DER CHRONIST
Ein Jahrtausendwechsel, der es in sich hat: Parteispenden erschüttern Bonn und schlagen bis an die Förde zurück, im Kreml übernimmt ein neuer Mann das Ruder, und über dem Atlantik entscheidet am Ende nicht die Wählerstimme, sondern das Gericht. An der Börse platzt im März die Dotcom-Blase und reißt den jungen Neuen Markt mit in die Tiefe, während Rot-Grün im Juni mit den Energiekonzernen den deutschen Atomausstieg besiegelt — mit unmittelbaren Folgen auch für die Meiler an Elbe und Unterelbe in Schleswig-Holstein. Im Mai legt der Computerwurm „ILOVEYOU" rund um den Globus Rechner und E-Mail-Systeme lahm, und im Herbst eskaliert im Nahen Osten mit der Zweiten Intifada erneut die Gewalt, während ein Selbstmordanschlag auf den US-Zerstörer „USS Cole" im jemenitischen Aden die Vorboten eines neuen Terrorzeitalters ankündigt. Dazwischen bleibt Raum für die Barentssee-Tragödie der „Kursk" und den Concorde-Absturz bei Paris — ein Jahr zwischen Triumph, Krise und Umbruch.
CDU-Spendenaffäre erreicht die Wahlkabine an der Förde

Ihren Ausgang nimmt die größte Nachkriegskrise der Union bereits im November 1999: Am 5. November stellt sich der frühere CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep der Staatsanwaltschaft Augsburg, nachdem gegen ihn wegen einer 1991 vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber erhaltenen und nicht versteuerten Millionenspende Haftbefehl ergangen war. Am 2. Dezember setzt der Bundestag einen Untersuchungsausschuss „Parteispenden und Waffenhandel" ein. Für Aufsehen sorgt am 16. Dezember 1999 ein Fernsehinterview, in dem Alt-Kanzler Helmut Kohl einräumt, zwischen 1993 und 1998 rund zwei Millionen Mark an Spenden außerhalb der offiziellen Rechenschaftsberichte der CDU entgegengenommen zu haben — die Namen der Geber will er aber, seinem „Ehrenwort" folgend, bis heute nicht nennen. Nur wenige Tage später, am 21./22. Dezember, fordert die junge Generalsekretärin Angela Merkel in einem vielbeachteten FAZ-Gastbeitrag den Bruch der Partei mit ihrem einstigen Übervater. Es folgt Schlag auf Schlag: Am 3. Januar eröffnet die Bonner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Kohl wegen Untreueverdachts, am 10. Januar räumt Parteichef Wolfgang Schäuble vor laufenden ARD-Kameras eine 1994 von Schreiber erhaltene Barspende von 100.000 Mark ein — als „sonstige Einnahme" verbucht —, am 18. Januar tritt Kohl als CDU-Ehrenvorsitzender zurück, und am 16. Februar erklärt auch Schäuble, wegen Widersprüchen in seiner Spendendarstellung nicht erneut für den Partei- und Fraktionsvorsitz zu kandidieren. Die schwarzen Kassen der Bonner Union werden zum bestimmenden Thema der Republik — und schlagen mitten in den schleswig-holsteinischen Landtagswahlkampf hinein. Am 27. Februar wählt Schleswig-Holstein bei einer Wahlbeteiligung von 69,5 Prozent als erstes Bundesland nach Aufdeckung der Affäre einen neuen Landtag: Die SPD von Heide Simonis kommt auf 43,1 Prozent (41 Sitze), die CDU unter Herausforderer Volker Rühe bleibt trotz zeitweiliger Vorwahlumfragen-Führung bei 35,2 Prozent (33 Sitze) hängen; FDP (7,6 Prozent, 7 Sitze), Grüne (6,2 Prozent, 5 Sitze) und SSW (4,1 Prozent, 3 Sitze) ziehen ebenfalls in den Kieler Landtag ein. Am 28. März wird Simonis im Kieler Landtag mit den Stimmen der rot-grünen Mehrheit von 46 gegenüber 43 Oppositionssitzen erneut zur Ministerpräsidentin gewählt. Beobachter sind sich einig: Ohne die Spendenaffäre wäre der von Umfragen erwartete Regierungswechsel in Kiel wohl eingetreten. Wenige Wochen später, am 10. April, wählt ein CDU-Parteitag in Essen Angela Merkel zur neuen Bundesvorsitzenden — den Beginn ihres Aufstiegs an die Spitze der Partei, den die Affäre erst möglich gemacht hat.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Nordrhein-Westfalen, 14. Mai — SPD 42,8 % (102 Sitze), CDU 37,0 % (88 Sitze) bei 56,7 % Beteiligung. Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) führt die rot-grüne Koalition mit den Grünen (7,1 %, 17 Sitze) fort.
Wladimir Putin wird russischer Präsident

An Silvester 1999 überrascht Boris Jelzin die Welt mit seinem vorzeitigen Rücktritt und den Worten, er sei müde und wolle einer neuen Generation Platz machen. Nachfolger als amtierender Präsident wird verfassungsgemäß Ministerpräsident Wladimir Putin — ein früherer KGB-Offizier, der erst 1998/99 Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB und im August 1999 Regierungschef geworden war. Getragen von der harten Linie im neu entfachten Zweiten Tschetschenienkrieg, der nach einer Serie mysteriöser Wohnhaus-Sprengungen im Herbst 1999 begonnen hatte, und vom guten Abschneiden der ihn stützenden Partei „Einheit" bei den Duma-Wahlen im Dezember 1999, tritt Putin zur wegen Jelzins Rücktritt auf den 26. März vorgezogenen Präsidentschaftswahl an. Er gewinnt bereits im ersten Wahlgang mit rund 52,9 Prozent der Stimmen und verhindert damit eine Stichwahl gegen seinen aussichtsreichsten Herausforderer, den Kommunisten Gennadi Sjuganow. Am 7. Mai wird Putin im Andreewski-Saal des Kremls offiziell als Präsident der Russischen Föderation vereidigt und ernennt kurz darauf Michail Kassjanow zum neuen Ministerpräsidenten. Der frühere Geheimdienstoffizier tritt ein Erbe aus wirtschaftlichem Chaos, ausufernder Oligarchenmacht und dem laufenden Kaukasuskrieg an — und legt mit seinem Amtsantritt den Grundstein für zweieinhalb Jahrzehnte russischer Politik.
Untergang der »Kursk«: Russlands U-Boot-Katastrophe

Es ist die größte Übung der russischen Nordflotte seit dem Ende der Sowjetunion: In der Barentssee nimmt das Atom-U-Boot »Kursk« (Projekt 949A, NATO-Codename Oscar II) an einem Manöver teil, als am Vormittag des 12. August zwei Explosionen an Bord die Katastrophe auslösen — die zweite, deutlich stärkere rund zwei Minuten nach der ersten. Alle 118 Besatzungsmitglieder kommen ums Leben; ein Teil der Männer überlebt zunächst in einer hinteren Sektion des gesunkenen Bootes und schlägt tagelang Klopfzeichen an die Bordwand, in der Hoffnung auf Rettung — Bilder und Berichte darüber gehen um die Welt und lösen weltweit Bestürzung aus. Präsident Putin, erst wenige Monate im Amt, bleibt zunächst in seinem Urlaubsort Sotschi und informiert die Öffentlichkeit tagelang nur spärlich; ausländische Hilfsangebote aus Norwegen und Großbritannien nimmt der Kreml erst am 17. August an. Norwegische und britische Taucher erreichen das Wrack am 21. August und finden keine Überlebenden mehr. Erst 2001 wird der Rumpf der Kursk in einer aufwendigen Bergungsaktion gehoben, um die Toten zu bergen und die Unglücksursache zu klären. Wie eine Untersuchungskommission 2002 feststellt, war ein defekter Übungstorpedo mit ausgelaufenem Wasserstoffperoxid-Treibstoff (HTP) die Ursache der ersten Explosion, die wiederum die Sprengköpfe weiterer Torpedos zur Detonation brachte. Die zögerliche, wochenlang intransparente Informationspolitik des Kreml unter dem gerade erst vereidigten Präsidenten sorgt international für scharfe Kritik und prägt von Beginn an das Bild seiner Amtsführung.
Concorde-Absturz bei Paris: Ende einer Ära

Air-France-Flug 4590 soll die 100 Passagiere, größtenteils deutsche Touristen auf dem Weg zu einer Karibik-Kreuzfahrt, sowie neun Besatzungsmitglieder von Paris nach New York bringen. Kurz nach dem Start vom Flughafen Charles de Gaulle überrollt die Concorde mit dem Kennzeichen F-BTSC auf der Startbahn ein von einer zuvor gestarteten Continental-DC-10 verlorenes Titan-Metallteil. Ein Reifen platzt, Trümmerstücke durchschlagen mit hoher Wucht den prall gefüllten Treibstofftank in der Tragfläche, der auslaufende Kerosin entzündet sich zu einer gewaltigen Stichflamme — die Piloten können die havarierte Maschine nicht mehr auf Höhe halten, sie stürzt Minuten später in ein Hotel im Ort Gonesse nahe des Flughafens. 113 Menschen sterben, alle 109 Insassen an Bord sowie vier Menschen am Boden. Es ist der einzige tödliche Unfall in der 27-jährigen Geschichte des Überschall-Passagierjets. Die gesamte verbliebene Concorde-Flotte wird daraufhin im August 2000 mit Startverbot belegt; erst nach umfangreichen technischen Nachrüstungen an Reifen und Tanks nimmt Air France im November 2001 den Linienverkehr wieder auf. Der wirtschaftliche Schaden des Unglücks trifft die ohnehin alternde Flotte jedoch so schwer, dass Air France und British Airways die Concorde bereits 2003 endgültig aus dem Dienst nehmen.
Bush gegen Gore: Amerikas Wahlkrimi endet vor Gericht

Am 7. November wählen die USA einen neuen Präsidenten — und tappen in der Wahlnacht in völliger Ungewissheit: George W. Bush liegt in Florida zunächst nur rund 1.800 Stimmen vor Al Gore, der seine bereits erklärte Wahlniederlage noch in derselben Nacht wieder zurückzieht, als sich der knappe Vorsprung abzeichnet. Weil der Abstand unter der gesetzlichen Marke von 0,5 Prozent liegt, schreibt das Wahlrecht Floridas eine automatische Neuauszählung vor; hinzu kommen manuelle Nachzählungen in mehreren Wahlbezirken, darunter Miami-Dade, Broward und Palm Beach County. Dort sorgt der verwirrende „Butterfly Ballot" dafür, dass zahlreiche Wählerstimmen umstritten bleiben — Wahlzettel mit nicht vollständig durchgestanzten Löchern (»hanging chads«) werden zum Symbol des wochenlangen Streits. Es folgen erbitterte Rechtsstreitigkeiten vor Gerichten in Florida und auf Bundesebene. Erst der US Supreme Court beendet am 12. Dezember mit seiner Entscheidung im Fall Bush v. Gore (5:4-Mehrheit) den Streit, indem er eine vom Obersten Gerichtshof Floridas angeordnete erneute Nachzählung stoppt — Bush gewinnt Florida amtlich mit nur 537 Stimmen Vorsprung, sichert sich damit die 25 Wahlmänner des Bundesstaats und mit 271 gegenüber 266 Wahlmännerstimmen die Präsidentschaft, obwohl Gore landesweit rund eine halbe Million Wählerstimmen mehr erhalten hatte. Am 13. Dezember erkennt Gore die Niederlage öffentlich an, und Bush zieht ins Weiße Haus ein.
Platzen der Dotcom-Blase: Ende des Börsenrausches

Am 10. März erreicht der amerikanische Technologieindex Nasdaq Composite mit 5.048,62 Punkten seinen historischen Höchststand — und beginnt noch am selben Tag zu fallen. Ausgelöst durch eine offiziell verkündete Rezession in Japan am 13. März und wachsende Zweifel an den Gewinnaussichten junger Internetfirmen, setzt ein Ausverkauf ein, der sich über die folgenden drei Jahre zu einem Kursverfall von rund 78 Prozent auswächst. Wer zum Höchststand in Technologiewerte investiert hatte, besaß bis März 2003 nur noch etwa ein Fünftel seines Einsatzes.
Auch der deutsche Neue Markt an der Frankfurter Börse, das Symbol der heimischen „New Economy", erreicht mit seinem Wachstumsindex Nemax 50 exakt am selben 10. März mit 9.666 Punkten seinen Gipfel, ehe der Absturz einsetzt: Bis Mitte Oktober hat sich der Index bereits mehr als halbiert. Im September meldet mit dem Berliner Internet-Provider Gigabell das erste Neue-Markt-Unternehmen Insolvenz an — der Auftakt einer langen Pleitewelle. Binnen zwei Jahren schmilzt der Börsenwert der dort notierten Firmen von rund 235 Milliarden auf unter 30 Milliarden Euro zusammen; 2003 wird der gescheiterte Neue Markt endgültig geschlossen.
Atomkonsens: Rot-Grün und Energiekonzerne besiegeln den Ausstieg

Nach stundenlangen, zähen Verhandlungen im Bonner Kanzleramt einigen sich Bundeskanzler Gerhard Schröder, Wirtschaftsminister Werner Müller und Umweltminister Jürgen Trittin am 14. Juni mit den Vorständen der großen Energiekonzerne RWE, Viag, Veba und EnBW auf den sogenannten Atomkonsens. Grundlage ist eine rechnerische Regellaufzeit von 32 Jahren je Reaktor: Für jedes der 19 deutschen Kernkraftwerke wird eine ab dem 1. Januar 2000 rückwirkend ermittelte Reststrommenge festgelegt, nach deren Verbrauch die jeweilige Anlage vom Netz gehen muss. Formell unterzeichnet wird die Vereinbarung erst ein Jahr später, am 11. Juni 2001; gesetzlich verankert wird der Ausstieg 2002 durch eine Novelle des Atomgesetzes.
Unmittelbare Folgen hat der Konsens auch für Schleswig-Holstein: Von den drei Meilern im Land — Brunsbüttel, Krümmel und Brokdorf — erhält das erst 1986 ans Netz gegangene Kraftwerk Brokdorf die größte Reststrommenge zugeteilt und darf nach den damaligen Berechnungen bis mindestens 2019 laufen. Erst der von der schwarz-gelben Bundesregierung 2011 nach der Fukushima-Katastrophe endgültig fixierte Ausstiegsbeschluss beendet die Atomstromproduktion an Elbe und Unterelbe tatsächlich — Brokdorf geht Ende 2021 als eines der letzten deutschen Kernkraftwerke vom Netz.
Computerwurm „ILOVEYOU" legt weltweit Rechner lahm

In der Nacht zum 4. Mai verschickt ein von Manila aus gestarteter E-Mail-Wurm binnen weniger Stunden Kopien von sich selbst rund um den Globus: Als vermeintlicher Liebesbrief getarnt, mit der Betreffzeile „ILOVEYOU" und dem Dateianhang „LOVE-LETTER-FOR-YOU.TXT.vbs", verleitet er Millionen Empfänger dazu, die Datei zu öffnen — und infiziert dabei binnen 24 Stunden schätzungsweise ein Zehntel aller ans Internet angeschlossenen Computer weltweit, insgesamt rund 45 Millionen Rechner. Konzerne wie Ford, AT&T und Microsoft ebenso wie Behörden — darunter das US-Verteidigungsministerium, die CIA und die Parlamente Dänemarks und Großbritanniens — müssen ihre E-Mail-Systeme zeitweise vollständig abschalten, um die Verbreitung zu stoppen. Der weltweite wirtschaftliche Schaden wird auf zehn bis fünfzehn Milliarden US-Dollar geschätzt.
Als Urheber identifizieren Ermittler rasch den philippinischen Studenten Onel de Guzman, der unter dem Pseudonym „Spyder" programmiert hatte. Da die Philippinen zum Tatzeitpunkt über kein Gesetz gegen das Schreiben von Schadsoftware verfügen, bleibt er straffrei — der Vorfall bringt den Inselstaat aber dazu, im Juli 2000 mit dem „E-Commerce-Gesetz" (Republic Act Nr. 8792) erstmals Computerkriminalität unter Strafe zu stellen.
Zweite Intifada: Nahost versinkt erneut in Gewalt

Am 28. September besucht der israelische Oppositionsführer Ariel Scharon, begleitet von rund tausend bewaffneten Polizisten, den Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt mit der Al-Aqsa-Moschee — für viele Palästinenser eine bewusste Provokation an einer der heiligsten Stätten des Islam. Bereits am folgenden Tag kommt es zu schweren Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften, die sich in den folgenden Tagen und Wochen zu einem blutigen, jahrelangen Aufstand ausweiten: der Zweiten Intifada (auch Al-Aqsa-Intifada genannt). Sie folgt auf den im Juli gescheiterten Nahost-Gipfel von Camp David zwischen Jassir Arafat, dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und US-Präsident Bill Clinton, bei dem eine Einigung über den endgültigen Status der palästinensischen Gebiete nicht erreicht worden war.
Anders als die erste Intifada Ende der 1980er Jahre, die überwiegend von Steinwürfen und zivilem Ungehorsam geprägt war, verschärft sich der neue Konflikt rasch: Selbstmordanschläge, israelische Militäroperationen und der spätere Bau der Sperranlagen im Westjordanland kosten in den folgenden Jahren mehrere tausend Menschen auf beiden Seiten das Leben. Erst im Februar 2005 einigen sich Scharon, inzwischen israelischer Ministerpräsident, und der neue palästinensische Präsident Mahmud Abbas bei einem Gipfeltreffen im ägyptischen Scharm El-Scheich auf einen Waffenstillstand.
Selbstmordanschlag auf den US-Zerstörer „USS Cole" im Jemen

Während der Lenkwaffenzerstörer USS Cole der US Navy im Hafen von Aden im Jemen zum routinemäßigen Auftanken liegt, nähert sich gegen 11:15 Uhr Ortszeit ein kleines Sprengstoffboot mit zwei Männern an Bord dem Kriegsschiff. Die Besatzung, von den Männern noch freundlich gegrüßt, erkennt die Gefahr nicht rechtzeitig: Das Boot detoniert seitlich am Rumpf und reißt ein rund zwölf mal zwölf Meter großes Loch in die Bordwand. 17 amerikanische Matrosinnen und Matrosen sterben, 39 weitere Besatzungsmitglieder werden verletzt, das schwer beschädigte Schiff muss mühsam zurück in die USA verschifft werden.
Die Ermittlungen des FBI ordnen den Anschlag rasch dem Terrornetzwerk al-Qaida unter Osama bin Laden zu; jemenitische Behörden nehmen noch im Jahr 2000 mehrere mutmaßliche Drahtzieher fest, darunter Jamal al-Badawi und Fahad al-Quso. Erst im Rückblick — nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA — wird der Angriff auf die „Cole" als einer der deutlichsten Vorboten der neuen, global agierenden Terrorgefahr durch al-Qaida erkannt, der westliche Geheimdienste im Herbst 2000 noch zu wenig Beachtung schenken.
AM RANDE NOTIERT
- Vom 1. Juni bis 31. Oktober zeigt Hannover im benachbarten Niedersachsen die Weltausstellung EXPO 2000 unter dem Motto „Mensch, Natur, Technik" — für viele Norddeutsche, auch aus Kiel und Schleswig-Holstein, ein Tagesausflugsziel.
- Zum 1. August tritt die von der Bundesregierung eingeführte deutsche »Green Card« in Kraft, mit der IT-Fachkräfte aus dem Ausland befristete Arbeitserlaubnisse erhalten — ein erster Schritt zur gezielten Anwerbung ausländischer Fachkräfte in der Bundesrepublik.
- Am 15. Februar unterzeichnet die Kieler Werft HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft) einen Vertrag über den Bau von drei U-Booten der Klasse 214 für die griechische Marine — ein millionenschwerer Exportauftrag, der Arbeitsplätze an der Förde sichert.
- Am 8. Juli zieht die Berliner Loveparade zum letzten Mal als genehmigte politische Demonstration durch die Stadt; erstmals seit Bestehen der Veranstaltung sinkt die Teilnehmerzahl gegenüber dem Vorjahresrekord, dennoch bleibt sie die größte Techno-Parade der Welt.
SPORT · 2000
Bei der Fußball-Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden scheidet die deutsche Nationalmannschaft als Titelverteidiger bereits in der Vorrunde der Gruppe A aus: Nach einem 1:1 gegen Rumänien (Ausgleich durch Mehmet Scholl) folgen Niederlagen gegen England (0:1) und Portugal, das mit einem Hattrick von Sérgio Conceição 3:0 gewinnt. Bundestrainer Erich Ribbeck tritt nach dem Turnier zurück — ein Debakel, das eine grundlegende Neuausrichtung des deutschen Fußballs anstößt und den Blick auf die Jugend- und Nachwuchsförderung lenkt. Europameister wird Frankreich im Finale gegen Italien. Getrost geht es dagegen bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney zu, die im September/Oktober als „glücklichste Spiele der Geschichte" gefeiert werden; die deutsche Mannschaft kehrt mit 13 Gold-, 17 Silber- und 26 Bronzemedaillen und Rang fünf im Medaillenspiegel zurück. Auch Kiel ist sportlich in aller Munde: Am 21. Mai sichert sich THW Kiel am letzten Bundesliga-Spieltag mit einer Bilanz von 52:16 Punkten die neunte Deutsche Handball-Meisterschaft der Vereinsgeschichte und gewinnt zudem zum dritten Mal in Folge den DHB-Pokal. Auf der Rennstrecke sichert sich Michael Schumacher, wie in den LICHTBLICKEN vermerkt, am 8. Oktober in Suzuka seinen ersten Ferrari-Weltmeistertitel — den ersten Fahrertitel für die Scuderia seit Jody Scheckter 1979.
MODE · 2000
Der Y2K-Look des Vorjahres erreicht seinen Höhepunkt: Metallic-Optik, tief sitzende Hosen und ein technoider Space-Age-Chic prägen die Straßenmode. Glänzende Synthetikstoffe, durchsichtige PVC-Accessoires und ein futuristisches Silber-Blau bestimmen das Straßenbild, befeuert von Popkultur und Musikvideos, in denen Girl- und Boygroups den schrillen Look vorleben. Bauchfreie Tops, Cargo-Hosen mit auffälligen Nähten und klobiges Schuhwerk gehören ebenso zum Bild wie kleine, eng am Körper anliegende Sonnenbrillen. Während der Jahrtausendwechsel-Chic noch dominiert, kündigt sich am Horizont bereits die Trucker-Cap als kommendes Accessoire der frühen Nullerjahre an.
KULTUR · 2000
Unter dem Motto „In Concert" verwandelt Holiday on Ice die Ostseehalle Kiel in dieser Saison in eine Bühne, auf der Livemusik und Eiskunstlauf zu einer einzigen großen Show verschmelzen. Solisten und Ensemble tanzen zu mitreißenden Arrangements über das Eis, während Lichtdesign und Kostüme die Halle an der Förde in ein Konzerterlebnis der besonderen Art verwandeln. Wie schon zu Dortmunder Zeiten bleibt der Winterbesuch der weltberühmten Revue auch in Kiel ein verlässliches Ritual der kalten Jahreszeit.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 2000
- Schumacher krönt sich zum ersten Ferrari-Weltmeister seit 1979 (8. Oktober, Suzuka). Michael Schumacher sichert der Scuderia den ersten Fahrertitel seit 21 Jahren — ein Motorsport-Triumph, der auch fernab der Rennstrecke mitgefiebert wird.
- Erste Rohsequenz des menschlichen Genoms vorgestellt (Juni). Am Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik ist maßgeblich an dem internationalen Human-Genom-Projekt mitgearbeitet worden — ein deutscher Beitrag zu einem Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte.
- THW Kiel holt die neunte Deutsche Handball-Meisterschaft (21. Mai). Am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 sichert sich der Verein von der Förde den Bundesliga-Titel — ein sportlicher Höhepunkt für die Handballfans an der Kieler Förde.
- Gao Xingjian erhält als erster Autor chinesischer Sprache den Literaturnobelpreis (12. Oktober). Die Schwedische Akademie würdigt sein Werk als sprachlich eigenwillig und von universeller Gültigkeit — ein historischer Moment für die chinesischsprachige Literatur.
DAS WETTER · 2000 in Kiel
An diesem 13. Juli war es an der Förde ein kühler Sommertag mit Regen: Höchstwert 17,4 °C, in der Nacht 8,6 °C, im Mittel 14,6 °C; 3,1 mm Regen fielen.
Das Jahr über: Im Mittel 9,8 °C — ein sehr mildes Jahr. Wärmster Tag 34,4 °C am 20. Juni, kältester −11,6 °C am 24. Januar. 4 Hitzetage (≥ 30 °C), 4 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 645 mm.
(Messwerte der Station Kiel-Holtenau; Sonnenscheindauer nicht durchgehend erfasst. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 2000
Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts.
- Anton aus Tirol — Anton feat. DJ Ötzi
- The Spirit Of The Hawk — Rednex
- Around The World (La La La La La) — ATC
- Mein Stern — Ayman
- Supergirl — Reamonn
- Freestyler — Bomfunk MC's
- She's Got That Light — Orange Blue
- Maria Maria — Santana feat. The Product G&B
- Bla Bla Bla — Gigi D'Agostino
- It's My Life — Bon Jovi
- I'm Outta Love — Anastacia
- Shalala Lala — Vengaboys
- Take My Heart — Band ohne Namen
- Never Be The Same Again — Melanie C feat. Lisa "Left Eye" Lopes
- Desert Rose — Sting feat. Cheb Mami
- I Turn To You — Melanie C
- Lucky — Britney Spears
- The Riddle — Gigi D'Agostino
- It Feels So Good — Sonique
- Oops!... I Did It Again — Britney Spears
Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (offiziellecharts.de / chartsurfer.de).