DER CHRONIST

Sonderausgabe · Rückschau auf die Tage vom 26. Februar bis 8. März 2019 · Preis 1,80 Euro

Kiel, Sonntag, den 3. März 2019Eine rückblickende Wochenschau: Was in diesen Tagen die Welt, die Bundesrepublik und das Land zwischen den Meeren bewegte.

Zum Geleit

Diese Ausgabe erscheint zu Ehren eines an diesem 3. März 2019 in Kiel geborenen Kindes. Sie sammelt die großen Schlagzeilen der Tage seiner Geburt — von einem geplatzten Gipfel in Hanoi bis vor die eigene Haustür an der Förde.


AUFMACHER · Der Gipfel von Hanoi platzt — kein Blatt Papier für Trump und Kim

Donald Trump und Kim Jong-un beim Gipfeltreffen in Hanoi Donald Trump und Kim Jong-un beim zweiten Gipfeltreffen in Hanoi, Februar 2019. (Shealah Craighead / The White House, Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Hanoi. Acht Monate nach dem Händedruck von Singapur sollte in der vietnamesischen Hauptstadt Zählbares herauskommen. Herausgekommen ist nichts. US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un haben ihr zweites Gipfeltreffen am 28. Februar ohne Abschlusserklärung, ohne Unterschrift und ohne das gemeinsame Arbeitsmittagessen beendet, das im Protokoll bereits stand. Die Unterzeichnungszeremonie wurde abgesagt, die Wagenkolonnen fuhren früher ab als geplant.

Der Bruch verlief an einer einzigen Rechnung. Kim bot an, die Nuklearanlage Yongbyon stillzulegen und abzubauen — das Herzstück, aber eben nur ein Teil des nordkoreanischen Atomprogramms. Dafür verlangte er die vollständige Aufhebung der UN-Sanktionen. Trump lehnte ab: „Sie wollten die Sanktionen in ihrer Gesamtheit aufgehoben haben, und das konnten wir nicht machen." Beide Seiten betonten anschließend, man sei im Guten auseinandergegangen. Ein Datum für ein drittes Treffen nannte keiner.

Noch am Vorabend, dem 27. Februar, hatte alles nach Fortschritt ausgesehen: gemeinsames Abendessen im Hotel Metropole, freundliche Bilder, Trumps Lob für Nordkoreas wirtschaftliche Möglichkeiten. Am Tag darauf blieb davon eine Pressekonferenz übrig, in der der Präsident erklärte, manchmal müsse man eben aufstehen und gehen.


AUS DEUTSCHLAND · Ein Außenminister nimmt Abschied, die Koalition streitet weiter

Klaus Kinkel, Bundesaußenminister 1992 bis 1998 Klaus Kinkel, Bundesminister des Auswärtigen von 1992 bis 1998 und FDP-Vorsitzender. (Helene C. Stikkel / US-Verteidigungsministerium, Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Sankt Augustin/Berlin. Am 4. März ist Klaus Kinkel im Alter von 82 Jahren gestorben. Der Jurist aus dem Badischen war ein Mann der Ämter, die selten in einer Biographie zusammenkommen: Präsident des Bundesnachrichten- dienstes, Bundesjustizminister, von 1992 bis 1998 Bundesaußenminister und in dieser Zeit auch Vizekanzler und Vorsitzender der FDP. In seine Amtszeit im Auswärtigen Amt fielen die Bundeswehreinsätze in Somalia und auf dem Balkan, die Anerkennung der Nachfolgestaaten Jugoslawiens und das erste Karlsruher Urteil über Auslandseinsätze. Zuletzt hatte er sich um die Stiftung Deutsche Telekom und die Digitalisierung der Schulen gekümmert.

Im Regierungsviertel geht unterdessen der Kleinkrieg der großen Koalition weiter. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Grundrente ausdrücklich ohne Bedürftigkeitsprüfung gewähren — 35 Beitragsjahre sollen genügen. Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hält das für einen Bruch des Koalitionsvertrags, in dem die Prüfung schwarz auf weiß steht. Beim zweiten Dauerstreit, den Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien, setzt sich die SPD weitgehend durch: Der zum Monatsende auslaufende Lieferstopp wird verlängert; für europäische Gemeinschafts- projekte bleiben Ausnahmen strittig.

Vom Arbeitsmarkt kommen freundlichere Zahlen. Die Bundesagentur für Arbeit meldet für Februar 2.373.000 Arbeitslose, 33.000 weniger als im Januar. Der Aufschwung selbst aber verliert an Kraft: Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr bereits von 1,8 auf 1,0 Prozent halbiert — Brexit, Handelskonflikte und eine lahmende Weltkonjunktur.

Und am 8. März feiert Berlin einen Feiertag, den es so in Deutschland noch nie gab: Das Abgeordnetenhaus hat den Internationalen Frauentag zum gesetzlichen Feiertag erklärt, als erstes und bislang einziges Bundesland.


JUGEND & NETZ · Zehntausend auf dem Rathausmarkt, Tausende gegen den Uploadfilter

Klimastreik von Fridays for Future in Hamburg am 1. März 2019 Der Klimastreik von „Fridays for Future" in Hamburg am 1. März 2019. (C. Suthorn / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Hamburg/Berlin. Es ist eine neue Art von Freitag. Am 1. März ziehen rund 10.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Norddeutschland vom Gänsemarkt zum Hamburger Rathausmarkt; viele von ihnen aus Schleswig-Holstein mit dem Zug angereist. Zum Schluss spricht, auf Englisch und in dünner Jacke, die sechzehnjährige Schwedin Greta Thunberg, die selbst mit der Bahn aus Stockholm gekommen ist. Sie hat im August allein vor dem Reichstagsgebäude in Stockholm zu streiken begonnen; inzwischen heißt die Bewegung „Fridays for Future" und findet in Dutzenden deutschen Städten statt. Der Kieler Landtag hat sich im Februar schon mit ihr befasst.

Einen Tag später, am 2. März, geht in Berlin eine andere Generation auf die Straße — teils dieselbe. Zwischen 2.000 (Polizei) und 5.000 (Veranstalter) Menschen ziehen vom Axel-Springer-Haus zum Brandenburger Tor gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform, die unter dem Stichwort „Artikel 13" und dem Wort Uploadfilter zur Netzdebatte des Jahres geworden ist. Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments hat dem im Trilog ausgehandelten Text am 26. Februar zugestimmt; die entscheidende Abstimmung im Plenum steht für Ende des Monats an. In den Tagen darauf folgen Kundgebungen in Frankfurt, Köln, München, Stuttgart, Hamburg und Hannover.


AUS DEM LAND · Schleswig-Holstein zwischen Belt-Tunnel und Küstenschutz

Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Porträt von 2017. (Staatskanzlei Schleswig-Holstein / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Kiel. Das Land wird seit Sommer 2017 von der bundesweit einzigen Jamaika-Koalition regiert. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) führt ein Kabinett, in dem Monika Heinold (Grüne) die Finanzen und Heiner Garg (FDP) Soziales und Gesundheit verantworten — beide zugleich Stellvertreter des Regierungschefs. Dazu kommen Karin Prien (Bildung), Hans-Joachim Grote (Inneres), Sabine Sütterlin-Waack (Justiz und Europa), Bernd Buchholz (Wirtschaft und Verkehr) sowie seit dem vergangenen September Jan Philipp Albrecht (Grüne) für Energiewende, Umwelt, Landwirtschaft und Digitalisierung.

Das größte Bauvorhaben des Landes hat seit dem 31. Januar grünes Licht: Der Planfeststellungsbeschluss für den deutschen Abschnitt der festen Fehmarnbeltquerung liegt vor — ein 18 Kilometer langer Absenktunnel zwischen Puttgarden und Rødbyhavn. In diesen Wochen formiert sich der Widerstand: Fährreedereien, darunter Scandlines, Kommunen und Umweltverbände kündigen Klagen beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig an. Am Ende werden acht Klagen eingehen; gebaut wird vorerst nicht.

Im Landtag stand Mitte Februar der Küstenschutz im Mittelpunkt: Die Regierung legte eine Strategie für die Ostküste vor — eine Konsequenz aus steigenden Pegeln und aus dem Ostseesturmhochwasser, das an manchen Abschnitten die Deiche und Steilufer angegriffen hat. Beraten wurden zudem ein Modellprojekt zur kontrollierten Cannabisabgabe und ein Antrag, die Schülerproteste als Gegenstand politischer Bildung in die Schulen zu holen.

Ein Kapitel der Landesgeschichte hat sich derweil still geschlossen: Seit dem 4. Februar ist die Umbenennung der ehemaligen Landesbank in den Handelsregistern von Kiel und Hamburg eingetragen. Aus der HSH Nordbank, die den Steuerzahler beider Länder Milliarden gekostet hat, ist die private Hamburg Commercial Bank geworden.


AUS DER REGION · Kiel baut — an einem Stadion, an einer Straßenbahn, an sich selbst

Blick auf die Kieler Förde Blick über die Kieler Förde auf die Landeshauptstadt. (W. Bulach / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Kiel. Die Landeshauptstadt, gut 247.000 Einwohner, wächst schneller, als sie Wohnungen baut — der Satz fällt in der Ratsversammlung so regelmäßig wie die Frage, woher das Geld dafür kommen soll. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) treibt in diesem Frühjahr zwei Vorhaben voran, die das Stadtbild auf Jahrzehnte prägen sollen.

Das eine steht am Westring: Der Umbau des Holstein-Stadions ist beschlossen, die Kapazität soll auf rund 15.000 Plätze wachsen, der Kostenrahmen liegt bei etwa 75 Millionen Euro — und nur zum Teil ist gesichert, wer ihn trägt. Linke und Die Partei stimmten dagegen, über Parkkonzept und Ticketpreise wird weiter gestritten. Der Zweitligist spielt einstweilen in einer Arena, die den Anforderungen der ersten Liga nicht genügt; dass genau das im Frühjahr zum Problem werden könnte, ist mehr als eine theoretische Sorge.

Das andere ist älter als alle Beteiligten: Kiel diskutiert wieder über eine Stadtbahn. Von 1881 bis 1985 fuhr hier eine Straßenbahn; die letzten Gleise wurden herausgerissen, als man Busse für die Zukunft hielt. SPD und Grüne wollen zurück zur Schiene, die CDU verweist auf die Lasten, die eine Stadt mit dieser Kassenlage kaum stemmen kann. Entschieden ist nichts.

An der Förde selbst arbeiten die Werften. German Naval Yards und thyssenkrupp Marine Systems haben sich für die größte Beschaffung der Marine seit Jahren, das Mehrzweckkampfschiff MKS 180, zu einer Bietergemeinschaft zusammengetan; die endgültigen Angebote werden im Frühjahr erwartet. Für den Kieler Schiffbau hängt viel daran.


SPORT · Ein Freitagabend zum Vergessen — und ein Sonntagssieg in Dänemark

Das Holstein-Stadion in Kiel Das Holstein-Stadion am Westring, im Hintergrund die Förde — Luftbild von 2019. (Ichwarsnur / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Berlin/Kiel. Für Holstein Kiel war der Freitagabend nichts wert. Bei Aufstiegskonkurrent 1. FC Union Berlin verlor die Mannschaft von Trainer Tim Walter am 1. März an der Alten Försterei mit 0:2 und steht nach dem 24. Spieltag mit 39 Punkten auf Rang fünf. Vorn zieht der 1. FC Köln mit 48 Punkten seine Kreise; nach oben bleiben die Störche in Sichtweite, aber der Abstand wächst mit jedem verschenkten Abend.

Besser lief es für den THW Kiel. Bei der MT Melsungen gewannen die Zebras am 28. Februar mit 29:25 und liegen damit nach 23 Spielen mit 40 Punkten auf Platz zwei der Handball-Bundesliga — vier Zähler hinter der SG Flensburg-Handewitt, die nach 22 Spielen noch keine Niederlage kassiert hat. Das nordische Duell entscheidet die Meisterschaft, und es ist Trainer Alfred Gislasons elfte und letzte Saison an der Förde. Am 3. März selbst waren die Kieler in Dänemark unterwegs und gewannen ihr Gruppenspiel im EHF-Pokal bei GOG Gudme mit 26:22.

In der Fußball-Bundesliga war der 24. Spieltag der Spieltag der Bayern: In Mönchengladbach gewann der Rekordmeister am 2. März mit 5:1, während Borussia Dortmund tags zuvor in Augsburg mit 1:2 verlor. Nach Punkten sind beide gleichauf — 54 zu 54 —, die Tabellenführung hält Dortmund nur noch über die Tordifferenz; RB Leipzig folgt mit 45 Punkten. Für die Dortmunder wurde es in dieser Woche noch bitterer: Am 5. März verloren sie auch das Achtelfinal-Rückspiel gegen Tottenham Hotspur mit 0:1 und schieden mit 0:4 aus der Champions League aus.

Im Schnee von Seefeld ging an diesem Sonntag die Nordische Ski-WM zu Ende — mit dem 50-Kilometer-Massenstart, den der Norweger Hans Christer Holund vor Alexander Bolschunow gewann. Für die deutsche Mannschaft war es eine Weltmeisterschaft, wie es sie lange nicht gab: sechsmal Gold und dreimal Silber, Platz zwei im Medaillenspiegel hinter Norwegen. Markus Eisenbichler sprang zum Einzeltitel vor Karl Geiger, das Männerteam holte Gold, die Nordischen Kombinierer gewannen den Teamsprint — und erstmals wurden auch die deutschen Skispringerinnen Weltmeisterinnen im Team.


DAS WETTER · Ein nasser, windiger Sonntag — und der Sturm vor der Tür

An diesem Sonntag, dem 3. März, hatte Kiel nichts zu verschenken: Die Sonne kam auf ganze anderthalb Stunden, dazu fielen 8,7 Liter je Quadratmeter Regen. Das Thermometer stieg auf 10,3 Grad, fiel nachts nicht unter 6,8 Grad, im Mittel wurden 8,7 Grad gemessen — für Anfang März zu mild und viel zu nass. Der Westwind wehte mit im Mittel 17 km/h und Böen bis 45 km/h, der Luftdruck sackte auf 999,6 hPa und fiel weiter. Das war die Ankündigung.

Denn schon am Rosenmontag, dem 4. März, zog Sturmtief „Bennet" über die Nordsee heran. In Kiel-Holtenau fiel der Luftdruck auf 985,2 hPa, die Böen erreichten 86 km/h; zwischen Schwarzwald und Schleswig-Holstein gab es verbreitet schwere Sturm- bis orkanartige Böen, der Schaden im Bundesgebiet wird auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Der März sollte für Norddeutschland der sturmreichste seit einem Vierteljahrhundert werden — auf Sylt zählte man zwölf Sturmtage.

Zuvor lag ein Februar hinter dem Land, wie ihn niemand kannte. Bundesweit war er mit 3,9 Grad im Mittel um 3,5 Grad zu warm, der elfte zu warme Monat in Folge; in Kaiserslautern wurden am 26. Februar 21,3 Grad gemessen. In Schleswig-Holstein brachte es der Monat auf 4,7 Grad und rund 110 Sonnenstunden — ein neuer Landesrekord. Auch in Kiel schien am 27. Februar bei 15,8 Grad der Frühling schon beschlossene Sache. Er war es nicht.

(Messwerte der Station Kiel-Holtenau. Quelle: Meteostat / DWD.)


VERMISCHTES & TECHNIK

Die Crew-Dragon-Kapsel von SpaceX Die unbemannte Crew-Dragon-Kapsel dockt am 3. März 2019 an der Internationalen Raumstation an. (NASA TV / Wikimedia Commons, gemeinfrei)

  • Cape Canaveral / im Orbit (2./3. März): Um 8:49 Uhr mitteleuropäischer Zeit hob vom Startkomplex 39A eine Falcon 9 mit der unbemannten Crew Dragon ab — dem ersten amerikanischen Raumfahrzeug seit dem Ende der Shuttle-Ära, das wieder Menschen zur Raumstation bringen soll. Am 3. März koppelte die Kapsel vollautomatisch am Modul „Harmony" der ISS an; am 8. März kehrte sie mit rund 150 Kilogramm Fracht zur Erde zurück und wasserte im Atlantik.
  • Balakot / Wagah (26. Februar – 1. März): Nach dem Selbstmordanschlag von Pulwama mit 40 toten Polizisten flog Indien am 26. Februar einen Luftangriff auf ein mutmaßliches Ausbildungslager in Pakistan — der erste auf pakistanisches Kernland seit 1971. Am Tag darauf kam es über der Waffenstillstandslinie in Kaschmir zum Luftkampf; eine indische MiG-21 wurde abgeschossen, ihr Pilot Abhinandan Varthaman geriet in Gefangenschaft. Pakistan übergab ihn am 1. März an der Grenze bei Wagah zurück — eine Geste, die die Eskalation zweier Atommächte stoppte.
  • Tallinn (3. März): Estland wählt sein Parlament. Stärkste Kraft wird die Reformpartei von Kaja Kallas mit 28,8 Prozent und 34 der 101 Sitze, vor der Zentrumspartei von Ministerpräsident Jüri Ratas (23 Prozent). Den größten Sprung macht die rechtspopulistische EKRE mit 17,8 Prozent — und sitzt am Ende mit am Kabinettstisch.
  • Algier (3. März): Trotz Massenprotesten, bei denen Diplomaten in der Hauptstadt Hunderttausende zählen, reicht der 81-jährige, seit einem Schlaganfall schwer gezeichnete Präsident Abdelaziz Bouteflika seine Kandidatur für eine fünfte Amtszeit ein. Er verspricht, sie nicht auszusitzen: vorgezogene Neuwahlen und eine neue Verfassung.
  • Caracas (4. März): Oppositionsführer Juan Guaidó kehrt nach zehn Tagen im Ausland trotz Ausreiseverbot und Verhaftungsdrohung über den Flughafen Maiquetía nach Venezuela zurück und spricht vor Anhängern auf offener Straße. Festgenommen wird er nicht.
  • Rom (4. März): Papst Franziskus kündigt an, die Archive zum Pontifikat Pius' XII. (1939–1958) der Forschung zu öffnen — acht Jahre früher als vorgesehen, vom 2. März 2020 an. Die Frage nach dem Schweigen des Papstes zur Judenverfolgung soll aus den Akten beantwortet werden können.
  • Barcelona (25.–28. Februar): Auf dem Mobile World Congress klappen die Telefone auf. Samsung hatte am 20. Februar das Galaxy Fold mit 7,3-Zoll-Faltdisplay für rund 2.000 Euro vorgestellt, Huawei zeigt am 24. Februar das Mate X mit außenliegendem Faltschirm für 2.299 Euro. Das andere große Wort heißt 5G: Die Deutsche Telekom betreibt bereits 150 Versuchsantennen in Europa und schaltet während der Messe bei OSRAM in Schwabmünchen das erste deutsche 5G-Campusnetz frei. Ein Netz für Kunden gibt es noch nicht — die Frequenzen sind nicht einmal versteigert.
  • Essex (4. März): Keith Flint, Sänger und Gesicht der britischen Band The Prodigy, wird mit 49 Jahren tot in seinem Haus aufgefunden. In derselben Woche starben der frühere Who-Schlagzeuger Doug Sandom (27. Februar, 89) und der Cure-Schlagzeuger Andy Anderson (26. Februar).
  • Hitparade (1.–8. März): An der Spitze der deutschen Single-Charts steht Shirin David mit „Gib ihm" — die erste Nummer eins der Hamburger Rapperin und Youtuberin. Bei den Alben führt in dieser Woche Dream Theater mit „Distance over Time", in der folgenden SDP mit „Die unendlichste Geschichte".
  • Im Kino (28. Februar – 7. März): Vorn liegt „Drachenzähmen leicht gemacht 3" mit 193.149 Besuchern vor „Green Book", das eine Woche zuvor bei den Oscars — erstmals seit dreißig Jahren ohne Moderator — zum besten Film gekürt wurde. Am 7. März startet „Captain Marvel" und räumt mit 640.081 Besuchern alles ab.

AUCH AN EINEM 3. MÄRZ GEBOREN

Das Kind, dem diese Ausgabe gilt, tritt in eine ansehnliche Reihe von Geburtstagsgefährten — und die beginnt mit einem Mann, dem Deutschland seinen Zucker verdankt:

  • Andreas Sigismund Marggraf (1709–1782) — Berliner Chemiker, der 1747 nachwies, dass in der Runkelrübe derselbe Zucker steckt wie im Rohr; die Rübenzuckerindustrie geht auf diesen Befund zurück.
  • Carl Heinrich von Siemens (1829–1906) — Industrieller, jüngster der Siemens-Brüder, baute das russische Geschäft des Hauses auf und führte den Konzern nach Werners Tod.
  • Georg Cantor (1845–1918) — Mathematiker in Halle, Begründer der Mengenlehre und der Lehre vom Unendlichen, zu Lebzeiten heftig angefeindet.
  • Loki Schmidt (1919–2010) — Hamburger Lehrerin, Botanikerin und Naturschützerin, Frau des Bundeskanzlers Helmut Schmidt.
  • Heiner Geißler (1930–2017) — CDU-Generalsekretär, Bundesminister, streitbarer Querdenker und später Schlichter im Konflikt um Stuttgart 21.
  • Andreas Wolff (geb. 1991) — Handballtorwart, im Januar 2016 Held des Europameisterschaftstitels der deutschen „Bad Boys".
  • Antonio Rüdiger (geb. 1993 in Berlin) — Innenverteidiger der deutschen Nationalmannschaft, seit 2017 beim FC Chelsea.

Und über die deutschen Lande hinaus:

  • Jonas Furrer (1805–1861) — Schweizer Jurist, nach der Bundesverfassung von 1848 der erste Bundespräsident der Eidgenossenschaft.
  • Alexander Graham Bell (1847–1922) — in Edinburgh geboren, in Amerika zu Hause: Erfinder des ersten brauchbaren Telefons und Taubstummenlehrer aus Berufung.
  • Jean Harlow (1911–1937) — amerikanische Schauspielerin, der „blonde Bombshell" Hollywoods, gestorben mit sechsundzwanzig Jahren.
  • Jackie Joyner-Kersee (geb. 1962) — amerikanische Leichtathletin, dreimal Olympiasiegerin, bis heute Weltrekordhalterin im Siebenkampf.
  • Ronan Keating (geb. 1977) — irischer Sänger, Stimme von Boyzone.
  • Jessica Biel (geb. 1982) — amerikanische Schauspielerin.
  • Camila Cabello (geb. 1997 in Havanna) — kubanisch-amerikanische Sängerin, im vergangenen Jahr mit „Havana" auf allen Sendern.

MONATSKUNDE · Woher der März seinen Namen hat

Der März gehört dem Krieg. Er trägt den Namen des römischen Gottes Mars; Martius hieß er den Römern, und er stand am Anfang ihres Jahres — mit ihm begann die Zeit, in der Heere wieder ins Feld ziehen konnten. Auf dem Marsfeld vor der Stadt musterte man die Wehrfähigen. Dass unser Jahr heute im Januar beginnt, ist eine spätere Verabredung; die alten Zählnamen der Monate verraten die ältere Ordnung noch: September, Oktober, November und Dezember sind der siebte, achte, neunte und zehnte Monat — vom März an gerechnet.

In deutschen Landen hieß er Lenzing oder Lenzmond, nach dem lenzo, dem länger werdenden Tag; Karl der Große ließ diese Namen für das Reich aufschreiben. Der Frühling beginnt in diesem Jahr astronomisch am 20. März mit der Tag-und-Nacht-Gleiche.

Von den Bauernregeln: „Märzenschnee und Jungfernpracht halten oft nur eine Nacht" — und tröstlich für Sätze wie den, der über diesem Wetterbericht steht: „Fürchte nicht den Schnee im März, darunter schlägt ein warmes Herz." Schnee freilich hatte dieser März in Kiel keinen zu bieten, nur Regen.


NOTIERT

Es war ein Sonntag zwischen den Zeiten: Estomihi, der letzte Sonntag vor der Passionszeit, mit der Fastnacht vor der Tür und dem Aschermittwoch am 6. März dahinter. Am 1. März hatten Frauen aus Slowenien den Weltgebetstag gestaltet, unter dem Wort „Kommt, alles ist bereit!"; am 3. März begeht die Welt seit sechs Jahren den Tag des Artenschutzes, zur Erinnerung an das Washingtoner Abkommen von 1973.

Der 62. Tag des Jahres also, grau, nass und zu mild, mit einem geplatzten Gipfel in Asien, einem Sturm im Anmarsch über der Nordsee und einer Kapsel, die an diesem Morgen still an der Raumstation andockte. In einer Stadt, die über ihre Straßenbahn stritt und ihr Stadion umbaute, kam an diesem Tag ein Kind zur Welt — und die Welt hatte, wie immer, gerade Wichtigeres zu tun.


Quellen