DER CHRONIST
Ein Jahr, in dem alte Gewissheiten zerbrechen: Im Iran stürzt ein Kaiserreich und macht einer islamischen Republik Platz, ehe im November amerikanische Diplomaten in Teheran als Geiseln genommen werden; im Kreml und in Brüssel wird über Raketen entschieden, die halb Europa bedrohen, und in der Bundesrepublik zwingt eine amerikanische Fernsehserie eine ganze Nation, endlich genau hinzuschauen. Im Nahen Osten unterzeichnen Ägypten und Israel einen historischen Friedensvertrag, während in London mit Margaret Thatcher erstmals eine Frau an die Spitze einer britischen Regierung tritt. Zwischen all den Umbrüchen setzt Europa mit dem ersten Ariane-Start ein Zeichen der Zukunftshoffnung, und ein kleiner japanischer Kassettenspieler namens Walkman verändert still, wie die Welt fortan Musik hört. Auch an der Förde formiert sich unterdessen eine neue politische Kraft, die sich dem Atomstaat entgegenstellt.
Schah stürzt, Chomeini kehrt heim: Islamische Revolution im Iran

Seit den frühen Sechzigerjahren hatte der Schah mit seiner „Weißen Revolution" das Land von oben modernisiert, zugleich aber jede Opposition mit Hilfe des gefürchteten Geheimdienstes SAVAK unterdrückt — Widerstand formierte sich sowohl unter linken Studenten als auch unter der schiitischen Geistlichkeit, angeführt vom bereits 1964 ins Exil getriebenen Ayatollah Chomeini. 1978 wächst der Protest zur Massenbewegung: Am 8. September 1978, dem „Schwarzen Freitag", schießt das Militär in Teheran in eine Demonstration, Dutzende Menschen sterben — von diesem Tag an gilt eine Verständigung zwischen Schah und Opposition als ausgeschlossen. Auch die Notregierung des im Januar 1979 eingesetzten Ministerpräsidenten Schapur Bakhtiar kann den Umsturz nicht mehr aufhalten.
Am 16. Januar flieht Schah Mohammad Reza Pahlavi nach Monaten von Massenprotesten außer Landes, zunächst nach Ägypten. Am 1. Februar landet Ayatollah Ruhollah Chomeini nach fast 15 Jahren Exil — zuletzt in Neauphle-le-Château bei Paris — mit einer Air-France-Maschine in Teheran und wird von Millionen Menschen euphorisch empfangen. Am 30./31. März stimmen die Iraner in einem Referendum offiziell mit weit über 98 Prozent für die Abschaffung der Monarchie; am 1. April wird die Islamische Republik Iran ausgerufen. Der Umsturz im Ölförderland Iran lässt die Weltmärkte erzittern und löst die zweite Ölkrise aus: Der Rohölpreis steigt binnen weniger Monate auf rund 40 US-Dollar je Barrel, in der Bundesrepublik verlangsamt sich daraufhin erneut das Wirtschaftswachstum, und auch die Werften an der Förde bekommen die steigenden Energiekosten zu spüren. Am 4. November besetzen regimetreue Studenten die US-Botschaft in Teheran und nehmen 52 amerikanische Diplomaten als Geiseln — die Geiselkrise, die erst im Januar 1981 endet, hält den Umsturz im Iran bis zum Jahresende in den Schlagzeilen der Weltpresse.
Vier Abende, die die Bundesrepublik verändern: die Fernsehserie »Holocaust«

Die vierteilige Serie »Holocaust: The Story of the Family Weiss« war bereits 1978 vom US-Sender NBC produziert und ausgestrahlt worden — mit Meryl Streep, James Woods und Fritz Weaver in den Hauptrollen erzählt sie die Leidensgeschichte der fiktiven jüdischen Berliner Familie Weiss von der „Machtergreifung" 1933 bis zur Befreiung 1945. An vier Abenden — dem 22., 23., 25. und 26. Januar — strahlen die fünf erstmals zusammengeschalteten Dritten Programme der ARD die deutsch synchronisierte Fassung aus. Die Einschaltquote steigt von Folge zu Folge: von rund 32 Prozent am ersten auf 36, dann 39 und schließlich bis zu 40 Prozent der Haushalte am letzten Abend — macht in der Summe ein Millionenpublikum, das sich erstmals in dieser Breite mit der Judenverfolgung auseinandersetzt. Anders als nüchterne Dokumentationen zuvor erreicht die Serie mit ihrer persönlichen, melodramatischen Erzählweise auch jene, die sich mit dem Thema bislang nicht beschäftigt hatten, und löst eine bis dahin beispiellose öffentliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit aus — in Zeitungen, Schulen und Familien wird tagelang diskutiert. Die Wirkung trifft auf eine seit den Sechzigerjahren schwelende Verjährungsdebatte: Bereits 1965 und 1969 hatte der Bundestag die Verjährungsfrist für NS-Morde per Sonderregelung hinausgezögert, ohne das Grundproblem zu lösen. Am 3. Juli zieht der Bundestag nun die endgültige Konsequenz und beschließt, dass Mord künftig nicht mehr verjährt — nicht zuletzt Abgeordnete, die sich in der Debatte ausdrücklich auf die Serie berufen, geben den Ausschlag. Die jahrelange, oft erbittert geführte Debatte um eine Verjährung von NS-Verbrechen ist damit endgültig entschieden.
Bürger wählen ihr Europaparlament erstmals direkt — und Stoltenberg verteidigt Kiel

Am 10. Juni wählen die Bürger der neun Staaten der Europäischen Gemeinschaft zum ersten Mal unmittelbar ihr Parlament — bislang hatten die nationalen Parlamente die Abgeordneten nach Straßburg entsandt. In der Bundesrepublik liegt die Wahlbeteiligung bei 65,7 Prozent; CDU/CSU kommen gemeinsam auf 49,2 Prozent (CDU 39,1, CSU 10,1) vor der SPD mit 40,8 Prozent, die FDP übersteht mit 6,0 Prozent knapp die Fünf-Prozent-Hürde. Von den 81 deutschen Sitzen entfallen 42 auf die Union, 35 auf die SPD und 4 auf die FDP. Mitte Juli tritt das neue Europäische Parlament erstmals in Straßburg zusammen und wählt die frühere KZ-Häftling und französische Gesundheitsministerin Simone Veil zu seiner ersten Präsidentin.
Am Wohnort selbst war der politische Härtetest des Jahres schon gut sechs Wochen zuvor gefallen: Bei der neunten Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 29. April verteidigt Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg (CDU), seit 1971 im Amt und zuvor Bundesminister in Bonn, von seinem Amtssitz im Kieler Landeshaus aus mit 48,3 Prozent die absolute Mehrheit — um nur rund 8.700 Stimmen beziehungsweise ein einziges Landtagsmandat vor einer möglichen SPD/FDP/SSW-Koalition unter Herausforderer Klaus Matthiesen, dem SPD-Fraktionschef und Oppositionsführer, der bereits 1975 gegen Stoltenberg angetreten war und dessen SPD nun mit 41,7 Prozent ihr bestes Landtagswahl-Ergebnis seit 1947 erzielt. Die FDP kommt auf 5,7 Prozent, der von der Fünf-Prozent-Hürde befreite SSW der dänischen Minderheit auf 1,4 Prozent. Erstmals tritt auch die Grüne Liste Schleswig-Holstein (GLSH) an, im Mai 1978 in Rendsburg gegründet und getragen vor allem vom Widerstand gegen das geplante Kernkraftwerk Brokdorf an der Unterelbe, dessen Baustelle bereits seit Herbst 1976 immer wieder von Tausenden Demonstranten besetzt und von der Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas geräumt wurde. Mit 2,4 Prozent verfehlt die GLSH den Einzug ins Landeshaus knapp — doch die junge Anti-Atomkraft- und Umweltbewegung an der Förde hat sich damit erstmals landesweit zur Wahl gestellt.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Bundesversammlung, 23. Mai — der von CDU/CSU nominierte Verfassungsrechtler Karl Carstens wird zum fünften Bundespräsidenten gewählt und löst Walter Scheel ab.
- Berlin, 18. März — CDU 44,4 %, SPD 42,7 %. Regierender Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) führt die sozial-liberale Koalition mit der FDP (8,1 %) fort.
- Rheinland-Pfalz, 18. März — CDU 50,1 %, SPD 42,3 %. Ministerpräsident Bernhard Vogel verteidigt die absolute Mehrheit.
- Bremen, 7. Oktober — SPD 49,4 %, CDU 31,9 %. Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) bleibt im Amt; mit der Bremer Grünen Liste zieht erstmals eine grüne Liste in ein westdeutsches Landesparlament ein.
NATO-Doppelbeschluss: Nachrüstung und Verhandlungsangebot

Ausgangspunkt ist die Sorge des Westens vor den seit Mitte der Siebzigerjahre neu stationierten sowjetischen Mittelstreckenraketen vom Typ SS-20, die mit ihrer Reichweite ganz Westeuropa, nicht aber das Territorium der USA bedrohen und damit — so die Furcht — die Bündnisse entkoppeln könnten. Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte bereits am 28. Oktober 1977 in einem vielbeachteten Vortrag vor dem Institut für Strategische Studien in London vor dieser wachsenden „Disparität" gewarnt und westliche Gegenmaßnahmen angemahnt. Nach monatelangen Beratungen beschließen die Außen- und Verteidigungsminister der NATO in einer Sondersitzung in Brüssel am 12. Dezember den NATO-Doppelbeschluss: Sollten Verhandlungen mit der Sowjetunion über eine beiderseitige Begrenzung der Mittelstreckenraketen („INF") binnen der nächsten Jahre scheitern, wird das westliche Bündnis 198 Pershing-II-Raketen und 464 Marschflugkörper vom Typ BGM-109G Gryphon in Westeuropa stationieren, darunter auch in der Bundesrepublik. Der Beschluss verbindet Aufrüstung und Gesprächsangebot in einem Atemzug — und legt den Grundstein für die Massenproteste der Friedensbewegung, die in den folgenden Jahren Hunderttausende auf die Straßen bringen und die sozial-liberale Koalition unter Kanzler Schmidt zunehmend zerreiben werden.
Roter Adler über dem Hindukusch: Sowjetunion marschiert in Afghanistan ein

Vorausgegangen war die „Saurrevolution" vom April 1978, mit der die marxistische Demokratische Volkspartei Afghanistans unter Nur Muhammad Taraki an die Macht geputscht hatte — ein Bündnispartner, den Moskau zunächst stützte. Doch radikale Reformen und brutale Gegenwehr trieben das Land in einen Bürgerkrieg gegen islamische Aufständische; im September 1979 ließ der ehrgeizige Ministerpräsident Hafizullah Amin Taraki ermorden und riss selbst die Macht an sich. Aus Sorge, der unberechenbare Amin könne sich dem Westen zuwenden und die sowjetische Südflanke gefährden, beschloss das Politbüro in Moskau am 12. Dezember 1979 seinen Sturz. In der Nacht zum 25. Dezember fliegen sowjetische Transportmaschinen Tausende Fallschirmjäger nach Kabul ein, sowjetische Spezialeinheiten stürmen den Tadsch-Beg-Palast und töten den afghanischen Machthaber Hafizullah Amin. Moskau installiert Babrak Karmal als neuen Staatschef. Der Einmarsch beendet endgültig die Entspannungspolitik der Siebzigerjahre, zieht die Sowjetunion in einen zehnjährigen Krieg gegen von den USA und Pakistan unterstützte Mudschaheddin und lässt — nur zwölf Tage nach dem NATO-Doppelbeschluss — das Jahrzehnt in eisiger weltpolitischer Kälte ausklingen. Als Antwort verkündet US-Präsident Jimmy Carter wenig später ein Getreideembargo gegen die Sowjetunion und den Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau.
Margaret Thatcher wird erste britische Premierministerin

Voraus geht der „Winter of Discontent" 1978/79: Wochenlange Streiks von Müllabfuhr, Lkw-Fahrern und selbst Totengräbern legen weite Teile Großbritanniens lahm und untergraben das Vertrauen in die Labour-Regierung von Premierminister James Callaghan. Am 28. März verliert Callaghan im Unterhaus mit 310 zu 311 Stimmen ein Misstrauensvotum — die erste Regierung seit 1924, die auf diesem Weg zu Fall kommt — und muss Neuwahlen ausrufen. Bei der Unterhauswahl am 3. Mai gewinnt die Conservative Party unter ihrer Vorsitzenden Margaret Thatcher 339 der 635 Sitze gegenüber 269 für Labour, eine Mehrheit von 43 Sitzen.
Am 4. Mai wird Thatcher von Königin Elizabeth II. im Buckingham-Palast zur Premierministerin ernannt — als erste Frau in der britischen Geschichte und, nach Sri Lanka, Indien und Israel, erst die vierte weltweit gewählte Regierungschefin überhaupt. Die schon als Oppositionsführerin wegen ihres kompromisslosen Auftretens „Eiserne Lady" genannte Politikerin kündigt Steuersenkungen, Privatisierungen und eine deutliche Beschneidung der Gewerkschaftsmacht an — ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel, der als „Thatcherismus" das kommende Jahrzehnt in Großbritannien prägen wird.
Sadat und Begin unterzeichnen Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel

Nach vier Kriegen seit 1948, zuletzt dem Jom-Kippur-Krieg 1973, reist Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat im November 1977 überraschend nach Jerusalem und spricht vor der Knesset — als erster arabischer Staatschef, der Israel offiziell besucht. Im September 1978 vermittelt US-Präsident Jimmy Carter auf seinem Landsitz Camp David zwölf Tage lang zwischen Sadat und Israels Ministerpräsident Menachem Begin; im Dezember 1978 werden beide für ihre Verständigungsbereitschaft mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Am 26. März unterzeichnen Sadat und Begin in Washington, mit Carter als Zeugen, den israelisch-ägyptischen Friedensvertrag — er beendet formell den seit 1948 bestehenden Kriegszustand, sieht die gegenseitige Anerkennung beider Staaten vor und verpflichtet Israel zum vollständigen Rückzug aus der 1967 eroberten Sinai-Halbinsel samt Ölfeldern und jüdischen Siedlungen, der 1982 abgeschlossen wird. Der Alleingang kostet Ägypten die Mitgliedschaft in der Arabischen Liga und stürzt das Land in die Isolation der arabischen Welt; am 6. Oktober 1981 wird Sadat von islamistischen Offizieren erschossen, die den Friedensvertrag als einen ihrer Hauptgründe nennen.
Sony bringt den Walkman auf den Markt

Sony-Mitbegründer Masaru Ibuka wünscht sich für lange Flüge einen tragbaren Stereo-Player; Firmenchef Akio Morita treibt die Idee voran, und die Ingenieure bauen sie aus dem vorhandenen Kassettenrecorder „Pressman" — Mikrofon und Aufnahmefunktion entfallen, dafür kommen Stereo-Wiedergabe und ein leichter Kopfhörer hinzu. Ein eingebauter Lautsprecher fehlt bewusst: Musik hören wird damit erstmals zur ganz persönlichen, mobilen Angelegenheit.
Am 1. Juli kommt das blau-silberne Metallgehäuse unter dem Namen „Walkman" (Modell TPS-L2) in Japan in den Handel, betrieben mit zwei AA-Batterien, zum Preis von umgerechnet rund 150 US-Dollar. Sony hatte für den ersten Monat vorsichtig 5.000 verkaufte Geräte erwartet — tatsächlich werden es binnen zwei Monaten mehr als 30.000. In den kommenden Jahren erobert das Gerät unter wechselnden Namen — „Soundabout" in den USA, „Stowaway" in Großbritannien, „Freestyle" in Schweden — die Weltmärkte und macht das private Musikhören unterwegs erstmals massentauglich.
Europas erste Ariane-Rakete hebt vom Weltraumbahnhof Kourou ab

Nach dem Scheitern der gemeinsamen europäischen „Europa"-Trägerrakete beschließen Frankreich und die Bundesrepublik 1973 im Rahmen der neu gegründeten Europäischen Weltraumorganisation (ESA) die Entwicklung eines eigenen Trägers, zunächst unter der Bezeichnung „L3S", später „Ariane" genannt — mit dem Ziel, Europa einen unabhängigen Zugang zum Weltraum zu verschaffen. Startplatz wird der von Frankreich seit den Sechzigerjahren betriebene Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana.
Ein erster Startversuch am 15. Dezember bricht Sekunden vor dem Abheben ab, ein zweiter Termin scheitert am schlechten Wetter — erst am 24. Dezember um 14:14 Uhr Ortszeit hebt die dreistufige Ariane 1 von der Startrampe ELA-1 erfolgreich ab und bringt die Test-Nutzlastkapsel „CAT-1" ins All. Der glatte Erstflug einer komplett neu entwickelten Rakete gilt als außergewöhnlicher technischer Erfolg und legt den Grundstein für die 1980 gegründete Vermarktungsgesellschaft Arianespace, die Ariane über die folgenden Jahrzehnte zum weltweit führenden kommerziellen Satellitenträger macht.
Sturm auf die US-Botschaft in Teheran: Beginn der Geiselkrise

Als der gestürzte Schah Mohammad Reza Pahlavi am 22. Oktober zur Krebsbehandlung in die USA einreisen darf, wächst in Teheran die Wut über die vermeintliche Rückendeckung Washingtons für den alten Herrscher. Am 4. November erstürmen mehrere hundert regimetreue Studenten, die sich „Muslimische Studenten in der Linie des Imam" nennen, unter Führung des Studenten Ebrahim Asgharzadeh das Gelände der amerikanischen Botschaft in Teheran. Die Wachmannschaft leistet keinen bewaffneten Widerstand, der Sturm verläuft ohne Blutvergießen — über 60 Amerikaner geraten in die Gewalt der Besetzer, die die Auslieferung des Schahs fordern.
Einige Geiseln — Frauen, afroamerikanische Mitarbeiter, Erkrankte — werden in den folgenden Tagen freigelassen, 52 Diplomaten bleiben bis zum 20. Januar 1981, dem Tag von Ronald Reagans Amtseinführung, insgesamt 444 Tage in Geiselhaft. Ein im April 1980 unternommener amerikanischer Befreiungsversuch, die „Operation Eagle Claw", scheitert schon in der iranischen Wüste an einem Hubschrauberunglück mit acht toten US-Soldaten und beschädigt das Ansehen von Präsident Jimmy Carter zusätzlich. Die Geiselkrise beendet die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran bis heute und trägt maßgeblich zu Carters Wahlniederlage 1980 bei.
AM RANDE NOTIERT
- Vom 7. bis 10. Juni wählen die Bürger der neun EG-Staaten erstmals direkt das Europäische Parlament — zuvor war es von den nationalen Parlamenten entsandt worden.
- Am 28. März kommt es im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg (USA) zur partiellen Kernschmelze — der bis dahin schwerste Reaktorunfall der zivilen Atomgeschichte bestärkt auch die Gegner des Kraftwerks Brokdorf in Schleswig-Holstein.
- Am 23. Mai wählt die Bundesversammlung Karl Carstens (CDU) zum fünften Bundespräsidenten der Bundesrepublik; am 1. Juli tritt er sein Amt an.
- Zum Jahreswechsel 1978/79 versinkt Schleswig-Holstein in der Schneekatastrophe: Meterhohe Schneeverwehungen legen Dörfer lahm, Bundeswehr-Panzer räumen als Schneepflüge die Straßen, und Zehntausende von THW und DRK helfen — Mitte Februar wiederholt sich das Chaos in einer zweiten Schneewelle.
SPORT · 1979
Im deutschen Fußball prägen, wie schon vermerkt, Fortuna Düsseldorfs Pokalsieg und der Umbruch in der Bundesliga-Tabelle die Saison 1978/79. Die deutsche Meisterschaft sichert sich der Hamburger SV, maßgeblich getragen vom englischen Nationalspieler Kevin Keegan, der in dieser Saison fast keine Spielminute verpasst und für seine Leistungen im Dezember 1979 bereits zum zweiten Mal in Folge mit dem Ballon d'Or als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet wird — als erst zweiter Spieler nach Johan Cruyff, dem das gelingt. International sorgt die Formel 1 mit ihren PS-starken Rennwagen für Schlagzeilen: Jody Scheckter sichert sich im Ferrari beim Großen Preis von Italien in Monza vorzeitig den WM-Titel — der bislang letzte Fahrertitel für die Scuderia vor der Ära Michael Schumachers. An der Kieler Förde bleibt der Sport abseits der großen Bühnen vor allem vom Segelsport geprägt: Zum 85. Mal verwandelt die Kieler Woche die Förde in einen internationalen Treffpunkt, und die Olympia-Segelanlage in Kiel-Schilksee, 1972 für die Olympischen Spiele errichtet, bleibt Trainings- und Wettkampfstätte für Seglerinnen und Segler aus aller Welt.
MODE · 1979
Das Jahrzehnt der glitzernden Discomode neigt sich hörbar dem Ende zu: Symbolträchtig geht am 12. Juli in Chicago die „Disco Demolition Night" in die Geschichte ein, als zwischen zwei Baseballspielen im Comiskey Park eine Kiste voller Disco-Schallplatten gesprengt wird und aufgebrachte Zuschauer den Platz stürmen — ein medienwirksamer, wenn auch überzeichneter Abgesang auf Glitzerhemden, Plateauschuhe und Satin-Anzüge. Parallel dazu kündigt sich am Ende des Jahrzehnts ein neuer Look an: Der aufgeräumte, konservative „Preppy"-Stil mit Blazern, Polohemden und Perlenketten setzt einen ersten Kontrapunkt zu Punk und Disco. Gleichzeitig zeichnen sich bei den Schulterlinien erste Verbreiterungen ab — ein Vorbote der Powerdressing-Silhouette, die das kommende Jahrzehnt prägen wird.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1979
- Chemie-Nobelpreis für Georg Wittig (1979). Der deutsche Chemiker wird für die nach ihm benannte „Wittig-Reaktion" geehrt, einen Grundpfeiler der modernen organischen Synthese.
- „Die Blechtrommel" gewinnt die Goldene Palme in Cannes (Mai 1979). Volker Schlöndorffs Verfilmung des Grass-Romans teilt sich die höchste Auszeichnung des Festivals mit „Apocalypse Now" — ein Meilenstein des Neuen Deutschen Films.
- Fortuna Düsseldorf gewinnt den DFB-Pokal (23. Juni 1979). Mit einem 1:0 nach Verlängerung gegen Hertha BSC holt der Klub vom Rhein den ersten Pokaltitel seiner Geschichte — ein bundesweit beachteter Erfolg.
- Physik-Nobelpreis für die Theorie der elektroschwachen Vereinigung (1979). Sheldon Glashow, Abdus Salam und Steven Weinberg werden gemeinsam geehrt für ihre Arbeiten, die die elektromagnetische und die schwache Kernkraft zu einer gemeinsamen Theorie verbinden — ein Meilenstein der modernen Physik.
- Friedensnobelpreis für Mutter Teresa (Dezember 1979). Die Ordensschwester aus Kalkutta wird für ihren jahrzehntelangen Einsatz für die Ärmsten der Armen geehrt — ihre Arbeit macht weltweit Schule.
- Kieler Woche 1979 vereint die Welt an der Förde (17.–24. Juni). Zum 85. Mal verwandelt das „größte Segelsportereignis der Welt" Kiel in einen internationalen Treffpunkt für Segler und Gäste aus aller Welt — mitten im Kalten Krieg ein Fest der Begegnung.
DAS WETTER · 1979 in Kiel
An diesem 13. Juli war es an der Förde ein milder, freundlicher Sommertag: Höchstwert 22,5 °C, in der Nacht 9,8 °C, im Mittel 17,1 °C; kein Tropfen Regen fiel.
Das Jahr über: Im Mittel 7,0 °C — ein ausgesprochen kühles Jahr. Wärmster Tag 28,6 °C am 1. Juni, kältester −18,0 °C am 11. Februar. 0 Hitzetage (≥ 30 °C), 42 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 990 mm.
(Messwerte der Station Schleswig, rund 40 km nordwestlich — die nächstgelegene durchgehend messende Station, da die Kieler Station Holtenau für diese Jahre Messlücken aufweist; Sonnenscheindauer nicht durchgehend erfasst. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1979
Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts.
- So Bist Du — Peter Maffay
- Born To Be Alive — Patrick Hernandez
- Bright Eyes — Art Garfunkel
- Und Manchmal Weinst Du Sicher Ein Paar Tränen — Peter Alexander
- Heart Of Glass — Blondie
- Dschinghis Khan — Dschinghis Khan
- Moskau — Dschinghis Khan
- Chiquitita — ABBA
- Some Girls — Racey
- I Was Made For Lovin' You — Kiss
- A Walk In The Park — Nick Straker Band
- One Way Ticket — Eruption
- Ruf' Teddybär Eins-Vier — Jonny Hill
- El Lute — Boney M.
- Knock On Wood — Amii Stewart
- Pop Muzik — M
- Y.M.C.A. — Village People
- Hot Stuff — Donna Summer
- Baby It's You — Promises
- Save Me — Clout
Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (offiziellecharts.de / chartsurfer.de).