DER CHRONIST
Ein Jahr der Erschütterungen und Erleichterungen: Politische Ämter wechseln die Hände, ein Teilchen aus der Theorie wird zur Gewissheit, und über Europas Schuldenbergen genügen am Ende drei Worte, um die Märkte zu beruhigen. Schon die ersten Januartage bringen mit dem Kentern der „Costa Concordia" vor Giglio eine Schiffskatastrophe, die um die Welt geht, im Sommer und Herbst folgen ein Attentat auf eine pakistanische Schülerin, ein Sturm, der New York flutet, und ein Machtwechsel an der Spitze Chinas. In Athen wählt Griechenland sich mitten in der Euro-Krise eine neue Regierung, und zum Jahresende erschüttert ein Amoklauf an einer Grundschule in Connecticut die Vereinigten Staaten. Zwischen alldem liegen die Erleichterung über ein neues Staatsoberhaupt in Berlin, der Jubel über Gold in London — und, ganz am Ende, die Gewissheit, dass ein jahrzehntealtes Teilchen tatsächlich existiert.
Küstenkoalition: Torsten Albig wird Ministerpräsident in Kiel

Vorausgegangen war ein handfester Verfassungsstreit: Bereits am 30. August 2010 hatte das Landesverfassungsgericht in Schleswig das geltende Landeswahlrecht für verfassungswidrig erklärt, weil Überhang- und Ausgleichsmandate die im Landesverfassungsrecht festgelegte Sitzzahl hätten sprengen können. Die Neuregelung musste bis Ende Mai 2011 stehen, eine Neuwahl bis spätestens 30. September 2012 folgen — Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) kündigte daraufhin bereits im Herbst 2010 an, nicht erneut zu kandidieren.
Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai 2012, zu der 60,2 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gehen, liegen CDU (30,8 Prozent, 22 Sitze) und SPD (30,4 Prozent, 22 Sitze) nahezu gleichauf; die Grünen kommen auf 13,2 Prozent (10 Sitze), die neu in den Landtag einziehende Piratenpartei auf 8,2 Prozent (6 Sitze), die FDP stürzt auf 8,2 Prozent (6 Sitze) ab, der SSW erreicht 4,6 Prozent (3 Sitze). Der bisherige Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) löst damit die CDU-FDP-Regierung ab. Aus der Wahl geht ein Bündnis aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und SSW hervor, das rasch den Namen „Küstenkoalition" trägt — auch spöttisch „Dänen-Ampel" genannt, weil mit dem SSW erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte eine Partei einer nationalen Minderheit an einer Landesregierung beteiligt ist. Im Landtag wählen die Abgeordneten Albig mit 37 von 69 Stimmen zum Ministerpräsidenten; am 12. Juni wird sein Kabinett vereidigt. Mit Anke Spoorendonk übernimmt erstmals seit Bestehen des SSW seit 1948 eine Politikerin der dänischen Minderheit ein Ministeramt — als Justiz-, Kultur- und Europaministerin. Für die Landeshauptstadt an der Förde bedeutet das eine doppelte Zäsur: Der neue Regierungschef kommt direkt aus dem Rathaus am Kleinen Kiel, und die Küstenkoalition regiert von nun an von Kiel aus das ganze Land zwischen den Meeren.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Berlin, 18. März — Nach dem Rücktritt Christian Wulffs am 17. Februar wählt die 15. Bundesversammlung im Reichstagsgebäude bereits im ersten Wahlgang Joachim Gauck (parteilos) mit 991 von 1.228 gültigen Stimmen zum neuen Bundespräsidenten; die von der Linkspartei nominierte Publizistin Beate Klarsfeld kommt auf 126 Stimmen.
- Saarland, 25. März — CDU 35,2 %, SPD 30,6 %, Beteiligung 61,6 %. Nach dem Bruch der bundesweit ersten Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen im Januar bildet Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer eine große Koalition mit der SPD.
- Nordrhein-Westfalen, 13. Mai — SPD 39,1 %, CDU 26,3 %, Beteiligung 59,6 %. Nach dem Scheitern ihres Haushalts im Landtag im März gewinnt Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit SPD und Grünen die absolute Mehrheit.
„Whatever it takes": Draghi stoppt die Panik der Euro-Krise

Auf dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise, als die Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen ins Bodenlose zu fallen drohen und ein Auseinanderbrechen der Eurozone im Raum steht, tritt EZB-Präsident Mario Draghi in London vor Investoren. Nur Tage zuvor war die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen auf über 7 Prozent geklettert, der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen auf mehr als 600 Basispunkte — beides Rekordwerte seit Einführung des Euro. Die spanische Region Valencia hatte gerade um Nothilfe gebeten, die Euro-Finanzminister zuvor bis zu 100 Milliarden Euro Hilfe für spanische Banken zugesagt, doch die Flucht der Investoren aus spanischen Anleihen ging weiter. In dieser Lage sagt Draghi auf der Global Investment Conference den Satz, der als Wendepunkt der Krise gilt: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough." Wenige Wochen später, am 6. September, konkretisiert die EZB die Ankündigung mit dem Programm OMT (Outright Monetary Transactions) — dem potenziell unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder am Sekundärmarkt. Allein die Ankündigung genügt: Die Risikoaufschläge auf europäische Staatsanleihen sinken in der zweiten Jahreshälfte deutlich, die Spekulation gegen den Euro verstummt — drei Worte einer einzigen Rede verändern den Kurs der europäischen Geldpolitik.
CERN weist das Higgs-Boson nach

Im Genfer Forschungszentrum CERN verkünden die Sprecher der Experimente ATLAS und CMS, Fabiola Gianotti und Joe Incandela, in einem Seminar — als Vorbote der Teilchenphysik-Konferenz ICHEP in Melbourne — den Nachweis eines neuen Teilchens, das „konsistent mit dem Higgs-Boson" ist — jenem Elementarteilchen, das seit 1964 als theoretisches Bindeglied der Massenentstehung im Standardmodell der Physik gilt. Beide Experimente melden unabhängig voneinander ein neues Teilchen bei einer Masse von rund 125 bis 126 Gigaelektronvolt; ATLAS beziffert die statistische Signifikanz auf 5 Sigma — eine Wahrscheinlichkeit von nur eins zu drei Millionen, dass es sich um eine zufällige Schwankung handelt. Möglich wird der Fund erst durch den weltgrößten Teilchenbeschleuniger, den Large Hadron Collider (LHC), der seit 2008 unter der schweizerisch-französischen Grenze Protonen nahezu mit Lichtgeschwindigkeit kollidieren lässt. Unter den Zuhörern im Hauptauditorium sitzt der mittlerweile 83-jährige Physiker Peter Higgs, der das nach ihm benannte Teilchen bereits 1964 vorhergesagt hatte und dem bei der Nachricht Tränen in die Augen treten. Ein Jahr später wird ihm gemeinsam mit dem belgischen Physiker François Englert — der die Theorie zeitgleich, aber unabhängig mit dem 2011 verstorbenen Robert Brout entwickelt hatte — der Physik-Nobelpreis zuerkannt.
Nach Wulffs Rücktritt: Joachim Gauck wird Bundespräsident

Monatelang hatte die sogenannte Wulff-Affäre die Republik beschäftigt: Zunächst ging es um einen günstigen Privatkredit für den Hausbau, den Wulff im niedersächsischen Landtag falsch beantwortet hatte, dann um seinen Drohanruf beim „Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, mit dem er die Veröffentlichung der Kredit-Geschichte verhindern wollte, schließlich um einen vom Filmproduzenten David Groenewold finanzierten Sylt-Urlaub und eine Landesbürgschaft für dessen Firma. Unter dem Druck von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Verdachts der Vorteilsannahme erklärt Bundespräsident Christian Wulff am 17. Februar seinen Rücktritt — nach nur eineinhalb Jahren im Amt (er selbst wird 2014 vom Vorwurf freigesprochen). Bereits zwei Tage später einigen sich die Bundestagsfraktionen von Union, FDP, SPD und Grünen — mit Ausnahme der Linken — auf den Bürgerrechtler und ehemaligen Stasi-Unterlagen-Beauftragten Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten, der bereits 2010 bei der Wahl Wulffs unterlegen war. Am 18. März wählt ihn die 15. Bundesversammlung im Berliner Reichstagsgebäude bereits im ersten Wahlgang zum neuen Staatsoberhaupt der Bundesrepublik: Gauck erhält 991 der 1.228 gültigen Stimmen, die Linken-Kandidatin Beate Klarsfeld kommt auf 126, der NPD-Bewerber Olaf Rose auf drei Stimmen; 108 Delegierte enthalten sich.
Olympische Sommerspiele eröffnen in London

Mit der rund vierstündigen, etwa 27 Millionen Pfund teuren Zeremonie „The Isles of Wonder" unter der Regie von Oscar-Preisträger Danny Boyle, inspiriert von Shakespeares „Sturm" und einem Aphorismus G. K. Chestertons, eröffnet Königin Elisabeth II. im Olympiastadion die XXX. Olympischen Sommerspiele. Die Show erzählt britische Geschichte von der Industriellen Revolution bis zum Gesundheitsdienst NHS und gipfelt in einem gefilmten Sketch, in dem die Queen scheinbar gemeinsam mit James Bond (Daniel Craig) per Fallschirm im Stadion landet — gespielt von einer Stuntfrau. Sieben britische Nachwuchsathleten entzünden gemeinsam die olympische Flamme, deren Fackel zuvor unter anderem David Beckham durch das Land getragen hatte. Bis zum 12. August liefern sich die Nationen der Welt sportliche Wettkämpfe; Gastgeber Großbritannien gewinnt 29-mal Gold, 17-mal Silber und 19-mal Bronze und landet mit 65 Medaillen auf Platz drei der Nationenwertung — die beste britische Bilanz seit den Spielen von 1908 und ein nationales Fest der Heimspiele.
Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia" havariert vor Giglio

Vor der toskanischen Insel Giglio läuft das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia mit rund 3.200 Passagieren und mehr als 1.000 Besatzungsmitgliedern an Bord auf ein Felsriff auf, nachdem Kapitän Francesco Schettino das Schiff für eine Vorbeifahrt nah an die Küste gesteuert hatte. Der Aufprall reißt ein rund 53 Meter langes Leck in die Bordwand; das Schiff läuft voll Wasser, kentert und legt sich schließlich auf die Seite im Flachwasser vor der Insel. Bei der chaotischen Evakuierung in der Nacht sterben 32 Menschen.
Schettino verlässt das sinkende Schiff, während noch hunderte Passagiere an Bord sind, und weigert sich trotz wiederholter Aufforderung des Hafenkapitäns Gregorio De Falco zurückzukehren — der Mitschnitt des Funkgesprächs geht um die Welt. 2015 wird Schettino wegen fahrlässiger Tötung, Verursachung des Schiffsunglücks und Verlassens des Schiffs zu 16 Jahren Haft verurteilt. Das Wrack wird erst zweieinhalb Jahre später in einer der aufwendigsten Bergungsaktionen der Seefahrtsgeschichte aufgerichtet und zur Verschrottung nach Genua abtransportiert.
Griechenland wählt: Antonis Samaras wird Ministerpräsident

Nachdem die Parlamentswahl vom 6. Mai keine regierungsfähige Mehrheit hervorgebracht hatte, wählt Griechenland am 17. Juni erneut ein Parlament — inmitten der Debatte über einen möglichen Austritt des Landes aus der Eurozone, den Beobachter längst „Grexit" nennen. Die konservative Nea Dimokratia unter Antonis Samaras geht mit 29,7 Prozent der Stimmen knapp vor dem Linksbündnis Syriza unter Alexis Tsipras, das die Sparauflagen der internationalen Geldgeber ablehnt, als stärkste Kraft hervor.
Drei Tage später einigen sich Nea Dimokratia, die sozialdemokratische Pasok und die kleinere Demokratische Linke auf eine Koalition; Samaras wird am 20. Juni als Ministerpräsident vereidigt. Seine Regierung hält an den mit EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds vereinbarten Sparprogrammen fest, verhandelt aber über eine Streckung der Fristen. Die Wahl gilt vielen als vorläufige Entscheidung gegen einen unmittelbaren Euro-Austritt Griechenlands — und fügt sich in ein Jahr, in dem wenig später, in Frankfurt, EZB-Chef Mario Draghi mit seinem „Whatever it takes" die Märkte endgültig beruhigt.
Attentat auf Malala Yousafzai

In der pakistanischen Stadt Mingora im Swat-Tal steigt die 15-jährige Malala Yousafzai in ihren Schulbus, als ein bewaffneter Mann nach ihr fragt und ihr aus nächster Nähe in den Kopf schießt; zwei Mitschülerinnen werden ebenfalls verletzt. Die pakistanischen Taliban (Tehreek-e-Taliban Pakistan) bekennen sich zu dem Anschlag und begründen ihn damit, dass Malala sich seit Jahren öffentlich — zuletzt unter eigenem Namen — für das Recht von Mädchen auf Bildung eingesetzt und die Gewaltherrschaft der Taliban im Swat-Tal in einem Blog für die BBC dokumentiert hatte.
Malala wird zunächst in ein pakistanisches Militärkrankenhaus, wenige Tage später zur weiteren Behandlung nach Birmingham in England ausgeflogen, wo sie nach zehn Tagen aus dem künstlichen Koma erwacht und überlebt. Der Anschlag löst weltweite Solidaritätsbekundungen aus und macht die junge Aktivistin über Nacht zu einem globalen Symbol für das Recht auf Bildung.
Hurrikan „Sandy" verwüstet die US-Ostküste

Als einer der größten je gemessenen Atlantik-Wirbelstürme trifft Hurrikan Sandy — in den Medien bald „Superstorm Sandy" genannt — nach verheerenden Vorläuferschäden in der Karibik am 29. Oktober auf die Ostküste der USA und verschmilzt dort mit einem Kaltlufteinbruch zu einem gewaltigen Sturm mit einem rund 1.800 Kilometer breiten Wolkenfeld. Eine Sturmflut überflutet Teile von New York City: U-Bahn-Tunnel und Straßen in Lower Manhattan stehen unter Wasser, weite Teile der Metropole und angrenzender Bundesstaaten sind zeitweise ohne Strom.
Insgesamt sterben in den USA mindestens 159 Menschen, weitere kommen zuvor in der Karibik ums Leben; der Sachschaden allein in den USA wird auf rund 65 Milliarden US-Dollar geschätzt, was Sandy zu einem der teuersten Stürme der amerikanischen Geschichte macht. Nur wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl unterbricht die Katastrophe den Wahlkampf; Präsident Barack Obama und der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, besichtigen gemeinsam die Schäden — ein Bild, das vielerorts als Wendepunkt im knappen Rennen um das Weiße Haus gilt.
Xi Jinping wird Parteichef Chinas

Auf der ersten Plenarsitzung des neu gewählten Zentralkomitees, unmittelbar im Anschluss an den 18. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas in Peking, wählen die Delegierten Xi Jinping zum neuen Generalsekretär der KP und Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission. Er löst damit Hu Jintao ab, der nach zehn Jahren an der Parteispitze zurücktritt und diesmal — anders als sein Vorgänger Jiang Zemin 2002 — auch das Amt des Militärkommissionsvorsitzenden sofort abgibt.
Xi, zuvor Vizepräsident sowie Parteisekretär von Shanghai, gilt als Kompromisskandidat zwischen den Machtfraktionen der Partei. Der Machtwechsel vollzieht sich vor dem Hintergrund des Skandals um den einstigen Politbüro-Anwärter Bo Xilai, der im Frühjahr wegen Korruption und der Verwicklung seiner Frau in den Mord an einem britischen Geschäftsmann gestürzt worden war. Im März 2013 wird Xi zusätzlich vom Nationalen Volkskongress zum Staatspräsidenten gewählt und übernimmt damit alle drei Spitzenämter des chinesischen Machtapparats.
Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown

Im US-Bundesstaat Connecticut erschießt der 20-jährige Adam Lanza am Morgen zunächst seine Mutter in deren gemeinsamem Zuhause, fährt anschließend mit ihrem Wagen zur Sandy Hook Elementary School in Newtown und verschafft sich mit einem halbautomatischen Gewehr Zugang durch eine verglaste Eingangstür. Innerhalb weniger Minuten tötet er 20 Erstklässlerinnen und Erstklässler im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Lehrkräfte und Mitarbeiter der Schule, bevor er sich beim Eintreffen der Polizei selbst richtet.
Der Amoklauf gehört zu den folgenschwersten Schulattentaten der amerikanischen Geschichte und löst eine landesweite Debatte über schärfere Waffengesetze aus; Präsident Barack Obama tritt sichtlich bewegt vor die Presse und kündigt Vorstöße für eine strengere Waffenkontrolle an, die im Kongress jedoch scheitern. Die Trauer um die Opfer von Newtown reicht weit über die Vereinigten Staaten hinaus und prägt die öffentliche Debatte über Schusswaffen in Amerika bis heute.
AM RANDE NOTIERT
- Am 6. August landet der NASA-Rover Curiosity wohlbehalten im Gale-Krater auf dem Mars und beginnt seine Suche nach Spuren früheren Lebens auf dem Roten Planeten.
- Am 6. November wird Barack Obama für eine zweite Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt.
- Am 18. Mai geht Facebook mit einer Spitzenbewertung von über 104 Milliarden US-Dollar an die Technologiebörse Nasdaq — einer der größten Börsengänge der Geschichte, überschattet von technischen Pannen am ersten Handelstag.
- Vom 16. bis 24. Juni verwandelt die Kieler Woche die Förde erneut in die Bühne des größten Segelsportereignisses der Welt — trotz wechselhaften Wetters strömen wieder hunderttausende Besucher an die Kiellinie.
SPORT · 2012
Die Olympischen Sommerspiele in London sind bereits die Hauptschlagzeile des Jahres (siehe oben) — zu ergänzen bleibt der Name Usain Bolt, der im Olympiastadion die 100 Meter in 9,63 Sekunden gewinnt, über 200 Meter in 19,32 Sekunden nachlegt und damit als erster Sprinter beide Titel in Folge verteidigt — die „Double Double"; mit der jamaikanischen Staffel stellt er über 4 x 100 Meter zudem einen Weltrekord (36,84 Sekunden) auf. Im Fußball krönt sich zuvor, am 1. Juli in Kiew, Spanien bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine mit einem 4:0 im Finale gegen Italien — Tore von David Silva, Jordi Alba, Fernando Torres und Juan Mata — zum ersten Titelverteidiger der EM-Geschichte. Und an der Förde feiert der Handball-Bundesligist THW Kiel die größte Saison seiner Geschichte: Nach dem Pokalsieg gegen SG Flensburg-Handewitt (33:31) am 6. Mai und dem Gewinn der Champions League gegen Atlético Madrid gewinnt „die Zebras" auch die Bundesliga-Meisterschaft — als bis dahin einzige Mannschaft im deutschen Profi-Mannschaftssport ohne eine einzige Saisonniederlage, mit 68:0 Punkten und dem kompletten Triple.
MODE · 2012
Die Peplum-Welle — Oberteile und Kleider mit schwingendem Schößchen an der Taille, das die Silhouette betont — erobert die Kollektionen von der Laufstegmode bis in die Kaufhäuser, während mit dem jungen Netzwerk Instagram erstmals soziale Medien beginnen, Modetrends in Echtzeit zu verbreiten: Aus rund einer Million Nutzern zu Jahresbeginn sind es beim Kauf durch Facebook im April bereits 30 Millionen registrierte Konten, Tendenz rasant steigend. Der unauffällige „Normcore"-Stil kündigt sich bereits am Horizont an, während knallige Neonfarben und plakative Statement-Ketten die Streetstyle-Fotografien der Modewochen prägen.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 2012
- Friedensnobelpreis für die Europäische Union (12. Oktober). Gewürdigt werden sechs Jahrzehnte Frieden und Versöhnung auf dem Kontinent — im Zentrum der Begründung steht die deutsch-französische Aussöhnung als Kern des europäischen Einigungswerks.
- Besucherrekord bei der documenta (13) in Kassel (Juni bis September). Rund 905.000 Menschen besuchen die international bedeutendste Ausstellungsreihe zeitgenössischer Kunst — ein überregionales Kulturgroßereignis.
- THW Kiel gewinnt zum dritten Mal die EHF Champions League (27. Mai). Vor 20.000 Zuschauern in der ausverkauften Kölner Lanxess-Arena bezwingt der Handball-Bundesligist aus der Landeshauptstadt Atlético Madrid mit 26:21 — ein Triumph, der an der Förde ausgelassen gefeiert wird.
- Felix Baumgartner durchbricht als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer (14. Oktober). Beim Red-Bull-Stratos-Projekt springt der Österreicher aus rund 39 Kilometern Höhe über New Mexico und erreicht im Fallschirmsprung eine Geschwindigkeit von mehr als 1.300 km/h.
DAS WETTER · 2012 in Kiel
An diesem 13. Juli war es an der Förde ein kühler Sommertag: Höchstwert 18,8 °C, in der Nacht 11,1 °C, im Mittel 15,0 °C; kaum Regen (0,1 mm).
Das Jahr über: Im Mittel 9,3 °C. Wärmster Tag 29,3 °C am 19. August, kältester −18,1 °C am 7. Februar. 0 Hitzetage (≥ 30 °C), 22 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 700 mm.
(Messwerte der Station Kiel-Holtenau; Sonnenscheindauer nicht durchgehend erfasst. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 2012
Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts.
- Ai se eu te pego! — Michel Teló
- Tage wie diese — Die Toten Hosen
- I Follow Rivers — Lykke Li
- Somebody That I Used To Know — Gotye feat. Kimbra
- One Day / Reckoning Song (Wankelmut Rmx) — Asaf Avidan
- Call Me Maybe — Carly Rae Jepsen
- Diamonds — Rihanna
- Gangnam Style — Psy
- Euphoria — Loreen
- Heart Skips A Beat — Olly Murs feat. Rizzle Kicks
- Too Close — Alex Clare
- She Doesn't Mind — Sean Paul
- Little Talks — Of Monsters And Men
- Ma chérie — DJ Antoine feat. The Beat Shakers
- Whistle — Flo Rida
- Lila Wolken — Marteria / Yasha / Miss Platnum
- Skyfall — Adele
- Tacatá — Tacabro
- Easy — Cro
- Burn It Down — Linkin Park
Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (offiziellecharts.de / chartsurfer.de).