DER CHRONIST
Ein Jahr des Umbruchs: In Bonn und Berlin wechselt die Macht nach sechzehn Jahren, in Belfast schweigen nach dreißig Jahren erstmals die Waffen, und über den europäischen Grenzen entsteht eine gemeinsame Währung — während an der Förde die Windjammer wie nie zuvor auffahren. Zugleich erschüttern ein folgenschweres Zugunglück bei Eschede und die verheerenden Atomwaffentests Indiens und Pakistans das Land und die Welt, während in Ostafrika Terroranschläge auf amerikanische Botschaften erstmals die globale Reichweite des Terrornetzwerks al-Qaida offenbaren. Apple leitet mit dem bunten iMac einen Neuanfang ein, in London wird mit der Verhaftung des chilenischen Ex-Diktators Pinochet Rechtsgeschichte geschrieben, und der Hurrikan „Mitch" verwüstet Mittelamerika. Am Ende dieses ereignisreichen Jahres steht fest: Kaum ein Jahrzehnt zuvor hat sich die Welt in zwölf Monaten so grundlegend neu geordnet.
Karfreitagsabkommen beendet dreißig Jahre Nordirland-Konflikt

In Belfast unterzeichnen die Regierungen Großbritanniens und Irlands sowie acht nordirische Parteien nach zähen, von US-Vermittler George Mitchell geleiteten Verhandlungen das Karfreitagsabkommen. Fast zwei Jahre lang war zuvor verhandelt worden, ehe Mitchell den Beteiligten eine Frist zum 9. April setzte; erst in der Nacht zum Karfreitag, dem 10. April, einigen sich die britischen und irischen Regierungschefs Tony Blair und Bertie Ahern mit den zerstrittenen unionistischen und republikanischen Parteien auf den Kompromiss. Maßgeblichen Anteil daran haben David Trimble (Ulster Unionist Party) und John Hume (gemäßigte, katholische SDLP), die im Dezember 1998 gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden. Das Abkommen sieht Machtteilung (Power-Sharing) zwischen Protestanten und Katholiken in einer neuen nordirischen Versammlung vor, Irland verzichtet auf seinen Verfassungsanspruch auf Nordirland, ohne eine künftige Wiedervereinigung per Mehrheitsentscheid auszuschließen. Am 22. Mai billigen die Bevölkerungen beider Landesteile den Vertrag in Referenden mit 71,1 bzw. 94,4 Prozent bei einer Beteiligung von rund 81 Prozent in Nordirland — das Ende der „Troubles", jener drei Jahrzehnte währenden Gewalt, die rund 3.500 Menschenleben forderte, scheint erreicht. Wie brüchig der Frieden bleibt, zeigt sich freilich schon am 15. August: In Omagh verübt die dem Abkommen feindlich gesinnte Splittergruppe „Real IRA" einen Autobombenanschlag, der 29 Menschen das Leben kostet — der folgenschwerste einzelne Anschlag der gesamten Nordirland-Geschichte.
Elf Staaten beschließen den Euro, die EZB nimmt ihre Arbeit auf

In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai legt der Europäische Rat in Brüssel nach Prüfung der Maastrichter Konvergenzkriterien (Haushaltsdefizit, Schuldenstand, Inflation, Zinsniveau) fest, dass die Europäische Währungsunion am 1. Januar 1999 mit elf Teilnehmerländern startet — der Bundesrepublik, Frankreich, Italien, den Beneluxstaaten, Spanien, Portugal, Österreich, Finnland und Irland. Griechenland erfüllt die Kriterien noch nicht und stößt erst 2001 hinzu, Großbritannien, Dänemark und Schweden bleiben der Währungsunion vorerst fern. Um die Personalie an der Spitze der neuen Zentralbank entbrennt zuvor ein offener Streit zwischen Bonn und Paris: Frankreich hätte lieber seinen Kandidaten Jean-Claude Trichet gesehen, setzt sich aber nicht durch. Am 25. Mai wird als Kompromiss der Niederländer Wim Duisenberg zum ersten Präsidenten der neuen Europäischen Zentralbank ernannt — Beobachter gehen davon aus, dass er sein achtjähriges Mandat vorzeitig zugunsten Trichets abgeben wird. Am 1. Juni nimmt die EZB in Frankfurt am Main offiziell die Nachfolge des Europäischen Währungsinstituts auf und beginnt mit den Vorbereitungen für die unwiderrufliche Fixierung der Wechselkurse zum Jahreswechsel. Die D-Mark, seit 1948 Symbol des westdeutschen Wiederaufbaus, hat nur noch gut anderthalb Jahre als eigenständige Währung vor sich.
ICE-Katastrophe von Eschede: 101 Tote bei schwerstem Zugunglück der Bundesrepublik

Bei Eschede in der Lüneburger Heide entgleist um 10.59 Uhr der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen" auf der Fahrt von München nach Hamburg bei Tempo 200, nachdem sechs Kilometer zuvor ein gummigefederter Radreifen am ersten Waggon durch Materialermüdung gebrochen ist. Das abgelöste Metallstück bohrt sich durch den Wagenboden, reißt kurz vor Eschede eine Weiche auf und lenkt den Zug gegen die Pfeiler einer Straßenbrücke bei Rebberlah; die rund 200 Tonnen schwere Betonkonstruktion stürzt auf die hinteren Waggons, zehn der zwölf Wagen werden zertrümmert oder entgleisen — 101 Menschen sterben, darunter zwei Bahnbedienstete und zwölf Kinder, mehr als 100 weitere werden verletzt. Es ist das folgenreichste Zugunglück der deutschen Eisenbahngeschichte und zugleich das schwerste Unglück eines Hochgeschwindigkeitszuges weltweit. Die Untersuchung des Eisenbahn-Bundesamts fördert zutage, dass die Deutsche Bahn auf hochwertige Ultraschallprüfung der anfälligen gummigefederten Räder verzichtet und einen bereits am Vortag festgestellten Grenzwert-Verstoß ohne Konsequenz gelassen hatte; in der Folge werden alle betroffenen Räder durch bewährte Vollräder ersetzt, Weichen dürfen fortan nicht mehr direkt vor Brücken liegen, und Prüfintervalle richten sich seither nach der gefahrenen Kilometerzahl statt nach festen Zeitspannen. Ein Strafprozess gegen einen Bahn-Bezirksleiter, einen technischen Referatsleiter und einen Ingenieur des Radreifenherstellers endet erst im Mai 2003 nach 55 Verhandlungstagen mit Geldauflagen von je 10.000 Euro. Das Unglück erschüttert auch das Vertrauen der Fahrgäste zwischen Kiel und dem übrigen Bundesgebiet, die auf der ICE-Linie über Hamburg und Hannover täglich pendeln.
Kieler Woche mit erster jährlicher Windjammerparade — die Förde feiert Rekordtreffen

Zur 104. Kieler Woche laufen mehr als hundert große Segler, Traditionsschiffe und historische Dampfer zur Windjammerparade auf der Förde auf, die von rund hunderttausenden Schaulustigen an den Ufern verfolgt wird — nach der Premiere zur olympischen Segelregatta 1972 wird die Parade ab diesem Jahr zur festen jährlichen Institution des Segelfests, seither traditionell am vorletzten Tag der Kieler Woche. Auch politisch bleibt das Land in Bewegung: Ministerpräsidentin Heide Simonis setzt sich seit Februar dafür ein, Sinti und Roma neben Dänen und Friesen als Minderheit in der Landesverfassung zu verankern — ein Anliegen, dem sie angesichts der Ermordung von rund 500.000 Sinti und Roma im Nationalsozialismus besonderes Gewicht beimisst; die notwendige Zweidrittelmehrheit im Landtag verfehlt der Vorstoß 1998 jedoch, weil die CDU-Opposition nicht mitzieht, sodass die Verfassungsänderung erst 2012 gelingen wird. Bei der Bundestagswahl im Herbst gewinnt die SPD alle elf schleswig-holsteinischen Wahlkreise direkt, in Kiel wie in jedem Wahlkreis seit 1961 — ein Ergebnis, das den bundesweiten Erdrutschsieg Gerhard Schröders an der Förde noch einmal unterstreicht.
Machtwechsel in Bonn: Schröder löst nach 16 Jahren Kohl ab

Bei der Wahl zum 14. Deutschen Bundestag am 27. September tritt Helmut Kohl, seit 1982 Bundeskanzler, zum sechsten Mal als Spitzenkandidat der Union an — gegen ihn der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder, der die SPD mit dem Werben um die „Neue Mitte" auf Wechselstimmung eingeschworen hat. Von 60,7 Millionen Wahlberechtigten geben knapp 50 Millionen ihre Stimme ab, die Wahlbeteiligung liegt bei 82,2 Prozent. Die SPD erreicht 40,9 Prozent, die CDU/CSU unter Kohl fällt auf 35,1 Prozent (CDU 28,4, CSU 6,7), die FDP kommt auf 6,2 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen auf 6,7 Prozent, und erstmals überspringt auch die PDS mit 5,1 Prozent bundesweit die Fünfprozenthürde. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wird eine amtierende Bundesregierung komplett abgewählt. Bereits am 1. Oktober beginnen Sondierungsgespräche zwischen SPD und Grünen, am 2. Oktober folgen die eigentlichen Koalitionsverhandlungen; am 20. Oktober wird der Koalitionsvertrag in Bonn vorgestellt. Am 27. Oktober wählt der Bundestag Schröder mit 351 von 666 Stimmen zum Kanzler einer rot-grünen Koalition — die erste ihrer Art auf Bundesebene. Joschka Fischer wird Außenminister und Vizekanzler, Oskar Lafontaine, der SPD-Parteivorsitzende, übernimmt das Finanzministerium. Nach sechzehn Jahren Kohl-Ära, die von der deutschen Wiedervereinigung 1990 geprägt war, beginnt eine neue politische Epoche — noch ist die Bundesrepublik Bonn als Regierungssitz vertraut, der geplante Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin steht unmittelbar bevor.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Niedersachsen, 1. März — SPD 47,9 %, CDU 35,9 %. Ministerpräsident Gerhard Schröder verteidigt sein Amt und regiert mit den Grünen weiter; der klare Sieg macht ihn zum Kanzlerkandidaten der SPD für den Herbst.
- Sachsen-Anhalt, 26. April — SPD 35,9 %, CDU 22,0 %, PDS 19,6 % und die rechtsextreme DVU mit 12,9 % erstmals zweistellig in einem Landesparlament. Reinhard Höppner (SPD) regiert im „Magdeburger Modell" als Minderheitskabinett, geduldet von der PDS.
- Bayern, 13. September — CSU 52,9 %, SPD 28,7 %. Ministerpräsident Edmund Stoiber verteidigt die absolute Mehrheit der CSU.
- Mecklenburg-Vorpommern, 27. September — SPD 34,3 %, CDU 30,2 %, PDS 24,4 %. Unter Harald Ringstorff bilden SPD und PDS die erste rot-rote Koalition in einem Bundesland der Bundesrepublik.
Indien und Pakistan zünden Atomwaffen und lösen internationale Krise aus

Am 11. Mai zündet Indien in der Wüste Rajasthans nahe Pokhran die erste von insgesamt fünf Atombomben binnen weniger Tage — Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee verkündet unter dem Codenamen „Operation Shakti" den Eintritt seines Landes in den Kreis der Atommächte, zwei weitere Tests folgen am 13. Mai. Die Region gerät in Aufruhr: Nur zwei Wochen später, am 28. Mai, antwortet der verfeindete Nachbar Pakistan unter Ministerpräsident Nawaz Sharif mit fünf eigenen unterirdischen Sprengungen in den Ras-Koh-Bergen der Provinz Belutschistan, Codename „Chagai-I"; ein sechster Test folgt am 30. Mai. Beide Staaten, die seit ihrer Teilung 1947 mehrere Kriege um die umstrittene Kaschmir-Region ausgefochten haben, demonstrieren damit erstmals offen ihre atomare Bewaffnung. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt in Resolution 1172 beide Testreihen, die USA und Japan verhängen Wirtschaftssanktionen gegen Neu-Delhi und Islamabad. Internationale Beobachter warnen vor einem nuklearen Wettrüsten auf dem indischen Subkontinent — eine Sorge, die sich im darauffolgenden Jahr mit dem Kargil-Krieg zwischen beiden Ländern als nicht unbegründet erweist.
Terroranschläge auf US-Botschaften in Nairobi und Daressalam fordern über 200 Tote

Fast zeitgleich detonieren am Morgen des 7. August vor den amerikanischen Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) mit Sprengstoff beladene Lastwagen — die bislang folgenschwersten Anschläge des länderübergreifend operierenden Terrornetzwerks al-Qaida unter seinem Anführer Usama bin Laden. In Nairobi reißt die Explosion ein Nachbargebäude und Teile der Botschaft ein und tötet 213 Menschen, überwiegend kenianische Passanten und Angestellte, während in Daressalam elf Menschen sterben; insgesamt kommen rund 224 Menschen ums Leben, mehr als 5.000 werden verletzt, die meisten davon Afrikaner. Die Ermittlungen des FBI, das erstmals eine Sonderkommission nach Ostafrika entsendet, führen direkt zu bin Laden, der zuvor bereits mit Fatwas zum Kampf gegen die USA aufgerufen hatte; die amerikanische Regierung setzt ihn daraufhin auf die Liste der meistgesuchten Terroristen und beantwortet die Anschläge am 20. August mit Marschflugkörper-Angriffen auf mutmaßliche Ausbildungslager in Afghanistan und eine Chemiefabrik im Sudan. Die Anschläge gelten rückblickend als Vorboten der Anschläge vom 11. September 2001 und als erster Beweis für die globale Reichweite des noch jungen Terrornetzwerks.
Apple stellt mit dem bunten iMac einen neuen Computertypus vor

Firmenchef Steve Jobs, seit seiner Rückkehr 1997 mit dem Neuaufbau des angeschlagenen Computerherstellers befasst, präsentiert am 6. Mai in Cupertino den iMac — einen komplett neu gedachten Heimcomputer in durchscheinendem „Bondi Blue"-Kunststoffgehäuse, der Bildschirm, Rechner und Lautsprecher erstmals in einem einzigen, organisch geformten Gehäuse vereint. Statt der bis dahin üblichen Diskettenlaufwerke und komplizierten Kabelverbindungen setzt das Gerät konsequent auf USB-Anschlüsse und ein eingebautes Modem für den unkomplizierten Internetzugang, wie es der Name „iMac" — für „Internet-Macintosh" — bereits ankündigt; ausgestattet mit 15-Zoll-Bildschirm, 32 MB Arbeitsspeicher und CD-ROM-Laufwerk kostet das Gerät zum Marktstart am 15. August 1.299 US-Dollar. Der iMac wird binnen weniger Monate zum meistverkauften Computer der USA und zum Design-Symbol der ausgehenden Neunzigerjahre; er gilt als der entscheidende Wendepunkt, der Apple nach Jahren wirtschaftlicher Krise wieder auf Erfolgskurs bringt und den Grundstein für die spätere Produktpalette von iPod bis iPhone legt.
Ex-Diktator Pinochet in London verhaftet

Kurz vor Mitternacht lässt die britische Polizei den früheren chilenischen Militärmachthaber Augusto Pinochet in der Londoner Privatklinik, in der er sich von einer Rückenoperation erholt, festnehmen — auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls, den der spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzón wegen Folter, Mord und Verschwindenlassens chilenischer und spanischer Staatsbürger während der Militärdiktatur von 1973 bis 1990 ausgestellt hat. Garzón beruft sich auf das Weltrechtsprinzip, wonach schwerste Menschenrechtsverbrechen unabhängig vom Tatort verfolgt werden können — ein juristisches Novum, das erstmals einen ehemaligen Staatschef auf fremdem Boden zur Rechenschaft zu ziehen sucht. Am 25. November entscheidet das britische Oberhaus mit drei zu zwei Stimmen, dass Pinochet als Ex-Staatschef keine diplomatische Immunität genießt; die Episode wird zu einem international vielbeachteten Präzedenzfall des Völkerstrafrechts, ehe der greise General erst 2000 aus gesundheitlichen Gründen nach Chile zurückkehren darf, wo er 2006 stirbt, ohne je rechtskräftig verurteilt worden zu sein.
Wirbelsturm „Mitch" verwüstet Mittelamerika

Als einer der verheerendsten Hurrikane der Geschichte zieht „Mitch" Ende Oktober über die Karibik und erreicht am 26. Oktober mit Windgeschwindigkeiten von rund 285 km/h die höchste Kategorie 5; statt auf offener See zu einer Landbedrohung für die USA zu werden, verlangsamt sich der Sturm über Honduras und Nicaragua fast bis zum Stillstand und lädt dort tagelang sintflutartige Regenmengen ab. Die Folge sind katastrophale Überschwemmungen und Erdrutsche — allein am Vulkan Casitas in Nicaragua begräbt eine Schlammlawine mehrere Dörfer und rund 2.000 Menschen unter sich. Insgesamt kommen in der Region schätzungsweise 19.000 Menschen ums Leben oder gelten als vermisst, in Honduras allein mehr als 5.000 Tote; ein Fünftel der honduranischen Bevölkerung verliert sein Zuhause. Die wirtschaftlichen Schäden werden auf rund sieben Milliarden US-Dollar geschätzt und werfen die betroffenen Länder um Jahrzehnte in ihrer Entwicklung zurück. International löst die Katastrophe eine breite Hilfswelle aus, während Klimaforscher den Sturm später als Menetekel künftiger, durch die Erderwärmung verschärfter Extremwetterereignisse anführen.
AM RANDE NOTIERT
- Am 17. Januar wird die Lewinsky-Affäre um Präsident Bill Clinton öffentlich bekannt; am 19. Dezember leitet das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren ein, das der Senat im Februar 1999 scheitern lässt.
- Am 4. September gründen Larry Page und Sergey Brin in einer Garage in Menlo Park das Unternehmen Google.
- Am 12. Juli wird Frankreich im eigenen Land mit einem 3:0-Sieg im Finale gegen Brasilien erstmals Fußball-Weltmeister.
- Am 7. Mai besiegeln Daimler-Benz und der US-Autokonzern Chrysler in London ihre Fusion zur DaimlerChrysler AG; der bis dahin größte grenzüberschreitende Industriezusammenschluss nimmt am 17. November offiziell den Betrieb auf.
- Am 21. Mai tritt Suharto nach 32 Jahren autoritärer Herrschaft als Präsident Indonesiens zurück, nachdem Studentenproteste und die Asienkrise sein Regime erschüttert haben.
- Am 11. Juli tanzen zur zehnten Loveparade erstmals mehr als eine Million Menschen durch den Berliner Tiergarten — ein neuer Teilnehmerrekord für die Technoparade.
SPORT · 1998
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land, wie bereits vermerkt, wird Frankreich am 12. Juli im Pariser Stade de France mit einem 3:0-Finalsieg gegen den favorisierten Rekordweltmeister Brasilien erstmals Weltmeister. Zinédine Zidane trifft per Kopf doppelt vor der Pause, Emmanuel Petit setzt in der Nachspielzeit den Schlusspunkt; überschattet wird die Partie von der Verwirrung um Brasiliens Superstar Ronaldo, der wegen eines gesundheitlichen Zwischenfalls zunächst nicht im Aufgebot stand und dann doch, sichtlich unterlegen, auflief. Für die deutsche Mannschaft endet das Turnier in einem Debakel: Im Viertelfinale am 4. Juli unterliegt die DFB-Elf Kroatien, das bei seiner ersten WM-Teilnahme überhaupt antritt, mit 0:3 — nach der Roten Karte gegen Christian Wörns wegen Foulspiels an Torschützenkönig Davor Suker spielt die deutsche Elf fast eine Stunde in Unterzahl. Es ist die höchste WM-Niederlage einer deutschen Mannschaft seit 1958; Bundestrainer Berti Vogts, der zuvor sein 100. Länderspiel als Coach erlebt hatte, tritt zwei Monate später zurück und muss die Titelträume vorzeitig begraben — der Beginn einer sportlich mageren Zeit für den deutschen Fußball, die erst Jahre später überwunden wird. Auf nationaler Ebene sorgt derweil der 1. FC Kaiserslautern für eine Sensation: Unter Trainer Otto Rehhagel wird der Aufsteiger als erster und bislang einziger Verein der Bundesliga-Geschichte im Jahr seines Wiederaufstiegs Deutscher Meister.
MODE · 1998
Praktische Cargohosen mit aufgesetzten Taschen und robuste Utility-Mode verdrängen zunehmend die körperbetonten Neunziger-Silhouetten der Jahre zuvor: Weite Schnitte, khaki- und erdfarbene Töne sowie funktionale Details wie Ösen, Reißverschlüsse und Kordelzüge prägen das Straßenbild, ein Erbe von Streetwear und Techno-Ästhetik, das sich mit dem klassischen Businesslook der Neunziger mischt. Die klobigen Buffalo-Plateauschuhe der Techno- und Ravekultur bewegen sich weiter durch die Fußgängerzonen der Republik, während die von den britischen Spice Girls popularisierte, bunte „Girl-Power"-Attitüde mit knappen Tops und Plateauschuhen auch bei jungen Frauen hierzulande Anklang findet.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 1998
- Kinostart „Lola rennt" (20. August). Tom Tykwers Berliner Produktion wird zum internationalen Überraschungserfolg, gewinnt acht Deutsche Filmpreise und den Publikumspreis von Sundance — ein Aufwind für das Ansehen des deutschen Kinos, der überregional Beachtung findet.
- THW Kiel holt das Triple (3. Mai). Mit einem 27:24 gegen TuS Nettelstedt am letzten Spieltag sichert sich der Handball-Bundesligist von der Förde zum siebten Mal die Deutsche Meisterschaft — nach DHB-Pokal- und Europapokalsieg komplettiert THW Kiel als erste Mannschaft seit 18 Jahren das Triple und schickt Kiel in Feierlaune ins Wochenende.
DAS WETTER · 1998 in Kiel
An diesem 13. Juli war es an der Förde ein kühler Sommertag: Höchstwert 18,2 °C, in der Nacht 11,7 °C, im Mittel 14,7 °C; kaum Regen (0,2 mm).
Das Jahr über: Im Mittel 8,8 °C. Wärmster Tag 29,9 °C am 21. Juli, kältester −10,2 °C am 8. Dezember. 0 Hitzetage (≥ 30 °C), 11 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 950 mm — ein sehr nasses Jahr.
(Messwerte der Station Kiel-Holtenau; Sonnenscheindauer nicht durchgehend erfasst. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 1998
Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts.
- My Heart Will Go On — Céline Dion
- Flugzeuge im Bauch — Oli.P
- Ein Schwein namens Männer — Die Ärzte
- Die Flut — Witt / Heppner
- Alane — Wes
- Immortality — Céline Dion feat. Bee Gees
- Bailando — Loona
- Out Of The Dark — Falco
- I Don't Want To Miss A Thing — Aerosmith
- Come With Me — Puff Daddy feat. Jimmy Page
- High — Lighthouse Family
- It's Like That — Run-D.M.C. vs. Jason Nevins
- Stand By Me — 4 The Cause
- Wish U Were Here (Wünscht' Du wärst bei mir) — Superboys
- The Boy Is Mine — Brandy & Monica
- Cose Della Vita (Can't Stop Thinking Of You) — Eros Ramazzotti & Tina Turner
- Together Again — Janet Jackson
- Ghetto Supastar (That Is What You Are) — Pras Michel feat. Ol' Dirty Bastard & Mya
- Viva Forever — Spice Girls
- Suparichie — Richie
Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (offiziellecharts.de / chartsurfer.de).