DER CHRONIST
Ein Jahr des Umbruchs: In Berlin wechselt die Macht, in Rom wechselt der Stuhl Petri, in Washington regiert ein Präsident der harten Kante — und an der Förde zeigt sich, wie eng die große Weltpolitik mit Werftkränen und Bundesliga-Tabellen verwoben ist. Das Jahr beginnt mit Feuer und Umbruch: Kalifornien brennt, Trump zieht zum zweiten Mal ins Weiße Haus ein, und ein chinesisches KI-Modell stürzt die Technologiebörsen ins Wanken. Im Frühjahr überschlagen sich die Ereignisse in Berlin und Rom, im Sommer eskaliert der Nahe Osten binnen zwölf Tagen zum offenen Krieg zwischen Israel, Iran und den USA, während an der Förde die Werft TKMS ihren größten Sprung seit Jahrzehnten wagt. Im Herbst erschüttert ein politisches Attentat die Vereinigten Staaten, ehe der Jahreswechsel mit einer Friedensnobelpreis- Verleihung an eine Frau im Untergrund und einem Waffenstillstand in der Ukraine, der weiter auf sich warten lässt, endet.
Bundestagswahl und Kanzlerwechsel: Merz löst Scholz ab

Nach dem Bruch der Ampel-Koalition im November 2024 wählt die Bundesrepublik am 23. Februar vorgezogen einen neuen Bundestag. Die Union aus CDU und CSU wird mit 28,6 Prozent stärkste Kraft, die AfD verdoppelt ihren Stimmenanteil auf 20,8 Prozent und wird zweitstärkste Partei, die SPD stürzt auf 16,4 Prozent ab. Die Grünen kommen auf 11,6 Prozent, die Linke auf 8,8 Prozent. BSW und FDP verpassen mit 4,97 beziehungsweise 4,3 Prozent knapp den Einzug in den auf 630 Sitze verkleinerten neuen Bundestag. Die Wahlbeteiligung liegt mit 82,5 Prozent so hoch wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.
Noch bevor der neue Bundestag überhaupt zusammentritt, stellt der alte die Weichen für Merz' künftige Politik: Am 18. März beschließt er mit den Stimmen von Union, SPD und Grünen eine Grundgesetzänderung, die Verteidigungsausgaben oberhalb eines Prozents des Bruttoinlandsprodukts von der Schuldenbremse ausnimmt und ein Sondervermögen von bis zu 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaschutz schafft — eine finanzpolitische Zäsur, von der später auch Aufträge für die Kieler Werften profitieren. Die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD münden am 9. April in einen 144 Seiten starken Koalitionsvertrag unter dem Titel „Verantwortung für Deutschland", der Anfang Mai unterzeichnet wird. Das neue Kabinett steht mit Lars Klingbeil (SPD) als Vizekanzler und Finanzminister sowie Johann Wadephul (CDU) als Außenminister, der Annalena Baerbock im Amt ablöst. Die eigentliche Kanzlerwahl am 6. Mai gerät zum Nervenkrimi: Im ersten Wahlgang verfehlt Merz die notwendige Mehrheit von 316 Stimmen um sechs Stimmen — ein in der Geschichte der Bundesrepublik beispielloser Fehlstart für einen designierten Kanzler. Erst nachdem sich die Fraktionsspitzen auf eine kurzfristige Änderung der Tagesordnung einigen, gelingt am selben Tag im zweiten Wahlgang mit 325 von 618 Stimmen die Wahl. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ernennt Merz im Anschluss in Schloss Bellevue zum Bundeskanzler.
Die übrigen Wahlgänge des Jahres:
- Hamburg, 2. März — SPD 33,5 %, CDU 19,8 %, Grüne 18,5 %. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wird am 7. Mai im Amt bestätigt, die rot-grüne Koalition wird fortgesetzt.
Trumps zweite Amtszeit: „Liberation Day" erschüttert den Welthandel

Im Rosengarten des Weißen Hauses verkündet US-Präsident Donald Trump am 2. April unter dem Schlagwort „Liberation Day" weitreichende Zölle auf Importe aus praktisch allen Handelspartnern der Vereinigten Staaten, darunter die Europäische Union und China. Die Ankündigung löst Turbulenzen an den Börsen aus und markiert einen Bruch mit Jahrzehnten liberaler Handelspolitik. Wochenlang ringen Washington und Brüssel um eine Lösung, ehe sich Trump und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 27. Juli im schottischen Turnberry auf einen Rahmenvertrag einigen: Die meisten EU-Exporte in die USA — darunter Autos — werden künftig mit 15 Prozent verzollt, deutlich weniger als die zeitweise angedrohten 30 Prozent, während Flugzeuge sowie bestimmte Chemie- und Pharmaprodukte zollfrei bleiben. Im Gegenzug sagt die EU zu, bis zum Ende von Trumps Amtszeit amerikanisches Flüssigerdgas, Öl und Kernbrennstoffe im Gesamtwert von rund 750 Milliarden Dollar abzunehmen. Bis zum Spätsommer treten die „reziproken" Zölle vollständig in Kraft, der durchschnittliche US-Zollsatz steigt auf einen historischen Höchststand — auch für die exportabhängige Industrie in Schleswig-Holstein, von Maschinenbau bis Schiffbauzulieferern, eine Hypothek für die kommenden Jahre.
Tod Papst Franziskus' und Wahl Leo XIV.

Papst Franziskus stirbt am 21. April im Alter von 88 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls, nur einen Tag nach einem letzten Ostersegen auf dem Petersplatz. Am 7. Mai ziehen 133 der 135 wahlberechtigten Kardinäle in die Sixtinische Kapelle ein — eines der größten Konklaven der Kirchengeschichte. Schon im vierten Wahlgang, am Nachmittag des 8. Mai, fällt die Entscheidung: Mit deutlich mehr als der erforderlichen Zweidrittelmehrheit wird der Präfekt des Dikasteriums für Bischöfe, Kardinal Robert Francis Prevost, zum neuen Papst gewählt. Der in Chicago geborene Augustinerorden-Angehörige, der Jahrzehnte als Missionar und Bischof im peruanischen Chiclayo wirkte, gibt sich den Namen Leo XIV. — der erste Papst aus den Vereinigten Staaten der Kirchengeschichte. Die Namenswahl gilt als bewusster Bezug auf Leo XIII., der Ende des 19. Jahrhunderts mit der Sozialenzyklika „Rerum novarum" auf die Umwälzungen der Industrialisierung reagierte — ein Fingerzeig, dass sich Leo XIV. sozialpolitischen Fragen des digitalen und KI-Zeitalters widmen will. Für die katholische Kirche, die 2025 zugleich ein von Millionen Pilgern besuchtes Heiliges Jahr begeht, ist es ein Führungswechsel mitten im größten Jubiläumsjahr seit der Jahrtausendwende.
Ukraine-Krieg: Washington sucht den Waffenstillstand

Im dritten Kriegsjahr verschiebt sich die diplomatische Lage: Die neue US-Regierung drängt auf ein rasches Kriegsende und reduziert zugleich ihre Unterstützung für Kiew. Am 15. August treffen sich Trump und der russische Präsident Wladimir Putin erstmals seit Kriegsbeginn zu direkten Gesprächen im US-Bundesstaat Alaska, in Anchorage — ein Symbolort, da Russland Alaska einst an die USA verkaufte. Ein Durchbruch bleibt aus, eine gemeinsame Pressekonferenz endet ohne konkrete Ergebnisse. Im November legen Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und der russische Unterhändler Kirill Dmitrijew einen 28-Punkte-Plan vor, der der Ukraine Gebietsverzichte und weitreichende militärische Beschränkungen abverlangt und in Kiew wie in europäischen Hauptstädten scharfe Kritik auslöst. Bei einem Treffen in Mar-a-Lago im Dezember spricht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Gesprächen mit Witkoff von einer Einigung auf „90 Prozent" eines überarbeiteten, ukrainisch geprägten 20-Punkte-Rahmens für Sicherheitsgarantien. Ein tragfähiger Waffenstillstand steht zum Jahreswechsel weiter aus — die Erschöpfung nach fast vier Kriegsjahren ist auf beiden Seiten spürbar.
Kiels Werft geht an die Börse: TKMS trennt sich von thyssenkrupp

Die Kieler Werft Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), deren Wurzeln bis zu den traditionsreichen Howaldtswerken und der Kieler U-Boot-Fertigung zurückreichen und die seit 2005 zum thyssenkrupp-Konzern gehört, wird eigenständig: Die außerordentliche Hauptversammlung der thyssenkrupp AG stimmt am 8. August der Abspaltung zu. Konzernmutter thyssenkrupp verspricht sich davon frisches Kapital für den Ausbau der Werftkapazitäten, TKMS selbst mehr unternehmerische Freiheit, um von der sicherheitspolitischen „Zeitenwende" und den steigenden Verteidigungsbudgets in Europa zu profitieren. Am 20. Oktober notiert die TKMS AG & Co. KGaA erstmals im Prime Standard der Frankfurter Börse — im Verhältnis 20:1 erhalten thyssenkrupp-Altaktionäre automatisch Aktien ins Depot gebucht. Der Handel eröffnet bei 60 Euro, schießt im Tagesverlauf zeitweise auf über 100 Euro und schließt bei rund 81 Euro — ein Kurssprung von mehr als 35 Prozent, der TKMS zu einem der erfolgreichsten deutschen Börsengänge des Jahres macht. thyssenkrupp bleibt mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafterin. Rückgrat des Vertrauens der Anleger ist ein Auftragsbestand von rund 10 Milliarden Euro, darunter der gemeinsam mit Norwegen bestellte Bau von zehn U-Booten der Klasse 212CD sowie die Fregatten der Klasse F126 für die Deutsche Marine; rund 8.500 bis 9.100 Beschäftigte arbeiten an den TKMS-Standorten Kiel, Wismar und im brasilianischen Itajaí. Ministerpräsident Daniel Günther lobt die Werft wiederholt als Aushängeschild des Landes zwischen Nord- und Ostsee, das „kaum Konkurrenz weltweit" habe. Für Kiel als Werftstadt an der Förde ist der Börsengang die größte industriepolitische Zäsur seit Jahren — während zugleich, sportlich weit schmerzhafter, Holstein Kiel am 10. Mai nach nur einer Saison aus der Fußball-Bundesliga absteigt und damit zeigt, wie unterschiedlich sich Kiels Wirtschafts- und Sportjahr 2025 entwickeln.
Feuersturm über Los Angeles: die teuerste Naturkatastrophe der US-Geschichte

Am 7. Januar entfachen extreme Santa-Ana-Winde mit Böen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde binnen Stunden zwei verheerende Großbrände in Los Angeles County: das Palisades Fire an der Pazifikküste und das Eaton Fire bei Altadena, begünstigt durch acht fast niederschlagsfreie Monate. Die Flammen fressen sich durch die Hügel von Pacific Palisades, Malibu, Altadena und die Hollywood Hills, verschonen selbst Prominentenviertel nicht und zwingen mehr als 235.000 Menschen zur Flucht. Erst am 31. Januar gelten die Brände als vollständig eingedämmt.
Die Bilanz ist verheerend: Mindestens 30 Menschen sterben, mehr als 16.250 Gebäude werden zerstört, weitere rund 2.100 beschädigt, insgesamt verbrennt eine Fläche von über 200 Quadratkilometern. Der Wetterdienstleister AccuWeather beziffert den wirtschaftlichen Schaden zunächst auf 135 bis 150 Milliarden Dollar, korrigiert die Schätzung später auf bis zu 275 Milliarden Dollar — womit die Katastrophe möglicherweise zur teuersten Naturkatastrophe der US-Geschichte wird. Feuerwehrchefin Kristin Crowley gerät wegen Budgetkürzungen in die Kritik, Bürgermeisterin Karen Bass und Gouverneur Gavin Newsom leiten Untersuchungen ein.
Trump kehrt ins Weiße Haus zurück: zweite Amtseinführung

Am 20. Januar wird Donald Trump in der Rotunde des US-Kapitols in Washington als 47. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt — wegen extremer Kälte wird die Zeremonie kurzfristig von der traditionellen Freiluftbühne vor dem Kapitol in die Kuppelhalle verlegt. Es ist erst die zweite nicht aufeinanderfolgende Wiederwahl eines US-Präsidenten nach Grover Cleveland 1893: Nach seiner Abwahl 2020 kehrt Trump vier Jahre später an die Macht zurück. JD Vance wird als Vizepräsident vereidigt und tritt damit sein erstes Amt in Washington an.
Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst in der historischen St. John's Church nahe dem Weißen Haus, gefolgt von einem Tee-Empfang, ehe Trump um 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) den Amtseid ablegt. In seiner Antrittsrede kündigt er einen radikalen Kurswechsel in der Migrations-, Energie- und Außenpolitik an. Die zweite Amtszeit setzt in den folgenden Monaten Signale, die weit über die USA hinausreichen — von den im April folgenden „Liberation Day"-Zöllen bis zur veränderten Haltung Washingtons im Ukraine-Krieg.
DeepSeek-Schock: chinesisches KI-Modell erschüttert die Börsen

Ende Januar sorgt das chinesische Start-up DeepSeek mit seinem frei verfügbaren Sprachmodell R1 für einen der heftigsten Kursstürze der Tech-Börsengeschichte. Das Unternehmen zeigt, dass leistungsfähige künstliche Intelligenz offenbar mit deutlich weniger Rechenleistung und Kosten trainiert werden kann als bislang von US-Konzernen wie OpenAI, Google oder Meta angenommen — und stellt damit das milliardenschwere Geschäftsmodell der amerikanischen KI-Industrie infrage.
Am 27. Januar verliert die Aktie des Chip-Herstellers Nvidia, dessen Hochleistungsprozessoren als Rückgrat des globalen KI-Booms gelten, an einem einzigen Handelstag rund 17 Prozent und büßt etwa 589 Milliarden Dollar Börsenwert ein — der größte Tagesverlust eines einzelnen Unternehmens in der Börsengeschichte. Analysten vergleichen die Nervosität mit dem „Schwarzen Montag" von 1987. Der Schock erweist sich jedoch als kurzlebig: Nvidia erholt sich im Jahresverlauf, erreicht im Juli ein neues Rekordhoch und wird Ende Oktober mit rund 5 Billionen Dollar bewertet. DeepSeek verschiebt damit nicht die Nachfrage nach KI, wohl aber die Debatte darüber, wie teuer ihr Training künftig sein muss.
Zwölftagekrieg: Israel und die USA greifen Irans Atomanlagen an

Am 13. Juni beginnt Israel unter dem Codenamen „Operation Rising Lion" mit Luftangriffen auf iranische Atom- und Militäreinrichtungen sowie hochrangige Kommandeure und Wissenschaftler — der offene Auftakt eines seit Monaten vorbereiteten Schlags. Iran antwortet mit Raketensalven auf israelische Städte. In der Nacht zum 22. Juni greifen auch die USA unter Präsident Trump direkt in den Konflikt ein: Unter dem Codenamen „Operation Midnight Hammer" bombardieren amerikanische B-2-Tarnkappenbomber die Atomanlagen in Fordo, Natanz und Isfahan. Gegen die rund 100 Meter tief in einen Berg gebaute Anlage in Fordo kommen erstmals im Kriegseinsatz die schweren „Bunker Buster"-Bomben vom Typ GBU-57 zum Einsatz — zwölf Stück, abgeworfen von sechs B-2-Bombern.
Nach zwölf Tagen erklärt Trump am 24. Juni eine von Washington vermittelte Waffenruhe, die am folgenden Tag in Kraft tritt. Die Bilanz des „Zwölftagekriegs" ist blutig: Im Iran sterben nach offiziellen Angaben mindestens 1.054 Menschen, darunter mindestens 417 Zivilisten, mehr als 4.400 weitere werden verletzt; in Israel kommen 28 Menschen ums Leben, rund 3.200 werden verletzt. Wie stark die Angriffe Irans Atomprogramm tatsächlich zurückwerfen, bleibt international umstritten.
Attentat auf Charlie Kirk erschüttert die USA

Der rechtskonservative US-Aktivist Charlie Kirk, Gründer der einflussreichen Studentenorganisation Turning Point USA und eine der wirkungsmächtigsten Stimmen der amerikanischen Rechten, wird am 10. September während einer Debattenveranstaltung an der Utah Valley University in Orem von einem Schuss in den Hals getroffen und stirbt im Alter von 31 Jahren. Der Schütze feuert aus rund 140 bis 150 Metern Entfernung vom Dach eines Nachbargebäudes, vor den Augen von etwa 3.000 Zuschauern — Kirk war auf der ersten Station seiner landesweiten „American Comeback Tour".
33 Stunden später wird der 22-jährige Elektriker-Auszubildende Tyler Robinson festgenommen, nachdem ihn Angehörige und ein Familienfreund erkannt und zur Übergabe bewogen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Kirk wegen dessen scharfer Ablehnung von Transgeschlechtlichkeit getötet zu haben. Präsident Trump würdigt Kirk als „großartig und legendär", lässt die Flaggen auf Halbmast setzen und kündigt die posthume Verleihung der Presidential Medal of Freedom an. Am 21. September nehmen mehr als 100.000 Menschen im Footballstadion von Glendale, Arizona, an einer Gedenkfeier teil, bei der auch Trump und Vizepräsident JD Vance sprechen. Die Tat heizt den ohnehin aufgeheizten politischen Kulturkampf in den USA weiter an.
Friedensnobelpreis für Venezuelas Oppositionsführerin María Corina Machado

Am 10. Oktober gibt das Norwegische Nobelkomitee bekannt, dass der Friedensnobelpreis 2025 an die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado geht — „für ihren unermüdlichen Einsatz für die demokratischen Rechte des venezolanischen Volkes und für ihren Kampf für einen gerechten und friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie". Machado hatte 2023 die Vorwahl der venezolanischen Opposition mit rund 90 Prozent der Stimmen gewonnen, wurde vom Regime um Nicolás Maduro jedoch von der eigentlichen Präsidentschaftswahl 2024 ausgeschlossen und lebt seither monatelang im Untergrund.
Aus Sicherheitsgründen kann Machado der Verleihung am 10. Dezember im Osloer Rathaus nicht persönlich beiwohnen; ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado nimmt den Preis stellvertretend entgegen. Erst danach zeigt sich Machado erstmals seit elf Monaten wieder öffentlich, als sie von einem Hotelbalkon in Oslo aus jubelnden Unterstützern zuwinkt. Die Auszeichnung gilt als deutliches Signal des Nobelkomitees gegen autoritäre Machtkonzentration in Lateinamerika.
AM RANDE NOTIERT
- Vom 21. bis 29. Juni feiert Kiel die Kieler Woche, mit rund drei Millionen Besuchern eines der größten Segelsportereignisse der Welt und Bestandteil der olympischen Segel-Weltcup-Serie.
- Am 10. Mai besiegelt eine 1:2-Niederlage von Holstein Kiel gegen den SC Freiburg den direkten Wiederabstieg der „Störche" in die 2. Bundesliga.
- Vom 4. bis 6. Juli feiert Brunsbüttel mit einem großen Kanalgeburtstagsfest die 130 Jahre des Nord-Ostsee-Kanals, der seit 1895 Kiel mit der Nordsee verbindet und bis heute zu den meistbefahrenen Kunstwasserstraßen der Welt zählt.
- Im März sorgt eine Panne um einen versehentlich in einen Regierungs-Chat eingeladenen Journalisten für die Staatsaffäre „Signalgate": Hochrangige Vertraute von US-Präsident Trump besprechen im Messenger-Dienst Signal Angriffspläne gegen die Huthis im Jemen.
SPORT · 2025
Ein Jahr ohne Fußball-Weltmeisterschaft oder Olympia lässt anderes in den Fokus rücken: Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen wird vom 2. bis 27. Juli in der Schweiz ausgetragen — ein europaweit gut besuchtes Turnier fernab der großen Männer-Bühnen. Im Finale im Basler St.-Jakob-Park verteidigt England gegen Spanien nach 1:1 in Verlängerung im Elfmeterschießen mit 3:1 seinen 2022 errungenen Europameistertitel. In Kiel bleibt der Fußball derweil eine Geschichte mit zwei Gesichtern: dem industriepolitischen Höhenflug der Werft TKMS und dem sportlichen Wiederabstieg von Holstein Kiel aus der Bundesliga (siehe Schlagzeile 5 und „Am Rande notiert"). Handballerisch hält derweil Rekordmeister THW Kiel die Fahne der Landeshauptstadt hoch: In der DAIKIN Handball-Bundesliga reicht es 2024/25 zwar nur zu Rang vier, doch im DHB-Pokal-Finale in Düsseldorf bezwingt der THW den MT Melsungen mit 28:23 und holt sich — nach einem dramatischen 32:31 nach Verlängerung im Halbfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen — bereits den 13. Pokalsieg der Vereinsgeschichte; bei den EHF Finals sichert sich die Mannschaft zudem Bronze. Zwischen alldem bleibt die Kieler Woche vom 21. bis 29. Juni mit rund drei Millionen Besuchern der sportliche Fixpunkt des Sommers an der Förde.
MODE · 2025
Auch die Mode bleibt 2025 im ständigen Rhythmus der TikTok-Mikrotrends gefangen: Kurzlebige Ästhetik-Wellen lösen einander im Wochentakt ab, während sich als beständigerer Gegentrend eine Rückbesinnung auf boho-inspirierte, natürliche Stoffe abzeichnet. Der Boho-Chic prägt praktisch das gesamte Modejahr — im Frühjahr mit weißen Spitzenkleidern, im Sommer mit Fransen und Quasten im Festival-Look, im Herbst und Winter mit dunklem Chiffon; als Herzstück etabliert sich der weit schwingende Maxirock mit Volants, kombiniert mit Blusen oder Häkeltops an warmen und mit Pullovern an kühlen Tagen. Gleichzeitig feiert der Y2K-Stil der frühen 2000er sein Comeback: Haarreifen, schlicht oder mit Strasssteinen besetzt, eröffnen im Januar die Rückkehr der Nullerjahre-Ästhetik, Caprihosen aus Denim lösen die kurze Jeansshorts ab, dazu Ugg-Boots, Ballerinas und Denim-auf-Denim-Kombinationen. Einen einzelnen, alles überstrahlenden Modetrend wie in früheren Jahren gibt es 2025 dennoch nicht mehr — die Beschleunigung der sozialen Medien hat die große, einheitliche Mode-Erzählung abgelöst.
KULTUR · 2025
Auch in diesem Winter steht in der Ostseehalle wieder die große Eisshow auf dem Programm: Holiday on Ice gastiert mit der aktuellen Produktion „Cinema of Dreams" an der Förde und entführt das Publikum in die Welt großer Filmmomente, umgesetzt auf Kufen mit aufwendiger Kostümierung und Bühnentechnik. Seit 1953 gehört das Gastspiel zum festen winterlichen Programm der Landeshauptstadt. Wie in den Jahrzehnten zuvor lockt die Show auch diesmal Familien aus der gesamten Region in die Halle.
LICHTBLICKE · Gutes aus dem Jahr 2025
- Rabea Rogge wird erste deutsche Frau im All (April). Die gebürtige Berlinerin fliegt als Missionsspezialistin der privaten Fram2-Mission auf den ersten bemannten Polarorbit-Flug der Raumfahrtgeschichte.
- Fusions-Weltrekord am Wendelstein 7-X (22. Mai). Das Stellarator-Experiment des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik hält ein Hochleistungsplasma 43 Sekunden auf Rekordniveau — ein Meilenstein auf dem Weg zur Fusionsenergie.
- Rekordfinanzierung für das Fusions-Start-up Proxima Fusion (Juni). Die Münchner Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik sammelt 130 Millionen Euro ein — die größte private Fusions-Finanzierungsrunde Europas.
- Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung der Immuntoleranz (6. Oktober). Mary E. Brunkow, Fred Ramsdell und Shimon Sakaguchi werden für die Entdeckung regulatorischer T-Zellen geehrt, die das körpereigene Immunsystem davor bewahren, sich selbst anzugreifen.
- Jafar Panahi gewinnt die Goldene Palme in Cannes (24. Mai). Der iranische Regisseur, der wegen seiner Filme jahrelang mit Berufsverbot und Haft belegt war, triumphiert mit „Ein einfacher Unfall" und vollendet als erst vierter Filmemacher überhaupt die Trias der großen europäischen Festivalpreise.
- Doppeltes WM-Gold für Kiels Segelnachwuchs (August). Iven Fromm vom Kieler Yacht-Club wird mit Kjell Haschen U23-Weltmeister im 49er, während Vereinskollege Ole Schweckendiek sich bei der U21-WM in Irland bereits seinen vierten Weltmeistertitel im ILCA 7 sichert.
DAS WETTER · 2025 in Kiel
An diesem 13. Juli war es an der Förde ein milder Sommertag: Höchstwert 21,1 °C, in der Nacht 16,1 °C, im Mittel 18,1 °C; etwas Regen (1,0 mm).
Das Jahr über: Im Mittel 10,4 °C. Wärmster Tag 33,1 °C am 2. Juli, kältester −9,0 °C am 18. Februar. 3 Hitzetage (≥ 30 °C), 0 Eistage (Dauerfrost); Jahresniederschlag rund 695 mm.
(Messwerte der Station Kiel-Holtenau; Sonnenscheindauer nicht durchgehend erfasst. Quelle: Meteostat / DWD.)
DIE HITS DES JAHRES · Top 20 2025
Die 20 erfolgreichsten Titel des Jahres in Deutschland nach den Single-Jahrescharts.
- Wackelkontakt — Oimara
- APT. — ROSÉ & Bruno Mars
- Tau mich auf — Zartmann
- Ordinary — Alex Warren
- Golden — HUNTR/X, EJAE, Audrey Nuna, Rei Ami & KPop Demon Hunters Cast
- The Emptiness Machine — Linkin Park
- Akon — Jazeek
- That's So True — Gracie Abrams
- Show Me Love — WizTheMc x bees & honey
- Messy — Lola Young
- Die With A Smile — Lady Gaga & Bruno Mars
- Fata Morgana — Nina Chuba
- I Adore You — Hugel, Topic & Arash feat. Daecolm
- Birds Of A Feather — Billie Eilish
- Vielleicht vielleicht — MilleniumKid & JBS
- Sabía que no — Reezy
- Abracadabra — Lady Gaga
- Shabab(e)s im VIP — Pashanim & Ceren
- Bad Dreams — Teddy Swims
- Wunder — Ayliva x Apache 207
Quelle: Single-Jahrescharts Deutschland (offiziellecharts.de / chartsurfer.de).