DER CHRONIST
Ein Jahr der Erschütterungen und des Umbruchs: Kugeln treffen gleich zwei Staatsoberhäupter — einen amerikanischen Präsidenten und Ägyptens Anwar as-Sadat —, während in einem nordirischen Gefängnis ein Hungerstreikender stirbt und in Heidelberg ein RAF-Kommando einen US-General attackiert. Eine rätselhafte neue Krankheit taucht erstmals in den Akten amerikanischer Ärzte auf, ein Computer aus einem New Yorker Hotelsaal verändert die Arbeitswelt der kommenden Jahrzehnte, und in Frankreich zieht mit François Mitterrand erstmals ein Sozialist in den Élysée-Palast ein. Zum Jahresbeginn kehren amerikanische Geiseln nach 444 Tagen aus Teheran über Frankfurt und Wiesbaden in die Freiheit zurück, zum Jahresende verhängt General Jaruzelski in Polen das Kriegsrecht gegen die Gewerkschaft Solidarność. Und an der Elbe, nur eine Autostunde von Kiel entfernt, stellt sich eine ganze Bewegung der Atomkraft entgegen, während bei Frankfurt Zehntausende gegen eine neue Startbahn aufbegehren.
Brokdorf: Die größte Anti-Atomkraft-Demonstration der Republik

Die Auseinandersetzung um das Kernkraftwerk Brokdorf in der Wilstermarsch, unmittelbar an der Unterelbe im Kreis Steinburg, reicht bis in die Mitte der 1970er Jahre zurück: Bereits am 25. Oktober 1976 hatte Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg (CDU) per „Sofortvollzug" den Baubeginn erzwungen, obwohl die gerichtlichen Verfahren gegen die Genehmigung noch liefen — es folgen erste schwere Zusammenstöße zwischen Bürgerinitiativen und Polizei bereits 1976 und 1977. Am 28. Februar 1981 strömen trotz eines gerichtlich bestätigten Versammlungsverbots 50.000 bis 100.000 Menschen in die Wilstermarsch bei Brokdorf, um gegen den Bau des dortigen Kernkraftwerks zu protestieren — die größte Demonstration gegen Atomkraft, die die Bundesrepublik bis dahin gesehen hat. Rund 10.000 Polizeibeamte riegeln in dem bis dahin größten Polizeieinsatz der bundesdeutschen Geschichte das Baugelände mit Wasserwerfern, Tränengas und tieffliegenden Hubschraubern ab. Es kommt zu schweren Ausschreitungen zwischen den Sicherheitskräften und einer militanten Minderheit von rund 3.000 Demonstranten, während die große Mehrheit friedlich bleibt; am Ende zählt die Bilanz rund 150 Verletzte und 240 Festnahmen. Für Kiel und ganz Schleswig-Holstein ist der Tag ein Fanal: Aus der Landeshauptstadt und ihrem Umland reisen zahllose Busse an die Elbe, die Anti-AKW-Bewegung wird über Nacht zur Massenbewegung, die in den Folgejahren auch die Proteste gegen Kalkar und Gorleben prägt. Das Kraftwerk geht dennoch 1986 ans Netz und wird erst 2021 im Zuge des deutschen Atomausstiegs endgültig abgeschaltet. Erst 1985 erklärt das Bundesverfassungsgericht das Versammlungsverbot von 1981 im sogenannten „Brokdorf-Beschluss" für unzulässig und stärkt damit bis heute die Versammlungsfreiheit in Deutschland.
Attentat auf Ronald Reagan

Als Reagan am frühen Nachmittag nach einer Rede vor Gewerkschaftern der AFL-CIO das Washington Hilton verlässt, feuert der 25-jährige John Hinckley Jr. aus nächster Nähe binnen weniger Sekunden sechs Schüsse aus einem Röhm-RG-14-Revolver Kaliber .22 mit „Devastator"-Explosivgeschossen — nicht aus politischen Motiven, sondern um die Schauspielerin Jodie Foster zu beeindrucken, die er aus dem Film „Taxi Driver" kennt und seit Jahren obsessiv verfolgt. Ein Querschläger, der von der gepanzerten Limousine abprallt, trifft Reagan unter dem linken Arm, durchbohrt einen Lungenflügel und bleibt nur wenige Zentimeter vom Herzen entfernt stecken. Pressesprecher James Brady wird durch einen Kopfschuss schwer und dauerhaft verletzt und bleibt für den Rest seines Lebens teilgelähmt; auch der Polizist Thomas Delahanty und Geheimdienstagent Timothy McCarthy, der sich schützend vor den Präsidenten wirft, werden getroffen. Reagan übersteht eine rund zweistündige Notoperation im George Washington University Hospital und wird bereits am 11. April aus dem Krankenhaus entlassen — erst wenige Wochen im Amt, übersteht der Präsident den Anschlag, der ihn zur Symbolfigur der Unbeugsamkeit macht. Hinckley wird 1982 aus Gründen der Schuldunfähigkeit freigesprochen und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, aus der er erst 2016 entlassen wird. Brady, dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen, wird zur zentralen Symbolfigur der amerikanischen Waffenkontrollbewegung: Erst 1993, zwölf Jahre nach dem Attentat, unterzeichnet Präsident Bill Clinton den nach ihm benannten „Brady Handgun Violence Prevention Act", der eine Wartezeit und Sicherheitsüberprüfung beim Kauf von Handfeuerwaffen einführt.
Erste Beschreibung von Aids

Im „Morbidity and Mortality Weekly Report" des amerikanischen Centers for Disease Control veröffentlicht der Mediziner Michael Gottlieb aus Los Angeles den Bericht über fünf junge homosexuelle Männer, die an einer seltenen Lungenentzündung (Pneumocystis-Pneumonie) sowie ungewöhnlichen Pilz- und Virusinfektionen erkrankt sind. Der Artikel „Pneumocystis Pneumonia — Los Angeles" gilt als erste offizielle Beschreibung dessen, was später Aids genannt wird. Nur einen Monat später, am 4. Juli 1981, folgt ein zweiter MMWR-Bericht über 26 homosexuelle Männer in New York und Kalifornien, die am seltenen Hautkrebs Kaposi-Sarkom erkrankt sind — mitverfasst vom New Yorker Dermatologen Alvin Friedman-Kien. Bereits am 3. Juli 1981 hatte die „New York Times" mit dem Artikel „Rare Cancer Seen in 41 Homosexuals" von Reporter Lawrence K. Altman als erste große Tageszeitung weltweit über die rätselhafte Häufung berichtet. Mangels eines Namens sprechen Mediziner zunächst behelfsmäßig von einer „Gay-related immune deficiency" (GRID); einen Namen für die neue Immunschwäche finden Mediziner erst 1982, den Erreger HIV isoliert 1983 ein Team um Luc Montagnier am Pariser Institut Pasteur. Ein stiller Anfang, dessen Tragweite noch niemand ermisst — in Europa und auch in der Bundesrepublik werden erste Fälle erst in den Folgejahren diagnostiziert.
IBM stellt den Personal Computer vor

Im Waldorf Astoria in New York präsentiert IBM den ersten „IBM Personal Computer", Modell 5150 — entwickelt von einem gut ein Dutzend Mann starken Team unter dem internen Codenamen „Project Chess", das die Presse wegen seiner unkonventionellen, von der sonstigen IBM-Bürokratie abgeschotteten Arbeitsweise bald „Dirty Dozen" tauft. Geleitet wird das Projekt von Philip „Don" Estridge, der die Entwicklung in der IBM Entry Systems Division im südfloridischen Boca Raton im August 1980 mit dem ehrgeizigen Auftrag beginnt, binnen eines Jahres ein marktreifes Gerät vorzulegen. Die Grundversion mit Intel-8088-Prozessor (4,77 MHz) und Microsofts Betriebssystem MS-DOS — das Microsoft seinerseits kurzerhand von der kleinen Firma Seattle Computer Products zukauft und weiterentwickelt — kostet ohne Bildschirm und Diskettenlaufwerk 1.565 US-Dollar, mit Peripherie und Zubehör steigt der Preis rasch auf über 3.000 Dollar. Weil IBM aus Zeitdruck weitgehend auf frei erhältliche Standardbauteile und eine offen dokumentierte Architektur setzt, können Nutzer Bauteile austauschen und eigene Software schreiben — ein Bruch mit der sonstigen IBM-Firmenphilosophie geschlossener Systeme, der zugleich ungewollt die Tür für Nachbauten öffnet: Schon 1983 bringt der Emporkömmling Compaq mit nachgebautem BIOS den ersten vollwertigen „IBM-kompatiblen" PC auf den Markt, und binnen weniger Jahre setzt sich die von IBM geschaffene Architektur als branchenweiter Standard durch — der Beginn der PC-Ära, die binnen weniger Jahre Büros und bald auch Wohnzimmer erobert.
Nach Stobbes Sturz: CDU beendet 35 Jahre SPD-Herrschaft in Berlin

Schon der Jahresanfang bringt in West-Berlin ein politisches Erdbeben: Am 15. Januar tritt Regierender Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) mit seinem gesamten Senat zurück — zermürbt vom sogenannten Garski-Skandal, bei dem sich die landeseigene Bankgesellschaft mit Bürgschaften in Millionenhöhe beim Bauunternehmer Dietrich Garski verhoben hatte, und von einem immer härter eskalierenden Konflikt mit Berlins Hausbesetzerszene, die zu diesem Zeitpunkt weit über hundert leerstehende Häuser besetzt hält. Das Abgeordnetenhaus wählt am 23. Januar den früheren Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel (SPD) zum neuen Regierenden Bürgermeister, doch dessen sozialliberaler Senat regiert nur auf Zeit: Für den 10. Mai werden vorgezogene Neuwahlen zum Abgeordnetenhaus angesetzt.
Die Wahl selbst wird zur historischen Zäsur. Bei einer Wahlbeteiligung von 85,3 Prozent erzielt die CDU unter ihrem Spitzenkandidaten Richard von Weizsäcker mit 48,0 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis in der Stadt. Die SPD stürzt auf 38,3 Prozent ab, die FDP rutscht mit 5,6 Prozent knapp über die Sperrklausel, und mit der Alternativen Liste zieht erstmals eine Kraft links der SPD ins Abgeordnetenhaus ein — 7,2 Prozent für ein Bündnis aus Bürgerinitiativen, Umweltbewegten und Teilen der undogmatischen Linken. Die sozialliberale Koalition verliert damit ihre Mehrheit.
Zur erhofften Neuauflage der Koalition mit der CDU kommt es dennoch nicht: Aus Rücksicht auf die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt in Bonn lehnt die West-Berliner FDP ein Bündnis mit von Weizsäcker ab, erklärt sich aber bereit, aus der Opposition heraus einen CDU-Senat zu dulden. Am 11. Juni wählt das Abgeordnetenhaus von Weizsäcker zum Regierenden Bürgermeister an der Spitze eines Minderheitssenats — nach 35 Jahren ununterbrochener sozialdemokratischer Führung endet damit die Ära der SPD-Regierungsverantwortung in West-Berlin, und Vogel kehrt nach nur wenigen Monaten im Amt nach Bonn zurück.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- DDR, 14. Juni — Volkskammerwahl: Die Einheitsliste der Nationalen Front erhält amtlich 99,86 Prozent Ja-Stimmen bei einer amtlich ausgewiesenen Wahlbeteiligung von 99,21 Prozent. Gegenkandidaten gibt es wie üblich nicht, die Stimmabgabe erfolgt offen; die 500 Sitze der Volkskammer werden entsprechend dem festen Proporz der Blockparteien und Massenorganisationen vergeben.
Mitterrand wird erster sozialistischer Präsident der V. Republik

Mit knapp 52 Prozent der Stimmen (15,7 gegenüber 14,6 Millionen) setzt sich François Mitterrand in der Stichwahl gegen den amtierenden Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing durch und wird damit der erste sozialistische Staatspräsident Frankreichs seit Gründung der Fünften Republik — die erste linke Regierung des Landes seit 23 Jahren. Im ersten Wahlgang am 26. April war er noch gegen den Kommunisten Georges Marchais und weitere Bewerber angetreten; sein Wahlkampf-Slogan „La force tranquille" („Die ruhige Kraft") prägt die Kampagne. Am Abend tanzen Hunderttausende auf den Straßen von Paris. Bei seiner Amtseinführung am 21. Mai im Pariser Panthéon legt Mitterrand Rosen an den Gräbern von Jean Jaurès, Victor Schoelcher und Jean Moulin nieder — ein Bild, das zum Symbol seiner Präsidentschaft wird. Mitterrand ernennt Pierre Mauroy zum Premierminister und lässt Neuwahlen zur Nationalversammlung ausrufen; bei den Parlamentswahlen am 14. und 21. Juni gewinnt die Parti Socialiste einen Erdrutschsieg mit 269 von 491 Sitzen (zuvor 103), während die gaullistische RPR auf 148 Sitze abstürzt und erstmals seit 1947 wieder kommunistische Minister in eine französische Regierung eintreten. Noch im selben Jahr löst Mitterrands Regierung erste Reformversprechen ein: Justizminister Robert Badinter erwirkt im September die Abschaffung der Todesstrafe, es folgen Verstaatlichungen großer Banken und Industriekonzerne, die 39-Stunden-Woche, eine fünfte Woche bezahlter Urlaub und die Absenkung des Rentenalters auf 60 Jahre — ein politischer Erdrutsch, der Frankreichs Kurs für die kommenden 14 Jahre prägt.
Nach 444 Tagen: US-Geiseln aus Teheran frei

Am Tag von Ronald Reagans Amtseinführung endet die „Geiselnahme von Teheran": Nach algerischer Vermittlung unterzeichnen die USA und der Iran am 19. Januar 1981 das sogenannte Algier-Abkommen, in dessen Zuge die USA rund acht Milliarden Dollar zuvor eingefrorenen iranischen Guthabens freigeben und sich zur Nichteinmischung in innere iranische Angelegenheiten verpflichten. Wenige Minuten nach Reagans Vereidigung, am 20. Januar 1981, kommen die verbliebenen 52 amerikanischen Geiseln nach 444 Tagen Gefangenschaft frei — festgehalten seit dem Sturm radikaler Studenten auf die US-Botschaft in Teheran am 4. November 1979, der die Präsidentschaft Jimmy Carters überschattet und seine Wiederwahl verhindert hatte.
Eine Boeing 727 bringt die Freigelassenen über Athen und Algier zunächst zum US-Luftwaffenstützpunkt Rhein-Main bei Frankfurt und weiter zum US-Militärhospital in Wiesbaden, wo sie ärztlich untersucht und von Jubel empfangen werden. Dort begrüßt sie tags darauf, im Auftrag der neuen Regierung, ausgerechnet der abgewählte Carter persönlich — ein bitteres Detail für den Ex-Präsidenten, dessen zähes Ringen um die Freilassung seinem Nachfolger zugutekommt. Erst am 25. Januar treffen die Geiseln in Washington ein, wo sie mit einer Konfettiparade gefeiert werden. Für einige Tage rückt damit ausgerechnet der Frankfurter Raum in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit.
Bobby Sands stirbt im Hungerstreik

Im Gefängnis Maze (Long Kesh) bei Belfast tritt der inhaftierte IRA-Mann Bobby Sands am 1. März 1981 in einen Hungerstreik, um für sich und andere paramilitärische Häftlinge den Status politischer Gefangener zurückzuerlangen, den die britische Regierung 1976 im Zuge ihrer „Kriminalisierungspolitik" abgeschafft hatte. Während des Hungerstreiks wird Sands, der wegen Waffenbesitzes eine 14-jährige Haftstrafe verbüßt, am 9. April 1981 bei einer Nachwahl überraschend als Unterhausabgeordneter für den Wahlkreis Fermanagh and South Tyrone gewählt — ein internationales Aufsehen erregender Sieg, der Premierministerin Margaret Thatcher dennoch nicht zum Einlenken bewegt. Nach 66 Tagen ohne feste Nahrung stirbt Sands am 5. Mai 1981 im Alter von 27 Jahren.
Sein Tod löst schwere Unruhen in Nordirland aus, sein Begräbnis in Belfast verfolgen rund 100.000 Menschen. Bis zum Herbst 1981 sterben neun weitere Hungerstreikende, ehe der Protest im Oktober ohne offizielles Zugeständnis Thatchers beendet wird — die britische Regierung gewährt den Gefangenen später dennoch schrittweise faktische Erleichterungen. Politisch befördert der Hungerstreik den Aufstieg der Partei Sinn Féin zur Wahlpolitik neben dem bewaffneten Kampf der IRA und macht Sands zur bis heute zentralen Symbolfigur des nordirischen Nationalismus.
RAF-Kommando verübt Panzerfaustanschlag auf US-General Kroesen

Am Karlstor in Heidelberg feuert ein Kommando der zweiten RAF-Generation eine sowjetische Panzerfaust vom Typ RPG-7 auf den gepanzerten Mercedes des US-Generals Frederick J. Kroesen, Oberbefehlshaber der in Heidelberg stationierten 7. US-Armee und damit einer der ranghöchsten US-Militärs in Europa. Die Panzerung des Fahrzeugs lenkt die Wirkung der Explosion weitgehend ab; Kroesen und seine Ehefrau werden durch umherfliegende Glassplitter nur leicht verletzt und überleben den Anschlag. Zu der Tat, an der unter anderem Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt beteiligt sind, bekennt sich das „Kommando Gudrun Ensslin" — benannt nach der 1977 im Gefängnis Stuttgart-Stammheim gestorbenen RAF-Mitbegründerin.
Der Anschlag reiht sich ein in eine Serie von Attacken der RAF gegen NATO- und US-Einrichtungen in der Bundesrepublik zu Beginn der 1980er Jahre und markiert einen Höhepunkt des sogenannten „Deutschen Herbstes" nachwirkenden Terrors. Erst im November 1982 gelingt es den Sicherheitsbehörden, Klar, Mohnhaupt und weitere führende RAF-Mitglieder bei Hessen festzunehmen und dabei umfangreiche Waffen- und Sprengstofflager auszuheben. Für die Bundesrepublik bleibt 1981 damit neben Brokdorf ein Jahr, in dem Staat und Gesellschaft gleich von zwei Seiten unter Druck geraten — von militanten Demonstranten wie von bewaffnetem Terror.
Ägyptens Präsident Sadat bei Militärparade erschossen

Bei einer Militärparade in Kairo zur Erinnerung an den Suezkanal- Übergang im Oktoberkrieg 1973 springen vier bewaffnete Islamisten unter Führung des Leutnants Chalid Islambuli von einem Lastwagen der Kolonne und eröffnen das Feuer auf die Ehrentribüne. Präsident Anwar as-Sadat wird von zahlreichen Kugeln getroffen und stirbt; mit ihm kommen mehrere weitere Ehrengäste ums Leben. Die Attentäter gehören der islamistischen Gruppe Al-Dschihad an, einer Abspaltung der Muslimbruderschaft, und handeln aus Wut über Sadats harte Verhaftungswelle gegen Oppositionelle im Sommer 1981 sowie aus Ablehnung seiner Aussöhnung mit Israel. Vizepräsident Husni Mubarak, der neben Sadat auf der Tribüne sitzt, wird nur leicht verletzt und übernimmt wenige Tage später das Präsidentenamt.
Sadat hatte 1978 gemeinsam mit dem israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin für die Camp-David-Verhandlungen den Friedensnobelpreis erhalten und 1979 den ersten Friedensvertrag zwischen Israel und einem arabischen Staat unterzeichnet — ein Schritt, der Ägypten in der arabischen Welt isolierte und ihm in islamistischen Kreisen zum tödlichen Verhängnis wurde. Islambuli wird 1982 hingerichtet. Mubarak regiert Ägypten in der Folge über drei Jahrzehnte, weite Teile davon unter dem nach dem Attentat verhängten Ausnahmezustand.
Rekord-Demonstration gegen die Startbahn West

In Wiesbaden versammeln sich am 14. November 1981 mehr als 120.000 Menschen zur bis dahin größten Demonstration in der Geschichte Hessens, um gegen den Bau der „Startbahn West", einer neuen Landebahn des Flughafens Frankfurt am Main, zu protestieren. Anlass ist die Übergabe von rund 220.000 Unterschriften für ein Volksbegehren an den hessischen Landeswahlleiter. Getragen wird die Bewegung von einem breiten Bündnis aus Umweltschützern, Anwohnern, Kirchenvertretern und Studierenden, das bereits seit Ende der 1970er Jahre in einem „Hüttendorf" im Frankfurter Stadtwald gegen die Rodung protestiert.
Bereits am Folgetag eskaliert die Lage: Gegner blockieren stundenlang Zufahrten zum Flughafen und zur Autobahn, die Polizei setzt unter anderem per Hubschrauber abgesetzte Bundesgrenzschutzeinheiten ein, um die Barrikaden zu räumen. Tagelang legen Protestaktionen den Frankfurter Innenstadt- und Rhein-Main-Verkehr lahm. Die Startbahn West wird trotz des Widerstands gebaut und 1984 in Betrieb genommen — der Protest aber prägt, parallel zu Brokdorf, die westdeutsche Umweltbewegung der frühen 1980er Jahre und trägt mit zum Aufstieg der wenig später gegründeten Partei Die Grünen bei.
General Jaruzelski verhängt das Kriegsrecht über Polen

In den frühen Morgenstunden des 13. Dezember 1981, einem Sonntag, verkündet Ministerpräsident und Parteichef Wojciech Jaruzelski im polnischen Fernsehen die Verhängung des Kriegsrechts. Armee- und Milizeinheiten besetzen strategische Einrichtungen, Telefonleitungen werden gekappt, die Grenzen abgeriegelt; die Regierungsgewalt geht an den neu gebildeten „Militärrat der Nationalen Rettung" (WRON) über. Auslöser ist der rasante Aufstieg der 1980 gegründeten unabhängigen Gewerkschaft Solidarność unter ihrem Vorsitzenden Lech Wałęsa, die binnen kurzer Zeit rund zehn Millionen Mitglieder zählt — fast jeden dritten Pole.
Noch in der Nacht werden mehr als 3.000 Aktivisten interniert, darunter nahezu die gesamte Führung der Solidarność und Wałęsa selbst; Streiks in Fabriken und Bergwerken werden mit Gewalt niedergeschlagen, am 16. Dezember erschießt die Bereitschaftspolizei ZOMO im Bergwerk Wujek neun streikende Bergleute. Jaruzelski rechtfertigt sein Vorgehen später mit der Angst vor einem sowjetischen Einmarsch. Das Kriegsrecht wird 1983 formell aufgehoben, Solidarność bleibt jedoch bis zu den Rundtischgesprächen 1989 verboten. Im Westen lösen die Ereignisse breite Solidaritätsbekundungen und wirtschaftliche Sanktionen gegen das kommunistische Regime aus.
AM RANDE NOTIERT
- Nur zwei Tage nach Mitterrands Wahlsieg schießt der Türke Mehmet Ali Ağca am 13. Mai auf dem Petersplatz auf Papst Johannes Paul II. und verletzt ihn lebensgefährlich am Bauch — der Papst überlebt und vergibt seinem Attentäter später persönlich in dessen Gefängniszelle.
- Bei der Kieler Woche (20. bis 28. Juni) wird aus dem bisherigen „Europäischen Markt" erstmals der „Internationale Markt" — ein kleiner Namenswechsel, der die weltoffene Ausrichtung des maritimen Volksfests an der Förde unterstreicht.
SPORT · 1981
Ein Jahr ohne große Meisterschaften: 1981 sticht weder durch eine Fußball-Weltmeisterschaft noch durch Olympische Spiele heraus, Fußball- Bundesliga und internationaler Sport laufen ihren gewohnten Gang. In der Saison 1980/81 verteidigt der FC Bayern München seinen Meistertitel, den DFB-Pokal gewinnt Eintracht Frankfurt. In der Formel 1 sichert sich Nelson Piquet im Brabham seinen ersten von später drei Weltmeistertiteln. An der Förde selbst liefert der THW Kiel solide, aber keine spektakulären Ergebnisse: In der Handball-Bundesliga 1980/81 landet die Mannschaft mit einer Bilanz von 31 Siegen und 21 Niederlagen auf Platz sechs. Ansonsten bestimmen andere Schlagzeilen den Alltag an der Förde — Brokdorf und das Attentat auf Reagan überschatten das Sportgeschehen dieses Jahres.
MODE · 1981
Die Mode blickt nach Paris, wo im Oktober 1981 mit Comme des Garçons und Yohji Yamamoto erstmals japanische Designer ihre Kollektionen auf dem dortigen Laufsteg zeigen — Schwarz, Asymmetrie und dekonstruierte Schnitte gegen den westlichen Glamour-Kanon, von Kritikern rasch als „Hiroshima chic" tituliert. Für die größte Modeschlagzeile des Jahres sorgt dagegen eine Hochzeit in London: Am 29. Juli 1981 heiratet Lady Diana Spencer Prinz Charles in einem Brautkleid der Designer David und Elizabeth Emanuel aus elfenbeinfarbener Seide, mit 7,62 Meter langer Schleppe, gepolsterten Puffärmeln und rund 10.000 aufgestickten Perlen — Kopien des Kleides werden bereits Stunden nach der Trauung angeboten und prägen für Jahre den Geschmack bei Brautmode. Gleichzeitig verändert der Sendestart von MTV in den USA die visuelle Ästhetik der Popkultur und wirkt schon bald auf Frisuren, Farben und Streetstyle zurück.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1981
- Literaturnobelpreis für Elias Canetti (1981). Der deutschsprachige Schriftsteller wird für sein Gesamtwerk geehrt, darunter „Die Blendung" und „Masse und Macht".
- Kraftwerk veröffentlicht „Computerwelt" (10. Mai 1981). Im Düsseldorfer Kling-Klang-Studio entstanden, setzt das Album wegweisende Maßstäbe für Electro und Techno weltweit.
- Kinostart von „Das Boot" (17. September 1981). Wolfgang Petersens U-Boot-Drama wird zu einem der international erfolgreichsten deutschen Filme und später mit sechs Oscar-Nominierungen bedacht.
- Erster Flug eines Space Shuttles ins All (12. April 1981). Die „Columbia" startet mit den Astronauten John Young und Robert Crippen zur Mission STS-1 und kehrt nach 54,5 Stunden sicher zur Erde zurück — der Beginn der wiederverwendbaren Raumfahrt.
- Friedensnobelpreis für das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR (Oktober 1981). Die Genfer Organisation wird für ihren Einsatz zum Schutz von Millionen Flüchtlingen in Afrika, Asien und Lateinamerika geehrt — zum zweiten Mal nach 1954.
- Erste Herztransplantation in Deutschland nach über zehn Jahren Pause (Mai 1981). Ein Team um den Münchner Chirurgen Fritz Sebening nimmt am Deutschen Herzzentrum München dank des neuen Immunsuppressivums Ciclosporin die Herzchirurgie wieder auf.
DAS WETTER · 1981 in Kiel
An diesem 13. Juli war es an der Förde ein kühler Sommertag: Höchstwert 18,8 °C, in der Nacht 12,6 °C, im Mittel 14,9 °C; kein Tropfen Regen fiel.
Das Jahr über: Im Mittel 7,8 °C. Wärmster Tag 28,1 °C am 5. August, kältester −18,1 °C am 21. Dezember. 0 Hitzetage (≥ 30 °C), 32 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 1020 mm.
(Messwerte der Station Schleswig, rund 40 km nordwestlich — die nächstgelegene durchgehend messende Station, da die Kieler Station Holtenau für diese Jahre Messlücken aufweist; Sonnenscheindauer nicht durchgehend erfasst. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1981
Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts.
- Dance Little Bird — Electronica's
- Stars On 45 — Stars On 45
- Kids In America — Kim Wilde
- Fade To Grey — Visage
- Lieb' Mich Ein Letztes Mal — Roland Kaiser
- In The Air Tonight — Phil Collins
- Marie, Marie — Shakin' Stevens
- Life Is For Living — Barclay James Harvest
- Hands Up (Give Me Your Heart) — Ottawan
- Oh No No — Bernie Paul
- Bette Davis Eyes — Kim Carnes
- Stop The Cavalry — Jona Lewie
- Flash — Queen
- Samstag Abend — Hanne Haller
- You Drive Me Crazy — Shakin' Stevens
- This Ole House — Shakin' Stevens
- Looking For Clues — Robert Palmer
- Woman — John Lennon
- Shaddap You Face — Joe Dolce
- Ye-si-ca — Secret Service
Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (offiziellecharts.de / chartsurfer.de).