DER CHRONIST
Ein Jahr der leisen Weichenstellungen und der lauten Erschütterungen zugleich: Im Osten beginnt der Plan, im Westen die Gemeinschaft — und in Fernost bahnt sich nach zähem Ringen ein Ende der Waffen an, während sich die Teilung Europas weiter festigt. In Washington zieht der Kongress mit einem neuen Verfassungszusatz erstmals eine feste Grenze für die Amtszeit künftiger Präsidenten, während ein ungehorsamer General seinen Posten verliert und ein Ehepaar wegen Atomspionage zum Tode verurteilt wird. In London kehrt ein alter Bekannter ins Amt zurück, in Teheran erhebt sich ein unbeugsamer Premier gegen die Ölkonzerne der einstigen Kolonialmacht, und zwei britische Diplomaten verschwinden spurlos Richtung Moskau. Mit dem Friedensvertrag von San Francisco endet schließlich auch im Pazifik formell der Zweite Weltkrieg — sechs Jahre nach seinem Ende zieht die Welt noch immer neue Grenzen zwischen den Blöcken des Kalten Krieges.
Die DDR startet in den ersten Fünfjahrplan

Mit dem Jahreswechsel tritt in der DDR der erste Fünfjahrplan (1951–1955) in Kraft — nach sowjetischem Vorbild soll die Wirtschaft binnen fünf Jahren zentral gelenkt, die Schwerindustrie ausgebaut und der „Aufbau des Sozialismus" vorangetrieben werden. Beschlossen worden war das Vorhaben bereits im Juli 1950 auf dem III. Parteitag der SED, maßgeblich vorangetrieben von Generalsekretär Walter Ulbricht. Das Ziel ist ehrgeizig: Die gesamte Industrieproduktion soll sich bis 1955 nahezu verdoppeln, von 23 auf 43,8 Milliarden DM Bruttoproduktion, die Schwerindustrie allein um 50 Prozent wachsen, die Landwirtschaft um 25 Prozent. Rund 890.000 zusätzliche Arbeitskräfte sollen bis 1955 die Belegschaften auf 7,6 Millionen anwachsen lassen. Symbolträchtig legt man bereits am Neujahrstag 1951 den Grundstein für den ersten Hochofen des Eisenhüttenkombinats Ost an der Oder — später als Stalinstadt bekannt und Keimzelle einer ganzen neuen Industriestadt. Erst am 1. November besiegelt die Volkskammer das Vorhaben rückwirkend per Gesetz. Für die Menschen in der Provinz — auch in Luckenwalde — bedeutet der Plan feste Normen, Zielvorgaben und die endgültige Abkehr von der Marktwirtschaft; wo die Ziele der starren Planvorgaben nicht zu den realen Gegebenheiten vor Ort passen, sorgt das schon in diesen ersten Monaten für Reibung zwischen zentraler Vorgabe und betrieblichem Alltag. Am Ende der Planperiode wird die SED-Führung 1955 eine Übererfüllung von 105 Prozent verkünden — die Industrieproduktion hat sich gegenüber 1950 tatsächlich beinahe verdoppelt, wenn auch auf Kosten von Konsumgüterversorgung und individueller wirtschaftlicher Freiheit.
Sechs Staaten gründen die Montanunion

Im Salon de l'Horloge des Pariser Außenministeriums unterzeichnen Belgien, die Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Grundlage ist der von Frankreichs Außenminister Robert Schuman am 9. Mai 1950 verkündete „Schuman-Plan", ausgearbeitet von seinem Wirtschaftsplaner Jean Monnet — ein knappes Jahr Verhandlungen liegen hinter den sechs Delegationen, ehe Konrad Adenauer, Schuman selbst, Italiens Außenminister Carlo Sforza, Belgiens Paul van Zeeland, Luxemburgs Joseph Bech und die Niederländer Dirk Stikker und Jan van den Brink ihre Unterschrift leisten. Erstmals geben souveräne Staaten Hoheitsrechte an eine gemeinsame, supranationale Behörde ab — die „Hohe Behörde" mit Sitz in Luxemburg, die schon bald unter Monnets Vorsitz Zölle und Kontingente für Kohle, Koks, Eisenerz und Stahl zwischen den sechs Ländern aufheben und einen gemeinsamen Markt für fünfzig Jahre schaffen soll; in Kraft treten wird der Vertrag erst nach Ratifizierung durch alle sechs Parlamente im Sommer 1952. Für Konrad Adenauer, der mit dieser Reise zum ersten Mal als Bundeskanzler ins Ausland fährt, ist die Teilnahme der jungen Bundesrepublik ein wichtiger Schritt zurück in die Völkergemeinschaft des Westens — und ein Ausgleich zwischen dem jahrhundertealten deutsch-französischen Ringen um Kohle und Stahl an Rhein und Ruhr.
Volksbefragung gegen Remilitarisierung in der DDR

Unter Regie der Nationalen Front lässt die DDR-Führung über drei Tage eine Volksbefragung „gegen Remilitarisierung und für einen Friedensvertrag" abhalten — die Fragestellung stammt ursprünglich aus der westdeutschen Friedensbewegung, die schon im Frühjahr für ein gesamtdeutsches Referendum geworben hatte, ehe die Bundesregierung unter Konrad Adenauer die Aktion in Westdeutschland im April 1951 verbot und Organisatoren der KPD dort mit Strafverfahren überzog. In der DDR sind rund zwölf Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, an Stimmtischen in Betrieben, Wohnblocks und auf öffentlichen Plätzen ihr Votum abzugeben — vielerorts unter den wachsamen Augen von Agitatoren der Nationalen Front, sodass von einer geheimen, freien Willensäußerung kaum die Rede sein kann. Amtlich werden 96 Prozent Zustimmung gemeldet. Die Aktion richtet sich gegen die im Westen diskutierte Wiederaufrüstung im Rahmen der geplanten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft und dient zugleich der Mobilisierung der eigenen Bevölkerung sowie der Selbstdarstellung der jungen DDR als „Friedensstaat"; unabhängige Beobachter zweifeln offen an der Freiwilligkeit der Beteiligung und an der Belastbarkeit des amtlichen Ergebnisses.
Koreakrieg — die Waffenstillstandsverhandlungen beginnen

Seit dem nordkoreanischen Überfall auf den Süden am 25. Juni 1950 hat der Krieg mehrere Wendungen erlebt: die amerikanische Landung bei Inchon, den Vorstoß der UN-Truppen bis fast an die chinesische Grenze, das massive Eingreifen chinesischer „Freiwilligenverbände" im Oktober 1950 und deren Rückschlag im Winter. Nach einem Jahr verlustreicher Kämpfe und einer Front, die sich in etwa am 38. Breitengrad zu einem zermürbenden Stellungskrieg mit Gräben, Bunkern und blutigen Kämpfen um einzelne Hügelkuppen festgefahren hat, bringt ein Vorstoß des sowjetischen UN-Botschafters Jakob Malik Bewegung in die Diplomatie: In einer Rundfunkansprache vor den Vereinten Nationen regt er am 23. Juni 1951 überraschend Waffenstillstandsgespräche an. Nach vorbereitenden Kontakten treffen sich die Delegationen der UN-Kommandierenden und der nordkoreanisch-chinesischen Seite ab 10. Juli im nordkoreanischen Kaesong zu ersten Waffenstillstandsgesprächen. Ein rasches Ende ist das nicht: Bereits am 23. August brechen die Gespräche nach gegenseitigen Vorwürfen über angebliche Verletzungen der neutralen Zone zeitweise ab, erst am 25. Oktober werden sie im nahegelegenen, als sicherer geltenden Panmunjŏm wiederaufgenommen. Der Krieg selbst geht unvermindert weiter, an der festgefahrenen Front sterben auch während der Verhandlungen Woche für Woche Soldaten beider Seiten — ein Waffenstillstand liegt noch in weiter Ferne; er sollte sich, wie sich erst zwei Jahre später zeigen wird, bis in den Sommer 1953 hinziehen.
Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Ost-Berlin

Unter dem Motto „Für Frieden und Freundschaft — gegen Atomwaffen" richtet Ost-Berlin die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten aus. Rund 26.000 Jugendliche aus 104 Ländern und weitere 35.000 aus der Bundesrepublik reisen an; eigens für das Fest wird binnen nur 119 Tagen die neue Deutsche Sporthalle an der im Aufbau befindlichen Stalinallee errichtet, Eröffnungs- und Abschlussfeier finden im Walter-Ulbricht-Stadion statt. DDR- Präsident Wilhelm Pieck und der Vorsitzende der Freien Deutschen Jugend, Erich Honecker, halten die Eröffnungsreden; Honecker lässt zudem 10.000 FDJ-Mitglieder demonstrativ nach West-Berlin marschieren, wo es zu Zusammenstößen mit der West-Berliner Polizei kommt. Die eigens komponierte Festspielhymne „Im August blüh'n die Rosen" wird in diesen Tagen zum Ohrwurm ganzer FDJ-Generationen. Die Stadt wird für zwei Wochen zum propagandistischen Schaufenster der jungen DDR. Für viele Teilnehmer aus der Mark Brandenburg — organisiert über die FDJ — ist es die erste Begegnung mit der großen, weiten Welt diesseits des Eisernen Vorhangs.
USA begrenzen künftig die Amtszeit ihrer Präsidenten

Mit der Ratifizierung durch Minnesota als 36. Bundesstaat tritt der 22. Verfassungszusatz zur amerikanischen Verfassung in Kraft: Er begrenzt jeden Präsidenten künftig auf höchstens zwei gewählte Amtszeiten. Vorausgegangen war der bis dahin einmalige Fall Franklin D. Roosevelts, der zwischen 1932 und 1944 viermal ins Amt gewählt worden war und damit die seit George Washington nur ungeschriebene Zwei-Amtszeiten-Tradition durchbrochen hatte. Der Kongress hatte den Zusatzartikel bereits im März 1947 beschlossen; erst jetzt, fast vier Jahre später, ist die erforderliche Mehrheit der Bundesstaaten erreicht. Mindestens sieben Staaten — darunter Oklahoma, Massachusetts und Rhode Island — ratifizieren ihn nie. Für den amtierenden Präsidenten Harry S. Truman gilt die Beschränkung ausdrücklich nicht, da der Verfassungszusatz den zum Zeitpunkt seiner Verabschiedung amtierenden Präsidenten ausnimmt — Truman verzichtet dennoch 1952 aus eigenem Entschluss auf eine erneute Kandidatur.
Iran verstaatlicht seine Ölindustrie

Nur wenige Tage nach der Ermordung von Ministerpräsident General Ali Razmara am 7. März beschließt das iranische Parlament, das Madschles, am 15. März das Gesetz zur Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie. Ende April wählen die Abgeordneten den glühenden Nationalisten Mohammad Mossadegh zum neuen Ministerpräsidenten; am 1. Mai verkündet er die Verstaatlichung der bis dahin britisch kontrollierten Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), die um die Raffinerie Abadan die Ölfelder des Landes betreibt und dem Iran nur einen Bruchteil ihrer Gewinne überlässt — 1950 stehen rund 16 Millionen Pfund Förderabgaben an Teheran etwa 200 Millionen Pfund AIOC-Gewinn und 50 Millionen Pfund Steuern an die britische Krone gegenüber. London reagiert mit Wirtschaftsboykott und der Entsendung von Kriegsschiffen vor Abadan; die daraus entstehende Abadan-Krise wird sich bis 1954 hinziehen und erst mit einem von amerikanischem und britischem Geheimdienst unterstützten Sturz Mossadeghs 1953 enden. Für viele Beobachter ist der Konflikt ein Menetekel: Erstmals stellt sich ein Staat außerhalb Europas offen gegen die Kontrolle seiner Bodenschätze durch eine frühere Kolonialmacht.
Todesurteil im Spionageprozess gegen die Rosenbergs

In New York verurteilt ein Bundesgericht das Ehepaar Julius und Ethel Rosenberg wegen Spionage für die Sowjetunion zum Tode. Der am 6. März 1951 eröffnete Prozess stützt sich maßgeblich auf die Aussage von Ethels Bruder David Greenglass, der als Techniker am amerikanischen Atombombenprojekt beteiligt war, sowie auf Spuren, die über den bereits 1950 in Großbritannien verhafteten Physiker Klaus Fuchs und den Kurier Harry Gold ans Licht gekommen waren. Den Rosenbergs wird vorgeworfen, zentrale Konstruktionsdetails der amerikanischen Atombombe an sowjetische Agenten weitergegeben und damit dem Kreml entscheidend zum Bau der eigenen Bombe verholfen zu haben. Trotz weltweiter Proteste — auch Albert Einstein und Papst Pius XII. setzen sich für eine Begnadigung ein — bestätigen alle Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof das Urteil; hingerichtet werden die Rosenbergs erst am 19. Juni 1953 auf dem elektrischen Stuhl im Gefängnis Sing Sing. Der Fall wird zu einem der prägendsten Symbole der antikommunistischen McCarthy-Ära und spaltet die öffentliche Meinung diesseits und jenseits des Atlantiks bis heute in der Frage nach Schuld und Verhältnismäßigkeit der Strafe.
Truman entlässt General MacArthur

Präsident Harry S. Truman enthebt General Douglas MacArthur all seiner Kommandos — als Oberbefehlshaber der UN-Truppen in Korea, als Oberster Befehlshaber der alliierten Mächte in Japan und als Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Fernen Osten. Vorausgegangen war ein monatelanger, zunehmend offener Streit über die Kriegsführung in Korea: MacArthur hatte wiederholt gefordert, das kommunistische China zu bombardieren und nationalchinesische Truppen von Taiwan gegen die Volksrepublik einzusetzen, was Truman aus Sorge vor einem dritten Weltkrieg strikt ablehnte. Den Ausschlag gibt schließlich ein Brief MacArthurs an den republikanischen Minderheitsführer Joseph Martin, in dem er Trumans Kriegsführung offen kritisiert — Martin verliest das Schreiben auf dem Boden des Repräsentantenhauses. Truman sieht darin unhaltbare Insubordination und ernennt Generalleutnant Matthew Ridgway zum Nachfolger. MacArthur kehrt in die USA zurück, wird dort vielerorts wie ein Held gefeiert und hält am 19. April vor dem versammelten Kongress seine berühmte Abschiedsrede mit dem Satz, alte Soldaten würden niemals sterben, sie verblassten nur. Der Vorgang gilt bis heute als eines der grundsätzlichsten Beispiele für den Vorrang der zivilen vor der militärischen Führung in der amerikanischen Verfassungsordnung.
Zwei britische Diplomaten setzen sich in die Sowjetunion ab

Die britischen Diplomaten Guy Burgess und Donald Maclean verschwinden spurlos von der Insel — mit der Fähre von Southampton nach Frankreich, von dort weiter durch Europa bis nach Bern in der Schweiz, wo ihnen die sowjetische Botschaft falsche Papiere für die Weiterreise nach Moskau ausstellt. Auslöser ist das amerikanische Entzifferungsprogramm Venona, das entschlüsselte sowjetische Funksprüche liefert, aus denen sich Macleans jahrelange Tätigkeit als sowjetischer Agent ablesen lässt; sein Landsmann und Mitverschwörer Kim Philby, als Verbindungsoffizier des britischen Geheimdienstes in Washington über die Ermittlungen informiert, warnt über Burgess rechtzeitig den bereits enttarnungsgefährdeten Maclean. Beide Männer gehören, wie sich erst Jahre später vollständig herausstellt, zum sogenannten Cambridge-Spionagering, der seit den 1930er-Jahren Informationen aus dem britischen Außenministerium und dem Geheimdienst an Moskau weiterleitet. Ihr Verbleib bleibt zunächst gänzlich unbekannt — erst 1956 tauchen sie öffentlich in Moskau wieder auf. Der Skandal erschüttert das Vertrauen zwischen den britischen und amerikanischen Geheimdiensten nachhaltig und lenkt den Verdacht auf Philby selbst, der noch im selben Jahr aus dem diplomatischen Dienst ausscheiden muss, ohne dass ihm zunächst etwas nachgewiesen werden kann.
Friedensvertrag von San Francisco besiegelt Japans Souveränität

Nach einer viertägigen Konferenz unterzeichnen 49 Staaten im War Memorial Opera House von San Francisco den Friedensvertrag von San Francisco, der den Pazifikkrieg auch völkerrechtlich formell beendet. Für Japan setzt Ministerpräsident Shigeru Yoshida seine Unterschrift unter das Dokument, das dem Land — sechs Jahre nach der Kapitulation — die volle Souveränität zurückgibt und die amerikanische Besatzungszeit beendet, auch wenn der Vertrag erst am 28. April 1952 offiziell in Kraft treten wird. Die Sowjetunion, Polen und die Tschechoslowakei verweigern trotz Teilnahme an der Konferenz ihre Unterschrift, weil ihnen unter anderem die Regelungen zu den umstrittenen Kurilen-Inseln nicht weit genug gehen; weder die Volksrepublik China noch die Republik China auf Taiwan werden wegen der ungeklärten Frage der chinesischen Vertretung überhaupt eingeladen, Indien und Birma bleiben der Konferenz aus eigenen Vorbehalten fern. Noch am selben Tag unterzeichnen die USA und Japan zusätzlich ein Sicherheitsabkommen, das amerikanischen Streitkräften den Verbleib auf japanischem Boden erlaubt — ein früher Baustein der westlichen Bündnisarchitektur im Pazifik, während Japan sich zugleich vom Empire zur verbündeten Nation im Kalten Krieg wandelt.
Churchill kehrt als Premierminister zurück

Bei den britischen Unterhauswahlen am 25. Oktober gewinnen die Konservativen unter Winston Churchill mit 321 gegenüber 295 Sitzen der Labour Party knapp die Mehrheit der Mandate — obwohl Labour unter dem scheidenden Premierminister Clement Attlee landesweit mehr als 200.000 Stimmen mehr auf sich vereinen kann. Am Nachmittag des 26. Oktober reicht Attlee im Buckingham-Palast seinen Rücktritt ein, wenige Stunden später beauftragt König Georg VI. den 76-jährigen Churchill mit der Regierungsbildung — für den Kriegspremier von 1940 bis 1945 die Rückkehr in die Downing Street nach sechs Jahren in der Opposition. Churchill beruft Anthony Eden erneut zum Außenminister und übernimmt eine Regierung, die vor allem die von der Labour-Regierung eingeleiteten Verstaatlichungen — etwa der Stahlindustrie — teils zurücknehmen will, während sie an den Grundzügen des neu geschaffenen Wohlfahrtsstaates samt Nationalem Gesundheitsdienst nicht rührt. International bleibt Churchill, der schon 1946 in Fulton vom „Eisernen Vorhang" gesprochen hatte, ein entschiedener Verfechter der westlichen Bündnisdisziplin gegenüber Moskau.
Volksabstimmung im Südwesten: Baden und Württemberg stimmen für den neuen Südweststaat

Ein Bundestag oder eine Volkskammer wird 1951 nicht gewählt — die politische Aufmerksamkeit im Westen gilt stattdessen einer Volksabstimmung über die Neugliederung des deutschen Südwestens, dem bislang größten Fall von Artikel 118 des Grundgesetzes. Seit Kriegsende bestehen dort mit Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern drei Länder, deren Zuschnitt allein den Besatzungszonen-Grenzen der Alliierten folgt. Ein Bundesgesetz zur Neugliederung vom Mai 1951 setzt eine Volksabstimmung an, die über vier Abstimmungsgebiete entscheidet: Nordwürttemberg, Südwürttemberg-Hohenzollern, Nordbaden und Südbaden. Das Land Baden zieht dagegen vor das neue Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, das den Termin im September zunächst per einstweiliger Anordnung verschiebt, die Abstimmung in seinem Urteil vom 23. Oktober aber grundsätzlich für zulässig erklärt und bis spätestens 16. Dezember verlangt — bei einer Pattsituation von sechs zu sechs Richterstimmen zur Frage der Verfassungswidrigkeit. Am 9. Dezember votieren in Nordwürttemberg rund 93 Prozent und in Südwürttemberg-Hohenzollern rund 91 Prozent für den Zusammenschluss zu einem einzigen Land; in Nordbaden stimmen etwa 57 Prozent dafür, während sich in Südbaden rund 62 Prozent hinter das Traditionsland Baden stellen und den Zusammenschluss ablehnen — Wahlplakate wie „Hände weg von Baden" prägen dort die Wochen vor der Abstimmung. Über alle vier Gebiete gerechnet ergibt sich eine Mehrheit von rund 70 Prozent für den Südweststaat; da das Gesetz nach Abstimmungsgebieten und nicht nach den alten Ländergrenzen zählt, setzt sich der Südweststaat durch, obwohl das Gesamtgebiet des alten Landes Baden in der Summe seiner beiden Bezirke knapp dagegen votiert hätte. Die Wahl einer verfassunggebenden Landesversammlung für das neue Land ist für das Frühjahr 1952 anberaumt.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Rheinland-Pfalz, 29. April — CDU 39,2 %, SPD 34,0 %, FDP 16,7 %, KPD 4,3 % bei 74,8 % Beteiligung. Ministerpräsident Peter Altmeier (CDU) beendet die bisherige Allparteienkoalition und regiert künftig mit der FDP.
- Niedersachsen, 6. Mai — SPD 33,7 %, CDU 23,7 %, GB/BHE 14,9 %, Sozialistische Reichspartei 11,0 %, FDP 8,4 % bei 75,8 % Beteiligung. Die SPD bleibt stärkste Kraft, die rechtsradikale SRP zieht auf Anhieb in den Landtag ein.
- Bremen, 7. Oktober — SPD 39,1 %, DP 14,7 %, FDP 11,8 %, CDU 9,0 %, SRP 7,7 % bei 83,8 % Beteiligung. Bürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD) bildet mit CDU und FDP den Senat Kaisen IV; die CDU erzielt ihr bislang schwächstes Ergebnis auf Länderebene.
AM RANDE NOTIERT
- Großbritannien erklärt als erste der drei Westmächte den Kriegszustand mit Deutschland offiziell für beendet, Frankreich folgt am 13. Juli, die USA am 19. Oktober.
- Im Westen nehmen die Verhandlungen zum späteren Deutschlandvertrag und die Debatte um eine westdeutsche Wiederbewaffnung Fahrt auf — ein Gegenpol zur ostdeutschen Volksbefragung.
- In Bayreuth findet mit „Neu-Bayreuth" die erste Nachkriegsausgabe der Richard-Wagner-Festspiele statt.
- Libyen wird am 24. Dezember als erster Staat unter Aufsicht der Vereinten Nationen in die Unabhängigkeit entlassen — König Idris I. besteigt den Thron des neuen Königreichs.
- In Karlsruhe nimmt das neue Bundesverfassungsgericht am 7./8. September seine Arbeit auf und wacht fortan über die Grundrechte der jungen Bundesrepublik.
- Auch in Luckenwalde geht im Zuge des Fünfjahrplans die traditionsreiche Tuchindustrie Schritt für Schritt in Volkseigentum über — aus privaten Webereien werden VEB-Betriebe, die künftig nach staatlichen Normen produzieren.
SPORT · 1951
Nach der Wiederaufnahme des DFB in die FIFA im Vorjahr und dem ersten Nachkriegs-Länderspiel gegen die Schweiz (22. November 1950, 1:0 in Stuttgart) bestreitet die von Bundestrainer Sepp Herberger betreute Nationalmannschaft 1951 ihre ersten vollen Spieljahre seit dem Krieg. Im Rückspiel am 15. April in Zürich unterliegt die deutsche Elf den Schweizern knapp 2:3 — mit dabei ist wieder Fritz Walter, der nach achteinhalbjähriger Länderspielpause sein 25. Spiel im Nationaltrikot bestreitet. Es folgen ein 2:1-Erfolg gegen die Türkei am 17. Juni im Berliner Olympiastadion und eine 0:2-Niederlage gegen Österreich am 23. September im Wiener Praterstadion. Der Weg zurück in den internationalen Fußball ist damit eröffnet, drei Jahre vor dem „Wunder von Bern". Auch der DDR-Sport organisiert sich in diesem Jahr weiter zentral; deutsch-deutsche Wettkämpfe zwischen den beiden Verbänden bleiben aber die Ausnahme.
MODE · 1951
Der Petticoat erobert die Straßen: Steife Unterröcke aus Tüll, Nylonnetz und Rosshaargewebe lassen die vom New Look propagierten weiten Röcke noch voluminöser abstehen — ein Trend, der bis in die DDR ausstrahlt, auch wenn Nylon-Tüll hier schwer zu bekommen bleibt. Pate steht dabei erneut Christian Dior, der mit seiner Frühjahrskollektion 1951, der „Ligne Ovale", die scharfen Konturen des ursprünglichen New Look von 1947 abrundet: Schultern gehen weich in die Ärmel über, Taille und Hüfte werden sanft modelliert, jede Kante der Silhouette wirkt oval statt eckig. Passend zur runden, verspielten Formensprache der Zeit setzt sich mit dem „Nierentisch" auch in der Wohnkultur eine geschwungene Ästhetik durch, die Mode und Möbel gleichermaßen prägt und die kommenden Jahre bis weit in die Wirtschaftswunder-Zeit hinein begleiten wird.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1951
- Die Bundesrepublik wird Vollmitglied des Europarats (2. Mai). Nach zunächst assoziierter Mitgliedschaft erhält Westdeutschland volle Rechte im Straßburger Gremium — ein Schritt außenpolitischer Rehabilitierung und europäischer Integration.
- Max Theiler erhält den Nobelpreis für Medizin für seinen Gelbfieber-Impfstoff (10. Dezember). Die von ihm entwickelte 17D-Vakzine schützt schon seit den 1930er Jahren Millionen Menschen vor der tödlichen Tropenkrankheit — nun krönt die Auszeichnung in Stockholm sein Lebenswerk.
DAS WETTER · 1951 in der Mark
An diesem 13. Juli war es in der Mark ein heißer Hochsommertag: Höchstwert 28,5 °C, in der Nacht 16,9 °C; ein kurzer Schauer brachte 0,5 mm, die Sonne zeigte sich rund 8,7 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 9,4 °C — gut 0,6 Grad über dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 33 °C am 30. August, kältester −13 °C am 1. Januar. 6 Hitzetage (≥30 °C), 13 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 579 mm.
(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1951
Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.
- Wir wollen uns wieder vertragen — Heinz Erhardt
- Pack die Badehose ein — Die kleine Cornelia (Cornelia Froboess)
- Hab'n Se nich' 'ne Braut für mich — Bully Buhlan
- In der Taverne von San Remo — René Carol & Rosemarie Bergson
- Das soll uns nicht noch mal passier'n — Heinz Erhardt
- C'est si bon — Renée Franke & Die Cyprys
- Oh, wie bist du schön — Will Glahé
- Holdrioh – liebes Echo — Friedel Hensch & Die Cyprys
- Winke, Winke — Evelyn Künneke
- Im Café de la Paix in Paris — Gitta Lind
- Leise rauscht es am Missouri — Bruce Low
- Auf Wiederseh'n — Rudi Schuricke
- Florentinische Nächte — Rudi Schuricke
- Mona Lisa — Gerhard Wendland
- Der Reigen — Die Berliner Sinfoniker (Dir. Walter Liebe)
- Santa Lucia — Vico Torriani
- Eine weiße Hochzeitskutsche — Renée Franke & Detlev Lais
- Schau mich bitte nicht so an — Detlev Lais
- Der Südwind, der weht — Lonny Kellner
- Wenn ich will, stiehlt der Bill für mich Pferde — Renée Franke
Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.