DER CHRONIST
Ein Jahr der Grenzziehungen und der Systemkonkurrenz: Im Osten Deutschlands festigt sich der neue Staat mit Wahl, Geheimpolizei und Grenzvertrag, während Frankreich und die Bundesrepublik mit dem Schuman-Plan den ersten Schritt zu einem geeinten Westeuropa wagen. In Fernost unterbricht der Koreakrieg jäh den Kalten Krieg und wird zum ersten heißen Stellvertreterkonflikt zwischen den Blöcken, während Moskau und Peking sich im selben Monat zu einem Bündnis der „Bruderstaaten" zusammenschließen und die Volksbefreiungsarmee auch in Tibet einmarschiert. In Washington entfesselt Senator McCarthy mit unbelegten Vorwürfen eine Welle der Kommunistenjagd, während die Verhaftung des Atomspions Klaus Fuchs die Fährte zu den Rosenbergs offenlegt und ein Attentat auf Präsident Truman nur knapp scheitert. Und in Neu-Delhi tritt mit der indischen Verfassung die junge Republik des bevölkerungsreichsten demokratischen Landes der Erde in Kraft. Ein Jahr, das zeigt: Die Welt teilt sich neu — in Blöcke, in Gewissheiten und in Feindbilder, deren Schatten noch Jahrzehnte reichen sollten.
Nordkoreanische Truppen überrennen den Süden — der Koreakrieg beginnt

Seit der japanischen Kapitulation 1945 ist Korea entlang des 38. Breitengrads in eine sowjetische und eine amerikanische Besatzungszone geteilt — im Norden regiert der von Moskau geförderte frühere Partisanenkämpfer Kim Il-sung, im Süden der amerikatreue Syngman Rhee. Beide Regime beanspruchen die Herrschaft über ganz Korea, an der Demarkationslinie kommt es schon vor 1950 immer wieder zu bewaffneten Zwischenfällen. In den frühen Morgenstunden des 25. Juni überschreiten Truppen der kommunistischen Demokratischen Volksrepublik Korea die innerkoreanische Grenze und stoßen mit sowjetischen Panzern des Typs T-34 tief in den Süden vor — die südkoreanische Hauptstadt Seoul fällt binnen drei Tagen, am 28. Juni. Der UN-Sicherheitsrat, in dem die Sowjetunion wegen eines Boykotts nicht vertreten ist, verurteilt den Angriff noch am selben Tag und mandatiert ein internationales Truppenkontingent unter US-General Douglas MacArthur. Die nordkoreanischen Truppen drängen die südkoreanischen und amerikanischen Verbände bis in einen kleinen Brückenkopf um Busan zurück, ehe MacArthur mit einer riskanten amphibischen Landung bei Incheon am 15. September die Wende erzwingt: UN- und südkoreanische Truppen stoßen bis an den Grenzfluss Jalu vor. Am 19. Oktober überschreitet daraufhin die chinesische „Volksfreiwilligenarmee" unter Marschall Peng Dehuai in aller Heimlichkeit den Jalu, um das kommunistische Nordkorea zu retten; Ende November zwingt eine chinesische Großoffensive die UN-Truppen zum Rückzug und erobert Pjöngjang zurück. Der Krieg wird zum ersten „heißen" Stellvertreterkonflikt des Kalten Krieges — und zur Mahnung, dass die Teilung Deutschlands jederzeit ähnlich eskalieren könnte; in der jungen DDR wie in der Bundesrepublik wächst die Furcht vor einem Übergreifen des Konflikts auf die eigene, ebenso entlang einer Demarkationslinie geteilte Nation. Der Krieg sollte, mit wechselnden Frontverläufen um den 38. Breitengrad, bis zum Waffenstillstand von 1953 andauern und Millionen Tote fordern.
Die DDR gründet ihr Ministerium für Staatssicherheit

Vorläufer war seit 1949 die „Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft" sowie das berüchtigte Kommissariat 5 (K 5) der Kriminalpolizei, die bereits politische Verfolgung betrieben — nun bündelt die junge DDR diese Aufgaben in einer eigenständigen Behörde. Am 8. Februar bestätigt die Volkskammer einstimmig das Gesetz zur Errichtung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), das am 21. Februar in Kraft tritt. Aufgebaut unter Anleitung sowjetischer Berater nach dem Vorbild der Geheimpolizei der UdSSR, untersteht das Ministerium keinerlei Kontrolle durch Parlament oder Ministerrat — eine Aufsicht ist im Gesetzestext schlicht nicht vorgesehen. An die Spitze wird am 16. Februar der frühere Spanienkämpfer Wilhelm Zaisser berufen, sein Stellvertreter im Rang eines Staatssekretärs heißt Erich Mielke, der das Haus später, ab 1957, für mehr als drei Jahrzehnte selbst führen wird. Als Geheimdienst und geheime Polizei in einem wird das MfS binnen weniger Jahre zum zentralen Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument der SED — schon bis Jahresende zählt es rund 2.700 Mitarbeiter, organisiert in Hauptabteilungen für Auslandsspionage, Bespitzelung der eigenen Bevölkerung und Bekämpfung „staatsfeindlicher" Umtriebe, ergänzt um Bezirksverwaltungen, die in den Folgejahren auch in Brandenburg aufgebaut werden. Auch in der Mark, wo sich die junge Republik gerade erst verwaltungsmäßig einrichtet, beginnt damit eine engmaschige Überwachung von Betrieben, Kirchen und Nachbarschaften, die Jahrzehnte prägen wird — bis zur Auflösung des MfS im Zuge der Friedlichen Revolution 1989/90.
Görlitzer Abkommen — die DDR erkennt die Oder-Neiße-Grenze an

Die Oder-Neiße-Linie war auf der Potsdamer Konferenz 1945 zunächst nur als vorläufige, unter Vorbehalt eines späteren Friedensvertrags stehende Verwaltungsgrenze festgelegt worden — Millionen Deutsche aus Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern und Ostpreußen waren im Zuge von Flucht und Vertreibung bereits nach Westen gegangen, viele von ihnen fanden Zuflucht in der Mark Brandenburg. Bereits am 6. Juni hatte eine SED-Delegation unter Walter Ulbricht in Warschau gemeinsam mit der polnischen Regierung unter Cyrankiewicz die sogenannte „Warschauer Erklärung" zur Grenzfrage ausgearbeitet; einen Monat später wird die Grenzfestlegung völkerrechtlich besiegelt. Im Haus der Kultur von Zgorzelec, dem polnischen Teil der geteilten Stadt Görlitz, unterzeichnen Ministerpräsident Otto Grotewohl für die DDR und sein polnischer Amtskollege Józef Cyrankiewicz das Görlitzer Abkommen. Die DDR erklärt die Oder-Neiße-Linie zur „unantastbaren Friedens- und Freundschaftsgrenze" und akzeptiert damit endgültig den Verlust der deutschen Ostgebiete samt Stettin und Swinemünde — als erster deutscher Staat überhaupt. Die Bundesrepublik dagegen hält an einem Vorbehalt bis zu einem gesamtdeutschen Friedensvertrag fest und erkennt die Grenze völkerrechtlich erst 1970 im Warschauer Vertrag an. Für Millionen Vertriebene — auch in Brandenburg, wo viele nach 1945 Zuflucht gefunden haben — ist der Vertrag ein schmerzhafter Schlussstrich unter die Hoffnung auf Rückkehr in die alte Heimat.
Erste Volkskammerwahl nach Einheitsliste

Ein Jahr nach Staatsgründung wählt die DDR-Bevölkerung erstmals die Volkskammer mit ihren 400 Sitzen — allerdings ohne echte Wahl: Die Sitzverteilung zwischen SED und den Blockparteien steht bereits vorher nach einem festen Schlüssel fest, ausgehandelt im Bündnis der Nationalen Front. Die SED erhält 100 Sitze, CDU und LDPD je 60, die weiteren Blockparteien NDPD und DBD je 30, dazu feste Kontingente für Massenorganisationen wie FDGB (40), FDJ, Kulturbund, DFD und andere. Gewählt werden darf einzig über die gemeinsame Einheitsliste dieser bereits zugeteilten Mandate — eine Ablehnung Einzelner ist zwar formal möglich, wird aber öffentlich verfolgt und diszipliniert. Offiziell stimmen 99,72 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer angeblichen Wahlbeteiligung von über 98 Prozent der Liste zu — Zahlen, die sich später als geschönt und durch massiven Druck der Wahlhelfer und Betriebsleitungen erzwungen erweisen. Auch in Luckenwalder Wahllokalen wird an diesem Tag die Fassade der Zustimmung errichtet, während in der Bevölkerung längst Unmut über Zwangswirtschaft und fehlende Freiheiten wächst.
Am selben Tag werden auch die Landtage der fünf ostdeutschen Länder neu bestellt — nach demselben Einheitslistenverfahren und ohne Wahlkabinen: Der Stimmzettel trägt die Zustimmung bereits vorgedruckt, wer sie verweigern will, muss dies sichtbar unter den Augen der Wahlhelfer kenntlich machen. Auch im heimischen Brandenburg, das über die Sitzverteilung im Potsdamer Landtag entscheidet, meldet die amtliche Auszählung 99,9 Prozent Ja-Stimmen bei einer Beteiligung von 98,6 Prozent. Nach demselben Muster fallen die Ergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern (99,9 %), Sachsen (99,8 %), Sachsen-Anhalt (99,8 %) und Thüringen (99,1 %) aus. Während in den fünf Ländern der sowjetischen Zone einzig über die vorgezeichnete Liste abgestimmt werden darf, ringen in diesem Jahr sechs westdeutsche Länder in offenem Parteienwettbewerb um ihre Landesparlamente.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Nordrhein-Westfalen, 18. Juni — CDU 36,9 %, SPD 32,3 %. Karl Arnold (CDU) bleibt Ministerpräsident.
- Schleswig-Holstein, 9. Juli — SPD 27,5 %, BHE 23,4 %. Bruno Diekmann (SPD) bleibt Ministerpräsident.
- Württemberg-Baden, 19. November — SPD 33,0 %, CDU 26,3 %. Reinhold Maier (FDP/DVP) bleibt Ministerpräsident.
- Hessen, 19. November — SPD 44,4 %, FDP 31,8 %. Georg-August Zinn (SPD) wird neuer Ministerpräsident.
- Bayern, 26. November — SPD 28,0 %, CSU 27,4 %. Hans Ehard (CSU) bleibt trotz knappem SPD-Vorsprung Ministerpräsident.
- Berlin (Abgeordnetenhaus), 3. Dezember — SPD 44,7 %, CDU 24,7 %. Ernst Reuter (SPD) bleibt Regierender Bürgermeister.
Schuman-Plan — der Grundstein für ein geeintes Europa

Im Salon de l'Horloge des Pariser Außenministeriums am Quai d'Orsay verkündet der französische Außenminister Robert Schuman vor der Presse einen Plan, der die gesamte deutsche und französische Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen, supranationalen Aufsicht unterstellen soll — offen für den Beitritt weiterer europäischer Länder. Ziel der von Jean Monnet inspirierten Erklärung: einen weiteren Krieg zwischen den Erbfeinden Deutschland und Frankreich „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich" zu machen, indem gerade jene Ressourcen — Kohle und Stahl —, mit denen einst Kriege geführt wurden, gemeinsam verwaltet werden. Der Bundesrepublik-Kanzler Konrad Adenauer, der von Schuman vorab informiert wird, begrüßt den Plan als Chance zur gleichberechtigten Rückkehr seines Landes in die Staatengemeinschaft. Am 18. April 1951 unterzeichnen Frankreich, die Bundesrepublik, Italien und die Beneluxstaaten in Paris den Gründungsvertrag der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) — der Ausgangspunkt und die Keimzelle der heutigen Europäischen Union. Für die Bundesrepublik im Westen ist der Schuman-Plan ein Signal der Aussöhnung und wirtschaftlichen Öffnung, das im geteilten, sowjetisch orientierten Osten Deutschlands als Projekt des „westlichen Imperialismus" verunglimpft wird und kaum positiven Widerhall findet.
Indien wird Republik — die Verfassung tritt in Kraft

Zweieinhalb Jahre nach der Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft im August 1947 vollzieht das mit rund 350 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land der Erde einen weiteren historischen Schritt: Am 26. Januar — bewusst gewählt, weil der Indische Nationalkongress bereits 1930 an diesem Tag die vollständige Unabhängigkeit („Purna Swaraj") gefordert hatte — tritt die von der verfassunggebenden Versammlung unter Federführung des Juristen B. R. Ambedkar ausgearbeitete Verfassung Indiens in Kraft, mit über 390 Artikeln eine der umfangreichsten der Welt. Indien wird damit zur parlamentarischen Republik; Rajendra Prasad übernimmt als erstes Staatsoberhaupt das neu geschaffene Präsidentenamt, während Jawaharlal Nehru als Premierminister im Amt bleibt. Als Novum bleibt das Land trotz des Endes der britischen Krone als Staatsoberhaupt Mitglied des Commonwealth of Nations — ein Kompromiss, der fortan auch anderen Ex-Kolonien den Weg zur Republik bei gleichzeitigem Verbleib im Staatenbund ebnet. Der seither jährlich als „Tag der Republik" begangene 26. Januar markiert den endgültigen Abschluss des Übergangs von der Kolonie zum souveränen Staat und gilt bis heute als einer der beiden zentralen Nationalfeiertage Indiens neben dem Unabhängigkeitstag im August.
Senator McCarthy entfesselt die „Rote Angst"

Vor einer Versammlung von Republikanerinnen anlässlich des Lincoln Day im McLure Hotel von Wheeling, West Virginia, behauptet der bis dahin wenig profilierte Senator Joseph McCarthy, eine Liste mit den Namen von 205 Kommunisten zu besitzen, die angeblich mit Wissen von Außenminister Dean Acheson im US-Außenministerium beschäftigt seien. Belege für die Liste legt McCarthy nie vor, selbst die genaue Zahl bleibt umstritten — dennoch schlägt die Rede landesweit hohe Wellen und verschafft dem bis dahin unauffälligen Senator schlagartig nationale Aufmerksamkeit. In den folgenden vier Jahren nutzt McCarthy von seinem Ausschusssitz aus die aufgeheizte Stimmung des beginnenden Koreakriegs und die Furcht vor sowjetischer Spionage — verstärkt durch die kurz zuvor bekannt gewordene Verhaftung des Atomspions Klaus Fuchs —, um mit oft haltlosen Vorwürfen Karrieren von Beamten, Wissenschaftlern und Künstlern zu zerstören. Der Begriff McCarthyismus wird zum Sinnbild für politisch motivierte Verdächtigungen ohne Beweise und für ein Klima der Angst, das die amerikanische Öffentlichkeit bis zur Zensur McCarthys durch den Senat 1954 in Atem hält — ein Kapitel, das die Systemkonkurrenz des Kalten Krieges auch innenpolitisch in den USA eskalieren lässt.
Moskau und Peking besiegeln ihr Bündnis

Zwei Monate nach der Ausrufung der Volksrepublik China reist deren Staats- und Parteichef Mao Zedong erstmals ins Ausland — zu einem wochenlangen, zähen Besuch bei Josef Stalin im Kreml. Nach Verhandlungen, in denen Stalin zunächst nicht bereit ist, die auf der Konferenz von Jalta 1945 gesicherten sowjetischen Sonderrechte in der Mandschurei aufzugeben, unterzeichnen Außenminister Zhou Enlai und sein sowjetischer Amtskollege Andrei Wyschinski am 14. Februar in Moskau den Chinesisch-Sowjetischen Vertrag über Freundschaft, Bündnis und gegenseitigen Beistand. Das Abkommen verpflichtet beide Mächte zum gemeinsamen militärischen Beistand im Falle eines Angriffs Japans oder eines mit Japan verbündeten Staates — unverkennbar mit Blick auf die Vereinigten Staaten formuliert —, während Moskau im Gegenzug seine Sonderrechte in der Mandschurei aufgibt und wirtschaftliche und militärische Unterstützung für den Aufbau Chinas zusagt. Für die kommunistische Weltbewegung markiert der Vertrag den Höhepunkt der Blockbildung: Zwei der größten Staaten der Erde treten als verbündete „Bruderstaaten" auf, was auch die SED-Führung in der jungen DDR als Bestätigung des eigenen weltpolitischen Kurses feiert. Erst ein Jahrzehnt später sollte sich das Bündnis im chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis der 1960er Jahre als brüchig erweisen.
Atomspion Klaus Fuchs fliegt auf — die Fährte führt zu den Rosenbergs

Scotland Yard verhaftet am 2. Februar den in Deutschland geborenen, seit 1933 in Großbritannien lebenden Physiker Klaus Fuchs, der am britischen Nuklearforschungszentrum Harwell arbeitet, wegen Verstoßes gegen das Staatsgeheimnisgesetz. Entlarvt durch das entzifferte sowjetische Funkprogramm VENONA, gesteht Fuchs, während seiner Mitarbeit am amerikanischen Manhattan-Projekt und später in Harwell über Jahre entscheidende technische Details der Atombombenkonstruktion an sowjetische Kontaktleute weitergegeben zu haben. Am 1. März wird er vor dem Londoner Old Bailey nach nur zweistündiger Verhandlung zu 14 Jahren Haft verurteilt. Fuchs' Aussagen führen die Ermittler zu seinem amerikanischen Kurier Harry Gold und von dort weiter zu dem Ehepaar Julius und Ethel Rosenberg, das im Sommer 1950 in New York verhaftet wird — beschuldigt, als Teil desselben Spionagerings Konstruktionspläne der Atombombe aus dem Waffenlabor Los Alamos an die Sowjetunion vermittelt zu haben. Der Fall erschüttert das Vertrauen des Westens in die eigene atomare Vormachtstellung, befeuert die antikommunistische Stimmung in den USA und liefert Senator Joseph McCarthy zusätzliche Munition für seine Kampagne; er trägt maßgeblich zur Erklärung bei, warum die Sowjetunion bereits 1949 — deutlich früher als von westlichen Experten erwartet — selbst zur Atommacht aufgestiegen war. Die Rosenbergs werden 1951 zum Tode verurteilt und 1953 hingerichtet.
Volksbefreiungsarmee marschiert in Tibet ein

Rund ein Jahr nach Ausrufung der Volksrepublik überschreiten etwa 40.000 Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee den oberen Jangtse und dringen von mehreren Seiten in das bis dahin faktisch unabhängige Tibet vor. Der nur rund 8.500 Mann starken, schlecht bewaffneten tibetischen Armee mit Hauptquartier in Chamdo, der Hauptstadt der Provinz Kham, gelingt kaum Widerstand: In der vom 6. bis 24. Oktober dauernden Schlacht von Chamdo wird der Großteil der tibetischen Truppen aufgerieben oder gefangen genommen, Chamdo fällt kampflos. Peking begründet den Einmarsch mit der „friedlichen Befreiung" Tibets von einem angeblich rückständigen, feudalen Gesellschaftssystem und beruft sich auf historische Souveränitätsansprüche. Der erst mit 15 Jahren volljährig gewordene 14. Dalai Lama appelliert vergeblich an die Vereinten Nationen um Hilfe, die sich angesichts des zeitgleich eskalierenden Koreakriegs kaum mit dem Fall befassen. Im Mai 1951 unterzeichnet eine tibetische Delegation unter chinesischem Druck das 17-Punkte-Abkommen, das die chinesische Souveränität über Tibet formal anerkennt, dem Land zunächst aber innere Autonomie zusichert — ein Versprechen, das in den folgenden Jahren zunehmend ausgehöhlt wird und 1959 in Aufstand und Flucht des Dalai Lama ins indische Exil mündet. Für die Weltöffentlichkeit ist der Fall Tibets 1950 zunächst nur eine Randnotiz neben dem Krieg in Korea.
Attentatsversuch auf Präsident Truman im Blair House

Während das Weiße Haus grundsaniert wird und Präsident Harry S. Truman vorübergehend im gegenüberliegenden Gästehaus Blair House in Washington residiert, nähern sich am Nachmittag des 1. November die beiden puertoricanischen Nationalisten Oscar Collazo und Griselio Torresola von entgegengesetzten Seiten dem Gebäude, um den Präsidenten zu erschießen. Beide, Mitglieder der Puerto Rican Nationalist Party unter ihrem Anführer Pedro Albizu Campos, wollen mit dem Anschlag auf die bevorstehende Volksabstimmung über den politischen Status der Karibikinsel aufmerksam machen und für deren vollständige Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten werben. Torresola erschießt den Wachpolizisten Leslie Coffelt aus nächster Nähe, wird von dem tödlich getroffenen Beamten aber noch mit dessen letztem Schuss selbst erschossen; Collazo wird nach einem kurzen Schusswechsel, bei dem auch er verwundet wird, festgenommen. Präsident Truman selbst, der im ersten Stock ein Nickerchen hält, bleibt unverletzt und tritt trotz des Angriffs noch am selben Nachmittag zu einer bereits geplanten öffentlichen Zeremonie an. 1952 wird Collazo zum Tode verurteilt, Truman begnadigt ihn jedoch eine Woche vor der geplanten Hinrichtung zu lebenslanger Haft; 1979 kommt er im Zuge einer Begnadigung durch Präsident Carter frei. Der Anschlag bleibt der einzige direkte bewaffnete Angriff auf einen amtierenden US-Präsidenten an dessen Wohnsitz im gesamten 20. Jahrhundert.
AM RANDE NOTIERT
- Zwischen 21. April und 29. Juni verurteilen Schnellgerichte in Waldheim (Sachsen) in den berüchtigten Waldheimer Prozessen über 3.300 Angeklagte ohne Verteidiger und Öffentlichkeit — 33 von ihnen zum Tode. Internationale Proteste folgen.
- Die junge DDR steckt 1950 noch in ihren föderalen Kinderschuhen: Das Land Brandenburg besteht als Verwaltungseinheit fort — erst 1952 wird es zugunsten der Bezirke aufgelöst.
- Am 31. Januar ordnet US-Präsident Harry S. Truman die Entwicklung der Wasserstoffbombe an — ein neues, ungleich zerstörerischeres Kapitel im atomaren Wettrüsten des Kalten Krieges beginnt, das seinen Schatten auch über die geteilte Mark Brandenburg wirft.
- Auch in Luckenwalde schreitet die Verstaatlichung voran: Traditionsreiche Betriebe wie die von Erich Mendelsohn erbaute Hutfabrik werden zu Volkseigenen Betrieben (VEB) — private Fabrikanten weichen zunehmend der zentralen Planwirtschaft.
- Die Luckenwalder Fußballer, seit 1933 zwangsweise im „1. Luckenwalder Sportverein" gebündelt, treten von 1950 an als BSG Fortschritt Luckenwalde an — Vorläufer des heutigen FSV 63.
SPORT · 1950
Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wird erstmals nach dem Krieg wieder ausgetragen und endet mit einer der größten Sensationen der Sportgeschichte. Statt eines klassischen K.o.-Endspiels entscheidet die FIFA diesmal über eine Finalrunde im Rundenmodus: Die vier Gruppensieger spielen jeder gegen jeden, die Mannschaft mit den meisten Punkten wird Weltmeister. So wird das letzte Spiel dieser Runde, Brasilien gegen Uruguay am 16. Juli im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro, praktisch zum Endspiel: Dem haushoch favorisierten Gastgeber genügt bereits ein Unentschieden zum Titelgewinn. Vor offiziell 173.820, inoffiziell rund 200.000 Zuschauern geht Brasilien durch Friaça früh in Führung, ehe Juan Alberto Schiaffino nach Vorlage von Alcides Ghiggia ausgleicht und derselbe Ghiggia elf Minuten vor Spielende Torhüter Moacir Barbosa aus spitzem Winkel bezwingt: 2:1 für Uruguay, das damit zum zweiten Mal nach 1930 Weltmeister wird — bis heute als „Maracanaço" ins kollektive Gedächtnis Brasiliens eingebrannt, verbunden mit tagelanger Landestrauer. Der frisch am 21. Januar in Stuttgart neu gegründete DFB ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder in die FIFA aufgenommen und bleibt der Weltmeisterschaft fern; erst die im September vollzogene Wiederaufnahme in den Weltverband öffnet deutschen Mannschaften die Tür zurück ins internationale Turnier — rechtzeitig für die nächste Weltmeisterschaft 1954.
MODE · 1950
Das neue Jahrzehnt steht ganz im Zeichen von Diors New Look: Bereits 1947 in Paris vorgestellt, hat sich die Silhouette aus abfallenden Schultern, betonter Wespentaille und weit schwingendem, wadenlangem Rock inzwischen als prägender Stil des Jahrzehnts durchgesetzt und dominiert 1950 die westliche Modewelt — auch die ersten bundesdeutschen Modehäuser greifen die üppige, stoffreiche Linie auf, so sehr sie manchen angesichts fortdauernder Rationierung noch immer als verschwenderisch gilt. In der DDR, wo die Planwirtschaft und die staatliche Handelsorganisation (HO) gerade erst Fahrt aufnehmen, bleibt elegante Konfektion nach westlichem Vorbild Mangelware und den wenigen, die sie sich leisten können, vorbehalten — praktische, strapazierfähige und oft selbst geschneiderte Kleidung bestimmt weiterhin den Alltag der meisten Menschen in Luckenwalde und dem Land Brandenburg.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1950
- Neugründung des Deutschen Fußball-Bundes (21. Januar, Stuttgart). Die westdeutschen Landesverbände beschließen die Neugründung des DFB; im September folgt die Wiederaufnahme in die FIFA — die Rückkehr Deutschlands auf die internationale Sportbühne.
- Produktionsstart des VW Transporter T1 „Bulli" (8. März, Wolfsburg). Die ersten Transporter laufen vom Band — der Beginn einer Ikone des beginnenden Wirtschaftswunders.
- Nobelpreis für Chemie an Otto Diels und Kurt Alder (10. Dezember, Stockholm). Die beiden deutschen Chemiker werden für die Entdeckung der Dien-Synthese (Diels-Alder-Reaktion) geehrt — ein Achtungserfolg deutscher Wissenschaft in schwerer Nachkriegszeit.
- Baubeginn des Eisenhüttenkombinats Ost (18. August, Fürstenberg/Oder). In der Mark Brandenburg fällt der symbolische erste Axthieb für eines der größten Stahlwerke der DDR — Grundstein einer neuen Industriestadt und Hoffnungsschimmer auf Arbeit und Aufbau im Osten.
DAS WETTER · 1950 in der Mark
An diesem 13. Juli war es in der Mark ein milder Sommertag: Höchstwert 20,7 °C, in der Nacht 13,5 °C; kein Tropfen Regen fiel, die Sonne zeigte sich rund 6,7 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 9,1 °C — nahe dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 33 °C am 23. August, kältester −16 °C am 30. Dezember. 11 Hitzetage (≥30 °C), 30 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 602 mm.
(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1950
Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.
- Capri-Fischer — Rudi Schuricke
- Auf Wiederseh'n — Rudi Schuricke
- Florentinische Nächte — Rudi Schuricke
- La-Le-Lu — Anneliese Rothenberger & Detlev Lais (mit Helmut Zacharias)
- Holdrio – liebes Echo — Friedel Hensch & Die Cyprys
- Der Herr Skilehrer — Friedel Hensch & Die Cyprys
- Wenn das Wasser im Rhein gold'ner Wein wär' — Willy Schneider
- Schütt' die Sorgen in ein Gläschen Wein — Willy Schneider
- Im Hafen von Adano — René Carol & Lonny Kellner
- Das machen nur die Beine von Dolores — Detlev Lais
- Eine weiße Hochzeitskutsche — Renée Franke & Detlev Lais
- Tabak und Rum — Bruce Low
- Hab' Se nich' 'ne Braut für mich — Bully Buhlan
- Melodien meiner Heimat — Lale Andersen
- Harry-Lime-Theme (Der dritte Mann) — Anton Karas
- O mein Papa — Lys Assia
- Das Lied vom Pony (Ponylied) — Lys Assia
- Ich zähl' mir's an den Knöpfen ab — Rita Paul
- C'est si bon — Friedel Hensch, Renée Franke & Die Cyprys
- Wenn ich will, stiehlt der Bill für mich Pferde — Renée Franke
Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.