DER CHRONIST
Ein Jahr der Verhärtung: Die deutsche Frage wird noch einmal verhandelt und dann begraben, die innerdeutsche Grenze schließt sich, und die Mark Brandenburg verschwindet endgültig von der Landkarte. Zugleich rückt die Systemkonfrontation des Kalten Krieges in eine neue, gefährlichere Dimension: Mit der ersten Wasserstoffbombe im Pazifik und der Wahl des Feldherrn Eisenhower zum amerikanischen Präsidenten verschieben sich die Gewichte der Weltmächte. Auch jenseits Europas gerät die alte Ordnung ins Wanken — in Kairo stürzen Offiziere den ägyptischen König, in Kenia beginnt ein blutiger Kolonialaufstand, und in Havanna putscht sich Fulgencio Batista an die Macht. Selbst das Wetter fordert seinen Tribut: Ein tagelanger Smog erstickt London und kostet tausende Menschenleben. Und in London besteigt, nach dem Tod Georgs VI., mit Elisabeth II. eine junge Königin den Thron eines Empires im Umbruch.
Stalin bietet ein neutrales, wiedervereinigtes Deutschland an

Mit einer diplomatischen Note an die drei Westmächte schlägt die Sowjetunion am 10. März ein wiedervereinigtes, neutrales Deutschland vor: eigene nationale Streitkräfte, aber keine Bündniszugehörigkeit, Grenzen gemäß den Potsdamer Beschlüssen sowie demokratische Rechte und Parteienfreiheit bei gleichzeitigem Verbot „faschistischer und militaristischer" Organisationen. Voraussetzung wären freie, gesamtdeutsche Wahlen und der Abzug aller Besatzungstruppen binnen eines Jahres. Die Initiative fällt in eine Zeit, in der die Bundesrepublik unter Kanzler Konrad Adenauer ihre Westintegration entschlossen vorantreibt: Nur wenige Wochen später, am 26. Mai, unterzeichnen Bonn und die drei Westmächte in Bonn den Deutschlandvertrag, einen Tag darauf, am 27. Mai, in Paris den Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG). Die Westmächte und die Bundesregierung lehnen das sowjetische Angebot am 25. März ab; sie bestehen darauf, dass zunächst UN-überwachte freie Wahlen stattfinden müssten, ehe über einen Friedensvertrag verhandelt werden könne — Adenauer bekräftigt die Ablehnung wenig später in einer vielbeachteten Rede in Siegen. Noch im April, Mai und August folgen drei weitere sowjetische Noten mit ähnlichem Tenor, doch am Ton der westlichen Antworten ändert sich nichts. Bis heute ist umstritten, wie ernst die „Stalin-Note" tatsächlich gemeint war: Manche Historiker sehen darin ein reales Angebot zur Wiedervereinigung, andere ein Störmanöver, das die westliche Aufrüstung und die EVG verhindern sollte, ohne dass Moskau bereit gewesen wäre, die SED-Herrschaft in der Sowjetzone tatsächlich zur Disposition zu stellen. Für die Zeitgenossen bleibt sie gleichwohl die letzte offen diskutierte Tür zu einem ungeteilten Deutschland, die sich in diesem Jahr endgültig schließt.
Die SED verkündet den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus"

Auf der 2. Parteikonferenz der SED in der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle ruft Generalsekretär Walter Ulbricht vom 9. bis 12. Juli in einer rund achtstündigen Rede über „Die gegenwärtige Lage und die neuen Aufgaben der SED" den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus" in der DDR aus. Angekündigt werden: der Aufbau eigener bewaffneter Kräfte über die bereits bestehende Kasernierte Volkspolizei hinaus, die forcierte Entwicklung von Schwerindustrie und Rüstungsproduktion, die beschleunigte Kollektivierung der Landwirtschaft sowie ein verschärfter „Klassenkampf" gegen Handwerker, Gewerbetreibende, Kirchen und selbständige Bauern, denen man Sabotage und „Kulakentum" unterstellt. Beschlossen wird zugleich die Umgliederung der staatlichen Verwaltung von den fünf Ländern in künftig 14 Bezirke — ein Vorgriff auf das Gesetz vom 23. Juli.
Vorausgegangen war ein Empfang von Partei- und Staatschef Wilhelm Pieck, Ministerpräsident Otto Grotewohl und Ulbricht durch Stalin im Kreml am
- April, während eines Moskau-Aufenthalts der SED-Delegation vom 31. März bis 10. April. Stalin hatte der Führung dort unmissverständlich bedeutet, die Westmächte würden West-Deutschland ohnehin nicht preisgeben und eine gesamtdeutsche Lösung sei auf absehbare Zeit ausgeschlossen — die DDR solle sich als „starker Vorposten des Sozialismus" mit eigener Armee, gesicherter Grenze und kollektivierter Landwirtschaft einrichten. Die Beschlüsse von Ost-Berlin fallen damit bereits vor der endgültigen westlichen Antwort auf die Stalin-Note. Der Kurswechsel markiert das Ende aller Ambiguität: Ost und West bauen nun unverhohlen zwei getrennte deutsche Staaten, deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung zunehmend auseinanderdriftet — mit Folgen bis hin zur wachsenden Zahl von Menschen, die sich der neuen Ordnung durch Flucht in den Westen entziehen, was sich erst im Volksaufstand vom 17. Juni 1953 entladen wird.
Die Länder verschwinden — Luckenwalde wird Teil des Bezirks Potsdam

Die Folgen der Parteikonferenz treffen die Heimat unmittelbar: Mit dem „Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe" vom 23. Juli werden die fünf Länder der DDR — Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen — aufgelöst. Auch das Land Brandenburg, das erst 1947 unter sowjetischer Besatzung als Nachfolger der 1815 gebildeten preußischen Provinz Brandenburg neu konstituiert worden war und seine Wurzeln bis auf die im 12. Jahrhundert von Albrecht dem Bären begründete Mark zurückführt, hört nach nur fünf Jahren erneut auf zu existieren. An seine Stelle treten die neu gebildeten Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus; reichsweit entstehen 14 Bezirke (dazu Ost-Berlin) mit insgesamt rund 217 Kreisen anstelle der bisherigen 132 Landkreise. Am 25. Juli entsteht formell der Bezirk Potsdam mit Sitz an der Havel.
Auch auf Kreisebene wird an diesem Tag neu zugeschnitten: Der bisherige Landkreis Luckenwalde gibt Gemeinden an die neuen Kreise Jüterbog, Luckau und Zossen ab; aus dem verbleibenden Gebiet sowie Teilen des Landkreises Teltow entsteht der neue Kreis Luckenwalde mit Sitz in der Stadt selbst — dem Bezirk Potsdam zugeordnet. Die Neugliederung folgt sowjetischem Vorbild der Gebietsverwaltung und soll Partei- und Staatsmacht enger verzahnen: An der Spitze jedes Bezirks steht künftig ein von der SED kontrollierter Rat des Bezirks, eigene Länderparlamente gibt es nicht mehr. Für zahlreiche Verwaltungsangestellte in den bisherigen Landesministerien in Potsdam, Schwerin, Dresden, Halle und Erfurt bedeutet die Reform den Verlust ihrer Behörden oder die Versetzung in neu geschaffene Bezirksstellen. Der letzte Rest föderaler Selbstverwaltung ist damit getilgt, die Verwaltung fortan straff auf Berlin ausgerichtet. Für Luckenwalde bedeutet das: Nach Jahrhunderten unter kurmärkischer, später preußisch-brandenburgischer Verwaltung weist von nun an Potsdam den Weg — die Mark Brandenburg als politische Einheit ist von der Landkarte verschwunden, ihr Name lebt nur noch als geografische Bezeichnung fort.
Mit dem Landtag verschwindet zugleich das letzte ostdeutsche Landesparlament, das aus einer echten Wahl der Bürger hervorgegangen ist; die neuen Bezirkstage werden zwar formal bestellt, doch allein über die von der Nationalen Front vorgegebene Einheitsliste, ohne Konkurrenz der Parteien. Im Westen dagegen ist das Wahljahr 1952 in vollem Gang: Am 9. März hat der neu gebildete Südweststaat sein erstes Parlament gewählt, im November folgt eine Landtagswahl im französisch verwalteten Saarland.
Die Wahlen im Westen:
- Baden-Württemberg, 9. März — Bei der Wahl zur verfassunggebenden Landesversammlung des neuen Südweststaats wird die CDU mit 36,0 % stärkste Kraft vor der SPD mit 28,0 %, der FDP/DVP mit 18,0 %, dem BHE mit 6,3 % und der KPD mit 4,4 % (Beteiligung 63,7 %). Die Regierungsbildung überrascht: Am 25. April wählt die Landesversammlung nicht den Vorsitzenden der stärksten Fraktion, sondern Reinhold Maier (FDP/DVP) zum ersten Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, gestützt auf eine Koalition aus FDP/DVP, SPD und BHE unter Ausschluss der CDU.
- Saarland, 30. November — Im französisch verwalteten Saarland, wo pro-deutsche Parteien wie die 1951 verbotene Demokratische Partei Saar nicht zugelassen sind, gewinnt die CVP 54,7 % vor der SPS mit 32,4 %; von den amtlich gezählten 93,1 % Beteiligung sind 24,5 % ungültige Stimmen — Ausdruck des Protests ausgeschlossener Wähler. CVP und SPS bilden eine Koalitionsregierung.
Die innerdeutsche Grenze wird abgeriegelt

Auf Beschluss des Ministerrats vom 26. Mai — dem Tag, an dem in Bonn der Deutschlandvertrag zwischen der Bundesrepublik und den drei Westmächten unterzeichnet wird — beginnt die DDR-Führung mit der hermetischen Abriegelung der innerdeutschen Grenze im Rahmen der Aktion „Grenze". Auf Anordnung von Innenminister Karl Maron, Chef der Deutschen Volkspolizei, wird ein rund fünf Kilometer breiter Streifen entlang der gesamten Grenze zur Bundesrepublik zur Sperrzone erklärt, gegliedert in einen 10-Meter-Kontrollstreifen unmittelbar an der Demarkationslinie, einen 500-Meter-Schutzstreifen und das dahinterliegende, ebenfalls bewachte Sperrgebiet; Wachtürme, Stacheldrahtzäune und Kontrollpunkte entstehen binnen weniger Wochen. Für die Überwachung wird die Deutsche Grenzpolizei personell verstärkt, während das erst im Februar 1950 gegründete Ministerium für Staatssicherheit zunehmend die politische Kontrolle der Grenzbevölkerung übernimmt. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni beginnt darauf die eigentliche Aktion „Ungeziefer": Betroffene Familien werden nachts geweckt und müssen binnen weniger Stunden ihre Höfe und Häuser räumen — mitnehmen dürfen sie nur, was auf einen Lastwagen passt. Von den rund 345.000 Bewohnern des Sperrgebiets werden etwa 11.000 als „politisch unzuverlässig" eingestuft, zwangsausgesiedelt und enteignet, weil man ihnen Kontakte in den Westen oder Fluchthilfe zutraut; mehrere tausend weitere entziehen sich der Aktion durch Flucht in die Bundesrepublik, ehe die Staatsmacht zugreifen kann. In einzelnen Grenzorten kommt es zu Protesten der betroffenen Bevölkerung, die jedoch ohne Wirkung bleiben. Was bis dahin eine durchlässige, von Bauern und Pendlern noch alltäglich überquerte Demarkationslinie war, wird damit endgültig zur bewachten, für die meisten Bewohner unüberwindbaren Grenze — der Vorgriff auf das, was elf Jahre später mit dem Mauerbau in Berlin folgt.
Ein König stirbt, eine Königin besteigt den Thron

In der Frühe des 6. Februar stirbt König Georg VI. von Großbritannien im Schlaf auf seinem Landsitz Sandringham in Norfolk, im Alter von 56 Jahren an den Folgen eines Herzleidens — Spätfolge einer Lungenkrebserkrankung, wegen der er im September 1951 an einer Lunge operiert worden war. Seine Tochter Elisabeth, 25 Jahre alt, befindet sich zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Mann Prinz Philip in Kenia, wo sie im Rahmen einer Commonwealth-Reise ihren erkrankten Vater vertritt; die Nachricht erreicht sie in der Sagana Lodge am Fuß des Mount Kenya. Durch den Tod des Vaters wird sie automatisch, ohne gesonderten Akt, zur Königin — als Elisabeth II. Noch am selben Tag tritt sie die Rückreise nach London an, wo sie Premierminister Winston Churchill und weitere Repräsentanten des Staates am Flughafen empfangen. Die eigentliche Krönungszeremonie in der Westminster Abbey folgt erst 16 Monate später, am 2. Juni 1953, um Zeit für die Staatstrauer und die aufwendigen Vorbereitungen zu lassen. Die Nachricht vom Thronwechsel geht dennoch noch am selben Tag um die Welt und beschließt die Ära Georgs VI., der das Königreich durch den Zweiten Weltkrieg und die entbehrungsreiche Nachkriegszeit geführt hatte.
Batista putscht sich in Kuba an die Macht

In den frühen Morgenstunden des 10. März stürzt General Fulgencio Batista mit einem nahezu blutlosen Militärputsch die Regierung von Präsident Carlos Prío Socarrás, nur wenige Wochen vor den für den
- Juni angesetzten Präsidentschaftswahlen. Batista, der Kuba bereits von 1933 bis 1944 zunächst als starker Mann hinter mehreren Strohmann-Präsidenten und dann selbst als gewählter Präsident regiert hatte, war nach seiner Wahlniederlage 1944 zunächst nach Florida gegangen, kehrte aber als Senator zurück und trat 1952 erneut zur Präsidentschaft an. Aussichtsreichster Bewerber jener Wahl wäre nach Umfragen jedoch die oppositionelle Partido Ortodoxo gewesen, deren charismatischer Gründer Eduardo Chibás sich 1951 während einer Radiosendung das Leben genommen hatte.
Prío setzt sich ins Exil nach Mexiko ab, Batista suspendiert die Verfassung von 1940, löst den Kongress auf und regiert fortan per Dekret; die Wahlen finden nicht statt. Washington erkennt die neue Regierung rasch an und unterstützt sie in den Folgejahren als verlässlichen Partner im Kalten Krieg. Der Staatsstreich beendet die Aussicht auf eine demokratische Erneuerung Kubas und schafft jenes autoritäre Klima aus Korruption und Repression, gegen das sich in den kommenden Jahren wachsender bewaffneter Widerstand richtet — angeführt unter anderem von einem jungen Anwalt namens Fidel Castro, der noch 1952 juristisch gegen den Verfassungsbruch vorzugehen versucht, ehe er sich der Guerilla zuwendet.
Militärputsch in Ägypten — König Faruk gestürzt

In der Nacht zum 23. Juli übernimmt die geheime Offiziersvereinigung Bewegung der Freien Offiziere unter Führung von General Muhammad Nagib und dem jungen Oberstleutnant Gamal Abdel Nasser in einem nahezu unblutigen Staatsstreich die Kontrolle über Kairo und die wichtigsten Kommandostellen der ägyptischen Armee. Ziel der Verschwörer, denen vor allem der Zorn über Korruption am Königshof, die Demütigung der Niederlage gegen Israel 1948 und die fortdauernde britische Militärpräsenz am Suezkanal gemeinsam ist, ist zunächst nicht die Republik, sondern lediglich der Sturz von König Faruk I.
Am 26. Juli muss der König abdanken und geht an Bord seiner Yacht „Mahroussa" ins Exil nach Italien; formal wird sein sechs Monate alter Sohn Fu'ād II. als Nachfolger eingesetzt, während Nagib und der Offiziersrat faktisch regieren. Die neuen Machthaber verkünden eine Landreform gegen den Großgrundbesitz und versprechen den Rückzug aus der Politik nach demokratischer Neuordnung — ein Versprechen, das nicht eingelöst wird. Erst am 18. Juni 1953 wird die Monarchie endgültig abgeschafft und die Republik ausgerufen; Nagib wird ihr erster Präsident, ehe Nasser ihn 1954 verdrängt und zur prägenden Figur des arabischen Nationalismus der folgenden Jahrzehnte wird. Der Umsturz in Kairo markiert damit den Beginn vom Ende der britischen und französischen Kolonialordnung im Nahen Osten.
Ausnahmezustand in Kenia — Beginn des Mau-Mau-Aufstands

Angesichts zunehmender Gewalt gegen europäische Siedler und afrikanische Kollaborateure verhängt der britische Gouverneur Sir Evelyn Baring am 20. Oktober über die Kronkolonie Kenia den Ausnahmezustand. Truppen werden aus Ägypten und dem Vereinigten Königreich verlegt, in den Tagen darauf verhaftet die Kolonialverwaltung rund 180 führende Nationalisten, darunter den gemäßigten Politiker Jomo Kenyatta, Vorsitzenden der Kenya African Union, dem trotz fehlender Beweise eine Anstiftung zum Aufstand der Untergrundbewegung Mau Mau vorgeworfen wird.
Die Mau Mau, ein vorwiegend aus der Volksgruppe der Kikuyu gespeister bewaffneter Geheimbund, richten sich gegen die massive Landenteignung durch weiße Siedler im kenianischen Hochland und gegen jene Afrikaner, die mit der Kolonialmacht kooperieren; erste Anschläge hatte es bereits 1951 gegeben. Kenyatta wird 1953 in einem international kritisierten Prozess zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt, obwohl seine Verwicklung in die Mau-Mau-Führung bis heute umstritten ist. Der Ausnahmezustand, der erst im Dezember 1959 aufgehoben wird, mündet in einen achtjährigen, äußerst brutal geführten Kolonialkrieg; Historiker gehen von etwa 14.000 getöteten Afrikanern aus, während auf europäischer Seite unter 100 Siedler und Sicherheitskräfte ums Leben kommen. Der Aufstand wird zu einem der prägenden Vorboten der afrikanischen Dekolonisierung — Kenia selbst erlangt erst 1963 die Unabhängigkeit.
„Ivy Mike" — die erste Wasserstoffbombe explodiert

Auf dem Korallenatoll Enewetak im Pazifik zünden amerikanische Wissenschaftler unter Leitung des Manhattan-Projekt-Veteranen Edward Teller und des Mathematikers Stanislaw Ulam am 1. November die weltweit erste thermonukleare Sprengladung — den Testsprengsatz „Mike" der Operation „Ivy". Anders als die bisherigen Atombomben, die auf Kernspaltung schwerer Elemente beruhten, nutzt „Mike" nach dem sogenannten Teller-Ulam-Prinzip die Fusion von Wasserstoffisotopen, ausgelöst durch eine konventionelle Spaltbombe als Zünder; das rund 82 Tonnen schwere Gerät ist zu groß und zu unhandlich für einen tatsächlichen Bombenabwurf und dient allein dem Machbarkeitsnachweis.
Die Explosion setzt eine Sprengkraft von rund 10,4 Megatonnen TNT frei — etwa das Siebenhundertfache der Hiroshima-Bombe — und lässt die gesamte Insel Elugelab verschwinden; zurück bleibt ein Meereskrater von fast zwei Kilometern Durchmesser. Der Test, dessen Ergebnisse zunächst strikter Geheimhaltung unterliegen, markiert den Beginn eines neuen, weitaus zerstörerischeren Kapitels im nuklearen Wettrüsten des Kalten Krieges; die Sowjetunion zieht mit einem eigenen Wasserstoffbomben-Design bereits im August 1953 nach. Für die Weltöffentlichkeit wird die schiere Dimension der neuen Waffengattung erst nach und nach erkennbar — ein Menetekel, das die Systemauseinandersetzung dieses Jahres, von der Stalin-Note bis zur Abriegelung der deutsch-deutschen Grenze, in ein noch bedrohlicheres Licht taucht.
Eisenhower zum US-Präsidenten gewählt

Bei der Präsidentschaftswahl am 4. November setzt sich der Republikaner Dwight D. Eisenhower, der ehemalige Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa und NATO-Oberkommandierende, mit 442 gegen 89 Wahlmännerstimmen deutlich gegen den demokratischen Gouverneur von Illinois, Adlai Stevenson, durch; auf ihn entfallen 55,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Es ist der erste republikanische Wahlsieg seit 1928 und beendet damit 20 Jahre demokratischer Präsidentschaft unter Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman.
Eisenhower, der als parteiloser Kriegsheld von beiden großen Parteien umworben worden war, führt einen Wahlkampf, der von der Angst vor kommunistischer Unterwanderung im Zeichen der „Red Scare" und vom festgefahrenen Korea-Krieg geprägt ist; sein Versprechen „I shall go to Korea" — ein persönlicher Besuch zur Erkundung eines Kriegsendes — gilt als einer der Wendepunkte der Kampagne. Als Vizepräsidentschaftskandidat tritt der junge Senator Richard Nixon an seiner Seite an. Die Amtseinführung erfolgt am 20. Januar 1953; für die westdeutsche Außenpolitik unter Adenauer, die im selben Jahr mit Deutschlandvertrag und EVG auf enge Bindung an Washington setzt, ist der Machtwechsel im Weißen Haus von erheblicher Bedeutung, zumal Eisenhower als Architekt der westlichen Verteidigungsintegration in Europa persönlich bekannt ist.
Der Große Smog von London

Über vier Tage, vom 5. bis 9. Dezember, legt sich eine dichte, gelbschwarze Smogglocke über London und erstickt die britische Hauptstadt förmlich: Eine ungewöhnliche Kältewelle lässt die Kohleöfen in Millionen Haushalten sowie in Kraftwerken und Fabriken auf Hochtouren laufen, während eine stabile Hochdruckwetterlage ohne Wind die Rauch- und Schwefeldioxid-Abgase über der Stadt gefangen hält. Die Sichtweite sinkt streckenweise auf wenige Meter, der öffentliche Nahverkehr kommt zum Erliegen, selbst Innenräume wie Kinosäle und Konzerthallen füllen sich mit beißendem Dunst.
Die britische Regierung geht zunächst offiziell von rund 4.000 zusätzlichen Todesfällen aus, vor allem unter Kleinkindern und älteren Menschen mit Vorerkrankungen der Atemwege; spätere Untersuchungen kommen auf deutlich höhere Schätzungen von 10.000 bis 12.000 Toten sowie rund 100.000 weiteren Erkrankten. Das Ereignis löst eine bis dahin beispiellose öffentliche Debatte über Luftverschmutzung aus und gilt als unmittelbarer Auslöser für den britischen Clean Air Act, der 1956 die Verfeuerung von Rauchkohle in Ballungsräumen einschränkt und als Vorbild für spätere Luftreinhaltegesetze in ganz Europa dient — eine Blaupause, an der sich auch die stark kohlebefeuerten Industriereviere des östlichen Deutschlands, einschließlich der Bezirke der neu gegliederten DDR, in den Jahrzehnten danach messen lassen müssen.
AM RANDE NOTIERT
- In der DDR beginnen im Zuge des „Aufbaus des Sozialismus" die ersten Gründungen Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) — der Auftakt zur späteren Zwangskollektivierung der Höfe.
- Mit der Auflösung des Landes Brandenburg endet auch amtlich eine über 500-jährige Verwaltungstradition der Mark — künftig entscheidet Potsdam, was einst von Landtag und Landesregierung in gemeinsamer brandenburgischer Zuständigkeit geregelt wurde.
- Mit Inkrafttreten des EGKS-Vertrags am 23. Juli nimmt die Montanunion-Hohe Behörde unter Jean Monnet in Luxemburg ihre Arbeit auf — die erste supranationale Behörde Europas und Keimzelle der späteren EU.
- Im neuen Bezirk Potsdam werden Luckenwaldes Tuch- und Metallbetriebe zunehmend in Volkseigene Betriebe (VEB) umgewandelt — ein Vorgriff auf die Verstaatlichungswelle, die den „Aufbau des Sozialismus" in der Provinz trägt.
- Am 3. Mai wird am Luckenwalder Kreiskrankenhaus die neue Poliklinik feierlich übergeben — ein sichtbarer Ausbau der Gesundheitsversorgung im jungen Bezirk Potsdam.
SPORT · 1952
Bei den Sommerspielen in Helsinki vom 19. Juli bis 3. August ist die Bundesrepublik erstmals seit dem Krieg wieder olympisch dabei — nach dem Ausschluss von 1948 reist eine 205-köpfige Mannschaft nach Finnland; die Rückkehr in die Weltgemeinschaft des Sports ist bereits unter den Lichtblicken dieser Ausgabe vermerkt. Für zusätzliches Aufsehen sorgen das Olympia-Debüt der Sowjetunion, die erstmals überhaupt an Sommerspielen teilnimmt, sowie der Tscheche Emil Zátopek, der mit einem einzigartigen Dreifachsieg über 5.000 m, 10.000 m und — bei seinem allerersten Start über diese Distanz — den Marathon Sportgeschichte schreibt. Am Tag seines 5.000-Meter-Sieges gewinnt auch seine Frau Dana Zátopková Gold im Speerwurf. Der US-Amerikaner Bob Mathias verteidigt seinen Zehnkampf-Olympiasieg von 1948 erfolgreich. Insgesamt gehen 69 Nationen an den Start. Die DDR bleibt vom gemeinsamen Auftritt noch ausgeschlossen — ein gesamtdeutsches Team, unter dem Bundesrepublik und DDR gemeinsam antreten, ist frühestens für die Spiele 1956 in Melbourne denkbar.
MODE · 1952
Die Silhouette der frühen Fünfziger bleibt der von Christian Dior seit 1947 vorgegebenen „New Look"-Linie treu: schmale, tailliert geschnürte Taille, betonte Hüfte und weit schwingender Rock bestimmen die Mode der „guten Gesellschaft"; Handschuhe und Hut gehören weiterhin zum Ausgehlook. Im Pariser Modehaus wechseln die Kollektionslinien von Saison zu Saison, doch am Grundprinzip der femininen, aufwendig verarbeiteten Silhouette ändert sich wenig.
In der DDR, die sich gerade organisatorisch neu ordnet — Auflösung der Länder, Bildung der Bezirke —, setzt die staatliche Konfektion dagegen auf schlichte, funktionale Schnitte: Stoffe sind knapp, Maßarbeit die Ausnahme. Am 6. Dezember gründet der Ministerrat das Institut für Bekleidungskultur, Vorläufer des späteren Deutschen Modeinstituts, das dem Ministerium für Leichtindustrie untersteht und künftig verbindliche Schnittmuster und Kollektionslinien für die volkseigene Bekleidungsindustrie entwickeln soll — ein Versuch, der Mangelwirtschaft ein eigenes ästhetisches Programm entgegenzusetzen. Von Pariser Eleganz ist im Alltag zwischen Luckenwalde, dessen traditionsreiche Tuchbetriebe zunehmend in Volkseigentum überführt werden, und Potsdam gleichwohl wenig zu spüren.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1952
- Luxemburger Abkommen mit Israel (10. September). Bundeskanzler Adenauer und Israels Außenminister Moshe Sharett unterzeichnen ein Wiedergutmachungsabkommen über 3,5 Milliarden D-Mark — ein historischer Akt deutsch-israelischer Aussöhnung.
- Erste „Tagesschau" (26. Dezember, Hamburg). Die ARD strahlt ihre Nachrichtensendung erstmals aus — der Beginn der bis heute wichtigsten deutschen Nachrichtensendung.
- Rückkehr zu Olympischen Sommerspielen (Juli/August, Helsinki). Nach dem Ausschluss von 1948 nimmt die Bundesrepublik mit 205 Athletinnen und Athleten wieder teil — die sportliche Wiederaufnahme in die Weltgemeinschaft.
- Nobelpreis für Streptomycin (Verkündung 23. Oktober, Verleihung 10. Dezember, Stockholm). Der US-Mikrobiologe Selman Waksman erhält den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung des Streptomycins — des ersten wirksamen Antibiotikums gegen Tuberkulose, das weltweit Millionen Leben rettet.
- Mercedes-Benz siegt in Le Mans (14./15. Juni). Mit einem Doppelsieg des neuen 300 SL (Hermann Lang/Fritz Rieß vor Theo Helfrich/Helmut Niedermayr) kehrt die deutsche Automobilindustrie nach 22 Jahren Pause siegreich auf die internationale Rennstrecke zurück.
- DEFA-Film „Roman einer jungen Ehe" startet (18. Januar, Berlin). Kurt Maetzigs in den Babelsberger DEFA-Studios im neuen Bezirk Potsdam entstandenes Ehedrama über ein durch die deutsche Teilung auseinandergerissenes Paar wird zu einem der meistbeachteten DEFA-Filme des Jahres — ein Aufmerksamkeitserfolg für die Filmstadt vor den Toren Potsdams.
DAS WETTER · 1952 in der Mark
An diesem 13. Juli war es in der Mark ein warmer Sommertag: Höchstwert 24,1 °C, in der Nacht 11,6 °C; kein Tropfen Regen fiel, die Sonne zeigte sich rund 14,7 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 8,2 °C — rund 0,6 Grad unter dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 35 °C am 2. Juli, kältester −10 °C am 2. Dezember. 6 Hitzetage (≥30 °C), 20 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 547 mm.
Ein sonnenreicher, aber im Mittel eher kühler Sommer.
(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1952
Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.
- Addio, Donna Grazia — Vico Torriani
- Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein — René Carol
- Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere — Peter Alexander & Leila Negra
- Die weiße Hochzeitskutsche — Renée Franke & Detlev Lais
- Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise — Hans Albers
- Das ist nichts für kleine Mädchen — Rita Paul
- Schütt' die Sorgen in ein Gläschen Wein — Willy Schneider
- Die Fischerin vom Bodensee — Friedel Hensch und die Cyprys
- Das machen nur die Beine von Dolores — Gerhard Wendland
- Übers Jahr, wenn die Kornblumen blühen — Friedel Hensch und die Cyprys
- Der alte Seemann kann nachts nicht schlafen — Liselotte Malkowsky
- Ich hab' mich so an dich gewöhnt — Bully Buhlan
- Tante Hedwig — Heinz Erhardt
- Der Südwind, der weht — Lonny Kellner, Maria Mucke, Lucie Schulz & Klaus Gross
- Es wird ja alles wieder gut — Horst Winter
- Ich zähl's mir an den Knöpfen ab — Rita Paul
- Liebe ist ja nur ein Märchen — Detlev Lais
- Bei mir zu Haus — Heinz Woezel
- Domino — Vico Torriani
- Mademoiselle de Paris — Lale Andersen
Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.