DER CHRONIST

Ein Jahr der Wendepunkte: Erbfeinde besiegeln Freundschaft, ein amerikanischer Präsident wird in Berlin gefeiert und wenige Monate später erschossen, ein Kanzler der ersten Stunde tritt ab — und im Tal an der Wupper erreicht die Stadt ihre größte Einwohnerzahl aller Zeiten. Doch 1963 ist mehr als diese fünf Ereignisse: In Paris verwehrt de Gaulle den Briten den Weg in die EWG, in Rom stirbt Papst Johannes XXIII. und Paul VI. führt das Konzil fort, in Moskau bremsen die Großmächte erstmals das atomare Wettrüsten, und in Südvietnam stürzen Generäle den Machthaber Diem. Während in London die Beatles und die Profumo-Affäre die Insel in Atem halten, sorgen näher an der Wupper der Élysée-Vertrag, Kennedys Berlin-Besuch, der Machtwechsel von Adenauer zu Erhard und schließlich das Attentat von Dallas für die größten Erschütterungen des Jahres.

Die Schlagzeilen des Jahres

Élysée-Vertrag besiegelt deutsch-französische Freundschaft

Adenauer und de Gaulle unterzeichnen 1963 den Élysée-Vertrag
Adenauer und de Gaulle unterzeichnen 1963 den Élysée-Vertrag (Bundesarchiv / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Im Pariser Élysée-Palast unterzeichnen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle den „Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit" — mitunterzeichnet von Premierminister Georges Pompidou sowie den Außenministern Gerhard Schröder und Maurice Couve de Murville. Dem Vertragswerk gehen Jahrhunderte der „Erbfeindschaft" und drei Kriege in nur sieben Jahrzehnten (1870/71, 1914–18, 1939–45) voraus; erst das persönliche Kennenlernen der beiden Staatsmänner am 14. September 1958 auf de Gaulles Landsitz Colombey-les-deux-Églises hatte den Weg zur Aussöhnung geebnet. Seither trafen sich Adenauer und de Gaulle mehr als ein Dutzend Mal, zuletzt Anfang Januar auf Schloss Rambouillet, wo sie sich auf den Vertragstext verständigten — ehe der 87-jährige Kanzler und der 72-jährige General nun in Paris endgültig aus „Erbfeinden" Partner machen wollen.

Der Vertrag legt einen verbindlichen Konsultationsmechanismus fest: Staats- und Regierungschefs sollen sich künftig mindestens zweimal jährlich, die Außen-, Verteidigungs- und Erziehungsminister noch häufiger treffen, um Außen-, Sicherheits-, Verteidigungs- und Kulturpolitik abzustimmen. Ein eigenes Kapitel gilt der Jugend: Aus ihm geht im Juli das Deutsch-Französische Jugendwerk hervor, das seither Millionen junger Menschen aus beiden Ländern Austauschprogramme ermöglicht.

Der Bundestag ratifiziert den Vertrag bereits am 16. Mai mit großer Mehrheit — versieht ihn aber, gegen den erklärten Willen Adenauers, mit einer Präambel, die den Vorrang der atlantischen Partnerschaft mit den USA, der NATO-Bindung und der europäischen Einigung unter Einschluss Großbritanniens festschreibt. De Gaulle, der Frankreich gerade erst aus der militärischen Integration der NATO zu lösen beginnt, kommentiert die Entwertung seines Vertrags bitter mit dem Satz, Verträge seien „wie Rosen und junge Mädchen: Sie halten nur einen Morgen". Dennoch gilt der Vertrag, der am 2. Juli in Kraft tritt, trotz der ernüchternden Präambel bis heute als Grundstein der deutsch-französischen Aussöhnung und als Blaupause für die spätere europäische Einigung.

Kennedy in Berlin: „Ich bin ein Berliner"

John F. Kennedy vor der Menge am Rathaus Schöneberg, 26. Juni 1963
John F. Kennedy vor der Menge am Rathaus Schöneberg, 26. Juni 1963 (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Auf seiner viertägigen Deutschlandreise vom 23. bis 26. Juni besucht US-Präsident John F. Kennedy erstmals die Bundesrepublik. Nach der Landung auf dem Flughafen Köln/Bonn-Wahn am Morgen des 23. Juni feiert er mit Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Messe im Kölner Dom — keine 40 Kilometer von Wuppertal entfernt, sodass auch aus dem Bergischen Land viele Schaulustige an die Strecke des Präsidenten pilgern. Es folgen zwei Tage mit Gesprächen in Bonn, ein Abstecher zu den amerikanischen Streitkräften in Hanau sowie Stationen in Frankfurt und Wiesbaden, ehe Kennedy am Morgen des 26. Juni als erster amerikanischer Präsident nach dem Mauerbau die geteilte Stadt Berlin besucht.

Um 9:45 Uhr landet die Präsidentenmaschine auf dem Flughafen Tegel; Regierender Bürgermeister Willy Brandt und Adenauer empfangen den Gast. In offener Limousine führt die Fahrt durchs Hansaviertel, über den Kurfürstendamm vorbei an der Gedächtniskirche zum Brandenburger Tor und zum Checkpoint Charlie, wo Kennedy die Mauer erstmals aus nächster Nähe sieht — schätzungsweise zwei Millionen Berliner säumen an diesem Tag die Straßen. Nach einer Rede vor dem Gewerkschaftstag der IG Bau-Steine-Erden und einem Mittagessen im Rathaus Schöneberg tritt Kennedy, von seinem Berliner Dolmetscher Robert Lochner in der deutschen Aussprache gecoacht, vor die Menge auf dem Rathausplatz, wo mehrere Hunderttausend dicht gedrängt stehen. Er bekräftigt mit dem Ruf „Lasst sie nach Berlin kommen" die amerikanische Schutzzusage für die eingeschlossene Stadt und schließt mit dem Satz „Ich bin ein Berliner", der um die Welt geht. Am Nachmittag erhält er an der Freien Universität die Ehrenbürgerschaft Berlins, spricht vor amerikanischen Soldaten in der Truman-Kaserne in der Clayallee und fliegt um 17:15 Uhr von Tegel weiter — nach nur acht Stunden in der Stadt. Für die Westberliner, seit dem 13. August 1961 von Verwandten und Freunden im Osten abgeschnitten, wird der Besuch zum emotionalen Höhepunkt des Jahres.

Aus heutiger Sicht

Was an diesem Tag wie ungetrübte deutsch-amerikanische Freundschaft wirkt, hat auch eine Kehrseite: Kennedy soll den nur fünf Monate zuvor unterzeichneten deutsch-französischen Élysée-Vertrag laut dem Historiker Tim Geiger privat als „Dolchstoß in den Rücken" bezeichnet haben — aus Sorge, Bonn könnte sich zu eng an Paris und zu locker an Washington binden. Der öffentlich bejubelte Berlin-Besuch verdeckt damit vorerst die diplomatischen Spannungen, die die deutsch-französische Annäherung zeitgleich in Washington auslöst.

Adenauer tritt ab, Ludwig Erhard wird Bundeskanzler

Das erste Kabinett Erhard, 1963
Das erste Kabinett Erhard, 1963 (Bundesarchiv / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Dem Rücktritt geht ein langer Vorlauf voraus: Bereits im Oktober/November 1962 hatte die Spiegel-Affäre die Koalition erschüttert — nach einem Bericht des Magazins über die Verteidigungsbereitschaft der Bundeswehr ließ Verteidigungsminister Franz Josef Strauß Redaktionsräume durchsuchen und Chefredakteur Rudolf Augstein wegen Landesverratsverdachts verhaften, ohne den zuständigen FDP-Justizminister Wolfgang Stammberger zu informieren. Aus Protest traten am 19. November 1962 alle fünf FDP-Minister zurück, Strauß selbst musste am 30. November das Verteidigungsressort räumen. Um die Koalition mit der FDP zu retten, kündigte Adenauer bereits am 7. Dezember 1962 seinen Rücktritt für den Herbst des Folgejahres an.

Nach mehr als vierzehn Jahren im Amt legt Konrad Adenauer, 87-jährig, sein Kanzleramt nun tatsächlich mit Ablauf des 15. Oktober nieder. Am folgenden Tag wählt der Bundestag mit 279 gegen 180 Stimmen bei 24 Enthaltungen seinen bisherigen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, den „Vater des Wirtschaftswunders" und Architekten der Sozialen Marktwirtschaft, zum zweiten Bundeskanzler der Republik. Erhard führt die Koalition aus CDU/CSU und FDP mit dem FDP-Politiker Erich Mende als Vizekanzler fort und übernimmt mit Gerhard Schröder als Außenminister weite Teile des bisherigen Kabinetts; Adenauer selbst bleibt bis 1966 CDU-Bundesvorsitzender und mischt sich als „Übervater" weiterhin in die Tagespolitik ein. Die Ära des Gründungskanzlers, die die junge Bundesrepublik durch Westbindung, Wiederaufbau und Wirtschaftsaufschwung geprägt hat, geht damit formal zu Ende — im Bergischen Land wie überall im Land wird der Machtwechsel als Ende einer Epoche empfunden.

Die übrigen Wahlgänge des Jahres:

  • Berlin, 17. Februar — SPD 61,9 %, CDU 28,8 % (Wahlbeteiligung 89,9 %). Regierender Bürgermeister Willy Brandt geht trotz absoluter SPD-Mehrheit im Abgeordnetenhaus erneut eine Koalition mit der FDP ein.
  • Rheinland-Pfalz, 31. März — CDU 44,4 %, SPD 40,7 % (Wahlbeteiligung 75,5 %). Ministerpräsident Peter Altmeier (CDU) führt die Koalition mit der FDP fort.
  • Niedersachsen, 19. Mai — SPD 44,9 %, CDU 37,7 % (Wahlbeteiligung 76,9 %). Ministerpräsident Georg Diederichs (SPD) bildet erneut eine Koalition mit der FDP.
  • Bremen, 29. September — SPD 54,7 %, CDU 28,9 % (Wahlbeteiligung 76,1 %). Bürgermeister Wilhelm Kaisen regiert mit der FDP weiter.
  • Volkskammerwahl (DDR), 20. Oktober — die Einheitsliste der Nationalen Front, wie schon 1950 und 1954 die einzige zugelassene Liste, erhält amtlich 99,95 % Ja-Stimmen bei einer amtlichen Wahlbeteiligung von 99,25 %.
Aus heutiger Sicht

Was zum Regierungswechsel wie die nahtlose Fortsetzung des Wirtschaftswunders wirkt, trübt sich bereits im Jahr des Wechsels selbst: Das Wachstum der westdeutschen Wirtschaft sinkt 1963 auf nur noch rund 2,8 Prozent — deutlich unter dem langjährigen Schnitt der Adenauer-Ära. Nach einem letzten Boomjahr 1965 folgt 1966/67 die erste Rezession der jungen Bundesrepublik, die das Bild vom ungebrochenen Wirtschaftswunder relativiert.

Ermordung John F. Kennedys in Dallas

Kennedys Wagenkolonne in Dallas, 22. November 1963
Kennedys Wagenkolonne in Dallas, 22. November 1963 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Bei einer Wahlkampffahrt durch Dallas, Texas, an der Seite seiner Frau Jacqueline und des texanischen Gouverneurs John Connally wird Präsident John F. Kennedy gegen 12:30 Uhr Ortszeit im offenen Wagen auf der Fahrt durch die Dealey Plaza von Schüssen tödlich getroffen; Gouverneur Connally wird schwer verletzt, überlebt aber. Die Wagenkolonne rast zum Parkland Memorial Hospital, wo Kennedy kurz darauf für tot erklärt wird. Als Schütze identifiziert die Polizei den 24-jährigen Lee Harvey Oswald, der aus dem Texas School Book Depository gefeuert haben soll und wenig später auch den Polizisten J. D. Tippit erschießt, ehe er in einem Kino festgenommen wird. Noch am selben Nachmittag wird Lyndon B. Johnson an Bord der Präsidentenmaschine als Nachfolger vereidigt. Zwei Tage später, am 24. November, erschießt der Nachtclubbesitzer Jack Ruby den bereits gefesselten Oswald live im Fernsehen im Keller des Dallasser Polizeipräsidiums — ein Mord, der die von Präsident Johnson eingesetzte Warren-Kommission vor die bis heute umstrittene Aufgabe stellt, Tathergang und mögliche Hintermänner aufzuklären; sie kommt 1964 zu dem Schluss, Oswald habe allein und ohne Verschwörung gehandelt.

Die Nachricht erreicht Europa noch in der Nacht und löst auch in Westdeutschland tiefe Bestürzung aus — erst im Juni hatten Millionen den Präsidenten in Berlin bejubelt. Der erst wenige Wochen amtierende Bundeskanzler Ludwig Erhard, der ohnehin zu politischen Gesprächen nach Washington reisen wollte, macht daraus eine Trauervisite und nimmt am 25. November an der Beisetzung auf dem Arlington-Friedhof teil; in einem Kondolenztelegramm an Nachfolger Johnson würdigt er Kennedy als Freund und Bundesgenossen. In vielen deutschen Städten, darunter Berlin, wird in den Folgetagen und -jahren ein Platz nach ihm benannt — der Platz vor dem Rathaus Schöneberg erhält bereits am 25. November den Namen John-F.-Kennedy-Platz; Trauerbeflaggung und Gedenkgottesdienste prägen die Tage danach auch im Bergischen Land.

Aus heutiger Sicht

Erste öffentliche Zweifel an der offiziellen Version vom Einzeltäter Oswald kommen nach Einschätzung von Historikern „zunächst vor allem aus Europa", darunter aus französischen und deutschen Publikationen — ein früher Riss im Bild, das die US-Warren-Kommission 1964 mit ihrem Bericht amtlich festschreiben will. Um das Attentat von Dallas ranken sich seither zahlreiche Verschwörungstheorien, ohne dass die Alleintäterthese je zweifelsfrei widerlegt worden wäre.

Wuppertal auf dem Höhepunkt: 423.453 Einwohner

Die Johanneskirche in Wuppertal-Elberfeld
Die Johanneskirche in Wuppertal-Elberfeld (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Im Wirtschaftswunder-Jahr 1963 erreicht Wuppertal mit 423.453 Einwohnern den höchsten Bevölkerungsstand seiner Geschichte — nie zuvor und nie danach zählt die Stadt an der Wupper mehr Menschen. Die 1929 aus Barmen, Elberfeld, Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel gebildete Großstadt profitiert 1963 von einer breit gefächerten Industriestruktur: Neben der traditionsreichen Textilindustrie sorgen Chemie- und Metallbetriebe wie der Chemiekonzern Bayer — 1863 von Friedrich Bayer und dem Färber Johann Friedrich Weskott als Farbenfabrik im damals noch selbständigen Elberfeld gegründet und 1963 mit rund 80.000 Beschäftigten und etwa 4,7 Milliarden DM Umsatz auf dem Höhepunkt seines hundertjährigen Bestehens — für nahezu Vollbeschäftigung. Zugleich kommen zunehmend „Gastarbeiter" aus Italien, Griechenland und der Türkei ins Tal, angeworben über die deutschen Anwerbeabkommen der frühen 1960er Jahre, und finden Arbeit in den Fabriken der Region.

Auch das Wahrzeichen der Stadt verändert sich leise: Zum 1. Januar 1963 fällt an der 1901 eröffneten Schwebebahn die alte Trennung zwischen der gepolsterten ersten und der einfachen zweiten Wagenklasse — ein kleines, aber sichtbares Zeichen des sich wandelnden Zeitgeists. Wenige Jahre später wird die textile Blütezeit bereits wieder bröckeln, und mit ihr wird auch die Einwohnerzahl der Stadt zurückgehen — 1963 aber steht das Tal noch ganz im Zeichen des Aufschwungs.

De Gaulles Veto gegen Großbritanniens EWG-Beitritt

Staatspräsident Charles de Gaulle, Porträtaufnahme 1963
Staatspräsident Charles de Gaulle, Porträtaufnahme aus dem Jahr 1963 (Bundesarchiv / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Auf einer Pressekonferenz im Élysée-Palast erteilt Staatspräsident Charles de Gaulle den seit 1961 laufenden Verhandlungen über einen Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft eine schroffe Absage. De Gaulle begründet sein Veto mit der wirtschaftlichen und mentalen „Andersartigkeit" der Insel: Großbritanniens enge Bindung an den Commonwealth, seine laxere Agrarpolitik und vor allem seine „besondere Beziehung" zu den Vereinigten Staaten seien mit der kontinentaleuropäischen Gemeinschaft unvereinbar. Ohne Rücksprache mit den fünf EWG-Partnern – darunter die Bundesrepublik, die den britischen Beitritt befürwortet hatte – lässt er die Verhandlungen am 28. Januar in Brüssel scheitern; Premierminister Harold Macmillan, der jahrelang auf die Aufnahme hingearbeitet hatte, muss die Niederlage hilflos hinnehmen.

Das Veto, das de Gaulle sechs Jahre später 1969 noch ein zweites Mal gegen einen britischen Beitrittsantrag wiederholen wird, gilt vielen Beobachtern als Ausdruck seines Misstrauens gegenüber einer „atlantisch" dominierten Gemeinschaft und passt zu seiner Skepsis gegenüber supranationalen Bindungen, die er wenige Tage später mit der Präambel-Kontroverse um den deutsch-französischen Élysée-Vertrag erneut zeigt. Erst 1973, zehn Jahre nach diesem ersten Veto, tritt Großbritannien schließlich den Europäischen Gemeinschaften bei.

Tod Papst Johannes' XXIII. und Wahl Pauls VI.

Papst Paul VI. nach seiner Wahl im Konklave, Juni 1963
Papst Paul VI. nach seiner Wahl im Konklave, Juni 1963 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Nach monatelangem Krebsleiden stirbt Papst Johannes XXIII. am Abend des 3. Juni im Alter von 81 Jahren im Vatikan. Der 1958 gewählte „gute Papst", der mit dem im Oktober 1962 eröffneten Zweiten Vatikanischen Konzil die katholische Kirche für Reformen und den Dialog mit anderen Konfessionen und der modernen Welt geöffnet hatte, hatte erst wenige Wochen zuvor mit seiner Enzyklika „Pacem in terris" ein vielbeachtetes Plädoyer für Frieden und Menschenrechte in Zeiten des Kalten Krieges veröffentlicht. Sein Tod löst weltweit, auch unter Nichtkatholiken, große Anteilnahme aus.

Das am 19. Juni eröffnete Konklave wählt bereits am 21. Juni im sechsten Wahlgang den Mailänder Erzbischof Giovanni Battista Montini zum Nachfolger; er nimmt den Namen Paul VI. an. Der neue Papst, der als enger Vertrauter Johannes' XXIII. gilt, kündigt umgehend an, das von seinem Vorgänger begonnene Konzil fortzusetzen – es wird bis 1965 unter seiner Leitung zu Ende geführt und mit weitreichenden liturgischen und kirchenpolitischen Reformen auch das katholische Leben in der Bundesrepublik verändern.

Atomteststoppabkommen von Moskau

Präsident John F. Kennedy unterzeichnet die Ratifikationsurkunde zum Atomteststoppabkommen, Washington, 7. Oktober 1963
Präsident John F. Kennedy unterzeichnet die Ratifikationsurkunde zum Atomteststoppabkommen im Weißen Haus, Washington, 7. Oktober 1963 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

In Moskau unterzeichnen die Außenminister der USA, der Sowjetunion und Großbritanniens – Dean Rusk, Andrei Gromyko und Alec Douglas-Home – den „Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser". Das nach monatelangen Verhandlungen zwischen US-Präsident John F. Kennedy und Kremlchef Nikita Chruschtschow zustande gekommene Abkommen verbietet oberirdische Atomtests und damit die radioaktive Verseuchung der Erdatmosphäre; unterirdische Tests bleiben weiterhin erlaubt. Es ist das erste Rüstungskontrollabkommen des Kalten Krieges und gilt als direkte Folge der Kubakrise vom Oktober 1962, die die Welt an den Rand eines Atomkriegs gebracht hatte.

Auch die Bundesrepublik, selbst nicht im Besitz von Kernwaffen, tritt dem Vertrag noch im selben Jahr bei; Frankreich unter de Gaulle und die Volksrepublik China dagegen verweigern die Unterschrift und setzen ihre eigenen atmosphärischen Tests fort. Für die von der Kubakrise erschütterte Weltöffentlichkeit ist der Moskauer Vertrag dennoch ein erstes, greifbares Signal der Entspannung zwischen den Supermächten.

Beatlemania: Die Beatles erobern Großbritannien

Die Beatles, Presse-/Werbefoto von Dezo Hoffmann, 1963
Die Beatles, Presse-/Werbefoto von Dezo Hoffmann für Capitol Records, 1963 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Mit ihrem im März erschienenen Debütalbum „Please Please Me" und den Hit-Singles „From Me to You" und „She Loves You" avanciert die Liverpooler Band The Beatles um John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr binnen weniger Monate vom regionalen Clubphänomen zum landesweiten Superstar-Ereignis. Ihr Auftritt am 13. Oktober in der Fernsehshow „Sunday Night at the London Palladium" vor rund 15 Millionen Zuschauern markiert den Durchbruch in die Wohnzimmer des ganzen Landes; kreischende Fans vor den Konzertsälen prägen fortan das Bild der Band. Die britische Presse prägt für den beispiellosen Fantaumel noch im selben Oktober den Begriff „Beatlemania".

In der Bundesrepublik, wo die Band bereits 1960 bis 1962 in Hamburger Clubs auf der Reeperbahn ihre Bühnenerfahrung gesammelt hatte, ist der englische Rummel vorerst nur aus der Ferne zu verfolgen – der eigentliche deutsche Beatles-Boom mit „Sie liebt dich" und ausverkauften Hallen folgt erst 1964 und 1966. 1963 aber legt die Band mit ihrem Erfolg in der Heimat den Grundstein für den weltweiten Siegeszug, der binnen weniger Jahre auch das Bergische Land erreichen wird.

Profumo-Affäre erschüttert Großbritannien, Macmillan tritt zurück

Premierminister Harold Macmillan beim Staatsbesuch bei Italiens Präsident Antonio Segni, Februar 1963
Premierminister Harold Macmillan (l.) beim Staatsbesuch bei Italiens Präsident Antonio Segni, Februar 1963 — wenige Monate vor seinem Rücktritt (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Der britische Kriegsminister John Profumo muss am 5. Juni zurücktreten, nachdem er im März vor dem Unterhaus fälschlich bestritten hatte, ein außereheliches Verhältnis mit dem Callgirl Christine Keeler gehabt zu haben – brisant vor allem, weil Keeler zugleich Kontakte zu einem sowjetischen Marineattaché unterhielt und damit ein Sicherheitsrisiko im Kalten Krieg heraufbeschworen hatte. Der Skandal, der wochenlang die Schlagzeilen der britischen Boulevardpresse beherrscht, erschüttert das Vertrauen in die konservative Regierung von Premierminister Harold Macmillan nachhaltig und legt zugleich die Doppelmoral der britischen Oberschicht offen.

Gesundheitlich bereits angeschlagen und durch die Affäre politisch geschwächt, tritt Macmillan am 18. Oktober zurück; sein Nachfolger wird tags darauf der bisherige Außenminister Alec Douglas-Home, der eigens seinen Adelstitel niederlegt, um als Unterhausabgeordneter ins Amt zu gelangen. Die von der Regierung eingesetzte Untersuchungskommission unter Lord Denning kommt im September zu dem Schluss, dass keine Staatsgeheimnisse verraten wurden – der politische Schaden für die Konservativen, die die folgende Unterhauswahl 1964 knapp verlieren, bleibt dennoch erheblich.

Buddhistische Krise und Sturz Ngo Dinh Diems in Südvietnam

Staatspräsident Ngo Dinh Diem, Porträtaufnahme
Staatspräsident Ngo Dinh Diem, Porträtaufnahme (US National Archives / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Im Mai eskaliert in Südvietnam ein seit Jahren schwelender Konflikt: Nachdem Soldaten des katholisch geprägten Regimes von Staatspräsident Ngo Dinh Diem in Hue auf buddhistische Demonstranten schießen, die gegen ein diskriminierendes Verbot religiöser Flaggen protestieren, wächst der Widerstand der buddhistischen Mehrheit zur landesweiten „Buddhistischen Krise". Weltweite Erschütterung löst am 11. Juni die Selbstverbrennung des Mönchs Thích Quảng Đức an einer Straßenkreuzung in Saigon aus, deren Fotografien um die Welt gehen und Diems repressive Herrschaft international anprangern; sein Bruder und Berater Ngo Dinh Nhu lässt daraufhin im August zahlreiche buddhistische Pagoden stürmen.

Angesichts der wachsenden Instabilität zieht auch die bislang mit Diem verbündete US-Regierung unter Präsident Kennedy ihre Unterstützung zurück. Am 1./2. November stürzt eine Gruppe südvietnamesischer Generäle um Duong Van Minh in einem von der CIA geduldeten Putsch die Regierung; Diem und Nhu werden auf der Flucht gefasst und noch am 2. November erschossen. Der Putsch, der Südvietnam in eine Phase politischer Instabilität mit rasch wechselnden Militärregierungen stürzt, gilt rückblickend als Beschleuniger der amerikanischen Verstrickung in den Vietnamkrieg – nur drei Wochen später wird auch Kennedy selbst ermordet.

Das Wunder von Lengede: Elf Bergleute nach 14 Tagen aus der Tiefe gerettet

Die Rettung der Lengede-Bergleute, 7. November 1963
Die Rettung der Lengede-Bergleute, 7. November 1963 (Foto: Helmuth Ellgaard, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Am Abend des 24. Oktober bricht bei der Eisenerzgrube Mathilde nahe dem niedersächsischen Lengede ein Absetzbecken; rund 475.000 Kubikmeter Wasser und Schlamm fluten binnen Minuten die Schächte. Von den 129 Bergleuten der Tagesschicht können sich die meisten retten, 29 Kumpel kommen in den Fluten ums Leben. Tagelang gilt auch für die restlichen Vermissten jede Hoffnung als verloren, während mehr als 900 Helfer aus dem ganzen Bundesgebiet Tag und Nacht nach Zugängen zu den verschütteten Streckenabschnitten suchen.

Am 7. November, dreizehn Tage nach dem Unglück, meldet ein Bohrtrupp Klopfzeichen aus rund 60 Metern Tiefe: Elf Bergleute haben sich in eine Kammer gerettet und dort mehr als eine Woche ohne Nahrung überlebt. Mit der eigens aus dem Ruhrgebiet herbeigeschafften „Dahlbuschbombe", einer engen stählernen Rettungskapsel, werden die Männer zwischen 13:21 und 14:18 Uhr einzeln an die Oberfläche gezogen — vor laufenden Kameras und einer atemlosen Fernsehnation. Die Bergung gilt Fachleuten schon jetzt als eine der spektakulärsten Rettungsaktionen der deutschen Bergbaugeschichte.

Winnetou-Fieber erobert die deutschen Kinos

Pierre Brice, der Winnetou-Darsteller, hier auf einer Aufnahme von 2004
Pierre Brice, der Winnetou-Darsteller, hier auf einer Aufnahme von 2004 (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Am 11. Dezember läuft in den deutschen Kinos „Winnetou 1. Teil" an, die erste der nach Karl Mays Romanen gedrehten Verfilmungen unter der Regie von Harald Reinl. Lex Barker verkörpert den Trapper Old Shatterhand, der Franzose Pierre Brice in seiner ersten großen Rolle den Apachenhäuptling Winnetou. Mit einem für deutsche Verhältnisse stattlichen Budget von rund 4 Millionen DM setzt der Film neue Maßstäbe für das heimische Abenteuerkino.

Der Erfolg an den Kinokassen übertrifft alle Erwartungen: „Winnetou 1. Teil" avanciert mit 10,47 Millionen Besuchern zum meistgesehenen Film des Jahres in Deutschland — vor „Das Mädchen Irma la Douce" (7,64 Mio.) und dem deutschen Einstand der James-Bond-Reihe mit „James Bond 007 jagt Dr. No" (6,70 Mio.). Die Freundschaft zwischen dem Apachenhäuptling und dem deutschstämmigen Old Shatterhand trifft den Nerv eines Publikums, das dem Wilden Westen lieber im Kino begegnet als im echten Amerika.

Eröffnung der neuen Berliner Philharmonie

Die Berliner Philharmonie, äußerlich unverändert seit ihrer Eröffnung 1963, hier auf einer Aufnahme von 2013
Die Berliner Philharmonie, äußerlich unverändert seit ihrer Eröffnung 1963, hier auf einer Aufnahme von 2013 (Wikimedia Commons, CC BY 2.0, Foto: Jean-Pierre Dalbéra)

Mit Beethovens Neunter Sinfonie unter der Leitung von Herbert von Karajan wird am 15. Oktober die neue Berliner Philharmonie am Kulturforum eröffnet — das Konzerthaus, das der Architekt Hans Scharoun entworfen hat. Statt der herkömmlichen frontalen Bühnenanordnung gruppiert Scharoun die Sitzreihen terrassenförmig rings um das Orchester, sodass kein Platz im Saal weiter als 30 Meter vom Dirigentenpult entfernt liegt — ein für die Konzertsaal-Architektur ungewöhnliches Prinzip, das dem Bau bald den Spitznamen „Zirkus Karajani" einträgt.

Das charakteristische, zeltartig geschwungene Dach des Saals — von Scharoun selbst als Ausdruck der Musik im Raum verstanden — sorgt weit über Berlin hinaus für Aufsehen unter Architekten und Konzertveranstaltern. Für West-Berlin, das sich mitten im Kalten Krieg als kulturelles Schaufenster gegenüber dem Ostteil der Stadt versteht, ist die neue Heimat der Berliner Philharmoniker zugleich ein Politikum: ein selbstbewusstes architektonisches Bekenntnis zur offenen, modernen Gesellschaft des Westens.

Porsche zeigt den 901 auf der IAA in Frankfurt

Ein früher Porsche 911/901, wie er 1963 auf der IAA in Frankfurt erstmals gezeigt wurde
Ein früher Porsche 911/901, wie er 1963 auf der IAA in Frankfurt erstmals gezeigt wurde (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main präsentiert Porsche am 12. September mit dem Typ 901 den Nachfolger des erfolgreichen 356 — zunächst noch als Vorserienfahrzeug. Der von Ferdinand „Butzi" Porsche gezeichnete Zweitürer mit dem charakteristischen, flach abfallenden Heck und dem luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor löst in Frankfurt großes Interesse aus und gilt Branchenkennern sofort als konsequente Weiterentwicklung der Marke.

Noch vor dem geplanten Marktstart 1964 muss Porsche allerdings umdisponieren: Der französische Automobilhersteller Peugeot hat sich dreistellige Modellbezeichnungen mit einer Null in der Mitte in Frankreich markenrechtlich gesichert und pocht auf sein Vorrecht. Porsche benennt den Wagen daraufhin in 911 um — unter diesem Namen soll der Sportwagen 1964 seinen Marktstart feiern.

Erster Frankfurter Auschwitz-Prozess beginnt

Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, treibende Kraft des Frankfurter Auschwitz-Prozesses
Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, treibende Kraft des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (Wikimedia Commons, gemeinfrei / Fritz Bauer Institut)

Am 20. Dezember beginnt im Frankfurter Haus Gallus vor dem Schwurgericht der Prozess gegen 22 Angeklagte, die während ihres Dienstes im Vernichtungslager Auschwitz an Massenmorden beteiligt gewesen sein sollen. Möglich gemacht hat den Prozess vor allem der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der über Jahre gegen erhebliche Widerstände in Justiz und Öffentlichkeit auf eine strafrechtliche Aufarbeitung der Lagerverbrechen gedrungen hatte. Es ist der bislang längste und aufwendigste Schwurgerichtsprozess der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte; bis zum Urteil 1965 werden an 183 Verhandlungstagen 356 Zeugen gehört, darunter zahlreiche Überlebende des Lagers.

Über den gesamten Prozessverlauf berichtet der Redakteur Bernd Naumann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sachlich und nüchtern, ohne die Aussagen der Zeugen mit Kommentaren zu versehen — seine Chronik gilt schon jetzt manchem Beobachter als das genaueste zeitgenössische Dokument des Prozesses.

Aus heutiger Sicht

Trotz der ungewöhnlichen Dauer und der breiten Berichterstattung Naumanns bleibt das öffentliche Interesse am Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963 zunächst begrenzt — Historiker werten das als Beleg dafür, wie unvollständig die gesellschaftliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen zu diesem Zeitpunkt noch ist. Erst im Rückblick etabliert sich der Prozess als Wendepunkt, der die juristische Aufarbeitung des Holocaust in der Bundesrepublik entscheidend voranbrachte.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • In Washington hält Martin Luther King am 28. August vor rund 250.000 Menschen seine Rede „I Have a Dream" — ein Menetekel der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, das auch in Westdeutschland aufmerksam verfolgt wird.
  • Am 17. Dezember unterzeichnen West-Berlin und die DDR das erste Passierscheinabkommen: Zwischen dem 19. Dezember und dem 5. Januar besuchen über 700.000 Westberliner erstmals seit 28 Monaten wieder Verwandte im Ostteil der Stadt.
  • Am 20. Dezember beginnt in Frankfurt am Main der erste Auschwitz-Prozess gegen 22 Angeklagte — der bedeutendste NS-Prozess der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, der die deutsche Öffentlichkeit erstmals umfassend mit den Verbrechen von Auschwitz konfrontiert.
  • Am 8. August erbeuten Räuber bei einem Überfall auf einen Postzug nahe Cheddington in England rund 2,6 Millionen Pfund — der „Große Postraub" wird zum meistdiskutierten Kriminalfall des Jahres und weltweit zur Legende.
  • Am 1. April nimmt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) in Mainz seinen Sendebetrieb auf und bricht damit das bisherige Fernsehmonopol der ARD.
  • Der Chemiekonzern Bayer, 1863 im Wuppertaler Stadtteil Barmen von Friedrich Bayer gegründet, begeht 1963 sein hundertjähriges Bestehen — ein Jubiläum, das die enge Verbindung zwischen dem Tal der Wupper und dem Weltunternehmen unterstreicht.
  • Am 3. April, zwei Tage nach dem ZDF-Sendestart, feiern die Mainzelmännchen ihr Debüt im neuen zweiten deutschen Fernsehprogramm — die sieben zwergenhaften Werbefiguren avancieren binnen kurzem zu den bekanntesten Kunstfiguren des deutschen Fernsehens.
  • Vor Cuxhaven demonstriert die Bundesrepublik 1963 dreimal ihre Berthold-Seliger-Höhenforschungsraketen — am 7. Februar erreicht eine Zweistufenrakete 80 Kilometer Gipfelhöhe, am 2. Mai eine Dreistufenrakete 110 Kilometer, am 5. Dezember eine vor Militärvertretern von Nicht-NATO-Staaten vorgeführte Version sogar 160 Kilometer Reichweite — die Sowjetunion protestiert diplomatisch gegen die Starts.
  • Am 11. Oktober sterben mit Édith Piaf und Jean Cocteau zwei Ikonen des französischen Kulturlebens am selben Tag — Cocteau, der die Nachricht vom Tod der Sängerin noch erhält, erliegt wenige Stunden später selbst einem Herzinfarkt.

WIRTSCHAFT · 1963

Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich 1963 spürbar: Das Bruttoinlandsprodukt legt nur noch um rund 2,8 % zu — deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt der Adenauer-Jahre von gut 6 % pro Jahr. Am Arbeitsmarkt bleibt die Lage gleichwohl komfortabel: Die Arbeitslosenquote liegt bei nur 0,8 % (Vorjahr 0,7 %) und damit weiterhin im Bereich der Vollbeschäftigung, während der durchschnittliche Bruttoarbeitsverdienst auf 512,50 DM im Monat steigt. Die folgenden Alltagspreise sind für das Jahr 1963 belegt:

Der Preisspiegel:

  • Butter (1 kg) — 7,35 DM
  • Milch (1 l) — 0,45 DM
  • Eier (1 Stück) — 0,25 DM
  • Rindfleisch (1 kg) — 7,80 DM
  • Schweinefleisch (1 kg) — 7,46 DM
  • Kartoffeln (1 kg) — 0,27 DM
  • Kaffee (1 kg) — 16,48 DM
  • Benzin, Normal (1 l) — 0,57 DM

STIMMEN DER PRESSE · 1963

Zur Premiere von „Winnetou 1. Teil" im Dezember überschlagen sich die Feuilletons mit Lob für Landschaft und Unterhaltungswert:

„Regisseur Harald Reinl suchte die Mitte zu halten zwischen den antiquierten Edelmut-Schnörkeln und der munteren Aktion. Er probierte sozusagen einen klassischen Karl May. Das ist herrlich anzuschauen. Perfekt photographierte Landschaftsromantik, wie man sie drüben im Wilden Westen nicht besser hinbekommt." — Abendzeitung, 12. Dezember 1963

„Das ist perfekter Unterhaltungsfilm, lecker die Gags, köstlich die Wildheit." — Der Bund (Bern/Schweiz), 23. Dezember 1963

SPORT · 1963

Der große sportliche Umbruch des Jahres ist bereits vermeldet: Mit dem ersten Bundesliga-Spieltag am 24. August beginnt die Ära der eingleisigen deutschen Fußball-Eliteliga. Der DFB hatte die 16 Gründungsmitglieder aus 46 Bewerbern nach der sogenannten Zwölfjahreswertung ermittelt: fünf Vereine aus der Oberliga West (Borussia Dortmund, 1. FC Köln, Meidericher SV, Preußen Münster, Schalke 04), fünf aus der Oberliga Süd, drei aus der Oberliga Nord, zwei aus der Oberliga Südwest sowie Hertha BSC aus der Berliner Stadtliga. Am Eröffnungsspieltag verfolgen über 300.000 Zuschauer die acht Partien; im Bremer Weserstadion erzielt Dortmunds Timo Konietzka gegen Werder Bremen bereits nach 58 Sekunden das historisch erste Bundesliga-Tor, ehe Bremen die Partie noch mit 3:2 gewinnt.

Für das Bergische Land bleibt der Neuanfang zunächst mit einer knappen Enttäuschung verbunden: Der Wuppertaler SV, der in der Saison 1962/63 noch das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht hatte, verpasst die Qualifikation für die neue Bundesliga und startet stattdessen in der neu geschaffenen, zweitklassigen Regionalliga West — den Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs schafft der WSV erst 1972. Die Premierensaison 1963/64 der Bundesliga läuft bis zum Frühjahr 1964 und wird mit 1. FC Köln ihren ersten Meister krönen — ein neues Kapitel des deutschen Fußballs, dessen Anfänge auch das Bergische Land hautnah miterlebt.

MODE · 1963

Modisch bleibt 1963 ein Übergangsjahr: Die elegante, taillierte Linie der frühen Sechziger — Jackie-Kennedy-Chic mit knielangem Kostüm, kleinem Pillbox-Hut und Handschuhen, wie ihn die First Lady auch bei Kennedys Berlin-Besuch im Juni vorführt — hält sich noch als Leitbild der eleganten Dame. Doch am Horizont kündigt sich bereits die kommende Jugendrevolution an: In London zeigt die Designerin Mary Quant in ihrer Boutique „Bazaar" erste, deutlich über dem Knie endende Röcke — Vorboten des Minirocks, der die zweite Hälfte des Jahrzehnts prägen wird. In deutschen Kaufhäusern und auch im Bergischen Land, traditionell mit einer eigenen Textil- und Bandwebindustrie verbunden, hält sich vorerst noch die konservativere, gedeckte Linie, während junge Frauen erste kürzere Röcke aus den Modezeitschriften abschauen.

KINO & FERNSEHEN · 1963

An den deutschen Kinokassen dominiert in diesem Jahr der heimische Abenteuerfilm: „Winnetou 1. Teil" führt mit 10,47 Millionen Besuchern die Jahreshitliste an, vor „Das Mädchen Irma la Douce" (7,64 Mio.) und dem deutschen Kinostart der James-Bond-Reihe mit „James Bond 007 jagt Dr. No" (6,70 Mio.); auch Freddy Quinn („Heimweh nach St. Pauli", 5,38 Mio.) und Heinz Rühmann („Das Haus in Montevideo", 4,12 Mio.) füllen die Säle.

Im Fernsehen bricht am 1. April das bisherige ARD-Monopol: In provisorischen Baracken-Studios im hessischen Eschborn nimmt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) unter Gründungsintendant Karl Holzamer den Sendebetrieb auf, die erste „heute"-Sendung moderiert um 19:35 Uhr Carl Weiss. Bereits zwei Tage später treten die sieben zwergenhaften Mainzelmännchen erstmals als Werbefiguren des neuen Senders auf. Auf dem Weg zum Farbfernsehen meldet unterdessen Walter Bruch von Telefunken am 3. Januar sein Verfahren „PAL" zum Patent an — ausgestrahlt wird in Farbe vorerst aber noch nicht.

GESTORBEN · 1963

  • Theodor Heuss (79), erster Bundespräsident der Bundesrepublik — 12. Dezember, Stuttgart.
  • Gustaf Gründgens (63), Schauspieler und Theaterintendant — in der Nacht zum 7. Oktober, Manila.
  • Adolf Grimme (73), SPD-Politiker, erster Generaldirektor des NWDR, Namensgeber des Grimme-Preises — 27. August, Degerndorf am Inn.
  • Édith Piaf (47), französische Chansonsängerin — 11. Oktober, Plascassier bei Cannes.
  • Jean Cocteau (73), französischer Schriftsteller und Regisseur — 11. Oktober, Milly-la-Forêt.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1963

  • Bundesliga startet mit erstem Spieltag (24. August). Über 300.000 Zuschauer verfolgen den Auftakt der neuen eingleisigen Fußball-Bundesliga; Timo Konietzka erzielt nach nur 58 Sekunden das allererste Bundesliga-Tor — Beginn einer neuen Ära des deutschen Fußballs.
  • Erste Frau im All: Walentina Tereschkowa startet mit Wostok 6 (16. Juni). Die 26-jährige sowjetische Kosmonautin umkreist als erste Frau der Geschichte fast drei Tage lang die Erde — ein Meilenstein, der auch in Westdeutschland mit Staunen verfolgt wird.
  • Chemie-Nobelpreis für Karl Ziegler (Dezember). Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr wird gemeinsam mit dem Italiener Giulio Natta für die Ziegler-Natta-Katalyse geehrt, die die industrielle Herstellung von Kunststoffen revolutioniert — Spitzenforschung aus dem Westen der Republik.
  • PAL-Farbfernsehpatent angemeldet (3. Januar, Hannover). Walter Bruch von Telefunken meldet sein Farbfernsehverfahren „PAL" zum Patent an — ein technischer Grundstein für das kommende deutsche Farbfernsehen.

DAS WETTER · 1963 im Bergischen Land

An diesem 13. Juli war es im Raum Wuppertal ein milder Sommertag: Höchstwert 22,2 °C, in der Nacht 10,6 °C; kräftiger Regen brachte 9,3 mm, die Sonne zeigte sich rund 6,3 Stunden.

Das Jahr über: Im Mittel 8,3 °C — rund 1,3 Grad unter dem langjährigen Essener Mittel (~9,6 °C). Wärmster Tag 31 °C am 3. August, kältester −17 °C am 18. Januar. 1 Hitzetage (≥30 °C), 47 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 760 mm.

Der Jahrhundertwinter 1962/63 ließ auch im Westen das Eis stehen: 47 Eistage und bis −17 °C — einer der kältesten Winter seit Messbeginn.

(Messwerte der Station Essen-Bredeney, rund 25 km westlich von Wuppertal — die nächstgelegene durchgehend messende Station; Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1963

Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts (amtliche Charts ab 1959).

  1. Bonanza — Ralf Paulsen
  2. Buona Notte — Rocco Granata
  3. Schuld war nur der Bossa Nova — Manuela
  4. Wenn erst der Abend kommt — Peter Alexander
  5. Mitsou — Jacqueline Boyer
  6. Kiss Me Quick — Elvis Presley
  7. Kiss Me Quick — Udo Jürgens
  8. Cheerio — Petula Clark
  9. Cheerio — Little Peggy March
  10. Junge, komm bald wieder — Freddy Quinn
  11. Gaucho Mexicano (Jalisco) — Renate & Werner Leismann
  12. Gaucho Mexicano (Jalisco) — John Buck & His Blazers
  13. Wini-Wini — Die Tahiti-Tamoures
  14. Barcarole in der Nacht — Connie Francis
  15. Siebentausend Rinder — Peter Hinnen
  16. Rote Lippen soll man küssen — Cliff Richard
  17. Zwei blaue Vergissmeinnicht — Rex Gildo
  18. Ich will 'nen Cowboy als Mann — Gitte
  19. Ich will 'nen Cowboy als Mann — Lill-Babs
  20. Sag mir, wo die Blumen sind — Marlene Dietrich

Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (chartsurfer.de / offizielle Charts).

Lokalteil Kiel / Schleswig-Holstein

Hassel geht nach Bonn, Lemke wird Ministerpräsident in Kiel

Ministerpräsident Helmut Lemke an der Reling des Eisbrechers EISBÄR in der Außenförde
Ministerpräsident Helmut Lemke bei einer Eisfahrt auf dem Eisbrecher EISBÄR (A 1402) in der Außenförde, Aufnahme laut Stadtarchiv vom 1. März 1963 (Friedrich Magnussen / Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 DE)

Der Kieler Landtag hat am 7. Januar einen neuen Ministerpräsidenten gewählt: Innenminister Helmut Lemke (CDU), ein gebürtiger Kieler, Jahrgang 1907, erhielt im ersten Wahlgang 35 der 68 Stimmen. Drei Abgeordnete stimmten gegen ihn, 30 enthielten sich. Das ist eine Stimme mehr, als die CDU im Landtag zählt, und es genügte, denn im ersten Wahlgang ist die absolute Mehrheit nötig.

Der Wechsel in der Staatskanzlei hängt mit Bonn zusammen. Kai-Uwe von Hassel, seit dem 11. Oktober 1954 Ministerpräsident an der Förde, wurde am 9. Januar als Nachfolger von Franz Josef Strauß, der über die Spiegel-Affäre gestolpert war, Bundesverteidigungsminister im fünften Kabinett Adenauer. Die Kieler verlieren damit einen Regierungschef, der den Norden fast ein Jahrzehnt geführt hat.

Eiswinter: Fördedampfer im Eis, Eisbrecher vor Holtenau

Die Fördedampfer BELLEVUE und HEIKENDORF in der vereisten Förde
Eiswinter 1962/63: Die Fördedampfer BELLEVUE (vorn) an der Anlegebrücke Bellevue und HEIKENDORF (hinten) in der vereisten Förde, Januar 1963 (Friedrich Magnussen / Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 DE)

Der Winter 1962/63 ist einer der strengsten des Jahrhunderts, und an der Förde sieht man es: Die Ostsee ist zugefroren, und im Kieler Hafen steht das Eis. Die Fördedampfer BELLEVUE und HEIKENDORF liegen im Januar eingefroren an der Anlegebrücke Bellevue. Am 27. Januar legt die FRIEDRICHSORT vom Fähranleger Gaarden ab, mühsam durch das Eis, die Nikolaikirche der Altstadt im Rücken.

Für die Schiffahrt arbeiten die Eisbrecher. Am 1. Februar folgt der russische Frachter BALASHOV vor Holtenau den Eisbrechern EISBÄR und EISVOGEL. Der Kleine Kiel ist am 24. Februar zugefroren, und wer an der Anlegestelle Bellevue vorbeikommt, sieht die Blesshühner, die sich dort am 24. Januar füttern ließen, weil das offene Wasser fehlt.

In der Stadt hat der Frost eigene Sorgen. Am 4. Februar rückt die Feuerwehr aus, um an der Landwirtschaftskammer in der Holstenstraße 106 bis 108 die Eiszapfen von den Dachrinnen zu holen, bevor sie auf die Passanten fallen.

Erst am 9. April ist die Winterpause vorbei: Das Fahrgastschiff TOM KYLE legt wieder vom Bahnhofskai ab.

THW Kiel verteidigt den Titel: Deutscher Hallenhandballmeister

Ankunft der Meistermannschaft des THW Kiel am Hauptbahnhof
Ankunft der Meistermannschaft des Turnvereins Hassee-Winterbek (THW Kiel) am Kieler Hauptbahnhof, 18. Februar 1963 (Friedrich Magnussen / Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 DE)

Die Handballer des Turnvereins Hassee-Winterbek sind zum dritten Mal Deutscher Hallenhandballmeister, und sie sind es als Titelverteidiger. In der Stuttgarter Killesberghalle besiegte der THW Kiel im Endspiel am 17. Februar den OSC Berlin mit 10:3, zur Halbzeit hatte es 3:1 gestanden. Die Endrunde war am 16. und 17. Februar ausgetragen worden.

Der Weg dorthin führte durch die Kieler Ostseehalle. Am 9. Februar schlug der THW dort im Vorrundenspiel um die Norddeutsche Meisterschaft den VfL Wolfsburg mit 12:8, am Tag darauf im norddeutschen Endspiel den Hamburger SV mit 11:6.

Am 18. Februar, einem Montag, kam die Meistermannschaft mit dem Zug aus Stuttgart am Kieler Hauptbahnhof an. Auf dem Bahnsteig wartete der Empfang auf die Mannschaft, unter ihnen der Handballer Heinrich Dahlinger.

Der Verein, im Stadtteil Hassee zu Hause und im Alltag nur kurz „THW“ genannt, hat damit seinen Platz im deutschen Hallenhandball gefestigt.

Callas am Tanker: Onassis-Stapellauf bei den Howaldtswerken

Maria Callas und Marie Luise Westphal beim Stapellauf des Tankers OLYMPIC CHIVALRY
Stapellauf des Tankers OLYMPIC CHIVALRY: die Opernsängerin Maria Callas (rechts) und Marie Luise Westphal (links), 23. November 1963 (Friedrich Magnussen / Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 DE)

Auf der Werft in Gaarden zieht nicht jeder Stapellauf Besuch aus der Oper an. Am 23. November lief bei den Howaldtswerken der Tanker OLYMPIC CHIVALRY vom Stapel, und unter den Gästen am Helgen waren zwei, die nicht zum Werftpersonal gehören: der Reeder Aristoteles Onassis und die Opernsängerin Maria Callas.

Onassis ist der Werft kein Fremder. Schon 1952 bis 1954 ließ er die „Christina“ bei den Howaldtswerken in Kiel zur Yacht umbauen. Nun kommt er mit einem Tanker wieder, und mit der Callas im Gefolge, die in den Opernhäusern der Welt gefeiert wird, in diesem Fall aber einem Stapellauf beiwohnt, an dem es nichts zu singen gibt.

Ein Tanker ist ein Tanker. Eine Callas am Tanker ist eine Nachricht.

Lemke übernimmt eine Regierung ohne feste Mehrheit. Nach der Landtagswahl 1962 war die Koalition von CDU und FDP an der Forderung der Liberalen nach zwei Ministerialdirektoren gescheitert, Hassel fehlte eine Stimme zur Mehrheit, und er regierte zunächst mit einer Minderheit. Lemke ging die Sache rasch an: Am 14. Januar stellte er sein Kabinett vor, und die CDU-FDP-Koalition ist wieder geschlossen. Der FDP-Landesvorsitzende Bernhard Leverenz zieht als Minister in die Regierung ein.

KURZ NOTIERT · Kiel 1963

  • 12. Januar — Karneval an der Förde: Karnevalsprinz Werner I. (Werner Pancke) überreicht Stadtpräsident a. D. Peter Jeschke einen Postsack. Ob Post darin war, bleibt Narrensache.
  • 14. Januar — Das Küstenmotorschiff LOHENGRIN kentert im Sturm vor Stein. Am 10. Juli hebt das Hebeschiff JOHN BECKEDORF es, es liegt danach am Bahnhofskai.
  • 23. April — Die Maschinenbau Kiel AG in Friedrichsort liefert ihre 1000. und 1001. Diesellokomotive aus. Am Rednerpult steht Eigentümer Hugo Stinnes.
  • 24. Mai — Der Kampfmittelräumdienst birgt am Langen Rehm eine britische Luftmine von zwei Tonnen. Munitionsräumgruppen-Leiter Claus Kinder und Feuerwerker Bernd Althausen schaffen sie fort, die Anwohner dürfen aufatmen.
  • 1. Juni — Mettenhof wird mit 526 Einwohnern nach Kiel eingemeindet; die Gemeinde Melsdorf tritt den Ortsteil ab.
  • 22.–30. Juni — 69. Kieler Woche: Eröffnungsempfang am 22. Juni im Rathaus mit Oberbürgermeister Hans Müthling, am 24. Juni überreicht Stadtpräsident Hermann Köster im Ratssaal den Kulturpreis der Stadt an den Dichter Wilhelm Lehmann, am 25. Juni besucht Bundespräsident Heinrich Lübke die Woche, am 30. Juni beschließt ein Feuerwerk das Fest. Am Rande spielen die Kieler Indianerfreunde im Volkspark Gaarden „Der graue Büffel ruft“.
  • 29. September — Die Howaldtswerke feiern ihr 125jähriges Bestehen mit einem Festakt im Stadttheater, unter den Gästen Ministerpräsident Helmut Lemke und Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel; am selben Tag läuft der Tanker JAGRANDA in Gaarden vom Stapel.
  • 29. Oktober — Richtfest für das KWG-Hochhaus am Sandkrug 34 in Gaarden: Wohnungen für 240 Rentner-Ehepaare und Alleinstehende, bezugsfertig ab Herbst 1964.

RUND UM DIE FÖRDE · 1963

  • 21. Juni, Festung Friedrichsort — Die Salutbatterie der Bundesmarine schießt Salut für einen dänischen Flottenverband von 14 Schiffen mit 800 Mann Besatzung, der zur Kieler Woche kommt.
  • 30. September, Laboe — Zum 100. Geburtstag von Admiral Reinhard Scheer wird im Marine-Ehrenmal ein Kranz niedergelegt. Scheer führte 1916 die Hochseeflotte in der Skagerrakschlacht; 1927 hatte er bei der Grundsteinlegung des Ehrenmals den Weihespruch gesprochen.

SPORT AN DER FÖRDE · 1963

  • Holstein Kiel — Die Oberliga Nord 1962/63 beendet Holstein auf Platz 5 (34:26 Punkte, 73:58 Tore). Die Bundesliga-Plätze gehen an den HSV, Werder Bremen und den Dritten Eintracht Braunschweig; Holstein, VfL Osnabrück, FC St. Pauli und Hannover 96 protestieren ohne Erfolg. Die Kieler spielen nun in der neuen zweitklassigen Regionalliga Nord. Zuvor hatte es am 27. Januar im Holsteinstadion gegen den HSV 1:1 gegeben, vor 17.000 Zuschauern.
  • Segeln — Am 8. Juni läuft die Yacht GERMANIA V nach dem Skagen-Rennen als erstes Schiff unter großem Spinnaker in die Förde ein.
  • Boxen — Am 20. April besiegt Karl Mildenberger in der Ostseehalle Ulli Ritter nach Punkten. Der Kieler Profiboxer Klaus Stockmann debütiert am 2. März gegen Egon Musen.
  • Handball — Am 23. November gewinnt Deutschland in der Ostseehalle das Länderspiel gegen Spanien 32:12. Am 14. Dezember verliert der THW Kiel dort gegen KFUM Aarhus 8:13.

DAS WETTER · 1963 in Kiel

An diesem 13. Juli war es an der Förde ein kühler, fast trüber Sommertag: Höchstwert 19,6 °C, in der Nacht 13,4 °C, im Tagesmittel 16,1 °C; es fielen 2,2 mm Regen, die Sonne zeigte sich nur rund 2,5 Stunden.

Das Jahr über: Im Mittel 7,6 °C. Wärmster Tag 33,7 °C am 4. August, kältester Tiefstwert −16,6 °C am 21. Februar. 1 Hitzetag (≥30 °C), 7 Sommertage (≥25 °C), 52 Eistage (Dauerfrost) und 92 Frosttage; Jahresniederschlag 699 mm, Sonnenscheindauer 1556 Stunden.

(Messwerte der DWD-Station Kiel-Kronshagen. Quelle: DWD Climate Data Center.)