DER CHRONIST

Ein Jahr der Verträge, der Blöcke und der großen Umbrüche: Zehn Jahre nach Kriegsende ordnet sich Europa neu — in zwei bewaffnete Lager West und Ost, mit Luckenwalde mitten im östlichen. Während sich in Paris und Warschau die Bündnisse formieren und in Genf und Moskau um Entspannung und die letzten Kriegsgefangenen gerungen wird, bricht sich in Bandung die Stimme der jungen, blockfreien Staaten Asiens und Afrikas erstmals gemeinsam Bahn. In Alabama weigert sich eine Näherin, ihren Sitzplatz im Bus zu räumen, und entfacht damit eine Bewegung, die den amerikanischen Süden verändern wird, während in Argentinien ein Militärputsch den einst übermächtigen Perón aus dem Amt und ins Exil treibt. Dazwischen liegen die leiseren, ebenso einschneidenden Momente des Jahres — ein Jahrhundertgenie stirbt in Princeton, ein Filmidol reißt sein kurzes Leben in einem zerbeulten Sportwagen ab, und in Kalifornien öffnet ein Vergnügungspark seine Tore, der die Freizeitkultur einer ganzen Generation prägen wird. Auch der Rennsport erlebt seine dunkelste Stunde: Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans reißt ein explodierender Wagen Dutzende Zuschauer in den Tod. Zehn Jahre nach dem Krieg ist die Welt in Bewegung — und Luckenwalde blickt von ihrem östlichen Rand aus zu.

Die Schlagzeilen des Jahres

Die Bundesrepublik wird souverän und tritt der NATO bei

Bundeskanzler Konrad Adenauer
Bundeskanzler Konrad Adenauer (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Der Weg dorthin war lang und von einem schweren Rückschlag gezeichnet: Ursprünglich sollte die westdeutsche Wiederbewaffnung über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) erfolgen, ein supranationales Bündnis mit einer gemeinsamen europäischen Armee. Am 30. August 1954 lehnte jedoch die französische Nationalversammlung das Vorhaben ab — sie wollte die eigenen Streitkräfte keinem europäischen Oberkommando unterstellen. Als Ersatzlösung einigten sich die Westmächte auf die Pariser Verträge, bereits am 23. Oktober 1954 unterzeichnet, die die Bundesrepublik stattdessen direkt in die NATO und die neu geschaffene Westeuropäische Union aufnehmen.

Mit dem Inkrafttreten der Verträge am 5. Mai endet formell das Besatzungsstatut, die Bundesrepublik erhält weitgehende Souveränität — nur in Fragen von Berlin, der Wiedervereinigung und eines künftigen Friedensvertrags behalten sich die drei Westmächte weiterhin Vorbehaltsrechte vor. Vier Tage später, am 9. Mai, unterzeichnet Bundeskanzler Konrad Adenauer in Paris die Beitrittsurkunde zur NATO — der westdeutsche Staat wird gleichberechtigtes Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses und darf künftig eigene Streitkräfte aufstellen.

Bereits am 7. Juni wird aus dem bisherigen „Amt Blank" — benannt nach dem CDU-Abgeordneten Theodor Blank, den Adenauer zuvor als Beauftragten für Aufbaufragen der Streitkräfte eingesetzt hatte — das reguläre Bundesministerium für Verteidigung. Am 12. November, dem 200. Geburtstag des preußischen Heeresreformers Gerhard von Scharnhorst, erhalten die ersten 101 Freiwilligen ihre Ernennungsurkunden: die Geburtsstunde der Bundeswehr. Für Ost-Berlin und Moskau ist der gesamte Vorgang ein Alarmsignal: Die Wiederbewaffnung des Westens gilt fortan als unmittelbare Bedrohung — und liefert, wie sich fünf Tage später zeigt, den Anlass für die militärische Antwort des Ostblocks.

Warschau antwortet: Gründung des Warschauer Pakts — die DDR als Gründungsmitglied

Der Warschauer Vertrag von 1955
Der Warschauer Vertrag von 1955 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Nur fünf Tage nach dem westdeutschen NATO-Beitritt tagt in Warschau vom 11. bis 14. Mai die „Konferenz europäischer Länder zur Gewährleistung des Friedens und der Sicherheit Europas". Am Ende unterzeichnen acht Staaten — die Sowjetunion, die DDR, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Albanien — in Warschau den Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand, den Warschauer Pakt. Er sieht ein gemeinsames Oberkommando der Streitkräfte vor — erster Oberbefehlshaber wird Marschall Iwan Konew — sowie das Recht, sowjetische Truppen auf dem Gebiet der Mitgliedstaaten zu stationieren. Für die DDR unterschreibt Ministerpräsident Otto Grotewohl in Vollmacht von Staatspräsident Wilhelm Pieck.

Damit ist auch für Luckenwalde und den Bezirk Potsdam endgültig entschieden, welchem Militärbündnis das Land künftig angehört: Die deutsch-deutsche Teilung, seit Jahren politische Realität, ist nun — als unmittelbare, kaum verhüllte Antwort auf den westdeutschen NATO-Beitritt vom 9. Mai — auch militärisch zementiert. Im Bezirk selbst prägt das Jahr unterdessen der Alltag der jungen DDR: Im August ordnet der Ministerrat die Gründung von Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) an, auch für die Handwerksbetriebe der Region ein einschneidender Schritt zur Kollektivierung — Teil jenes umfassenden Umbaus von Wirtschaft und Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild, der mit dem Beitritt zum Warschauer Pakt auch außenpolitisch besiegelt wird.

Aus heutiger Sicht

Der Warschauer Pakt bleibt bis zu seiner formellen Auflösung am 1. Juli 1991 in Kraft. Die im Mai 1955 als unmittelbare Antwort auf den westdeutschen NATO-Beitritt besiegelte Blockbildung teilt Europa für 36 Jahre in zwei Militärbündnisse — bevor sich viele der einstigen Warschauer-Pakt-Staaten, darunter das inzwischen wiedervereinigte Deutschland, der NATO annähern oder ihr beitreten.

Österreich erhält seine Freiheit — der Staatsvertrag

Das Wiener Schloss Belvedere, wo der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet wird
Das Wiener Schloss Belvedere, wo der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet wird (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Vorausgegangen war ein zähes diplomatisches Ringen: Erst das Moskauer Memorandum vom 15. April ebnete den Weg — eine österreichische Delegation um Bundeskanzler Julius Raab, Vizekanzler Adolf Schärf, Außenminister Leopold Figl und Staatssekretär Bruno Kreisky hatte sich mit der sowjetischen Führung um Außenminister Wjatscheslaw Molotow und Vizeregierungschef Anastas Mikojan auf die Eckpunkte geeinigt: Österreich verpflichtet sich im Gegenzug für den vollständigen Truppenabzug zur immerwährenden Neutralität. Genau einen Monat später, am 15. Mai, unterzeichnen im Wiener Belvedere die Außenminister der vier Besatzungsmächte — Molotow für die UdSSR, John Foster Dulles für die USA, Harold Macmillan für Großbritannien und Antoine Pinay für Frankreich — gemeinsam mit Figl den Staatsvertrag. Vor der wartenden Menge auf dem Balkon des Belvedere ruft Figl den historischen Satz: „Österreich ist frei!"

Die Republik erhält ihre volle Unabhängigkeit zurück; nach der Ratifizierung tritt der Vertrag am 27. Juli in Kraft, die letzten Besatzungstruppen verlassen das Land bis zum 25. Oktober. Am Tag danach, dem 26. Oktober, beschließt der Nationalrat das Verfassungsgesetz über die immerwährende Neutralität — Österreich verpflichtet sich, keinem Militärbündnis beizutreten und keine fremden Militärstützpunkte auf seinem Gebiet zuzulassen. Anders als die geteilte deutsche Nation, die sich in derselben Maiwoche in zwei gegnerische Militärblöcke einreiht, bleibt das Nachbarland ungeteilt und blockfrei — ein Kontrastbild zur Lage in Luckenwalde und im übrigen Deutschland.

Die Saarländer stimmen gegen Europa — der Weg zur Bundesrepublik ist frei

Wahlplakate vor der Saarabstimmung in Saarbrücken, Oktober 1955
Wahlplakate vor der Saarabstimmung in Saarbrücken, Oktober 1955 (Nationaal Archief / Anefo, CC0)

Ein Jahr nach der Unterzeichnung in Paris kommt es an der Saar zur Entscheidung: Das im Oktober 1954 zwischen Bonn und Paris vereinbarte Europäische Saarstatut sieht vor, das Land aus dem französischen Protektorat zu lösen und zu einer von Nationalstaaten unabhängigen Europaregion mit eigenem Kommissar der Westeuropäischen Union zu machen — ein Kompromiss, der die verfahrene Saarfrage endgültig aus dem deutsch-französischen Streit nehmen soll. Das Statut selbst schreibt vor, dass die Saarländer darüber in einer Volksabstimmung befinden. Im Abstimmungskampf des Sommers formieren sich die deutschlandfreundlichen Kräfte im Deutschen Heimatbund — mit dabei die Saar-CDU, die damit in offenem Widerspruch zu Bundeskanzler Konrad Adenauer steht, der seinen Wählern an der Saar ein Ja empfiehlt. Der Wahlkampf verläuft rau, mit nationalistischen Tönen auf der einen und Diffamierungen der Statuts-Gegner auf der anderen Seite; Ministerpräsident Johannes Hoffmann, seit 1947 im Amt und Wegbereiter der engen Anlehnung an Frankreich, wird zur persönlichen Zielscheibe der Kampagne.

Am 23. Oktober votieren die Saarländer bei einer außergewöhnlichen Beteiligung von 96,6 Prozent — rund 620.000 Stimmberechtigte gehen an die Urnen —, und 67,7 Prozent lehnen das Saarstatut ab. Das Ergebnis gilt in Bonn wie an der Saar als klares Votum für einen Anschluss an die Bundesrepublik. Hoffmann zieht die Konsequenz und tritt zurück, geschäftsführend übernimmt der parteilose Heinrich Welsch die Regierung; der Landtag wird aufgelöst, Neuwahlen sind für den 18. Dezember angesetzt. Wie es mit dem Sonderstatus der Saar nun völkerrechtlich weitergeht, ist zum Jahreswechsel noch offen — Bonn und Paris müssen neu verhandeln, ein Ergebnis liegt bei Redaktionsschluss nicht vor. Doch dass der Wille der Bevölkerung so klar gegen die „Europäisierung" und für die deutsche Einheit an der Saar ausgefallen ist, gilt in Luckenwalde wie im übrigen Deutschland als das politische Ereignis des Jahres im Westen.

Die übrigen Wahlgänge des Jahres:

  • Niedersachsen, 24. April — SPD 35,2 %, CDU 26,6 %, DP 12,4 %, GB/BHE 11,0 % bei 77,5 % Beteiligung. Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) bleibt im Amt.
  • Rheinland-Pfalz, 15. Mai — CDU 46,8 %, SPD 31,7 %, FDP 12,7 % bei 76,0 % Beteiligung. Die CDU gewinnt die absolute Mandatsmehrheit, Ministerpräsident Peter Altmeier regiert weiter.
  • Bremen, 9. Oktober — SPD 47,8 %, CDU 18,0 %, DP 16,6 %, FDP 8,6 % bei 84,0 % Beteiligung. Die SPD erreicht die absolute Sitzmehrheit, Bürgermeister Wilhelm Kaisen regiert dennoch in einer Koalition mit CDU und FDP weiter.
  • Saarland, 18. Dezember — CDU 25,4 %, DPS 24,2 %, CVP 21,8 %, DSP 14,3 % bei 90,3 % Beteiligung. Die Parteien des Heimatbundes (CDU, DPS, DSP) gewinnen zusammen die klare Mehrheit der Sitze im neuen Landtag; über die Regierungsbildung wird zum Jahresende noch verhandelt.

Die „Großen Vier" treffen sich in Genf

Die Genfer Gipfelkonferenz der Großen Vier, 1955
Die Genfer Gipfelkonferenz der „Großen Vier“, 1955 (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Erstmals seit Potsdam 1945 — wo Frankreich nicht mit am Tisch gesessen hatte — kommen die Staats- und Regierungschefs der vier einstigen Kriegsalliierten in dieser Besetzung zusammen: Eisenhower (USA, mit Außenminister John Foster Dulles), Bulganin und Parteichef Chruschtschow (UdSSR, mit Außenminister Molotow), Eden (Großbritannien, mit Außenminister Harold Macmillan) und Faure (Frankreich, mit Außenminister Antoine Pinay) beraten in Genf über europäische Sicherheit, atomare Abrüstung und die deutsche Frage. Eisenhower bringt seinen später berühmten „Open-Skies"-Plan ein — ein System gegenseitiger Luftaufklärung über sowjetischem und amerikanischem Gebiet, das Vertrauen schaffen soll; Moskau lehnt den Vorschlag ab, ein echter Vertrag über Überflugsrechte kommt erst 1992 zustande.

Konkrete Fortschritte zur deutschen Wiedervereinigung bleiben aus, die Gespräche werden auf ein Außenministertreffen im Herbst vertagt, das im Oktober/November ebenfalls in Genf ohne greifbares Ergebnis endet. Dennoch spricht die Weltpresse zunächst vom „Geist von Genf" — nach Jahren des Kalten-Kriegs-Frostes reden die Großmächte wieder miteinander, auch wenn sich die Fronten in der deutschen Frage angesichts der frisch gegründeten Bündnisse NATO und Warschauer Pakt längst wieder verhärtet haben.

Adenauer in Moskau — die Heimkehr der Zehntausend

Konrad Adenauer zu Besuch in Moskau, 1955
Konrad Adenauer zu Besuch in Moskau, 1955 (Bundesarchiv / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Der Besuch ist ein diplomatischer Balanceakt ohne Vorbild: Erstmals seit Kriegsende reist ein westdeutscher Regierungschef in die sowjetische Hauptstadt, obwohl beide Staaten noch gar keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Vom 8. bis 14. September verhandelt Bundeskanzler Adenauer mit seiner Delegation in Moskau. Auf sowjetischer Seite sitzen ihm Ministerpräsident Nikolai Bulganin, Parteichef Nikita Chruschtschow und Außenminister Wjatscheslaw Molotow gegenüber. Im Zentrum der zähen, zeitweise vor dem Scheitern stehenden Verhandlungen steht für die deutsche Seite eine einzige Frage: das Schicksal der letzten rund 9.600 deutschen Kriegsgefangenen sowie der mehr als 20.000 Zivilinternierten, die zehn Jahre nach Kriegsende noch immer in sowjetischem Gewahrsam sind.

Erst am vierten Verhandlungstag, bei einem Bankett im Kreml, gelingt der Durchbruch: Adenauer verlangt und erhält von Bulganin und Chruschtschow persönlich, vor der Presse wiederholt, das mündliche Versprechen zur Freilassung — im Austausch für die von Adenauer zugesagte Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Am 7. Oktober trifft im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen der erste Zug mit Heimkehrern ein; bis Anfang 1956 kehren rund 9.600 Kriegsgefangene und über 20.000 Zivilinternierte nach Hause zurück. Als „Heimkehr der Zehntausend" geht das Ereignis in die Geschichtsbücher ein — zehn Jahre nach Kriegsende endet für die letzten Familien, auch im Bezirk Potsdam, das lange, oft aussichtslos scheinende Warten auf ein Lebenszeichen der Vermissten. Für Adenauer selbst bleibt die Reise ein zweischneidiger Erfolg: Er bringt die Gefangenen heim, muss aber im Gegenzug erstmals offizielle Beziehungen zu jenem Staat aufnehmen, der zugleich die DDR als zweiten deutschen Staat stützt — ein Widerspruch, den die westdeutsche Diplomatie wenige Wochen später mit der Ankündigung der Hallstein-Doktrin zu lösen versucht.

Aus heutiger Sicht

Die in Moskau erkaufte Freilassung der letzten Kriegsgefangenen hat ihren außenpolitischen Preis: Die Bundesrepublik nimmt mit der Sowjetunion diplomatische Beziehungen zu genau jenem Staat auf, der zugleich die DDR stützt — während die kurz darauf verkündete Hallstein-Doktrin jede Anerkennung der DDR durch Drittstaaten mit dem Abbruch der Beziehungen zu Bonn beantwortet. Erst mit Willy Brandts Neuer Ostpolitik ab 1969/72 wird dieser diplomatische Sonderweg schrittweise aufgegeben.

Winston Churchill tritt zurück — Anthony Eden neuer britischer Premierminister

Anthony Eden, britischer Außenminister und Nachfolger Churchills als Premierminister
Sir Anthony Eden, 1955 Nachfolger Winston Churchills als britischer Premierminister (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Nach über vierzig Jahren im Zentrum der britischen Politik und zuletzt fast dreieinhalb Jahren als Premierminister seiner zweiten Amtszeit reicht Sir Winston Churchill im Alter von 80 Jahren seinen Rücktritt ein. Am Abend des 5. April fährt er zu Königin Elisabeth II. nach Buckingham Palace, um sein Rücktrittsgesuch persönlich zu überreichen — sichtlich bewegt, wie Augenzeugen berichten. Gesundheitliche Rückschläge, darunter ein schwerer Schlaganfall bereits 1953, den die Öffentlichkeit lange nicht erfuhr, hatten ihn zunehmend gezeichnet; enge Vertraute drängten seit Monaten auf den Rückzug von der Regierungsspitze.

Sein Nachfolger steht seit Langem fest: Sir Anthony Eden, seit 1951 Außenminister und seit Jahren als Kronprinz der Konservativen Partei gehandelt, wird am 6. April von der Königin mit der Regierungsbildung beauftragt. Eden führt Großbritannien noch im selben Sommer erstmals auf internationalem Parkett an — als britischer Delegationschef beim Genfer Gipfeltreffen der „Großen Vier" im Juli. Churchill selbst bleibt bis zu seinem Tod 1965 einfaches Unterhausmitglied und Ikone des Widerstands gegen Hitler-Deutschland, tritt aber nie wieder in ein Regierungsamt ein.

Bandung: Erste afro-asiatische Konferenz begründet die Bewegung der Blockfreien

Delegierte bei der Asiatisch-Afrikanischen Konferenz in Bandung, April 1955
Delegierte bei der Asiatisch-Afrikanischen Konferenz in Bandung, April 1955 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In der indonesischen Stadt Bandung kommen erstmals Vertreter von 29 unabhängigen und um Unabhängigkeit ringenden Staaten Asiens und Afrikas zusammen — zusammen repräsentieren sie mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Gastgeber Sukarno, Präsident Indonesiens, eröffnet die Konferenz; unter den prominentesten Teilnehmern sind Indiens Premierminister Jawaharlal Nehru, Chinas Ministerpräsident Zhou Enlai, Ägyptens Regierungschef Gamal Abdel Nasser und Birmas Premier U Nu. Überschattet wird das Treffen von einem Anschlag: Wenige Tage zuvor stürzt ein gechartertes Flugzeug, in dem eigentlich Zhou Enlai sitzen sollte, über dem Südchinesischen Meer ab — eine Bombe an Bord, vermutlich gelegt vom taiwanesischen Geheimdienst; Zhou selbst war rechtzeitig umgebucht worden und blieb unversehrt.

Am Ende der Beratungen steht ein Zehn-Punkte-Programm für friedliche Koexistenz, gegenseitige Achtung der Souveränität und Ablehnung von Kolonialismus in jeder Form — Grundstein für die spätere Bewegung der Blockfreien Staaten, die sich 1961 in Belgrad offiziell gründet. Für die Länder Asiens und Afrikas, von denen viele erst in den Nachkriegsjahren ihre Unabhängigkeit von europäischen Kolonialmächten erlangt haben, markiert Bandung den ersten gemeinsamen Auftritt als eigenständige Kraft zwischen den Blöcken des Kalten Krieges — ein Gegenentwurf zur Blockbildung, die sich in Europa mit NATO und Warschauer Pakt im selben Jahr vollzieht.

Le-Mans-Katastrophe: Schwerstes Unglück der Motorsportgeschichte

Brennendes Wrack und Zuschauer nach dem Unglück beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, 1955
Brennendes Wrack und aufgebrachte Zuschauer kurz nach dem Unglück beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, 11. Juni 1955 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Beim traditionsreichen 24-Stunden-Rennen von Le Mans ereignet sich am frühen Abend das folgenschwerste Unglück in der Geschichte des Motorsports. In der 35. Runde bremst der britische Jaguar-Pilot Mike Hawthorn unvermittelt ab, um in die Boxengasse einzubiegen; der dahinter fahrende Lance Macklin im Austin-Healey weicht scharf aus — direkt in die Bahn des mit hoher Geschwindigkeit überholenden Mercedes-Werksfahrers Pierre Levegh. Dessen Wagen katapultiert über das Heck des Austin-Healey in die Luft, schlägt auf einem Erdwall auf und zerbirst, Motor und Fahrgestellteile schleudern in die dicht gefüllte Zuschauertribüne.

Levegh und 83 Zuschauer sterben, rund 180 weitere werden verletzt — die höchste Opferzahl, die ein Motorsportunfall je gefordert hat. Das Rennen selbst wird, auch um die Zufahrtswege für Rettungskräfte freizuhalten, nicht abgebrochen und bis zum nächsten Tag fortgesetzt, was international scharf kritisiert wird. Mercedes-Benz zieht als Konsequenz sein Werksteam aus dem internationalen Motorsport zurück und kehrt erst über drei Jahrzehnte später zurück; mehrere europäische Länder, darunter die Schweiz, verhängen in der Folge weitreichende Verbote für Motorsportveranstaltungen auf öffentlichen Rennstrecken.

Walt Disney eröffnet Disneyland in Kalifornien

Besucher vor dem Sleeping Beauty Castle am Eröffnungstag von Disneyland, Juli 1955
Besucher am Eröffnungstag vor dem „Sleeping Beauty Castle" in Disneyland, Anaheim, 17. Juli 1955 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In Anaheim, südlich von Los Angeles, öffnet Walt Disney nach nur einem Jahr Bauzeit auf dem Gelände ehemaliger Orangenhaine seinen rund 17 Millionen Dollar teuren Vergnügungspark Disneyland — der erste seiner Art und der einzige, den Disney persönlich bis ins Detail mitgestaltet. Zur feierlichen Eröffnung verliest er von einer Bühne aus die später berühmt gewordenen Widmungsworte: „To all who come to this happy place — welcome." Der US-Sender ABC überträgt die Feierlichkeiten landesweit live — schätzungsweise 90 Millionen Zuschauer verfolgen die Sendung, eine der größten Fernsehübertragungen ihrer Zeit.

Der erste Tag verläuft freilich chaotisch: Gefälschte Eintrittskarten lassen die Besucherzahl von geplanten 11.000 auf rund 28.000 anschwellen, bei sommerlicher Hitze versiegen Trinkwasserbrunnen, Essen geht aus, frisch verlegter Asphalt auf der Main Street schmilzt unter den Schuhen der Gäste, und das Mark-Twain-Dampfschiff droht wegen Überladung zu kentern — Insider nennen den Tag später „Black Sunday". Trotz der Anlaufschwierigkeiten wird Disneyland binnen kurzem zum meistbesuchten Vergnügungspark der Welt und zum Vorbild für Freizeitparks rund um den Globus.

Militärputsch stürzt Perón in Argentinien

Menschenmenge auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires zur Amtseinführung Lonardis, 1955
Menschenmenge auf der Plaza de Mayo in Buenos Aires zur Amtseinführung von General Lonardi nach dem Sturz Peróns, 1955 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Nach neun Jahren an der Macht wird Argentiniens Präsident Juan Perón von einem Aufstand aus Militär und oppositionellen Zivilkräften gestürzt, der sich selbst „Revolución Libertadora" (Befreiungsrevolution) nennt. Angeführt von General Eduardo Lonardi, General Pedro Eugenio Aramburu und Admiral Isaac Rojas, hatte Perón seit seiner Wiederwahl 1951 zunehmend den Rückhalt der katholischen Kirche, wichtiger Militärkreise und der Wirtschaft verloren — verschärft durch wirtschaftliche Schwierigkeiten und einen immer autoritäreren Regierungsstil. Als das Land am Rand eines Bürgerkriegs steht, gibt Perón am 16. September auf und flüchtet an Bord eines paraguayischen Kanonenboots ins Exil nach Asunción.

Am 23. September übernimmt General Lonardi das Präsidentenamt und verspricht in seiner Antrittsrede vom Balkon der Casa Rosada aus programmatisch „weder Sieger noch Besiegte" — eine versöhnliche Linie, die ihm rasch die Gegnerschaft der Peronismus-Gegner in den eigenen Reihen einbringt. Bereits im November wird er durch einen internen Putsch von General Aramburu abgelöst, der einen deutlich härteren Kurs gegen den weiterhin einflussreichen Peronismus einschlägt. Perón selbst kehrt erst 1973, nach 18 Jahren Exil, noch einmal an die Macht zurück.

Rosa Parks verweigert ihren Sitzplatz — Beginn des Busboykotts von Montgomery

Rosa Parks, 1955
Rosa Parks, 1955 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In Montgomery, Alabama, verweigert die Schneiderin und Bürgerrechtsaktivistin Rosa Parks am 1. Dezember in einem Stadtbus einer weißen Fahrgästin ihren Sitzplatz zu räumen, wie es die Rassentrenngesetze der Südstaaten vorschreiben. Sie wird verhaftet und wegen Verstoßes gegen die Sitzordnung verurteilt. Vier Tage später, am 5. Dezember, ruft die neu gegründete Montgomery Improvement Association die schwarze Bevölkerung der Stadt zum organisierten Boykott der städtischen Buslinien auf — fast geschlossen bleiben die schwarzen Fahrgäste den Bussen fortan fern. Zum Vorsitzenden der Vereinigung wählen die Versammelten den erst 26-jährigen, bis dahin kaum bekannten Baptistenpfarrer Martin Luther King.

Der Boykott, gewaltfrei geführt nach dem Vorbild Mahatma Gandhis, hält 381 Tage durch — organisiert über improvisierte Fahrgemeinschaften und ein eigenes Taxisystem — bis der Oberste Gerichtshof der USA im Fall Browder v. Gayle die Rassentrennung in öffentlichen Bussen für verfassungswidrig erklärt und das Urteil im Dezember 1956 in Montgomery in Kraft tritt. Der Busboykott gilt seither als eines der Gründungsereignisse der modernen amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und macht King landesweit bekannt.

Aus heutiger Sicht

Aus dem unbekannten Baptistenpfarrer wird binnen weniger Jahre die zentrale Figur der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung: 1964 erhält Martin Luther King den Friedensnobelpreis, im selben Jahr beendet der Civil Rights Act die gesetzliche Rassentrennung in den USA. King wird am 4. April 1968 in Memphis erschossen — Rosa Parks selbst stirbt erst 2005, hochgeehrt als „Mutter der Bürgerrechtsbewegung".

Polio-Impfstoff für sicher und wirksam erklärt

Zeitungsschlagzeilen zum Polio-Impfstoff, April 1955
Zeitungsschlagzeilen zum Polio-Impfstoff, April 1955 (March of Dimes / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

An der University of Michigan in Ann Arbor verkündet der Virologe Thomas Francis Jr. die Ergebnisse der größten medizinischen Feldstudie der Geschichte: Über 1,8 Millionen amerikanische Schulkinder haben an dem Test des von Jonas Salk entwickelten Impfstoffs gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) teilgenommen. Das Urteil ist eindeutig — der Impfstoff ist sicher und zu bis zu 90 Prozent wirksam. Kirchenglocken läuten in amerikanischen Städten, Zeitungen drucken Sonderausgaben: Nach Jahrzehnten, in denen die Krankheit jeden Sommer Zehntausende Kinder lähmte, ist ein Ende der Epidemien in Sicht.

In der Bundesrepublik und in der DDR ist von einem eigenen Impfprogramm vorerst nichts zu spüren — Polio bleibt in beiden deutschen Staaten weiter eine gefürchtete Sommerkrankheit, gegen die es noch keine Massenimpfung gibt.

Aus heutiger Sicht

Die Impfung erreicht die beiden deutschen Staaten mit deutlicher Verzögerung — und höchst ungleich. Die DDR beginnt 1960 mit dem sowjetisch finanzierten oralen Impfstoff nach Sabin die Massenschluckimpfung und meldet ab 1962 praktisch keine Neuerkrankungen mehr. Die Bundesrepublik lässt den Sabin-Impfstoff erst 1962 zu — zuvor erkranken bei der letzten großen Polio-Welle 1961 mehr als 4.600 Menschen im Westen, über 3.300 Kinder bleiben gelähmt, während im selben Jahr in der DDR nur vier Fälle registriert werden.

Der Tierpark Berlin öffnet seine Tore

Eingang des Tierparks Berlin, 1955
Eingang des Tierparks Berlin, 1955 (Bundesarchiv / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Im Ost-Berliner Stadtbezirk Friedrichsfelde eröffnet der Tierpark Berlin auf dem weitläufigen Gelände von Schloss Friedrichsfelde — mit über 160 Hektar der flächenmäßig größte Landschaftstierpark Europas. Gründungsdirektor Heinrich Dathe verfolgt ein Konzept, das sich bewusst vom beengten West-Berliner Zoo im Bezirk Charlottenburg absetzt: großzügige, landschaftlich gestaltete Gehege statt enger Käfige. Zur Eröffnung strömen Zehntausende Besucher aus ganz Ost-Berlin und der DDR, darunter viele Familien aus dem Bezirk Potsdam, für die der Ausflug nach Friedrichsfelde zu einem der ersten großen Freizeitziele der jungen Republik wird.

Der millionste VW Käfer läuft vom Band

Der millionste VW Käfer
Der millionste VW Käfer (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im Volkswagenwerk Wolfsburg läuft der millionste VW Käfer vom Band — mit goldener Lackierung und Zierleisten aus geschliffenem Glas eigens für den Anlass hergerichtet. Nur zehn Jahre nach Kriegsende, in denen die Fabrikanlagen noch in Trümmern lagen, ist aus dem einstigen „Kraft-durch-Freude-Wagen" der meistgebaute Personenwagen der Bundesrepublik geworden — mit Exporten inzwischen bis in die USA. Im Werk selbst kursiert zur Feier des Tages ein Scherzwort: Der Jubiläumskäfer sei „das teuerste Auto, das Wolfsburg je gebaut hat".

Wilhelm Noll: Seitenwagen-Vizeweltmeister und Geschwindigkeitsrekordler

Wilhelm Noll und Fritz Crohn im BMW-Seitenwagengespann, TT Assen 1955
Wilhelm Noll und Fritz Crohn im BMW-Seitenwagengespann, TT Assen 1955 (Harry Pot / Anefo, Wikimedia Commons, CC0)

Auf der Rennstrecke von Assen in den Niederlanden fährt Wilhelm Noll am 16. Juli mit Beifahrer Fritz Crohn im BMW-Seitenwagengespann auf Rang zwei der „Tourist Trophy" — einer von mehreren Podiumsplätzen in einer Saison, die das deutsche Duo am Jahresende zu Vize-Weltmeistern der Seitenwagenklasse macht, hinter dem übermächtigen englischen Team Eric Oliver/Les Nutt.

Noch spektakulärer ist ein Alleingang wenige Wochen später: Am 4. Oktober stellt Noll auf der Autobahn zwischen München und Ingolstadt — solo, ohne Beifahrer, nur mit Ballast beschwert — auf einer vollverkleideten 500-cm³-BMW mit rund 75 PS einen absoluten Geschwindigkeitsrekord für Dreiradfahrzeuge auf: 280,2 km/h über einen Kilometer und eine Meile.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • Bei einer Botschafterkonferenz am 8. Dezember legt Staatssekretär Walter Hallstein die Leitlinie fest, wonach die Bundesrepublik diplomatische Beziehungen zu Staaten abbricht, die die DDR anerkennen — die spätere Hallstein-Doktrin.
  • In Hollywood reißt ein Autounfall bei Cholame, Kalifornien, am 30. September den 24-jährigen Schauspieler James Dean aus dem Leben — er wird zur Legende einer ganzen Generation.
  • Aus der DDR fliehen 1955 rund 252.870 Menschen in die Bundesrepublik — auch aus dem Bezirk Potsdam ist die Abwanderung Richtung Westen ein stetiges Thema der Zeit.
  • Am 18. April stirbt der Physiker Albert Einstein im Alter von 76 Jahren in Princeton — mit ihm verliert die Welt einen der prägendsten Wissenschaftler des Jahrhunderts.
  • Beim Referendum über das Saarstatut am 23. Oktober stimmen rund zwei Drittel der Saarländer gegen die Europäisierung des Saarlands — der Weg zur Rückgliederung an die Bundesrepublik ist damit vorgezeichnet.
  • Im Gefolge des Warschauer-Pakt-Beitritts verstärkt die DDR ab Mai die Kasernierte Volkspolizei auch in Garnisonen des Bezirks Potsdam — ein Jahr später geht daraus die Nationale Volksarmee hervor.
  • Am 27. August erscheint in London die erste Ausgabe des Guinness Buchs der Rekorde — entstanden aus einem Wirtshausstreit über den schnellsten Wildvogel Europas.
  • Die Frankfurter Allgemeine Zeitung warnt zum Jahreswechsel vor dem „Halbstarken"-Rummel um Rock ’n’ Roll und amerikanische Filmidole — eine Gefahr, „schlimmer als die Atombombe".

WIRTSCHAFT · 1955

Die Wirtschaft der jungen Bundesrepublik wächst 1955 mit rund 12 Prozent so stark wie in kaum einem anderen Jahr des sogenannten Wirtschaftswunders — getragen von Exportboom und Vollbeschäftigung; im Dezember wird mit Italien das erste Anwerbeabkommen für ausländische Arbeitskräfte unterzeichnet. In der DDR bestimmt weiterhin die zentrale Planwirtschaft den Alltag: Für Grundnahrungsmittel gilt der staatlich festgelegte Einzelhandelsverkaufspreis (EVP), während viele Konsumgüter nur zu deutlich höheren Preisen in den HO-Geschäften (Handelsorganisation) erhältlich sind — für Luckenwalder Haushalte im Bezirk Potsdam bleibt die Versorgungslage 1955 spürbar angespannter als im Westen.

Der Preisspiegel (DDR, EVP/HO):

  • Roggenmischbrot (2 Pfund) — 52 Pfennig (EVP)
  • Butter, „frei" (HO, 1 Pfund) — rund 9–10 Mark (Preisstand Mitte der 1950er Jahre)
  • Vollmilch (0,5 l) — 34 Pfennig (EVP)
  • Bier (0,33 l) — 67 Pfennig
  • Schnitzel/Fleisch (1 kg, EVP) — rund 10 Mark
  • Zigaretten „Juwel" (20 Stück) — 2,50 Mark

Zum Vergleich (Bundesrepublik, DM):

  • Roggenmischbrot (1 kg) — 0,68 DM
  • Butter (1 kg) — 6,77 DM

STIMMEN DER PRESSE · 1955

Zur Heimkehr der letzten Kriegsgefangenen aus sowjetischer Gefangenschaft im Oktober kommentiert die west­deutsche Presse ausführlich — zwischen Erleichterung und Skepsis gegenüber Adenauers diplomatischem Preis:

„Die Freude über die Heimkehr der Gefangenen wird überschattet von der Sorge, was Moskau als Gegenleistung fordert." — Neue Ruhr Zeitung, Oktober 1955

„Bonn hat mit Moskau einen Handel gemacht: Freiheit für die Gefangenen gegen diplomatische Anerkennung." — Die Zeit (Jan Molitor), 22. September 1955

SPORT · 1955

Die DDR baut ihre systematische Sportförderung 1955 konsequent weiter aus: Seit dem Beschluss, ab 1954 an ausgewählten Standorten Sportclubs (SC) als zentrale Kaderschmieden einzurichten — etwa den im November 1954 gegründeten SC Wismut Karl-Marx-Stadt —, werden Talente hier gezielt und hauptamtlich gefördert; der Grundstein für das spätere „DDR-Sportwunder" wird in diesen Jahren gelegt. In der Fußball-Oberliga der DDR sichert sich der SC Turbine Erfurt 1954/55 knapp vor Wismut Karl-Marx-Stadt die Meisterschaft, während sich Wismut mit einem 3:2-Erfolg nach Verlängerung gegen SC Empor Rostock immerhin den FDGB-Pokal holt.

Im Westen dominiert der noch junge, regional gegliederte Ligafußball den sportlichen Alltag: Am 26. Juni gewinnt Rot-Weiss Essen vor 76.000 Zuschauern im Niedersachsen-Stadion Hannover mit 4:3 gegen den favorisierten 1. FC Kaiserslautern um Weltmeister Fritz Walter die deutsche Fußballmeisterschaft — den entscheidenden Treffer erzielt Franz „Penny" Islacker erst fünf Minuten vor Schluss. Ein Jahr vor der nächsten Olympiade in Melbourne bereiten sich beide deutsche Staaten unterdessen auf ihren ersten gemeinsamen Auftritt als gesamtdeutsche Mannschaft vor — ein letztes sportliches Zusammenrücken, bevor sich der Alltag diesseits und jenseits der innerdeutschen Grenze politisch längst auseinanderentwickelt hat.

MODE · 1955

Auf den Laufstegen von Paris markiert Christian Dior einen weiteren Wendepunkt: Im Frühjahr zeigt er mit der A-Linie eine neue, schlankere Silhouette — schmal an den Schultern, mit leichter Taille und weit ausschwingendem Rocksaum, von der Fachpresse als „das zarteste Dreieck seit Pythagoras" gefeiert. Im Herbst folgt die Y-Linie mit kurzen Boleros und betont breiten Kragen, die den Blick auf Schultern und Hals lenkt — ein bewusster Kontrast zum vollen New-Look-Rock, mit dem Dior selbst 1947 den Nachkriegsstil geprägt hatte.

Parallel wird die Jeans, durch Filmidole wie James Dean — dessen Tod bei einem Autounfall im September die Welt erschüttert, wenige Wochen vor dem postumen Kinostart seines Films „...denn sie wissen nicht, was sie tun" — endgültig zum Symbol jugendlicher Rebellion in Amerika, ein Trend, der erst mit deutlicher Verzögerung auch in Westdeutschland ankommt. In der DDR bleibt Jeansstoff derweil Mangelware und gilt der Kulturpolitik als Ausdruck „dekadenter" westlicher Unkultur — ein Gegensatz, der die Mode der jungen Generation diesseits und jenseits der Grenze in den kommenden Jahren zunehmend prägen wird.

KINO & FERNSEHEN · 1955

Im Westen beherrscht ein einziger Film die Kinosäle: Am 22. Dezember startet „Sissi" von Regisseur Ernst Marischka mit der erst 17-jährigen Romy Schneider als österreichische Kaiserin Elisabeth — der Auftakt einer Trilogie, die binnen weniger Jahre rund 25 Millionen Zuschauer in die Kinos lockt und Schneider über Nacht zum Star macht. In der DDR setzt die DEFA derweil auf Filme mit politischem Auftrag: Im Januar läuft die Komödie „Der Ochse von Kulm" von Martin Hellberg an, die auf ihre Weise die westdeutsche Wiederbewaffnung aufs Korn nimmt und über vier Millionen Zuschauer erreicht; im Oktober folgt mit „Ernst Thälmann — Führer seiner Klasse" von Kurt Maetzig der erste Teil eines aufwendigen biografischen Zweiteilers über den 1944 im KZ Buchenwald ermordeten KPD-Vorsitzenden. Das Fernsehen selbst steckt in beiden deutschen Staaten noch in den Anfängen — nur eine kleine Zahl von Haushalten besitzt überhaupt ein Empfangsgerät.

GESTORBEN · 1955

  • Alexander Fleming (73), Bakteriologe, Entdecker des Penicillins — 11. März, London.
  • Charlie Parker (34), Jazzmusiker und Wegbereiter des Bebop — 12. März, New York.
  • Albert Einstein (76), Physiker, Nobelpreisträger — 18. April, Princeton (siehe „Am Rande notiert").
  • Thomas Mann (80), Schriftsteller, Literaturnobelpreisträger — 12. August, Zürich.
  • Fernand Léger (74), Maler des Kubismus — 17. August, Gif-sur-Yvette.
  • Cordell Hull (83), ehem. US-Außenminister, Friedensnobelpreisträger — 23. Juli, Bethesda.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1955

  • Eröffnung der ersten documenta (15. Juli, Kassel). Arnold Bode zeigt die größte Überblicksschau moderner Kunst im Nachkriegs-Westdeutschland — 130.000 Besucher legen den Grundstein für die weltweit bedeutendste Ausstellungsreihe zeitgenössischer Kunst.
  • 1. FC Saarbrücken im neuen Europapokal der Landesmeister (November). Als Vertreter des Saarlands gewinnt der Klub das Hinspiel gegen AC Mailand mit 4:3 — erste deutschsprachige Mannschaft im neuen Europapokal.
  • Deutsch-italienisches Anwerbeabkommen (20. Dezember, Rom). Das erste Abkommen der Bundesrepublik zur Arbeitsmigration legt den Grundstein für Aufschwung und kulturelle Öffnung Westdeutschlands.
  • Zuse KG liefert die Z11 aus, Deutschlands ersten in Serie gefertigten Computer (1955). Konrad Zuses Unternehmen bringt Dutzende Exemplare an Universitäten und Industriebetriebe — ein Meilenstein für die junge westdeutsche Computertechnik.
  • Erste Jugendweihen in der ganzen DDR, auch im Bezirk Potsdam (Frühjahr 1955). Zehntausende Vierzehnjährige feiern erstmals landesweit die neue weltliche Feier — für viele Familien in Luckenwalde und Umgebung ein festlicher Höhepunkt des Jahres.

DAS WETTER · 1955 in der Mark

An diesem 13. Juli war es in der Mark ein warmer Sommertag: Höchstwert 27,8 °C, in der Nacht 17,5 °C; ein kurzer Schauer brachte 0,4 mm, die Sonne zeigte sich rund 10,1 Stunden.

Das Jahr über: Im Mittel 8,0 °C — rund 0,8 Grad unter dem langjährigen Potsdamer Mittel (~8,8 °C). Wärmster Tag 30 °C am 18. Juli, kältester −18 °C am 22. Februar. 4 Hitzetage (≥30 °C), 28 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 689 mm.

(Messwerte der Säkularstation Potsdam, rund 30 km nördlich von Luckenwalde — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1955

Amtliche Musikcharts gab es in Deutschland erst ab 1959. Diese Liste versammelt die 20 populärsten Schlager und Lieder des Jahres — rekonstruiert aus Notenabsatz, Rundfunk und Filmerfolg, keine offizielle Rangfolge.

  1. Ganz Paris träumt von der Liebe — Caterina Valente
  2. Jim, Jonny und Jonas — Hula Hawaiian Quartett
  3. Die Gipsy-Band (Polly-Dolly-do) — Bibi Johns und die Penny-Pipers
  4. He Mr. Banjo — Silvio Francesco mit Fausto Campi und den Leonardos
  5. Domingo Santo Domingo — Die Hilo Hawaiians
  6. Arrivederci, Roma — Lys Assia
  7. Sing, Baby Sing — Caterina Valente & Peter Alexander
  8. Casanova — Caterina Valente
  9. Der Mond hält seine Wacht — Peter Alexander
  10. Ich möcht' auf deiner Hochzeit tanzen — Bibi Johns & Bully Buhlan
  11. La-Le-Lu (Filmversion) — Heinz Rühmann & Oliver Grimm
  12. Deinen Namen, den hab' ich vergessen — René Carol
  13. Fräulein Mabel — Heinz Erhardt
  14. Mutti, du darfst doch nicht weinen — Margot Eskens
  15. Tausend Mandolinen — Vico Torriani
  16. Bim-Bam-Bim-Bam-Bina — Caterina Valente
  17. O Wandersmann — René Carol
  18. Zwei Matrosen aus Shanghai — Gerhard Wendland
  19. Eventuell, Eventuell — Peter Alexander & Caterina Valente
  20. Fiesta Cubana — Caterina Valente

Quellen: Schlager-Chroniken (musikhimmel.de · spectre-media.com · was-war-wann.de) — rekonstruierte Popularität, kein amtliches Ranking.

Lokalteil Kiel / Schleswig-Holstein

Kieler Block gewinnt die Ratsmehrheit — Müthling Oberbürgermeister

Im Kieler Rathaus wechseln in diesem Frühjahr die Mehrheiten. Bei der Kommunalwahl am 24. April hat der „Kieler Block“, ein Zusammenschluss von CDU, FDP, GB/BHE und SHB, 24 der 45 Ratssitze gewonnen. Die SPD kommt auf 21 Sitze. Der Block verfügt damit über die absolute Mehrheit in der Ratsversammlung; er erhielt 50,2 Prozent der Stimmen, die SPD 44,1 Prozent, bei einer Wahlbeteiligung von 71,0 Prozent.

Zuvor hatte die Stadt schon einen neuen Verwaltungschef bekommen: Am 20. Januar wurde Dr. Hans Müthling (SPD) als Oberbürgermeister eingeführt. Er folgt auf Andreas Gayk, der von 1946 bis zu seinem Tod im Jahr 1954 an der Spitze der Stadt stand. Müthling, 1901 in Schwerin geboren, war von 1951 bis 1955 Kämmerer und Stadtdirektor in Hannover; von 1946 bis 1950 war er als Erster Landesdirektor Staatssekretär der schleswig-holsteinischen Landesregierung.

Auch der Ratsvorsitz ist neu besetzt. Stadtpräsident Max Schmidt (SPD), seit 1951 im Amt, starb am 24. März in Kiel. Zu seinem Nachfolger wählte die neue Ratsversammlung am 12. Mai gegen die Stimmen der SPD Dr. Wilhelm Sievers (CDU), der den Kieler Block in die Wahl geführt hatte.

Aus heutiger Sicht

Müthling blieb bis 1965 Oberbürgermeister. Die Ratsversammlung nahm seinen Rücktritt am 19. August 1965 an; sein Nachfolger Günther Bantzer trat das Amt am 1. November 1965 an.

Kieler Woche: Britische U-Boote an der Tirpitzmole, US-Zerstörer auf der Förde

Britisches U-Boot THERMOPYLAE an der Tirpitzmole
Das britische U-Boot THERMOPYLAE an der Tirpitzmole, zur Besichtigung während der Kieler Woche, Juni 1955 (Georg Gasch, Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 de)

Vom 19. bis 26. Juni stand die Förde im Zeichen der Kieler Woche. Ausländische Marinen schickten Schiffe: Die britischen U-Boote SPRINGER und THERMOPYLAE lagen an der Tirpitzmole und konnten besichtigt werden. Als Gäste der Woche kamen die amerikanischen Zerstörer MCGOWAN, LEWIS HANCOCK, WALLACE L. LIND und GAINARD.

Mit dem Beginn der Woche am 19. Juni nahm auch die Straßenbahnlinie 2 ihren Betrieb zur Neuen Universität am Westring auf; sie ist von der Holtenauer Straße bis zur Universität verlängert worden.

„Zehn Jahre Aufbau“: Kiel baut in die Höhe

Landesbank am Martensdamm bei Nacht
Blick über den Kleinen Kiel zur beleuchteten Landesbank am Martensdamm, Kieler Woche, Juni 1955 (Georg Gasch, Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 de)

Zehn Jahre nach Kriegsende wachsen in der Innenstadt die Neubauten. Am 8. März weihte die Industrie- und Handelskammer ihr neues Haus am Lorentzendamm ein; Architekt war Wilhelm Neveling. Am 19. April legte die Stadt den Grundstein für das Gesundheitsamt in der Willestraße, am 6. Mai wurde das Hochhaus des Sozialministeriums an der Brunswiker Straße übergeben.

Am 27. Juni eröffnete am Martensdamm die Landesbank und Girozentrale. Für den Wohnungsbau gab es am 14. Juli ein Richtfest: 244 Wohnungen entstanden in der Rathaus-, der Waisenhof- und der Dammstraße sowie in der Schauenburger- und der Gerhardstraße. Am 8. August folgte das Richtfest für das fünfte Kieler Hochhaus am Knooper Weg, Ecke Bremerstraße.

Im Juni zeigte die Stadt im Dachgeschoss des Rathauses am Fleethörn die Ausstellung „10 Jahre Aufbau Kiel“. Der Runde Platz heißt seit dem 2. Juni Berliner Platz; offiziell eingeweiht wurde er am 17. Juni.

Howaldtswerke übernehmen die Deutschen Werke — Tanker für Niarchos

Auf der Förde gibt es im Schiffbau eine Neuordnung: Die Kieler Howaldtswerke AG hat den Betrieb der Deutschen Werke Kiel (DWK) in Gaarden übernommen. Die Gaardener Werft war nach 1945 fast völlig demontiert worden; Als „Werk Gaarden“ wird das Gelände neu hergerichtet; die größte Helling, die frühere Nummer 3, soll als neue Helling I Schiffe bis 80.000 Tonnen Tragfähigkeit aufnehmen.

Für den griechischen Reeder Stavros S. Niarchos bauen die Howaldtswerke Turbinentanker. Am 5. März wurde die WORLD GUARDIAN (Baunummer 986) an die World Tankers Corporation in Monrovia übergeben. Am selben Tag lief auf der Helling II an der Schwentine die WORLD GUIDANCE (Baunummer 987) vom Stapel; am 19. Juli übernahm sie die International Transport Corporation, Monrovia.

Am 15. November lief ein ganz anderer Schiffstyp vom Stapel: das Kühlschiff AHRENSBURG (Baunummer 1035) für H. Schuldt & Co. in Hamburg.

Der Große Kurfürst steht wieder am Wasser — Eckernförde übernimmt die Patenschaft für Pillau

Am Strand der Eckernförder Bucht im Stadtteil Borby ist am 11. September das Denkmal des Großen Kurfürsten aus Pillau neu eingeweiht worden. Die Bronzefigur war 1913 in der ostpreußischen Hafenstadt Pillau enthüllt worden; im Krieg sollte sie in Hamburg eingeschmolzen werden und blieb erhalten. Nun hat Eckernförde die Patenschaft für Pillau übernommen und das Standbild in seine Obhut genommen.

Am Sonnabend, dem 10. September, überreichte Bürgervorsteher Hans Ohm im Sitzungssaal des Rathauses die Patenschaftsurkunde an Dr. Kaspar, den letzten Bürgermeister von Pillau. Dr. Kaspar übergab als Gegengeschenk ein geschnitztes Wappen der Seestadt, den gekrönten Stör. Vier Pillauer Bürgermeister nahmen teil, darunter Dr. Konrad Haberland, der von 1911 bis 1920 an der Spitze der Stadt stand.

Am Sonntag zog um 11.30 Uhr ein Festzug der Eckernförder Vereine, der landsmannschaftlichen Bünde und der Deutschen Jugend des Ostens zum Denkmalplatz; mehr als sechstausend Teilnehmer versammelten sich dort. Der Ostpreußenchor sang die Kantate „Heimaterde“. Haberland, der 1913 schon die Festrede bei der Enthüllung in Pillau gehalten hatte, sprach auch jetzt.

Den Sockel aus Granitsteinen entwarf Baurat Möller, früher Stadtbaumeister in Pillau und jetzt in gleicher Stellung in Eckernförde. Die Figur ist beschädigt: Am rechten Ellenbogen ist eine Stelle leicht eingedrückt, der Degen fehlt. Die Landesregierung übernahm alle Aufstellungskosten, die Norddeutsche Affinerie in Hamburg verzichtete auf den Kaufpreis.

KURZ NOTIERT · Kiel 1955

  • 28. Januar — In der Wilhelminenstraße 47/49 wird das Haus der Heimat eröffnet.
  • 30. März — Auf dem Heischberg in Kronshagen nimmt der Fernsehsender des NWDR den Betrieb auf.
  • 23. Juni — Die Gebeine des dänischen Dichters Jens Baggesen werden vom aufgelassenen St.-Jürgen-Friedhof auf den Parkfriedhof Eichhof umgebettet; für den alten St.-Jürgen-Friedhof war dort am 12. Juni eine Sammelruhestätte eingeweiht worden.
  • 18. August — In der Augustenstraße 40 öffnet das Kino „Kurbel“; am selben Tag erhält eine Straße den Namen Prinz-Heinrich-Straße.
  • 11. Oktober — Heimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft treffen in Kiel ein.
  • 17. November — Die Ratsversammlung benennt den Holstenplatz.
  • 24. November — Ein dänisches Motorschiff rammt das Feuerschiff Kiel.
  • 10. Dezember — Kiel bekommt den Selbstwählferndienst.

RUND UM DIE FÖRDE · 1955

  • 19. Februar, Lütjenburg — Der Bürgermeister begrüßt in einem Schreiben an das Land die Absicht, Lütjenburg mit seinen 4.100 Einwohnern zum Standort einer Flaklehrabteilung zu machen; am 11. Februar hatte die Stadt erfahren, dass sie auf Vorschlag der Landesplanung dafür in Betracht kommt.
  • 26. April, Ascheberg — Am Großen Plöner See wird der Ascheberger Warder mit der Insel Tempel, knapp zehn Hektar, per Verordnung zum Naturschutzgebiet erklärt.

SPORT AN DER FÖRDE · 1955

  • Holstein Kiel — Holstein beendet die Oberliga-Nord-Saison 1954/55 auf Platz 10 von 16 Mannschaften, mit 27:33 Punkten und 52:64 Toren (8 Siege, 11 Unentschieden, 11 Niederlagen). Punktgleich mit dem VfL Osnabrück, Meister wird der Hamburger SV mit 47 Punkten.
  • Kieler Woche — Beim Prominentensegeln des Kieler Yacht-Clubs ist Bundespräsident Theodor Heuss dabei.
  • Kieler Yacht-Club — Die Satzung erlaubt es seit 1955, einen Kommodore auf Lebenszeit zu wählen; Einen solchen Kommodore hat der Club bislang nicht gewählt.
  • THW Kiel — Die Feldhandballer werden norddeutscher Meister; in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft scheiden sie am 15. Mai auf eigenem Platz mit 12:20 gegen Bayer 04 Leverkusen aus.

DAS WETTER · 1955 in Kiel

An diesem 13. Juli war es an der Förde ein warmer, sonniger Sommertag: Höchstwert 26,9 °C, in der Nacht 15,4 °C, im Tagesmittel 21,0 °C. Es blieb trocken (0,0 mm), die Sonne schien rund 15,7 Stunden.

Das Jahr über: Im Mittel 8,1 °C. Wärmster Tag 27,8 °C am 14. Juli, kältester Tiefstwert −13,4 °C am 23. Februar. Hitzetage (≥30 °C) gab es keine, dafür 22 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 633 mm, Sonnenscheindauer rund 1876 Stunden.

(Messwerte der DWD-Station Kiel-Kronshagen. Quelle: DWD Climate Data Center.)