DER CHRONIST
Ein Jahr des Aufbruchs und der Mauer: Während ein Mensch zum ersten Mal die Erde aus dem All erblickt und ihm wenig später der erste Amerikaner ins All folgt, kündigt Präsident Kennedy vor dem Kongress an, noch in diesem Jahrzehnt einen Menschen zum Mond zu bringen. Kurz darauf stehen sich Kennedy und Chruschtschow beim Wiener Gipfeltreffen unversöhnlich gegenüber, und nur Wochen später wird mitten durch Berlin eine Grenze gezogen, die Familien für eine unabsehbare Zeit trennt. In der Karibik scheitert derweil eine von der CIA gestützte Invasion Kubas kläglich, in den Südstaaten der USA setzen die ersten Freedom Rider ihr Leben für das Ende der Rassentrennung aufs Spiel, und in Jerusalem muss sich der NS-Verbrecher Adolf Eichmann vor Gericht für den Mord an Millionen Juden verantworten. Im Bergischen Land wächst derweil, Stein auf Stein, das neue Gesicht der Städte — ein Jahr, in dem Hoffnung und Bedrohung einander so nah kommen wie selten zuvor.
Juri Gagarin umkreist als erster Mensch die Erde

Vom Kosmodrom Baikonur aus startet der sowjetische Major Juri Gagarin um 9:07 Uhr Moskauer Zeit (7:07 Uhr MEZ) an Bord der Kapsel Wostok 1 ins All. In 108 Minuten umrundet er einmal den Erdball, mit einer Bahnhöhe zwischen 181 und 327 Kilometern und einer zurückgelegten Strecke von rund 41.000 Kilometern. Kurz vor 11 Uhr landet er per Fallschirm auf einem Feld nahe dem Dorf Smelowka, 26 Kilometer südwestlich von Engels bei Saratow — er hatte sich, wie es die sowjetische Führung jahrelang verschweigt, schon in rund sieben Kilometern Höhe mit dem Schleudersitz aus der Kapsel katapultiert. Die ersten Menschen, die ihn begrüßen, sind eine Bäuerin und ihre Enkelin, die den Fallschirmspringer im silbernen Anzug zunächst für einen fremden Eindringling halten. Die Sowjetunion feiert den 27-Jährigen als Helden und Beweis technischer Überlegenheit im Kalten Krieg: Parteichef Nikita Chruschtschow lässt ihn nach der Landung im Triumphzug durch Moskau fahren und befördert ihn noch am selben Tag zum Oberstleutnant; es folgen Reisen um die halbe Welt. Im Westen mischt sich Bewunderung mit Unbehagen — nach dem Sputnikschock von 1957 ist der Vorsprung Moskaus im Wettlauf um den Weltraum erneut unübersehbar. US- Präsident John F. Kennedy zieht die Konsequenz und verkündet nur sechs Wochen später, am 25. Mai, vor dem Kongress das amerikanische Ziel, noch in diesem Jahrzehnt einen Menschen zum Mond zu bringen. Gagarin wird über Nacht zum Idol einer ganzen Generation.
Wuppertal im Wiederaufbaufieber — neue Kaufhäuser für Elberfeld und Barmen

Auch im Bergischen Land zeigt sich 1961 der Wirtschaftswunder-Aufschwung in Beton und Glas: Am 14. April bezieht das Warenhaus Hertie seinen Neubau an der Neumarktstraße Ecke Kerstenplatz in Elberfeld. Der Vorgängerbau war 1943 bei den schweren Luftangriffen auf Elberfeld zerstört worden; seit 1952 hatte Hertie dort nur behelfsmäßig residiert. Der neue, nüchtern-moderne Kastenbau, den der Volksmund bald spöttisch „hässliche Einkaufsschachtel" tauft, steht von Beginn an im Schatten des größeren Konkurrenten Kaufhof und tut sich mit der Kundschaft schwerer als erhofft. Ausgerechnet dieser Kaufhof ist es, der im Dezember in Barmen mit dem Abriss des kriegsversehrten „Barmer Hof" beginnt, um dort einen modernen Kaufhausneubau zu errichten — Teil des großen Wiederaufbauplans für die Barmer Innenstadt, der bis 1963 rund 32 Millionen D-Mark verschlingen und in den kommenden Jahren auch den Alten Markt zur neuen Fußgängerzone samt Busbahnhof umgestalten soll. Über den Baustellen wacht, unverändert seit der Jahrhundertwende, die Schwebebahn — das Wahrzeichen, das Wuppertal durch alle Umbrüche hindurch trägt.
Die Mauer teilt Berlin — und die Nation

In der Nacht zum 13. August riegelt die DDR-Führung die Sektorengrenzen in Berlin mit Stacheldraht, Betonpfosten und bewaffneten Posten ab — der Beginn der Berliner Mauer. Noch am 15. Juni hatte Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht auf einer Pressekonferenz beteuert: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." Seit Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 waren rund 2,6 Millionen Menschen über Berlin aus der DDR in den Westen geflohen, allein im Sommer 1961 täglich bis zu 2.400 — in den ersten dreizehn Augusttagen über 47.000. Als Ulbricht mit sowjetischer Rückendeckung handelt, werden Straßen aufgerissen und U-Bahn-Strecken gekappt, während Volkspolizei und Betriebskampfgruppen die Grenze am Brandenburger Tor und Potsdamer Platz abriegeln; wenige Tage später löst das Stacheldrahtprovisorium eine Mauer aus Betonplatten ab. In den ersten Wochen springen an der Bernauer Straße noch Menschen aus Fenstern grenznaher Häuser in Sprungtücher der West-Berliner Feuerwehr, ehe auch diese Häuser geräumt werden. Am 24. August wird mit dem 24-jährigen Günter Litfin, der schwimmend über den Humboldthafen zu fliehen versucht und von einem Grenzposten erschossen wird, das erste Todesopfer der Mauer beklagt — der Auftakt zu Hunderten weiteren Toten in den kommenden 28 Jahren. Auch im Bergischen Land, wohin seit Kriegsende Hunderttausende Vertriebene und Flüchtlinge gekommen sind, trifft die Nachricht tief: Familien, die auf ein Wiedersehen mit Verwandten „drüben" gehofft hatten, sehen sich nun auf unbestimmte Zeit getrennt. Bundeskanzler Adenauer wird für sein zögerliches Auftreten scharf kritisiert — er reist erst Tage später nach Berlin; West-Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt fordert in einem dringlichen Telegramm an Präsident Kennedy entschlossenes Handeln der Westmächte. Kennedy, der einen Krieg um Berlin scheut, entsendet am 19. August Vizepräsident Lyndon B. Johnson und den früheren Luftbrücken-General Lucius D. Clay nach West-Berlin, wo sie von Hunderttausenden bejubelt werden, und verstärkt die amerikanische Garnison um eine rund 1.500 Mann starke Kampfgruppe, die auf der Autobahn durch die DDR einrollt. Ein militärisches Eingreifen gegen die Absperrung selbst bleibt jedoch aus — die Westmächte respektieren de facto die sowjetische Einflusssphäre.
Bundestagswahl: Adenauer bleibt Kanzler, doch die absolute Mehrheit ist dahin

Nur fünf Wochen nach dem Mauerbau wählt die Bundesrepublik einen neuen Bundestag — der Wahlkampf steht ganz im Schatten der Berliner Ereignisse. Für die SPD tritt mit West-Berlins Regierendem Bürgermeister Willy Brandt erstmals ein eigener Kanzlerkandidat an; Adenauer, der Brandts Auftreten in der Mauerkrise Beifall verschafft hatte, greift ihn im Wahlkampf persönlich an und höhnt am 14. August in Regensburg über „Brandt alias Frahm" — ein Verweis auf Brandts unehelich geborenen bürgerlichen Namen Herbert Frahm, der scharfe Kritik auch in den eigenen Reihen auslöst. Am Wahltag, dem 17. September, bleibt die CDU/CSU mit 45,3 Prozent stärkste Kraft, verliert aber rund vier Punkte und damit die absolute Mehrheit, die sie 1957 noch errungen hatte. Die SPD legt auf 36,2 Prozent zu, ihr bis dahin bestes Bundestagswahlergebnis, die FDP erreicht mit dem Wahlkampfmotto „Mit der CDU, aber ohne Adenauer" 12,8 Prozent — ebenfalls ein Bestwert. Erst nach wochenlangem Koalitionspoker wählt der Bundestag Konrad Adenauer am 7. November mit den Stimmen der FDP erneut zum Kanzler; er bildet das Kabinett Adenauer IV, muss sich aber verpflichten, das Amt noch während der Legislaturperiode abzugeben. Die Ära des „Alten" neigt sich, auch wenn er formal im Amt bleibt und erst 1963 tatsächlich zurücktreten wird. Im Bergischen Land, wo seit den fünfziger Jahren viele Flüchtlinge und Vertriebene aus der SBZ und der jungen DDR eine neue Heimat gefunden haben, verfolgt man den Wahlabend mit besonderer Anteilnahme — für sie ist die geteilte Stadt Berlin keine ferne Nachricht, sondern eigene Erfahrung.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Hamburg, 12. November — SPD 57,4 %, CDU 29,1 %. Erster Bürgermeister Paul Nevermann bildet erneut eine Koalition mit der FDP.
Der Contergan-Skandal: Ein Schlafmittel wird zur Tragödie

Seit dem 1. Oktober 1957 verkauft die Firma Chemie Grünenthal aus Stolberg bei Aachen (NRW) das freiverkäufliche, rezeptfreie Schlafmittel Contergan mit dem in eigenen Labors entwickelten Wirkstoff Thalidomid — beworben als so harmlos, dass selbst eine Überdosis angeblich ungefährlich sei, empfohlen auch gegen Schwangerschaftsübelkeit. Binnen weniger Jahre verkauft Grünenthal das Mittel unter verschiedenen Namen in 46 Ländern; in den USA verhindert die Pharmakologin Frances Kelsey von der Zulassungsbehörde FDA aus Vorsicht die Markteinführung und bewahrt damit unzählige amerikanische Familien vor dem Schicksal, das Europa und Teile der übrigen Welt trifft. Der Hamburger Kinderarzt Widukind Lenz bringt im November die auffällige Häufung schwerster Gliedmaßenfehlbildungen — verkürzte oder fehlende Arme und Beine — bei Neugeborenen erstmals systematisch mit dem Medikament in Verbindung und alarmiert Grünenthal am 15./16. November; nahezu zeitgleich kommt der australische Gynäkologe William McBride in Sydney, aufmerksam gemacht durch die Hebamme Pat Sparrow, unabhängig zum gleichen Verdacht. Nachdem das nordrhein-westfälische Innenministerium und die Presse Druck machen, nimmt Grünenthal Contergan am 27. November vom Markt. Weltweit kommen schätzungsweise 10.000 Kinder mit Fehlbildungen zur Welt, in Deutschland allein rund 4.000 bis 5.000 — einer der größten Arzneimittelskandale der deutschen Geschichte, mit Ursprung mitten im nordrhein-westfälischen Chemiegürtel. Erst 1968 beginnt vor dem Landgericht Aachen der Strafprozess gegen neun leitende Grünenthal-Mitarbeiter; er wird nach 283 Verhandlungstagen im Dezember 1970 ohne Urteil eingestellt, nachdem sich Grünenthal im April 1970 zur Zahlung von 100 Millionen D-Mark an die Betroffenen verpflichtet hat. Aus dieser Summe entsteht 1972 die Bundesstiftung „Hilfswerk für behinderte Kinder", die bis heute Contergan-Geschädigte unterstützt.
Invasion in der Schweinebucht — Debakel für Kennedy

Rund 1.400 von der CIA ausgebildete und bewaffnete kubanische Exilanten der „Brigade 2506" landen in den frühen Morgenstunden des 17. April an der Schweinebucht (Bahía de Cochinos) an Kubas Südküste, um die Revolutionsregierung von Fidel Castro zu stürzen. Die unter Präsident Eisenhower in Guatemala vorbereitete, von Kennedy nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt fortgeführte Geheimoperation scheitert binnen drei Tagen kläglich: Castros Truppen und Miliz schlagen die schlecht koordinierte Invasion zurück, rund 1.200 Angreifer geraten in Gefangenschaft, etwa 100 werden getötet. Kennedy hatte in letzter Minute die geplante amerikanische Luftunterstützung eingeschränkt, um eine offene US-Beteiligung zu vertuschen — vergeblich, denn die Urheberschaft der CIA wird rasch publik. Der Präsident übernimmt öffentlich die volle Verantwortung für das „militärische wie politische Debakel", wie er es selbst nennt, während Castro den abgewehrten Angriff nutzt, um sich offen zum Kommunismus zu bekennen und die Bindung Kubas an die Sowjetunion zu vertiefen. Erst im Dezember 1962 werden die überlebenden Gefangenen gegen Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen im Wert von rund 53 Millionen Dollar freigekauft. Die gescheiterte Invasion gilt als eine der schwersten außenpolitischen Niederlagen der jungen Kennedy-Regierung und als Wegbereiter der Kubakrise im Folgejahr.
Der Prozess gegen Adolf Eichmann beginnt in Jerusalem

Fast ein Jahr nach seiner spektakulären Entführung durch israelische Geheimdienstagenten aus Buenos Aires, wo er seit Kriegsende unter falschem Namen gelebt hatte, beginnt am 11. April vor dem Jerusalemer Bezirksgericht im „Haus des Volkes" der Prozess gegen Adolf Eichmann, den ehemaligen SS-Obersturmbannführer und Organisator der Deportation europäischer Juden in die Vernichtungslager. Eichmann verfolgt die Verhandlung, in der ihn Chefankläger Gideon Hausner und drei Richter mit Hunderten Zeugenaussagen von Überlebenden konfrontieren, aus einer kugelsicheren Glaskabine — die Bilder gehen als eine der ersten weltweit übertragenen Gerichtsverhandlungen um die Erde. Die Philosophin Hannah Arendt, die für den „New Yorker" berichtet, prägt mit ihrer Beobachtung des unscheinbar wirkenden Angeklagten den vielzitierten und bis heute umstrittenen Begriff von der „Banalität des Bösen". Nach monatelanger Verhandlung wird Eichmann am 15. Dezember in allen Anklagepunkten — Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation — für schuldig befunden und zum Tode verurteilt; das Urteil wird in der Nacht zum 1. Juni 1962 vollstreckt, die einzige zivile Hinrichtung in der Geschichte Israels. Der Prozess bricht in vielen Ländern erstmals das jahrelange öffentliche Schweigen über den Holocaust.
Freedom Rides — Kampf gegen die Rassentrennung im Süden der USA

Eine Gruppe von dreizehn schwarzen und weißen Aktivisten der Bürgerrechtsorganisation CORE (Congress of Racial Equality) bricht am 4. Mai mit zwei Linienbussen von Washington, D.C., Richtung New Orleans auf, um ein Urteil des Obersten Gerichtshofs zu testen, das die Rassentrennung auf zwischenstaatlichen Busreisen und in Bahnhöfen für verfassungswidrig erklärt hatte — in den Südstaaten wird sie jedoch weiterhin rigoros durchgesetzt. Am 14. Mai, dem Muttertag, umstellt in Anniston, Alabama ein Mob aus etwa fünfzig Männern einen der Busse, zerschlägt die Scheiben und wirft eine Brandbombe hinein; die Fahrgäste entkommen den Flammen nur knapp und werden anschließend vor der brennenden Karosserie noch verprügelt. Kurz darauf werden auch die Freedom Rider eines zweiten Busses in Birmingham von einem Mob krankenhausreif geschlagen, während die Polizei unter dem berüchtigten Sicherheitschef Bull Connor absichtlich wegschaut. Trotz der Gewalt lassen sich die Aktivisten nicht einschüchtern: Neue Freiwillige schließen sich an, im Sommer werden Hunderte weitere Freedom Rider vor allem in Jackson, Mississippi, verhaftet. Der öffentliche Druck zeigt Wirkung — im September ordnet die zuständige Bundesbehörde ICC die konsequente Aufhebung der Rassentrennung auf allen zwischenstaatlichen Reisewegen an, ein früher Meilenstein der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.
Alan Shepard — der erste Amerikaner im All

Nur drei Wochen nach Gagarins Orbitalflug schießt eine Redstone-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida die Kapsel Freedom 7 mit dem amerikanischen Testpiloten Alan Shepard an Bord ins All. Anders als Gagarin umrundet Shepard die Erde nicht, sondern fliegt einen kurzen, ballistischen Bogen: Nach 15 Minuten und 22 Sekunden, in denen er eine Höhe von 187 Kilometern erreicht und rund fünf Minuten Schwerelosigkeit erlebt, wassert seine Kapsel plangemäß im Atlantik. Shepard wird damit zwar erst der zweite Mensch, aber der erste Amerikaner im Weltraum — ein Erfolg, den die USA nach dem Schock über Gagarins Vorsprung dringend brauchen. Der kurze, aber symbolträchtige Flug verschafft Präsident Kennedy das nötige Selbstvertrauen, um nur drei Wochen später vor dem Kongress das ungleich kühnere Ziel einer bemannten Mondlandung auszurufen.
Kennedy kündigt vor dem Kongress die Mondlandung an

In einer Grundsatzrede vor dem versammelten Kongress zu „dringenden nationalen Erfordernissen" verkündet Präsident John F. Kennedy am 25. Mai das ehrgeizigste Ziel der amerikanischen Raumfahrt: „Ich glaube, dass sich diese Nation dem Ziel verschreiben sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen und sicher zur Erde zurückkehren zu lassen." Der Satz fällt nur wenige Wochen nach Gagarins Orbitalflug und Shepards kurzem Höhensprung ins All und markiert eine enorme Kurskorrektur: Statt eines weiteren Etappenziels im direkten Wettlauf mit Moskau setzt Kennedy auf ein Fernziel, bei dem die Vereinigten Staaten aus eigener technischer Kraft die Führung übernehmen können. In der Folge steigen die Haushaltsmittel der Raumfahrtbehörde NASA binnen weniger Jahre um ein Vielfaches, und aus dem Vorhaben erwächst das spätere Apollo-Programm, das die Ankündigung 1969 mit der Landung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond einlöst.
Wiener Gipfeltreffen: Kennedy und Chruschtschow treffen sich

Im neutralen Wien kommen Präsident John F. Kennedy und der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow am 3. und 4. Juni zu ihrem einzigen persönlichen Gipfeltreffen zusammen. Statt der von Kennedy erhofften Annäherung erlebt der amerikanische Präsident einen unerwartet aggressiven Gesprächspartner: Chruschtschow erneuert sein Berlin-Ultimatum von 1958 und kündigt an, die Sowjetunion werde noch bis Jahresende einen separaten Friedensvertrag mit der DDR schließen, der die westlichen Besatzungsrechte in Berlin hinfällig machen soll. Auch über den Stopp von Atomwaffentests und den Bürgerkrieg in Laos können sich beide Seiten nicht einigen; ein förmliches Ergebnis bleibt aus. Kennedy, der das Treffen später als „das Härteste" seines Lebens bezeichnet, wirkt nach eigenem Bekunden sichtlich erschüttert vom kompromisslosen Auftreten Chruschtschows. Österreichs Außenminister Bruno Kreisky deutet den Auftritt Kennedys dennoch als Signal, dass dieser im gefährlichen Kräftemessen des Kalten Krieges „bis an den Rand des Abgrunds" mitzuhalten bereit sei. Nur zwei Monate später zieht die DDR-Führung mit sowjetischer Rückendeckung die Konsequenz aus der verhärteten Berlin-Frage — der Bau der Mauer beginnt.
AM RANDE NOTIERT
- In Jerusalem endet am 15. Dezember der Prozess gegen den NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann mit dem Todesurteil.
- Im April scheitert die von der CIA unterstützte Invasion in der Schweinebucht gegen Fidel Castros Kuba — eine Blamage für die USA und ein Vorspiel der Kubakrise.
- Am 5. Mai fliegt der US-Astronaut Alan Shepard an Bord der Kapsel Freedom 7 als erster Amerikaner ins All — ein kurzer Sprung von nur 15 Minuten, aber die erste amerikanische Antwort auf Gagarins Orbitalflug.
- Im Bergischen Land, traditionellem Zentrum der deutschen Textilindustrie, mehren sich 1961 erste Klagen über ausländische Billigkonkurrenz — ein frühes Vorzeichen der Strukturkrise, die die Branche in den kommenden Jahrzehnten erfassen wird.
SPORT · 1961
Ein sportlich ruhiges Jahr ohne Weltmeisterschaft oder Olympia: Der westdeutsche Fußball spielt weiterhin in den regionalen Oberligen um die deutsche Meisterschaft, die geplante bundesweite Eliteliga ist erst für 1963 beschlossen. In der Oberliga West setzt sich der 1. FC Köln vor Borussia Dortmund durch, muss sich in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft aber dem 1. FC Nürnberg geschlagen geben. Den DFB-Pokal gewinnt Werder Bremen mit einem 2:0 über den 1. FC Kaiserslautern. Im Bergischen Land schafft der Wuppertaler SV 1961 den Aufstieg in die Oberliga West und damit den Sprung in die höchste Spielklasse — ein Etappenziel auf dem Weg zur geplanten, seinerzeit noch fernen bundesweiten Eliteliga. Ansonsten bleibt der Fußball vorerst Vereinssache fernab der großen internationalen Bühne.
MODE · 1961
Nach Jahren der Diskussion setzt sich der Bikini nun endgültig als Badebekleidung durch — was in den fünfziger Jahren noch als anstößig galt, gehört an deutschen Freibädern und Badeseen, auch im Bergischen Land, allmählich zum Sommerbild. Erfunden hatte den winzigen Zweiteiler bereits 1946 der französische Ingenieur Louis Réard; zum Modephänomen wurde er erst, als Brigitte Bardot sich Mitte der fünfziger Jahre in Cannes und in ihrem Feriendomizil in Saint-Tropez damit ablichten ließ und die südfranzösische Küstenstadt so zur inoffiziellen „Bikini-Hauptstadt der Welt" machte. Zu Beginn der sechziger Jahre schmückt der Bikini bereits Titelseiten von Playboy und Sports Illustrated und verliert damit endgültig seinen Ruf als Sittenverstoß. Ansonsten bleibt die Damenmode noch der eleganten, taillierten Linie verhaftet, wie sie seit dem Amtsantritt von US-Präsident Kennedy im Januar auch Jacqueline Kennedy mit schlichten Kostümen und den zur Marke gewordenen Pillbox-Hüten vorlebt — ehe wenige Jahre später die Jugendrevolution beginnt.
KULTUR · 1961
Wer in dieser Saison die Westfalenhalle Dortmund besucht, staunt über die Verwandlungskünste von Holiday on Ice: Unter dem Motto „Black Pearl" verwandelt sich die Eisfläche in eine schillernde Zirkusmanege, in der Läuferinnen und Läufer wie Artisten über das Eis gleiten. Kostüme, Beleuchtung und die Präzision der Eiskunstläufer sorgen jedes Jahr aufs Neue für offene Münder im Publikum. Auch aus dem Bergischen Land machen sich Besucher auf den Weg ins Ruhrgebiet, um die amerikanische Revue live zu erleben.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1961
- Rudolf Mößbauer erhält den Physik-Nobelpreis. Für die Entdeckung des Mößbauer-Effekts — der rückstoßfreien Kernresonanzabsorption — wird der Physiker geehrt, ein wegweisender Beitrag zur Präzisionsmesstechnik.
- VW-„Volksaktie" startet an der Börse (7. April). Erstmals im Freiverkehr gehandelt, verdoppelt sich der Kurs binnen zwei Monaten — breite Bürgerbeteiligung am westdeutschen Aufschwung.
- Amnesty International wird gegründet (28. Mai 1961). Der Londoner Anwalt Peter Benenson startet mit seinem Aufruf „The Forgotten Prisoners" eine weltweite Kampagne für gewaltlos inhaftierte Gefangene — der Beginn der bis heute größten Menschenrechtsorganisation.
- Die Wuppertaler Schwebebahn feiert 60-jähriges Bestehen (1. März 1961). Das weltweit einzigartige Hängebahn-System, 1901 eröffnet, trägt die Wuppertaler weiterhin zuverlässig durchs Tal der Wupper — ein Jubiläum, auf das die Stadt mitten im Wiederaufbau stolz blicken kann.
DAS WETTER · 1961 im Bergischen Land
An diesem 13. Juli war es im Raum Wuppertal ein milder Sommertag: Höchstwert 18,4 °C, in der Nacht 11,0 °C; kräftiger Regen brachte 10,8 mm, die Sonne zeigte sich rund 1,0 Stunden.
Das Jahr über: Im Mittel 10,2 °C — gut 0,6 Grad über dem langjährigen Essener Mittel (~9,6 °C). Wärmster Tag 32 °C am 2. Juli, kältester −10 °C am 25. Dezember. 4 Hitzetage (≥30 °C), 11 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 1132 mm.
Erneut ein sehr regenreiches Jahr (über 1100 mm); der Geburtstag versank im Dauerregen.
(Messwerte der Station Essen-Bredeney, rund 25 km westlich von Wuppertal — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1961
Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts (amtliche Charts ab 1959).
- Drei weiße Birken — Das Hellberg-Duo
- Corinna Corinna — Ray Peterson
- Mit 17 fängt das Leben erst an — Ivo Robic
- Save the Last Dance for Me — The Drifters
- Apache — The Shadows
- Vier Schimmel, ein Wagen (Hüh-a-hoh) — Trio Kolenka
- Baby Sittin' Boogie — Buzz Clifford / Ralf Bendix
- Ramona — Blue Diamonds
- Hello Mary Lou — Die Ricky Boys
- Schöner, fremder Mann — Connie Francis
- Weites Land — Nina und Jimmy
- Wheels — Billy Vaughn & Orchestra
- Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn — Old Merry Tale Jazzband
- Sucu Sucu — Ping Ping & Al Verlaine
- Zuckerpuppe (aus der Bauchtanztruppe) — Bill Ramsey
- Muss i denn — Gus Backus
- Weiße Rosen aus Athen — Nana Mouskouri
- La Paloma — Freddy Quinn
- Denn sie fahren hinaus auf das Meer — Peggy Brown
- Danke für die Blumen — Siw Malmkvist
Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (chartsurfer.de / offizielle Charts).