergleichbare Wahl verwehrt: Die Volkskammer geht ohne Urnengang aus dem von der SED dominierten Volksrat hervor.

Aus heutiger Sicht

Beide deutschen Staaten verstehen sich 1949 offiziell als vorläufig — die Bundesrepublik mit ihrem „Grundgesetz" statt einer Verfassung, die DDR mit dem erklärten Anspruch, für ganz Deutschland zu sprechen. Tatsächlich hält die Teilung 41 Jahre, bis Brandenburg mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 als eigenes Land neu gegründet wird und Luckenwalde in die Bundesrepublik zurückkehrt, der es 1949 gerade erst entzogen worden war.

Die übrige Wahl des Jahres:

  • Hamburg, 16. Oktober — SPD 42,8 %, das bürgerliche Wahlbündnis Vaterstädtischer Bund Hamburg (CDU, FDP, Deutsche Konservative Partei) 34,5 %, Wahlbeteiligung 70,5 %. Erster Bürgermeister Max Brauer (SPD) bleibt im Amt.

Die Berlin-Blockade endet

Rosinenbomber in Tempelhof — die Luftbrücke, die die Blockade überdauerte
Rosinenbomber in Tempelhof — die Luftbrücke, die die Blockade überdauerte (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Auslöser der Krise war die Währungsreform: Als die Westmächte am 20. Juni 1948 in ihren Zonen die Deutsche Mark einführten und sie wenig später auch auf die Berliner Westsektoren ausdehnten, riegelte die sowjetische Besatzungsmacht am 24. Juni 1948 sämtliche Land- und Wasserwege nach West-Berlin ab, um die rund zwei Millionen Bewohner der Westsektoren auszuhungern und ganz Berlin unter ihre Kontrolle zu zwingen. Die Westmächte antworteten ab dem 26. Juni mit der Luftbrücke: Unter Führung des amerikanischen Generals Lucius D. Clay starteten britische und amerikanische Maschinen von Frankfurt und Hamburg aus im Minutentakt nach Tempelhof und Gatow; bis zum Ende der Blockade zählte man rund 278.000 Flüge, die etwa 2,3 Millionen Tonnen Kohle, Lebensmittel und andere Güter einflogen. Weil amerikanische Piloten den wartenden Kindern Süßigkeiten an kleinen Fallschirmen zuwarfen, bürgerte sich für die Flugzeuge rasch der Name „Rosinenbomber" ein. Nach fast elf Monaten Luftbrücke geben die Sowjets ihre Blockade der West-Sektoren Berlins auf: In der Nacht zum 12. Mai fließt wieder Strom, und um 00:01 Uhr öffnen sich Straßen und Wasserwege. Grundlage ist das New Yorker Abkommen zwischen den Westmächten und der UdSSR vom 4. Mai, ausgehandelt zwischen den UN-Botschaftern Philip Jessup und Jakow Malik. Weil man dem Frieden noch nicht traute, lassen die Alliierten die Luftbrücke zur Auffüllung der Vorräte noch bis in den September 1949 weiterlaufen. Die Blockade, mit der Moskau ganz Berlin unter seine Kontrolle zwingen wollte, ist gescheitert — doch die Erfahrung beschleunigt die Teilung der Stadt und des Landes, die im selben Jahr mit der Gründung von Bundesrepublik und DDR besiegelt wird, und rückt West-Berlin fortan enger an die junge Bundesrepublik heran. Auch die Mark Brandenburg, die Berlin umschließt, war unmittelbar betroffen: Über ihr Gebiet führten die gesperrten Straßen-, Schienen- und Wasserwege zwischen den Westzonen und den Berliner Westsektoren, und die monatelangen Kontrollen an den Sektorengrenzen trafen auch den Verkehr durch den Landkreis Luckenwalde.

Aus heutiger Sicht

Die Blockade verfehlt ihr Ziel gründlich: Statt West-Berlin in die sowjetische Einflusssphäre zu zwingen, festigt die Luftbrücke das Vertrauen der West-Berliner in die einstigen Kriegsgegner USA und Großbritannien nachhaltig — ein Stimmungsumschwung, den Meinungsumfragen der amerikanischen Besatzungsbehörde OMGUS in diesen Monaten festhalten. Bis zum Mauerbau 1961 versucht Moskau nicht erneut, West-Berlin auf diesem Weg von den Westzonen abzuschneiden.

Die NATO wird gegründet

US-Präsident Truman unterzeichnet den Nordatlantikvertrag, 1949
US-Präsident Truman unterzeichnet den Nordatlantikvertrag, 1949 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Vorausgegangen war der Zusammenschluss westeuropäischer Staaten im Brüsseler Pakt vom März 1948 sowie die Vandenberg-Resolution des US-Senats, die den Weg für ein dauerhaftes amerikanisches Bündnis in Friedenszeiten öffnete — ein Novum in der US-Außenpolitik. Der kommunistische Staatsstreich in Prag im Februar 1948 und die noch andauernde Berlin-Blockade unterstreichen aus westlicher Sicht die Dringlichkeit. Im Mellon Auditorium in Washington unterzeichnen am 4. April die Außenminister von zwölf Staaten — den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Italien, Portugal, Norwegen, Dänemark und Island — den Nordatlantikvertrag und gründen die North Atlantic Treaty Organization (NATO). Für die Vereinigten Staaten setzt Außenminister Dean Acheson seine Unterschrift, Präsident Truman wohnt der Zeremonie bei. Kernstück des Vertrags ist Artikel 5: Ein bewaffneter Angriff auf einen Mitgliedsstaat gilt als Angriff auf alle. Im Juli ratifiziert der US-Senat den Vertrag mit großer Mehrheit. Das Verteidigungsbündnis richtet sich gegen eine mögliche sowjetische Bedrohung und markiert die militärische Verfestigung des Kalten Krieges in Europa — Wochen bevor mit Bundesrepublik und DDR auch politisch zwei Blöcke entstehen. In den folgenden Jahren wächst das Bündnis weiter; eine Aufnahme der jungen Bundesrepublik, für 1949 noch undenkbar, wird erst Mitte der fünfziger Jahre zum Thema.

Mao Zedong ruft die Volksrepublik China aus

Mao Zedong ruft am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China aus
Mao Zedong ruft am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China aus (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der Bürgerkrieg zwischen der Kommunistischen Partei unter Mao Zedong und der nationalchinesischen Kuomintang unter Chiang Kai-shek, schon vor dem Krieg gegen Japan entbrannt, war nach 1945 wieder aufgeflammt. 1948 wendet sich das Blatt: In der Mandschurei-Schlacht und der Huai-Hai-Schlacht erleiden Chiangs Truppen schwere Niederlagen, im Januar 1949 fällt Peking kampflos, im April die Hauptstadt Nanking, im Mai die Handelsmetropole Shanghai. Am 1. Oktober verkündet Mao Zedong am Tor des Himmlischen Friedens in Peking die Gründung der Volksrepublik China vor mehreren hunderttausend Menschen; Zhou Enlai wird ihr erster Ministerpräsident. Die kommunistische Volksbefreiungsarmee hat den jahrelangen Bürgerkrieg gegen die Truppen Chiang Kai-sheks für sich entschieden; dieser zieht sich mit den Resten seiner Regierung und rund zwei Millionen Anhängern bis zum Jahresende nach Taiwan zurück, wo er einen eigenen chinesischen Staat weiterführt. Mit rund 540 Millionen Einwohnern gewinnt die weltweite Landkarte des Kalten Krieges damit einen zweiten großen kommunistischen Machtblock neben der Sowjetunion — eine Verschiebung, die den Ost-West-Konflikt in den kommenden Jahren auch nach Asien trägt, wo er sich schon 1950 im Koreakrieg entladen wird.

Moskau zündet die erste sowjetische Atombombe

Zeitgenössische US-Analyse zum Ort des ersten sowjetischen Atomtests, 1949
Zeitgenössische US-Analyse zum Ort des ersten sowjetischen Atomtests, 1949 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Seit der Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis 1945 besaßen allein die USA die Atombombe — ein Vorsprung, den die sowjetische Führung unter Lawrenti Beria und dem wissenschaftlichen Leiter Igor Kurtschatow mit aller Kraft aufzuholen suchte. Entscheidend beschleunigt wurde das sowjetische Programm durch Spionage: Der am Manhattan-Projekt beteiligte Physiker Klaus Fuchs hatte Moskau detaillierte Konstruktionspläne der amerikanischen Implosionsbombe zugespielt. Auf dieser Grundlage baut die Sowjetunion eine Plutoniumbombe nach dem Vorbild der auf Nagasaki abgeworfenen „Fat Man". Am 29. August um sieben Uhr morgens zündet sie auf dem Testgelände Semipalatinsk in der Kasachischen SSR mit einer Sprengkraft von rund 22 Kilotonnen die erste sowjetische Kernwaffe, intern RDS-1 genannt, im Westen später als „Joe 1" bekannt — vier Jahre nach Hiroshima und deutlich früher, als westliche Geheimdienste erwartet hatten. Erst US-Aufklärungsflugzeuge, die radioaktive Spuren in der Atmosphäre über dem Pazifik aufspüren, liefern den Beweis; am 23. September bestätigt Präsident Truman den Test der Weltöffentlichkeit. Das amerikanische Atomwaffenmonopol ist gebrochen, das nukleare Wettrüsten zwischen den Supermächten beginnt und treibt in den USA rasch die Entwicklung einer noch mächtigeren Waffe, der Wasserstoffbombe, voran.

Aus heutiger Sicht

Erst im Februar 1950 fliegt der Spionagering um Klaus Fuchs in Großbritannien auf; seine Aussagen bestätigen, wie entscheidend sein Verrat das sowjetische Bombenprogramm beschleunigt hatte. Das mit „Joe 1" eröffnete nukleare Wettrüsten prägt die kommenden vier Jahrzehnte des Kalten Krieges bis zum Ende der Blockkonfrontation 1989/91.

Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe entsteht

Sowjetische Briefmarke zum 30. Jahrestag des RGW: das Comecon-Gebäude in Moskau mit den Flaggen der Mitgliedsstaaten
Sowjetische Gedenkmarke von 1979 zum 30. Jahrestag des RGW — zeigt das Comecon-Hauptquartier in Moskau und die Flaggen der Mitgliedsstaaten; kein Zeitfoto von 1949 auffindbar (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Als Antwort auf den amerikanischen Marshallplan und die westeuropäische Wirtschaftsorganisation OEEC, die die sowjetische Führung für ihren Machtbereich als Bedrohung wertete, gründen am 25. Januar in Moskau Vertreter der Sowjetunion, Polens, Bulgariens, Rumäniens, Ungarns und der Tschechoslowakei den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), im Westen meist Comecon genannt. Ziel ist eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit der jungen sozialistischen Staaten Osteuropas — Handel, Rohstoffe und Investitionsvorhaben sollen künftig koordiniert statt dem freien Markt überlassen werden. Bereits im Februar tritt Albanien bei. Die noch nicht gegründete DDR bleibt zunächst außen vor; sie wird dem RGW erst im September 1950 beitreten, nachdem sich die sowjetische Besatzungszone im Oktober 1949 zum eigenen Staat konstituiert hat. Mit dem RGW verfestigt sich die wirtschaftliche Spaltung Europas in zwei konkurrierende Blöcke, knappe zwei Monate bevor mit der NATO auch das westliche Militärbündnis entsteht — ein früher Baustein jener Ost-West-Trennung, die sich 1949 in vielen Bereichen zugleich vollzieht.

Irland wird Republik

John A. Costello, irischer Taoiseach, der die Republikserklärung ankündigte (Aufnahme von 1948)
John A. Costello, irischer Taoiseach, der die Republikserklärung ankündigte (Aufnahme von 1948) (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am Ostermontag, dem 18. April — dem 33. Jahrestag des Osteraufstands von 1916 —, tritt der bereits im Dezember 1948 unterzeichnete Republic of Ireland Act in Kraft: Die 26 Grafschaften des irischen Freistaats verlassen offiziell den Commonwealth und konstituieren sich als Republik Irland. Das Gesetz hebt den 1936 geschaffenen External Relations Act auf, mit dem die britische Krone noch formale Vertretungsfunktionen für Irland ausgeübt hatte; an seine Stelle tritt nun ein irischer Präsident mit voller außenpolitischer Vollmacht. In Dublin salutiert man mit einem 21-Schuss-Gruß auf der O'Connell Bridge. London reagiert mit dem Ireland Act 1949, der die neue Republik zwar anerkennt, zugleich aber festschreibt, dass Nordirland nur mit Zustimmung seines eigenen Parlaments aus dem Vereinigten Königreich ausscheiden könne — eine Klarstellung, die die Teilung der Insel auf Jahrzehnte zementiert. Irland ist damit der erste Dominion-Nachfolgestaat, der sich vollständig von der britischen Krone löst, ohne wie Indien im Commonwealth zu verbleiben.

Der Europarat wird gegründet

Tagung des Europarats in Straßburg (Aufnahme von 1967 — kein Zeitfoto der Gründung von 1949 auffindbar)
Tagung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg, hier 1967 mit Bundesminister Willy Brandt — als Symbolfoto für die Gründungsversammlung von 1949 (Bundesarchiv / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Auf Einladung der britischen Regierung unter Winston Churchill unterzeichnen am 5. Mai in London Vertreter von zehn Staaten — Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und dem Vereinigten Königreich — die Satzung des Europarats. Als Sitz der neuen Organisation wird Straßburg gewählt, bewusst als Symbol einer erhofften deutsch-französischen Versöhnung, obwohl das noch besetzte Deutschland selbst nicht Gründungsmitglied ist. Ziel des Europarats ist es, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in Europa zu fördern und engere Zusammenarbeit zwischen den Staaten des Kontinents zu ermöglichen — eine Antwort auf die Erfahrung zweier Weltkriege ebenso wie auf die sich vertiefende Spaltung zwischen Ost und West, die sich in diesem Jahr mit der Gründung von NATO, Bundesrepublik, DDR und RGW in rascher Folge vollzieht. Schon im kommenden Jahr soll in Rom die Europäische Menschenrechtskonvention entstehen, die dem Europarat sein bekanntestes Instrument gibt; die Bundesrepublik selbst wird erst in den fünfziger Jahren als Mitglied aufgenommen.

Orwells Zukunftsroman „1984" erscheint

Der Schutzumschlag der britischen Erstausgabe von George Orwells „Nineteen Eighty-Four", 1949
Der Schutzumschlag der britischen Erstausgabe von George Orwells „Nineteen Eighty-Four", 1949 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In London erscheint am 8. Juni der Roman „Nineteen Eighty-Four" von George Orwell — die deutsche Übersetzung folgt unter dem Titel „1984". Der schwer an Tuberkulose erkrankte Autor hatte den letzten Teil des Manuskripts unter großen Mühen auf der schottischen Insel Jura fertiggestellt; es sollte sein letztes Buch bleiben, er stirbt im Januar 1950. Der Roman schildert den fiktiven Überwachungsstaat Ozeanien, in dem eine allgegenwärtige Partei unter der Führerfigur Big Brother Wahrheit, Sprache und sogar das Denken der Menschen zu kontrollieren sucht; Begriffe wie „Neusprech", „Gedankenverbrechen" und „Big Brother is watching you" gehen rasch in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Zeitgenössische Leser verstehen das Buch zugleich als Warnung vor totalitären Systemen jeder Couleur — vor dem gerade besiegten Nationalsozialismus wie vor dem stalinistischen Sowjetsystem, dessen Einflusssphäre sich in diesem Jahr mit RGW und der Gründung der DDR bis an die Elbe ausweitet. „1984" wird binnen weniger Jahre zu einem der meistgelesenen Bücher des Jahrhunderts.

Aus heutiger Sicht

Wie hellsichtig Orwells Warnung war, zeigt sich in der DDR selbst: Bereits im Februar 1950 gründet die Regierung das Ministerium für Staatssicherheit, dessen flächendeckende Überwachung der eigenen Bevölkerung später oft mit Orwells fiktivem Ozeanien verglichen wird — ein Echo, das der Roman 1949 selbst noch nicht kennen konnte, das sich aber in unmittelbarer Nähe zu Luckenwalde aufbaut.

Die Genfer Konventionen werden erneuert

Unterzeichnung der neuen Genfer Abkommen 1949
Unterzeichnung der neuen Genfer Abkommen 1949 (British Red Cross / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Nach einer diplomatischen Konferenz, die seit dem 21. April in Genf unter Federführung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz getagt hatte, unterzeichnen am 12. August Vertreter zahlreicher Staaten vier überarbeitete Genfer Abkommen zum Schutz von Kriegsopfern. Sie lösen die älteren Abkommen von 1929 ab und ziehen die bitteren Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg: Neben dem Schutz verwundeter und kranker Soldaten im Feld sowie zur See und der Behandlung von Kriegsgefangenen regelt erstmals ein eigenes viertes Abkommen den Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten — eine Antwort auf Massendeportationen, Geiselerschießungen und die systematische Verfolgung von Zivilisten, wie sie der Weltkrieg gerade gezeigt hatte. Die vier Abkommen treten erst am 21. Oktober 1950 nach ausreichender Ratifizierung in Kraft, bilden aber von nun an den Kern des modernen humanitären Völkerrechts und werden bis heute nahezu weltweit anerkannt — ein seltenes Beispiel für internationale Einigkeit inmitten eines Jahres, das ansonsten von der Verhärtung der Blöcke geprägt ist.

Indonesien wird unabhängig

Schlusssitzung der Runden-Tisch-Konferenz im Ridderzaal in Den Haag: Ministerpräsident Willem Drees spricht, 1949
Schlusssitzung der Runden-Tisch-Konferenz im Ridderzaal in Den Haag: Ministerpräsident Willem Drees spricht, 1949 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Vier Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung von Sukarno und Mohammad Hatta am 17. August 1945 und nach einem verlustreichen Kolonialkrieg übertragen die Niederlande auf einer Round-Table-Konferenz in Den Haag am 27. Dezember die Souveränität an die neue Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien. Die niederländische Regierung unter Ministerpräsident Willem Drees hatte sich dem Druck der amerikanischen Regierung Trumans und einer Resolution des UN-Sicherheitsrats gebeugt, nachdem zwei „Polizeiaktionen" genannte Militäroffensiven den Widerstand der Republikaner nicht hatten brechen können. Sukarno wird erster Präsident des neuen Staates mit rund 80 Millionen Einwohnern, einem der bevölkerungsreichsten der Erde. Ausgenommen bleibt zunächst Niederländisch-Neuguinea, das die Niederlande gegen indonesischen Widerspruch bis 1962 behalten. Der Indonesische Unabhängigkeitskrieg gilt als einer der ersten erfolgreichen Dekolonisierungskonflikte Asiens nach 1945 und weist damit — neben der Gründung der Volksrepublik China im selben Jahr — auf jene Verschiebung der Weltordnung hin, die den europäischen Kolonialmächten in den kommenden Jahrzehnten weite Teile ihrer Imperien kosten wird.

Goethejahr 1949: Frankfurt und Weimar feiern gemeinsam

Goethe-Porträt von Joseph Karl Stieler, 1828
Goethe-Porträt von Joseph Karl Stieler, 1828 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Zum 200. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes feiern beide deutschen Teile gemeinsam — eine der letzten kulturellen Klammern über die sich vollziehende Teilung hinweg. Höhepunkt ist der Auftritt Thomas Manns: Der Schriftsteller, seit 1933 im Exil, betritt am 25. Juli in der Frankfurter Paulskirche erstmals seit 16 Jahren wieder deutschen Boden und hält seine „Ansprache im Goethejahr" — er kenne, betont er, „keine Zonen", seine Reise gelte „Deutschland als Ganzem". Wenig später hält er dieselbe Rede noch einmal in Weimar, wo er den Goethepreis der Stadt entgegennimmt — und erntet damit scharfe Kritik von Emigranten und westdeutschen Konservativen, die ihm den Auftritt im sowjetisch besetzten Weimar als Verrat auslegen. Frankfurt und Weimar, die beiden Städte, in denen 1949 auch je einer der neuen deutschen Staaten seine ersten Institutionen aufbaut, werden so zu Symbolorten eines Goethejahres, das die deutsche Kultur noch einmal ungeteilt zeigt, während die Politik längst getrennte Wege geht.

Hideki Yukawa erhält als erster Japaner den Nobelpreis

Hideki Yukawa, Aufnahme von 1949
Hideki Yukawa, Aufnahme von 1949 (Asahi Shinbun / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am 10. Dezember nimmt der japanische Physiker Hideki Yukawa in Stockholm den Nobelpreis für Physik entgegen — „für seine Vorhersage der Existenz von Mesonen auf der Grundlage theoretischer Arbeiten über die Kernkräfte", wie es in der Begründung heißt. Bereits 1935, mit gerade 27 Jahren, hatte Yukawa jenes Teilchen postuliert, das die starke Kernkraft zwischen Protonen und Neutronen vermittelt — eine Vorhersage, die erst Jahre später experimentell bestätigt wurde. Yukawa ist der erste Japaner überhaupt, der einen Nobelpreis erhält — nur vier Jahre nach Hiroshima und Nagasaki ein Achtungserfolg für ein Land, dessen Wissenschaft international noch immer unter dem Schatten des verlorenen Krieges steht, und ein Silberstreif in einem Jahr, das andernorts vom Wettlauf um immer mächtigere Waffen geprägt ist.

Bonn schlägt Frankfurt: Das „Bundesdorf" wird Hauptstadt

Der Plenarsaal des Bonner Bundeshauses, hier bei einer Sitzung 1952
Der Plenarsaal des Bonner Bundeshauses, hier bei einer Sitzung 1952 — kein Zeitfoto von 1949 auffindbar (Bundesarchiv, B 145 Bild-F091457-0002 / Georg Munker / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Noch bevor das Grundgesetz überhaupt in Kraft tritt, muss der Parlamentarische Rat eine denkbar unglamouröse Frage klären: Wo soll der vorläufige Sitz der neuen Bundesorgane liegen? Favorit der öffentlichen Meinung ist lange Frankfurt am Main, das mit der Paulskirche bereits über demokratische Tradition und mit der Frankfurter Wirtschaftsverwaltung über politische Infrastruktur verfügt. Am 10. Mai votiert der Rat in geheimer Abstimmung jedoch denkbar knapp mit 33 zu 29 Stimmen für das beschauliche Bonn — Konrad Adenauers Wahlheimat am Rhein, das Spötter fortan das „Bundesdorf" nennen. Ausschlaggebend sind wohl weniger Sachargumente als die Sorge mancher Delegierter, ein zu attraktives Frankfurt könnte die Vorläufigkeit der Bundesrepublik untergraben und die Hoffnung auf ein wiedervereinigtes Berlin als Hauptstadt schmälern. Am 3. November bestätigt der inzwischen gewählte Bundestag die Entscheidung — wieder nur knapp, mit 200 zu 176 Stimmen. Bonn, vor dem Krieg eine beschauliche Universitätsstadt mit rund 100.000 Einwohnern, wird damit über Nacht zum Regierungssitz einer Republik von fast 50 Millionen Menschen.

15 · Der „Trizonesien-Song" wird zum heimlichen Schlager der Westzonen

Wandgemälde zu Ehren Karl Berbuers an seinem früheren Wohnhaus in Köln Wandgemälde zu Ehren Karl Berbuers an seinem früheren Wohnhaus in Köln (Raimond Spekking / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Der Kölner Bäcker und Karnevalskomponist Karl Berbuer hatte die Idee schon 1947 in einem Lokal nahe dem Kölner Dom, als jemand über die amerikanisch-britische „Bizone" scherzte; nach dem Beitritt der französischen Zone dichtet Berbuer daraus „Trizonesien". Am 11. November 1948 stellt er den „Trizonesien-Song" erstmals vor, am 17. Dezember 1948 erscheint er offiziell im Druck — doch zum Ohrwurm der Westzonen wird das Lied erst im Gründungsjahr 1949, als Millionen Westdeutsche zwischen Grundgesetz, Bundestagswahl und Kanzlerwahl plötzlich einen Staat besitzen, für den es noch keine Nationalhymne gibt. Mit gespielter Naivität besingt der Text die „Eingeborenen von Trizonesien" und ihre Sehnsucht nach „Bananen": eine selbstironische Antwort auf die alliierte Besatzung, die dem jungen Staatswesen mit Humor begegnet, wo Politiker noch nach Pathos suchen. In Kölner Karnevalssitzungen und westdeutschen Rundfunkanstalten avanciert der Schlager zur inoffiziellen Hymne der Bundesrepublik vor der Bundesrepublik — ein Kuriosum, das die Unfertigkeit des neuen Staates treffender einfängt als jede Regierungserklärung.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • Beobachter verknüpfen das Ende der Berlin-Blockade und den sowjetischen Atombombentest zu einem „Gleichgewicht des Schreckens", das sich 1949 erst abzuzeichnen beginnt.
  • In Ost-Berlin gibt Bertolt Brecht mit dem Berliner Ensemble sein Debüt am Deutschen Theater — ein Kulturzeichen der jungen DDR.
  • Für die Bewohner der Mark Brandenburg bedeutet das Jahr vor allem eines: Aus Kriegs- und Besatzungszeit wird endgültig ein eigener, sozialistisch regierter deutscher Staat — mit ungewisser Zukunft für Land und Landkreise.
  • In Paris erscheint Simone de Beauvoirs Das andere Geschlecht — ein Grundlagenwerk der modernen Frauenbewegung, das weit über Frankreich hinaus wirkt.
  • Am 12. September wählt die erste Bundesversammlung Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten der jungen Bundesrepublik.
  • Mit der Gründung der DDR beginnt auch in Luckenwalde die schrittweise Umwandlung traditionsreicher Betriebe der Tuchindustrie in Volkseigene Betriebe (VEB) — ein Wandel, der die Kreisstadt in den kommenden Jahren prägen wird.
  • In Berlin erfindet Herta Heuwer an ihrem Imbissstand die Currywurst — eine Kreation aus Ketchup, Worcestersauce und Curry-Pulver, die zum Klassiker der deutschen Imbissküche wird.
  • Der niederländische Importeur Ben Pon verschifft die ersten VW-Käfer in die USA und zeigt sie auf der Deutschen Industrieausstellung in New York — der bescheidene Auftakt zum späteren Exporterfolg des Wolfsburger Werks.
  • In Herzogenaurach meldet Adolf „Adi" Dassler sein Sportartikel­unternehmen adidas ins Handelsregister ein — nach dem Zerwürfnis mit seinem Bruder Rudolf, der in derselben Stadt mit Puma einen Konkurrenten aufbaut.

WIRTSCHAFT · 1949

Das Jahr der doppelten Staatsgründung ist auch ein Jahr zweier Wirtschaftsordnungen, die sich zusehends auseinanderentwickeln. In den Westzonen festigt sich seit der Währungsreform vom Juni 1948 die Deutsche Mark als Grundlage eines langsam anziehenden Wiederaufbaus, getragen von Marshallplan-Hilfen und ersten Lockerungen der Bewirtschaftung. In der SBZ gilt seit derselben Reform die eigene Deutsche Mark der Deutschen Notenbank — im Volksmund weiterhin schlicht „Mark" genannt. Hier bleibt die Mangelwirtschaft prägend: Zwar löst die im Februar gegründete und im April per SMAD-Befehl 124 deutlich ausgeweitete Handelsorganisation (HO) die alten Bezugsscheinläden teilweise ab und bietet Waren ohne Marken an — allerdings zu deutlich höheren, freien Preisen neben den weiterhin rationierten Einheitsverkaufspreisen (EVP). Der im Sommer verkündete Zweijahrplan soll die Industrieproduktion der SBZ bis Ende 1950 über das Vorkriegsniveau heben und damit die wirtschaftliche Grundlage für den im Herbst gegründeten eigenen Staat legen. Nach Angaben der amtlichen Statistik verdient ein Beschäftigter 1949 in der SBZ/DDR im Schnitt rund 290 Mark im Monat, im Westen liegt der Durchschnittsverdienst bei rund 237 DM — beide Zahlen sind wegen unterschiedlicher Preis- und Versorgungslagen nur bedingt vergleichbar.

Der Preisspiegel (Luckenwalde/SBZ-DDR in Mark; Vergleichswerte Westzonen in DM, dort mangels genauer 1949er Zahlen teils nach den nächsten verlässlich überlieferten Werten von 1950):

  • Durchschnittslohn (Monat) — rund 290 Mark (West: rund 237 DM)
  • Butter (500 g), HO-Freiverkauf ohne Marken — rund 2,50 Mark
  • Brötchen (Stück) — 5 Pfennig, ein über Jahre stabiler Preis
  • Milch (1 l) — West: 37 Pfennig (1950)
  • Brot (1 kg) — West: rund 48 Pfennig (1950)
  • Eier (Stück) — West: rund 13 Pfennig (1950)

STIMMEN DER PRESSE · 1949

Die Presselandschaft ist in diesem Jahr so geteilt wie das Land selbst: Im Westen berichten lizenzierte, redaktionell unabhängige Blätter wie die Frankfurter Rundschau, die Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit kontrovers über Grundgesetz und Kanzlerwahl; im Osten geben SED-nahe, sowjetisch lizenzierte Zeitungen wie Neues Deutschland und die Tägliche Rundschau die Sprachregelung der Staatspartei wieder, sodass sich aus ihnen kaum eine unabhängige „Pressestimme" im eigentlichen Sinn gewinnen lässt. Ein Beleg aus dem Westen, der die Stimmung nach Adenauers denkbar knapper Wahl zum ersten Bundeskanzler am 15. September gut trifft:

„Noch ein solcher Sieg und ich bin verloren." — Frankfurter Rundschau, September 1949

Die Zeitung greift damit den Ausspruch des antiken Königs Pyrrhus auf, um die hauchdünne Mehrheit von nur einer Stimme zu kommentieren, mit der Adenauer sich selbst zum Kanzler wählt. Eine belastbare, wörtlich dokumentierte zweite Stimme — insbesondere aus der Ost-Presse zur Gründung der DDR — ließ sich trotz umfangreicher Recherche nicht auffinden; Regierungserklärungen und Reden, wie sie zu diesem Anlass reichlich überliefert sind, zählen nicht als Pressestimme.

SPORT · 1949

Mit der doppelten Staatsgründung beginnt auch im Sport die deutsche Zweiteilung: In der SBZ/DDR entstehen unter Aufsicht der Staats- und Parteiorgane erste zentrale Sportstrukturen, in denen Betriebssportgemeinschaften an die Stelle traditioneller bürgerlicher Vereine treten sollen. Im Westen ist der 1945 aufgelöste Deutsche Fußball-Bund noch nicht neu gegründet; an seiner Stelle ermitteln die Landes- und Oberligen weiter eigene Meister, ehe die Verbände die Neugründung eines gesamtdeutschen Fußballverbandes vorbereiten, die erst im kommenden Jahr in Stuttgart besiegelt wird. Höhepunkt der Saison ist gleichwohl die Deutsche Meisterschaft: Am 10. Juli, dem Tag nach dem Hitzerekord des Jahres, bezwingt der VfR Mannheim im Stuttgarter Neckarstadion vor rund 92.000 Zuschauern Borussia Dortmund nach Verlängerung mit 3:2 und wird zum ersten Mal Deutscher Fußballmeister. Auch in Luckenwalde ordnen sich die Vereine neu, während der Sport zunehmend zum Aushängeschild des jeweiligen politischen Systems wird.

MODE · 1949

Im Westen setzt sich der New Look weiter durch, den Christian Dior 1947 in Paris lanciert hatte: schmale, betonte Taille, gepolsterte Hüften und weit schwingende, wadenlange Röcke — ein bewusster Bruch mit der knappen, schulterbetonten „Utility"-Mode der Kriegsjahre, der zunächst wegen des hohen Stoffverbrauchs auch Kritik erntet. In Westdeutschland verbreiten Zeitschriften wie die neu gegründete Constanze und Schnittmusterhefte wie Burda den Stil, doch Stoffknappheit und schmale Kassen bremsen die Umsetzung im Alltag. In der SBZ beginnt mit der Gründung der DDR im Herbst auch modisch ein eigener Weg: Schnittmuster und Zeitschriften orientieren sich noch stark an westlichen Vorbildern, angesichts anhaltenden Mangels an Textilien bleibt praktische, robuste Kleidung aber die Regel — auch die Wollweberei in Luckenwalde, traditionell ein Zentrum der deutschen Tuchindustrie, arbeitet unter den Bedingungen knapper Rohstoffe weiter. Von Wespentaillen und schwingenden Röcken, wie sie Paris vorgibt, ist man in Luckenwalde noch weit entfernt.

KINO & FUNK · 1949

Auch auf der Leinwand zeigt sich die deutsche Zweiteilung. Im Osten bringt die DEFA am 16. September Wolfgang Staudtes Film „Rotation" in die Kinos — die Geschichte eines Familienvaters, der sich mit dem NS-Regime arrangiert, bis ihn sein eigener, im Jungvolk radikalisierter Sohn denunziert; ein hartes, unbequemes Stück Vergangenheitsbewältigung, das die Verstrickung „kleiner Leute" in die NS-Diktatur zeigt. Im Westen avanciert Harald Brauns Melodram „Nachtwache", uraufgeführt am 21. Oktober, zu einem der größten Kinoerfolge der jungen Bundesrepublik mit rund zehn Millionen Zuschauern — ein Zeichen, wie hungrig das Publikum nach Ablenkung und großen Gefühlen ist. Im Hörfunk bleibt der RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) mit seinem Motto „Eine freie Stimme der freien Welt" die wichtigste Stimme über die Zonengrenze hinweg und richtet sich programmatisch auch an Hörer in der SBZ; die Landesrundfunkanstalten der Westzonen, allen voran der NWDR, bauen ihr Programm derweil zu den föderalen Sendern aus, die später zur ARD zusammenfinden. Für Unterhaltung sorgt neben Kino und Radio nicht zuletzt der „Trizonesien-Song", der in diesem Jahr aus den Lautsprechern der Westzonen kaum wegzudenken ist.

GESTORBEN · 1949

  • Victor Fleming (59), US-Regisseur („Vom Winde verweht", „Der Zauberer von Oz") — 6. Januar, Cottonwood, Arizona.
  • Maurice Maeterlinck (86), belgischer Dichter, Literaturnobelpreisträger 1911 — 6. Mai, Nizza.
  • Sigrid Undset (67), norwegische Schriftstellerin, Literaturnobel­preisträgerin 1928 — 10. Juni, Lillehammer.
  • Margaret Mitchell (48), US-Schriftstellerin („Vom Winde verweht") — 16. August, Atlanta, an den Folgen eines Verkehrsunfalls.
  • Richard Strauss (85), deutscher Komponist („Der Rosenkavalier", „Also sprach Zarathustra") — 8. September, Garmisch-Partenkirchen.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1949

  • Erste Frankfurter Buchmesse der Nachkriegszeit (September, Paulskirche). Über 200 Aussteller und 14.000 Besucher legen den Grundstein für die später weltweit bedeutendste Buchmesse.
  • Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Oktober, München). 16 Einzelgewerkschaften vereinigen sich unter ihrem ersten Vorsitzenden Hans Böckler zum DGB — ein sozialer Neuanfang nach der Zerschlagung der Gewerkschaften 1933.
  • Friedensnobelpreis für Lord Boyd Orr (10. Dezember 1949). Der Schotte, erster Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO, wird für seinen Einsatz gegen den Welthunger geehrt — ein Zeichen der Hoffnung inmitten des beginnenden Kalten Krieges.
  • Fausto Coppi als erster Doppelsieger (Juli 1949). Der Italiener gewinnt als erster Radprofi überhaupt Giro d'Italia und Tour de France im selben Jahr — eine sportliche Sensation, die ganz Europa begeistert.
  • Wiederaufbau des Bahnknotens Luckenwalde (1949). Nach Kriegsschäden verkehren auf der Strecke Berlin–Halle durch Luckenwalde wieder durchgehende Fernzüge — ein sichtbares Zeichen des Wiederaufbaus südlich Berlins.

DAS WETTER · 1949 in der Mark

An diesem 13. Juli war es in der Mark ein heißer Hochsommertag: Höchstwert 30,2 °C, in der Nacht 16,5 °C; kein Tropfen Regen fiel, die Sonne zeigte sich rund 14,8 Stunden.

Das Jahr über: Im Mittel 9,8 °C — gut 1,0 Grad über dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 35 °C am 8. August, kältester −12 °C am 8. März. 11 Hitzetage (≥30 °C), 7 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 510 mm.

Ein warmes, trockenes Jahr (Jahresmittel 9,8 °C) mit einem heißen Geburtstag von über 30 °C.

(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1949

Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.

  1. Von den blauen Bergen kommen wir — Goldy und Peter de Vries
  2. Capri-Fischer — Rudi Schuricke
  3. Abends in Napoli — Rudi Schuricke
  4. Auf Wiederseh'n — Rudi Schuricke
  5. Das kommt mir spanisch vor — Johannes Heesters
  6. Tausendmal möcht' ich dich küssen — Johannes Heesters
  7. Schau mich bitte nicht so an (La Vie en Rose) — Detlev Lais
  8. Der dritte Mann — Anton Karas
  9. Maria aus Bahia — Danielle Mag und René Carol
  10. Wer soll das bezahlen — Jupp Schmitz
  11. Schnürlregen — Lieselotte Hösl
  12. Im Hafen von Adano — Lonny Kellner und René Carol
  13. Am Zuckerhut — Danielle Mag, Willy Schneider und René Carol
  14. Mr. Moneymaker — Helga Wille und die Nicolets
  15. Riders in the Sky — Vaughn Monroe & His Orchestra
  16. Der Theodor im Fußballtor — Theo Lingen
  17. Trizonesien-Song — Karl Berbuer
  18. Wunschballade — Bully Buhlan
  19. Lili Marleen — Lale Andersen
  20. Buttons and Bows — Dinah Shore

Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.

Lokalteil Kiel / Schleswig-Holstein

Sprengungen am Ostufer: Die Germaniawerft wird zerstört

Hellinge der Germaniawerft in Kiel
Sprengung an den Hellingen der Germaniawerft (Hermann Nafzger, Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 de)

Am Ostufer wird gesprengt. Seit dem 28. Februar legen die Sprengtrupps Kaianlagen, Hafenbecken, Hellinge, Kräne und Docks der Friedrich Krupp Germaniawerft in Trümmer oder machen sie unbrauchbar; am 10. März fällt das Stahlgerüst von Helling 6. Auf den Deutschen Werken folgt am 15. Juli die Sprengung der Helgen I bis III.

Die Militärregierung hatte den Zerstörungs- und Demontageplan am 5. November 1948 bekannt gegeben. Im Dezember kam es in Kiel zu großen Protesten und Streiks, an der Spitze Oberbürgermeister Andreas Gayk, Bürgermeister Jeschke und Landtagspräsident Ratz. Die Demonstranten wandten sich überwiegend nicht gegen die Demontage von Rüstungsanlagen. Sie forderten, Anlagen für eine Friedensindustrie und damit Arbeitsplätze zu erhalten. Auf den Werften in Gaarden-Ost hatten zu Zeiten der Höchstproduktion bis zu 60.000 Menschen gearbeitet.

Gayk wandte sich in seiner Verzweiflung schriftlich an die Labour-Fraktion im britischen Parlament. Die Verhandlungen bringen immerhin eine Änderung des Plans: 18 Gebäude werden aus ihm herausgenommen, und von den geplanten 3.700 Metern Kaimauer, die zerstört werden sollten, bleiben 915 Meter erhalten.

Aus heutiger Sicht

Die Briten verstanden die Sprengungen als Entmilitarisierung, die Kieler sahen den Verlust von Industrie und Arbeitsplätzen in einer Stadt, in die zugleich Flüchtlinge strömten. Die Sprengungen dauerten bis zum 5. Mai 1950, das Ostufer wurde am 20. September 1950 freigegeben. Die Germaniawerft wurde nicht wiederbelebt und 1963 endgültig liquidiert; auf dem Hellingareal entstand später der Norwegenkai.

Kieler Woche wieder als Segelregatta und Volksfest

Kogge aus Blüten im Schaufenster
Kogge aus 13.000 Blüten, Beitrag zum Schaufensterwettbewerb der Kieler Woche, Juni 1949 (Georg Gasch, Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 de)

Vom 19. bis 26. Juni verbindet die Kieler Woche zum ersten Mal nach dem Krieg wieder Segelregatta und Volksfest. Oberbürgermeister Andreas Gayk, der schon im April 1947 die Gesellschaft der Freunde Coventrys gegründet hat, hat die Woche wieder angestoßen. Vorläufer waren die Festwochen „Kiel im Aufbau“, die die Stadtvertretung im September 1947 und im September 1948 veranstaltet hatte; nun soll die Segelveranstaltung mit Kulturprogramm sowie Jugend- und Volksfest zusammengehen.

Im Schaufensterwettbewerb der Woche erhält das Geschäft Blumen Muth den ersten Preis für eine Kogge aus 13.000 Blüten.

Brookmann gewinnt den Kieler Wahlkreis, Diekmann löst Lüdemann ab

Bei der ersten Bundestagswahl am 14. August gewinnt im Wahlkreis Kiel Walter Brookmann von der CDU das Direktmandat. Er kommt auf 52,9 Prozent der Stimmen. Der Wahlkreis umfasst Kiel ohne die Stimmbezirke 23 und 26 bis 42. Brookmann, geboren 1901 in Rostock, war von 1927 bis 1931 Generalsekretär der DVP, gehört seit 1946 der CDU an und war von August 1946 bis Oktober 1949 deren Generalsekretär in Schleswig-Holstein.

Im Land verliert die SPD stark. Ein Teil der Partei lastet es Ministerpräsident Hermann Lüdemann persönlich an; er war seit dem 29. April 1947 im Amt. Lüdemann tritt zurück, und der Landtag wählt am 29. August Bruno Diekmann zu seinem Nachfolger. Diekmann, 1897 in Kiel geboren und seit 1919 in der SPD, sitzt seit 1946 im Landtag. Er war vom 12. Juni 1946 bis zum 6. August 1948 Wirtschafts- und Verkehrsminister und seit dem 2. Februar 1948 stellvertretender Ministerpräsident sowie Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter Lüdemann.

Die SPD hat im Landtag seit der Wahl von 1947, bei der sie 43,8 Prozent der Stimmen und 43 der 70 Sitze erhielt, die absolute Mehrheit der Sitze. Der Wechsel an der Regierungsspitze vollzieht sich deshalb innerhalb der Partei, ohne neue Mehrheiten.

Die „Winterhude“ geht zum Abwracken nach Hamburg

Dreimastbark Winterhude in Kiel
Dreimastbark „Winterhude“ in Kiel, Aufnahme vom Februar 1949 (Gerhardt Fabritz, Stadtarchiv Kiel, CC BY 3.0)

Nach vier Jahren an der Blücherbrücke verlässt die Dreimastbark „Winterhude“ am 4. November Kiel. Sie wird durch den Kanal nach Hamburg gebracht und dort abgewrackt.

Gebaut wurde das Schiff 1898 bei Rickmers in Bremerhaven als Dreimast-Vollschiff „Mabel Rickmers“ mit Stahlrumpf und Stahlmasten; den Namen „Winterhude“ trägt es seit 1912. 1909 wurde es zur Bark umgeriggt. Es fuhr nach Ostindien und brachte Petroleum und Reis, im Ersten Weltkrieg lag es in Chile interniert, danach wechselten die Reedereien. 1939 diente es in Stavanger als Getreidelager, 1944 in Kopenhagen als Hulk, und von 1945 an lag es in Kiel.

Die DP-Lager in Eckernförde werden aufgelöst

Bis zum Dezember werden in Eckernförde die Lager für „Displaced Persons“ aufgelöst. Die britische Militärverwaltung hatte sie nach Kriegsende eingerichtet; das Lager führte die Verwaltungsnummer 1206 und bestand aus mehreren Teillagern. In der Stadt hießen sie Craigie, Estonia, Louisenberg, Noor und Rendsburger Straße. Ein weiteres Teillager lag in Windeby vor der Stadtgrenze, ein anderes in Klein Wittensee. Zuletzt bestanden nur noch drei der Teillager.

1947 lebten über 2.500 Displaced Persons in diesem Lager. In den Monaten um das Kriegsende hatte die von Bomben nahezu verschonte Stadt zudem mehr als 10.000 Flüchtlinge aus den Ostgebieten aufgenommen. Wohnraum war knapp.

Betreut wurde das Lager anfangs von einem Team der UNRRA; seit 1947 lag die Fürsorge für die Displaced Persons bei deren Nachfolgerin, der Internationalen Flüchtlingsorganisation IRO.

KURZ NOTIERT · Kiel 1949

  • 13. Januar — Kapitän Ludwig Schlimbach stirbt, der Kieler Hochsee- und Atlantik-Einhandsegler. Den Kronenkompass, den ihm die Stadt Kiel 1937 verliehen hat, vermacht er als Ehrenpreis für Hochseesegler.
  • 16. Januar — Die Pauluskirche am Niemannsweg, die frühere Marine-Garnisonkirche, wird nach der provisorischen Beseitigung der Kriegsschäden wieder eingeweiht.
  • 11. Februar — Die Umbenennung des südlichen Forstweges in Wilhelm-Spiegel-Weg wird rückgängig gemacht. Am selben Tag wird die Wohnungsbaugenossenschaft Heimat-Siedlungsbau „Grünes Herz“ eG gegründet.
  • 24. April — Grundsteinlegung der Vicelinkirche, der ersten Kieler Kirche, die nach dem Krieg neu gebaut wird; sie entsteht mit Unterstützung der amerikanischen Sektion des Lutherischen Weltbunds.
  • 16. Mai — Vor dem Entnazifizierungsausschuss beginnt das Verfahren gegen den früheren Oberbürgermeister Walter Behrens, von 1932 an NSDAP-Kreisleiter in Kiel und von 1933 bis Mai 1945 Oberbürgermeister.
  • 9. Juni — Britische Truppen paradieren am Hindenburgufer zum „offiziellen Geburtstag“ König Georgs VI. Am selben Tag erhält der Heinrich-Zille-Platz seinen Namen.
  • 1. September — Die Kieler Nachrichten erscheinen als einzige Zeitung der Stadt jetzt an jedem Werktag, bisher dreimal wöchentlich.
  • 13. Dezember — Der Landtag nimmt die Landessatzung für Schleswig-Holstein mit den Stimmen der 42 SPD-Abgeordneten an; die CDU hatte sich den Beratungen verweigert. Innenminister Käber hatte den Entwurf am 24. Oktober vorgelegt, die Ausschüsse berieten vom 8. November bis zum 6. Dezember.

RUND UM DIE FÖRDE · 1949

  • Oktober, Jägerslust (Felde) — Die letzten polnischen Displaced Persons des Lagers Jägerslust im Kreis Rendsburg ziehen in weiter bestehende DP-Lager in Lübeck, Rendsburg und Pinneberg um; seit Juni 1945 hatte das Lager ein eigenes Schulzentrum vom Kindergarten bis zu Abiturkursen.
  • Herbst, Lütjenburg — Heimatvertriebene aus Ostpreußen gründen in der Stadt eine kleine Gemeinde der Zeugen Jehovas.

SPORT AN DER FÖRDE · 1949

  • Leichtathletik — Karl Kohlhoff von Holstein Kiel wird bei den Deutschen Meisterschaften am 6. und 7. August im Bremer Weserstadion Deutscher Meister über 400 Meter Hürden. Er läuft 55,7 Sekunden und liegt damit vor Heinz Bockelbrinck vom OSV Hörde mit 56,2 Sekunden. Im Hochsprung wird Hermann Nacke vom Polizei SV Kiel mit 1,97 Metern Deutscher Meister.
  • Holstein Kiel — Nach dem Ausschluss im Vorjahr aus der Oberliga Nord (der Verein hatte Willi Hamann trotz Wechselsperre eingesetzt) bestritt der Verein ein dreiviertel Jahr lang nur Freundschaftsspiele. Weil die Oberliga Nord zur Saison 1949/50 von 13 auf 16 Mannschaften aufgestockt wird, spielt Holstein seit dem Sommer wieder in der Oberliga. Im Oktober stirbt Ernst Föge, Präsident des Vereins von 1921 bis 1930 und von 1948 bis 1949.
  • THW Kiel — Im Feldhandball setzt sich der THW in der Schleswig-Holstein-Liga ohne Punktverlust durch. Das Finale der Nordmeisterschaft verliert er 3:10 gegen den SV Polizei Hamburg, In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gewinnt er am 29. Mai beim Berliner SV 1892 mit 9:7 und scheitert am 12. Juni im Halbfinale in Kiel vor 10.000 Zuschauern mit 5:6 erneut an den Hamburgern.
  • Schwimmen — Am 28. August finden die Deutschen Meeres-Meisterschaften zum ersten Mal in der Kieler Förde statt, bisher waren sie im Seebad Zoppot bei Danzig.
  • Radsport — Am 4. September wird zum ersten Mal das Lutherstraßen-Radrennen gefahren.

DAS WETTER · 1949 in Kiel

An diesem 13. Juli war es an der Förde ein warmer, trockener Julitag: Höchstwert 23,2 °C, Tiefstwert 13,0 °C, Tagesmittel 18,8 °C. Es fiel kein Regen (0,0 mm), die Sonne schien rund 14,0 Stunden.

Das Jahr über: Im Mittel 9,7 °C. Wärmster Tag 29,5 °C am 6. September, kältester Tiefstwert −5,7 °C am 8. März. Kein Hitzetag (≥30 °C), 8 Sommertage (≥25 °C), 6 Eistage (Dauerfrost) und 40 Frosttage. Jahresniederschlag 798 mm, Sonnenscheindauer 1957 Stunden.

(Messwerte der DWD-Station Kiel-Kronshagen. Quelle: DWD Climate Data Center.)