DER CHRONIST
Sonderausgabe · Rückschau auf die Tage vom 23. Juni bis 3. Juli 2015 · Preis 1,50 Euro
Kiel, Sonntag, den 28. Juni 2015 — Eine rückblickende Wochenschau: Was in diesen Tagen die Welt, die Bundesrepublik und die Landeshauptstadt an der Förde bewegte.
Zum GeleitDiese Ausgabe erscheint zu Ehren eines an diesem 28. Juni 2015 in Kiel geborenen Kindes. Sie sammelt die großen Schlagzeilen der Tage seiner Geburt — von einem Europa, das um Griechenland ringt, bis vor die eigene Haustür an Förde und Kiellinie, wo an eben diesem Sonntag die 121. Kieler Woche zu Ende geht.
AUFMACHER · Athen ruft die Bürger an die Urnen — und die Banken zu
Alexis Tsipras im Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, hier bei einem EU-Ratstreffen im März 2015. (Foto: European Union / Consilium, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)
Athen/Brüssel/Berlin. In der Nacht zum Samstag, dem 27. Juni, hat Ministerpräsident Alexis Tsipras in einer Fernsehansprache überraschend ein Referendum angekündigt: Am Sonntag, dem 5. Juli, sollen die Griechen darüber abstimmen, ob sie den Reformvorschlag annehmen, den EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds der Eurogruppe am 25. Juni vorgelegt hatten. Die Regierung selbst empfiehlt ein „Nein" — und Tsipras ließ durchblicken, im Falle eines „Ja" seinen Rücktritt zu erwägen. Das griechische Parlament billigte das Referendum am Sonntag, dem 28. Juni, mit 178 zu 120 Stimmen.
Die Eurogruppe reagierte scharf: Bereits am 27. Juni lehnte sie Athens Antrag auf eine einmonatige Verlängerung des laufenden Hilfsprogramms ab; Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem brach die Sitzung ab, da die „Basis für weitere Gespräche" fehle. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte zwei Tage später, man habe sich von der griechischen Seite durch den Abbruch der Verhandlungen „ein wenig verraten" gefühlt.
Die Folgen waren binnen Stunden zu spüren. Am 28. Juni erließ die griechische Regierung ein Notdekret mit Kapitalverkehrskontrollen: Ab dem 29. Juni blieben die Banken für sechs Werktage geschlossen, tägliche Barabhebungen wurden auf 60 Euro pro Person begrenzt, Auslandsüberweisungen verboten. Am 30. Juni zahlte Griechenland eine fällige Kreditrate von rund 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro an den IWF nicht zurück — das erste Industrieland seit Simbabwe 2001, das mit einem IWF-Kredit in Verzug geriet.
In Berlin debattierte der Bundestag am Mittwoch, dem 1. Juli, in einer Sondersitzung über die „Situation nach dem Auslaufen des Finanzhilfeprogramms für Griechenland". Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Tür für Gespräche sei „immer offen, und sie bleibt immer offen", schloss aber Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm vor dem Referendum aus. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verteidigte das bisherige Hilfsprogramm und wies Kritik als „völlig wahrheitswidrige Polemik" zurück; ein Entschließungsantrag der Opposition (Drucksache 18/5371) wurde abgelehnt.
(Nachtrag der Redaktion, nach Redaktionsschluss: Beim Referendum am 5. Juli stimmten 61,31 Prozent mit „Nein" (Oxi), 38,69 Prozent mit „Ja"; die Wahlbeteiligung lag bei 62,15 Prozent.)
Aus heutiger Sicht
Trotz des deutlichen „Nein" unterschrieb die Regierung Tsipras, unter dem Druck der geschlossenen Banken, wenige Wochen später ein noch strengeres drittes Hilfspaket; es wurde im August 2015 vereinbart. Die Kapitalverkehrskontrollen blieben bis 2019 in Kraft.
AUS DER WELT · Ein schwarzer Freitag — und ein Urteil, das die Fassade des Weißen Hauses erstrahlen lässt
Feiernde vor dem US Supreme Court in Washington D.C. nach dem Urteil Obergefell v. Hodges, 26. Juni 2015. (Foto: Ted Eytan, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)
Sousse/Saint-Quentin-Fallavier/Kuwait-Stadt/Washington. Der Freitag, 26. Juni, ging als „schwarzer Freitag" in die Nachrichtenchroniken ein: Drei Anschläge binnen weniger Stunden, in internationaler Presse als „Fatal Friday" zusammengefasst.
In Port El-Kantaoui bei Sousse (Tunesien) eröffnete der Tunesier Seifeddine Rezgui am Strand vor dem Hotel Riu Imperial Marhaba, ein Sturmgewehr in einem Sonnenschirm versteckt, das Feuer auf Touristen; 38 ausländische Urlauber und der Attentäter starben, darunter mindestens zwei Deutsche und rund 30 Briten. Der „Islamische Staat" bekannte sich zu der Tat.
Bei Lyon, in Saint-Quentin-Fallavier, enthauptete Yassin Salhi seinen Arbeitgeber Hervé Cornara und rammte mit einem Lieferwagen Gasflaschen einer Fabrik, wodurch eine Explosion ausgelöst wurde; zwei weitere Personen wurden verletzt, der Kopf des Opfers wurde an einem Zaun mit dschihadistischen Fahnen zur Schau gestellt.
In Kuwait-Stadt sprengte sich ein Selbstmordattentäter während des Freitagsgebets in der schiitischen Imam-Dschaʿfar-as-Sādiq-Moschee in die Luft; rund 26 Menschen wurden getötet, etwa 227 verletzt — der erste derartige Angriff auf Schiiten in Kuwait. Auch hier bekannte sich der IS.
Am selben Tag, weit von den Anschlagsorten entfernt, entschied der US Supreme Court im Fall Obergefell v. Hodges mit 5:4 Stimmen, dass gleichgeschlechtliche Ehen künftig bundesweit in allen US-Bundesstaaten anerkannt werden müssen. Die Mehrheitsmeinung verfasste Richter Anthony Kennedy. In der Nacht zum 27. Juni ließ das Weiße Haus seine Fassade in Regenbogenfarben anstrahlen.
AUS DEUTSCHLAND · Sondersitzung, Poststreik und ein Sommer der Flüchtlingszahlen
Das Reichstagsgebäude in Berlin, Sitz des Deutschen Bundestages. (Foto: Norbert Nagel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)
Berlin. Der Bundestag tagte am 1. Juli in Sondersitzung zu Griechenland (siehe Aufmacher); daneben trieb die Bundesregierung im Berichtszeitraum die neuen Fracking-Regelungen voran, die sie noch vor der Sommerpause durch den Bundestag bringen wollte — das Vorhaben blieb umstritten.
Bei der Deutschen Post dauerte der unbefristete Streik an, zu dem Verdi bereits am 8. Juni aufgerufen hatte: Ende Juni befanden sich rund 32.500 Beschäftigte im Ausstand. Erst Anfang Juli, nach der siebten Verhandlungsrunde, einigten sich beide Seiten — vierjähriger Kündigungsschutz, Ausschluss von Auslagerungen bei Brief- und Kombizustellung bis Ende 2018, Übernahme von rund 4.500 befristet Beschäftigten. Rund 140.000 Beschäftigte waren von der Einigung betroffen.
Die Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zeichneten im Juni ein deutliches Bild: 32.705 Asylerstanträge, ein Plus von 37,7 Prozent gegenüber Mai (23.758) und von 170,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat (12.077). Die BAMF-Jahresprognose, noch im Frühjahr auf 450.000 Anträge korrigiert, sollte im August — nach dem Berichtszeitraum — erneut nach oben angepasst werden.
Nach dem Urteil des US Supreme Court forderte auch der Bundesrat in einer Entschließung vom Juni die Bundesregierung auf, die Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare im Eherecht zu beenden — die vollständige „Ehe für alle" sollte in Deutschland erst 2017 kommen. Für die neue Woche kündigte sich derweil ein Wetterumschwung an: Erste Vorboten einer Hitzewelle, die Anfang Juli mit Rekordwerten in Bayern kulminieren würde.
Aus heutiger Sicht
Der Sommer 2015 sollte in Deutschland als „Flüchtlingssommer" in die Geschichte eingehen — mit der Grenzöffnung am 4. und 5. September und schließlich weit über 800.000 Asylanträgen für das Gesamtjahr, fast doppelt so vielen wie im Juni noch prognostiziert.
LANDESHAUS & LAND · Küstenkoalition im Alltag zwischen Plenum und Erstaufnahme
Das Landeshaus in Kiel, Sitz des Schleswig-Holsteinischen Landtags und der Landesregierung. (Foto: N-Lange.de, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE)
Kiel. Im Landeshaus regiert seit 2012 die „Küstenkoalition" aus SPD, Grünen und SSW unter Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). Der Landtag kam in der Berichtswoche zu seiner 92. Plenarsitzung zusammen, die am Freitag, dem 19. Juni, stattfand. Auf der Oppositionsbank führte weiterhin Daniel Günther (CDU) die Fraktion, seit Oktober 2014 im Amt als Fraktionsvorsitzender.
In der Bildungspolitik hielt Ministerin Britta Ernst (SPD) an der Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den Gymnasien fest, die ihre Vorgängerregierung eingeführt hatte — landesweit boten rund 15 der 99 Gymnasien im Land G9 oder gemischte Modelle an.
Beim Thema, das das Land über den ganzen Sommer beschäftigen sollte, den Flüchtlingszahlen, baute die Landesregierung ihre Erstaufnahme- kapazitäten bereits im Berichtszeitraum aus: In Boostedt, der ehemaligen Rantzau-Kaserne, wurde die Landeserstaufnahmeeinrichtung 2015 in Betrieb genommen beziehungsweise erweitert, in Neumünster gleichzeitig die Aufnahmekapazität ausgebaut — beide Standorte zusammen sollten binnen Monaten auf mehrere tausend Plätze wachsen.
AUS DER REGION · Die Kieler Woche geht zu Ende — und der Kanal wird 120
Abschlussfeuerwerk der Kieler Woche 2015 über der Kieler Förde. (Foto: Wikimedia-Nutzer „DYVER", Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
Kiel. An diesem Sonntag geht die 121. Kieler Woche zu Ende, die am 20. Juni begonnen hatte — der Schlusstag fällt exakt auf den Tag dieser Ausgabe. Mehrere Millionen Besucher haben in den vergangenen neun Tagen Kiellinie, Rathausplatz und Förde bevölkert. Höhepunkt für die Seeleute war die Windjammerparade am Samstag, dem 27. Juni, mit rund 100 Groß- und Traditionsseglern auf der Förde; heute Abend endet die Woche traditionell mit dem großen Abschlussfeuerwerk.
Verliehen wurde in diesen Tagen wieder der Weltwirtschaftliche Preis des Kiel-Instituts für Weltwirtschaft — unter den diesjährigen Preisträgern Michail Gorbatschow, Christopher A. Pissarides und Jeffrey R. Immelt.
Und die Woche fiel in ein besonderes Jubiläumsjahr: Am 20./21. Juni 1895 hatte Kaiser Wilhelm II. den Nord-Ostsee-Kanal eröffnet — das 120. Jubiläum fiel damit genau auf das Eröffnungswochenende der Kieler Woche. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), seit März 2014 im Amt, blickt auf eine Stadt, die sich in diesen Tagen einmal mehr als maritime Bühne präsentiert hat.
SPORT · Elfmeterkrimi in Montreal, Debakel in Olomouc
Die deutsche Mannschaft beim Algarve-Cup im März 2015. (Foto: Anders Henrikson, Wikimedia Commons, CC BY 2.0)
Montreal/Olomouc/Wimbledon. Bei der Fußball-Frauen-WM in Kanada setzte sich Deutschland am Freitag, dem 26. Juni, im Viertelfinale gegen Frankreich nach dramatischem Elfmeterschießen durch: 1:1 nach Verlängerung — Louisa Necib hatte in der 63. Minute getroffen, Célia Šašić glich per Foulelfmeter in der 84. Minute aus —, dann 5:4 im Elfmeterschießen. Torhüterin Nadine Angerer hielt den entscheidenden zehnten Versuch von Claire Lavogez.
Im Halbfinale am Dienstag, dem 30. Juni, war gegen die USA Schluss: 0:2, Carli Lloyd traf per Foulelfmeter (69.), Kelley O'Hara erhöhte (84.); zuvor hatte Šašić selbst in der 60. Minute einen Foulelfmeter vergeben und sagte danach: „Mir geht es beschissen." Sie sollte nach dem Turnier überraschend ihre Karriere beenden.
Bei der U21-Fußball-EM in Tschechien kassierte die deutsche Auswahl unter Bundestrainer Horst Hrubesch am 27. Juni im Halbfinale gegen Portugal ein 0:5 — die bis dahin höchste Halbfinal-Niederlage der deutschen U21-Geschichte, zur Halbzeit stand es bereits 0:3. Portugal trifft im Finale auf Schweden.
Am Montag, dem 29. Juni, startete Wimbledon; in Utrecht bereitete sich derweil das Feld auf den Grand Départ der Tour de France am 4. Juli vor. Vor Kiel traten während der Kieler Woche wieder deutsche Olympiasegler in den olympischen Bootsklassen an. Bei Holstein Kiel bereitete Trainer Karsten Neitzel den frisch aufgestiegenen Zweitligisten — erste 2.-Liga-Teilnahme seit 1981 — auf die neue Saison vor.
DAS WETTER · Ein milder Sonntag nach dem Siebenschläfer
Am Tag dieser Ausgabe, dem Sonntag, dem 28. Juni, kletterte das Thermometer in Kiel-Holtenau auf 22,2 Grad, in der Nacht sank es auf 9,9 Grad, im Mittel wurden 16,2 Grad gemessen. Aus West (263 Grad) wehte ein mäßiger Wind mit im Mittel 11,9 km/h, in Böen bis 32,8 km/h; 2,6 Millimeter Regen fielen, und doch zeigte sich die Sonne immerhin 11,5 Stunden. Der Luftdruck stand bei 1020,4 hPa. Erst gestern, am Samstag, war der Siebenschläfertag gewesen, mit 16,9 Grad im Mittel und 21,5 Grad Höchstwert der wärmste Tag der zurückliegenden Woche.
Die Tage ringsum waren wechselhaft und meist kühl: Der 23. Juni begann mit 14,0 Grad im Mittel, der 24. Juni blieb mit nur 12,3 Grad Tageshöchstwert der kühlste Tag des Berichtszeitraums. Erst zum Ende der Woche drehte das Wetter: Am 2. Juli stieg das Thermometer auf 29,4 Grad — der wärmste Tag des gesamten Berichtszeitraums —, bei einem Tagesmittel von 23,0 Grad.
Im ganzen Land war der Juni 2015 insgesamt etwas zu warm und deutlich zu trocken: Der Deutsche Wetterdienst bezifferte die Durchschnittstemperatur auf 16,0 Grad, 0,6 Grad über dem Referenzwert 1961–1990. Mit rund 58 Liter je Quadratmeter erreichte der Niederschlag nur etwa 70 Prozent des langjährigen Mittels; besonders trocken blieb der Norden mit mancherorts nur 15 Liter je Quadratmeter, während im Alpenvorland örtlich über 200 Liter fielen. Der Monat verlief uneinheitlich: In der ersten Junihälfte sorgte Hochdruckeinfluss für anhaltende Trockenheit, während Süddeutschland wiederholt von Gewittern mit Starkregen betroffen war — der Norden blieb insgesamt eher kühl. Ob der Siebenschläferregel — „Regnet's am Siebenschläfertag, bleibt der Regen sieben Wochen" — in diesem Sommer recht gegeben wird, bescheinigt der DWD der Bauernregel „einen erkennbaren wahren Kern", mit deutlich höherer Trefferquote im Süden als im Norden.
(Werte der Station Kiel-Holtenau. Quelle: Meteostat / DWD.)
VERMISCHTES & TECHNIK
Start der Falcon-9-Rakete mit der CRS-7-Mission am 28. Juni 2015 von Cape Canaveral. (Foto: NASA / Charles Babir, Wikimedia Commons, gemeinfrei)
- Cape Canaveral (28. Juni, am heutigen Tage): Eine SpaceX-Falcon-9 mit der unbemannten Dragon-Kapsel CRS-7, einem ISS-Versorgungsflug, explodierte rund 139 Sekunden nach dem Start. Laut späterer NASA-Untersuchung brach ein fehlerhaftes Stahl-Verstrebungsteil minderer Qualität in der zweiten Stufe bereits bei rund 2.000 Pfund Last statt der vorgesehenen 10.000 Pfund.
- Weltweit (Nacht zum 1. Juli): Eine Schaltsekunde wurde eingefügt, bereitgestellt vom International Earth Rotation and Reference Systems Service. Sie sorgte bei einigen Computersystemen für Störungen — unter anderem verursachte ein gestörtes Buchungssystem einer Reisegesellschaft größere Flugverspätungen in Australien.
- Nagoya/Hawaii (28. Juni bis 3. Juli): Das Solarflugzeug Solar Impulse 2 flog von Japan nach Kalaeloa auf Oahu, Hawaii — die erste Transozean-Etappe eines Solarflugzeugs. Pilot André Borschberg saß dabei fast 118 Stunden allein am Steuer und legte rund 8.924 Kilometer zurück, Weltrekord für den längsten Alleinflug und den längsten Solarflug.
- Im All: Die NASA-Sonde New Horizons befand sich in der finalen Anflugphase auf das Pluto-Charon-System; ihr Vorbeiflug an Pluto steht für den 14. Juli bevor.
- Am Küchentisch: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts verteuerten sich Nahrungsmittel 2015 im Jahresschnitt nur moderat um 0,8 Prozent — Milchprodukte und Eier wurden sogar um 4,3 Prozent günstiger, Butter allein um rund 8,7 Prozent. An der Zapfsäule kostete Super E10 im Juli laut ADAC bundesweit im Schnitt 1,467 Euro je Liter.
AUCH AN EINEM 28. JUNI GEBOREN
Das Kind, dem diese Ausgabe gilt, tritt in eine große Reihe von Geburtstagsgefährten:
- Heinrich VIII. (1491–1547) — König von England, Windsor.
- Peter Paul Rubens (1577–1640) — flämischer Barockmaler, geboren in Siegen.
- Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) — Genfer Philosoph und Schriftsteller der Aufklärung.
- Luigi Pirandello (1867–1936) — italienischer Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1934.
- Richard Rodgers (1902–1979) — US-amerikanischer Musical-Komponist, „The Sound of Music", „South Pacific".
- Maria Goeppert-Mayer (1906–1972) — deutsch-US-amerikanische Physikerin, geboren in Kattowitz; erhielt 1963 als erst zweite Frau nach Marie Curie den Nobelpreis für Physik, für ihr Kernschalenmodell.
- Mel Brooks (geb. 1926) — US-amerikanischer Regisseur und Schauspieler, „Frankenstein Junior", „Spaceballs".
- Muhammad Yunus (geb. 1940) — bangladeschischer Wirtschaftswissenschaftler, Friedensnobelpreis 2006 für die Mikrokredit-Idee.
- Kathy Bates (geb. 1948) — US-amerikanische Schauspielerin, Oscar-Preisträgerin für „Misery".
- Elon Musk (geb. 1971) — südafrikanisch-US-amerikanischer Unternehmer, Tesla und SpaceX — passend zum Vermischtes-Block dieser Ausgabe.
MONATSKUNDE · Die Lostage zwischen Sommersonnenwende und Apostelfest
Zwischen Sommersonnenwende und Hochsommer liegen im Juni gleich drei alte Lostage, die diese Berichtswoche säumen. Den Anfang macht der Johannistag am 24. Juni, der traditionell die Sommersonnenwende markiert; in der Johannisnacht werden vielerorts Johannisfeuer entzündet, mancherorts mit Feuerspringen der Jugend.
Es folgt der Siebenschläfertag am 27. Juni — in diesem Jahr ein Samstag, unmittelbar vor dem Tag dieser Ausgabe. Der Name geht auf die Legende der sieben „Siebenschläfer von Ephesus" zurück: sieben Brüder, die um 251 n. Chr. vor der Christenverfolgung unter Kaiser Decius in eine Höhle flohen, dort in einen langen Schlaf fielen und der Legende nach erst rund 200 Jahre später erwacht sein sollen. Die berühmteste Bauernregel dazu lautet: „Regnet's am Siebenschläfertag, bleibt der Regen sieben Wochen." Der Deutsche Wetterdienst bescheinigt ihr „einen erkennbaren wahren Kern", mit Trefferquoten von rund 55 bis 70 Prozent — allerdings deutlich zuverlässiger in Süddeutschland als im Norden; wegen der gregorianischen Kalenderreform von 1582 läge der meteorologisch „richtige" Termin ohnehin eher um den 7. Juli.
Den Abschluss bildet Peter und Paul am 29. Juni, das Gedenken an die Apostel Petrus und Paulus, erstmals im römischen Kalender des Jahres 354 erwähnt; in ländlichen Regionen galten die beiden früher als „Wetterherren". Auch hier gibt es Bauernregeln: „Regnet's an Peter und Paul, wird des Winzers Ernte faul" — und, freundlicher: „Ist es schön an Peter und Paul, füllt's uns die Taschen und das Maul."
NOTIERT
Ein milder Sonntag mit gut zweiundzwanzig Grad, eine Stadt, die nach neun Tagen Kieler Woche ihre Bühnen abräumt, und weit im Süden ein Griechenland, das sich zwischen Referendum und geschlossenen Banken auf die Zuspitzung einer Krise zubewegt: Zwischen einem schwarzen Freitag mit drei Anschlägen und einem Urteil, das die Fassade des Weißen Hauses in Regenbogenfarben erstrahlen ließ, wird an diesem 28. Juni in Kiel ein Kind geboren — an dem Tag, an dem der Siebenschläfer gerade vorüber ist und die Kieler Woche zu Ende geht.
Quellen
- Wikipedia — Griechisches Referendum 2015
- Deutscher Bundestag — Sondersitzung zu Griechenland, 1. Juli 2015
- euronews — Banken in Griechenland geschlossen (29. Juni 2015)
- Wikipedia — Anschlag auf die Imam-Dschaʿfar-as-Sādiq-Moschee in Kuwait
- Wikipedia — Anschlag in Port El-Kantaoui 2015
- Wikipedia (en) — 2015 Saint-Quentin-Fallavier attack
- BAMF — Das Bundesamt in Zahlen 2015 (PDF)
- wetteronline.de — 40,3 Grad in Kitzingen, neuer Allzeit-Hitzerekord (5. Juli 2015)
- Bundesrat — Bundesrat kompakt, Plenarsitzung 934
- Wikipedia — Kabinett Albig
- SPD Schleswig-Holstein — Landtagsantrag zur Fehmarnbeltquerung (Januar 2015)
- Landtag Schleswig-Holstein — Plenarprotokoll 18/92 (19. Juni 2015, PDF)
- Wikipedia — Kieler Woche
- Kiel-Institut für Weltwirtschaft — Weltwirtschaftlicher Preis
- DFB — WM 2015: USA im Halbfinale zu stark
- UEFA — U21-EM 2015: Portugal – Deutschland
- Holstein Kiel — Karsten Neitzel neuer Holstein-Trainer
- Wikipedia (en) — SpaceX CRS-7
- Spektrum — Die Schaltsekunde am 1. Juli 2015
- France 24 — Solar Impulse completes historic flight from Japan to Hawaii
- Statistisches Bundesamt — Verbraucherpreise für Nahrungsmittel 2015
- ADAC — Kraftstoffpreisentwicklung
- Wikipedia — 28. Juni
- agrarheute — Siebenschläfer: Was ist dran an der Bauernregel?
- t-online — Peter und Paul: Hintergründe des Apostelfeiertags
- wetterdienst.de — Deutschlandwetter im Juni 2015
- Meteostat — Station Kiel-Holtenau (10046), Tageswerte Juni/Juli 2015