DER CHRONIST

Ein Jahr der Umbrüche und Kriege: In Bonn wechselt die Macht ohne Neuwahl, als die FDP der sozialliberalen Koalition den Rücken kehrt und Helmut Kohl per konstruktivem Misstrauensvotum ins Kanzleramt einzieht — während an der Kieler Förde mit Uwe Barschel zugleich der jüngste Ministerpräsident der Republik antritt. Im Südatlantik kämpfen Großbritannien und Argentinien um die Falklandinseln, und im Nahen Osten marschiert Israel in den Libanon ein, wo das Massaker von Sabra und Schatila weltweites Entsetzen auslöst. Über der Bundesrepublik liegt zugleich der Schatten der höchsten Arbeitslosigkeit seit ihrer Gründung, die auch die Werften an der Kieler Förde erreicht. Die Weltbühne verliert mit Leonid Breschnew und Fürstin Gracia Patricia von Monaco zwei prägende Gestalten, während in Danzig Lech Wałęsa nach fast einem Jahr Internierung wieder auf freien Fuß kommt. Und fast unbemerkt entstehen in einem Presswerk bei Hannover und in den Studios von Los Angeles zugleich die Zukunft des Musikhörens und das meistverkaufte Album aller Zeiten.

Die Schlagzeilen des Jahres

Superwahljahr und Bonner Wende: Konstruktives Misstrauensvotum stürzt Helmut Schmidt

Helmut Kohl, der 1982 Bundeskanzler wird (spätere Aufnahme)
Helmut Kohl, der 1982 Bundeskanzler wird (spätere Aufnahme) (Wikimedia Commons, CC BY 4.0)

Fünf Landtags- und Bürgerschaftswahlen begleiten das Jahr und zeichnen den Kurswechsel vor, ehe er in Bonn vollzogen wird: Schon im Frühjahr verliert die sozialliberale Koalition in zwei wichtigen Ländern an Rückhalt, im Herbst und Winter bestätigen die Wähler den Regierungswechsel gleich mehrfach. Vorausgegangen ist außerdem ein monatelanger Zerfall der sozialliberalen Koalition: Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) legt am 9. September ein wirtschaftspolitisches Konzept vor, das „Lambsdorff-Papier", das drastische Einschnitte bei Sozialleistungen und eine Abkehr vom keynesianischen Krisenkurs fordert — für die SPD eine offene Kampfansage. Am 17. September treten die vier FDP-Bundesminister zurück, darunter Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Lambsdorff selbst, Innenminister Gerhart Baum und Landwirtschaftsminister Josef Ertl; Helmut Schmidt führt fortan nur noch eine SPD-Minderheitsregierung. Nach einer mehr als sechsstündigen, von großer Emotion geprägten Bundestagsdebatte — Schmidt wirft der FDP offen „Verrat" vor — stellt die Union das erste in der Geschichte der Bundesrepublik erfolgreiche konstruktive Misstrauensvotum. Mit 256 von 495 abgegebenen Stimmen gegen 235, bei vier Enthaltungen — sieben Stimmen mehr als für die Mehrheit nötig —, wird Schmidt gestürzt und Helmut Kohl (CDU) zum neuen Bundeskanzler gewählt — ohne Neuwahl, gestützt auf die neue Koalition aus CDU/CSU und FDP; Genscher bleibt Außenminister. Damit endet nach 13 Jahren die sozialliberale Ära, und die von Kohl in seiner Regierungserklärung am 13. Oktober ausgerufene „geistig-moralische Wende" beginnt. Um sich eine demokratische Bestätigung zu sichern, lässt Kohl im Dezember gezielt eine selbst gestellte Vertrauensfrage im Bundestag scheitern, damit Bundespräsident Karl Carstens das Parlament auflösen kann — ein Verfahren, das das Bundesverfassungsgericht im Februar 1983 billigt und das den Weg zur Neuwahl am 6. März 1983 freimacht, aus der Kohls Koalition gestärkt hervorgeht.

Die übrigen Wahlgänge des Jahres:

  • Niedersachsen, 21. März — CDU 50,7 %, SPD 36,5 %. Ministerpräsident Ernst Albrecht gewinnt für die CDU die absolute Mehrheit der Stimmen, das bislang beste Ergebnis einer Partei bei einer niedersächsischen Landtagswahl.
  • Hamburg, 6. Juni — CDU 43,2 %, SPD 42,7 %. Die FDP scheitert mit 4,9 % knapp an der Fünf-Prozent-Hürde; da keine Koalition zustande kommt, bleibt Erster Bürgermeister Klaus von Dohnányi zunächst geschäftsführend im Amt.
  • Hessen, 26. September — CDU 45,6 %, SPD 42,8 %. Die FDP verpasst mit 3,1 % den Einzug, während die erstmals angetretenen Grünen mit 8,0 % ins Parlament einziehen; Ministerpräsident Holger Börner (SPD) regiert fortan als Minderheitsregierung.
  • Bayern, 10. Oktober — CSU 58,3 %, SPD 31,9 %. Ministerpräsident Franz Josef Strauß regiert mit breiter Mehrheit weiter.
  • Hamburg (Wiederholungswahl), 19. Dezember — SPD 51,3 %, CDU 38,6 %. Nach der ergebnislosen Juni-Wahl gewinnt Dohnányi die absolute Mehrheit zurück und regiert wieder allein.

Kiel verliert seinen Regierungschef an Bonn: Stoltenberg wird Finanzminister, Barschel jüngster Ministerpräsident

Uwe Barschel, 1982 jüngster Ministerpräsident Schleswig-Holsteins
Uwe Barschel, 1982 jüngster Ministerpräsident Schleswig-Holsteins (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de)

Die Wende in Bonn schlägt direkt an der Förde durch: Gerhard Stoltenberg, seit 1971 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein mit Regierungssitz in Kiel, wechselt als Bundesfinanzminister in Kohls neues Kabinett. Im Kieler Landtag wählt die CDU-Fraktion daraufhin am 14. Oktober seinen bisherigen Weggefährten Uwe Barschel, gerade 38 Jahre alt, zum Nachfolger — den jüngsten Ministerpräsidenten der Bundesrepublik. Barschel, 1944 in Glinde geboren, war 1971 als jüngstes Mitglied in den Kieler Landtag eingezogen, wurde 1973 Fraktionsvorsitzender der CDU und 1979 zunächst Finanz-, dann Innenminister unter Stoltenberg. In diesem Amt war er zuständig für die Polizeieinsätze gegen die Massendemonstrationen gegen das Kernkraftwerk Brokdorf an der Unterelbe und gegen den NATO-Doppelbeschluss und setzte dabei auf einen harten Kurs, darunter ein Vermummungsverbot und ein weiträumiges Demonstrationsverbot im Februar 1981. Für die Landeshauptstadt bedeutet der 14. Oktober einen Führungswechsel mit Fernwirkung, dessen Folgen erst Jahre später sichtbar werden: 1987 endet Barschels Amtszeit in einem der größten Politskandale der bundesdeutschen Geschichte, der „Barschel-Affäre" um seinen Mitarbeiter Reiner Pfeiffer, und wenige Tage nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident wird er am 11. Oktober 1987 tot in einem Genfer Hotelzimmer aufgefunden.

Falklandkrieg: Großbritannien und Argentinien kämpfen um Inseln am Ende der Welt

Port Stanley auf den Falklandinseln
Port Stanley auf den Falklandinseln (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Argentinische Truppen unter der Militärjunta von General Leopoldo Galtieri besetzen am 2. April die britischen Falklandinseln (spanisch: Malwinen) im Südatlantik, um von der Wirtschaftskrise im Land abzulenken. London unter Premierministerin Margaret Thatcher entsendet daraufhin im Rahmen der „Operation Corporate" einen Flottenverband mit den Flugzeugträgern HMS Hermes und HMS Invincible über rund 13.000 Kilometer in den Südatlantik. Am 2. Mai versenkt das britische U-Boot HMS Conqueror den argentinischen Kreuzer General Belgrano außerhalb der von Argentinien selbst erklärten Sperrzone — 323 Seeleute sterben, es ist der verlustreichste Einzelangriff des Krieges. Zwei Tage später trifft eine argentinische Exocet-Rakete den Zerstörer HMS Sheffield, der daraufhin sinkt. Ende Mai landen britische Einheiten bei San Carlos auf den Inseln, kämpfen sich über Goose Green bis vor die Hauptstadt Port Stanley vor. Nach mehr als zwei Monaten Krieg und 649 gefallenen argentinischen sowie 255 britischen Soldaten kapitulieren die argentinischen Streitkräfte am 14. Juni. In Argentinien beschleunigt die Niederlage den Sturz Galtieris, der bereits wenige Tage später zurücktritt, und leitet 1983 die Rückkehr zur Demokratie unter Präsident Raúl Alfonsín ein; in Großbritannien festigt der Sieg Thatchers Macht und trägt maßgeblich zu ihrem Wahltriumph 1983 bei.

Israel marschiert in den Libanon ein: „Frieden für Galiläa"

Ariel Scharon (l.) im Libanon, 1982
Ariel Scharon (l.) im Libanon, 1982 (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Nach einem Attentatsversuch auf Israels Botschafter Schlomo Argov vor dem Dorchester Hotel in London am 3. Juni — verübt von einem Kommando der Terrorgruppe Abu Nidal im Auftrag des irakischen Geheimdienstes — überschreiten am 6. Juni israelische Panzerkolonnen unter Verteidigungsminister Ariel Scharon die libanesische Grenze. Ziel der Offensive „Frieden für Galiläa" ist zunächst die Vertreibung der PLO aus dem Südlibanon; die Kämpfe weiten sich in den Folgewochen bis vor Beirut aus, das israelische Truppen wochenlang belagern und bombardieren. Unter internationalem Druck verlässt PLO-Chef Jassir Arafat Ende August mit seinen Kämpfern Beirut in Richtung Tunis. Nach der Ermordung des gerade gewählten libanesischen Präsidenten Bashir Gemayel am 14. September rücken israelische Einheiten in West-Beirut ein; zwischen dem 16. und 18. September ermorden mit Israel verbündete christliche Phalangisten-Milizen in den Palästinenserlagern Sabra und Schatila mehrere hundert bis über 3.000 Zivilisten, während israelische Truppen die Lager abriegeln. Das Massaker löst weltweite Empörung aus und treibt am 25. September rund 400.000 Menschen in Tel Aviv zur größten Demonstration in der Geschichte Israels auf die Straße; die daraufhin eingesetzte Kahan-Kommission spricht Scharon im Februar 1983 „indirekte Verantwortung" zu und empfiehlt seinen Rücktritt als Verteidigungsminister, den er wenig später vollzieht. Es ist der erste größere arabisch-israelische Krieg, den Israel beginnt, ohne dass seine Existenz unmittelbar bedroht ist — und er spaltet auch die israelische Öffentlichkeit tief.

Rezession und Rekordarbeitslosigkeit: Die Werftenkrise erreicht auch Kiel

Die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel in der Werftenkrise
Die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel in der Werftenkrise (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Mit dem Ende des Exportbooms und einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts rutscht die Bundesrepublik 1982 in die schwerste Rezession ihrer Geschichte: Die Arbeitslosigkeit steigt im Jahresmittel auf 1,833 Millionen — ein Plus von rund 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders hart trifft es den deutschen Schiffbau, der gegen die immer konkurrenzfähigeren Werften in Japan und Südkorea kaum noch bestehen kann. Auch an der Kieler Förde ist der Abschwung zu spüren: Bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW), dem größten Arbeitgeber der Stadt, schrumpfen die Auftragsbücher; 1982 schließt der Konzern sein Hamburger Reiherstieg-Werk, wodurch rund 2.100 Arbeitsplätze wegfallen, und wirbt in den USA um Lizenzgeschäfte für U-Boot-Bauten, um die verbliebene Kieler Werft über Wasser zu halten. Es ist erst der Anfang: Im Zuge der Konzentration auf den Standort Kiel fallen in den Folgejahren auch dort rund 1.430 weitere Stellen weg, und 1983 wird selbst das traditionsreiche Kieler Stammwerk Dietrichsdorf geschlossen — ein Vorbote der harten Einschnitte, die der deutschen Werftindustrie noch bevorstehen.

Tödlicher Autounfall: Fürstin Gracia Patricia von Monaco stirbt

Fürstin Gracia Patricia von Monaco (Grace Kelly), Porträtaufnahme
Fürstin Gracia Patricia von Monaco, bürgerlich Grace Kelly (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Auf der Fahrt von ihrem Landsitz Roc Agel zurück in den Fürstenpalast erleidet Fürstin Gracia Patricia von Monaco — als Schauspielerin einst weltberühmt geworden unter ihrem bürgerlichen Namen Grace Kelly — am 13. September vermutlich einen leichten Schlaganfall am Steuer ihres Rover P6 3500. Der Wagen, in dem auch ihre jüngste Tochter Prinzessin Stéphanie sitzt, gerät auf der kurvenreichen Bergstraße der Moyenne Corniche von der Fahrbahn ab und stürzt rund 30 Meter tief einen Hang hinab. Stéphanie, die vergeblich versucht, noch ins Lenkrad zu greifen, übersteht den Unfall mit vergleichsweise leichten Verletzungen; ihre Mutter erliegt am Folgetag, dem 14. September, im Alter von 52 Jahren ihren schweren Kopfverletzungen, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Die gebürtige US-Amerikanerin war in den 1950er-Jahren als Hollywood-Star Nummer eins gefeiert worden, mit Hauptrollen in Alfred Hitchcocks „Bei Anruf Mord" und „Das Fenster zum Hof" sowie in „Ein Käfig voller Helden". 1956 gab sie ihre Filmkarriere auf, um Fürst Rainier III. von Monaco zu heiraten — eine Hochzeit, die damals weltweit als Märchen gefeiert wurde. Ihr Tod löst internationale Anteilnahme aus; zur Beerdigung in der Kathedrale von Monaco reisen Staatsoberhäupter und Filmgrößen aus aller Welt an.

Solidarność-Chef Lech Wałęsa aus der Internierung entlassen

Lech Wałęsa, Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarność, 1980
Lech Wałęsa, Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarność (Aufnahme von 1980) (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Nach fast elf Monaten Haft wird Lech Wałęsa, Vorsitzender der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarność, am 14. November aus der Internierung entlassen. Wałęsa war in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1981 festgenommen worden, als die Militärregierung unter General Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht über Polen verhängte und Solidarność landesweit verbot; zuletzt war er im entlegenen Gästehaus Arłamów im Südosten Polens, nahe der Grenze zur Sowjetunion, festgehalten worden. Seiner Freilassung war ein Brief vorausgegangen, den Wałęsa am 8. November an Jaruzelski gerichtet hatte. Die staatliche Nachrichtenagentur PAP verkündet, der frühere Gewerkschaftsführer sei nun „Privatperson" — an seine alte Funktion darf er offiziell nicht mehr anknüpfen, denn Solidarność selbst war bereits am 8. Oktober per Gesetz aufgelöst und verboten worden.

Wałęsa kehrt nach Danzig zurück, wo er weiterhin unter Beobachtung des Geheimdienstes steht, aber als moralische Symbolfigur des Widerstands gegen die kommunistische Führung Polens gilt. Im Untergrund arbeitet die einst rund zehn Millionen Mitglieder zählende Bewegung konspirativ weiter. Im Jahr darauf, 1983, wird Wałęsa mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet — den er aus Furcht vor einer Ausreisesperre nicht persönlich in Oslo entgegennimmt.

Michael Jacksons „Thriller" erscheint

Michael Jackson, Aufnahme von 1984
Michael Jackson, Aufnahme aus der „Thriller"-Ära 1984 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am 29. November veröffentlicht das Label Epic Records das sechste Studioalbum von Michael Jackson: „Thriller". Produziert von Quincy Jones und zwischen April und November in den Westlake Recording Studios in Los Angeles aufgenommen, kostet die Produktion rund 750.000 US-Dollar. Das Album vereint sieben spätere Hitsingles, darunter „Billie Jean", „Beat It" — mit einem Gitarrensolo von Eddie Van Halen — sowie den Titelsong „Thriller", zu dem im Jahr darauf ein aufwendiges, rund 14-minütiges Kurzfilm-Musikvideo unter der Regie von John Landis mit Zombie-Choreografie internationale Maßstäbe für das noch junge Format des Musikvideos setzt.

Schon in den ersten Wochen verkauft sich „Thriller" millionenfach und verdrängt in den USA rasch die Konkurrenz von den Chartspitzen. In den folgenden Jahren avanciert das Album zum meistverkauften der Musikgeschichte, mit geschätzt mehr als 70 Millionen verkauften Exemplaren weltweit, und macht Michael Jackson endgültig zum „King of Pop". Für die Bundesrepublik, wo bislang vor allem die Neue Deutsche Welle und Schlager die Charts prägen, markiert der Siegeszug des Albums im folgenden Jahr den Beginn einer neuen, stärker amerikanisch geprägten Popära.

Thronfolger in dritter Generation: Prinz William wird geboren

Eingang des St Mary's Hospital in Paddington, London (heutige Aufnahme)
Eingang des St Mary's Hospital in Paddington, London, Geburtsort von Prinz William (heutige Aufnahme, Symbolfoto) (Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)

Um 21:03 Uhr britischer Zeit bringt Diana, Princess of Wales, im St. Mary's Hospital im Londoner Stadtteil Paddington ihren ersten Sohn zur Welt: William Arthur Philip Louis, gut sieben Pfund schwer. Vater ist Prinz Charles, Thronfolger und ältester Sohn von Königin Elisabeth II.; das Paar hatte im Juli 1981 in der St. Paul's Cathedral in London geheiratet. Mit seiner Geburt rückt William unmittelbar auf den zweiten Platz der britischen Thronfolge, direkt hinter seinem Vater — vor seinem Onkel Prinz Andrew.

Die Geburt löst in Großbritannien große öffentliche Anteilnahme aus; vor der Klinik versammeln sich Schaulustige und Fotografen, während Prinz Charles als einer der ersten Thronfolger der britischen Geschichte bei der Geburt seines Kindes zugegen ist. Den Namen gibt der Palast erst mehrere Tage später bekannt. Wenige Wochen zuvor, im April, hatte Großbritannien mit dem Falklandkrieg noch im Krieg gelegen — die Geburt des künftigen Thronfolgers gilt vielen als versöhnliches, freudiges Ereignis in einem angespannten Jahr.

„E.T. – Der Außerirdische" startet in den Kinos

Präsident Ronald Reagan und Nancy Reagan mit Regisseur Steven Spielberg bei einer Vorführung von „E.T." im Weißen Haus, 27. Juni 1982
Präsident Ronald Reagan und Nancy Reagan mit Regisseur Steven Spielberg bei einer privaten Vorführung von „E.T." im Weißen Haus, 27. Juni 1982 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Am 11. Juni läuft in den Vereinigten Staaten Steven Spielbergs Science-Fiction-Märchen „E.T. – Der Außerirdische" an — die Geschichte eines auf der Erde zurückgelassenen Außerirdischen, der von dem zehnjährigen Elliott (Henry Thomas) in einer amerikanischen Vorstadt versteckt und schließlich zu seinem Raumschiff zurückgebracht wird. Der Film avanciert binnen weniger Wochen zum kommerziell erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten und verdrängt damit „Krieg der Sterne" von der Spitze — ein Titel, den „E.T." bis zum Erscheinen von Spielbergs eigenem „Jurassic Park" 1993 hält.

In der Bundesrepublik startet der Film am 9. Dezember in den Kinos und wird zu einem der prägenden Kinoerlebnisse des Jahres: Sätze wie „Nach Hause telefonieren" gehen in den Sprachgebrauch ein, John Williams' Filmmusik erhält später den Oscar. Für viele deutsche Kinobesucher wird „E.T." zum ersten großen emotionalen Blockbuster-Erlebnis der Achtzigerjahre und begründet den Ruf Spielbergs als einer der einflussreichsten Regisseure seiner Generation.

Raumfähre Columbia startet erstmals „im Liniendienst" ins All

Start der Raumfähre Columbia zur Mission STS-5, 11. November 1982
Start der Raumfähre Columbia zur Mission STS-5, Kennedy Space Center, 11. November 1982 (NASA / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Mit dem Start der Raumfähre Columbia vom Kennedy Space Center in Florida beginnt am 11. November die Mission STS-5 — nach NASA-Zählung der erste „operationelle" Flug des Space-Shuttle-Programms, nachdem die vier vorangegangenen Flüge reine Testmissionen waren. An Bord befördert die vierköpfige Besatzung um Kommandant Vance Brand und Pilot Robert Overmyer erstmals zwei kommerzielle Kommunikationssatelliten ins All: SBS-3 für den US-Betreiber Satellite Business Systems und Anik C3 für das kanadische Unternehmen Telesat, beide vom Typ Hughes HS-376 und beide erfolgreich ausgesetzt. Mit Joseph Allen und William Lenoir fliegen zudem erstmals zwei reine „Mission Specialists" mit, die keine Piloten sind, sondern eigens für wissenschaftliche und technische Aufgaben an Bord ausgebildet wurden.

Nach fünf Tagen, zwei Stunden und rund zwei Millionen zurückgelegten Meilen in 81 Erdumrundungen landet die Columbia am 16. November auf der Rollbahn der Edwards Air Force Base in Kalifornien. Der Flug gilt als Beweis, dass sich das wiederverwendbare Shuttle-System kommerziell nutzen lässt, und legt damit den Grundstein für den routinemäßigen Satellitentransport der NASA in den folgenden Jahren.

Aus den Ressorts

AM RANDE NOTIERT

  • Im Presswerk Hannover-Langenhagen läuft am 17. August die erste serienmäßig gefertigte Musik-CD vom Band — Chopin-Walzer mit Pianist Claudio Arrau, der persönlich den Startknopf drückt; die breite Markteinführung der Compact Disc folgt erst 1983.
  • Am 10. November stirbt in Moskau Leonid Breschnew, 75-jährig, nach 18 Jahren an der Spitze der Sowjetunion — sein Nachfolger wird Juri Andropow.
  • Kiel feiert im Juni 100 Jahre Kieler Woche — ein seltener Moment des Jubels in einem sonst von Krisen geprägten Jahr.
  • Am 25. April übergibt Israel nach 15-jähriger Besatzung die letzten Gebiete der Sinai-Halbinsel zurück an Ägypten — Teil des Camp-David-Friedensvertrags; rund 7.000 israelische Siedler, darunter die gesamte Stadt Yamit, müssen die Region verlassen.
  • Im Bonner Hofgarten demonstrieren am 10. Juni rund 500.000 Menschen gegen den NATO-Doppelbeschluss und für atomare Abrüstung — eine der größten Kundgebungen in der Geschichte der Bundesrepublik.
  • In Kiel erhält der Anleger der Schweden-Fähren an der Förde am 18. Dezember offiziell den Namen Schwedenkai — ein unscheinbarer Verwaltungsakt mit langer Bedeutung für die Fährstadt.

SPORT · 1982

Fußball beherrscht den Sommer: Bei der Weltmeisterschaft in Spanien holt sich Italien im Finale von Madrid am 11. Juli mit 3:1 über die Bundesrepublik den Titel — Torschützen sind Paolo Rossi, Marco Tardelli und Alessandro Altobelli, für die deutsche Elf trifft nur Paul Breitner; für die DFB-Auswahl bleibt der zweite Platz. Zwei Vorrundenspiele bleiben besonders in Erinnerung. Zunächst die Sensation von Gijón am 16. Juni, als Debütant Algerien durch Tore von Rabah Madjer und Lakhdar Belloumi die Bundesrepublik mit 2:1 schlägt und als erste afrikanische Mannschaft einen Titelverteidiger bezwingt. Da Algerien dadurch in der Endabrechnung noch vor die Bundesrepublik hätte rücken können, genügt neun Tage später beiden deutschsprachigen Teams ein 1:0-Erfolg der BRD gegen Österreich (Tor: Horst Hrubesch, 10. Minute), um gemeinsam weiterzukommen und Algerien auszuschließen — der Rest der Partie wird ohne jeden Angriffsversuch heruntergespielt. Der als „Nichtangriffspakt" bzw. „Schande von Gijón" bekannt gewordene Vorfall löst einen Sturm der Entrüstung aus und veranlasst die FIFA später, die letzten Gruppenspiele fortan zeitgleich anzusetzen. Ebenfalls unvergessen bleibt das dramatische Halbfinale gegen Frankreich in Sevilla, in dem Torwart Harald Schumacher den französischen Verteidiger Patrick Battiston foult, ohne dass der Schiedsrichter auch nur auf Foul entscheidet; nach 3:3 in der Verlängerung gewinnt die BRD im ersten Elfmeterschießen der WM-Geschichte mit 5:4. Auch an der Kieler Förde, wo schon die Werftenkrise auf der Stimmung lastet, sorgt das Turnier zumindest für einige Wochen Ablenkung — daneben feiert Schwimmer Michael Groß, unter den Lichtblicken dieser Ausgabe gewürdigt, bei den Weltmeisterschaften im August im ecuadorianischen Guayaquil mit Gold über 200 Meter Freistil und 200 Meter Schmetterling seinen internationalen Durchbruch — der Beginn der Karriere des wegen seiner Armspannweite „Albatros" genannten Schwimmers.

MODE · 1982

Fitness wird zum Fashion-Statement: Nach dem Erfolg ihres 1981 erschienenen Buchs „Jane Fonda's Workout Book" veröffentlicht die Schauspielerin Jane Fonda 1982 ihr Aerobic-Video „Jane Fonda's Workout" — es wird zu einem der meistverkauften Videobänder der Vereinigten Staaten und macht Leggings, Stirnbänder, Beinstulpen und schweißtreibende Neonfarben in Straße und Turnhalle gleichermaßen salonfähig. Der sportliche Freizeitlook steht im Kontrast zu den wuchtigen Schulterpolstern der Businessmode, wie sie zeitgleich US-Fernsehserien wie „Dallas" und „Der Denver-Clan" prägen, und markiert den Beginn eines jahrelangen Fitness-Booms.

LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1982

  • Michael Groß wird Doppel-Weltmeister im Schwimmen (August 1982). Gold über 200 Meter Freistil und 200 Meter Schmetterling markieren den Auftakt der Karriere des „Albatros" — künftiges Aushängeschild des westdeutschen Sports.
  • Trio landet mit „Da Da Da" einen Welthit (1982). Die Single erscheint in über 30 Ländern und macht die Neue Deutsche Welle international bekannt.
  • Pina Bausch bringt „Nelken" zur Uraufführung (30. Dezember 1982, Wuppertal). Das Stück wird zu einem der einflussreichsten Werke des zeitgenössischen Tanztheaters und macht seinen Weg um die Welt.
  • Gabriel García Márquez erhält den Literaturnobelpreis (21. Oktober 1982). Als erster kolumbianischer Schriftsteller ausgezeichnet, u. a. für „Hundert Jahre Einsamkeit" — ein Triumph des lateinamerikanischen Erzählens auf der Weltbühne.
  • Erste dauerhafte Kunstherz-Transplantation gelingt in Salt Lake City (1./2. Dezember 1982). Chirurg William DeVries pflanzt dem Patienten Barney Clark das Jarvik-7-Kunstherz ein — ein Meilenstein, der die moderne Herzmedizin entscheidend voranbringt.
  • Kiel enthüllt Denkmal für den Matrosenaufstand von 1918 (16. Juni 1982). Im Ratsdienergarten wird die Plastik „Feuer aus den Kesseln" eingeweiht — ein Zeichen gelebter Erinnerungskultur mitten im Krisenjahr, das an die revolutionäre Vorgeschichte der Demokratie erinnert.

DAS WETTER · 1982 in Kiel

An diesem 13. Juli war es an der Förde ein warmer Hochsommertag: Höchstwert 26,0 °C, in der Nacht 15,2 °C, im Mittel 21,4 °C; kein Tropfen Regen fiel.

Das Jahr über: Im Mittel 8,6 °C. Wärmster Tag 30,0 °C am 7. August, kältester −15,6 °C am 10. Januar. 1 Hitzetag (≥ 30 °C), 23 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 835 mm.

(Messwerte der Station Schleswig, rund 40 km nordwestlich — die nächstgelegene durchgehend messende Station, da die Kieler Station Holtenau für diese Jahre Messlücken aufweist; Sonnenscheindauer nicht durchgehend erfasst. Quelle: Meteostat / DWD.)

DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1982

Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts.

  1. Maid Of Orleans (The Waltz Of Joan Of Arc) — OMD
  2. Felicità — Al Bano & Romina Power
  3. Adios Amor — Andy Borg
  4. Skandal Im Sperrbezirk — Spider Murphy Gang
  5. Der Kommissar — Falco
  6. Da Da Da, Ich Lieb Dich Nicht Du Liebst Mich Nicht Aha Aha Aha — Trio
  7. Ein Bißchen Frieden — Nicole
  8. Una Notte Speciale — Alice
  9. Goldener Reiter — Joachim Witt
  10. Just An Illusion — Imagination
  11. Ich Will Spaß — Markus
  12. Rosemarie — Hubert Kah
  13. Down Under — Men At Work
  14. Made In Italy — Ricchi e Poveri
  15. Wo Bist Du? — Spider Murphy Gang
  16. Ebony And Ivory — Paul McCartney & Stevie Wonder
  17. Schickeria — Spider Murphy Gang
  18. Carbonara — Spliff
  19. I Won't Let You Down — Ph.D.
  20. Oh Julie — Shakin' Stevens

Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (offiziellecharts.de / chartsurfer.de).