DER CHRONIST
Ein Jahr, in dem ein Sturm über die Förde fegt, ein schmales Telefon aus Kalifornien die Welt neu vermisst, ein Ostseebad zur Festung wird, die ersten Risse einer globalen Finanzkrise sichtbar werden — und Europa sich, nach dem Scheitern der Verfassung, in Lissabon einen neuen Vertrag gibt. An einer amerikanischen Universität endet ein Amoklauf in der bis dahin schwersten Massenerschießung der US-Geschichte. In London bilden sich vor den Filialen der Bank Northern Rock erstmals seit anderthalb Jahrhunderten wieder Schlangen verängstigter Sparer. In Birma ziehen buddhistische Mönche gegen die herrschende Militärjunta auf die Straße, während in Pakistan zum Jahresende die Ermordung der Oppositionsführerin Benazir Bhutto das Land ins Chaos stürzt. Und zwischen alldem kündigen Google und Amazon mit einer offenen Handy-Plattform und einem elektronischen Lesegerät bereits die nächste technische Zukunft an.
Orkan „Kyrill" legt Bahnverkehr in Kiel und Schleswig-Holstein lahm

Schon am 16. und 17. Januar bildet sich vor Neufundland ein Tiefdruckgebiet, das binnen weniger Tage über den Nordatlantik hinweg zu einem der schwersten Winterstürme Europas heranwächst. Über Irland und Großbritannien hinweg erreicht Orkantief „Kyrill" am Abend des 18. Januar mit Böen bis zu 225 km/h auch Deutschland — bundesweit sterben mindestens 13 Menschen, der volkswirtschaftliche Schaden beläuft sich auf rund 10 Milliarden Dollar, davon 5,5 Milliarden in Deutschland; in den Wäldern des Landes knickt und entwurzelt der Sturm mehrere zehn Millionen Bäume. Auch Schleswig-Holstein trifft der Sturm mit voller Wucht: Die Bahnstrecken Kiel–Lübeck und Kiel–Flensburg werden gesperrt, am Nachmittag stellt die Deutsche Bahn erstmals in der Nachkriegsgeschichte bundesweit den gesamten Zugverkehr ein. An der Ostseeküste treibt Kyrill das Wasser auf, im Kreis Rendsburg-Eckernförde wird am Abend Katastrophenalarm ausgelöst, in Eckernförde werden Teile der Altstadt vorsorglich geräumt, und in Maasholm an der Schlei bricht ein Deich. Weil der Sturm rascher als erwartet über die Ostsee hinweg Richtung Baltikum weiterzieht, bleibt der ganz große Flutschaden an der Kieler Förde am Ende aus. In Kiel bleiben Straßen von umgestürzten Bäumen blockiert, über eine Million Haushalte sind bundesweit zeitweise ohne Strom — ein Wintersturm, der Norddeutschland tagelang beschäftigt und zehn Jahre später vom Deutschen Wetterdienst noch als eines der prägenden Wetterereignisse der 2000er-Jahre gewürdigt wird.
Steve Jobs stellt das erste iPhone vor

Auf der Macworld-Messe in San Francisco präsentiert Apple-Chef Steve Jobs am 9. Januar das iPhone — „ein iPod, ein Telefon und ein Internet-Kommunikator", wie er es der raunenden Menge im Moscone Center verkündet, drei Geräte in einem, „und wir nennen es iPhone". Statt einer Tastatur bedient sich das Gerät allein über einen 3,5-Zoll-Bildschirm mit Multi-Touch-Technik; dazu kommen eine 2-Megapixel-Kamera und ein mobiler Webbrowser. Noch am selben Tag benennt sich der Konzern von „Apple Computer, Inc." in schlicht „Apple Inc." um — ein Signal, dass das Unternehmen sich künftig nicht mehr nur als Computerhersteller versteht. Nicht alle sind vom neuen Gerät sofort überzeugt: Microsoft-Chef Steve Ballmer lacht öffentlich über den hohen Preis und bezweifelt, dass das iPhone nennenswerte Marktanteile erobern werde. Am 29. Juni kommt es in den USA exklusiv über den Netzbetreiber AT&T (vormals Cingular) in den Handel, zum Preis von 499 US-Dollar für die 4-GB- und 599 Dollar für die 8-GB-Version; Kunden stehen stundenlang vor den Apple Stores Schlange, manche übernachten campierend auf dem Gehweg. Bereits im September senkt Apple den Preis der 8-GB-Version auf 399 Dollar und stellt das schwächer verkaufte 4-GB-Modell ganz ein. Bis November sind laut Apple bereits über 1,4 Millionen Geräte verkauft, das Time-Magazin kürt das Telefon zur „Erfindung des Jahres" 2007. Ein berührungsempfindlicher Bildschirm ohne Tastatur — für viele der Startschuss einer neuen Ära des mobilen Internets, die binnen weniger Jahre auch die Werftenstadt an der Förde erreichen wird.
G8-Gipfel in Heiligendamm: Gipfeltreffen und Großprotest an der Ostseeküste

Nur rund 150 Kilometer östlich der Kieler Förde, im mecklenburgischen Seebad Heiligendamm, tagen vom 6. bis 8. Juni unter dem Vorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Staats- und Regierungschefs der G8 — darunter US-Präsident George W. Bush, Russlands Präsident Wladimir Putin, der scheidende britische Premier Tony Blair und Frankreichs neuer Präsident Nicolas Sarkozy. Schon seit Januar 2007 wächst rund um das „Weiße Hotel" ein zwölf Kilometer langer, 2,50 Meter hoher Sicherheitszaun mit Stacheldraht, Kameras und Bewegungsmeldern, allein seine Errichtung kostet rund 12 Millionen Euro; die Gesamtkosten des Gipfels übersteigen am Ende hundert Millionen Euro. Rund 16.000 Polizisten und 1.100 Bundeswehrsoldaten sind im Einsatz — die größte Polizeioperation der deutschen Geschichte, wobei der Einsatz der Bundeswehr im Inneren verfassungsrechtlich umstritten bleibt. Bereits am 2. Juni demonstrieren in Rostock zwischen 25.000 und 80.000 Globalisierungskritiker, am Rande der Kundgebung kommt es zu den schwersten Straßenschlachten in der Bundesrepublik seit über zwanzig Jahren, mit rund 2.000 gewaltbereiten Autonomen gegen ein Polizeiaufgebot von etwa 18.000 Beamten. Inhaltlich ringen die Staatschefs um eine gemeinsame Formel zum Klimaschutz — am Ende einigt man sich lediglich darauf, Emissionsminderungen „ernsthaft in Erwägung zu ziehen", ohne verbindliche Zielmarken. Putin bringt überraschend ins Spiel, die von den USA in Osteuropa geplante Raketenabwehr stattdessen gemeinsam über die russisch gepachtete Radarstation Gabala in Aserbaidschan zu betreiben, ein Vorschlag, den Bush als „interessante Idee" bezeichnet, ohne dass daraus mehr wird. Ergänzt wird der Gipfel durch ein Dialogforum mit den großen Schwellenländern China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika — Beschlüsse mit Symbolkraft, aber wenig Verbindlichkeit.
Beginn der internationalen Finanzkrise: IKB und SachsenLB geraten ins Wanken

Am 30. Juli meldet die bis dahin kaum bekannte IKB Deutsche Industriebank aus Düsseldorf, von der Krise am amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkt „betroffen" zu sein — deutsche Institute hatten über Zweckgesellschaften wie die IKB-Tochter Rhineland Funding in großem Stil in Wertpapiere investiert, die auf minderwertigen US-Immobilienkrediten basierten und über komplexe Verbriefungen als vermeintlich sichere Anlagen gehandelt wurden. Die Rettung der IKB kostet die staatliche KfW-Bankengruppe als Mehrheitseigner rund zehn Milliarden Euro. Nur wenige Tage später, am 9. August, friert die französische Großbank BNP Paribas drei Investmentfonds mit einem Volumen von rund 2 Milliarden Euro ein, weil sich deren mit US-Hypotheken besicherte Papiere nicht mehr bewerten lassen — ein Datum, das viele Ökonomen rückblickend als den eigentlichen Ausbruch der globalen Finanzkrise bezeichnen. Banken leihen sich untereinander kein Geld mehr, die Geldmarktzinsen schnellen hoch, und die Europäische Zentralbank pumpt binnen weniger Tage zweistellige Milliardenbeträge an Notliquidität in das Bankensystem. Kurz darauf gerät auch die Sächsische Landesbank (SachsenLB) über ihre irische Zweckgesellschaft Ormond Quay in eine existenzbedrohende Liquiditätskrise und wird im Dezember nur durch eine Notveräußerung an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Sparkassen-Finanzgruppe gerettet. Was im Sommer 2007 als ferne amerikanische Immobilienkrise beginnt, erreicht damit erstmals unmittelbar deutsche Bankbilanzen — der Auftakt zur globalen Finanzkrise, die sich in den folgenden Jahren zur schwersten Wirtschaftskrise seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre ausweiten wird.
Vertrag von Lissabon unterzeichnet

Nach dem Scheitern der EU-Verfassung in französischen und niederländischen Referenden einigen sich die Staats- und Regierungschefs auf einem informellen Gipfel am 18./19. Oktober in Lissabon auf ein neues Vertragswerk. Anders als die gescheiterte Verfassung ersetzt es die bestehenden EU-Verträge nicht, sondern ändert sie — ein bewusst technischer erscheinendes „Reformvertrag", der jedoch inhaltlich vieles aus dem Verfassungsentwurf übernimmt. Am 13. Dezember unterzeichnen die Staats- und Regierungschefs aller 27 Mitgliedstaaten im Hieronymuskloster von Lissabon feierlich den Vertrag von Lissabon. Er schafft einen für zweieinhalb Jahre gewählten ständigen Ratspräsidenten anstelle der bisherigen halbjährlich wechselnden Präsidentschaft, bündelt die Außenpolitik in der neuen Doppelfunktion eines Hohen Vertreters, der zugleich Vizepräsident der Kommission ist, erklärt die Grundrechtecharta der EU für rechtsverbindlich und weitet die Mitentscheidung des Europäischen Parlaments auf die meisten Politikbereiche aus. Ab 2014 soll zudem im Rat eine „doppelte Mehrheit" gelten, für die 55 Prozent der Mitgliedstaaten und zugleich 65 Prozent der EU-Bevölkerung hinter einem Beschluss stehen müssen. In Kraft treten soll der Vertrag 2009, doch schon jetzt ist absehbar, dass die Ratifizierung in 27 Mitgliedstaaten kein Selbstläufer wird — insbesondere Irland, das als einziges Land ein Referendum abhalten muss, gilt als Unsicherheitsfaktor.
Amoklauf an der Virginia Tech: 32 Tote bei der bis dahin schwersten Massenerschießung der US-Geschichte

Am Morgen des 16. April erschießt der 23-jährige Student Seung-Hui Cho auf dem Campus der Virginia Polytechnic Institute and State University (Virginia Tech) im US-Bundesstaat Virginia zunächst zwei Menschen im Wohnheim West Ambler Johnston Hall. Rund zwei Stunden später kettet er die Haupteingänge des Lehrgebäudes Norris Hall von innen zu und eröffnet in vier Hörsälen sowie einem Treppenhaus das Feuer auf Studierende und Lehrende, bevor er sich selbst erschießt. Insgesamt sterben 32 Menschen, 17 weitere werden verletzt — zum Zeitpunkt der Tat die schwerste Massenerschießung in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Ermittlungen fördern zutage, dass Cho, ein aus Südkorea stammender Einwanderer, bereits Jahre zuvor psychiatrisch auffällig geworden war und ihm ein Gericht 2005 eine ernste psychische Erkrankung attestiert hatte, ohne dass dies seinen späteren, legalen Kauf zweier Halbautomatikpistolen verhindert hätte. Die Tat löst in den USA eine landesweite Debatte über Waffenrecht, den Umgang mit psychisch kranken Menschen und die Sicherheit an Universitätscampus aus — Konsequenzen, die weit über Virginia hinaus auch die Diskussion in Europa über Amokprävention an Schulen und Hochschulen prägen.
Bankensturm auf Northern Rock: Erster britischer „Bank Run" seit anderthalb Jahrhunderten

Vor Filialen der britischen Hypothekenbank Northern Rock bilden sich am 14. September lange Schlangen verängstigter Sparer, die ihr Geld abheben wollen — der erste offene Ansturm auf eine britische Bank seit rund 150 Jahren. Das im nordenglischen Newcastle ansässige Institut hatte sein rasantes Wachstum überwiegend nicht über klassische Spareinlagen, sondern über kurzfristige Kredite am internationalen Geldmarkt finanziert; als sich dieser infolge der US-Immobilienkrise im August 2007 praktisch verschließt, gerät Northern Rock in eine akute Liquiditätsnot. Am 13. September wird bekannt, dass die Bank die Bank of England um eine Notfall-Kreditlinie als „Kreditgeber letzter Instanz" ersucht hat — die Nachricht löst tags darauf Panik unter den Kunden aus, Fernsehbilder von wartenden Schlangen vor den Filialen gehen um die Welt. Erst eine öffentliche Garantie der britischen Regierung für alle Einlagen beruhigt die Lage. Da sich kein privater Käufer findet, verstaatlicht die Regierung von Premierminister Gordon Brown die Bank im Februar 2008 schließlich vollständig. Ökonomen gilt der Fall Northern Rock rückblickend als erstes sichtbares Warnsignal der beginnenden globalen Finanzkrise auf europäischem Boden.
Safran-Revolution: Buddhistische Mönche stellen sich in Birma gegen die Militärjunta

Nachdem die Militärregierung Birmas (Myanmar) Mitte August die staatlichen Treibstoffsubventionen streicht und die Preise vielerorts um bis zu 500 Prozent steigen lässt, formiert sich zunächst stiller, dann wachsender Protest. Am 5. September demonstrieren rund 600 buddhistische Mönche in der Stadt Pakokku gegen die Verarmung der Bevölkerung; als Sicherheitskräfte gegen sie vorgehen, wächst die Bewegung zu landesweiten Massenprotesten. Am 24. September ziehen in der früheren Hauptstadt Rangun (Yangon) rund 100.000 Menschen hinter Reihen orangerot gewandeter Mönche durch die Straßen — internationale Medien prägen dafür den Begriff „Safran-Revolution". Sie fordern nationale Versöhnung und die Freilassung der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Am 26. und 27. September schlägt die Junta die Proteste blutig nieder: Soldaten schießen mit automatischen Waffen in die Menge, mutmaßlich mehrere Dutzend Menschen sterben, mehr als 3.000 werden verhaftet, unter ihnen zahlreiche Mönche. Das international abgeschottete Birma lässt kaum unabhängige Berichterstattung zu, doch von Bürgern heimlich gefilmte Bilder der Proteste und der Gewalt gelangen dennoch in die Weltöffentlichkeit und rücken das Schicksal des südostasiatischen Landes für Monate in den Fokus internationaler Diplomatie.
Ermordung von Benazir Bhutto erschüttert Pakistan wenige Wochen vor der Wahl

Auf dem Rückweg von einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei Pakistan Peoples Party (PPP) in Rawalpindi wird die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto am Abend des 27. Dezember Opfer eines Attentats: Ein Angreifer feuert Schüsse auf ihr gepanzertes Fahrzeug, unmittelbar danach zündet ein Selbstmordattentäter einen Sprengsatz, der mehr als 20 Menschen tötet und über hundert weitere verletzt. Bhutto selbst erliegt kurz darauf ihren Verletzungen; die genaue Todesursache — Kopfverletzungen durch die Druckwelle der Explosion oder Schussverletzungen — bleibt international umstritten, spätere Ermittlungen von Scotland Yard stützen die Explosionsthese. Bhutto war im Oktober nach achtjährigem Exil nach Pakistan zurückgekehrt, um bei den für Januar 2008 angesetzten Parlamentswahlen erneut anzutreten, nachdem sie bereits selbst ein Attentat auf ihre Rückkehrfeier in Karatschi mit rund 140 Toten überlebt hatte. Nach ihrem Tod kommt es in weiten Teilen Pakistans zu tagelangen gewaltsamen Unruhen, Anhänger errichten Straßensperren und liefern sich Zusammenstöße mit der Polizei; die Regierung verschiebt die Wahlen um mehrere Wochen. Die pakistanische Regierung und später auch die Taliban-Bewegung geraten in der Folge unter Verdacht, für das Attentat verantwortlich zu sein.
Google kündigt mit Android eine offene Plattform für Mobiltelefone an

Am 5. November stellt der US-Konzern Google gemeinsam mit 33 weiteren Technologie- und Mobilfunkunternehmen — darunter T-Mobile, HTC, Qualcomm und Motorola — die Gründung der Open Handset Alliance vor und kündigt darüber das offene, kostenlose Betriebssystem Android für Mobiltelefone an. Anders als bei den bis dahin dominierenden, herstellergebundenen Handy-Betriebssystemen sollen Hersteller und Entwickler Android frei anpassen und mit eigenen Anwendungen bestücken können, was nach Darstellung der Allianz Entwicklung und Vertrieb mobiler Geräte spürbar verbilligen soll. Erste Smartphones mit dem neuen System werden für die zweite Jahreshälfte 2008 in Aussicht gestellt. Die Ankündigung gilt Branchenbeobachtern als direkter Gegenzug zu Apples wenige Monate zuvor vorgestelltem iPhone und zur Marktmacht von Nokia und Microsoft im Mobilfunkgeschäft — der Auftakt zu einer Konkurrenz zweier Smartphone-Plattformen, die in den folgenden Jahren den Massenmarkt für internetfähige Mobiltelefone weltweit prägen wird.
Amazon bringt mit dem Kindle den ersten breit vermarkteten E-Book-Reader auf den Markt

In New York stellt Amazon-Gründer Jeff Bezos am 19. November nach mehrjähriger Entwicklung den Kindle vor, ein tragbares Lesegerät mit elektronischem Papierbildschirm, das Bücher, Zeitungen und Blogs drahtlos über das eigene Mobilfunknetz herunterlädt — ganz ohne Computer oder WLAN-Anschluss. Zum Marktstart stehen bereits mehr als 90.000 Titel im „Kindle Store" bereit, aktuelle Bestseller kosten pauschal 9,99 US-Dollar, das Gerät selbst 399 Dollar. Die erste Auflage ist binnen fünfeinhalb Stunden ausverkauft, Nachschub lässt monatelang auf sich warten. Bezos beschreibt als Designziel, dass die Technik beim Lesen „verschwinden" solle, damit sich Nutzer ganz auf den Text konzentrieren könnten. Zusammen mit Apples iPhone und Googles kurz zuvor angekündigtem Android markiert der Kindle 2007 rückblickend einen Wendepunkt: Innerhalb weniger Monate treten gleich drei Geräte an, die in den folgenden Jahren die Art verändern, wie Menschen lesen, telefonieren und im Internet unterwegs sind.
Bürgerschaftswahl in Bremen: SPD bleibt stärkste Kraft, Die Linke erstmals in ein westdeutsches Landesparlament gewählt

Bei der einzigen Landtagswahl des Jahres bleibt die SPD in der kleinsten Freien Hansestadt stärkste Kraft, verliert aber deutlich: 36,7 Prozent für die Sozialdemokraten, 25,6 Prozent für die CDU, die ebenfalls einbüßt. Die Grünen erreichen mit 16,5 Prozent ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt, die FDP kommt auf 6,0 Prozent. Die Wahlbeteiligung sinkt auf 57,5 Prozent — den niedrigsten Stand in der Geschichte der Bremischen Bürgerschaft. Der seit 2005 amtierende Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) führt seine Partei in eine neue rot-grüne Koalition und wird am 29. Juni von der Bürgerschaft im Amt bestätigt.
Für Aufsehen sorgt vor allem ein anderes Ergebnis: Mit 8,4 Prozent zieht Die Linke erstmals in ein westdeutsches Landesparlament ein. In der Bürgerschaft, in der bislang nur Parteien aus dem etablierten westdeutschen Spektrum saßen, hält damit eine Partei Einzug, die im Osten der Republik längst zum politischen Alltag gehört. Beobachter werten das Ergebnis als Signal, dass sich die Fünfparteienkonstellation aus dem Bundestag auch westlich der Elbe durchsetzen könnte.
AM RANDE NOTIERT
- Am 1. Januar treten Rumänien und Bulgarien der EU bei — die Union wächst auf 27 Mitgliedstaaten und rund 30 Millionen weitere Bürger.
- In mehreren Bundesländern und im Bundestagsgesetz treten 2007 Nichtraucherschutzgesetze in Kraft, die das Rauchen in Restaurants, Kneipen und öffentlichen Gebäuden einschränken.
- Der Weltklimarat IPCC und Al Gore erhalten im Oktober den Friedensnobelpreis, verliehen am 10. Dezember in Oslo, für ihre Aufklärungsarbeit zum Klimawandel.
- Am 21. Juli erscheint weltweit der letzte Band der Reihe, „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes", gefeiert mit Mitternachtsverkaufspartys in Buchhandlungen rund um den Globus.
- Ab November legt die Lokführergewerkschaft GDL mit einer Serie von Streiks erstmals in ihrer Geschichte den bundesweiten Zug- und Güterverkehr über mehrere Tage lahm — Auftakt eines harten Tarifstreits um einen eigenständigen Lokführertarifvertrag.
- Ende Juni feiert Kiel wieder sein traditionelles Sommer- und Segelfest, die Kieler Woche, mit hunderten Regatten auf der Förde und einem bunten Fest an Land — für viele der Höhepunkt des maritimen Jahres.
SPORT · 2007
Die deutsche Fußball-Frauennationalmannschaft schreibt bei der Weltmeisterschaft vom 10. bis 30. September in China Geschichte: Im WM-Finale im Hongkou-Stadion von Shanghai bezwingt das Team um Kapitänin Birgit Prinz Gastgeber-Angstgegner Brasilien mit 2:0 und verteidigt seinen Titel von 2003. Prinz erzielt in der 52. Minute die Führung, Simone Laudehr setzt in der 86. Minute den Schlusspunkt. Dazwischen pariert Torhüterin Nadine Angerer in der 64. Minute einen Foulelfmeter der brasilianischen Superstar-Stürmerin Marta, die trotz der Finalniederlage mit sieben Turniertoren zur besten Spielerin des Turniers gekürt wird. Für Angerer ist es der Schlusspunkt eines Turniers ohne ein einziges Gegentor im gesamten Wettbewerb — eine bis heute einzigartige Leistung im Weltfußball, die ihr die Auszeichnung als beste Torhüterin der WM einbringt.
MODE · 2007
Der ungeschliffene „Indie-Sleaze"-Look — Röhrenjeans, Bandshirts, bewusst unaufgeräumte Frisuren — erobert von den Musikblogs aus die Straße, während American-Apparel-Basics zum Symbol einer betont lässigen Ästhetik werden. Wurzeln hat die Ästhetik in der New Yorker Post-Punk-Szene um Bands wie The Strokes, Yeah Yeah Yeahs und Interpol, deren Bühnenlook sich unübersehbar bei den Sechziger- und Siebziger-Vorbildern ihrer Musik bediente. Prägend für die enge, dunkle Silhouette der Männermode ist der französische Designer Hedi Slimane, der zwischen 2001 und 2007 vierzehn Kollektionen für Dior Homme entwirft und Röhrenjeans, schmale Anzüge und Bandshirt-Ästhetik auf den Laufsteg bringt. Auf der Straße dokumentieren Blogger wie The Cobrasnake mit grellem Blitzlicht die durchtanzten Partynächte einer Szene, die sich zwischen Zigarettenrauch, Neonfarben und zerrissenen Strumpfhosen bewegt — ein roher, unaufgeräumter Gegenentwurf zur geglätteten Prominenten-Mode der Jahre zuvor.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 2007
- Deutsches Doppel beim Nobelpreis (Oktober). Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich wird zusammen mit Albert Fert für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands (GMR) mit dem Physik-Nobelpreis geehrt — Grundlage moderner Festplatten und der Spintronik.
- Auszeichnung für die Oberflächenchemie. Gerhard Ertl vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin erhält im Oktober den Chemie-Nobelpreis für die Begründung der modernen Oberflächenchemie.
- THW Kiel holt die Champions-League-Krone (22. April). Die Handballer des THW Kiel gewinnen das Finale der EHF Champions League gegen BM Ciudad Real und krönen sich zum Handball-Champion Europas — ein Triumph, der an der Förde tagelang gefeiert wird.
- Oscar für „Das Leben der Anderen" (25. Februar). Florian Henckel von Donnersmarcks Drama über die Stasi-Überwachung in der DDR gewinnt den Oscar als bester fremdsprachiger Film — der erste deutsche Gewinn in dieser Kategorie seit fast drei Jahrzehnten.
DAS WETTER · 2007 in Kiel
An diesem 13. Juli war es an der Förde ein milder Sommertag: Höchstwert 22,1 °C, in der Nacht 13,2 °C, im Mittel 17,5 °C; kein Tropfen Regen fiel.
Das Jahr über: Im Mittel 10,0 °C — ein sehr mildes Jahr mit fast frostfreiem Winter. Wärmster Tag 29,9 °C am 14. Juli, kältester −7,0 °C am 24. Januar. 0 Hitzetage (≥ 30 °C), nur 1 Eistag (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 885 mm — das Orkanjahr Kyrill.
(Messwerte der Station Kiel-Holtenau; Sonnenscheindauer nicht durchgehend erfasst. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 2007
Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts.
- Ein Stern (... Der Deinen Namen Trägt) — DJ Ötzi & Nik P.
- Summer Wine — Ville Valo & Natalia Avelon
- Fairytale Gone Bad — Sunrise Avenue
- Vom Selben Stern — Ich + Ich
- Say It Right — Nelly Furtado
- Umbrella — Rihanna feat. Jay-Z
- Just Hold Me — Maria Mena
- Dear Mr. President — P!nk feat. Indigo Girls
- All Good Things (Come To An End) — Nelly Furtado
- Vayamos Compañeros — Marquess
- The Way I Are — Timbaland feat. Keri Hilson
- For You — The Disco Boys feat. Manfred Mann's Earth Band
- Boten Anna — Basshunter
- Ruby — Kaiser Chiefs
- Give It To Me — Timbaland feat. Nelly Furtado & Justin Timberlake
- Little Wonders — Rob Thomas
- Das Beste — Silbermond
- Grace Kelly — Mika
- Einfach Sein — Die Fantastischen Vier
- Wenn Nicht Jetzt, Wann Dann? — Höhner
Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (offiziellecharts.de / chartsurfer.de).