DER CHRONIST
Ein Jahr der leisen Weichenstellungen und der lauten Erschütterungen zugleich: Im Osten beginnt der Plan, im Westen die Gemeinschaft — und in Fernost bahnt sich nach zähem Ringen ein Ende der Waffen an, während sich die Teilung Europas weiter festigt. In Washington zieht der Kongress mit einem neuen Verfassungszusatz erstmals eine feste Grenze für die Amtszeit künftiger Präsidenten, während ein ungehorsamer General seinen Posten verliert und ein Ehepaar wegen Atomspionage zum Tode verurteilt wird. In London kehrt ein alter Bekannter ins Amt zurück, in Teheran erhebt sich ein unbeugsamer Premier gegen die Ölkonzerne der einstigen Kolonialmacht, und zwei britische Diplomaten verschwinden spurlos Richtung Moskau. Mit dem Friedensvertrag von San Francisco endet schließlich auch im Pazifik formell der Zweite Weltkrieg — sechs Jahre nach seinem Ende zieht die Welt noch immer neue Grenzen zwischen den Blöcken des Kalten Krieges.
Die DDR startet in den ersten Fünfjahrplan

Mit dem Jahreswechsel tritt in der DDR der erste Fünfjahrplan (1951–1955) in Kraft — nach sowjetischem Vorbild soll die Wirtschaft binnen fünf Jahren zentral gelenkt, die Schwerindustrie ausgebaut und der „Aufbau des Sozialismus" vorangetrieben werden. Beschlossen worden war das Vorhaben bereits im Juli 1950 auf dem III. Parteitag der SED, maßgeblich vorangetrieben von Generalsekretär Walter Ulbricht. Das Ziel ist ehrgeizig: Die gesamte Industrieproduktion soll sich bis 1955 nahezu verdoppeln, von 23 auf 43,8 Milliarden DM Bruttoproduktion, die Schwerindustrie allein um 50 Prozent wachsen, die Landwirtschaft um 25 Prozent. Rund 890.000 zusätzliche Arbeitskräfte sollen bis 1955 die Belegschaften auf 7,6 Millionen anwachsen lassen. Symbolträchtig legt man bereits am Neujahrstag 1951 den Grundstein für den ersten Hochofen des Eisenhüttenkombinats Ost an der Oder — später als Stalinstadt bekannt und Keimzelle einer ganzen neuen Industriestadt. Erst am 1. November besiegelt die Volkskammer das Vorhaben rückwirkend per Gesetz. Für die Menschen in der Provinz — auch in Luckenwalde — bedeutet der Plan feste Normen, Zielvorgaben und die endgültige Abkehr von der Marktwirtschaft; wo die Ziele der starren Planvorgaben nicht zu den realen Gegebenheiten vor Ort passen, sorgt das schon in diesen ersten Monaten für Reibung zwischen zentraler Vorgabe und betrieblichem Alltag. Am Ende der Planperiode wird die SED-Führung 1955 eine Übererfüllung von 105 Prozent verkünden — die Industrieproduktion hat sich gegenüber 1950 tatsächlich beinahe verdoppelt, wenn auch auf Kosten von Konsumgüterversorgung und individueller wirtschaftlicher Freiheit.
Aus heutiger Sicht
Die Mangelwirtschaft, die der erste Fünfjahrplan mitbegründet, prägt den DDR-Alltag bis zu ihrem Ende 1990 — feste Normen, chronische Engpässe bei Konsumgütern und ein zentralistisches Plansystem, das auf lokale Bedürfnisse wie die der Luckenwalder Betriebe kaum eingehen kann, bleiben Kennzeichen der ostdeutschen Wirtschaft über alle späteren Planperioden hinweg.
Sechs Staaten gründen die Montanunion

Im Salon de l'Horloge des Pariser Außenministeriums unterzeichnen Belgien, die Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Grundlage ist der von Frankreichs Außenminister Robert Schuman am 9. Mai 1950 verkündete „Schuman-Plan", ausgearbeitet von seinem Wirtschaftsplaner Jean Monnet — ein knappes Jahr Verhandlungen liegen hinter den sechs Delegationen, ehe Konrad Adenauer, Schuman selbst, Italiens Außenminister Carlo Sforza, Belgiens Paul van Zeeland, Luxemburgs Joseph Bech und die Niederländer Dirk Stikker und Jan van den Brink ihre Unterschrift leisten. Erstmals geben souveräne Staaten Hoheitsrechte an eine gemeinsame, supranationale Behörde ab — die „Hohe Behörde" mit Sitz in Luxemburg, die schon bald unter Monnets Vorsitz Zölle und Kontingente für Kohle, Koks, Eisenerz und Stahl zwischen den sechs Ländern aufheben und einen gemeinsamen Markt für fünfzig Jahre schaffen soll; in Kraft treten wird der Vertrag erst nach Ratifizierung durch alle sechs Parlamente im Sommer 1952. Für Konrad Adenauer, der mit dieser Reise zum ersten Mal als Bundeskanzler ins Ausland fährt, ist die Teilnahme der jungen Bundesrepublik ein wichtiger Schritt zurück in die Völkergemeinschaft des Westens — und ein Ausgleich zwischen dem jahrhundertealten deutsch-französischen Ringen um Kohle und Stahl an Rhein und Ruhr.
Aus heutiger Sicht
Die Montanunion von 1951 gilt rückblickend als Gründungsakt der europäischen Integration — aus der EGKS gehen 1957 die Römischen Verträge und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft hervor, aus dieser wiederum 1993 die Europäische Union. Was als Zweckbündnis für Kohle und Stahl beginnt, bindet die junge Bundesrepublik dauerhaft in eine westeuropäische Staatengemeinschaft ein und macht einen erneuten Krieg zwischen den einstigen „Erbfeinden" Deutschland und Frankreich langfristig undenkbar.
Volksbefragung gegen Remilitarisierung in der DDR

Unter Regie der Nationalen Front lässt die DDR-Führung über drei Tage eine Volksbefragung „gegen Remilitarisierung und für einen Friedensvertrag" abhalten — die Fragestellung stammt ursprünglich aus der westdeutschen Friedensbewegung, die schon im Frühjahr für ein gesamtdeutsches Referendum geworben hatte, ehe die Bundesregierung unter Konrad Adenauer die Aktion in Westdeutschland im April 1951 verbot und Organisatoren der KPD dort mit Strafverfahren überzog. In der DDR sind rund zwölf Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, an Stimmtischen in Betrieben, Wohnblocks und auf öffentlichen Plätzen ihr Votum abzugeben — vielerorts unter den wachsamen Augen von Agitatoren der Nationalen Front, sodass von einer geheimen, freien Willensäußerung kaum die Rede sein kann. Amtlich werden 96 Prozent Zustimmung gemeldet. Die Aktion richtet sich gegen die im Westen diskutierte Wiederaufrüstung im Rahmen der geplanten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft und dient zugleich der Mobilisierung der eigenen Bevölkerung sowie der Selbstdarstellung der jungen DDR als „Friedensstaat"; unabhängige Beobachter zweifeln offen an der Freiwilligkeit der Beteiligung und an der Belastbarkeit des amtlichen Ergebnisses.
Aus heutiger Sicht
Amtliche Zustimmungswerte von 96 Prozent aus Wahlgängen ohne geheime Stimmabgabe und unter Aufsicht von Agitationsbrigaden gelten der historischen Forschung heute nicht als belastbarer Ausdruck freien Volkswillens, sondern als Beispiel für die Mobilisierungs- und Akklamationspraxis der jungen DDR, die formale Wahlbeteiligung mit politischer Zustimmung gleichsetzt — ein Muster, das sich bei den folgenden Volkskammerwahlen mit ihren Einheitslisten und Zustimmungsraten von regelmäßig über 99 Prozent bis 1989 fortsetzt.
Koreakrieg — die Waffenstillstandsverhandlungen beginnen

Seit dem nordkoreanischen Überfall auf den Süden am 25. Juni 1950 hat der Krieg mehrere Wendungen erlebt: die amerikanische Landung bei Inchon, den Vorstoß der UN-Truppen bis fast an die chinesische Grenze, das massive Eingreifen chinesischer „Freiwilligenverbände" im Oktober 1950 und deren Rückschlag im Winter. Nach einem Jahr verlustreicher Kämpfe und einer Front, die sich in etwa am 38. Breitengrad zu einem zermürbenden Stellungskrieg mit Gräben, Bunkern und blutigen Kämpfen um einzelne Hügelkuppen festgefahren hat, bringt ein Vorstoß des sowjetischen UN-Botschafters Jakob Malik Bewegung in die Diplomatie: In einer Rundfunkansprache vor den Vereinten Nationen regt er am 23. Juni 1951 überraschend Waffenstillstandsgespräche an. Nach vorbereitenden Kontakten treffen sich die Delegationen der UN-Kommandierenden und der nordkoreanisch-chinesischen Seite ab 10. Juli im nordkoreanischen Kaesong zu ersten Waffenstillstandsgesprächen. Ein rasches Ende ist das nicht: Bereits am 23. August brechen die Gespräche nach gegenseitigen Vorwürfen über angebliche Verletzungen der neutralen Zone zeitweise ab, erst am 25. Oktober werden sie im nahegelegenen, als sicherer geltenden Panmunjŏm wiederaufgenommen. Der Krieg selbst geht unvermindert weiter, an der festgefahrenen Front sterben auch während der Verhandlungen Woche für Woche Soldaten beider Seiten — ein Waffenstillstand liegt noch in weiter Ferne; er sollte sich, wie sich erst zwei Jahre später zeigen wird, bis in den Sommer 1953 hinziehen.
Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Ost-Berlin

Unter dem Motto „Für Frieden und Freundschaft — gegen Atomwaffen" richtet Ost-Berlin die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten aus. Rund 26.000 Jugendliche aus 104 Ländern und weitere 35.000 aus der Bundesrepublik reisen an; eigens für das Fest wird binnen nur 119 Tagen die neue Deutsche Sporthalle an der im Aufbau befindlichen Stalinallee errichtet, Eröffnungs- und Abschlussfeier finden im Walter-Ulbricht-Stadion statt. DDR- Präsident Wilhelm Pieck und der Vorsitzende der Freien Deutschen Jugend, Erich Honecker, halten die Eröffnungsreden; Honecker lässt zudem 10.000 FDJ-Mitglieder demonstrativ nach West-Berlin marschieren, wo es zu Zusammenstößen mit der West-Berliner Polizei kommt. Die eigens komponierte Festspielhymne „Im August blüh'n die Rosen" wird in diesen Tagen zum Ohrwurm ganzer FDJ-Generationen. Die Stadt wird für zwei Wochen zum propagandistischen Schaufenster der jungen DDR. Für viele Teilnehmer aus der Mark Brandenburg — organisiert über die FDJ — ist es die erste Begegnung mit der großen, weiten Welt diesseits des Eisernen Vorhangs.
Aus heutiger Sicht
Die Weltfestspiele von 1951 sind vor allem ein sorgfältig inszeniertes Propagandaereignis der SED-Führung, die die junge DDR wenige Jahre nach Kriegsende als weltoffenen „Friedensstaat" präsentieren will, während im Hintergrund Stasi und Volkspolizei Teilnehmer überwachen und den demonstrativen Marsch nach West-Berlin gezielt zur Machtdemonstration einsetzen. Die FDJ selbst bleibt bis zum Ende der DDR 1989 zentrales Instrument der politischen Massenmobilisierung Jugendlicher.
USA begrenzen künftig die Amtszeit ihrer Präsidenten

Mit der Ratifizierung durch Minnesota als 36. Bundesstaat tritt der 22. Verfassungszusatz zur amerikanischen Verfassung in Kraft: Er begrenzt jeden Präsidenten künftig auf höchstens zwei gewählte Amtszeiten. Vorausgegangen war der bis dahin einmalige Fall Franklin D. Roosevelts, der zwischen 1932 und 1944 viermal ins Amt gewählt worden war und damit die seit George Washington nur ungeschriebene Zwei-Amtszeiten-Tradition durchbrochen hatte. Der Kongress hatte den Zusatzartikel bereits im März 1947 beschlossen; erst jetzt, fast vier Jahre später, ist die erforderliche Mehrheit der Bundesstaaten erreicht. Mindestens sieben Staaten — darunter Oklahoma, Massachusetts und Rhode Island — ratifizieren ihn nie. Für den amtierenden Präsidenten Harry S. Truman gilt die Beschränkung ausdrücklich nicht, da der Verfassungszusatz den zum Zeitpunkt seiner Verabschiedung amtierenden Präsidenten ausnimmt — Truman verzichtet dennoch 1952 aus eigenem Entschluss auf eine erneute Kandidatur.
Iran verstaatlicht seine Ölindustrie

Nur wenige Tage nach der Ermordung von Ministerpräsident General Ali Razmara am 7. März beschließt das iranische Parlament, das Madschles, am 15. März das Gesetz zur Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie. Ende April wählen die Abgeordneten den glühenden Nationalisten Mohammad Mossadegh zum neuen Ministerpräsidenten; am 1. Mai verkündet er die Verstaatlichung der bis dahin britisch kontrollierten Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), die um die Raffinerie Abadan die Ölfelder des Landes betreibt und dem Iran nur einen Bruchteil ihrer Gewinne überlässt — 1950 stehen rund 16 Millionen Pfund Förderabgaben an Teheran etwa 200 Millionen Pfund AIOC-Gewinn und 50 Millionen Pfund Steuern an die britische Krone gegenüber. London reagiert mit Wirtschaftsboykott und der Entsendung von Kriegsschiffen vor Abadan; die daraus entstehende Abadan-Krise wird sich bis 1954 hinziehen und erst mit einem von amerikanischem und britischem Geheimdienst unterstützten Sturz Mossadeghs 1953 enden. Für viele Beobachter ist der Konflikt ein Menetekel: Erstmals stellt sich ein Staat außerhalb Europas offen gegen die Kontrolle seiner Bodenschätze durch eine frühere Kolonialmacht.
Todesurteil im Spionageprozess gegen die Rosenbergs

In New York verurteilt ein Bundesgericht das Ehepaar Julius und Ethel Rosenberg wegen Spionage für die Sowjetunion zum Tode. Der am 6. März 1951 eröffnete Prozess stützt sich maßgeblich auf die Aussage von Ethels Bruder David Greenglass, der als Techniker am amerikanischen Atombombenprojekt beteiligt war, sowie auf Spuren, die über den bereits 1950 in Großbritannien verhafteten Physiker Klaus Fuchs und den Kurier Harry Gold ans Licht gekommen waren. Den Rosenbergs wird vorgeworfen, zentrale Konstruktionsdetails der amerikanischen Atombombe an sowjetische Agenten weitergegeben und damit dem Kreml entscheidend zum Bau der eigenen Bombe verholfen zu haben. Trotz weltweiter Proteste — auch Albert Einstein und Papst Pius XII. setzen sich für eine Begnadigung ein — bestätigen alle Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof das Urteil; hingerichtet werden die Rosenbergs erst am 19. Juni 1953 auf dem elektrischen Stuhl im Gefängnis Sing Sing. Der Fall wird zu einem der prägendsten Symbole der antikommunistischen McCarthy-Ära und spaltet die öffentliche Meinung diesseits und jenseits des Atlantiks bis heute in der Frage nach Schuld und Verhältnismäßigkeit der Strafe.
Truman entlässt General MacArthur

Präsident Harry S. Truman enthebt General Douglas MacArthur all seiner Kommandos — als Oberbefehlshaber der UN-Truppen in Korea, als Oberster Befehlshaber der alliierten Mächte in Japan und als Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Fernen Osten. Vorausgegangen war ein monatelanger, zunehmend offener Streit über die Kriegsführung in Korea: MacArthur hatte wiederholt gefordert, das kommunistische China zu bombardieren und nationalchinesische Truppen von Taiwan gegen die Volksrepublik einzusetzen, was Truman aus Sorge vor einem dritten Weltkrieg strikt ablehnte. Den Ausschlag gibt schließlich ein Brief MacArthurs an den republikanischen Minderheitsführer Joseph Martin, in dem er Trumans Kriegsführung offen kritisiert — Martin verliest das Schreiben auf dem Boden des Repräsentantenhauses. Truman sieht darin unhaltbare Insubordination und ernennt Generalleutnant Matthew Ridgway zum Nachfolger. MacArthur kehrt in die USA zurück, wird dort vielerorts wie ein Held gefeiert und hält am 19. April vor dem versammelten Kongress seine berühmte Abschiedsrede mit dem Satz, alte Soldaten würden niemals sterben, sie verblassten nur. Der Vorgang gilt bis heute als eines der grundsätzlichsten Beispiele für den Vorrang der zivilen vor der militärischen Führung in der amerikanischen Verfassungsordnung.
Zwei britische Diplomaten setzen sich in die Sowjetunion ab

Die britischen Diplomaten Guy Burgess und Donald Maclean verschwinden spurlos von der Insel — mit der Fähre von Southampton nach Frankreich, von dort weiter durch Europa bis nach Bern in der Schweiz, wo ihnen die sowjetische Botschaft falsche Papiere für die Weiterreise nach Moskau ausstellt. Auslöser ist das amerikanische Entzifferungsprogramm Venona, das entschlüsselte sowjetische Funksprüche liefert, aus denen sich Macleans jahrelange Tätigkeit als sowjetischer Agent ablesen lässt; sein Landsmann und Mitverschwörer Kim Philby, als Verbindungsoffizier des britischen Geheimdienstes in Washington über die Ermittlungen informiert, warnt über Burgess rechtzeitig den bereits enttarnungsgefährdeten Maclean. Beide Männer gehören, wie sich erst Jahre später vollständig herausstellt, zum sogenannten Cambridge-Spionagering, der seit den 1930er-Jahren Informationen aus dem britischen Außenministerium und dem Geheimdienst an Moskau weiterleitet. Ihr Verbleib bleibt zunächst gänzlich unbekannt — erst 1956 tauchen sie öffentlich in Moskau wieder auf. Der Skandal erschüttert das Vertrauen zwischen den britischen und amerikanischen Geheimdiensten nachhaltig und lenkt den Verdacht auf Philby selbst, der noch im selben Jahr aus dem diplomatischen Dienst ausscheiden muss, ohne dass ihm zunächst etwas nachgewiesen werden kann.
Friedensvertrag von San Francisco besiegelt Japans Souveränität

Nach einer viertägigen Konferenz unterzeichnen 49 Staaten im War Memorial Opera House von San Francisco den Friedensvertrag von San Francisco, der den Pazifikkrieg auch völkerrechtlich formell beendet. Für Japan setzt Ministerpräsident Shigeru Yoshida seine Unterschrift unter das Dokument, das dem Land — sechs Jahre nach der Kapitulation — die volle Souveränität zurückgibt und die amerikanische Besatzungszeit beendet, auch wenn der Vertrag erst am 28. April 1952 offiziell in Kraft treten wird. Die Sowjetunion, Polen und die Tschechoslowakei verweigern trotz Teilnahme an der Konferenz ihre Unterschrift, weil ihnen unter anderem die Regelungen zu den umstrittenen Kurilen-Inseln nicht weit genug gehen; weder die Volksrepublik China noch die Republik China auf Taiwan werden wegen der ungeklärten Frage der chinesischen Vertretung überhaupt eingeladen, Indien und Birma bleiben der Konferenz aus eigenen Vorbehalten fern. Noch am selben Tag unterzeichnen die USA und Japan zusätzlich ein Sicherheitsabkommen, das amerikanischen Streitkräften den Verbleib auf japanischem Boden erlaubt — ein früher Baustein der westlichen Bündnisarchitektur im Pazifik, während Japan sich zugleich vom Empire zur verbündeten Nation im Kalten Krieg wandelt.
Churchill kehrt als Premierminister zurück

Bei den britischen Unterhauswahlen am 25. Oktober gewinnen die Konservativen unter Winston Churchill mit 321 gegenüber 295 Sitzen der Labour Party knapp die Mehrheit der Mandate — obwohl Labour unter dem scheidenden Premierminister Clement Attlee landesweit mehr als 200.000 Stimmen mehr auf sich vereinen kann. Am Nachmittag des 26. Oktober reicht Attlee im Buckingham-Palast seinen Rücktritt ein, wenige Stunden später beauftragt König Georg VI. den 76-jährigen Churchill mit der Regierungsbildung — für den Kriegspremier von 1940 bis 1945 die Rückkehr in die Downing Street nach sechs Jahren in der Opposition. Churchill beruft Anthony Eden erneut zum Außenminister und übernimmt eine Regierung, die vor allem die von der Labour-Regierung eingeleiteten Verstaatlichungen — etwa der Stahlindustrie — teils zurücknehmen will, während sie an den Grundzügen des neu geschaffenen Wohlfahrtsstaates samt Nationalem Gesundheitsdienst nicht rührt. International bleibt Churchill, der schon 1946 in Fulton vom „Eisernen Vorhang" gesprochen hatte, ein entschiedener Verfechter der westlichen Bündnisdisziplin gegenüber Moskau.
Volksabstimmung im Südwesten: Baden und Württemberg stimmen für den neuen Südweststaat

Ein Bundestag oder eine Volkskammer wird 1951 nicht gewählt — die politische Aufmerksamkeit im Westen gilt stattdessen einer Volksabstimmung über die Neugliederung des deutschen Südwestens, dem bislang größten Fall von Artikel 118 des Grundgesetzes. Seit Kriegsende bestehen dort mit Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern drei Länder, deren Zuschnitt allein den Besatzungszonen-Grenzen der Alliierten folgt. Ein Bundesgesetz zur Neugliederung vom Mai 1951 setzt eine Volksabstimmung an, die über vier Abstimmungsgebiete entscheidet: Nordwürttemberg, Südwürttemberg-Hohenzollern, Nordbaden und Südbaden. Das Land Baden zieht dagegen vor das neue Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, das den Termin im September zunächst per einstweiliger Anordnung verschiebt, die Abstimmung in seinem Urteil vom 23. Oktober aber grundsätzlich für zulässig erklärt und bis spätestens 16. Dezember verlangt — bei einer Pattsituation von sechs zu sechs Richterstimmen zur Frage der Verfassungswidrigkeit. Am 9. Dezember votieren in Nordwürttemberg rund 93 Prozent und in Südwürttemberg-Hohenzollern rund 91 Prozent für den Zusammenschluss zu einem einzigen Land; in Nordbaden stimmen etwa 57 Prozent dafür, während sich in Südbaden rund 62 Prozent hinter das Traditionsland Baden stellen und den Zusammenschluss ablehnen — Wahlplakate wie „Hände weg von Baden" prägen dort die Wochen vor der Abstimmung. Über alle vier Gebiete gerechnet ergibt sich eine Mehrheit von rund 70 Prozent für den Südweststaat; da das Gesetz nach Abstimmungsgebieten und nicht nach den alten Ländergrenzen zählt, setzt sich der Südweststaat durch, obwohl das Gesamtgebiet des alten Landes Baden in der Summe seiner beiden Bezirke knapp dagegen votiert hätte. Die Wahl einer verfassunggebenden Landesversammlung für das neue Land ist für das Frühjahr 1952 anberaumt.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Rheinland-Pfalz, 29. April — CDU 39,2 %, SPD 34,0 %, FDP 16,7 %, KPD 4,3 % bei 74,8 % Beteiligung. Ministerpräsident Peter Altmeier (CDU) beendet die bisherige Allparteienkoalition und regiert künftig mit der FDP.
- Niedersachsen, 6. Mai — SPD 33,7 %, CDU 23,7 %, GB/BHE 14,9 %, Sozialistische Reichspartei 11,0 %, FDP 8,4 % bei 75,8 % Beteiligung. Die SPD bleibt stärkste Kraft, die rechtsradikale SRP zieht auf Anhieb in den Landtag ein.
- Bremen, 7. Oktober — SPD 39,1 %, DP 14,7 %, FDP 11,8 %, CDU 9,0 %, SRP 7,7 % bei 83,8 % Beteiligung. Bürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD) bildet mit CDU und FDP den Senat Kaisen IV; die CDU erzielt ihr bislang schwächstes Ergebnis auf Länderebene.
Erstmals Licht aus Kernspaltung

Am Versuchsreaktor Experimental Breeder Reactor I (EBR-I) der amerikanischen Atomenergiebehörde in der Wüste von Idaho gelingt Technikern und Physikern um Walter Zinn erstmals die Erzeugung von elektrischem Strom aus der Spaltung von Uran: Vier an den Reaktor angeschlossene Glühbirnen leuchten auf, tags darauf versorgt die Anlage ihr gesamtes Betriebsgebäude mit selbst erzeugtem Strom. Der Reaktor ist zugleich als „Brüter" ausgelegt — er erzeugt beim Betrieb mehr spaltbares Material, als er verbraucht, ein Konzept, das Wissenschaftler seit Jahren für die zivile Nutzung der Kernkraft verfolgen. Nach den Zerstörungen von Hiroshima und Nagasaki und den seither fortgesetzten Rüstungsversuchen beider Blöcke ist es die erste öffentlich bekanntgemachte Demonstration, dass sich die Kernenergie auch friedlich nutzen lässt.
Nobelpreis für Medizin an Max Theiler

In Stockholm nimmt der in Südafrika geborene, in den USA forschende Virologe Max Theiler den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin entgegen — „für seine Entdeckungen über das Gelbfieber und wie man es bekämpft". Theiler, der seit 1930 an der Rockefeller Foundation in New York arbeitet, hatte in den 1930er Jahren den bis heute gebräuchlichen Lebendimpfstoff 17D gegen das Gelbfiebervirus entwickelt, indem er den Erreger über Jahre in Mäuse- und Hühnerembryo-Gewebe passagierte, bis dieser seine krankmachende, nicht aber seine immunisierende Wirkung verlor. Millionen Menschen vor allem in den tropischen Ländern Afrikas und Lateinamerikas sind seither gegen die oft tödlich verlaufende Viruserkrankung geschützt; Theiler bleibt der bislang einzige Nobelpreisträger, dessen Auszeichnung ausschließlich der Entwicklung eines Impfstoffs gilt.
Aus heutiger Sicht
Der 17D-Impfstoff bleibt auch im 21. Jahrhundert einer der wirksamsten und am längsten genutzten Lebendimpfstoffe der Medizingeschichte — die Weltgesundheitsorganisation führt ihn bis heute auf ihrer Liste unentbehrlicher Arzneimittel, jährlich werden weltweit noch immer Millionen Dosen verimpft, zuletzt verstärkt im Zuge wiederholter Gelbfieber-Ausbrüche in Afrika und Südamerika.
Filmskandal um „Die Sünderin"

Mit der Uraufführung von Regisseur Willi Forsts Melodram „Die Sünderin" im Frankfurter Turmpalast beginnt einer der größten Kulturkämpfe der jungen Bundesrepublik. Hildegard Knef spielt die Prostituierte Marina, die sich in den unheilbar kranken Maler Alexander verliebt, ihm auf seinen Wunsch beim Suizid hilft und sich anschließend selbst das Leben nimmt — eine für das Kino der Zeit ungewöhnlich offene Behandlung von Prostitution, Sterbehilfe und Suizid, verschärft durch eine wenige Sekunden lange Nacktszene Knefs. Katholische wie evangelische Kirche laufen Sturm: Bischöfe rufen zum Boykott auf, in mehreren Städten blockieren Demonstranten die Kinoeingänge, in einem Duisburger Kino setzen Filmgegner weiße Mäuse frei, um Panik auszulösen, gegen Knef gehen anonyme Morddrohungen ein. Die katholischen Bischöfe rufen im Oktober ausdrücklich zum Beitritt in die kirchliche Filmbewertungsorganisation auf, der binnen eines Jahres mehr als anderthalb Millionen Gläubige folgen. Trotz — oder wegen — des Skandals sehen den Film allein in den ersten drei Wochen rund zwei Millionen Deutsche.
Die erste deutsche Waschvollautomatin

Zur Eröffnung der Constructa-Bauausstellung in Hannover präsentiert der Ingenieur Peter Pfenningsberg die erste in Deutschland gebaute vollautomatische Waschmaschine — benannt nach der Ausstellung, auf der sie erstmals einem Massenpublikum vorgestellt wird. Anders als die bis dahin gebräuchlichen Waschkessel und halbautomatischen Trommeln übernimmt die „Constructa" Waschen, Spülen und Schleudern vollständig selbständig; ein rundes Bullauge in der Fronttür erlaubt es, der Wäsche beim Drehen zuzusehen. Mit rund 2.280 DM kostet das Gerät mehr als das Siebenfache eines durchschnittlichen Monatslohns von etwa 300 DM und bleibt zunächst Hotels, Krankenhäusern und Wäschereien vorbehalten; wegen der heftigen Vibrationen beim Schleudergang muss die Maschine fest im Fußboden verankert werden. Erst im Lauf des Jahrzehnts, mit sinkenden Preisen und der später berühmten Werbezeile „An Mutti denken, Constructa schenken", findet der Vollautomat den Weg in private Haushalte der Bundesrepublik — in der DDR bleibt das Waschen von Hand oder mit einfachen Schleudergeräten noch auf Jahre hinaus der Alltag.
AM RANDE NOTIERT
- Großbritannien erklärt als erste der drei Westmächte den Kriegszustand mit Deutschland offiziell für beendet, Frankreich folgt am 13. Juli, die USA am 19. Oktober.
- Im Westen nehmen die Verhandlungen zum späteren Deutschlandvertrag und die Debatte um eine westdeutsche Wiederbewaffnung Fahrt auf — ein Gegenpol zur ostdeutschen Volksbefragung.
- In Bayreuth findet mit „Neu-Bayreuth" die erste Nachkriegsausgabe der Richard-Wagner-Festspiele statt.
- Libyen wird am 24. Dezember als erster Staat unter Aufsicht der Vereinten Nationen in die Unabhängigkeit entlassen — König Idris I. besteigt den Thron des neuen Königreichs.
- In Karlsruhe nimmt das neue Bundesverfassungsgericht am 7./8. September seine Arbeit auf und wacht fortan über die Grundrechte der jungen Bundesrepublik.
- Auch in Luckenwalde geht im Zuge des Fünfjahrplans die traditionsreiche Tuchindustrie Schritt für Schritt in Volkseigentum über — aus privaten Webereien werden VEB-Betriebe, die künftig nach staatlichen Normen produzieren.
- Der Artist Rudy Horn vom Circus Krone stellt auf einem hohen Einrad balancierend einen bis heute in den Rekordbüchern geführten Weltrekord im Türmen von Teetassen samt Untertassen auf dem Kopf auf.
- Im Frühjahr diskutieren Konsumgenossenschaften, Handelsorganisation, Gewerkschaften und der Demokratische Frauenbund in der DDR erstmals über die neue Verkaufsform der Selbstbedienung — noch ist unklar, ob sie sich gegen die gewohnte Bedienung über die Ladentheke durchsetzen wird.
WIRTSCHAFT · 1951
Für die Menschen in Luckenwalde und der übrigen DDR bestimmt 1951 vor allem die Frage, was auf Marken und was frei erhältlich ist. Fleisch, Fett und Zucker bleiben das ganze Jahr über rationiert und nur gegen Lebensmittelkarten zu den niedrigen, staatlich festgesetzten Einzelhandelsverkaufspreisen (EVP) erhältlich; wer mehr braucht, muss in den Läden der Handelsorganisation (HO) einkaufen, die dieselben Waren ohne Karten, aber zu einem Vielfachen des Kartenpreises anbietet. Am 8. Oktober meldet die Presse eine Freigabe weiterer Lebensmittel von der Kartenpflicht — Fleisch, Fett und Zucker bleiben davon jedoch ausdrücklich ausgenommen. Genaue Ostmark-Preise für Luckenwalder Läden liegen für 1951 nicht vor; zum Vergleich der Kaufkraft dient daher zeitgleiches Zahlenmaterial aus der Bundesrepublik.
Der Preisspiegel — zum Vergleich aus der Bundesrepublik (1951, DM):
- Butter, 1 kg — 6,12 DM
- Schweinefleisch, 1 kg — 4,64 DM
- Zucker, 1 kg — 1,23 DM
- Milch, 1 Liter — 0,37 DM
- Mehl, 1 kg — 0,78 DM
- Kartoffeln, 1 kg — 0,27 DM
- Ei, 1 Stück — 0,23 DM
- Kaffee, 1 kg — 36,70 DM
STIMMEN DER PRESSE · 1951
Kaum ein Ereignis des Jahres spaltet die deutsche Presse so sehr wie der Skandal um „Die Sünderin" — im Westen wie im Osten wird das Feuilleton zum Schlachtfeld:
„Muß Polizei einen Schundfilm schützen?" Nachdem alle Versuche gescheitert seien, ein Aufführungsverbot zu erwirken, könne nur noch eine „kraftvolle Kundgebung des Willens der gesunden Bevölkerung" helfen. — Rheinische Post, 5. März 1951
„Willi Forsts Film aber entläßt den Zuschauer ohne jede Hoffnung, ohne jeden Kompaß, ohne jeden Zuspruch." — Neue Zeit (Ost-Berlin), 1. Februar 1951
SPORT · 1951
Nach der Wiederaufnahme des DFB in die FIFA im Vorjahr und dem ersten Nachkriegs-Länderspiel gegen die Schweiz (22. November 1950, 1:0 in Stuttgart) bestreitet die von Bundestrainer Sepp Herberger betreute Nationalmannschaft 1951 ihre ersten vollen Spieljahre seit dem Krieg. Im Rückspiel am 15. April in Zürich unterliegt die deutsche Elf den Schweizern knapp 2:3 — mit dabei ist wieder Fritz Walter, der nach achteinhalbjähriger Länderspielpause sein 25. Spiel im Nationaltrikot bestreitet. Es folgen ein 2:1-Erfolg gegen die Türkei am 17. Juni im Berliner Olympiastadion und eine 0:2-Niederlage gegen Österreich am 23. September im Wiener Praterstadion. Der Weg zurück in den internationalen Fußball ist damit eröffnet, drei Jahre vor dem „Wunder von Bern". Auch der DDR-Sport organisiert sich in diesem Jahr weiter zentral; deutsch-deutsche Wettkämpfe zwischen den beiden Verbänden bleiben aber die Ausnahme.
MODE · 1951
Der Petticoat erobert die Straßen: Steife Unterröcke aus Tüll, Nylonnetz und Rosshaargewebe lassen die vom New Look propagierten weiten Röcke noch voluminöser abstehen — ein Trend, der bis in die DDR ausstrahlt, auch wenn Nylon-Tüll hier schwer zu bekommen bleibt. Pate steht dabei erneut Christian Dior, der mit seiner Frühjahrskollektion 1951, der „Ligne Ovale", die scharfen Konturen des ursprünglichen New Look von 1947 abrundet: Schultern gehen weich in die Ärmel über, Taille und Hüfte werden sanft modelliert, jede Kante der Silhouette wirkt oval statt eckig. Passend zur runden, verspielten Formensprache der Zeit setzt sich mit dem „Nierentisch" auch in der Wohnkultur eine geschwungene Ästhetik durch, die Mode und Möbel gleichermaßen prägt und die kommenden Jahre bis weit in die Wirtschaftswunder-Zeit hinein begleiten wird.
KINO & FUNK · 1951
Am 6. Juni öffnet im Berliner Titania-Palast erstmals die Internationale Filmfestspiele Berlin ihre Pforten — von den West-Alliierten und dem Senat gefördert, soll das junge Festival West-Berlin mitten in der geteilten Stadt als Schaufenster präsentieren. Eröffnungsfilm ist Alfred Hitchcocks „Rebecca", Filmschaffende und Publikum aus 18 Ländern reisen an; die Goldenen Bären werden in mehreren Einzelkategorien vergeben, den ersten Publikumspreis gewinnt Walt Disneys Zeichentrickfilm „Cinderella". Im Kino der jungen Bundesrepublik dominiert daneben weiter der Heimatfilm, während der Skandal um „Die Sünderin" das Jahr über für Schlagzeilen sorgt. Im Äther tobt unterdessen ein eigener Wettstreit: Neben den Länderanstalten des NWDR sendet in Berlin der amerikanisch finanzierte RIAS gegen den ostdeutschen Deutschlandsender und den Berliner Rundfunk um die Gunst der Hörer — ein Propagandakrieg, der auch bis nach Luckenwalde reicht, wo sich das Abhören der Westsender trotz offizieller Missbilligung kaum unterbinden lässt.
GESTORBEN · 1951
- Ferdinand Porsche (75), Automobilkonstrukteur — 30. Januar, Stuttgart.
- André Gide (81), Schriftsteller und Nobelpreisträger — 19. Februar, Paris.
- Arnold Sommerfeld (82), Physiker — 26. April, München.
- Ferdinand Sauerbruch (75), Chirurg — 2. Juli, Berlin.
- Wilhelm von Preußen (69), letzter deutscher Kronprinz — 20. Juli, Hechingen.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1951
- Die Bundesrepublik wird Vollmitglied des Europarats (2. Mai). Nach zunächst assoziierter Mitgliedschaft erhält Westdeutschland volle Rechte im Straßburger Gremium — ein Schritt außenpolitischer Rehabilitierung und europäischer Integration.
DAS WETTER · 1951 in der Mark
An diesem 13. Juli war es in der Mark ein heißer Hochsommertag: Höchstwert 28,5 °C, in der Nacht 16,9 °C; ein kurzer Schauer brachte 0,5 mm, die Sonne zeigte sich rund 8,7 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 9,4 °C — gut 0,6 Grad über dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 33 °C am 30. August, kältester −13 °C am 1. Januar. 6 Hitzetage (≥30 °C), 13 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 579 mm.
(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1951
Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.
- Wir wollen uns wieder vertragen — Heinz Erhardt
- Pack die Badehose ein — Die kleine Cornelia (Cornelia Froboess)
- Hab'n Se nich' 'ne Braut für mich — Bully Buhlan
- In der Taverne von San Remo — René Carol & Rosemarie Bergson
- Das soll uns nicht noch mal passier'n — Heinz Erhardt
- C'est si bon — Renée Franke & Die Cyprys
- Oh, wie bist du schön — Will Glahé
- Holdrioh – liebes Echo — Friedel Hensch & Die Cyprys
- Winke, Winke — Evelyn Künneke
- Im Café de la Paix in Paris — Gitta Lind
- Leise rauscht es am Missouri — Bruce Low
- Auf Wiederseh'n — Rudi Schuricke
- Florentinische Nächte — Rudi Schuricke
- Mona Lisa — Gerhard Wendland
- Der Reigen — Die Berliner Sinfoniker (Dir. Walter Liebe)
- Santa Lucia — Vico Torriani
- Eine weiße Hochzeitskutsche — Renée Franke & Detlev Lais
- Schau mich bitte nicht so an — Detlev Lais
- Der Südwind, der weht — Lonny Kellner
- Wenn ich will, stiehlt der Bill für mich Pferde — Renée Franke
Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.
Ostseehalle zur Kieler Woche eingeweiht
Am 17. Juni, dem zweiten Tag der Kieler Woche (16. bis 24. Juni), ist der erste Bauabschnitt der Ostseehalle eingeweiht worden. Die Ratsversammlung hatte am 21. September 1950 den Neubau im ehemaligen Gängeviertel zwischen Großem und Kleinem Kuhberg beschlossen. Gebaut wird nach Plänen des Architekten Wilhelm Neveling; Baubeginn war Ende 1950, das Richtfest wurde am 30. April gefeiert. Das Stahlgerüst stammt von einer Flugzeughalle des Seefliegerhorsts List auf Sylt; die städtische Kieler Material-Beschaffungs GmbH hatte es um 1948 für 80.000 Mark gekauft und abbauen lassen.
Den Namen „Ostseehalle“ hat die Ratsversammlung mit 28 zu 7 Stimmen angenommen. Am 2. September folgte die Einweihung des zweiten Bauabschnitts; damit fasst die Halle nun 5.000 Sitzplätze.
Weil der Bau angesichts der Wohnungsnot umstritten ist, stellt Stadtbaurat Herbert Jensen die Kosten gegenüber: 2,3 Millionen Mark für die Ostseehalle, dagegen 150 Millionen Mark, die seit 1945 in den Wohnungsbau der Stadt geflossen sind.
Lübke löst Bartram als Ministerpräsident ab
Schleswig-Holstein hat einen neuen Ministerpräsidenten: Der Landtag in Kiel wählte am 25. Juni Friedrich Wilhelm Lübke (CDU). Zwei Wahlgänge blieben ohne Ergebnis, erst im dritten genügte die relative Mehrheit.
Sein Vorgänger Walter Bartram (CDU) stand seit dem 5. September 1950 an der Spitze der Landesregierung, die nach der Landtagswahl vom 9. Juli 1950 der Wahlblock aus CDU, FDP und DP gemeinsam mit dem BHE gebildet hatte. Bartram trat zurück, nachdem der BHE ihm das Vertrauen entzogen hatte.
Im Machtkampf in der CDU unterlag auch der Landesvorsitzende Carl Schröter, der die Partei seit 1946 geführt hatte; den Landesvorsitz hat nun ebenfalls Lübke inne.
Im Sommer erweiterte Lübke sein Kabinett; der BHE sitzt wieder in der Regierung.
Pamir und Passat: Rettung vor dem Abwracker, Umbau in Kiel

Die Viermastbarken „Pamir“ und „Passat“ waren schon an belgische Abwracker verkauft, als der Lübecker Reeder Heinz Schliewen sie am 1. Juni für 1,2 Millionen DM erwarb. Er tat sich dazu mit Kapitän Helmut Grubbe zusammen; die Schiffe gehören seiner Reederei Breyer & Co. Am 10. Juni trafen beide Schiffe in Travemünde ein.
Im Herbst kamen die Schiffe nach Kiel. Bei den Howaldtswerken werden sie zu frachtfahrenden Segelschulschiffen umgebaut: Sie bekommen einen Hilfsmotor, ein modernes Funkgerät und mehr Unterkünfte. Die Bundesregierung unterstützt den Umbau; ein Arbeitsausschuss „Segelschulschiffe“ im Bundesverkehrsministerium hat dafür die Sicherheitsregeln ausgearbeitet. Am 15. Dezember fuhr die „Pamir“ zur Probe.
Aus heutiger Sicht
Die „Pamir“ sank am 21. September 1957 im Hurrikan „Carrie“; 80 von 86 Mann kamen ums Leben.
Hotel Conti Hansa am Ziegelteich eröffnet
Kiel hat wieder ein Hotel, das als das größte der Stadt gilt: Am Ziegelteich 10, im Gebäude der Landwirtschaftskammer, ist das „Hotel Conti Hansa“ eröffnet worden. Hausherren sind Wilhelm Dreischärf und seine Frau Irene.
Der Name erzählt die Geschichte des Paares. Seit 1909 führten die Dreischärfs das Continental-Hotel am Sophienblatt 6–8; während des Matrosenaufstands im November 1918 nahm dort der Reichstagsabgeordnete Gustav Noske (SPD) Quartier. 1925 kauften sie das größere Hansa-Hotel am Sophienblatt 23–25 und Bahnhofsplatz 1 dazu. Bei den Luftangriffen am 4. und 5. Januar 1944 wurden beide Häuser so schwer getroffen, dass die Ruinen gesprengt werden mussten.
KURZ NOTIERT · Kiel 1951
- 15. Februar — Die Ratsversammlung benennt die erst drei Monate zuvor getaufte Straße Keplerhöhe in „Sternwarte“ um; am 13. April erhält sie ihren endgültigen Namen Sternwartenweg.
- 29. März — Die Ratsversammlung beschließt einen jährlich zu vergebenden Kulturpreis der Stadt Kiel.
- 29. April — Kommunalwahl: Die SPD behauptet Kiel mit 47,6 Prozent der Stimmen und stellt 29 der 45 Sitze, die „Kieler Gemeinschaft“ aus CDU, FDP, DP, BHE und DRP kommt auf 16. Zur Wahl gingen 66,3 Prozent der Berechtigten.
- 22. Juni — Das wiederaufgebaute Institut für Weltwirtschaft am Hindenburgufer wird eingeweiht.
- 5. September — Bei den Howaldtswerken läuft das Kühlschiff „Angelburg“ für die Hamburger Fruchtreederei H. Schuld & Co. vom Stapel, Ablieferung am 15. November; am 26. September folgt das Kühlschiff „Pegasus“ für die Partenreederei m.s. Pegasus mit F. Laeisz als Korrespondentreeder, Ablieferung am 22. Dezember.
- 17. September — Das Kaufhaus Defaka an der Holstenbrücke eröffnet seinen Neubau mit einer Herbst- und Wintermodenschau.
- 25. November — Das neue Fernsprechamt nimmt den Betrieb auf; Ortsgespräche werden nicht mehr von Hand vermittelt.
- 1. Dezember — Die frühere Lehr- und Reparaturwerkstatt der Kriegsmarine im Stützpunkt Wik geht nach Freigabe durch die britische Verwaltung von der Oberfinanzdirektion Kiel an den Seegrenzschutz.
RUND UM DIE FÖRDE · 1951
- 26. März, Eckernförde — Die Jagd- und Sportwaffenfabrik J. P. Sauer & Sohn Aktiengesellschaft wird mit Sitz in Eckernförde gegründet, in erster Linie von Rolf-Dietrich Sauer und dem Hamburger Kaufmann Fritz Bohmmüller. Die Wahl fällt auf Eckernförde, weil die schleswig-holsteinische Landesregierung früh Kredite zum Aufbau zugesagt hat.
- 13. Dezember, Eckernförde — Der Bundesfinanzminister bittet den Bundestag um Zustimmung, der Firma Sauer & Sohn ein Erbbaurecht an einem Teil der durch Sprengung entmilitarisierten Torpedoversuchsanstalt Nord einzuräumen: etwa 2,7 Hektar mit sieben beschädigten Gebäuden, auf 60 Jahre; der Vertrag soll spätestens am 1. Januar 1952 geschlossen werden. Der Erbbauzins von 6 Prozent des auf 520.000 DM ermittelten Sachwerts von 1936 soll im ersten Jahr entfallen und im zweiten und dritten Jahr halbiert werden; begründet wird der Antrag auch mit der strukturellen Arbeitslosigkeit im Kreis Eckernförde.
SPORT AN DER FÖRDE · 1951
- TV Hassee-Winterbek (THW) — Im Endspiel um die Deutsche Feldhandball-Meisterschaft am 1. Juli unterliegt der Kieler Titelverteidiger am Hamburger Rothenbaum dem SV Polizei Hamburg mit 4:12; rund 18.000 Zuschauer sehen das Spiel. 1950 hatten die Kieler das Finale gegen dieselbe Mannschaft 10:9 gewonnen.
- TV Hassee-Winterbek (THW) — Der Weg ins Finale: 15:14 nach Verlängerung am 19. Mai gegen den SC Rehberge, dann in Gruppe I 13:10 gegen den SV Harleshausen (3. Juni), 6:4 gegen die TSG Haßloch (10. Juni) und 9:8 gegen den RSV Mülheim (17. Juni). In der Oberliga Nord wurde der Verein hinter Polizei Hamburg Zweiter. Auch der Polizei SV Kiel stand in der Endrunde: Nach einem 11:9 gegen den Berliner SV 1892 wurde er in Gruppe II Dritter.
- Holstein Kiel — In der Oberliga Nord belegt Holstein in der Saison 1950/51 den dritten Platz: 40:24 Punkte, 63:59 Tore aus 32 Spielen (17 Siege, 6 Unentschieden, 9 Niederlagen). Meister wurde der Hamburger SV mit 49 Punkten vor dem FC St. Pauli mit 46. Im Schnitt kamen 8.937 Zuschauer.
DAS WETTER · 1951 in Kiel
An diesem 13. Juli war es an der Förde ein trockener, sonniger Tag: Höchstwert 24,6 °C, Tiefstwert 12,0 °C, Tagesmittel 17,6 °C. Es fiel kein Regen (0,0 mm), die Sonne schien rund 10,5 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 8,9 °C. Wärmster Tag 28,6 °C am 29. August, kältester Tiefstwert −9,4 °C am 1. Januar. Kein Hitzetag (≥30 °C), 7 Sommertage (≥25 °C), 6 Eistage (Dauerfrost) und 59 Frosttage. Jahresniederschlag 835 mm, Sonnenscheindauer 1746 Stunden.
(Messwerte der DWD-Station Kiel-Kronshagen. Quelle: DWD Climate Data Center.)